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Händelfan "Josh" (München)

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Handel: Tamerlano
Handel: Tamerlano
Preis: EUR 28,27

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Keine Sternstunde...., 14. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Handel: Tamerlano (Audio CD)
Diese Neuaufnahme von "Tamerlano", einer der schönsten Händelopern überhaupt ist eine Enttäuschung nahezu auf allen Ebenen. Mein Vorrezensent muß wohl eine völlig andere Einspielung gehört haben. Es existieren auf dem Markt eine bekanntere und exzellente Aufnahme unter John Eliot Gardiner mit hervorragenden Solisten. Eine unglaublich schöne, hochinteressante und individuell gestaltete Aufnahme mit herausragenden griechischen Solisten, darunter ganz besonders hervorstechend die hochmusikalisch und stimmschön singende Mary-Ellen Nesi unter dem ungewöhnlich inspirierten Dirigenten George Petrou kam 2007 auf den Markt. Eine direkte Empfehlung für diese beiden Aufnahmen sei hiermit ausgesprochen. Wer einen wirklich gelungenen Tamerlano hören möchte, sollte um diese neu vorliegende Aufnahme jedoch einen großen Bogen machen. Sie funktioniert, trotz einiger durchaus schöner Einzelstellen einfach nicht, es kommt keinerlei wirkliche musikalische Atmosphäre noch ein stimmiges Gesamtbild auf. Max Emanuel Cencic, einer der souveränsten und besten Countertenöre unserer Zeit, der diese Aufnahme wohl für sein eigenes Ego produziert hat, hat sich hiermit einen schlechten Dienst erwiesen. Leider kann er in der Rolle des "Andronico" nicht überzeugen und ist somit eine Fehlbesetzung mit seinem eher hell timbrierten Timbre, das sich bestens für strahlendere und siegreichere Barock Helden eignet. Cencic vermag es hier einfach nicht, der Figur ein Gesicht zu geben, er bleibt der Rollle all die Sinnlichkeit, Audrucksfähigkeit, den Schmerz und die Souveränität schuldig, die beispielsweise von Michael Chance in der älteren Aufnahme mit Gardiner so überzeugend dargestellt wurden. Auch Mary-Ellen Nesi singt und vor allem gestaltet diese Rolle unter George Petrou unvergleichlich besser. Die elegischen Arien sind hier uninspiriert und schnell heruntergesungen. Überzeugen kann Cencic jedoch wiederum in den lebhaften Koloraturarien des 2. Aktes, die seiner Stimmfarbe und Stimmführung eher passend sind. Unterboten wird das ganze aber von einem völlig abgesungenen, von mir jedoch einst sehr geschätzten Tenor John Mark Ainsley, hier in einer seiner schwächsten Aufnahmen. Man erkennt hier sein einst so unvergleichliches Timbre seiner äußerst gelungenen "Hyperion" Aufnahmen von Händel Oratorien aus den 90er Jahren leider nicht wieder. Von musikalischem Singen und technischer Souveränität weit und breit nichts mehr zu hören. Bemüht quält er sich mit seiner inzwischen brüchigen lyrischen Stimme durch die heldischen Arien des Bajazet und nimmt ihnen somit ihre ganze Majestät und Kraft. Eine völlig Fehlbesetzung. Eine Enttäuschung dieser Aufnahme ist aber auch Karina Gauvin für alle diejenigen, die ihre sanft timbrierte und schlank geführte wunderschöne Stimme der letzten Jahre geschätzt haben. In dieser Aufnahme, vor allem im gesamten 1. Akt ist Sie nur noch ein Schatten Ihrer selbst. Die Stimme von Gauvin klingt hier müde, gequält, aufgequollen, einfach nicht mehr souverän und das Timbre erinnert nur noch von fern an früher. Gauvin bietet somit an zahlreichen Stellen die Karrikatur ihrer eigenen Stimme an. Schön gesungen und an die Leistung früherer Jahre erinnernd nur Ihre große Arie "Cor di padre" und das zusammen mit Max Emanuel Cencic ausdrucksvoll gestaltete Duett "Vivo in te" aus dem 3. Akt. Leider hat sich auch diese einst hochbegabte Sopranistin wie viele Sänger im modernen, schnelllebigen Opernbetrieb in unzähligen Aufnahmen und Aufführungen in den letzen Jahren verheizen lassen und somit ihr wertvolles Kapital verschleudert und ist auf dem besten Wege es durch Überbelastung zu ruinieren. Es tut weh dies zu hören. Selbst das bemühte aber nicht wirklich inspirierte Dirigat von Riccardo Minasi kann diese Aufnahme nicht tragen, es ist eher durchschnittliche, schon oft gehörte Barockroutine, nicht mehr. Die Aufnahmetechnik bietet einen gut ausbalancierten jedoch leicht metallischen Klang. Einzig Xavier Sabata mit seinem tonschönen Countertenor und die souverän und ansprechend singende Ruxandra Donose meistern Íhre Aufgaben äußerst solide, können hiermit diese Aufnahme aber auch nicht retten, da das Hauptaugenmerk von "Tamerlano" auf den großen Arien der zuvor rezensierten Protagonisten liegt. Wer die Ausnahmesänger Max Emanuel Cencic, Karina Gauvin und Xavier Sabata jedoch in Bestform erleben möchte, dem sei die 2012 bei DECCA erschienene Aufnahme von Händels "Alessandro" unter dem fabelhaften Dirigat von George Petrou mit dem Ensemble Armonia Atenea ans Herz gelegt. Dieser "Alessandro" mit der ebenfalls schön singenden Julia Lezhneva bereitet Freude pur und ist in der Tat eine kleine Händel Sternstunde....Vorliegende Aufnahme leider nicht!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 7, 2015 2:21 PM CET


Ariodante
Ariodante
Preis: EUR 26,46

16 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen wünschenswerter Abgesang....., 20. Mai 2011
Rezension bezieht sich auf: Ariodante (Audio CD)
Es war klar, daß sich Alan Curtis und Co-Produzentin Donna Leon nach der Einspielung von so vielen unbekannteren Werken Händels neben "Alcina" von 2009 jetzt nun auch den "Leckerbissen" Ariodante nicht entgehen ließen. Eigentlich schade, denn die einzig musikalisch und stimmlich hervorragende Sängerin in dieser Aufnahme heißt Karina Gauvin. Wäre mit Ihr als Hauptrolle eine neue "Partenope" eingespielt worden, hätte man - obwohl schon mit der Ausnahmesängerin Rosemary Joshua aber auch insgesamt hervorragend besetzte Aufnahme unter Christian Curnyn existiert, erschienen im Jahr 2005 bei dem Label Chaconne - eine Lücke geschlossen. So ist Gauvin nur eine der Besten, in einer mehr oder weniger überflüssigen, aber deshalb keineswegs schlechten Aufnahme. Die Kanadierin Karina Gauvin - ein Licht am derzeitigen Barockopernhimmel- singt die Ginevra mit einer stimmtechnischen Souveränität und Musikalität, die - zumindest in dieser Rolle - fast einer Lynn Dawson ebenbürtig ist oder sogar - wenn auch nur von fern - an Edith Mathis erinnert. Schon in den Aufnahmen der Händelopern Ezio und Alcina (beide 2009 erschienen bei DG Archiv unter Alan Curtis) bezauberte Sie mit ihrer musikalisch geführten, leuchtend-zarten Sopranstimme als eine der Besten im Ensemble.
Die Hauptrolle des Ariodante wird von der amerikanischen Mezzosopranistin Joyce DiDonato souverän aber leider eben nur so gesungen. Es gibt nichts zu mäkeln, aber eben auch nichts zu loben. Wir hören bei DiDonato zwar einerseits eine voluminöse und wohlklingende Stimme, die aber für Barockmusik viel zu schwer und breit geführt ist und was noch schlimmer ist,es entsteht einfach kein ausdrucksvolles Rollenportrait. Die eigentlich hoch emotionale und psychologisch interessante Figur des Ariodante bleibt blaß und nichtssagend. Um eine Hauprolle auf Tonträger zu verewigen bedarf es einfach eines sofort wiedererkennbaren Timbres, einer dramatischen und musikalischen Phrasierung, die sich in unserem Gedächtnis einprägt und das fehlt hier nun leider zur Gänze. Die hochmusikalischen Wortbehandlungen und Stimmfarben einer Anne Sofie von Otter oder gar einer Lorraine Hunt Lieberson sucht man hier leider vergeblich, obwohl DiDonato die größere Stimme hat und trotz ihrer oben erwähnten Defizite durchaus virtuos beeindruckende Koloraturen aufbietet. Die Aufnahme ist wohl einem schon vor einigen Jahren geschlossenen Exclusivvertrag der Sängerin mit EMI/Virgin Classics geschuldet.
Die Interpretation der Dalinda von Sabina Puertolas bedarf - weil blaß und uninteressant- keiner weiteren Erwähnung. Wenn man wirklich erfahren will, wieviel Schönheit in der Rolle der Dalinda steckt, wie stimmschön, verletzlich sowie zart sie gesungen und interpretiert werden kann, muß man schon weit zurück gehen bis zur Einpielung mit Norma Burrows bei Philips, um somit auch zu hören, an welch oberflächliche und nichtssagende Stimmen wir uns mittlerweile gewöhnt haben. Die Deutung von Burrows wird wohl nie wieder erreicht werden. Sie machte damals unter dem Dirigat von Raymond Leppard eine Nebenrolle zur Hauptrolle.
Nach so vielen Frauenrollen sehnen sich Barock- und Händelliebhaber bei Polinesso - wenn nicht gerade eine Ausnahmealtistin wie Ewa Podles zur Verfügung steht - nach einem Countertenor, der die so verführerische und reißerische Rolle des Bösewichts Pollinesso gebührend darzustellen vermag und für dessen Stimmlage diese Partie Händel auch geschrieben hat. Bei vorliegender Aufnahme müssen wir Zuhörer uns jedoch mit einer langweilig und matronenhaft klingenden Stimme von Marie Nicole Lemieux abquälen, welche in der 7 Jahre vor dieser Einspielung entstandenen Rodelinda ebenfalls unter dem Dirigat von Alan Curtis noch einen vielversprechend klingenden Unulfo sang, hier aber unerträglich schwerfällig, unidiomatisch, ja sogar albern klingt und keine einzige Koloratur angemessen meistert. Eine völlige Fehlbesetzung also im Gegensatz zur phänomenalen griechischen Mezzosopranistin Mary Ellen Nesi, die den Polinesso 2007 in Alan Curtis Live Aufnahme von Ariodante aus Spoleto zwar etwas lyrisch aber dennoch unglaublich stimmschön, emotional intensiv und tiefgründig interpretiert hat. Ein großes Versäumnis der Produzenten, daß man Mary Ellen Nesi nicht auch für die vorliegende Aufnahme verpflichtet hat und uns stattdessen eine völlig belanglos singende Marie Nicole Lemieux zumutet.
Auf eine feurige Bravourarie "Dover, giustizia, amor" - einer der Höhepunkte der ganzen Oper - warten wir hier somit vergeblich, übrigens auch bei Alan Curtis, der diese Arie so biederbrav musiziert, und ihr jegliche Dramatik schuldet, so daß sich Händel im Grab umdrehen würde, hätte er die Möglichkeit, diese Aufnahme zu hören. Alle Tempi von Alan Curtis, der zum Zeitpunkt der Aufnahme bereits 75 Jahre alt war, sind übrigens sehr moderat gewählt, was zum schnell dahinpreschenden Marc Minkowski für viele Zuhörer zwar eine angenehme Alternative darstellen dürfte und somit einer der Pluspunkte der Aufnahme ist, aber auch das ist wieder zwiespältig, denn die Dramatik bleibt dabei freilich völlig auf der Strecke. Die männlichen Protagonisten, wie etwa der bewährte aber sehr leichtfüßig klingende Tenor Anicio Zorzi Giustiniani in der Rolle des Odoardo sowie der musikalisch und unkonventionell singende Baß Matthew Brook als König runden eine allenfalls gefällige Aufnahme ab. Die Klangqualität dieser Neuaufnahme läßt allerdings nichts zu wünschen übrig. Dieser Ariodante ist somit bestenfalls als hörenswerte Zweit- oder gar Drittaufnahme neben den hervorragenden Einspielungen von Marc Minkowski (DG Archiv) und Reymond Leppard (Philips) zu Empfehlen und auch hier werden insbesondere Fans von Karina Gauvin und Joyce DiDonato auf ihre Kosten kommen.
Alles in allem sieht es so aus als wäre dies eine von Alan Curtis letzten Händel Einspielungen, da Verträge bei DG Archiv wohl nicht verlängert sind. Nach diesem Ariodante und auch einigen mittelmäßigen - weil akademisch und uninspiriert herunterdirigierten - Vorgängeraufnahmen, wäre es nun allerdings ein wünschenswerter Abgesang...


Joshua
Joshua
Preis: EUR 33,99

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen für Fans des Kölner Kammerchors...., 16. März 2010
Rezension bezieht sich auf: Joshua (Audio CD)
Diese Einspielung von Händels Oratorium "Joshua" ergibt für mich auch nach mehrmaligem Anhören einen zwiespältigen Eindruck und ist wohl nur als Zweiteinspielung und vor allem für Fans des hervorragenden Kölner Kammerchors zu empfehlen. Das Dirigat von Peter Neumann, der wohl eine beachtliche "Athalia", einen interessanten "Saul", einen überaus hörenswerten "Belshazzar" und eine sehr schöne "Susanna" eingespielt hat, sich aber schon bei seiner Live-Aufnahme der "Theodora" in Sängerauswahl und Dirigat sehr enttäuschend und mediokrit gezeigt hatte, wirkt hier akademisch und uninspiriert. An vielen Stellen kommt die Schönheit der Händel'schen Musik nicht zum Vorschein, da Neumann oft metrisch und orchestral undurchsichtig herunterdirigiert. Beispielsweise hört man etwa bereits im ersten Choreinsatz wichtige Begleitfunktionen des Orchesters und Akzente der Violinen nur schwammig im Hintergrund, während etwa bei Robert Kings Londoner Einspielung von 1991 ein unendlich farbiges, akzentuiertes und lebendiges Orchsterspiel dargeboten wird. Das setzt sich so von Szene zu Szene fort. Auch die berühmte von der Violine begleitete Nil-Szene der Achsah, die zu einer der schönsten und berührendsten Händel Arien überhaupt gehört, läßt einen hier kalt. Die koreanische Sopranistin Myung-Hee Hyun, obwohl über eine beachtliche Stimmführung verfügend, singt auf dieser vorliegenden Aufnamhe fade, unmusikalisch und belanglos, ist eine Fehlbesetzung. Selten habe ich - trotz schönem Stimmklangs- eine derart unberührende, unbeholfene und unpassende Händelsängerin erlebt wie hier. Sie wird der musikalischen und gestalterischen Schwierigkeiten dieser Arien einfach in keinster Weise gerecht. Händel hat für sein Oratorium "Joshua" gleich mehrere der anrührendsten Sopranarien überhaupt geschrieben, unendlich filigran und zerbrechlich. Wer diese Rolle der Achsah angemessen interpretiert wissen will, muß schon zu Emma Kirkbys unübertroffener und unglaublich berührender sowie differenzierten Interpretation unter dem Dirigenten Robert King greifen. Diese Aufnahme, welche bei dem englischen Label "Hyperion" herauskam, ist eine der schönsten Oratorieneinspielungen von Händel überhaupt, eine absolute Referenz und stellt somit Neumanns Lesart ohnehin in den Schatten. Einzig der souverän und klangschön singende Kölner Kammerchor macht die vorliegende Einspielung hörenswert. Der gewohnt warme Chorton, musikalisch geführt, bringt einen Lichtblick in die sängerisch und orchestral sonst eher durchschnittliche Aufnahme. Dieses bringt auch Peter Neumanns Rang als kompetenter Chorleiter wieder in ein angemessenes Licht. Auch der Tenor James Gilchrist und Altus Alex Potter singen solide und ansprechend, einzig der Baß von Konstantin Wolff sticht durch Stimmschönheit und Wortverständlichkeit sowie auch durch musikalisches Phrasieren hervor.


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