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Rezensionen verfasst von
Jörn Projahn (Gardelegen)

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Der jüdische Messias
Der jüdische Messias
von Arnon Grünberg
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,90

19 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nach neun Jahren endlich ins Deutsche übersetzt, 3. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Der jüdische Messias (Gebundene Ausgabe)
Liebhaber der Prosa Arnon Grünbergs (Niederländer) wussten um den Roman und fragten sich immer wieder, warum nur gibt es diesen Roman nicht in deutscher Übersetzung? Die Frage ist einfach beantwortet. In dem Roman werden alle erdenklichen religiösen Klischees aufgegriffen, politisch inkorrekt dargestellt und dennoch nicht überzeichnet. Eine Form der Satire, um die es in Deutschland nicht zum Besten bestellt ist. Dass es diesen Roman bereits in englischer, französischer, spanischer, italienischer, portugiesischer, ungarischer und türkischer Übersetzung gab, lässt den Rückschluss zu, dass man dieses Werk dem geneigten deutschen Lesepublikum nicht zumuten wollte oder konnte, obwohl sich halb Europa schon köstlich darüber amüsierte.

Grünberg schafft für seinen Romanplot zwei bizarre Hauptcharaktere. Zum einen den introvertierten Schweizer Teenager Xavier Radek und zum anderen den orthodoxen, in einer 15-köpfigen jüdischen Großfamilie aufwachsenden Jugendlichen Awrommele Michailowitz. Xavier entdeckt, dass sein Großvater ein Nazischerge in einem Konzentrationslager war und fühlt sich dazu berufen, die schändlichen Taten auf seine Art und Weise zu büßen. Als Erstes sucht er Kontakt zur jüdischen Gemeinde in Basel und gibt sich hier als assimilierter Jude aus, den man vergaß zu beschneiden. Hals über Kopf wird dies nachgeholt und geht gründlich in die Hose. Bei der Prozedur verliert Xavier nicht nur seine Vorhaut sondern auch noch einen seiner Hoden. Der Hoden, konserviert in einem Glas, wird seitdem zu seinem ständigen Begleiter und mit dem erlittenen Schmerz tat sich die Tür zur Findung der absoluten Wahrheit und zu seiner Berufung, die Juden trösten zu müssen, auf. Eine Obsession beginnt und endet in Tel Aviv in einem Desaster.

Grünberg bettet die Handlung in eine homoerotische Beziehung zwischen Xavier und Awrommele, wobei sich beide hoch und heilig versprechen, nichts dabei zu empfinden. Awrommele sieht die Sache, genau wie sein Vater, der als Rabbi sein Vergnügen bei Transsexuellen in Basler Massagesalons sucht, nicht so eng und kämpft sich in Amsterdam, wohin er Xavier aufgrund eines angestrebten Kunststudiums folgt, erstmal durch sämtliche Betten. In einem bleiben sie sich aber einig: Die Übersetzung von "Mein Kampf" ins Jiddische bleibt trotz des Beziehungsstress' ihre Lebensaufgabe. Es ist unverkennbar, dass Grünberg alle Mythen, die sich um Hitler ranken, in der Person Xaviers verarbeitet.

Grünberg versteht es, wie kaum ein anderer, zu unterhalten und dennoch lässt er den Leser irritiert und beeindruckt zurück. Nachdenklich stimmen die letzten Kapitel des Romans, in denen Xavier über Macht und seine Folgen philosophiert und eine kühne These nach der anderen aufstellt. Kann es sein, dass der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern extern geschürt wird und nur der Status Quo ein Garant für die Stabilität in Israel, der einzigen Demokratie im Nahen Osten, sein kann?

Elke würde sagen: "LESEN!".
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 15, 2013 8:14 PM MEST


Hausers Zimmer
Hausers Zimmer
von Tanja Dückers
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,95

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Brillante Milieubeschreibung?, 14. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Hausers Zimmer (Gebundene Ausgabe)
Zumindest mit der Recherche kann es nicht weit her sein. Der U-Bahnhof "Weberwiese" hieß in den 1980-er Jahren "Marchlewskistraße" und vom Alexanderplatz konnte man in den 1980-er Jahren auch nicht mit der U-Bahn zum S und U-Bahnhof Friedrichstraße fahren. Solche gravierenden Ungenauigkeiten verleiden mir die Lektüre außerordentlich. Sollte hier nur schnell etwas zusammengeschustert werden?


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