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Daggi
(TOP 1000 REZENSENT)   

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Gerron: Roman
Gerron: Roman
von Charles Lewinsky
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,90

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Aber so war es nicht, 2. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Gerron: Roman (Gebundene Ausgabe)
Dies ist nach Melnitz das zweite Buch, das ich von Charles Lewinsky lese. Der Jude Kurt Gerron, Star von Brechts Dreigroschenoper und des Blauen Engels mit Marlene Dietrich, bekommt 1944 den Auftrag, einen Film über das Ghetto Theresienstadt zu drehen. Er soll die eingesperrten Juden wie im Paradies darstellen. Weigert er sich, bedeutet dies sein Ende, aber hat er eine andere Möglichkeit als die Wahrheit zu verschleiern?

Man weiß von vorneherein, wie dieser Roman enden wird, denn das Ende von Kurt Gerron und seiner Frau Olga ist bekannt. Das macht es nicht gerade einfach, den Roman zu lesen, zumal er besonders im mittleren Teil sperrig geschrieben ist, mit vielen Rückblenden und nur wenigen Dialogen. Das meiste spielt sich in Gerrons Kopf ab: Erinnerungen, Gewissensbisse ... Man begreift nicht so recht, warum Kurt Gerron die drohende Gefahr nicht erkannt hat - eines der zentralen Themen im Buch - und warum er das von Peter Lorre eingefädelte Angebot, nach Hollywood zu gehen, ausgeschlagen hat.

Der Ich-Erzähler Kurt Gerron erzählt zunächst von seiner Kindheit und Jugend, vom Frontdienst im Ersten Weltkrieg und dem Erhalt des Eisernen Kreuzes. Später wird er ein berühmter Bühnenstar und noch später Regisseur. Er ist damals so bekannt, wie die Filmschauspieler Emil Jannings oder Heinrich George. Zu Berthold Brecht hat Kurt Gerron eine sehr spezielle Beziehung: er hält ihn für einen Faulenzer und Ehrgeizling. Von Marlene Dietrich und Heinz Rühmann erhofft sich Kurt Gerron Hilfe. Hier führt uns Charles Lewinsky mehrfach gekonnt in die Irre.

Ohne Kapiteleinteilung schaltet Lewinsky hin und her zwischen dem Leben in Theresienstadt und den Lebensrückblicken. Es fiel mir dabei manchmal nicht leicht, festzustellen, wo Gerron sich gerade befindet. Im letzten Drittel las sich das Buch flüssiger, weil es mehr Dialoge als im Mittelteil enthielt. Insgesamt hat mich das Buch nicht so gefesselt, wie Melnitz, bei dem ich nächtelang durchgelesen habe.

Bemerkenswert finde ich den bissig-ironischen Stil - kein anderer als ein Jude könnte solche Judenwitze erzählen, ohne den Vorwurf des Antisemitismus zu kassieren. Ich finde es gelungen, wie der Autor sich in die Nöte des Kurt Gerron hineinfühlt und dies vermag auszudrücken. Auch die Beschreibung der Beziehung zu Gerrons Frau Olga geht nahe. Für die unbeschreiblichen Taten der Nazis findet Lewinsky die richtigen Worte. Mehrfach während des Romans greift Charles Lewinsky zu einem Kunstgriff und erzählt uns eine Geschichte, bei der man zunächst denkt bzw. hofft, so war es oder so könnte es gewesen sein ...

... aber so war es nicht. Fazit: Bedeutender Roman. Schwieriges Thema geistreich aufgearbeitet. Nicht einfach zu lesen aber unbedingt lesenswert. Ich schwanke zwischen vier und fünf Punkten.


Wien: Ein Begleiter zu neuer Landschaftsarchitektur
Wien: Ein Begleiter zu neuer Landschaftsarchitektur
von Edition Edition Garten + Landschaft
  Broschiert
Preis: EUR 19,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Labor für Landschaftsarchitektur, 30. Januar 2012
Wien ist nicht gerade für seine zeitgenössische Landschaftsarchitektur bekannt, sondern für seinen Schmäh, seine Kaffeehäuser, den Kaiser und die barocken Gartenanlagen Schönbrunn und Belvedere. Durch den vorliegenden "Begleiter zu neuer Landschaftsarchitektur" erhält man einen guten Überblick über aktuelle Freiraumgestaltung in der österreichischen Hauptstadt. Das Coverbild mit dem spielenden Jungen auf dem Rudolf-Bednar-Park im Vordergrund und den mehrgeschossigen Wohnblocks im Hintergrund ist dabei nicht die attraktivste Fotografie des Landschaftsarchitekturführers, der sachlich, übersichtlich und gut aufgemacht daherkommt.

Nach einer kurzen Einleitung zur Stadt Wien findet man die Beschreibung von 33 gestalteten Grünflächen, darunter Parks, Plätze, Außenanlagen, einen Schulhof, öffentliche Gärten und z.B. auch die landschaftspflegerische Begleitmaßnahme bei einer Schnellstraße und für einen Flughafentower. Hier dürfte jeder Landschafts-, oder Stadtplaner neue (oder auch altbewährte) Ideen und Anregungen für eigene Projekte erhalten. Zur Vorbereitung für Fachexkursionen bestens geeignet.

Der vorliegende Landschaftsarchitekturbegleiter gefällt mir sehr gut, weil er handlich ist und mit einer aussagekräftigen Bildauswahl versehen ist. Als Stadtplanerin brauche ich jeweils neue Ideen für die Gestaltung von Freiräumen oder muss vorgelegte Entwürfe beurteilen. Diese finde ich hier in komprimierter Form. Ein Übersichtsplan zum Schluss des Begleiters markiert die 33 beschriebenen Freiräume. Ich würde das Buch zwar nicht als Reiseführer empfehlen, halte es aber für den interessierten Laien durchaus verständlich und nachvollziehbar geschrieben.

2010 erschienen, gibt der Begleiter ein aktuelles Bild über die Wienerische Landschaftsplanung. Die Autoren Dagmar Grimm-Pretner und Peter Zöch sind beide Landschaftsarchitekten; sie - Assistenz-Professorin an der Universität für Bodenkultur in Wien; er - Redakteur beim Fachmagazin Topos, Buchautor und Fachjournalist. Ich kenne bereits die Landschaftsarchitekturführer Frankfurt und Leipzig und halte auch diesen hier wieder für gelungen.


Der Vorleser
Der Vorleser
DVD ~ Kate Winslet
Preis: EUR 5,97

14 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Verstörende Wirkung, 22. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Der Vorleser (DVD)
Vorneweg: die Literaturvorlage von Bernhard Schlink habe ich nicht gelesen, kann von daher also keinen Vergleich anstellen. Die DVD habe ich im Laden eben mal so mitgenommen, weil ich von dem Film gehört hatte.

Dieser Film hat sehr widersprüchliche Gefühle bei mir ausgelöst: die Story hat mich einerseits regelrecht bestürzt, andererseits fand ich den Film viel zu sehr nach Hollywood-Manier inszeniert und ich fand ihn nicht wirklich authentisch. Die hübsche Kate Winslet als ein derber Nazi-Trampel? Das ist doch die Fehlbesetzung des Jahrhunderts. Oscar hin oder her, ich fand sie nur in den Liebesszenen passend, die Nazi-Aufseherin konnte ich ihr nicht abnehmen.

Doch da sind wir schon bei einem zentralen Thema des Films: Verführung Minderjähriger. Hannah Schmitz beginnt eine Liebesaffäre mit dem 15-jährigen Michael (sehr gut gespielt von David Kross). Wäre Hannah ein Mann gewesen, hätte das einen Aufschrei gegeben. Erst viel später wird im Film klar, dass Hannah eine Frau sein muss, die keine Werte kennt. Man erfährt aber nicht, warum das so war. Sie hat keine Angehörigen; war sie Waise? Was hatte sie für eine Geschichte? Man erfährt nicht, warum Hannah Michael verführt. Sie tut es einfach und tut dem jungen Mann damit Schlimmes an, vor allem als sie ihn später verlässt, einfach so, ohne ein Abschiedswort. Damit werden wir als Zuschauer einfach konfrontiert.

Relativ schnell wird im Film klar, dass Hannah Analphabetin sein muss. Bei dem Nazi-Prozess, bei dem Michael als Zuhörer teilnimmt und Hannah als Angeklagte vorgeführt wird, spielt dies eine entscheidende Rolle. Diese Szenen waren sehr nahegehend. David Kross spielt den inneren Zweispalt des jungen Michael sehr einfühlsam, er sucht sich auch noch bei seinem Professor Rat, was er tun soll, bloß versteh' ich nicht, warum er dann nicht mit Hannah Kontakt aufgenommen hat, um sie vor der lebenslänglichen Strafe zu bewahren. Auch hier erfahren wir aus Hannahs Sicht sehr wenig: sie scheint eine Frau ohne Gewissen zu sein. Sie führt eiskalt den Befehl aus, die jüdischen Frauen nicht aus der brennenden Kirche zu lassen und vermag es im Prozess aber aus Schamgefühlen nicht zuzugeben, dass sie Analphabetin ist.

Ralph Fiennes hat als älterer Michael Berg eine recht blasse Rolle. Er spielt den introvertierten, nachdenklichen Mann, aus dem zwar etwas geworden ist (Anwalt), der aber irgendwie nicht mit beiden Füßen im Leben steht. Er wirkt immer irgendwie abwesend, was allerdings kein Wunder ist, denn er hat die ganze Sache mit Hannah nicht verarbeitet. Ich versteh' bloß nicht, warum er sie erst ganz zum Schluss im Gefängnis besucht hat. Und wie sich die Story dann entwickelt hat, habe ich noch weniger verstanden. Das war mir ehrlich gesagt zu sehr auf die Tränendrüse gedrückt.

Der Film hat mir keine Lust auf das Buch gemacht. Im Film bleiben mir zu viele Fragen offen und ich halte ihn für verstörend, weiß aber nicht, ob das an der Buchvorlage, oder an der filmischen Umsetzung liegt. Ach ja - noch ein kleines Detail: denken die amerikanischen Filmemacher wirklich, die Deutschen hätten in den 50er Jahren Homer auf Englisch gelesen?
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 21, 2013 11:11 PM MEST


Die Schachspielerin
Die Schachspielerin
DVD ~ Sandrine Bonnaire
Preis: EUR 6,97

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Spiel der Könige, 22. Januar 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Schachspielerin (DVD)
Vor einigen Jahren habe ich das Buch Die Schachspielerin von Bertina Henrichs gelesen - es ist zu einem meiner Lieblingsbücher geworden. Der gleichnamige Debütfilm von Caroline Bottaro hat mich nicht weniger überzeugt, obwohl die aus Deutschland stammende Regisseurin die Handlung kurzerhand von der griechischen Insel Naxos auf die französische Insel Korsika verlegt hat. Eleni heißt Hélène, der Ehemann heißt eigentlich Panos und nicht Ange und arbeitet nicht in einer Schiffswerft, sondern besitzt eine Autowerkstatt.

Hélène arbeitet als Putzfrau in einem Hotel, ein Tag gleicht dem anderen, aber sie ist nicht unzufrieden mit ihrem einförmigen Leben. Eines Tages beobachtet sie bei der Arbeit ein Ehepaar, das Schach spielt. Fasziniert von diesem Spiel bringt sich Hélène das Schachspielen selbst bei, doch sie merkt, dass sie an ihre Grenzen stößt. Der amerikanische Doktor Kröger für den Hélène ebenfalls putzt, selbst leidenschaftlicher Schachspieler, führt sie nach anfänglichem Zögern in die höheren Weihen des Schachspiels. Das führt zu unabdingbaren Veränderungen innerhalb ihrer Familie und für ihr gesamtes Leben.

Es handelt sich um einen sehr ruhigen Film, ein Film in dem nicht viel passiert, ohne viele Worte, mit vielen Landschaftsaufnahmen und besonders wohltuend: es wird nicht permanent gesprochen. Es hat mich tatsächlich überrascht, dass man die hohe Konzentration beim Schachspielen auf so fesselnde Weise inszenieren kann, was ich vor allem der grandiosen Leistung von Sandrine Bonnaire zuschreibe. Sie konnte ich mir am Anfang gar nicht in der Rolle der Eleni/ Hélène vorstellen, hatte ich doch eine fülligere und südländischere Frau vor meinem geistigen Auge gesehen. Doch das leise Spiel von Sandrine Bonnaire mit so wahnsinnig viel Ausdruck hat mich voll überzeugt.

Ich fand noch einige andere Abweichungen zum Buch, z.B. dass Ange nicht so schnell darin zu überzeugen war, dass Hélène an den Schachturnieren teilnimmt - seine Eifersucht nahm im Buch noch deutlich mehr Raum ein. Auch haben Hélène und Ange zwei Kinder, und nicht nur eine Tochter, und sind nicht so arm, wie es im Film dargestellt wird. Hier wird eine Nebenhandlung im Film neu eingeführt, auf die man nicht so hätte abheben müssen.

Zentrale Buchszenen, wie die Anfangsszene mit dem amerikanischen Ehepaar, das Hélène beim Schachspiel beobachtet und die Szenen mit Prof. Kröger beim Schachspiel sind filmisch jedoch außerordentlich gelungen. Das bringen beide Schauspieler - Sandrine Bonnaire und Kevin Kline hervorragend zum Ausdruck. Kevin Kline wirkte zwar auf mich weniger wie ein angestaubter Professor, sondern eher wie ein netter Märchenerzähler, was der Sache aber keinen Abbruch tut.

Die DVD ist auf Deutsch und Französisch; man kann die deutschen Untertitel ein und ausschalten. Außerdem gibt es das Making of und den Trailer als Extras. Gesamturteil: Gelungene Literaturverfilmung. Absolut sehenswerter Film mit tollen Schauspielern, schönen Landschaftsaufnahmen und wohltuend wenig Dialogen. Ich vergebe volle Punktzahl.


Die Dunkelgräfin:  Spukgeschichten von Kocher, Jagst und Tauber
Die Dunkelgräfin: Spukgeschichten von Kocher, Jagst und Tauber
von Marie-Gabrielle Hohenlohe
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 15,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nicht nur böse Geister, 21. Januar 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das kleine Büchlein hat man an einem Nachmittag ausgelesen. "Spukgeschichten" ist auf dem Cover zu lesen, doch von den fünf Kurzgeschichten, sind nur drei wirkliche "Spukgeschichten", in denen Gespenster vorkommen und man sich ein ganz klein wenig gruseln kann. Dennoch haben mich die Geschichten aus dem Hohenloher Land (das ist der Landstrich zwischen den Flüssen Jagst, Kocher und Tauber) angesprochen und ich wurde gut unterhalten. Ich mochte die etwas altmodische, eigentümliche Sprache, die durch feine Ironie gewürzt wird. Und ich erfuhr allerhand Wissenswertes über die Gegend, in der ich wohne. Auch gefielen mir die Landschaftsbeschreibungen von Frau Hohenlohe sehr gut. Zitat: "Bei diesem weiblichsten aller Flüsse herrschen Schönheit, Willkür und Verschwendung. Zwischen Crailsheim und Kirchberg zieht die Jagst widersinnig enge Schleifen und versprudelt viel Energie. Nie wurde sie kanalisiert oder begradigt, sie treibt nur wenige Mühlen an und schmückt sich lieber mit Schlössern, Burgen und Klöstern." Oder Zitat: "Die Aussicht von Waldenburg ist spektakulär. An manchen Abenden liegt der Horizont hell wie aus Glas geschnitten da. Kurz vor dem Regen reicht dann der Blick über den Rhein bis zu den Höhen des Pfälzer Waldes, und jenseits des Sonnenuntergangs blitzen im Bayrischen die Fenster von Schloss Schillingsfürst feurigrot auf, als stünde das Haus in Flammen."

Weikersheim
Ein Münchner Betriebswirt trifft auf dem Marktplatz von Weikersheim seinen alten Studienkollegen, den Prinzen Viktor Hohenlohe, wieder. Weikersheim (auch klein-Versailles genannt) war im 16. Jahrhundert ein wichtiges alchimistisches Zentrum. Auf der Kirchturmspitze befinden sich die geflammte Sonne, die Mondsichel und Mercurius als Zeichen; sie stehen für Gold, Silber und Quecksilber. Der Betriebswirt erfährt, dass ein anderer Studienkollege bei einem nächtlichen Brand im Haus des Prinzen ums Leben gekommen ist. Auch seine eigene Übernachtung entwickelt sich alles andere als eintönig ...

Herrn Schlözers Erfahrungen mit der weiblichen Natur
In dieser Geschichte findet man kein Gespenst. Sie hat mir dennoch gut gefallen, denn man erfährt einiges über den Werdegang des Professors August Ludwig von Schlözer, der in Gaggstadt bei Kirchberg/ Jagst im Jahre 1735 geboren wurde. Schlözer war ein regelrechtes Wunderkind, der als Neunjähriger bereits Hochzeitsgedichte auf Bestellung schrieb und diese mit lateinischen, griechischen und hebräischen Zitaten ausschmückte. Später wurde er Professor in Göttingen und verbrachte mehrere Jahre am Hofe der Zarin Catharina II in Petersburg. Zitat: "Schlözers Kritik an Staatsrecht und Politik wurde zu einer europäischen Institution. Vor seinen Polemiken zitterten Kaiser und Könige." Er veröffentlichte im Statsanzeiger mit einer Auflage von damals sensationellen 4400 Stück. Was ich an dieser Geschichte vermisst habe, ist ein Hinweis auf seinen Artikel "Abermaliger Justizmord in der Schweiz", in dem er den Hexenprozess gegen Anna Göldi im Jahre 1782 im schweizerischen Glarus kritisierte und das deutsche Wort "Justizmord" prägte. Auch über seine Tochter Dorothea Schlözer, Doktorin der Philosophie und Salonière, hätte ich gerne mehr erfahren, doch ihre Geschichte wird nur kurz erwähnt. Schlözer muss ein rechter Tyrann gewesen sein, unter dem vor allem die weiblichen Mitglieder der Familie zu leiden hatten ...

Die Dunkelgräfin von Ingelfingen
Diese Geschichte hat mir von allen am besten gefallen. Einen Hinweis auf die Geschichte gibt schon das Titelbild, das Marie Therese von Frankreich von der Hand eines unbekannten Künstlers darstellt. Sie ist witzig erzählt und sogar ein klein wenig spannend: in dem Wirtshaus Die Wilde Sau trifft sich die allwöchentliche Skatrunde. Sie wird erzählt aus der Sicht eines Buchhändler-Lehrling, der einspringen muss, wenn einer beim Skat fehlt. Eines Abends trifft sich eine Runde von Hobby-Historikern, die über die sog. "Dunkelgräfin" referieren, die sich in der Ingelfinger Hofapotheke nach der Französischen Revolution versteckt haben soll. Vermutet wird, dass es sich um die Tochter der berühmten Marie Antoinette, Marie Therese von Frankreich, handeln soll. Es werden viele und teilweise hanebüchene Thesen aufgestellt, was den weiteren Lebensweg dieser Dame angeht. Zum Schluss meldet sich Mizzi, die alte bucklige Wirtin der Wilden Sau zu Wort, die zu dem Thema auch noch etwas zu sagen hat ...

Der gute Geist des Alexander Macco
Wieder kein Gespenst, aber eine unterhaltsame Beschreibung des Lebenswegs von Alexander Macco, 1767 in Creglingen geboren. Sein berühmtestes Bild Cephalus und Procris, 1793, wird gleich zu Beginn beschrieben. Er konnte eine ganz besondere Beziehung zu der jungen preußischen Königin Luise herstellen und malte ein Porträt von ihr, das allerdings eine vernichtende Kritik erhielt. "Der Königin von Preußen wurde vorgeworfen, dass sie habe sich in Draperie und Anordnung nicht dezent genug darstellen lassen." Das Streitobjekt musste verschwinden und Macco bekam nicht den erwarteten Professorenstuhl. Doch eine gute Fee hat Maccos Lebensweg geleitet: später lernt er Goethe kennen und durfte auch für ihn Bilder malen ...

Bachingen
Eine richtige Gespenster-Geschichte als Abschluss. Immerhin kommt hier ein bisschen Grusel auf. Es geht um einen ganz besonderen Friedhof im Hohenloher Land, der die Eigenart besitzt, nur schmale Einzelgräber, keine Familiengräber aufzuweisen, jeweils mit derselben Art von Holzkreuz. Ein VHS-Dozent aus Berlin interessiert sich dafür und spricht vor Ort mit einem Einheimischen, der ihm auf die Frage, was es damit auf sich habe, antwortet: >>Es kommt, wie's kommt.<< Auf dem Land beerdige man eben so. Der Lehrer recherchiert weiter und findet einen ähnlichen Friedhof in Ailringen. Da berichtet die Lokalzeitung vom plötzlichen Tod des Dozenten und dessen Überführung nach Berlin ...

Das Buch hat mir viele Denkanstöße gegeben. Ich schwanke zwischen vier und fünf Punkten.


Die Macht der Frau: Rubens' letztes Modell Helene Fourment
Die Macht der Frau: Rubens' letztes Modell Helene Fourment
von Maria L. Brendel
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Überstrapazierte Realität, 21. Januar 2012
Helene Fourment war Peter Paul Rubens' zweite Frau, die er im Alter von 63 Jahren als 16-Jährige heiratete. Rubens malte seine junge Frau wiederholt splitternackt und lebensgroß, mit aller Sinnlichkeit und allen Falten. Die Autorin Maria L. Brendel spricht hier vom "Barockfemininum". Zitat: "Er entidealisierte die weibliche Figur und brachte eine anders geartete Schönheit hervor, die formal im Konflikt mit dem klassischen Erbe der Antike stand". Rubens hält sich nicht länger an die ideal-transzendente Darstellung von Frauen, die bis dato nach Männerstatuen gemalt wurden. Maria L. Brendel geht der Frage nach, welche Ursachen (Teil I) und welche Auswirkungen auf die Gegenwartskunst (Teil II) dieser kunsthistorisch bedeutende Bruch hatte.

Brendel sieht z.B. einen ganz persönlichen Grund für die neue Wärme und Fülle von Rubens' Bildern: eine Nahtoderfahrung als er sterbenskrank war, sich aber noch einmal erholen konnte. Zitat: "Es brach eine neue Schaffensphase an, die einen ganz persönlichen kreativen Impuls hervorbrachte." An die Stelle des Todes setzt er erotische Details und mütterliche Liebe. Der Pinselstrich ist mit bloßem Auge nicht mehr zu sehen - Brendel spricht vom "Superrealismus" bzw. von "überstrapazierter Realität".

Das kleine, 183 Seiten umfassende Buch, ist lediglich mit kleinen Schwarz-Weiß-Bildern der im Text beschriebenen Werke illustriert. Es handelt sich hier nicht um einen Bildband. Im Buch aufgeführt sich folgende Werke von Peter-Paul-Rubens:

Das Pelzchen, ca. 1638-1640
Die Toilette der Venus, ca. 1610-1615
Die drei Grazien, ca. 1638
Das Urteil des Paris, ca. 1630 und ca. 1639
Andromeda, ca. 1639/40
Perseus und Andromeda, ca. 1620
Die Folgen des Krieges, ca. 1637-1638
Die unbefleckte Empfängnis, ca. 1619

Außerdem findet man vor allem in Teil II verschiedene moderne Kunstwerke, die sich auf Rubens' Werke beziehen.

"Die Macht der Frau" wird vor allem für die kunstgeschichtliche und die feministische Forschung von Interesse sein. Die wissenschaftliche Arbeit enthält viele komplexe Bezüge und Gesichtspunkte, die durch eine Bibliografie und einen Bildnachweis belegt sind. Es besteht ein hoher intellektueller Anspruch. Ohne kunstgeschichtliche Vorkenntnisse wird diese Arbeit für den interessierten Laien kaum lesbar sein. Auch ich konnte mangels Vorkenntnissen nicht alle Überlegungen der Autorin verinnerlichen. Dennoch halte ich "Die Macht der Frau" für ein Projekt, das viele neue Zusammenhänge aufzeigt.


Die Tore der Welt: Roman
Die Tore der Welt: Roman
von Ken Follett
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der höchste Kirchturm von England, 15. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Tore der Welt: Roman (Taschenbuch)
Ein wunderschön gearbeitetes Cover mit einem drachenähnlichen Vogel und einer handgezeichneten Brücke hinter gestanzten Titelbuchstaben lassen auf eine gute Fortsetzung von Die Säulen der Erde hoffen. Auch die beiden Pläne auf der Innenseite des Buchcovers von Kingsbridge im Jahre 1337 und von der Priorei von Kingsbridge fand ich ansprechend und halfen mir bei der Orientierung. Ein Personenverzeichnis fehlt leider, so dass ich am Anfang etwas Mühe hatte, die auftretenden Personen zuordnen zu können. Das gab sich aber mit der Zeit.

Ken Follett schreibt gut. Er vermag es Personen gut zu charakterisieren und Situationen die nötige Spannung zu verleihen. Auch in Die Tore der Welt gefällt mir sein Schreibstil, der einfach verständlich und nicht allzu anspruchsvoll ist. Dennoch hat mich Die Tore der Welt nicht so gefesselt, wie Die Säulen der Erde und ich finde das Buch, stellenweise langatmig. Es gibt Handlungselemente und Dialoge, die ich überflüssig empfinde, während andere Stellen, wie z.B. die Gerichtsverhandlung in London über den Zoll beim Steinbruch oder die Beschreibung der Intrige Godwyns durchaus packend zu lesen sind. Folletts Stärke liegt in der Handlungskonstruktion - diese wirkt auf mich sehr durchdacht. Auch denke ich, dass er gut recherchiert hat - die Dinge wirken schlüssig und ich sich stimmig auf mich.

Trotzdem sind mir ein paar Stellen aufgefallen, die ich wenig glaubwürdig finde. Zum einen ist das die Szene beim Brückeneinsturz, als Ralph, der wie so viele andere beinahe ertrunken ist, sofort wieder ausreichend Kräfte hat, um noch den Grafen zu retten. Das mag noch angehen, denn ein junger Mann kann sich auch nach großer körperlicher Anstrengung schnell erholen bzw. der Adrenalin-Spiegel wird nach einem solchen Ereignis sicherlich erhöht sein, so dass er zu Außergewöhnlichem fähig ist. Sehr unglaubwürdig finde ich hingegen die Schilderung des ersten Geschlechtsverkehrs von Caris und Merthin, als sie, die noch Jungfrau ist, nach einem kurzen Schmerz und einer kleinen Wartezeit nach ihm dann auch noch zum Höhepunkt kommt. Und dass Gwenda bei den beiden Vergewaltigungen Lust empfindet, kommt mir auch eher wie eine männliche Phantasie vor und lässt Frauen in einem sehr fragwürdigen Licht erscheinen.

Nachdem ich eine Pause bei Seite 470 eingelegt habe, habe ich das Buch nun doch zu Ende gelesen. Mein Gesamturteil lautet nun: es hat mich nicht enttäuscht und nahm mich doch immer wieder gefangen. Ich wollte letztendlich wissen, wie sich das Schicksal für die einzelnen Beteiligten entwickelt. Die Ungerechtigkeit, dass manche Unholde immer wieder davonkommen und andere "brave" Bürger vom Leben doppelt gestraft werden, ließ mich mit den Protagonisten leiden und hoffen, z.B. mit Caris, die im Grunde eine sehr moderne Frau ist und ihren Beruf über ihre Liebe stellt. Sehr interessant fand ich hier alle Szenen, die mit Caris' Bestreben Ärztin zu werden, zu tun hatten bzw. auch sämtliche Szenen, wo sie im Wettstreit mit den Vertretern der herkömmlichen Lehre von den Körpersäften stand. Hier hätte ich mir sogar etwas mehr Fiktion gewünscht: hätte sie sich doch einmal gegen diese Klugscheißer durchsetzen können!

Mindestens genauso interessant fand ich Merthins Arbeit als Baumeister. Hier erklärt Follett auch jedes noch so kleine Detail, wie den Einsatz eines Kofferdammes beim Bau einer Brücke, die Funktionsweise eines Webstuhls, oder die Schwäche beim Fundament einer Kathedrale. Die Verwirklichung seiner Bauwerke zieht sich dabei wie ein roter Faden durch das ganze Buch und sein größter Traum ist es, in Kingsbridge den größten Kirchturm von ganz England zu errichten.

Die letzten 200-300 Seiten zogen sich ein wenig und auch hier hätte man die ein oder andere Sexszene bzw. Nebenhandlung kürzen können. Dennoch: ich staune, wie man so ein umfangreiches Werk mit so vielen Personen, Verwicklungen und Handlungssträngen schreiben kann. Ein Punktabzug wegen Langatmigkeit.


Die neue Diät: Fit und schlank durch Metabolic Power
Die neue Diät: Fit und schlank durch Metabolic Power
von Ulrich Strunz
  Broschiert
Preis: EUR 19,95

3 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Mit erhobenem Zeigefinger, 14. Januar 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Auf den ersten Seiten widerlegt Dr. Strunz alle jemals dagewesenen Ernährungstipps und hält nur seinen für richtig, der - um es kurz zu sagen - heißt: Kohlehydrate und Alkohol weglassen, täglich Sport treiben und die körpereigenen Enzyme aktivieren. Dr. Ulrich Strunz braucht für diese Aussage alledings 70 Seiten. Er legt vehement dar, wie groß man im Irrtum ist, wenn man am Moppel-Ich-Wohlfühlgewicht festhält und wie gesundheitsschädigend und leistungsmindernd Übergewicht auf Dauer ist. Diese Statements reichert er an mit Praxistipps, Listen zum Kohlehydratgehalt und vielen Begriffserklärungen; der Schreibstil ist teilweise provozierend und für mich nicht wirklich motivierend.

Zitat: "Fett macht dumm. Steigt nach dem Essen der Insulinspiegel im Blut, tut er das auch im Gehirn. Das hilft uns beim Denken. Vor allem Merken. Außer beim Übergewichtigen." Wir erfahren, dass beim Verzehr von Kohlenhydraten (Zucker, Brot, Nudeln, Reis, Kartoffeln) das Hormon Insulin ausgeschüttet wird, das bewirkt, dass kein Fett mehr verbrannt wird und sich Hüftgold anreichert.

Es folgen auf 19 Seiten Rezepte jeweils für 1 Person, mit denen man sein Gewicht reduzieren kann. Sie haben richtig gelesen: jeweils für 1 Person und ich frage mich: wie soll ich das anwenden? Ich bin Familienmensch und muss immer für drei bzw. vier Leute kochen. Soll ich extra für mich kochen? Ich könnte die Zutaten x 4 nehmen, doch die Sache ist die: meine Kindern und mein Mann müssen nicht abnehmen, die sind rank und schlank und würden bei der Low-Carb-Kost vermutlich nicht satt werden. Einige der Rezepte enthalten Eiweißpulver.

Im dritten Teil befasst sich Dr. Strunz mit der mentalen Stärke bzw. dem Willen, mit Glückshormonen, Stress und dem Muskel. Ganz zum Schluss gibt er uns noch Tipps zur Fettverbrennung durch Training, Dehnungen und Muskelübungen. In dem Buch sind viele sehr schlanke und sehr gutaussehende Frauen und Männer abgebildet und ein paar wirklich Fettleibige als abschreckendes Beispiel. Dr. Ulrich Strunz ist auch mehrfach selbst abgebildet - mit erhobenem Zeigefinger und strahlendem Lächeln.

Fazit: ein wirklich umfassendes Buch mit vielen medizinischen Erklärungen, das einen total umkrempeln will: von der Couchpotato zum Leistungssportler. Und mit der Methode von Dr. Strunz kann man garantiert 100 Jahre alt werden. Für mich liegt der Fokus zu sehr auf der Erklärung von Begriffen, der provozierende Schreibstil sagt mir nicht zu und ich halte es für mich nur bedingt anwendbar: ich vergebe 3 Punkte. Und zur Leistungssportlerin entwickle ich mich vermutlich auch nicht mehr.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 27, 2013 1:21 AM CET


Verschlüsselte Wahrheit/Blutschuld: Zwei Inspector-Rebus-Romane in einem Band
Verschlüsselte Wahrheit/Blutschuld: Zwei Inspector-Rebus-Romane in einem Band
von Ian Rankin
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Doppelpack, 9. Januar 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Blutschuld ist der erste Roman, den ich von Ian Rankin gelesen habe. Hier erhält man die Krimis "Verschlüsselte Wahrheit" und "Blutschuld" im Doppelpack. Beide Romane sind sehr spannend und lesen sich ratz fatz weg. Besonders Blutschuld fand ich intelligent geschrieben und - soweit ich es beurteilen kann - sehr gut recherchiert, was den politischen Hintergrund der paramilitärischen Organisationen angeht, die für den Verbleib Nordirlands im Vereinigten Königreich kämpfen.

Blutschuld beginnt mit der brutalen Hinrichtung eines jungen Mannes aus der Sicht des Opfers. Diese Erzählperspektive nahm mich gleich gefangen und so war ich schnell mitten im Roman drin, obwohl mir der umfangreiche Personenkreis (Kollegen, Vorgesetzte, Mitarbeiter und Freunde von Inspektor John Rebus) noch überhaupt nicht geläufig war. Das Opfer ist der Sohn eines berüchtigten Verbrechers, den Rebus hinter Gitter gebracht hat (Band 6: Verschlüsselte Wahrheit).

Rebus bekommt den Fall übertragen. Das Opfer wurde durch einen "Six-Pack" gepeinigt, eine Art der Bestrafung, die u.a. nordirische Paramilitärs verwenden. Der Krimi spielt vor dem Edinburgh-Festival in einem fiktiven August 1993 vor dem (realen) Bombenanschlag der IRA auf der Shankill Road in Belfast und dessen blutigen Folgen.

Auch aus stadtplanerischer Sicht war für mich der Tatort interessant: Mary King's Close befindet sich unter den Straßen der Stadt, denn als im 17. Jahrhundert eine Seuche ausbrach, wurden die Enden der Straße abgesperrt, die untersten Etagen mit Steinplatten abgedeckt und neu aufgebaut, eine Art von Katakomben, die allerdings bisher nicht der Bestattung von Toten dienten.

Der alte Griesgram John Rebus ist ein zäher Bursche, eine Art einsamer Wolf, der sich nicht immer so ganz an die Dienstvorschriften hält, sondern eigene Wege geht. Daher hat er auch ständig Konflikte mit Vorgesetzten und Kollegen, die es auf seinen Posten abgesehen haben, oder denen er ansonsten ein Dorn im Auge ist. Ohne ein Pint oder einen Whisky geht gar nichts. Er ist schätzungsweite so um die 50, sieht gut aus und hat eine 20-jährige Tochter. Gut finde ich, wie die privaten Elemente, die an und für sich nichts mit dem Fall zu tun haben, in den Roman eingewoben sind. Er hat eine Beziehung zur Ärztin Dr. Patience Aitken und ein Techtelmechtel mit der Staatsanwältin Caroline Rattray, das ihn schnell in Bedrängnis bringt. Er prügelt sich schon auch mal auf offener Straße und ist nicht gerade auf den Mund gefallen. Von ihm kriegt jeder sein Fett ab und vor 9 Uhr begegnet man ihm als Kollege am besten gar nicht. Durch die wechselnde personale Erzählperspektive ist dies witzig zu lesen.

Eine ganz eigenartige Beziehung hat der protestantische Rebus zu dem katholischen Priester Conor Leary, dessen Beichtstuhl er gelegentlich besucht, und der ihn um einen Gefallen bittet: Rebus soll sich im GarB (Garibaldi Estate, eine Satellitensiedlung am Rande Edinburgs) in einem beidseitig konfessionellen Jugendclub umsehen, weil dort einiges aus dem Ruder läuft ... Tatsächlich stößt Rebus auf rivalisierende Jugendbanden mit latenter Gewaltbereitschaft unter den Anführern. Dass sich viel mehr hinter dieser Art von Jugendkriminalität verbirgt, kann Rebus zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen. Die Spur führt zu den protestantischen Paramilitärs, die zum Teil mit terroristischen Mitteln für den Verbleib Nordirlands im Vereinten Königreich kämpfen und von denen man gewöhnlich viel weniger hört als von der IRA.

Fazit:
Der komplexe Stoff von Blutschuld ist spannend zu lesen und sehr gut aufgearbeitet. Obwohl ich die Charaktere der Rebus-Reihe noch nicht kannte, war ich schnell von dem Krimi gefangen. Ich mag die kauzige Art von Inspektor Rebus, dessen Anschauungsweise immer wieder durchblitzt. Für mich der Auftakt zu einer Krimireihe, von der ich sicherlich noch mehr lesen werden. Da ich Verschlüsselte Wahrheit nicht ganz so gut fand, wie Blutschuld, insgesamt 4,5 Punkte.


Der Löwe im Winter
Der Löwe im Winter
DVD ~ Peter O'Toole
Wird angeboten von derdvdler
Preis: EUR 16,95

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Weihnachten in Chinon, 23. Dezember 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Löwe im Winter (DVD)
Château de Chinon im Jahre 1183, es wird der Christbaum geschmückt. Hoch steht der Schlamm im Burghof: Hunde tollen im Treppenhaus und Hühner gackern, als der König aus der Burg tritt. Zu Weihnachten holt Henry (Heinrich II) die Familie auf die Burg Chinon: die drei Söhne - Richard, den ältesten (später genannt Löwenherz), den zweiten Geoffrey und den jüngsten Sohn John, den Henry auf dem Thron sehen will. Seine Gemahlin Eleanor reist mit dem Boot an. Seit 10 Jahren befindet sie sich schon auf Schloss Salisbury in Verbannung.

Der weihnachtliche Friede will sich nicht wirklich einstellen. Beide Elternteile bekriegen sich was das Zeug hält und es fliegen nicht nur die verbalen Fetzen: "Ich bin wie die Erde - es gibt keinen Weg um mich herum" ist nur ein kleines Beispiel für die spitzzüngigen Wortgefechte, die sich das Paar liefert. Grund für die Auseinandersetzungen ist zum einen, dass Eleanor Richard als Thronfolger sieht und zum anderen, dass Henry mit seiner neuen Geliebten Alais auf Chinon zusammenlebt. Vorgetragen wird dieser bissige Streit in hohem Tempo. Die große Eleanor von Aquitanien leidet immer noch unter den Demütigungen und Verletzungen ihres Gatten. Wer hat Angst vor Virginia Woolf? mit Elizabeth Taylor und Richard Burton von 1966 könnte Pate gestanden haben. Der Löwe im Winter entstand nur zwei Jahre später - 1968. The Lion in Winter ist ein intelligentes, scharfzüngiges Kammerspiel mit viel Wortsinn von James Goldman.

Die Schauspieler Katherine Hepburn - Paradebesetzung der Rolle der Eleanor von Aquitanien - und Peter O'Toole in der Rolle ihres Ehemannes Henry, spielen hervorragend. Katharine Hepburn erhielt für diese Rolle einen ihrer insgesamt vier Oscars, John Barry erhielt für die Musik seinen dritten Oscar und James Goldman den Oscar für das beste Drehbuch nach einer literarischen Vorlage. Ansehnlich finde ich auch den eloquente und eleganten Timothy Dalton als jungen König Philipp II von Frankreich und Anthony Hopkins in seiner allerersten Filmrolle.

Im Gegensatz zu anderen Historienschinken aus den 60ern, wird das Adelsleben in dieser britischen Produktion nicht prunkvoll, sondern betont einfach dargestellt. Das mutet beinahe wie eine moderne Inszenierung an. Dennoch enthält das psychologische Familiendrama überflüssige Schnitzer, wie z.B. den Brauch, einen Christbaum aufzustellen, der aus dem 19. Jahrhundert stammt. Absicht oder Irrtum?
Der Film zeigt tolle Landschaftsbilder von Irland, Wales und Frankreich, mit einer ruhigen Kameraführung aufgenommen. Dass er erst ab 16 freigegeben ist, hängt vermutlich damit zusammen, dass angedeutet wird, dass Richard homosexuell ist.

Die Ausstattung der DVD ist üppig: mit Audiokommentar des Regisseurs Anthony Harvey in Englisch, vielen Sprachen und Untertiteln; der auf dem Cover genannte Trailer ist auf der DVD allerdings nicht zu finden. Mit 129 Minuten Spielzeit fand ich den Film ein wenig zu lang; ich vergebe vier Punkte.


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