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5.0 von 5 Sternen
Superschuh, 28. November 2012
Ich habe jetzt vor einem halben Jahr angefangen mit dem Vorfußlauf. Ich bin darauf gekommen, weil ich schwere Beschwerden im unteren Rücken und in der Hüfte verspürt habe. Ich habe festgestellt, dass Schuhe mit "Sprengung" also mit Absatz oder mit erhöhtem Fersenteil die Überspannung im unteren Rücken und der Hüfte verstärken.
Beim Läufen über den Hacken, hatte ich oft Schmerzen in den Adduktoren und den Abbduktoren, sowie in den Psoasmuskeln, durch Verhärtungen und Verkürzungen, obwohl ich gedehnt hatte wie ein Weltmeister.
Aus der Reha mit Spitzensportlern wusste ich, dass die Rückmeldung der Füße eine große Rolle spielt bei der Automatisierung der Geh- und Laufbewegung. Das gilt für "gute" und "schlechte" Bewegungsmuster.
Bei zentimeterdicken, aufgeswchäumten Sohlen, gibt es diese Rückmeldung nicht mehr. Genau so wenig, wie ein Ohr gut hören kann, wenn Watte im Kanal steckt, kann der Fuß den Boden erfühlen, wenn er dick eingepackt wird. In der Folge werden die entsprechenden Muskelketten nicht richtig angesteuert.
Ich gehe nun seit einem halben Jahr im Alltag mit Barfußschuhen und treibe damit Sport. Es ist eine von vielen Methoden, die ich anwende, aber meine Schmerzen sind stark reduziert, teilweise nicht mehr da. Laufen kann ich aber, was vor der Umstellung noch schlimmere Schmerzen hervorgerufen hat.
Vivobarefoot ist einer der Anbieter für "Barfußschuhe". Ich selbst habe noch den Auqa lite getestet und laufe aktuell auch mit dem Trail Glove von Merrell. Ich hatte auch schon den Solerunner mid getestet und laufe im Alltag mit einem Senmotic aus Leibzig - Handmade in Germany.
Zum Schuh
Der Vivobarefoot Breezy Lite ist erstmal richtig leicht. Man spürt ihn kaum am Fuß. Das Material ist sehr gut verarbeitet. Die Sohle ist recht griffig. Sie ist sogar griffiger, als die des Merrels, der auf die bewährte Marke Vibram setzt. Trotz der dünnen Sohle, ist eine durchstichsichere Zwischensohle eingearbeitet. Am Ende ist die Sohle nur 2,9 mm dünn. Das lässt einen den Boden fühlen, aber verhindert Schmerzen, bei spitzen Steinen. Ob die Sohle abriebfest genug ist, kann ich noch nicht sagen. Jedenfalls, geht der Abrieb beim Merrell mit der Vibramsohle viel schneller voran, was mich erstaunt hat, da Vibram ja jahrelange Outdoorerfahrung hat.
Der Zehenkasten beim Breezy Lite ist recht groß, so dass die Zehen arbeiten können. Allerdings musste ich schon eine Nummer größer bestellen. Meist habe ich Größe 44, beim Aqua Lite war 44,5 super, der Breezy Lite passte mit 45. Leider bietet Vivobarefoot keine Zwischengrößen beim Breezy an. So habe ich jetzt ein bisschen viel Länge nach vorn. Der Schuh lässt sich aber gut schnüren. So ist die Länge kein Probelm und Platz für die Zehen ist unbedingt notwendig, um sich optimal auszubreiten, beim Abfangen den Körpers auf dem Vorfuß.
Durch seine Leichtigkeit, den vielen Platz im Vorfußbereich, die sehr flexible, sehr dünne Sohle, ist das Barfußgefühl enorm gut. Nur der Solerunner ist dünner und gibt einem noch mehr Barfußgefühl, den hätte ich auch gern behalten, er war mir nur zu schmal geschnitten, so dass ich mit dem Außenballen auf den Übergang von Sole zum Obermaterial gekommen bin. Der Breezy ist etwas breiter vorn und fühlte sich für mich besser an.
Das Obermaterial macht einen festen Eindruck und scheint unverwüstlich, dabei kann der Fuß gleichzeitig noch recht gut atmen. Optisch finde ich ihn auch gut gelungen. Unauffällig wirkt er. Auch wenn die Five Fingers gut sein mögen, ich kann mir hier kein Urteil erlauben, so ist mir der Look doch zu radikal.
Beim Laufen ist der Schuh, als hätte man keinen. Ich empfinde keine Einschränkung im Laufgefühl.
Mit Socken ist die Innensole nicht optimal griffig. Bei schnelleren Läufen merkt man es leicht im unebenen Gelände und beim Abbremsen. Mit richtigen, eng anliegenden Laufsocken war es noch mal weniger. Aber es ist nur minimal spürbar.
Für mich ist der Breezy Lite der angenehmste Laufschuh fürs das Barfußlaufen. Ich bin begeistert.
Achtung! Wer noch nie mit Barfußschuhen gelaufen ist, sollte sich genau informieren. Nur wenige Ärzte und Trainer sind mit dem Thema vertraut. Zur Zeit muss man sich noch sehr stark selbst um das Thema bemühen. Im Netz gibt es viele Tipps und Anleitungen. Zum Glück gibt es auch viele Videos, die einem die Techniken gut vermitteln. Wer dennoch unsicher ist, sollte einen Trainer aufsuchen, der das Thema beherrscht.
Langsam anfangen! Es werden Muskelketten angesprochen, die möglicherweise lange nicht zum Einsatz kamen. Starke Muskelkater sind erstmal angesagt. Die Belastung für Sehen und Bänder sind enorm. In vier bis sechs Wochen können Muskeln die Leistung steigern, Bänder, Sehnen und Gelenke brauchen acht bis zehn Wochen. Die Strecken erstmal kurz halten. Man muss nicht radikal umstellen. Einige Trainingseinheiten zur Ergänzung können reichen.
Es lohnt sich: Nach einem halben Jahr hat sich mein Fußgewölbe aufgestellt, die Fußgelenke sind durch umliegende Sehen und Bänder, sowie Muskeln deutlich kräftiger geworden. Unter dem Fuß sind mehr Muskeln. Und! Keine Rückenschmerzen und Hüftschmerzen mehr.