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H. Ullrich
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Design-Fehler in der Natur: Alfred Russel Wallace und die Gott-lose Evolution
Design-Fehler in der Natur: Alfred Russel Wallace und die Gott-lose Evolution
von Ulrich Kutschera
  Broschiert
Preis: EUR 19,90

14 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Spannendes Lebensbild in unwürdigem Rahmen, 27. September 2013
Wissenschaftshistorische Analysen sind bekanntlich immer wieder für Überraschungen gut. Wie kam es zu den großen Ideen oder Theorien in der Naturwissenschaft, welche individuellen und soziokulturellen Begleitumstände prägten Forscherpersönlichkeiten? Zahlreiche geniale Köpfe der Vergangenheit sind in Vergessenheit geraten und mit ihnen ihre großartigen Leistungen.
Alfred Russel Wallace, ein Zeitgenosse von Charles Darwin, war ein solcher Forscher, dessen individuelle Lebensgeschichte und Leistungen als Biologe beeindrucken und darüber hinaus eine Fundgrube für das Verständnis des Wissenschaftsbetriebes im 19. Jahrhundert darstellen.
Ulrich Kutscheras Aufarbeitung der einzelnen Lebensabschnitte des Mitbegründers der Selektionstheorie liefert viele spannende Ansatzpunkte, die das o.g. bestätigen.

Leider büßt Kutscheras Arbeit Qualität und damit Zitierfähigeit ein, weil der Autor unbeirrt alle fachlichen und handwerklichen Missgriffe seiner früheren Werke fortsetzt. Dazu gesellt Kutschera einen zwar keineswegs neuen, jedoch für eine solche populärwissenschaftliche Publikation völlig deplatzierten Umgang mit seinen Gegnern. Die entwürdige und teilweise beschämende Art und Weise, wie u.a. evolutionskritische Positionen und deren Vertreter dargestellt werden, wirft ein trauriges Licht auf den Autor. Die kläglichen Versuche z.B., die Wahl des Eisvogels auf den Cover einer Publikation der SG Wort und Wissen zu ergründen (S.260-262) oder der Vergleich deutscher "ID-Kreationisten" mit "dickleibigen, Bier-trinkenden Spießbürgern" (S. 344) sind dafür selbstredend.
Gibt es beim LIT-Verlag keinen Lektor, der solche Entgleisungen verhindern könnte?
Neben der Abqualifizierung seiner weltanschaulichen und wissenschaftlichen Kontrahenten liegt ein weiterer Schwerpunkt in Kutscheras Buch auf der Kritik des Design-Argumentes. Design-Fehler" in der Natur sind - so es sie denn wirklich gibt und diese mittels naturwissenschaftlicher Methodik als solche auch klar definierbar wären - tatsächlich eine Herausforderung für alle, die von der Existenz eines genialen und kreativen Designer überzeugt sind. Kutschera ignoriert jedoch konsequent alle publizierten Kriterien, was im wissenschaftlichen Sprachspiel als designt gilt und was nicht. Nach eigenem Gutdünken, in welches zudem viele subjektive theologische Vorstellungen mit einfließt, legt Kutschera fest, was gutes Design in der Natur ist und wie der Designer zu handeln habe. Ein Kinderspiel ist es dann für ihn, diesen selbst geschaffenen Strohmann an eigenartig anmutenden Beispielen (wie die Kristallstruktur von NaCl, der Kreislauf der Gesteine, Sauerstoffradikale) zu zerpflücken. Kutschera bewegt sich damit völlig außerhalb dessen, was in der wissenschaftlichen Diskussion um das Designargument tatsächlich im inhaltlichen Zentrum steht.

Die Gliederung und der Aufbau des Buches orientieren sich nicht an dem durch die Überschrift vorgegeben roten Faden. Dem Leser werden weite Sprünge zwischen Wallace`s Leben, den "ID-Kreationisten", Darwin und den ungeliebten Vertretern der Frankfurter Konstruktionsmorphologie zugemutet, eine gedankliche Kontinuität bleibt so weithin unkenntlich.
Der Stil ist - gemessen an seinen bisherigen Publikationen - typisch für den Autor, geprägt von wiederkehrenden unbegründeten Pauschalaussagen und Worthülsen. Das bisher schon enorme Ausmaß an Selbstzitationen übersteigt in diesem Werk das Maß des Erträglichen.

Wallace`s Leben und Werk, dem der Ruhm seines über allen geschätzten Vorbildes Charles Darwin verwehrt blieb, ist es wert, in Erinnerung gerufen zu werden. Kutschera gelingt es - wenn er sich auf dieses Thema konzentriert -, die ungewöhnliche Spannweite des akribisch arbeitenden, aber meist mittellosen Naturforschers und gleichzeitig verlachten, tischerückenden" Spiritisten nachzuzeichnen.
Dennoch, jeder der das Buch bis zum Ende aufmerksam liest, fragt sich, warum diese Lebensgeschichte in einem solch unwürdigen Rahmen eingefügt werden musste.

Dr. Henrik Ullrich
Kommentar Kommentare (9) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 10, 2014 9:23 PM CET


Lebewesen und Design: Eine Einführung
Lebewesen und Design: Eine Einführung
von Markus Rammerstorfer
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,80

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Akte "Evolution" noch immer offen, 25. Mai 2010
Anerkennung und Hochachtung für dieses Buch: differenziert, knackige Statements, kurzweilig, informativ, verständlich trotz anspruchsvoller Darstellung von Details, hervorragend ausgewählte Zitate.
Das Buch füllt eine Lücke zur Thematik für den Leserkreis interessierter Laien und ist darüber hinaus ein sehr guter Einstieg für alle, die es ganz genau wissen wollen!
Rammersdorfer zeigt, dass kein Grund besteht, die Akte Evolution als erledigt zu betrachten!

Dr. Henrik Ullrich


Spuren Gottes in der Schöpfung: Eine kritische Analyse von Design-Argumenten in der Biologie
Spuren Gottes in der Schöpfung: Eine kritische Analyse von Design-Argumenten in der Biologie
von Reinhard Junker
  Broschiert
Preis: EUR 12,95

14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Intelligent Design: Solide und differenzierte Informationen statt defizitärer Pauschalaussagen, 13. März 2010
Intelligent Design (ID), Nichtreduzierbare Komplexität und Teleologie ' das sind einige Begriffe, die in einer Vielzahl aktueller Publikationen im Darwin-Jahr aufgegriffen und diskutiert wurden. Als Ergebnis stellt man unter Berufung auf die 'Tatsache Evolution' zumeist fest, dass wir in der Biologie den Rückgriff auf einen Designer oder einen Schöpfer nicht mehr benötigen, auch wenn die zahlreichen Strukturen und Funktionen des Lebens wie 'designt' aussehen. Das Bild, das dabei über die erkenntnis- und wissenschaftstheoretischen sowie wissenschaftlichen Grundlagen und Argumente des Design-Ansatzes verbreitet wird, deckt sich selten mit dem, was tatsächlich durch deren Vertreter gezeichnet wird. Ist unter Berücksichtigung des heutigen biologischen Wissens das Thema 'ID' bzw. 'Design' tatsächlich kein wissenschaftliches Gesprächsthema mehr, allein weil das Designargument über das wissenschaftlich Erfassbare hinausgeht ? Stellt der Verweis auf einen Designer lediglich einen verschleierten aber hoffnungslosen Versuch dar, den Kreationismus zu retten?

Reinhard Junker gelingt mit dem Buch "'Spuren Gottes in der Schöpfung? Eine kritische Analyse von Design-Argumenten in der Biologie"' zweierlei. Es liefert abseits jeglicher Polemik eine profunde Darstellung und eine detaillierte Analyse der Kritik der Grundideen der Intelligent Design-Bewegung. Damit bietet der Autor einen verlässlichen Faktenfundus gegenüber den zahlreichen defizitären Angeboten (z. B. Hemminger H [2009] 'Und Gott schuf Darwins Welt') zur Thematik.

Zweitens entwickelt Junker das Design-Argument weiter, gerade in Bezug auf dessen Verwendbarkeit für eine biblische Schöpfungslehre. So wird zum Beispiel der von Christoph Heilig in die Diskussion eingeführte Begriff des 'Spezifischen Design' vorgestellt, das Hinweise auf Eigenschaften eines bekannten Designers vermittelt und gezielte, heuristisch wertvolle Forschung erlaubt.

In seinem Buch nähert sich Junker dem Thema der Teleologie (Zweckmäßigkeit, Zielorientierung) in der Biologie auf verschiedenen Wegen (wissenschaftstheoretisch, wissenschaftlich, theologisch) und arbeitet prägnant die Unfähigkeit bisheriger evolutionärer Modellierungen zur Erklärung dieses Phänomens heraus. Design liefert eine plausible Antwort, wenn man bereit ist, sich aus dem naturalistischen Korsett des Verständnisses von Wirklichkeit und ihrer Geschichte zu befreien. Viel Mühe verwendet der Autor darauf, das Lückenbüßerargument sowie den an Design-Ansätze gerichteten Vorwurf der Wissenschaftsfeindlichkeit zu entkräften. Und das gelingt mit Erfolg.

Das Buch ist abschnittsweise anspruchsvoll und fordert Konzentration vom Leser. Die Zusammenfassungen der Kapitel, die Hervorhebungen zentraler Aussagen im Text und ein abschließender Thesenteil machen es dennoch jedem Interessierten möglich, das Buch mit mit großen Gewinn zu lesen. Der ausführliche Fußnotenteil liefert die Originale englischer Zitate sowie weitere vertiefende Diskussionen.

Jeder, der sich kompetent und sachlich fundiert über Intelligent Design, Schöpfung und Evolution informieren möchte oder selber an der Debatte teilnimmt, kommt an diesem Buch nicht vorbei. Junkers Monographie ist eine besondere Einladung an die ID-Kritiker im deutschsprachigen Raum, sich endlich den tatsächlich diskutierten Argumenten zu stellen und Strohmänner aufzugeben.


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