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Rezensionen verfasst von
rxpohle@hotmail.com (Berlin, Deutschland)

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Das Buch Franza
Das Buch Franza
von Ingeborg Bachmann
  Taschenbuch

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gesellschaftliche Auslese setzt Abhängigkeit voraus, 2. Februar 2001
Rezension bezieht sich auf: Das Buch Franza (Taschenbuch)
Von manchem Werk bleibt vordergründig ein Satz im Gedächtnis, der, in
seinem Gehalt noch geheimnisvoll, von Zeit zu Zeit unvermutet aus dem
Unbewußten auftaucht. "Die arabische Wüste ist von zerbrochenen
Gottesvorstellungen umsäumt." Franzas Erleben kulminiert in
dieser trostlosen Erkenntnis. Vor allem ihr Glauben an einen
schützenden Vater erweist sich als Illusion und fataler Irrtum. Franza
erliegt dem Charisma des renommierten Psychiater Leopold Jordan, ihres
späteren Ehemanns. Sie bemerkt ihre von Jordan geförderte
Selbstaufgabe zu spät, um ihre Psyche zu regenerieren. Die Flucht vor
ihrem Mann erscheint deshalb als letzte Reise, als Aufbäumen gegen
Übermächtiges. Der Fragment gebliebene Teil des Projekts
"Todesarten" erstaunt zunächst durch das extreme
Machtgefälle zwischen Jordan und Franza, auf das sich eine
Geschlechterpolitik unkompliziert beziehen ließe.
In ihm wird darüber hinaus das Verhältnis der Westeuropäer zu ihrer
jüngeren Vergangenheit (Faschismus und Kolonialismus) angesprochen und
dieses an den Protagonisten exemplifiziert.
"Das Buch Franza" nützt auch zum Studium von
Abhängigkeiten, welche die kulturelle Vielfalt, die Lebendigkeit einer
Gesellschaft beeinträchtigen. Ingeborg Bachmann gelang mit ihm ein
politisches Werk, das zudem künstlerisch überzeugt.


Verrückt nach Vincent & Die Hunde: Erzählungen
Verrückt nach Vincent & Die Hunde: Erzählungen
von Hervé Guibert
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,90

0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Versuche, das Flüchtige zu bannen., 31. Januar 2001
Vincent, der Junge auf dem Photo des Covers, ist tot, an den Folgen
eines Milzrisses gestorben. Hervé Guibert vergegenwärtigt sich seiner
in dem Versuch, die im wesentlichen auf Drogen und Sex beruhende
Beziehung schreibend nachzuvollziehen. Er strukturiert dabei seine
Erzählung mittels einer reversen Chronologie. Photo und Erzählung
ergänzen sich insofern, als das photographische Objekt eine Legende
erhält und dafür die Erzählung authentifiziert. Hervé Guibert gibt, in
dem Versuch es zu fassen und ihm einen Sinn zu verleihen, unbefangen
einen Teil seines Lebens preis. Das zeichnet ihn aus, und darin
besteht meiner Ansicht nach seine Größe. "Die Hunde" nannte
Guibert sein pornographisches Büchlein. Er expliziert in ihm eine
sado-masochistische Phantasie, die auf Michel Foucaults Sexualleben
bezogen wurde und dadurch Aufsehen erregte. Der sprachliche Fokus auf
das Sexuelle bleibt notwendig hinter der sinnlichen Qualität
pornographischer Photos zurück. Wo im einen Fall das Fleisch zum
Greifen nah erscheint, zeigen sich im anderen nur nüchterne
Buchstaben.


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