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row-t "(In dreams...i walk with you, in dreams...i talk to you...)" (Kraiburg a. Inn)

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Fallen Angels [VHS]
Fallen Angels [VHS]
VHS
Wird angeboten von MedienSchätze
Preis: EUR 5,00

11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Filmkunst in Reinkultur!, 6. März 2003
Rezension bezieht sich auf: Fallen Angels [VHS] (Videokassette)
Was Kultregisseur Wong Kar-Wai (Chungking Express, Happy Together, In The Mood For Love) hier aus dem Ärmel zaubert ist schlichtweg grandios. Wie zufällig scheint er sich aus der befremdlich wirkenden, überreizten 6 Millionen Neo Noir-Metropole Hong Kong fünf Menschen ausgesucht zu haben, um sie auf ihrer Suche nach Liebe und Leben mit der Kamera durch die ständig gegenwärtige Nacht zu begleiten. Kurz vor der chinesischen Machtübernahme zeigt er die pulsierende, dem ungewissen Schicksal entgegengleitende, Großstadt als schillernden Fluchtpunkt sehnsüchtiger Phantasien.
Erzählt wird die Geschichte eines jungen Profikillers der seine anonyme Tätigkeit schätzt, weil sie ihm jede Verantwortung für sein Verhalten abzunehmen scheint. Seine Aufträge bekommt er von seiner hübschen Agentin, die er kaum zu Gesicht bekommt. Sie arbeitet im Hintergrund und während seiner Abwesenheit kümmert sie sich nebenbei um seine verdreckte Wohnung und sucht in seinen Abfällen nach seiner Seele. Längst hat sie sich in ihren Boss verschaut, doch für diesen ist eine Bindung alleine schon wegen seines Berufes ausgeschlossen. Sein Job wird ihm auch immer riskanter und so beschließt er eines Tages auszusteigen. Seiner Agentin lässt er das alles aus der Entfernung wissen und hinterlässt ihr in seiner Lieblingsbar eine Münze für ein Lied aus der Jukebox ("Vergiss Ihn!").
Gleichzeitig erfahren wir vom gehörlosen He, der im gleichen Apartment wohnt wie die Agentin des Killers. Nachts bricht er in Geschäfte ein um den Betrieb zu später Stunde weiterzuführen und um somit seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Er zwängt harmlosen Leuten seine Dienste auf bis diese nachgeben. Später gerät er an eine eifersüchtige Verrückte, in der er sich schließlich verliebt. Doch sie braucht ihn nur als Detektiv um die falsche Schlange, die ihren Freund ausgespannt hat ausfindig zu machen oder um sich an seinen Schultern auszuheulen. Nachdem sein Vater gestorben ist versucht er sein Leben besser in den Griff zu bekommen und eröffnet einen Imbiss. In dem Etablissement trinkt auch der Killer Wong und träumt davon eine eigene Bar aufzumachen, doch sein Schicksal ist bereits besiegelt.
Mit seinem typischen, unkonventionellen und suggestiven Erzählrhythmus schafft es der Regisseur einmal mehr die inneren Seelenzustände seiner Charaktere wiederzuspiegeln. In einer reizüberfluteten, anonymen Welt, wo Zeit, Raum, Kommunikation und menschliche Bindungen längst versagt haben, suchen die orientierungslosen, nach aussen hin extrem cool wirkenden Figuren, die Wong Kar-Wai immer wieder durch geschickten und perfekt getimten Einsatz von Independent Musikstücken auflaufen lässt um mit dieser Art und Weise ihre Gefühlslagen zu kommentieren, nach Wärme und Geborgenheit. Die verwendete Bildsprache Kar-Wai's ist dabei allesüberragend. So wird man dank der ungewöhnlichen Kameraeinstellungen, der schwindelerregnden Kameraführung, der ausgereiften Montagetechniken wie Stop Motion, dem Überlappen von Bild-und Tonspur, dem Umgang mit verschiedenen Bildgeschwindigkeiten vom Zeitraffer bis zum eingefrorenem Standbild, dem Wechsel von s/w und Farbe, dem Einsatz von Handkameras, extremer Weitwinkelobjektive, oder dem bewußten Umgang mit Unschärfen, als Zuschauer in einen tranceartigen, zeitlosen Film-Raum versetzt, der einen regelrechten Rausch verursacht und den Film beinahe zu einer Sucht werden lässt. Desweiteren wird mit surrealen Motiven und haufenweise Metaphern gearbeitet um die innersten Gefühle der Figuren kunstvoll nach Außen kehren zu lassen.
Die Tonspur ist dabei ein weiteres dramaturgisches Element, welches erheblich zur Geschlossenheit beiträgt. Oftmals verbinden die geniale Musik (von Reggae, Darkwave bis Trip Hop) und die, Kar-Wai-typisch, als Off-Stimme eingesetzten lakonischen Selbstkommentare der Charaktere mehrere Einstellungsfolgen, die zeitlich wie räumlich völlig getrennt sein können.
Fallen Angels ist ein faszinierender Einblick in die von Einsamkeit und Angst geprägte Gefühlswelt einer entfremdeten, modernen Großstadtgesellschaft. Gleichzeitig aber auch ein hochstilisiertes, audiovisuelles Kunstgemälde, das sich gegen jede Form des narrativen Kinos wehrt und besonders kunstbegeisterte Filmliebhaber und Freunde des anspruchvollen und unkonventionellen Films begeistern wird. Mein persönlicher Lieblingsfilm!


Kein Titel verfügbar

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Abgründig und bösartig, ein Meilenstein!!, 21. Januar 2003
Tokio - Ganz im Kontrast zur Zauberwelt eines Harry Potter entwarf die japanische Firma Konami bereits 1999 mit "Silent Hill" ein digitales Horrorszenario, das auf psychologisches Grauen und subtile Angst setzt.
Harry Mason hat den Tod seiner Frau immer noch nicht ganz verkraftet und gönnt sich mit seiner Tochter Cheryl einen Urlaub. Letztere durfte den Ort der Erholung für sich bestimmen und wählte das romantische Gebrigsstädtchen Silent Hill. Kurz vor dem Eintreffen in der Stadt baut Harry einen schrecklichen Autounfall als mitten auf der Straße plötzlich eine dunkle Mädchenngestalt auftaucht und er gerade noch ausweichen kann. Noch benommen stellt er fest, dass seine Tochter spurlos verschwunden ist. Also macht er sich auf die Suche nach seinem geliebten Kind und erlebt in der Stadt Silent Hill den absoluten Alptraum seines Lebens.
Aus dem bekannten Urlaubsort wurde eine menschenleere Einöde, eingedeckt in dichtem, surrealen Nebel. Einige wenige Menschen tummeln sich allerdings doch noch in der Stadt. Diese sind entweder auch völlig ratlos oder wirken äußerst mysteriös und unwirklich. Was folgt ist nervenzerreißend. Schnee im Hochsommer, bizarre Monster lauern im Nebel hinter jeder Strassenecke, immer mehr rätselhafte Gestalten deren wirrer und kryptischer Sätze man kaum folgen kann, eine teuflische Parallelwelt aus Dunkelheit und Schmerz die kommt und geht. Schon bald weiß Harry nicht mehr ob das alles ein Traum ist oder tatsächlich Realität.
Die Frage ist, was geschieht mit Harry und vorrallem, was geht in dieser Stadt vor und wo ist seine geliebte Tochter? Ist er vielleicht verrückt und bildet sich alles nur ein oder sind wirklich dämonische Kräfte am Werk. Sein Bewußtsein rast durch die Hölle und es ist nicht klar ob es sich dabei um seine eigenen seelische Abgründe handelt, die einer verzweifelten Krankenschwester oder einer jungen Frau, die eigentlich nur ein ganz normales Mädchen sein möchte, aber für schreckliche Rituale mißbraucht wird. Doch warum wäre dann Harry in den Alpträumen Anderer gefangen und was hätte das mit dem Verschwinden seiner kleinen Tochter zu tun? Keiner kann genau sagen was nun wirklich vor sich geht und sogar der Schluss wirft mehr Fragen auf als er beatwortet. "Silent Hill" mag zu allen erdenklichen Interpretationen führen - nur nicht zu einem Ziel auf dem Boden der Gewißheit.
Während die Story in seiner Verworrenheit, seinen surrealen Figuren und seiner mystischen Magie an das Durcheinander von David Lynch erinnert, könnte man bei der Darstellung der Optik vermuten, Francis Bacon wäre an der Produktion des Titels beteiligt gewesen. Die Grafik erreicht vorallem in den Gebäuden ein sehr hohes PlayStation-Niveau, Texturen und Lichteffekte sind von hoher Qualität und das Design ist wie bereits erwähnt künstlerisch sehr gehaltvoll. Allerdings auch sehr makaber, skurill und grotesk, alleine der Anblick der Parallelwelt ist nichts für zarte Gemüter. Spielerisch gibt es die übliche Mischung aus Monsterkampf und rätsellösen, wobei letzteres bedeutend anspruchsvoller gelöst wurde, als etwa bei den Konkurrenzprodukten. So sind die poetisch wirkenden Rätsel genauso mysteriös wie die gesamte Story und erweisen sich fast durchgängig als harte, aber durchaus sehr intelligente Kopfnüsse. Höhepunkt des Spiels ist ohne Frage die Gesamtatmosphäre und das fängt bereits mit dem Sound an. Dieser ist kaum in Worte zu fassen. Durch erschreckend düstere und morbide Industrial-Sounds, die sich stetig in einem bösartig psychotischen Rythmus wiederholen, ensteht zusammen mit der ebenso düsteren Optik und der mysteriösen Geschichte, bei der man nie weiß ob sie nun in die psychische -oder in die okkulte Kerbe schlägt, eine extrem beängstigende Horror-Atmosphäre, wie sie zur Zeit nur diese Spielereihe zu bieten hat. Neben den völlig depremierenden Psychosounds hört man gelegentlich aber auch herrlich schräge Gitarrenklänge, die sich am Besten als eine Mischung aus Twin Peaks und Pulp Fiction beschreiben lassen. Der Soundtrack ist wirklich eine kleine Revolution im Videospielbereich, etwas dermaßen Independent-lastiges in dieser Klasse hat man wirklich selten gehört. Soundkomponist Akira Yamaoka genießt seit Silent Hill unter Insidern bereits einen Kultstatus. Völlig zurecht!
Abschließend bleibt zu sagen, dass dieses Kultspiel gleichermaßen für Fans von ansprechender Horrorliteratur und intelligentem Horrorkino als auch für erwachsene Videospielfans, die bisher vergeblich nach einem neuen und etwas "anderen" Kick suchten, geeignet ist. Sowohl Kindern als auch sensiblen und labilen Menschen ist dieses abgrundtief böse Meisterwerk abzuraten. Für eventuell nachfolgende Schäden hafte weder ich als Reviewer noch der Hersteller Konami selbst (kein Scherz!).
Tips: 1. Zimmer verdunkeln und Analage aufdrehen 2. Unbedingt auch den melancholischen Nachfolger "Silent Hill 2", 2001 für PS2 und 2002 für XBox erschienen, spielen. Lynch-Fanatiker, Kafka-Liebhaber und Fans von Goethe's Faust werden gleichermaßen begeistert sein. Ausserdem: Einen besseren digitalen Psychothriller gibt es nicht!!


Silent Hill 2
Silent Hill 2

39 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Surreale Liebesballade im Horrorgewand - ERSCHECKEND!, 8. Januar 2003
Rezension bezieht sich auf: Silent Hill 2 (Videospiel)
Was ist wenn man Jacob's Ladder, David Lynch und Hellraiser in einen Topf wirft und kräftig rührt? Das Ergebnis ist überraschenderweise ein Videospiel namens "Silent Hill 2". Bereits sein Independent-Vorgänger faszinierte den anspruchsvollen Horrorfan mit einigen der grauenerregensten und bizarrsten Visionen, die sich je in den Gehirngängen der Zocker breit gemacht haben. Nie zuvor gab es in Videospielen eine derartig anstrengende, doppelbödige Geschichte zu bestaunen, die ähnlich wie in David Lynch-Filmen zu keinem wirklich zusammenhängenden Ganzen führt, sondern die Spieler am Ende noch mehr verwirrt wie zu Beginn des Abenteuers.
Das mysteriöse kleine Städtchen Silent Hill umgibt ein geheimnisvolles Rätsel, denn wie Veteranen der Serie wissen, ist es nach wie vor nicht klar, ob Silent Hill wirklich real, oder nur in den unergründlichen Gehirnwindungen einiger Psychopaten existiert.
Spielerisch orientiert sich das Spiel stark an den ausgezeichneten Vorgänger. Das Kampfsystem wurde leicht verbessert und der Schwierigkeitsgrad des Action -sowie des Rätselbereichs lässt sich vor dem Spielstart individuell auf den persönlichen Geschmack des Users einstellen. Ein vorbildliches Feature, das unbedingt Schule machen sollte. Es gibt einige sehr lange Fußmärsche zu erledigen, die aber dank der ständig gegenwärtigen Hochspannung gerne bewältigt werden. Die Rätsel sind genau wie schon im Vorgänger sehr durchdacht, erneut poetisch angehaucht und passen zum Rest des Spiels und vorallem zur Story wie die Faust auf's Auge. Die Gesamtspielzeit ist recht kurz angelegt, was der Story aber noch zusätzlich Kraft verleiht und somit als klarer Pluspunkt anzusehen ist. Zudem gibt es mindestens 4 verschiedene Endings (plus einen augenzwinkernden Entwicklerjoke), die man, je nachdem wie man sich im Spiel verhält, am Schluss zu Gesicht bekommt.
Auch im zweiten Teil sind Atmosphäre und Story die Höhepunkte des Spiels. Die bizarren und surrealen Bilder brennen sich direkt in die Netzhaut und lassen einfach nicht mehr los. Diese Bilder werden mit einer der modernsten Grafikengines der Videospielgeschichte zum Leben erweckt. Zudem ist das Design der Grafik äußerst künstlerisch gestaltet und erinnert an Werke von Maler Francis Bacon. Zusammen mit der einzigartigen Musik, einer Mischung aus Twin Peaks-Klängen, völlig depressiven und melancholischen Ambientstücken und absolut erschreckend düsteren Industrial-Sounds und der abartig drückenden, realitätsnahen und doch fremnden Soundkulisse, ergibt sich eine wahrhaft niederschmetternde und paranoide Gesamtstimmung, von der man sich ab und an sogar mal erholen möchte. Überhaupt muss ich anmerken, dass gerade die Soundkulisse allesüberragend ausgefallen ist. Der Soundtrack ist meiner Meinung nach wohl der Beste im gesamten Videospielbereich und die Soundeffekte stehen dem in nichts nach. Der wahre Star des Spiels ist aber dennoch ein anderer, nämlich die Story. Nie war ein Videospiel bedrückender, realistischer, trauriger, angsteinflößender und mehr für Erwachsene geeigent. Es geht um Egoismus, Schuld, Mord, Suizid, Vergewaltigung, Diskriminierung, seelische Grausamkeit, sexuelle Unzufriedenheit, wahre Liebe und Tod. Kinder sollte man so weit wie möglich von diesem Produkt fernhalten. Die Geschichte ist sehr ausgefeilt, und dennoch genug wirr und mysteriös um auch Lynch-Anhänger und selbstverständlich Fans des ersten Teils zu begeistern. Während Lynch sich in seinen Filmen mehr der Bildergewalt hingibt, geht Silent Hill eine Spur weiter und beschäftigt sich teilweise wirklich mit der menschlichen Psyche und hinterlässt somit einen beklemmend realen Eindruck.
Silent Hill 2 ist ein Horror-Game, das klarmacht, woher Horror kommt. Nämlich, daß die tiefsten und persönlichsten menschlichen Gefühle ständig von einer unmenschlichen und immer feindlicheren äußeren Realität bedrängt werden.
Intellektueller Horrortrip in die Psyche der Menschen. Was ist wenn sich Träume in die Realität drängen? Das Spiel macht die nächtliche Wahrnehmung und den Schlaf der Vernunft zu einem ästhetischen Prinzip. Es ordnet sein Material nach den Zufällen von freier Assoziation, surrealer Wirklichkeit und Ängsten aller Art. Für Psychofreaks ein gefundenes Fressen. Die dunklen Gefilde der Seele kehren sich hier nach außen. Das Unterbewußte übernimmt Schnitt, Licht, Ton und Regie.
Zum ersten Mal im Reich der digitalen Unterhaltung gelingt es Entwicklern einen Höllentrip durch die eigene Psyche zu erschaffen, eine verstörte Psyche, dunkle Vergangenheiten (Vergewaltigung, Mord, Schuld etc.) die posttraumatische Erlebnisse auslösen, bestimmen das Geschehen. Sicherlich keine leichte Unterhaltung, vielmehr ein faszinierener Trip durch die Abgründe einer modernen Gesellschaft.
Mit bizarren Bildern und sehr schrägen Einstellungen bereitet das Spiel wahrhaft Kopfschmerzen und Beklemmungen. Mit wenigen aber erschreckend realitätsnahen Dialogen und nur unterlegt mit kreischenden Geräuschen und alptraumhafter Musik ist Silent Hill 2 ein absolutes Kultspiel, das auch zum Nachdenken anregt und allgemein sehr deprimiert. Konami Tokyo gelang mit dem Nachfolger zum schockierensten Spiel der Videospielgeschichte ein aussergewöhnliches und eindringliches Stück Medium und möglicherweise das erste echte Spiel für Erwachsene. Ein Independent-Werk irgendwo zwischen Survivalhorror, Liebesballade, Psychothriller und Kunstdrama, diskussionswürdig, absolut düster, und eigentlich auch abgrundtief böse.
Erwähnen sollte man noch eine herrlich schräge Hommage an das umstritten geniale "Blue Velvet" im Woodside Apartment. Wer sich das nicht entgehen lassen will, aber auch alle anderen erwachsenen Fans von intelligenter, anspruchsvoller und künstlerisch wertvoller Unterhaltung mit Botschaft, sollten sich schnellstmöglich dieses Ausnahmeprodukt holen.


Full Moon
Full Moon
Preis: EUR 11,99

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen B-Rocka rockt ohne Ende!!!, 1. März 2002
Rezension bezieht sich auf: Full Moon (Audio CD)
Um es vorwegzunehmen: Die gerade mal 23-jährige Brandy schafft es diesmal beinahe komplett, sich auf den Thron sämtlicher weiblicher R'n B/Soulsängerinnen zu singen. Mit Alicia Keys, Angie Stone, Erykah Badu, Jill Scott etc. sollte man sie allerdings nicht vergleichen, da diese Damen eine etwas andere musikalische Richtung eingeschlagen haben.
Das langerwartete 3. Album des Multitalents übertrifft sämtliche Erwartungen, das wird bereits nach dem ersten mal Hören klar, wenn man feststellt, dass auf diesem 16-Track-Album kein Song schwächelt. Und das kann man nun wirklich von wenigen Platten behaupten. "Full Moon" präsentiert sich sehr durchgestylt, musikalisch, textlich, stimmtechnisch auf aller höchstem Niveau und ist im Vergleich zum sehr erfolgreichen Vorgänger "Never Say Never" weniger poppig, was schon die Tatsache zeigt, dass Brandy diesmal komplett ohne Gast-Rapper auskommt. Am deutlichsten fällt aber auf, dass die Songs nun erwachsener klingen und Brandy sich vorallem stimmlich enorm weiterentwickelt hat. Alleine schon dieser starke Auftakt! Mit dem Titelsong "Full Moon" hat Brandy einen der besten Opener überhaupt geschaffen.
Für mich ist dieses Werk ähnlich genial geworden wie seinerseits das famose "Fan Mail" von TLC, mit dem Unterschied, dass die meisten Songs, dank der Abwesenheit von Diane Warren, Babyface etc. etwas weniger glattgebügelt daherkommen und auch wesentlich persönlicher ausgefallen sind. Die futuristischen Grooves sind der absolute Oberhammer und in dieser Form wirklich selten dagewesen. Erfrischend wie ein Sommergewitter ertönen elektrisierende Rythmen und hypnotisierende Hooklines. Wie z.B. in "All In Me" plötzlich der Rythmus in einen schnelleren 2-Step überschlägt und dann wieder in den ursprünglichen Takt zurückfindet ist wirklich fantastisch und bringt auch die nötige Abwechslung. Rodney Jerkins produzierte ja inzwischen bestimmt schon für für jeden zweiten R'n B -und Soulkünstler, aber wie schon bei "Never Say Never" liefert er zusammen mit Brandy als Co-Produzentin und Sängerin seine beste und kreativste Arbeit überhaupt. Das Team Jerkins/Norwood scheint wirklich unglaublich gut zu harmonieren.
Brandy zeigt uns mit ihrer neuen CD wie gut moderner R'n B wirklich sein kann und liefert ein kleines Meisterwerk ab, das nicht nur ihren Kolleginnen zeigt wo der Hammer hängt, sondern auch die Kritiker überzeugen dürfte. Einsame Klasse!


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