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Beiträge von FrizzText
Top-Rezensenten Rang: 2.367
Hilfreiche Bewertungen: 9219
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Rezensionen verfasst von FrizzText "frizz" (Wuppertal)
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31 von 55 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Unser Kernproblem, 24. Mai 2006
Beschleunigung erfasst uns lückenlos in unserer wirtschaftlichen und beruflichen Grundlage als überall einsickerndes gnadenloses Prinzip der Globalisierung. Dem sieht man sich so machtlos gegenüber wie einst die Wilden den Naturerscheinungen Blitz und Donner. Der Beschleunigungsfaktor, welcher der Technik inne liegt, sei es der Transport-, Kommunikations- oder Waffentechnik, liefert nicht nur begrüßenswertes Erleichterungspotential im Alltagsleben, sondern modifiziert den Kern unseres Menschseins. Er macht uns nicht nur als gut verdienende Verkäufer global, sondern modifiziert uns auch zur Zielscheibe all derjenigen Völker, die sich durch unsere Verbindung mit den USA motiviert fühlen, uns Lehrstunden über Religion und Moral zu erteilen. Nicht nur weltweite Vernetzung der Wissenschaft und Kunst, auch weltweite Ausbreitung von Provinzialität und Anti-Aufklärung sind auf den Tempo-Zug aufgesprungen. Die so genannten Sachzwänge haben eine Undiskutierbarkeit bekommen wie einst die Götzen und Götter. Der Neo-Konservatismus, die größte denkbare Apathie gegenüber dem Wiederaufleben des Manchester-Kapitalismus, er genießt fast johlend das Prinzip Beschleunigung. Es hat den Anschein, dass die Hilflosigkeit vor den eskalierenden Beschleunigungsprozessen den Kern des Sozialen anfrisst wie eine Krebsgeschwulst einen einzelnen Körper. Insofern beschäftigt sich das Buch von Hartmut Rosa mit dem Kernproblem unserer gegenwärtigen Gesellschaften, sei es, dass sie den rasenden Zug aufhalten wollen oder ihn genüsslich aufs Raketenniveau weiterentwickeln.
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Bullshit
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von Harry G. Frankfurt Gebundene Ausgabe |
| Preis: EUR 10,00 |
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13 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen
Mut zur Wut, 22. Mai 2006
Wenn die Politiker, ob in Washington oder Berlin, Moskau oder Peking, nach einer Unterredung vor die Mikrofone treten, dann kann man getrost davon ausgehen, dass in den nächsten paar Minuten auf der Bullshit-Frequenz gesendet wird. Besonders wenn sie, sich gegenseitig belauernd, nebeneinander vor zwei mit Mikrofonen ausgestatteten Pulten aufgebaut sind. Quark, Humbug, Kokolores, Geschwafel, Hohlphrase, Quatsch, Gefasel, Gespreiztheit, Anmaßung, Überheblichkeit, Selbstverliebtheit, Publikumsgeilheit, Schlitzohrigkeit, Vertrottelung, Demenz, Gleichgültigkeit bis hin zur höhnischen Verfälschung: Warum erdulden wir dies alles wie ein wiederkäuendes, hinter einem Ochsen stehendes Rindviech, das nicht wenigstens ernüchtert fortgeht, wenn jemand offensichtlich Mist produziert? Philosophen wie der amerikanische Professor Harry Frankfurt oder sein Vorbild Ludwig Wittgenstein erlauben sich zuweilen, enorm ungehalten und unübersehbar bissig zu werden angesichts dieses Tatbestandes. Ohne sich allzu sehr in die Kopfschmerz bereitenden Einzelschluchten philosophischer Systeme zerren zu lassen (der gute Heidegger oder Hegel, sie schrieben jedoch nicht nur Bullshit), ist vielleicht dies das Einfachste, Erholsamste und Gesündeste, was man von Philosophen lernen kann: Sehr vieles ohne Zögern, sehr energisch und ohne überflüssigen Selbstzweifel als Bullshit abzutun. Selbst einige Internet-Foren würden dadurch lesbarer.
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No No Never
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| Wird angeboten von goodtasterecords |
| Preis: EUR 6,87 |
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34 von 46 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Trotz bloß 15. Platz!, 21. Mai 2006
Der Song NO, NO, NEVER ist durchaus gut. Er transportiert Lebensfreude, Rhythmus, Tempo, Spaß. Dass es beim European Song Contest immer mehr um Getanze, abgeworfene Röcke und gut einsehbare weibliche Ausschnitte geht als um die Freude an der Musik, ist wohl der Grund für den bloß 15. Platz. Vielleicht überbordet auch der Geschmack der Balkan-Staaten. Vielleicht möchte man sich, beim schlechter werdenden Image der USA als Kriegspartei, nicht mehr so gerne mit texanischer Musik kontaminieren. Was Präsident BU$H aber alles anrichtet, sollte man dem fröhlichen Nashville-Sound nicht anlasten. Er stammt eben aus der Zeit vor dem September 11, 2001. Vielleicht sollte man deshalb umso energischer sich auf dieses Musik- und Lebensgefühl zurückbesinnen, bevor man, wie die Siegergruppe aus Finnland, nur noch im martialischen Phantasy-Mummenschanz durch die Straßen läuft. Wenn diese Form von Gesichtslosigkeit Mode wird, möchte ich lieber ganz altmodisch werden. Und jeden Tag TEXAS LIGHTNING hören!
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Stern am deutschen Gitarristen-Himmel, 19. Mai 2006
Der australische Ausnahme-Gitarrist Tommy Emmanuel weiß schon, warum er den deutschen Joscho Stephan so oft international sponsert: Joscho Stephan könnte gut und gerne mit einem der virtuosen Nachfahren aus der Sippe des Django Reinhardt verwechselt werden. Natürlich ist Schnelligkeit nicht alles, zumal Django Reinhardt nur zwei Spielfinger seiner verkrüppelten linken Hand zur Verfügung standen, Joscho Stephan aber schließlich alle vier in voller Funktion präsentieren kann. Aber gefühlvolle, langsame, fast sentimentale Nachschöpfungen gelingen ihm auch immer häufiger: SWEET CHORUS ist solch ein Beispiel. Besonders erwähnenswert ist jedoch, dass Joscho Stephan kontinuierlich Eigenkompositionen vorlegt, die ganz sicherlich den Tag überdauern und andere Gypsy-Bands auf die Dauer inspirieren werden. Die Komposition OCEAN ist solch ein genialer Wurf. Auch sein Blick über den Gypsy-Tellerrand hinüber zum Bossa Nova-Rhythmus (sogar beim Django-Kultsong MINOR SWING, unter Hinzunahme eines Percussionisten) lässt auf weitere kreative Schübe hoffen. Es genügte mir nicht, die vorliegende CD aus Live-Mitschnitten online bestellt zu haben, ich fuhr auch zur Präsentation des neuen Repertoires nach Viersen in TOMMY'S WORKSHOP. Dort überraschten mich die Zwischenmoderationen, ganz und gar im Stile rheinischen Frohsinns gehalten. Gerade zurückgekehrt aus dem belgischen Liberchies (dem Geburtsort Django Rheinhardts mit jährlichem Gypsy-Guitar-Festival), das jährliche Django-Festival in Samois an der Seine vor mir, entspannte es mich, nicht alles übersetzen zu müssen. So leuchtet es unmittelbarer ein, wenn Joscho Stephan erklärt, den Gitarristen in seinem Quintett ginge es mittelmäßig (es reiche fürs Brot), der reichste sei der Mann am Kontrabass: dort könnten dankbare Zuhörer (am Volumen gemessen) nach dem Konzert das meiste Geld (bevorzugt Scheine) hineinstopfen: Der Mann am Doppelbass habe also sogar Butter auf dem Brot. Logisch, dass der Violinist wohl am ärmsten dran ist. Angeblich versucht er als Womanizer und männliches Model auf die Titelseite von Brigitte zu kommen, er habe auch Plateauschuhe bestellt, die ihn etwas größer erscheinen ließen. Das Mitleid übermannte mich. Ich kaufte nach dem Konzert eine weitere CD zum Verschenken an Freunde hinzu.
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Mord nach Plan
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| DVD ~ Sandra Bullock |
| Wird angeboten von audiovideostar_2 |
| Preis: EUR 14,45 |
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Unterschätzter sublimer Machtkampf an Schulen..., 17. Mai 2006
Weil man immer wieder etwas von Gewalt und Amokläufen in Schulen hören muss, nicht nur aus den USA, sondern auch in Deutschland, beginnt man zu überlegen, was als Teppich der Verursachung unter solchen Abläufen liegen mag. Ein sublim homosexueller Machtkampf (wer ist Herr, wer ist Sklave) tobt zwischen den beiden Tätern. Schon die Eingangsszene, wo man die beiden, jeder mit einer Pistole an der eigenen Schläfe, voreinander stehen sieht, macht die Angelegenheit überdeutlich. So geht es in dem anschließenden, mit vielen Rückblenden arbeitenden Film nur darum, welcher der beiden Jugendlichen sich am Ende gegen den anderen durchsetzen wird. Äußerst knifflig für die Polizei, sich in ein solch hoch-neurotisches Netzwerk hineinzudenken. Weil die Kommissarin (Sandra Bullock) in ihrer Teenagerzeit aber auf einen ähnlich sadistischen Typen hereinfiel, ist sie besonders bemüht, den Tätern zäh (und verständlich rachsüchtig) ihr Handwerk ein für alle mal zu legen. Natürlich gibt es immer wieder Rückschläge. Der wie üblich oberflächliche Vorgesetzte glaubt den Fall längst gelöst, als das meiste noch bevorsteht. Zwar hat man den Eindruck, Sandra Bullock passt vom Typ her besser in eine Komödie als in einen Psycho-Thriller. Auch ist man von anschauenswerten Locations abgelenkt: Bullock verführt ihren Kollegen in ihrem Wohnboot; der geheime Treffpunkt der Jugendlichen ist eine baufällige Holzvilla auf einem Felsen am Meeresrand. Jedoch: Der Spannungsbogen ist solide genug, um den Betrachter am Thema zu halten - den von Erwachsenen oft gar nicht bemerkten und diskutierten mörderischen Machtkampf zwischen Jugendlichen.
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Immer noch eine Lifestyle-Ikone, 16. Mai 2006
Eric Clapton schrieb einmal, er wäre richtig geschockt gewesen, als er begriffen hätte: Dieser Robert Johnson spielt nicht von Eitelkeit getrieben für irgendein Publikum, nein, er spielt einfach für sich selbst. Ein schwieriges Ziel für einen heutigen Gegenwarts-Menschen, selbst dorthin zu gelangen, besonders, wenn man wie Clapton, wie eine Primadonna durch den Medienrummel getragen wird. Für Clapton jedoch trug die Johnson-Erfahrung (almost like a religious experience) nicht nur zur musikalischen, sondern erfreulicherweise auch zur seelischen Orientierung und inneren Festigung bei. Mit CROSS ROADS BLUES oder mit I AM A STEADY ROLLING MAN übernahm er Johnson-Songs in sein Repertoire. Der Stones-Gitarrist Keith Richards erzählte einmal von einem Besuch bei Brian Jones. Der habe einst nicht mehr besessen als einen Stuhl, einen Schallplattenspieler und wenige LPs. Die für ihn wichtigste und kostbarste sei eine von Robert Johnson gewesen. Er habe Brian ahnungslos gefragt: "Wer sind die, die da spielen?" "Robert Johnson." "Ja, aber wer spielt die zweite Gitarre?" "Das spielt er alleine." Mein Gott, dachte Keith Richards, dieser Mann muss drei Gehirne haben, eins für den stabilen Rhythmus, eines für den Text und ein drittes für die locker hingeworfenen Melodie-Läufe. Die Stones versuchten, wie man weiß, nicht nur die Ideen, sondern das gesamte Lebensgefühl dieses Robert Johnson in unsere Gegenwart zu transportierten. Was Musikstücke alles bewirken können!
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6 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Take this hammer, 16. Mai 2006
Die Zusammenarbeit der Musik-Forscher John und Alan Lomax mit Huddie Ledbetter, "LEADBELLY" (1889-1949), war mehr als ertragreich, sie beförderte eine der archaischsten und am ehesten an die afrikanischen Ursprünge gemahnende Musik auf die Tonträger. Die berühmten Musikologen halfen mit bei der Begnadigung des wegen Mordes einsitzenden LEADBELLY und stellten ihn als Chauffeur ein bei ihren vom Kongress finanzierten Ton-Aufzeichnungen zur Erkundung der "Roots" der afro-amerikanischen Musik. Bei der Fahrt durchs Land lernten sie manche Blues-, Worksong- oder Spiritual-Titel kennen, die vorher noch nie aufgezeichnet worden waren. Leadbelly spielte sie anschließend vor dem Mikrofon des auf einem Lastwagen installierten Aufnahmestudios der Lomax' ein. "Take this hammer, carry't to the captain, tell him I'm gone": Die Arbeit, die in den so genannten "Worksongs" ihren Niederschlag fand, war damals nicht die reinste Freude: "If he ask you, was I running, tell him, I was flying". So mancher dürfte entkräftet die Brocken hingeworfen haben und (statt den Vorarbeiter zu ermorden) in den hintersten Winkel der Berge nicht gerannt, sondern förmlich geflogen sein. "If he asks you, was I laughing, tell him I was crying". Wenn man einmal erkannt hat, dass Arbeit nicht immer "frei" macht, dann mag man wohl nicht mehr wissen, ob man angesichts dieser Erkenntnis lachen oder weinen soll. "I don't want no, bread and tomatoes, they hurt my pride": An irgendeinem "point of no return" will man sich nicht wie ein alter Droschkengaul durch den umgehängten Futtersack aufs Paradies vertrösten lassen und man erinnert sich an den Satz: "Die Würde des Menschen ist unantastbar". Leadbelly wurde vielleicht auch verehrt, weil er einer der ersten war, der so etwas wie gewerkschaftliches Denken laut formulierte und herumreisend in die verängstigten Köpfe brachte. Leadbelly, oft auch völlig ohne Gitarre, dominierte das Timing häufig mit einem Tiger-ähnlichen Fauchen - oder mit stakkato-artigen Silben-Gewittern, die Vorläufer unserer Rapp-Performances sein könnten. Wer unsere hektische Business-Welt einmal komplett vergessen will, der gehe "back to the roots" und tauche ein in diesen ersten, sich selbst besinnenden Widerstand gegen den Zynismus der Arbeitgebereien.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Ein starker Clan..., 15. Mai 2006
Die Musiker von GIPSY PASSION lernte ich kennen in Liberchies, Belgien, dem Geburtsort des legendären Gitarristen Django Reinhardt, wo ein jährliches Gypsy-Music-Meeting stattfindet (genauso wie im französischen Samois-sur-Seine bei Paris, wo Reinhardt starb). Gipsy Passion ist zwar in Belgien produziert (von PARSIFAL.be), aber die Musiker stammen aus den Niederlanden: Sie berufen sich auf ihren Gründervater, den in Den Bosch geborenen Violinisten Piotto Limberger, der sporadisch auch mit Django Reinhardt aufgetreten war. Piottos Nachfahren sind unverändert von dessen Repertoire geprägt. An der Violine brillieren heutzutage Jan Limberger (der Bandleader) und (in der nächsten Generation nun:) "Wunderkind" Tscha Limberger, die Trompete beherrscht Storro Limberger (zuweilen bläst er artistisch auf zwei Trompeten gleichzeitig), ins traditionell-rhythmische Gypsy-Piano haut Vivi Limberger, die Schlaggitarre wird betrieben von Martin Limberger (der nebenher auch sehr gut im phantastischen Basily-Sextett mitschuftet), über dem Kontrabass hängt verlässlich stets Biske Limberger. Zusammen mit den Limbergers tritt häufig auf der Violinist (und so auch auf dieser CD:) FAPPY LAFERTIN, der noch mit Django Reinhardt höchstselbst zusammen auf der Bühne stand. Die CD startet mit amerikanischen GYPSY Jazz-Standards und stellt gegen Ende traditionelle Balkan-Zigeuner-Weisen vor. Die aktuelle Formation spielte bereits im jährlichen NORTH SEA JAZZ Festival, bei den oben erwähnten Django-Festivals in Samois-sur-Seine (FR) und Liberchies (BE), sowie bei dem Django-Festival in RIJSWIJK (NL), das von dem Limberger-Clan organisiert wird. Nächster Auftrittsort ist in Tilburg (NL) am 28. Mai! Auf der CD sind auch vermerkt Telefonnummern und Mail-Adressen fürs Booking.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Der Ghetto-Swinger, 12. Mai 2006
Es gibt fast keinen bedenkenswerteren deutschen Lebenslauf als den von Heinz Jakob "Coco" Schumann (*1924), will man zeigen, wie deutsches Tötungsbeamtentum und künstlerische Überlebensenergie aufeinander trafen. Man muss dankbar sein, dass Schumann aus seinem Exil in Australien [dort spielte er in Leo Rosners Gipsy Band] zurückkehrte und mit neuester Studiotechnik sich aufzeichnen ließ mit den Stücken, die seinem Leben Halt gegeben hatten: NUAGES, SUMMERTIME, AUTUMN LEAVES - oder mit den deutschen Titeln "Bei mir bist du schön", "Meine Gitarre erzählt", "Liebling, was wird nun aus uns beiden". Ähnlich wie ein Wladyslaw Szpilman, Ray Charles oder gar Johnny Cash hätte auch er verdient, dass sich ein Hollywood-Mogul seines Lebenslaufes annähme. In seinem Buch "Der Ghetto-Swinger" erinnerte sich Coco Schumann: "Unser Lagerältester hatte seine Zigeunerkapelle gerade verloren. Er führte uns in die Halle, in der unter anderem die Instrumente lagerten, und sagte: Sucht euch was aus, es ist alles da. Ich entschied mich für eine Selmer von einer französischen Firma, die auch die Gitarren für Django Reinhardt baute." Heinz Jakob "Coco" Schumann durchlitt in einer unglaublichen Odysse drei KZ's: Theresienstadt, Auschwitz-Birkenau, zum Schluss Dachau-Kaufering. Trotz Verlegung in immer elendere KZ's ließ Schumann damals nicht von der Musik ab: "Ein Häftling des Außenkommandos entdeckte in einer Scheune eine alte vergammelte Gitarre. Leider fehlten die Saiten. Aber nachdem das Außenkommando einige Stücke Kabel besorgt hatte, isolierte ich sie ab, spannte die Drähte und baute sie ein. Ich konnte das Instrument wieder zum Leben erwecken, es klang nicht einmal schlecht." Wie durch ein Wunder überlebte Coco Schumann. Unvergessen wird somit sein STRIPPER BLUES bleiben: Nicht nur wegen seiner perfekten Blues-Jazz-Inszenierung, sondern auch wegen der langen, erzählenden Einleitung, welche Coco Schumann dazu gibt - und die ihn als humorvollen Menschen auszeichnet: keine leicht gewonnene Charaktereigenschaft, wenn man dagegenhält, dass er im KZ Auschwitz LA PALOMA musizieren musste als Begleitung des Ganges in die Gaskammern. Im KZ Theresienstadt hatte er für den NS-Propagandafilm "Der Führer schenkt den Juden eine Stadt" als GHETTO-SWINGER für absurde Beschwingtheit sorgen müssen. Es wäre traurig, wenn dieser wunderbare Mensch und Gitarrist in Deutschland nicht noch viel deutlicher wahrgenommen würde - bevor es zu spät dafür ist: Er ist nun 82...
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15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Respekt vor einer unglaublichen Odyssee!, 12. Mai 2006
Adolf Burger begann, sich engagiert zu äußern 1972, als man wieder anfing, bagatellisierende Lügen über Auschwitz zu verbreiten, um die Schlächter-Mentalität von SS und SA zu leugnen. Damals raffte er sich auf für eine Odyssee an deutschen Schulen. Und die hat der heutige 90-jährige immer noch nicht aufgegeben. Zum Nutzen aller, die ihn erleben dürfen. Seine Frau verlor er damals. Sie wurde im Alter von 22 Jahren umgebracht. Er quälte sich mit zähem Lebenswillen von KZ zu KZ in der Hoffnung, einmal darüber berichten zu können. In der Geldfälscher-Werkstatt des Dritten Reiches war er als Geheimnisträger quasi schon doppelt zum Tode verurteilt. Als er gegen Kriegsende in Richtung Österreich verlegt wurde, rettete er absurderweise durch Flucht in ein Konzentrationslager sein Leben: Bald kamen die Amerikaner zur Befreiung. Mit einem schnell aus dem Dorf herbeigeholten Fotoapparat machte Adolf Burger seine ersten zehn Dokumentationsfotos, die später in sein Buch eingehen sollten. Wenn er heute erzählt, wie ihm ein KZ-Scherge mit dem Gewehrkolben alle Zähne ausschlug, weil er ihm seinen Vornamen Adolf nicht glauben wollte, kann man es kaum fassen, mit welch ironischer Distanz ihm dies heutzutage gelingt. Wenn man ihn fragt, ob er noch an einen Gott glaube, verneint er dies, nach allem, was er erleben musste. Aber es gibt Menschen wie ihn. Dafür zumindest darf man dankbar sein. Sein Buch müsste Pflichtlektüre in allen Schulen sein.
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