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Rezensionen verfasst von
Kerstin Scheuer (Heppenheim (Bergstraße))

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Feuerstimmen: Roman
Feuerstimmen: Roman
von Christoph Hardebusch
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

3.0 von 5 Sternen lesenswert, 17. April 2016
Rezension bezieht sich auf: Feuerstimmen: Roman (Broschiert)
Bereits mit seinem Debütroman „Die Trolle“, der 2007 mit dem Phantastik Preis ausgezeichnet und in zahlreiche andere Sprachen übersetzt wurde, schrieb sich Christoph Hardebusch in die erste Liga der deutschen Fantasy-Autoren. Es folgten 10 weitere Bücher und diverse Beiträge zu Anthropologien.

Sein neustes Projekt „Feuerstimmen“, das er in Kooperation mit der A Capella-Metall-Gruppe „Van Canto“ schrieb, ist mein erster Roman von Christoph Hardebusch. Mich überraschten vor allem die zahlreichen weiblichen Charaktere, die sich jenseits des tradierten Rollenmusters bewegen.

Worum geht es?
Hass und Mordlust breitet sich in der Welt aus, denn der fünfte Drache mit seinen schwarzen Mächten ist wieder erwacht und trachtet danach seinen Plan, die Welt zu zerstören, zu vollenden. Von dem vollen Ausmaß der Bedrohung ahnt die junge Königin Elena jedoch nichts, als ihr Inselreich verlässt, um nach Hilfe zu suchen. Diese findet sich ausgerechnet beim Barden Aidan, der noch nichts von seiner ganz besonderen Gabe weiß und daher mit seinem eigenen Schicksal hadert. Wird es ihnen noch rechtzeitig gelingen, den fünften Drachen zu besiegen?

Wie fand ich…
…den Einstieg?

Christoph Hardebusch wirft seine Leser ohne große einführende Erläuterungen zu seiner neuen Fantasywelt direkt mitten hinein ins Geschehen. Gerne kritisiere ich ein solches Vorgehen, weil ich lieber erst einmal die Spielregeln kennenlernen möchte. Hier gibt es jedoch gleich soviel Action, Humor und Unterhaltung im ersten Kapitel, dass ich gar keine Zeit hatte, mir allzu viele Gedanken zu machen. Bis ich zum ersten Mal wirklich zum Luft holen kam, war ich schon vollkommen in die Welt von „Feuerstimmen“ versunken.

…Handlungsverlauf?

„Feuerstimmen“ wird abwechselnd aus den Perspektiven der beiden Hauptprotagonisten Aidan und Elena erzählt, die zu Beginn des Romans in unterschiedlichen Reichen unterwegs sind. Erst im Laufe der Erzählung werden beide Erzählstränge zusammengeführt. Auf diese Weise bekommt der Leser zu Beginn des Romans einen recht umfassenden Eindruck von der Welt, in der die Geschichte angesiedelt ist. Auch schön fand ich, dass die einzelnen Abschnitte, die Titel des dazugehörigen Konzeptalbums „Voices of Fire“ von Van Canto tragen.

Christoph Hardebusch serviert dem Leser eine sehr actionreiche Handlung. Vor allem Fans von großem Schlachtgetümmel und klassischen Schwertkämpfen kommen bei „Feuerstimmen“ voll auf ihre Kosten. Aber auch Freunde ebenso phantastischer wie grausiger Wesen dürften die „Seeteufel“, die rein gar nichts mit der Fischgattung zu tun haben, begeistern können. Daneben gibt es die fast schon unvermeidliche zarte Liebesgeschichte, die mich jedoch nicht ganz überzeugen konnte. Zu klinisch wirkten hier die beschriebenen Gefühle des Liebespaares.

…die Sprache?

Christoph Hardebusch verwendet in „Feuerstimmen“ viel wörtliche Rede, so dass eine sehr lebendige Erzählung entsteht. Wie es sich für eine gute Fantasygeschichte gehört, gibt es natürlich auch hier einige eigene Wortkreationen. Diese beschränken sich jedoch weitestgehend auf die phantastischen Wesen und Länder, in denen „Feuerstimmen“ spielt. Davon abgesehen schreibt Christoph Hardebusch in einer modernen Sprache, die mich „Feuerstimmen“ leicht und zügig lesen ließ.

…die Charaktere?

Nicht ganz so überzeugt war ich von der Zeichnung der einzelnen Charaktere. Während ich von Aidan, von dessen Vergangenheit man einiges erfährt, einen sehr genaues Bild bekam, gelang mir das für Elena leider ebenso wenig wie für Aidans Gefährten Revus, Elenas Leibwache oder die anderen Nebencharaktere.

Schön gelungen hingegen fand ich die Entwicklungen, die sowohl Elena als auch Aidan innerhalb der Handlung durchmachen:
Während Elena zu Beginn von „Feuerstimmen“ ihr eigenes Volk noch für kulturell und geistig überlegen und die Bevölkerung der anderen Reiche für ungehobelte Barbaren hält,

„…reifte in ihr die Erkenntnis, dass sie über diese Länder beurteilt hatte, ohne sie wirklich zu kennen.“
(Seite 266)

Und nur wenig später gesteht sie ein:

„Die Menschen dieser Landes waren nicht besser oder schlechter als jene ihrer Heimat.“
(Seite 267)

Auch Aidans innerer Konflikt, der die zentrale Rolle, die ihm sein eigenes Schicksal zuschreibt, lange Zeit nicht annehmen möchte, hat seinen Reiz und erhöht die Spannung der Handlung. Mir wurde dieses Element jedoch etwas zu sehr überstrapaziert.

…den Schluss?

Der Schluss kam mir dann trotz knapp 500 Seiten etwas zu plötzlich. Nachdem die gesamte Reise zu Land in vielen spannenden und packenden Details abwechslungsreich und originell erzählt wird, macht die Handlung gegen Ende einen Sprung und spart einen komplette Schifffahrt nahezu vollständig aus. Hier wurde meiner Meinung nach Spannungspotenzial verschwendet. Warum lässt Christoph Hardebusch die beiden Schiffe nicht wenigstens in ein schweres Gewitter oder ähnliches geraten?

Das unmittelbare Ende ließ mich zudem etwas ratlos zurück. Mir wurde nicht ganz klar, ob nun nur die Schlacht oder bereits der gesamte Krieg gewonnen wurde. Schade.


crystal.klar
crystal.klar
von Dominik Forster
  Broschiert

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen schonungslos ehrlich, 25. März 2016
Rezension bezieht sich auf: crystal.klar (Broschiert)
„crystal.klar“ ist ein schonungslos ehrlicher autobiografischer Roman über eine steile Drogenkarriere und den sich anschließenden beinahe unvermeidlichen Absturz. In einer erschütternden Offenheit berichtet Dominik Forster seinen langsamen aber stetigen Weg in die Abhängigkeit und ihre Folgen. Die Ich-Erzählerperspektive und direkte Alltagssprache machen „crystal.klar“ zu einem intensiven und authentischen Leseerlebnis, das mir gleich ein paar Mal tief unter die Haut ging.

Besonders gut gefiel mir, dass „crystal.klar“ tatsächlich ganz ohne Rechtfertigungen, Schuldzuweisungen oder moralische Belehrungen auskommt. Nahezu ungefiltert schildert Dominik Forster aus der Sicht seines damaligen Ichs seine Erlebnisse, Gefühle und Gedanken. Das ist bisweilen zwar nur schwer zu ertragen, verfehlt aber nicht seine Wirkung. Selten habe ich eine Autobiografie gelesen, bei der der Autor den Leser so nah an sich heran lässt.

Es ist nicht nur eine schöne Floskel, wenn ich schreibe, dass ich dieses Buch erst einmal sacken lassen musste. Dominik Forster führt seine Leser tatsächlich so weit und nachdrücklich in seine ehemalige Junkiewelt, dass es ein paar bewusste Atemzüge brauchte, um wieder ganz bei mir selbst anzukommen. Ich bin dem Autor sehr dankbar für seine schonungslos klaren Worte und die großen Offenheit, mit der er über seine eigene Vergangenheit berichtet, nötigt mir großen Respekt ab. Für seine Arbeit in der Drogenprävention wünsche ich Dominik Forster alles Gute.

(ausführliche Rezension: kerstin-scheuer.de)


AußerOrdentliche Frauen: 18 Porträts
AußerOrdentliche Frauen: 18 Porträts
von Dieter Wunderlich
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

2.0 von 5 Sternen Datenfriedhof, 20. März 2016
Als ich für meinen neuen Blogschwerpunkt nach Büchern über starke Frauen zu recherchieren begann, stieß ich schnell auf den Biograf Dieter Wunderlich. Seit 1999 trägt er in Büchern wie „EigenSinnige Frauen“, „WageMutige Frauen“ und „Unerschrockene Frauen“ spannende weibliche Lebensläufe zusammen, die sowohl Frauen als auch Männern als Vorbilder dienen können. „Genau das richtige für meinen Blog“, entschied ich. Leider konnte mich „AußerOrdentliche Frauen“ nicht ganz überzeugen.

„AußerOrdentliche Frauen“ beschreibt Dieter Wunderlich achtzehn Lebensläufe von Frauen, die sich für ihre Überzeugungen und Träume über bestehende Konventionen ihrer Zeit hinweg setzten. Hierzu wählt er einen sehr reizvollen Mix aus Konkubinen, Tänzerinnen, Schauspielerinnen, Sängerinnen und Schriftstellerinnen aber auch Widerstandskämpferinnen und Politikerinnen aus.

Schade ist nur, dass es ihm nicht gelingt, diese spannende Idee ansprechender umzusetzen. Nicht nur wirken die kleine Schrift und der enge Druck optisch wenig ansprechend; auch die stark komprimierte Form, bei der man das Gefühl hat, von Jahreszahlen und Daten regelrecht erschlagen zu werden, sowie der ewig gleiche Satzbau wirken schnell ermüdend auf den Leser. Zudem ärgerte ich mich des Öfteren darüber, dass vor allem die wechselnden Liebschaften der Frauen in den Mittelpunkt gerückt werden.

Für mich taugte das Buch in erster Linie dazu, mir Anregungen zu liefern, mit welchen interessanten (Auto-)Biografien ich mich noch eingehender beschäftigen möchte. Als reine Unterhaltungslektüre kann ich es nicht empfehlen.

(Vollständige Rezension unter kerstin-scheuer.de)


Nach Hause: Eine Halloween-Story
Nach Hause: Eine Halloween-Story
Preis: EUR 3,99

4.0 von 5 Sternen Buchtipp, 1. Januar 2016
Rahel Meister ist eine Hälfte von Cluewriting.de. Dort veröffentlicht sie zusammen mit Sarah einmal in der Woche eine Kurzgeschichte, bei der bestimmte Wort („Clues“) an einem vorgegebenen Setting vertextet werden müssen. Die Ergebnisse sind manchmal aberwitzig, manchmal gruselig und manchmal schlicht albern. Aber lesenswert sind sie eigentlich immer. Deshalb bin ich auch regelmäßig Gast auf ihrer Seite. Als ich im Oktober erfuhr, dass Rahel eine Halloween-Story im Droemer-Knaur Verlag veröffentlich hatte, stand daher sofort fest, dass ich das eBook lesen musste.

Worum geht es?

Die Brüder Devin und Finn wurden in den Infektionskriegen zu Vollwaisen. Sie schafften es jedoch nicht nur die Zombie-Apokalypse irgendwie zu überleben, sondern erreichten sogar eine der „sicheren Zonen“. Aber die Sehnsucht nach den Eltern ist so groß, dass sie beschließen, ihr ehemaliges Elternhaus ein letztes Mal zu besuchen. Dieses Vorhaben ist jedoch riskant. Bald schon stranden sie mit ihrem Auto mitten im Wald, wo sie zunächst von einem Zombie angegriffen werden und Finn schließlich in eine Bärenfalle tritt. Zum Glück treffen die Brüder auf Michael, einen ehemaligen Arzt, der als Einsiedler im Wald lebt. Er bietet den beiden seine Hilfe an. Viel zu spät erkennt Devin, dass Michael durch seine selbstgewählte Isolation den Bezug zur Realität mehr und mehr zu verlieren beginnt und die Brüder dadurch in ernster Gefahr schweben.

Wie fand ich…

…den Einstieg?
Ich fand sehr schnell in die Geschichte. Rahel Meister beginnt ohne große Einführungen direkt mit der Autopanne im Wald, so dass man als Leser sofort mitten in der Story ist. Dass man zu diesem Zeitpunkt noch nichts genaueres darüber weiß, wie die Welt funktioniert, in der „Nach Hause“ spielt, störte mich dabei nicht. Geschickt baut Rahel Meister diese Informationen an den entscheidenden Stellen an Hand von Flashbacks und Gesprächen in die Handlung ein. Viel Zeit zum Zurechtfinden bleibt ohnehin nicht, denn der erste Zombieangriff lässt nicht lange auf sich warten. Spätestens an diesem Punkt hatte mich „Nach Hause“ dann endgültig gepackt.

…die Sprache?
Rahel Meister hat einen sehr flüssigen Sprachstil. In „Nach Hause“ nutzt sie viel wörtliche Rede, was die Handlung sehr lebendig werden lässt und einen schnellen Zugang ermöglicht. Ihre Wortwahl ist stark in die Alltagssprache angelehnt, so dass sich die Geschichte leicht lesen lässt. Die grauenhaften Dinge, die in „Nach Hause“ beschrieben werden, wurden für mich gerade durch diese sprachliche Natürlichkeit umso realer und bedrückender.

…die Charaktere?
Die charakterliche Tiefe der Protagonisten überraschte mich positiv. Da „Nach Hause“ gerade einmal 120 Seiten stark ist, hatte ich damit gerechnet, größtenteils auf Stereotypen zu treffen, bei denen eine ausführliche Charakterbeschreibung nicht erforderlich ist. Rahel Meister stattet ihre Charaktere jedoch mit einer sehr detaillierten Vergangenheit aus, die geschickt in die Handlung eingeflochten ist. Dadurch bekam ich den Eindruck, sehr realere Charaktere vorzufinden, als ich es zunächst erwartet hatte.

…den Handlungsverlauf?
Den Handlungsverlauf von „Nach Hause“ fand ich ausbaufähig. Vor allem im Mittelteil ließ die Spannung bei mir etwas nach. Nach einem starken, actionreichen Einstieg entwickelt Rahel Meister im Mittelteil ausschließlich aus dem Aufeinandertreffen der beiden unterschiedlichen Charaktere Devin und Michael in einer abgelegenenn Waldhütte feine psychologische Spannungsmomente. Diese entstehen hauptsächlich dadurch, dass Michaels Absichten und Handlungen für Devin kaum vorhersehbar sind und auch kein einheitliches Muster erkennen lassen. Mir imponierte dieser mutige Spannungsaufbau, der viel erzählerisches Geschick erfordert, um den Leser „bei der Stange zu halten“. Ich fand es interessant, Devin bei seinen Versuchen, sich aus den Fängen von Michael zu befreien, zu beobachten. Ganz überzeugen konnte mich dieser Teil hinsichtlich des Spannungsaufbaus jedoch trotz einiger echter Grusel-Schocker-Momente nicht.

…den Schluss?
Mit dem starken Schluss gelang es Rahel Meister schließlich wieder, mich für „Nach Hause“ zu begeistern. Hier erfährt der Leser endlich, was aus Devins Bruder Finn geworden ist. Obwohl mich das Ende in diesem Punkt nur wenig überraschte, da Rahel Meister es bereits andeutete, war dies ein echter Gänsehautmoment, wie ihn auch Stephen King nicht besser hinbekommen hätte. Auch dass das weitere Schicksal von Devin weitgehend offen bleibt und so Platz für die Fantasie des Lesers lässt, gefiel mir.

Wie gefiel mir das Buch insgesamt?

„Nach Hause“ von Rahel Meister ist spannender Zombie-Grusel-Schocker, der nicht nur zur Halloween-Zeit für Gänsehaut sorgt. Durch den natürlichen, lebendigen Erzählstil und den actionreichen Einstieg war zog mich das Buch schnell in seinen Bann. Auch wenn ich den Mittelteil für ausbaufähig halte, imponierte mir der mutige, fein psychologische Spannungsaufbau. Erstaunliche reale Protagonisten mit einer gewissen charakterlichen Tiefe und ein überzeugendes Ende à la Stephen King runden den guten Gesamteindruck ab.


Letzte Runde
Letzte Runde
von Stefanie Schleemilch
  Broschiert
Preis: EUR 14,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen lesenswert, 1. Januar 2016
Rezension bezieht sich auf: Letzte Runde (Broschiert)
Wie fand ich…

…den Einstieg?
„Letzte Runde“ besteht aus drei Teilen – der Tod, die Politik, die Liebe – die jeweils aus mehreren Kapiteln besteht.

Der Einstieg fiel mir nicht leicht. Auf Grund seines geringen Umfangs hatte ich das Buch vollkommen unterschätzt. Die große philosophische Tiefe des Romans traf mich daher vollkommen unvorbereitet. Die ersten zwei Seiten, auf denen Schleemilch eine Brücke vom Limes-Begriff der Mathematik zur menschlichen Sterblichkeit schlägt musste ich zweimal lesen, bis ich ein Gefühl für „Letzte Runde“ entwickeln konnte. Das restliche Buch lies sich dann jedoch gut, wenn auch nicht so schnell wie ich erwartet hatte, lesen.

…die Sprache?
In ebenso einfachen wie genauen und beinahe poetischen Sprachbildern beschriebt Stefanie Schleemilch Wetterphänomene, Gefühle und sogar Geräusche so, dass ich sofort einen festen Eindruck davon bekam. Da fallen beispielsweise

Wassertropfen wie Symphonien zu Boden (Seite 13)

oder

Der Wind zieht sich gerade noch ein schwarzes Wolkenhemd über (Seite 10)

Diese bildhafte, gleichermaßen klare wie poetische Sprache gefiel mir sehr.

…die Charaktere?
Stefanie Schleemilch zeichnet in „Letzte Runde“ überzeugende Charaktere. Vor allem Laszlo und Dominik lernte ich sehr gut kennen. „Letzte Runde“ ist ein Buch, dass den Leser sehr tief in die Gefühls- und Gedankenwelt seiner Charaktere eindringen lässt. Besonders schön fand ich, dass die an sich eher schweren Themen nicht in Form von inneren Monologen sondern meisten in Gesprächen mit anderen verarbeitet werden. Dadurch gewinnen diese philosophischen, bisweilen recht existentiellen Inhalte und damit auch der gesamte Roman an Lebendigkeit.

…den Handlungsverlauf?
Um dem Handlungsverlauf folgen zu können, ist etwas Konzentration erforderlich. Der Text springt zeitlich sehr häufig. Auch die Orte, an denen er spielt, variieren. Daher ist es nicht immer einfach, den Überblick darüber zu behalten, an welchem Punkt in der Geschichte man sich gerade befindet. Ich habe mich jedoch immer zu Recht finden können und die Orientierung nie verloren. Dies erfordert jedoch etwas Aufmerksamkeit. Es ist definitiv kein Text, den man mal eben nebenher weglesen kann. Bisweilen strengte mich „Letzte Runde“ auf Grund seines Aufbaus etwas an. In diesem Fall darf der Text das aber, so dass ich dies keinesfalls als negativ empfunden habe.

Wie gefiel mir das Buch insgesamt?

cover_stefanie_schleemilch_letzte_runde„Letzte Runde“ ist ein nachdenklicher, intensiver Roman über das Abschiedsnehmen vom Leben, aber auch über Liebe, Freundschaft und Freude am Leben. Dabei gelingt es Stefanie Schleemilch jedoch auch, die philosophischen Themen, die sich durch diesen Roman ziehen, so zu verpacken, dass sie ganz ohne jeden Kitsch und übertriebene Sentimentalität daher kommen. Durch die vielen Dialoge verlieren die Themen zudem etwas von ihrer Schwere.

Besonders schön fand ich die poetische, bildhafte Sprache. Dafür, dass es ein so dünnes Büchlein ist, habe ich erstaunlich viele Textpassagen unterstrichen, weil sie mich in irgendeiner Form ansprachen.
Auch die sehr genau gezeichneten Charaktere überzeugten mich. Die tiefen Einblicke in die Gedanken- und Gefühlswelt der Protagonisten waren für mich immer nachvollziehbar.

Man sollte sich jedoch nicht von der geringen Seitenzahl des Romans täuschen lassen. Wer deshalb mit einem Büchlein rechnet, dass sich mal eben schnell nebenher lesen lässt, wird enttäuscht werden. Inhalt und Aufbau des Textes erfordern schon ein gewisse Aufmerksamkeit. Bisweilen strengte es mich etwas an, „Letzte Runde“ zu lesen. Negativ fand ich dies aber nicht.


Mr. Mercedes (Bill Hodges Trilogie 1)
Mr. Mercedes (Bill Hodges Trilogie 1)
Wird angeboten von Audible GmbH

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen hörenswert, 11. Oktober 2015
Mit „Mr. Mercedes“ legt Stephen King der ersten Band der Bill Hodges-Trilogie vor, die voraussichtlich nächstes Jahr beendet werden soll. Gerade erschien der zweite Teil „Finderlohn“, der auf vielen Blogs gute Kritiken bekam. Dies habe ich zum Anlass genommen, um ebenfalls in die Trilogie einzusteigen.

Leider konnte mich „Mr. Mercedes“ jedoch nicht restlos begeistern, da die Handlung eine für mich nicht schlüssige Wendung erfährt. Dennoch freue ich mich auf die Fortsetzung der Reihe.

Die gesamte Rezension gibt es unter kerstin-scheuer.de/?p=3993


Nachts
Nachts
von Mercedes Lauenstein
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,95

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Buchtipp, 3. Oktober 2015
Rezension bezieht sich auf: Nachts (Gebundene Ausgabe)
Mit „Nachts“ legt Mercedes Lauenstein ein ungewöhnliches, leises und doch berührendes Debüt vor. Ihre klare, nachdenkliche Sprache schafft es, Philosophisches so unanstrengend zu verpacken, dass ich es auch nach einem 10 Stunden-Arbeitstag noch gut lesen konnte. Die Art des Spannungsaufbaus, den Mercedes Lauenstein in „Nachts“ wählt, ist so ungewöhnlich wie ihre Charaktere. Besonders angetan hatte es mir aber vor allem das Ende, das mich schließlich ganz für „Nachts“ einnahm.

Worum geht es?

Eine junge Frau streift regelmäßig durch die dunkle Stadt auf der Suche nach den letzten Wohnungen, in denen noch Licht brennt. Sie klingelt an fremden Haus- und Wohnungstüren, um zu erfragen, warum die Personen nachts wach sind. So erhält sie zum Teil sehr intime Einblicke in fremde Leben. Dabei scheint es jedoch etwas ganz anderes zu sein, dass sie eigentlich sucht.

Warum habe ich es gelesen?

Nachts_08.inddHauptsächlich war es das Cover, das mich auf das Buch aufmerksam werden ließ. So schlicht es auch zunächst erscheint; so gelungen ist doch die Gesamtkomposition. Das tiefe Blau erinnert an das Dunkel der Nacht und verbreitet eine angenehmere Atmosphäre als es ein reines Schwarz getan hätte. Die Buchstaben des Titels, der im Mittelpunkt des Covers steht, scheinen zwischen halb geschlossenen Lamellen-Jalousien hervorzuluken. Das Ganze wirkt sehr klinisch, steril und frei von jeder Emotionalität.

Außerdem hatte ich auf Twitter und Instagram einige begeisterte Kommentare in meiner Timeline. – Mit dem eigentlichen Inhalt hatte ich mich im Vorfeld wenig beschäftigt.

Wie war mein erster Eindruck?

Der Aufbau des Buchs überraschte mich zu Beginn etwas. Mercedes Lauenstein erzählt in „Nachts“ nicht in der klassischen Romanform, die ich erwartet hatte, sondern präsentiert dem Leser lediglich die reinen Aufzeichnungen der jungen Frau über ihre nächtlichen Besuch und Gespräche. Jeder dieser kurzen Abschnitte des Buchs beginnt mit dem Wochentag und der Uhrzeit ihres spontanen Besuchs. Daher dachte ich zunächst, es handele sich um einen Tagebuch-Roman. Anschließend werden jedoch die Wohngegend, das Haus, die Wohnung und die Person, die dort lebt beschrieben, bevor das eigentliche Gespräch dargestellt wird. Durch das Fehlen jeder persönlichen Wertung wirkt dies insgesamt, als läse man klinische oder wissenschaftliche Aufzeichnungen.

Mercedes Lauenstein stellt diese Beschreibungen vollkommen lose nebeneinander. Einen erzählerischen Rahmen, der die einzelnen Besuchsaufzeichnungen in einen größeren Gesamtkontext einbetten würde, gibt es nicht. Diesen muss sich der Leser durch aufmerksames Verfolgen des Textes selbst erarbeiten. Obwohl ich eigentlich keine besonders große Freundin von Tagebuch- und/oder Briefromanen bin, hat mir dieses ungewöhnliche Konzept gut gefallen.

Wie fand ich die Charaktere?

Auch in diesem Punkt ist „Nachts“ ein Kuriosum, denn die einzige Hauptperson und figürliche Konstante des Buchs ist die Aufzeichnerin selbst, die sich jedoch so wertungsneutral verhält und selbst zurücknimmt, dass man nur sehr wenig über sie erfährt. Lediglich aus zarten Andeutungen bekommt der Leser eine leise Ahnung davon, dass mehr hinter den nächtlichen Besuchen stecken könnte, als zunächst vorgegeben wird. Genau diese detektivische Rechercheaufgabe, die Mercedes Lauenstein ihren Lesern aufgibt, machte das Buch so interessant. Dies ist das eigentliche verbindende Element, das mich als Leserin bei der Stange hielt.

Die restlichen Charaktere sind ausnahmslos Randfiguren, denen jeweils nur ein paar Seiten gewidmet werden. Dennoch rückt sie Mercedes Lauenstein in „Nachts“ in den Mittelpunkt. In knappen, kurzen Sätzen beschreibt sie beeindruckend plastisch und präzise, wer der Erzählerin zur nächtlichen Stunde die Tür öffnet und damit einen einzigen, kurzen Einblick in ihr Leben gewährt. Von der alleinerziehenden Mutter über den Bäcker im Ruhestand und den Dauerstudierenden bis hin zu vollkommen skurrilen Personen ist alles dabei. Und genauso bunt wie die Personen selbst, sind auch die Gründe für ihr nächtliches Wachen. Eines jedoch haben sie alle gemeinsam: sie unterwerfen sich nicht dem üblichen Rhythmus unseres Lebens. Ihr nächtliches Wachen – ob nun freiwillig oder gezwungen – macht sie zu Außenseitern. Den Raum, der ihnen in „Nachts“ eingeräumt wird, macht mal nachdenklich, mal traurig, mal philosophisch, und manchmal auch einfach nur ratlos oder sogar ein bisschen Angst. Mir haben diese kurzen Begegnungen und Einblicke gut gefallen.

Wie fand ich den Schluss?

Der Schluss konnte mich dann noch einmal so richtig aus dem Sessel reißen. Hier wird dann endlich die Identität der Aufzeichnerin verraten. Und obwohl es eher beiläufig geschieht, gelingt hier ein wahre Überraschung, denn Erzählerin stellt sich – so viel sei verraten – als jemand ganz anderes heraus, als ich während meiner Spurensuche im Text eigentlich dachte. Auch gehört einer Gruppe an, die in unserer Gesellschaft eine Außenseiterrolle einnimmt. So schließt sich am Schluss nicht nur auf eine schöne Weise der Kreis; mich stimmte „Nachts“ auch etwas nachdenklich. Gerade das Ende beschäftigte mich, auch nachdem ich die Lektüre beendet hatte, noch eine Weile.

Wie fand ich das Buch insgesamt?

Mit „Nachts“ ist Mercedes Lauenstein ein ungewöhnliches Debüt gelungen, das ganz ohne große Dramatik und Getöse Aufmerksamkeit erzeugt, ohne langweilig oder trivial zu wirken. Durch die klaren, leisen Worte, die sie für ihre Figuren findet, hebt sich das Buch angenehm von der Masse an Neuerscheinungen und Debüts ab. Es spricht etwas Nachdenkliches, Philosophisches aber auch Intimes, Zartes und Verletzliches aus Mercedes Lauensteins Text. Gleichzeitig wirkt er jedoch leicht und unangestrengt und lässt sich angenehm lesen, auch wenn man wie ich nach einem 10 Stunden-Arbeitstag noch einmal zum Buch greift.

Die Nacht, so erkannte ich, gehört jenen, die den üblichen Rhythmus des Lebens verloren haben und nun auf einen neuen Tag, einen neuen Anfang warten.


Auerhaus: Roman  Gelesen von Robert Stadlober
Auerhaus: Roman Gelesen von Robert Stadlober
von Bov Bjerg
  Audio CD
Preis: EUR 16,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Hörbuchtipp, 8. August 2015
Während meiner Zeit am Gymnasium kam ich jeden Morgen auf dem Schulweg an einer Wand mit einem Graffiti vorbei: „Geburt – Schule – Arbeit – Tod“ stand da. Damals beschäftigte mich diese Schmiererei mehr, als ich zugeben wollte.
Nun bin ich bei „Auerhaus“ von Bov Bjerg auf einen jugendlichen Protagonisten gestoßen, den genau das gleiche bewegt; der nicht will, dass sein gesamtes Leben in den Ordnern „Birth“, „School“, „Work“, Death“ verschwindet, wie das von jedem beliebigen anderen auch. Was in diesem Jugendroman porträtiert wird, ist nichts anders als das pralle Leben in all seinen Facetten; und das in einer Intensität, wie man sie wohl nur als Heranwachsender empfindet.

Worum geht es?
Der 18jährige Höppner hat vier Ordner mit den Aufschriften „Birth“, „School“, „Work“, „Death“ und möchte es um jeden Preis verhindern, dass sein gesamtes Leben restlos in diesen Kategorien verschwindet. Er will mehr; und vor allem will er anders werden als die eigenen Eltern. Auch den neuen Freund seiner Mutter kann er nicht leiden. Da trifft es sich gut, dass Frieder, der erst vor kurzem versuchte, sich das Leben zu nehmen, ihm anbietet, mit ihm in das alte Bauernhaus seines verstorbenen Großvaters zu ziehen. Zusammen mit 4 weiteren Freunden stürzen sich die beiden in das größte Abenteuer ihres Lebens: das Erwachsenwerden mit allem, was dazu gehört: Freundschaft, Liebe, Treue, (Homo-)Sexualität, Drogen, Bundeswehr, Polizei,… Dass man die 80er Jahre schreibt und sich irgendwo auf dem platten Land befindet, macht das Unternehmen nicht gerade einfacher. Und dann wäre da ja auch noch die ständige Angst um Frieder und davor, dass er sich wieder etwas antun könnte.

Wie war mein erster Eindruck?
Fast eine ganze Audio-CD (von insgesamt vier Stück) hatte es gedauert, bis ich mich an den Erzählstil von Bov Bjerg gewöhnt hatte. Der szenenhafte Aufbau, der das gesamte Geschehen nur knapp, kurzen Blitzlichtern ähnlich, widergibt, ließ mich zunächst nicht richtig in die Geschichte finden.
Außerdem lässt Bov Bjerg seinem Ich-Erzähler Höppner in „Auerhaus“ viel Zeit, um sich selbst vorzustellen und die Stimmung jener so verwirrenden Jahre des Heranwachens einzufangen. Hierdurch wurde meine Geduld zunächst etwas auf die Probe gestellt, weil mir lange nicht klar, worauf die Geschichte eigentlich hinaus will.
Im Nachhinein erkenne ich dahinter jedoch die Absicht und deren Notwendigkeit, den erwachsenen Leser „abzuholen“ und in die eigene Teenagerzeit zurückzuversetzen.

Wie fand ich die Sprache?
Bov Bjergs Sprache in „Auerhaus“ ist sehr authentisch. Seine Wortwahl passt gut zu dem Jugendlichen, der hier als Erzähler auftritt. Sie ist klar, direkt und ungekünstelt. Es ist keine wohlklingende, ausgefeilte Schriftsprache. Stattdessen arbeitet Bov Bjerg mit kurzen Sätzen und häufigeren Wiederholungen von Worten und Phrasen.
Bisweilen schweift Höppner in seiner Erzählung etwas ab und verliert sich in Details, die nur ihm wichtig sind. Im nächsten Moment ruft sich jedoch selbst wieder zur Ordnung. Hierdurch entsteht der Eindruck, als erzähle jemand tatsächlich gerade so, wie es ihm in ebendiesem Moment einfällt.
Das Hörbuchformat passt hierzu perfekt und verstärkt diesen Effekt.

Wie fand ich die Charaktere?
Die Bewohner des „Auerhaus“, wie die Schüler-WG wegen ihres Lieblingssongs „Our House“ im Dorf schnell heißt, wurden mir während des Hörens schnell zu guten Freunden. Zwar lässt der szenenhaften Aufbau des Hörbuchs keine ausführliche Einführung der Charaktere zu. Dadurch dass, man die Freunde jedoch nur in außergewöhnlichen Szenen erlebt, wo sie dann sehr charakteristisch reagieren, bekommt man schnell einen Eindruck von ihnen. Auch hilft es, dass wahrscheinlich jeder von uns ähnliche Klassenkameraden hatte: sensible Philosophen, kleine Rebellen, Partylöwen, Kiffer,… So schließt man die „Lücken“ schnell mit den Erinnerungen an die eigenen Schulfreunde und plötzlich selbst wieder 18 Jahre alt und mittendrin.

Wie fand ich den Schluss?
Der Schluss hat mich tief bewegt. Obwohl er sehr traurig ist, gefiel er mir gut, denn für mich ergab „Auerhaus“ so einen in sich stimmigen Eindruck. Ein Happy Ende hätte einfach nicht zu diesem Hörbuch gepasst und wäre mir zu viel Hollywood gewesen.
Das Ende, das Bov Bjerg vorsieht, war für mich glaubhaft und lebensnah. (Die Bilder zu meinen eigenen Erfahrungen dieser Art traten mir sofort wieder vor Augen. Das war nicht leicht, aber doch hilfreich.)
Auch lange nachdem der letzte Satz gesprochen war, war ich mit dem Gehörten beschäftigt. Erst eine knappe Woche später hatte ich den Inhalt soweit verarbeitet, dass ich mich an die Rezension setzen konnte.

Wie fand ich den Sprecher?
„Auerhaus“ war mein erstes Hörbuch, das von Robert Stadlober eingelesen wurde. Ich hatte zunächst Angst, dass ich beim Hören immer ihn vor meinem geistigen Auge haben würde und mir so kein gutes Bild von Höppner würde machen können. (Bei der sehr charakteristischen Stimme von Katharine Thalbach, die ich als Schauspielerin sehr schätze, oder bei Christoph Maria Herbst geht mir das so.)
Robert Stadlober nimmt sich beim Lesen von „Auerhaus“ jedoch sehr zurück. Er drängt sich nie selbst in den Vordergrund und verleiht Höppner dadurch eine authentische Stimme
Die Wahl des Sprechers ist auch deshalb sehr gut gelungen, weil man Robert Stadlobers jugendliche Stimme den 18jährigen tatsächlich abnimmt.

Wie fand ich das Hörbuch insgesamt?
Von der Thematik über die Sprache und die Stimmung bis hin zum Sprecher – beim Hörbuch von „Auerhaus“ passt einfach alles zusammen. Was Bov Bjerg in diesem Jugendroman porträtiert, ist nichts anders als das pralle Leben in all seinen Facetten; und das in einer Intensität, wie man sie wohl nur als Heranwachsender empfindet. Dabei gelingt ihm das Kunststück, auch erwachsene Zuhörer wieder mit zurück zu nehmen in die eigene Schulzeit.

Trotz einer ernsten Thematik des Suizids und einer eher schwermütigen Grundstimmung, gerät das Hörbuch durch gekonnt akzentuierte humorvolle Passagen und einige witzige Slabstick-Momente wohltemperiert. Diese Balance aus Melancholie und Humor nimmt dem Thema etwas die Schwere und macht den besonderen Reiz dieses Hörbuchs aus. Weder ist es allzu trivial der albern noch wird man sich zu sehr in den Trübsinn gezogen.
Dank des bewegenden, authentischen Schlusses kommt die Botschaft von „Auerhaus“ dennoch an.

Die jugendliche, klare Sprache und ein treffend gewählter Sprecher machen das Hörbuch zu einer runden Sache, bei der man schnell den Eindruck bekommt, den Erzähler Höppner tatsächlich zu kennen.

Es macht Spaß dieses Hörbuch zu hören und auch nach dem letzten Satz klingt es noch lange nach.


Die Königin der Schatten: Roman
Die Königin der Schatten: Roman
von Erika Johansen
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen lesenswert, 21. Juni 2015
Rezension bezieht sich auf: Die Königin der Schatten: Roman (Broschiert)
Endlich gibt es den im Ausland bereits gefeierten Fantasy-Mehrteiler „The Queen of Tearling“ von Erika Johansen auch auf deutsch. Ich hatte die große Ehre, ihn bereits vor dem offiziellen Veröffentlichungstermin lesen zu dürfen.

Der Roman ist vor allem eines, nämlich spannend. Leider entdeckte ich jedoch auch einige Schwächen.

Worum geht es?

Tearling ist ein armes Land, das hauptsächlich von der Landwirtschaft lebt. Vor 20 Jahren schloss es einen grausamen Pakt mit dem mächtigen Nachbarland Mortmesne, um dessen blutige Invasion zu beenden. Seitdem bestimmen Korruption und Intrigen das Leben am Hof zu Tearling.

Dann aber besteigt Kronprinzessin Kelsea Glynn den Thron und räumt nicht nur am Hof auf, sondern beendet auch die Ungerechtigkeit in ihrem Land. Damit verdient sie sich zwar die Sympathie und Gunst des einfachen Volkes, schafft sich jedoch sowohl im Tearling als auch in Mortmesne einflussreiche Feinde. Wird sie lange genug leben, um ihren Traum von einem besseren und gerechteren Tearling verwirklichen zu können?

Warum habe ich es gelesen?

Ich habe eine Schwäche für fantastische Abenteuer; und „Die Königin der Schatten klang ganz nach meinem Geschmack. Im englischsprachigen Raum ist es bereits ein Erfolg. Auch die Filmrechte sind bereits vergeben. Daher war ein extremneugierig auf die deutsche Erstausgabe, die ich dank dem Heyne Verlag bereits vorab lesen durfte. Ich erwartete in erster Linie spannende Unterhaltung und magische Abenteuer.

Wie war mein erster Eindruck?

Für ein Taschenbuch macht „Die Königin der Schatten“ einen sehr wertigen Eindruck. Die Schrift auf dem Cover ist geprägt. Nach der Widmung findet man eine gezeichnete Karte von Tearling, die mir bei der Lektüre sehr hilfreich war. Auch die Vorblätter zu den drei Büchern, in welche „Die Königin der Schatten“ unterteilt ist, wirkt durch die ganzseitigen Abbildungen ansprechenden.Königin der Schatten KarteKönigin der Schatten VorblätterInhaltlich wirft Erika Johansen ihre Leser recht unvorbereitet mitten in die Geschichte. Das erste Kapitel beginnt sofort damit, dass Kronprinzessin Kelsea von der Königinnen-Garde abgeholt, um den Thron zu besteigen. Nach welchen Regeln diese Fantasy-Welt funktioniert, wie es um das Land und die Bevölkerung bestellt ist und wie Kelseas Vergangenheit aussieht, erfährt der Leser dann sukzessive anhand von Rückblenden, Erinnerungen und Erzählungen.
Hierdurch erzeugt Johansen zwar sofort große Aufmerksamkeit beim Leser, mir fehlte zu Beginn jedoch etwas die Orientierung innerhalb der Geschichte, so dass ich etwas Angst hatte, eventuelle Zusammenhänge unter Umständen nicht zu erkennen oder Dinge falsch zu deuten. Dieser erste Eindruck verflog jedoch schnell; und mit jeder Rückblende fand ich mich besser zu Recht.
Darüber hinaus kann sich der Leser durch diesen Anfang relativ gut in Kelsea hineinversetzen, die von ihren Zieheltern auch nur orientiert wurde und viele Dinge über ihr Königreich nun erst mühsam selbst in Erfahrung bringen muss.

Wie fand ich die Charaktere?

Erika Johansens Charakterzeichnung in „Die Königin der Schatten“ scheint nicht sehr ausgereift. Mir gelang es leider nicht, ein schlüssiges Bild der Hauptprotagonistin Kelsea zu bekommen. In manchen Szenen wirkt sie sehr kindlich, verspielt, unsicher und schutzbedürftig. In anderen hingegen gebärdet sie sich sehr selbstbewusst, lässt keine Kritik und keinen Widerspruch zu und trifft sehr umsichtige, gerechte Entscheidung. Dann wieder reagiert Kelsea sehr impulsiv und ohne mögliche Folgen zu bedenken. Mich verwirrten diese zum Teil recht widersprüchlichen Verhaltensweisen zum Teil; schaffte ich es doch nicht diese einzelnen Eindrücke zu einem schlüssigen Ganzen zusammenzusetzen.

Andere Charaktere sind da schon besser gezeichnet. Vor allem die Bösewichte in der Geschichte, wie z.B die Rote Königin, Kelaseas Onkel und Hauptzensor Thorne, sind stimmig entworfen; und auch einige Nebencharaktere wie etwas Torwache Javel und Pater Tyler gefielen mir gut.
Umso schader ist es, dass ausgerechnet die Hauptfigur des Romans so wenig überzeugt.

Wie fand ich das Buch insgesamt?

9783453315860_Cover„Die Königin der Schatten“ von Erika Johansen ist ein spannender und actionreicher Fantasy-Roman mit vielen Kampfszenen und Intrigen, der gut unterhält. Spannung von der ersten bis zur letzten Seite machen das Buch zu einem echten Pageturner, der auch die schwache Charakterzeichnung schnell vergessen lässt.

Obwohl der Roman in der dritten Person geschrieben ist, erzählt er doch größtenteils aus Kelseas Perspektive. In einigen Kapiteln wird jedoch auch von anderen Charakteren erzählt. So weiß der Leser letztlich mehr als Kelsea selbst und kennt Gefahren und Intrigen, die ihr noch begegnen werden, bereits früh. Dies erzeugt zusätzliche Spannung, der man sich nur schwer entziehen kann.

Eine weibliche Version von „Das Lied von Eis und Feuer“, wie bereits geschrieben wurde, ist es für mich jedoch nicht. An die Komplexität, den Ideenreichtum und die Charakterfülle dieses einzigartigen Fantasyepos von George R. R. Martin kommt „Die Königin der Schatten“ bei weitem nicht heran. Dennoch fühlte ich mich gut und spannend unterhalten.

kerstin-scheuer.de


Flavia de Luce 6 - Tote Vögel singen nicht: Roman
Flavia de Luce 6 - Tote Vögel singen nicht: Roman
von Alan Bradley
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lieblingsbuch, 24. Mai 2015
Mit „Tote Vögel singen nicht“ beweist Alan Bradley einmal mehr, dass er für die Flavia de Luce-Reihe vollkommen zu Recht mit dem Dagger-Award ausgezeichnet wurde. Es ist ein besonderes Highlight innerhalb einer ohnehin schon großartigen Reihe.

Alan Bradley erfüllt mir darin gleich zwei Wünsche:
Man erfährt endlich mehr über Herriette und ihren Tod im Himalaya.
Hauptfiguren sind zudem nicht länger statisch; sie entwickeln sich weiter.

Mit diesem Buch wird die bislang recht lose Reihe nun tatsächlich in eine größere Rahmenhandlung eingebettet. Damit stellt Alan Bradley die Weichen auch für künftige Flavia de Luce-Romane vollkommen neu.

Nach einem starken Einstieg und einer gewohnt kurzweiligen Handlung überraschen das blutige Ende und der originelle Cliffhanger. Ich bin nun so gespannt auf den 7. Band, dass ich ihn vermutlich auf Englisch werde lesen müssen, um schneller zu wissen, wie es nun weitergeht.

Die bereits im letzten Band begonnene Weiterentwicklung dieser Romanreihe ist sehr gelungen. Die größere Komplexität tut der Handlung gut und erhöht die Spannung; ein rundum gelungenes Buch.

(Ausführliche Rezension: kerstin-scheuer.de/?p=3195)


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