Profil für Johanna Gassner > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Johanna Gassner
Top-Rezensenten Rang: 2.269
Hilfreiche Bewertungen: 1730

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Johanna Gassner "Tabascofanatikerin" (Bayern)
(REAL NAME)   

Anzeigen:  
Seite: 1-10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | 21-30
pixel
Mein Vater, sein Schwein und ich
Mein Vater, sein Schwein und ich
von Jana Scheerer
  Audio CD

4.0 von 5 Sternen Verrückte Alltagsgeschichten und der normale Wahnsinn eines jungen Lebens, 14. Mai 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Mein Vater, sein Schwein und ich (Audio CD)
Jana Scheerer, eine junge Autorin Jahrgang 1978, erzählt in "Mein Vater, sein Schwein und ich" ihr Leben. Okay, zumindest soll es das sein.
Es beginnt schon mit der Zeit bevor sie das Licht der Welt erblickte und endet mit ihrem 25. Lebensjahr.
Das Buch oder in diesem Fall das Hörbuch widmet jedem dieser Lebensjahre ein Kapitel.
Doch es sind nicht nur schnöde biografische Aufzeichnungen. In jeder dieser Geschichten steckt eine gehörige Prise Verrücktheit und es sind mehr Anekdoten als ernstzunehmende Kapitel des Lebens eines Mädchens.
Jana Scheerer wächst mit Mutter und Vater in einer Wohnung auf, scheinbar sind sie eine gewöhnliche kleine Familie. Doch mal mietet - wie der Titel schon anreisst - der Vater zur Förderung der Familienharmonie ein Schwein, mal bekommt Jana zum Geburtstag nicht nur Günther Grass' "Die Blechtrommel" geschenkt sondern auch gleich den Autor mit, zu einem anderen Zeitpunkt in ihrem Leben erhält Jana von ihrem Vater, einem eher unpopulären Lehrer, die Aufgabe, Fans für ihn zu sammeln und wiederum später im Leben soll sie für einen verschrobenen Groschenheftautor "romantische Krisen" erfinden. Nicht zu vergessen die Umstände ihrer eigenen Geburt, als die Mutter in ein Krankenhaus gebracht wurde, während der Vater im Yellowstone Park mit der Jagd auf einen verfressenen Grizzlybären beschäftigt war.
Das sind nur einige der Geschichten. Und ich betone nochmal: es sind alles mehrere, verschiedene Geschichten. Was der Titel suggeriert ist nur eine Anspielung auf ein Kapitel, wohl, weil es eben zum Gesamtkonzept passte.
Insgesamt sind es äußerst liebenswerte, unterhaltsame Anekdoten, die einem gerne hin und wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Denn sie sind eben als gewöhnliche Alltagsgeschichten mit normalen Lebenssituationen geschildert, die aber irre Geschehnisse, Figuren und Dialoge beinhalten.
Glücklicherweise gleitet das aber nie ab ins absolut Unglaubwürdige oder Kitschige, denn für genügend Entzauberung sorgen die schön trockenen Erzählungen, als gehöre das nunmal eben zum Leben.

Ich habe das Hörbuch, gelesen von Julia Richter.
Um für meine Person zu sprechen: ich mag Julia Richters Stimme, weil sie sanft und sehr jung klingt, mit einem naiven aber auch oft ironischen Unterton und wenn sie ihre Stimme verstellt, um andere Figuren mit markanteren Stimmlagen nachzusprechen, tönt das schon eher herzig, etwa wenn sie Samson aus der Sesamstraße nachspielt ("Uiuiuiuiuiui!"). Sie passt eben zu jener Erzählerin (auch wenn ich nicht sagen kann, wie Jana Scheerers Stimme klingt) und hat auch was Entspannendes.

Warum ein Stern Abzug? Nun, für mich gibt es doch so zwei oder drei Geschichten, die nicht so gut sind wie der Rest, die im Gegensatz zu ihnen eher Hänger sind. Aber das ist mein persönlicher Geschmack, nur wären für mich 5 Stunde auch ein wenig zu viel des Guten.

Insgesamt also ein sehr empfehlenswertes und amüsantes Buch/Hörbuch für alle, die Anekdoten und verquere Lebensepisoden lieben.


101 Kultfilme: Die Sie sehen sollten, bevor das Leben vorbei ist. Ausgewählt und vorgestellt von 16 internationalen Filmkritikern
101 Kultfilme: Die Sie sehen sollten, bevor das Leben vorbei ist. Ausgewählt und vorgestellt von 16 internationalen Filmkritikern
von Steven J. Schneider
  Broschiert
Preis: EUR 9,99

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Anregungshäppchen für mögliche versäumte Filmerlebnisse, 30. April 2011
Ich bin zufällig auf dieses dicke Büchlein gestoßen und erst danach erfuhr ich auch, dass es weitere "101 (...)-Filme, die Sie sehen sollten..."-Bücher geben soll.
Hier geht es um Kultfilme, also KEIN Best Of oder eine typische "Beste Filme aller Zeiten"-Aneinanderreihung.
Überhaupt ist das hier keine Liste, bei der irgendein "Gewinner" bestimmt wird, es funktioniert so:

Filmwerker diverser Genres, Herkunftsländer und Zielgruppen werden chronologisch vorgestellt. Der älteste vorgestellte Film stammt aus dem Jahre 1928, der jüngste Film aus dem Jahre 2005.
Es ist erstmal merkwürdig, dass der jüngste Film von 2005 ist, während ganz vorne im Buch "Erste Auflage: 2011" steht. Hat man nach 2005 nichts mehr gefunden oder finden wollen? Oder war die Liste schon länger fertig, nur noch nicht druckbereit?

Naja: jedenfalls verfällt man beim Lesen trotzdem eventuell leicht der Illusion, man lese eine Bestenliste. Spätestens dann, wenn sogar Trashfilme ihren Platz finden und anstatt der berühmten Verfilmung von "Der Zauberer von Oz" (1939) die Disko-Version mit Diana Ross von 1978 empfohlen wird, merkt man, welchen Filmen sich dieses Buch widmet: sehenswerte Werke, die aus dem einen oder anderen Grund einen soliden Kultstatus erreichten und entweder anfangs vom Publikum ignoriert oder um die Leute lieber einen Bogen machen wollten. Wer also einen Film von Buster Keaton oder Charlie Chaplin darin erwartet sowie legendäre Blockbuster wie Star Wars, Titanic oder Indiana Jones, den muss ich enttäuschen.
Die Typen dieser Werke sind recht bunt gemixt: sämtliche Herkunftsländer (wie die USA natürlich, Indien, Deutschland, Mexiko, Frankreich...), Zielgruppen (Horrorfilmfans, Homosexuelle, Fantasyfreaks...) und Genres (Horror, Krimi, Drogenfilm, Komödie, Musical...) werden durchgehechelt.

Zu jedem vorgestellten Film gibt es vier Seiten Platz, zwei für Filmplakat und Filmszene und zwei weitere für eine kurze Rezension, ein Zitat (entweder aus dem Film selbst, von bedeutenden Kritikern oder aus der Werbung) und natürlich den wesentlichen Informationen (Filmtitel, Jahrgang, Regisseur etc.).
Für ein Büchlein, das immerhin 101 Filme präsentiert, ist das nicht schlecht. Die Handlungen werden kurz angerissen - geht ja nicht anders - aber das kann sich auch positiv auswirken, immerhin hat man damit eventuell beim Leser die Neugierde auf einen Film geweckt.

Wer schreibt diese Texte?
Es ist ein Team aus 16 Autoren, die sich irgendwie mit Filmen befassen. Entweder haben sie das Thema studiert oder lehren selber an Universitäten, schreiben darüber beruflich und/oder sind eben Kenner dieses Bereiches.
Insofern beruhigend also, dass nicht ein einziger praktisch uns seine Lieblingsfilme aufdrückt.

Dabei ist freilich zu bedenken: dieses Buch kann es niemandem recht machen.
Auch mir wären noch einige Filme eingefallen, die ich anderen als Kultfilme ans Herz legen würde. Ausserdem ist mir aufgefallen, dass kein einziger Zeichentrickfilm in der Liste auftaucht. Dabei gibt es auch hier nennenswerte Exemplare, wenn man mal über den Disney-Tellerrand guckt.
Und während manch einer Horrorfilme verschmäht, mag ein anderer mit alten Filmen allgemein nichts anfangen.
Das ist immer ein Risiko, wenn Leute oder Bücher einem Auflistungen präsentieren, immer gibt es sicher was zu meckern.
Doch trotz alledem: einen Blick wert ist "101 Kultfilme" allemal.
Selbst Vollblut-Cineasten dürften vielleicht ein oder ein paar Filmwerke darin entdecken, die sie bisher verpasst haben. Und wer für die Welt des Kinos offen ist, hat schon mal einen guten Grund, wieder ein paar gemütliche Filmabende mit neuen Filmerlebnissen zu verbringen.

Wen es interessiert: von dieser Liste mit 101 Filmen habe ich lediglich 13 Filme gesehen (gesehen! Nicht gekannt), davon sind glatte fünf Filme unter meinen Lieblingsfilmen.

Noch kurz zur Inhaltsangabe: es werden gerade mal die Jahrzehnte (1920er bis 2000er) mit Seitenzahlen aufgelistet, nicht aber die einzelnen Filme. Doch am Ende des Buches gibt es - neben Kurzbeschreibungen der Autoren - ein umfangreiches alphabetisches Index. Wer sich also sehr schwertut, einen Film wiederzufinden, der schaue am besten nach dem Filmtitel oder Darstellernamen (z.B. Dennis Hopper für Easy Rider).

Fazit: Es ist ein sehr interessantes, kurzweiliges aber kein ultimatives Filmfanbuch, dass immerhin etwas inspirierend für Filmfreunde sein dürfte und gleichzeitig ein wenig lehrreich. Wer also nicht nur sich 101 Anregungen holen will, sondern auch lernen, aus welchem Film beispielsweise die auf Knöcheln geschriebenen Worte LOVE und HATE stammen und wo Schauspieler Hugo Weaving (Matrix, Herr der Ringe) eine Tunte mimt, der möge lesen.


Nicht immer nur meckern
Nicht immer nur meckern
von Sven Himmen
  Broschiert
Preis: EUR 12,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das Zuckerl mit bitterer Medizin zum Lesen, 26. April 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Nicht immer nur meckern (Broschiert)
Ein namentlich nicht genannter Alltagsmensch, sozusagen der Held dieser Geschichten, besorgt sich ein Tagebuch. Oder sagen wir besser Wochenbuch, denn jede Woche schreibt er in seinen neuen besten Freund hinein. Wo andere jedoch schöne Erlebnisse, interessante positive Begebenheiten und ähnliches hineinschreiben, knallt der Autor seine Verbitterung über die Mitmenschen, seine "Außenwelt", auf Papier. Pro Woche nimmt er sich eines bestimmten Themas an, welches aus dem Alltag stammt und zerpflückt wird. Ob Umweltverschmutzung, rücksichtslose oder sonstwie beschränkte Menschen, Feiertagsterror in der Großstadt oder unverständliche Trends - der Autor nimmt kein Blatt vor den Mund und wendet seine Tagebucheinträge mehr oder minder als Aggressionsbewältigungsmaßnahme an, doch es endet nicht so wie gewünscht.

Das Debüt von Sven Himmen - zum ersten Mal in der Welt der Bücher in Erscheinung getreten, allerdings jahrelang schon als fleißiger Kolumnenschreiber im Internet tätig - ist kein klassischer Roman sondern liest sich eben auch wie ein Tagebuch. Dabei bleibt dem Leser selbst überlassen, ob er sich eher mit dem Autor identifizieren will oder die Rolle des Tagebuchs einnimmt, das fortan alleiniger "Zuhörer" für Sorgen und Nöte darstellt.

Was die Identifikation angeht, wird es dem Leser leicht gemacht: der Text wurde in der 1. Person (Ich) verfasst und da nur bekannt ist, dass es sich um einen jungen Mann in einer Großstadt handelt, dürfte sich das Hineinversetzen in diese Person nicht als schwierig gestalten.
Jeder Eintrag zu jeder Woche ist etwa drei bis fünf Seiten lang und daher praktisch in Lesehäppchenform.
Das Spektrum der angesprochenen Themen ist groß, einige hab ich vorhin schon erwähnt. Aber auch Ernährung, Ärger im Straßenverkehr, schlechte Witze und das gute alte schlechte Fernsehen werden angesprochen. Wie vieles andere auch. Eine Liste will ich nun echt nicht niederschreiben, man sollte wie mit einer Schultüte verfahren - sich einfach überraschen lassen.

Der rote Faden durch alledem ist der Ärger, den die Hauptfigur auf die scheinbar lebensfeindliche Umwelt verspürt und der sich durch alle möglichen Lebensbereiche zieht. Der Titel "Nicht immer nur meckern" ist einerseits also (gewiss mit Absicht) blanker Hohn. Dabei sagt die Hauptfigur nicht nur "dieses und jenes finde ich einfach furchtbar", sondern begründet auch, relativiert wo es sein muss (aber auch nur dann) und stellt desöfteren eine seiner Meinung nach bessere Alternative vor (z.B. wozu Weihnachtseinkaufsstress, wenn man früh genug Dinge einkaufen könnte). All das mag nicht neu klingen, dennoch ertappt man sich immer noch mindestens ein paar Mal beim zustimmenden Nicken, denn es GIBT nunmal etliche kleine Dinge im Alltag, die müssten nicht sein, allein schon weil der gesunde Menschenverstand sowas eigentlich nicht hätte zulassen sollen.
Dann gibt es wieder Themen, die banalerer Natur sind und an sich bestenfalls unfreiwillig komisch (wenn Leute z.B. mit Phrasen dreschen, sich dabei aber ordentlich verhaspeln).

Am Ende gibt es sowas wie einen Höhepunkt dieser Tagebucheinträge, sodass sich "Nicht immer nur meckern" nicht nur wie ein privates Büchlein ohne jede Wendung liest.

Wozu ist dieses Buch gut? Es entführt den Leser nicht vom Alltag weg in eine andere Welt oder stellt neue Ansichten/Tatsachen vor.
Doch muss das sein? In meinen Augen dient Himmens Buch vor allem als amüsante wie bittere Gelegenheit, mal ein wenig mehr über das Abenteuer Alltag nachzudenken. Vielleicht wird es jeden so gehen, dass er zum einen sich voll und ganz mit dem Autor einverstanden fühlt, zum anderen aber ehrlicherweise sich eventuell als Teil der ihm verhassten Außenwelt ertappt. Vielleicht als gestresster, herumschubsender Kunde in einem Kaufhaus oder als Radfahrer auf dem Gehweg? Oder man teilt die Ansichten mit dem Tagebuchschreiber einfach nicht. All dies wird unvermeidlich sein und das soll man sich beim Lesen am besten vor Augen führen.
Ebenso ist "Nicht immer nur meckern" kein faschistischer Wälzer, der anderen unbedingt die Meinung der Figur aufdrängen will nach dem Motto "Da habt Ihr die einzige richtige Meinung! Geht und verbreitet sie!". Ich sehe das Buch als eine Reihe von Denkanstossmöglichkeiten mit Lesespaß.

Positiv hervorzuheben sind knapp gesagt schonmal die bilderreiche und klare Sprache, die eben erwähnten Denkanstösse, die das Buch erzeugen könnte, den Höhepunkt des Buches und für ein Tagebuch voller Zorn ist es erstaunlich flüchefrei geschrieben (dennoch mögen manche Leser sich eventuell an so manchen eher ekligen Beschreibungen stören).
Hier widersetze ich mich dem Buchtitel einmal und meckere doch ein paar mal: ein wenig kurzer Lesespaß ist das und etwas zu exzessiv werden Sätze wie "Aber zurück zu...", "Jetzt aber genug von..." wenn auch leicht variiert verwendet. Es fällt halt auf und kann beim Lesen etwas stören.

Rundherum ist "Nicht immer nur meckern" ein gelungener Erstling von Sven Himmen, der kurzweiligen, etwas anspruchsvolleren Lesespaß verspricht. Gerne würde ich in Zukunft mehr von Himmen auf dem Buchmarkt sehen.


Monster X gegen den G8-Gipfel
Monster X gegen den G8-Gipfel
DVD ~ Hide Fukumoto
Wird angeboten von MEDIMOPS
Preis: EUR 4,61

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gummimonster gegen Staatschefs, 18. April 2011
Rezension bezieht sich auf: Monster X gegen den G8-Gipfel (DVD)
Der G8-Gipfel tagt und die Köpfe der entsprechenden Staaten wie etwa Frankreich, USA und Deutschland sind in Japan versammelt.
Doch während sie sich über die Umwelt und die Klimaprobleme auf der Welt streiten, platzt ein ausserirdisches Riesenmonster in diese Idylle. Fortan verwüstet es Städte, Wälder und Strommasten wie jedes andere vernünftigte japanische Filmmonster. Wie kann man es bezwingen? Jeder Staatsvertreter hat so seine Idee, aber keine davon will so richtig fruchten, denn "Girara" (komischerweise in der deutschen Synchronisation in "Shulala" umgetauft), das Monster, wütet munter weiter. Nur eine religiöse, zurückgezogene Gruppe in den Wäldern kennt die einzige wirksame Waffe gegen Girara: ein Sonnengott, der aber zuerst durch stetiges Beten, Tanzen und Singen herbeigerufen werden muss. Bis dahin hat Girara schön Zeit, durch die japanische Landschaft zu spazieren.

Dieser Film war für mich ein Blindkauf. Bis dahin wusste ich NICHTS von diesem Film, wusste aber, worauf ich stehe: Monsterfilme, unterhaltsame japanische Filme, Trashfilme und gelungene Parodien, was "Monster X gegen den G8-Gipfel" verbinden mag.
In wenigen Worten ausgedrückt ist das "Godzilla trifft Politiker-parodien".
Abwechselnd bekommt man das große Gummimonster, mal die parodierten Politiker zu sehen. Beides hat seine amüsanten Seiten, beides bietet aber nebenbei gesagt freilich nicht viel Neues.

Auf die Tricktechnik hat man nicht viel gegeben, wohl auch bewusst, denn der Film stammt von 2008 und die Monsterszenen sehen sehr stark nach alten Godzilla-Filmen aus. Dagegen ist auch nichts einzuwenden, der Film behauptet auch in keiner Sekunde von sich, er sei ernst zu nehmen oder ein High-Quality-Produkt.
Und die Politiker-Parodien? Nur teilweise entsprechen sie den aktuellen (bzw. 2008 aktiven) Regierungschefs, z.B. Merkel und Sarkozy, dagegen sieht der amerikanische Präsident eher aus wie Bill Clinton. Warum das so ist? Ich weiss es nicht und hab's auch nicht herausgefunden.
Das beste Merkel-Double, wie auf der DVD-Hülle versprochen wird, ist das aber nicht im Film, ich hab schon bessere gesehen ;)
Stimmlich aber passt das Double sehr gut zu unserer Kanzlerin. Überhaupt machen diese Parodien durchaus Freude beim Zusehen, besonders Schürzenjäger Sarkozy.
Überragende schauspielerische Leistungen gibt es nicht zu sehen, doch die albernen, übertriebenen Momente haben ihren besonderen Unterhaltungswert.
Es wird zwar auch mit dem Auftritt des auch außerhalb Japans bekannten Schauspielers Takeshi Kitano geworben (Takehis Castle, Battle Royale 1 & 2...), doch ist der nur die Stimme des Sonnengottes und auch dann nur zu hören, wenn man natürlich die japanische Tonspur aktiviert.

Doch wie sieht es mit dem Spaß allgemein aus?
Ich persönlich würde nicht behaupten, dass der Film die absolute Spaßgranate ist, so hirnrissig Titel und Inhalt auch klingen.
Keine Frage, unterhaltsam ist er schon der Film und es gibt viele Momente, bei denen man fassungslos aber amüsiert ist. Aber was den Film bremst sind viele Szenen, die eher taubes, langatmiges Gestein darstellen. Sie ermüden eher und ziehen so manche Szene quälend in die Länge, obwohl deren Ausgang leicht vorherzusehen ist. Bis zum Beispiel dieser Sonnengott endlich mal auftaucht, das dauert und wie! Man freut sich direkt nach Sequenzen wie diesen das Monster wieder fröhlich herumulken zu sehen, denn das verdient auch wieder mehr Aufmerksamkeit.
Das macht den Film nicht zwingend schlecht, aber er hätte auch besser sein können.

Die DVD enthält ein mit Musik und Animationen garniertes Menü, die deutsche und japanische Tonspur, deutsche Untertitel, ein viertelstündiges Making-Of-Filmchen, ein ebenso langes Filmchen zur Aufführung beim Filmfestival in Venedig (ja, es ist so gewesen), ein kürzerer Film zu den Filmkostümen und ein Audiokommentar des Monsterfilmkenners Jörg Buttgereit.

Letztendlich lässt sich sagen, dass man seine Erwartungen vor dem Filmgenuss besser nicht zu hoch schrauben sollte. "Monster X gegen den G8-Gipfel" bietet ohne Zweifel Spaß und Unterhaltung für Monsterfilm- und Trashfreunde und auch Fans des japanischen Films, doch hier und da hätte man den Film schräger und weniger langatmig gestalten können. Ich bereue den Blindkauf keineswegs, doch es gibt abgedrehtere und amüsantere Filme dieser Art, wie etwa aus der Godzilla-Reihe selbst.


Toy story 3 [FR Import]
Toy story 3 [FR Import]
DVD ~ Tom Hanks
Wird angeboten von CULTURE EMPIRE
Preis: EUR 15,60

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Prima Fortsetzung, prima Film, prima DVD-Ausstattung, 18. April 2011
Rezension bezieht sich auf: Toy story 3 [FR Import] (DVD)
Achtung: dies ist eine Rezension zur FRANZÖSISCHEN DVD!
Es ist NICHT die in Deutschland erhältliche Fassung.

Eine kurze Zusammenfassung der Handlung: die Spielzeuge der letzten beiden Toy Story-Filme haben ihre Bedeutung für ihren inzwischen 17-jährigen Besitzer Andy verloren. Wohin mit ihnen? In den Müll oder auf den Dachboden?
Durch Zufall landen sie in der Kindertagesstätte "Sunnyside" und noch nie waren Himmel und Hölle so nah beieinander für die Spielsachen: denn sie landen bei den nahezu zerstörungswütigen Kleinkindern, während die alteingesessenen Spielsachen ein Leben bei den größeren Kindern genießen dürfen. Da hilft nur die Flucht, doch "Sunnyside" ist für sie durchstrukturiert wie ein Gefangenenlager mit der dazugehörigen Bewachung.
Der Kopf der Spielsachen, Cowboypuppe Woody, kommt allerdings bald dahinter, was zu tun ist, um dieser alles andere als sonnigen Welt zu entfliehen.

Um gleich auf den Punkt zu kommen: Toy Story 3 ist ein wunderbares Sequel.
Das heisst viel in einer Zeit, in der Hollywood uns wieder einmal immer öfter Fortsetzungen um die Ohren schmeisst, ob wir sie wollten oder nicht (meistens wohl eher nicht).
Doch Pixar, die Macher hinter Toy Story und anderen Filmjuwelen wie "Wall-E" und "Monster AG", sind nicht nur darauf aus, mit ihren Filmen ihre Brötchen zu verdienen und das merkt man den Filmen auch an. Das Auge bekommt eine Menge zu sehen aber auch Hirn und Herz werden nicht vernachlässigt, im Gegenteil. Nicht obercoole Sprüche und regelmäßige Anspielungen auf unsere Popkultur machten sie groß sondern vernünftig durchdachte Stories und herzige Figuren, ohne dabei das hauptsächliche Augenmerk auf die Kleinen zu richten.
Im Fall von Toy Story 3 würde ich sogar behaupten, dass eher ältere Zuschauer den meisten Spaß haben werden.
Jaja, da gibt es etliche süße Spielzeuge zu sehen, kleine Kinder in entsprechend bunten Spielzimmern, aber dahinter stecken tiefsinnige Botschaften und auch Anspielungen auf Kriegsgefangenenfilme, durch die das Pixar-Team sich inspirieren ließ (ausgerechnet *grins*).
Darüber hinaus gibt es etliche Szenen, die wohl zu gruselig für kleine Kinder sein dürften. Man kann es gut vergleichen mit den entstellten, misshandelten Spielzeugen des bösen Nachbarsjungen aus Toy Story 1. Albträume für die Kleinen sind vielleicht nicht unbedingt vorprogrammiert, doch ich empfehle dringend das Beisein eines Elternteils, des großen Bruders oder der Schwester oder ähnliches.

Storymäßig hat sich Toy Story weiterentwickelt: nicht nur Andy ist älter geworden, auch der Film ist ein Stück erwachsener geworden im Vergleich zu den beiden Vorgängern. Es geht nicht nur um Spielzeuge auf der Flucht, sondern auch um die Frage, wie für sie ein geeigneter Lebensabend auszusehen hat. Der Scheideweg führt zu mehreren Enden wie eben Dachboden, die Müllverbrennungsanlage oder aber doch ein glückliches "zweites Leben" bei neuen Kindern. Das ist filmisch hier sehr gut und darüber hinaus auch amüsant umgesetzt worden.

Was die Optik angeht muss ich wohl nicht erwähnen, dass sie hier allererste Sahne ist. Die Figuren wirken noch ein Stückchen lebendiger, die Menschen noch menschlicher (allerdings auch realistischer, nicht im Cartoonstil wie "Die Unglaublichen"). Diese Spielzeuge aus dem Computer drücken noch immer mehr Leben aus als zahlreiche aktuelle Schauspieler.

Die Sprecher...zu den deutschen Stimmen will ich nur sagen: sie sind teilweise der Grund, warum ich noch nicht Toy Story 3 auf deutsch gesehen habe und mir lieber die DVD in Frankreich zugelegt habe.
Es ist schade, die üblichen Toy Story-Sprecher wie Walter von Hauff zu verpassen, dafür hatte man aus Marketing-Gründen einfach die deutsche Stimme von Hauptfigur Woody, Peer Augustinski, aus dem Boot gekickt und stattdessen ausgerechnet Comedian Michael "Bully" Herbig genommen. Und wo sie schon dabei waren, haben sie gleich das ganze Trio der "Bullyparade" (auch verantwortlich für Filme wie "Der Schuh des Manitu" und "Traumschiff - Periode 1") für die deutsche Synchronisation eingesetzt. Bei Michael Tramnitz, der auch professioneller Synchronsprecher ist, hätte ich noch Verständnis, aber so?
Zufälligerweise weiß ich auch, dass das kalt berechnet war. Auch wenn Peer Augustinski nach seinem vor Jahren sich ereigneten Schlaganfall wieder arbeiten kann, auch wenn im "worst case" passendere Sprecher gefunden werden könnten - nein, man wollte bewusst Promis vor den Karren spannen, um die Leute ins Kino zu locken. Ein besorgniserregender Trend der letzten Jahre, der in diesem Fall jede Menge harte Kritik der Fans hageln ließ.

Damit hätte ich das gesagt (ich könnte noch weitergehen), stattdessen komme ich zu den Sprachfassungen, die auf der DVD erschienen sind.
Auf der französischen DVD steht zwar, dass der englische und der französische Ton enthalten sind, tatsächlich hat die Hülle noch eine dritte Sprachfassung (warum auch immer) verschwiegen: die HEBRÄISCHE Fassung.
Ich schreibe das bewusst groß, um explizit darauf hinzuweisen: diese DVD enthält auch Film, Trailer und Untertitel in HEBRÄISCHER Sprache.
Und: KEIN DEUTSCHER TON ODER UNTERTITEL!!!
Die Besetzung des englischen Originals ist freilich kaum zu bemängeln (nett ist auch die Idee, Ex-Bond Timothy Dalton für eine Minirolle zu engagieren), bei den beiden anderen kann ich nur über den Klang reden, denn sowohl Französisch als auch Hebräisch verstehe ich (noch) nicht.
Zumindest erscheinen mir die Stimmen beim Zuhören passend, das Timing stimmt, aber zu den Übersetzungen an sich kann ich leider nichts sagen.

Die DVD-Ausstattung sieht folgendermaßen aus:
neben einem musikalisch unterlegten und teilweise animierten Menü und den gewöhnlichen Trailern zu aktuellen Kino-Disneyfilmen (vor allem "Rapunzel" und "Cars 2") gibt es den zu "Toy Story 3" dazugehörigen Vorfilm "Day and Night", der eine bezaubernde Idee zeichentrickmäßig umsetzt und dabei auch die Tonspur auf ulkige Weise einsetzt.
Daneben gibt es einige Filmchen, die die Entstehungsgeschichte des Filmes erzählen, z.B. die Sprecher der Haupt- und Nebenfiguren. Darüber hinaus sind drei verschiedene 2D-Trickfilmchen zu sehen, die mehr oder weniger mit der Entstehung ves Filmes zu tun haben, vordergründig aber die Firma Pixar selbst behandeln. Insgesamt sehr lustig und interessant, wohl aber eher was für richtige Fans.
Ein kleiner Dokumentarfilm erzählt ausserdem etwas zu einer neuen Toy Story-Attraktion im Disneyland bzw. Disney World.
Insofern ist das für eine Einzel-DVD kein schlechtes oder mageres Bonusmaterial.

Kurzum: "Toy Story 3" ist ein für mich hinreissender Film, der meine Erwartungen damals im Kino übertroffen hat.
Er hat viele tolle Gags, berührt, schockiert auch manchmal, wird den Ansprüchen der Erwachsenen wohl eher gerecht werden als denen der Kids und ist alles andere als "nur" eine Fortsetzung, sondern ein weiteres Meisterwerk von Pixar und in der Toy Story-Reihe.
Damit will ich nicht andeuten, er sei der beste Film aller Zeiten, aber ich kann ihn ziemlich vorbehaltlos empfehlen.


Tales of Monkey Island
Tales of Monkey Island
Wird angeboten von chicken-bay
Preis: EUR 10,90

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das Warten hat sich gelohnt! Ein ordentlicher Nachfolger der Piratensaga, 16. April 2011
= Spaßfaktor:5.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: Tales of Monkey Island (Computerspiel)
Monkey Island ist zweifellos eine der bedeutendsten Adventurespielereihen neben Sam & Max, Simon the Sorcerer, Leisure Suit Larry, King's Quest und anderen.
Darin nimmt der Spieler die Rolle des jungen und attraktiven, nichtsdestotrotz etwas schmächtigen Piraten Guybrush Threepwood ein, der seine fehlenden Muskeln durch Verstand ersetzt und jede Menge Rätsel löst, um sich, die Piratenwelt und seine große Liebe Elaine vor dem mächtigsten untoten Piratenbösewicht namens LeChuck zu retten.
Besonders wertvoll macht Monkey Island, dass etliche Elemente eines Spieles so wunderbar funktionieren: anspruchsvolle und originelle Rätsel, lebendige Spielegrafiken, einfach erlernbares Gameplay, zahlreiche lustige Gags (manche Zitate sind schon längst Kult), ein stimmungsvoller, ohrwurmträchtiger Soundtrack und einzigartige, unverwechselbare und sympatische Figuren.

Soviel zur Einleitung.
"Tales of Monkey Island" ist Teil 5 dieser Piratensaga. Schon seit Teil 3 ist Elaine die Ehefrau Guybrushs und das ist LeChuck nach wie vor ein Dorn im Auge.
Der Plot in aller Kürze: während Guybrush versucht, LeChuck wieder einmal aufzuhalten, setzt er aus Versehen und ohne jede Vorhersehung die "Voodoo-Pocken" frei, die aus LeChuck scheinbar überhaupt einen so widerlichen Untoten gemacht haben. Diese Pocken nisten sich in sämtlichen Piratenkörpern eines großen Umkreises ein, inklusive Guybrush und Elaine selbst und die bösen Nebenwirkungen machen sich schnell bemerkbar. Nun muss Guybrush quasi statt eines gewöhnlichen Piratenschatzes ein sehr spezielles und seltenes Heilmittel gegen die Pocken finden. Dabei muss er auf der Hut sein, denn eine ehrgeizige Piratenjägerin, ein französischer Doktor (mit Vorlieben für grausige Operationen) und eine lynchfreudiger Mob sind ihm unter anderem auf den Fersen.

Bevor ich auch meine Meinung zum Spiel in aller Kürze kundtun werde, komme ich zuerst zu den Details und ich werde versuchen, möglichst Neueinsteiger als auch Stammspieler anzusprechen und dabei keine wichtigen Handlungsteile zu verraten.

GAMEPLAY: für mich das wichtigste in einem Spiel.
Erfreulicherweise hat man die schwachsinnige Tastatursteuerung aus dem Vorgängerspiel "Escape from Monkey Island" abgeschafft, sondern wieder die Maus eine Rolle spielen lassen, denn wie man weiss löst man Point-and-CLICK-Adventures doch besser mit der Maus. Allerdings benötigt der Spieler wahrscheinlich erstmal etwas Eingewöhnungszeit, um Guybrush durch die Gegend zu manövrieren. Denn zwar bewegt sich Guybrush bei Klicks auf bestimmte Objekte und Personen selbstständig dorthin, doch wenn man Guybrush einfach so durch die Gegend bewegen möchte (z.B. durch einen Dschungel oder auf langen Docks) bedarf es auch noch einer gedrückten Maustaste und das Ziehen der Maus in die gewünschte Richtung (vergleichbar am leichtesten mit dem Drücken auf einem Scrollbalken einer Webseite, einer Textdatei etc.).
Manchmal mag es mühsam sein, aber man kann sich damit anfreunden.
Anweisungen wie "Siehe an" oder "Rede an" gibt es nicht. Klickt man auf eine Person, spricht Guybrush automatisch mit ihr, klickt man ein Objekt an, beschreibt Guybrush es oder steckt es in seine Tasche (oder versucht es zumindest). Das Inventar ist an der rechten Bildschirmseite angebracht, das nur dann erscheint, wenn der Mauscursor diesen Rand berührt, um somit den Blick auf das Wesentliche nicht zu verdecken. Im Inventar lassen sich die gesammelten Gegenstände ansehen und auch kombinieren (immer zwei Gegenstände miteinander auf einmal).
Ebenso simpel und erfreulich ist die Tatsache, dass Guybrush nicht nur geht, sondern auch laufen kann (auch unter Wasser kann er sich bei Bedarf schneller fortbewegen).
Wo wir schon beim Klicken sind: sollte man sich in einem Monolog oder Dialog befinden, kann man all dies wenn gewünscht mit Drücken der rechten Maustaste problemlos abkürzen (besonders wünschenswert, wenn Figuren bereits bekannte Texte nochmal runterrattern).
In "Tales of Monkey Island" gibt es im Gegensatz zu manch anderen Monkey Island-Spielen keinen Schwierigkeitsgrad. Allerdings kann man sich auch das Spiel schwerer machen, indem man beispielsweise die gesprochenen vagen Tipps deaktiviert, die Guybrush von selbst während des Spielverlaufs von sich gibt (in etwa sowas wie "Ich kann noch nicht glauben, dass Stan diese Jacke immer noch hat" ).
Die Schwierigkeit der Rätsel? Sie geht von "Rasch lösbar" über "Für geübte Rätselknacker relativ schnell zu entziffern" bis hin zu "Wie zum Teufel soll man DARAUF kommen??".
Man kann sagen, diese Rätsel haben genügend Anspruch, um für viel Spielezeit zu sorgen. Um meine Erfahrung kurz einbringen zu können: ich habe Adventures seit den frühen 1990ern gespielt und wusste daher auch bei "Tales of Monkey Island", dass man um mehrere Ecken denken musste. Trotzdem musste ich bei jedem der fünf Kapitel im Spiel etwa ein- bis dreimal online erhältliche Spieletipps konsultieren, weil ich auch nach vielem Herumprobieren nicht auf die Lösung kam.
Ich will damit keinen Vorwurf erheben. Herausforderungen machen Spiele wie diese erst spannend. Aber ich warne lediglich vor einigen Frustrationsschüben ;)
Ach ja: Sterben aufgrund eines Fehlers wie in "Leisure Suit Larry" oder "Indiana Jones" kann man nicht (naja...wie man's nimmt. Wer die Story durch hat, versteht mich schon ;)). Somit kann man herumprobieren und kombinieren wie man möchte, ein "Game Over" existiert nicht. Und Experimentierfreude ist auch nötig, um ebenjene Rätsel zu knacken.

STORY: mehr als ich vorhin schon erzählt habe, möchte ich hier besser nicht ausbreiten. Insgesamt ist der Plot natürlich Geschmackssache.
Doch ich würde sagen, "Tales of Monkey Island" hat sich damit zu den bedeutendsten Monkey Island-Teilen gemausert. Ich will nicht genauer erläutern wieso, doch wenn man sich mehr und mehr durch die Rätsel gekämpft hat und die Filmsequenzen sieht, wird man verstehen. Von so manchem Fan habe ich schon Kommentare wie "Episch!" gelesen. Mit Recht.
Manche Handlungsteile im Spiele mögen Hänger haben, die finale Filmsequenz (nach einem spannenden Finale) ist nach meinem Geschmack (wieder) etwas zu kurz geraten und so manche Aktion mancher Figuren wie zum Beispiel Elaine will mir nicht ganz in den Kopf (Wieso weshalb warum?), doch fallen sie letztendlich doch nicht zu sehr ins Gewicht.
Jedenfalls sind so einige Stellen geradezu kinoreif, jedenfalls nach Monkey Island-Maßstäben ;)
Und selbstverständlich macht es Fans auch hier große Freude, vertraute Gesichter wie die Voodoo Lady und Verkaufsheini Stan wieder zu sehen.

GRAFIK: auch hier eine wesentliche Verbesserung gegenüber des 2000 erschienenden Vorgängers. Zwar ist die Grafik hier immer noch recht steril und wirkt dies erst recht, wenn man sich andere aktuelle Spiele ansieht, dennoch kann man sich das Spiel zum größten Teil auch visuell antun. Vor allem: die Figuren wirken sehr lebendig, Mimik und Gestik können meistens überzeugen (Guybrush muss sogar mehrmals an einem Grimassenwettbewerb teilnehmen) und sie wirken daher nicht mehr so starr wie im Monkey Island-Spiel davor.
Das Figurendesign kann auch punkten: Guybrush sieht richtig schick und verschmitzt aus, LeChuck sieht wieder zum Fürchten aus (was eben zu ihm passt), andere Hauptfiguren können sich ebenso sehr anschauen lassen und man hat diesen wie auch Guybrush und LeChuck mehrere unterschiedliche Outfits verpasst. Inwiefern? Das will ich doch nicht verraten ;)
Doch enttäuscht war ich, als ich zum ersten Mal sah, dass man für mehrere Figuren einfach dasselbe "Modell" verwendet. Das betrifft zwar lediglich weniger bedeutende Nebenfiguren im Spiel, doch fällt das einem deutlich ins Auge, insbesondere, da sich die Figuren oft im selben Ort, auf derselben Insel aufhalten. Man könnte also meinen, auf diesen Meeren wimmelt es vor Zwillingsbrüdern. Hatte man keine Zeit, individuellere Charaktere zu entwickeln?

MUSIK UND SYNCHRONISATION: Die Musik stammt glücklicherweise ein weiteres Mal von Michael Land, dem "Hauskomponisten" der Spieleschmiede LucasArts. Allein der Name garantiert schon einen tollen, atmosphärischen Soundtrack und man wird auch hier nicht enttäuscht. Man wünscht sich glatt eine CD davon.
Zu den Stimmen: während der englische Originalton mit bewährten Stammsprechern wie Dominic Armato als Guybrush überzeugen kann, muss sich die deutsche Übersetzung zwar nicht hinter dem Original verstecken, aber dann doch einige Einbußen hinnehmen.
Besonders bei den Sprechern. Gute Nachricht zuerst: Norman Matt (inzwischen längst ein großer Name in der Synchronbranche) spricht wieder und wieder äußerst gelungen den Helden Guybrush. Doch entgegen des Werbetextes der Spielehülle (in etwa "Mit allen bekannten Sprechern") mussten für die anderen Stammcharaktere andere Sprecher beschäftigt werden. Bei LeChuck und der Voodoo Lady etwa beschwere ich mich nicht, diese bekamen gute passende Stimmen verpasst, die ich auch gerne bei einem eventuellen sechsten Teil wiederhören würde. Größter Herzschmerz dagegen ist für mich bei Elaine, die immerhin in "Tales of Monkey Island" mehr Raum einnehmen darf und für sie leider die bisherige Sprecherin, Frauke Poolman, nicht engagiert werden konnte. Warum, das wissen die Götter.
Stattdessen wurde Sonja Reichelt eingesetzt. Dass diese unter anderem die Standardstimme von Teenie-Star Melissa Joan Hart gewesen ist, ist sicher noch verschmerzbar, doch der Klang ist das Wesentliche. Und Elaine klingt hier eher nach einem zickigen, verwöhnten Eheweib als nach der stimmlich klaren, attraktiven Elaine, wie Poolman sie bisher gesprochen hatte. Ich möchte damit keinesfalls die Sprecherin Sonja Reichelt beleidigen. Doch der Klang der Stimme und Elaines Charakter passen meiner Meinung nach nicht so recht zusammen.
Wie sieht es mit den Nebenfiguren aus? Besonders sticht hier natürlich Kai Taschner hervor (es dürfte kaum einen deutschsprachigen Menschen geben, der Taschners Stimme noch nicht gehört hat), der immerhin zwei Figuren spricht. Daneben gibt es mehrere, relativ unbekannte (höchstens für Synchronfreaks wie mich namhafte) Sprecher, die aber zu ihren von ihnen vertonten Charakteren hervorragend passen.
Die Übersetzung? Zum allergrößten Teil kann man nicht meckern. Doch selbst wenn man die englische Originalversion in keiner Weise kennt, kann man leicht Stellen ausfindig machen, in denen schier unübersetzbare Wortspiele es nicht ganz geglückt ins Deutsche übertragen wurden. Wenigstens steht keines dieser unübersetzbaren Wortspiele den Rätseln im Wege.

MENÜS UND OPTIONEN: neuartig für Monkey Island aber typisch für Telltale Games-Produktionen (zumindest was auch "Sam & Max" angeht) ist die zu Beginn auftauchende Aufforderung zur direkten Wahl eines Kapitels. Das heisst: "Tales of Monkey Island" enthält fünf Kapitel, natürlich in chronologischer Reihenfolge und zu Beginn wird eines ausgewählt. Sicher könnte man auch sofort zum letzten Kapitel springen ohne die bisherigen geschafft zu haben. Aber mal ehrlich: damit verdirbt man sich nur unnötig jede Menge Spielspaß.
Egal, welches Kapitel man dann ausgewählt hat, es taucht immer das gleich aussehende Hauptmenü auf mit folgenden "Über-Optionen":
- Sichern/Laden
- Neues Spiel
- Einstellungen
- Beenden
- Spiel fortsetzen
Soweit ich weiss gibt es keine Tastaturkürzel, um spontan während des Spiels zu speichern oder zu laden. Dafür können (wiederum wie in "Sam & Max") mehrere Speicherplätze simultan und beliebig oft überschrieben und geladen werden, dazu gibt es der Übersicht halber auch eine kleine Beschreibung der abgespeicherten Stelle und die Speicherungszeit dazu (Datum, Uhrzeit).
Unter "Einstellungen" lassen sich Bild und Ton abstimmen sowie die Optionen Untertitel, Pop-Up-Texte (dass Namen oder Begriffe aufleuchten, sobald der Mauscursor über Personen oder Objekte gelenkt wird) und die vorhin schon angesprochenen vagen Tipps von Guybrush aktivieren/deaktivieren.

EXTRAS: die DVD-ROM enthält freilich nicht nur das Spiel, sondern auch sogenannte "Goodies".
Diese wären:
- "Gallery": viiieeeel Bildmaterial, vor allem Skizzen, weiter entwickelte Entwürfe, Malereien und ähnliches. Sehr sehenswert!
- "Wallpaper": Desktophintergründe in diversen Formaten (je nach Bildschirm), sogar nach Spielcharakteren geordnet. Interessierte werden ganz sicher hier ihr Lieblingswallpaper finden.
- "Avatars": sehr kleine Bildchen mit den Konterfeis einger Figuren, wohl am besten als Icons für das eigene Desktop geeignet.
- "Videos": unterteilt in Audiokommentare (man sieht kapitelweise die ganzen Filmsequenzen, die im Off-Ton von Designern, Künstler, Regisseuren etc. kommentiert werden, wie bei Film-Audiokommentaren), "I wonder what happens" (lustige Flash-Filmchen des deutschen jungen Animationskünstlers "MajusArts", auch unter MI-Fans inzwischen bekannt. Der Kerl ist wirklich zu beneiden ;)) und Trailer (zwei zu diesem Spiel, ein Trailer zu "Sam & Max - The Devil's Playhouse").

FAZIT: Für alle Schwächen, die ich für mich persönlich in "Tales of Monkey Island" ziehe ich höchstens einen Stern von fünf ab. Denn der Spielspaß wiegt das ziemlich wieder auf und beschert einem lange, schöne Spielstunden. In diesem Monkey Island-Spiel gibt es wieder viel zu lachen, aber auch viel zu bestaunen, viel fürs Herz und viel für den Kopf zu grübeln. Mag das Adventure für einen rauchenden Kopf sorgen, dann also nicht vor Ärger.
Schon gut möglich, dass das fünfte Piratenabenteuer nicht alle gänzlich zufriedenstellen wird aus dem einen oder anderen Grund, aber wenn es so weitergehen würde, kann man sich auf eine mögliche Fortsetzung freuen (und ich hoffe, wir Fans müssen nicht wieder zehn Jahre drauf warten). Bei mir hat sich jedenfalls die Vorfreude auf dieses Spiel allemal gelohnt und auch Neueinsteigern kann ich es empfehlen, natürlich nicht ohne die Vorgänger mit zu empfehlen ;)
"Tales of Monkey Island" - ein würdiger und unterhaltsamer Nachfolger!


Columbus war ein Engländer: Geschichte einer Jugend
Columbus war ein Engländer: Geschichte einer Jugend
von Stephen Fry
  Taschenbuch

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die etwas andere Jugend eines Wunderkindes, 10. April 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Nur kurz zur Einleitung: Stephen Fry ist ein Mensch, der nicht nur einen Beruf inne hat. Er ist talentierter Schriftsteller, Schauspieler, leiht seine Stimme desöfteren für Hörbücher sowie Videospiele und Filme, hat unterrichtet, Drehbücher geschrieben, Regie geführt und pflegt seine Internetbekanntschaften exzessiv z.B. über Twitter. Er gilt ausserdem als Genie und Menschenfreund, der sich unter anderem für die Rechte der Homosexuellen und die Hilfe für Depressive einsetzt.

Man denkt sich wohl: so jemand ist doch garantiert unter den besten Bedingungen aufgewachsen, wird genauso ein Genie in der Schule gewesen sein und hatte seine Mitmenschen und sein Verhalten im Griff.
Nun...dem war nicht ganz so. Und ab da wird es interessant.
Fry erzählt von einer Jugend, die nur allzu verworren scheint, wie ein Leben auf einem Drahtseil zwischen Erfolg und Versagen, auf dem er mehr als einmal stand.

Es beginnt mit dem neuen Schuljahr im Internat, als er sieben Jahre alt war und endet mit dem Erreichen des Stipendiums für eine Ausbildung in der Universität Cambridge im Alter von 18 Jahren.
In dieser Zeitspanne war das Leben des jungen Stephen Fry wohl ein einziger Wirbelsturm der Gefühle und Probleme.
In dieser Autobiographie dreht es sich um Themen wie das Schul- und Internatsleben, um Freundschaften (auch mit Mädchen), seine Homosexualität, seine erste Liebe, das Verhältnis zu seiner Familie, seine kleineren und größeren Streiche und Straftaten, das einmal daraus resultierende Leben im Gefängnis und das immer wieder auftretende Gefühlschaos emotionaler und sexueller Natur.

Wenn man das alles liest, vergisst man sogar mal, dass es sich um die Vergangenheit DES Stephen Fry handelt, auch wenn er gerne mal selbst den Leser anspricht.
Man stelle sich vor, eine ähnliche Vergangenheit würde man von der Lady Di oder von Brad Pitt lesen, man würde sich denken "Ist nicht wahr...bei IHM/IHR??". Und das macht das diese Autobiographie umso interessanter. Denn langweilig wird das Lesen kaum eine Sekunde.

Stephen Fry macht keinen Hehl aus seinen Jugendsünden, schlachtet seine Jugend soweit es seine Erinnerungen zulassen gehörig aus. Er rechnet mit einer Vergangenheit und deren Episoden ab, auf die er desöfteren - wie er öfters betont - mit Kopfschütteln, Scham oder Traurigkeit zurückblickt. Doch er versucht auch nicht schönzufärben oder zu rechtfertigen. Wenn er etwa von seinen kleptomanischen Phasen berichtet (wie er jahrelang gekonnt und heimlich Mitschüler, Lehrer, die Eltern und sogar ältere Bekannte bestohlen hatte), sagt er selbst, nichts könne all dies rechtfertigen. Eine dieser Diebestouren mündet am Ende in einen Auftritt vor Gericht und in einem Gefängnisaufenthalt, wovon er ebenfalls detailiert berichtet.

Apropos detailiert: Frys Erinnerungen sind gar nicht mal so lückenhaft. Ausführlich beschreibt er Freund und Feind aus der Vergangenheit (natürlich mit geänderten Namen), Orte wie seine Familienresidenz, seine diversen Internate, Geschehnisse und kulturelle Einflüsse, die seine berufliche Laufbahn wohl ausgiebig prägten.
Dies erleichtert dem Leser, sich die Umstände des Aufwachsens im England der 1960er und 1970er Jahre vorzustellen und die Identifikation mit Fry.

Darüber hinaus gibt er lustige und weniger lustige Anekdoten zum Besten (mein Favorit: der "perfekte" tote Maulwurf für den Naturkundeunterricht) und gibt seine Meinung aus heutiger Sicht zu den Episoden seiner Kindheit weiter, z.B. als er sich bewusst wurde, dass er schwul war. Dabei wird er nicht müde, sich auch an kritische Stimmen zu richten, die etwa die Homosexualität mit "Hilfe" der Bibel zu verteufeln und wirft ihnen beispielsweise entgegen, sie sollten sich wenigstens dann konsequent an alle Weisungen der Bibel richten, wie etwa die koscheren Speisegesetze, das Vermeiden menstruierender Frauen und vor allem das Gebot "Du sollst nicht töten". Jeder denkende Mensch wird Fry sicher zustimmen können. Textpassagen wie diese beweisen aufs Weitere die Wort- und Denkgewandtheit des Autors.

Garniert wird das Werk mit einer kleinen Auswahl an alten Fotos aus den Jahren der Kindheit und Jugend, auf die er hin und wieder auch mal im Text eingeht.
Übrigens: das letzte Bild zeigt eine relativ bekannte Aufnahme von Stephen Fry und Hugh Laurie aus dem Jahre 1980, wie sie damals in Cambridge Schach spielten. Zwar wird dieses Bild gezeigt und in einigen Nebengeschichten erzählt Fry von seinem Schauspielerkollegen und Freund Laurie, doch Fans von Laurie muss ich leider enttäuschen: wie die beiden überhaupt Bekanntschaft geschlossen haben, wird nicht erläutert (hat es Fry vergessen? Wer weiss...)

Mein Fazit: "Columbus ist ein Engländer" (Originaltitel: "Moab is my Washpot") ist ohne Zweifel eines der besten Bücher, die Stephen Fry je geschrieben hat. Es rührt, es berührt, es spricht einen an und manchmal auch aus der Seele, es führt den Leser ein Stück weit in seine Welt ein und regt einem auch desöfteren und Schmunzeln und sogar zum Lachen an, ohne aber dabei auf dunklere Kapitel des Lebens zu verzichten, mit denen der eine oder andere sicher auch zu tun hatte.
Für Fans und Interessierte unverzichtbar.


Das Nilpferd: Roman
Das Nilpferd: Roman
von Stephen Fry
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Sodomie, Aberglaube, Inzest und das feine englische Landleben, 6. März 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Nilpferd: Roman (Taschenbuch)
Das fängt ja gut an: Ted Wallace, Hauptakteur und Erzähler dieser Geschichte, fängt sich nach einer besonders unverschämten Kritik für eine Zeitung über ein gefeiertes Theaterstück eine Kündigung ein. Kurz danach trifft er durch Zufall auf seine 26-jährige Patentochter Jane, die ihm erstmals eröffnet, dass sie an Leukämie leidet und nicht mehr lange zu leben hat. Sie verspricht ihm viel Geld, wenn er eine Mission für sie erfüllt: er soll eine Zeit lang bei der reichen Familie Logan auf dem Land verbringen und ihr heimlich alles übermitteln, was er an Interessantem und Merkwürdigem über die große Familie herausfinden kann. Nicht nur, dass Ted eh und je unbeliebt unter den Logans war, sondern auch sein anderes Patenkind und ein Sprössling der Logans, David, macht ihm Sorge. Diesem werden Heilkräfte nachgesagt, doch keiner konnte in Erfahrung bringen, wie er das anstellt. Genau dem geht Ted genauer nach...auch wenn er noch nicht weiss, worauf Jane mit ihrem Auftrag eigentlich hinaus will.

"Das Nilpferd" von Multitalent Stephen Fry klingt erstmal banal und soapartig. Ein Roman über einzelne Familienmitglieder, die alle mehr oder weniger einen an der Klatsche haben?
Aber gerade das macht den Roman erst lustig.
Ted fährt aufs englische Land raus, um Dinge zu erforschen, die er so nicht erwartet hätte. Und er lernt mit der Zeit, wie sehr ein erster Eindruck von Personen doch täuschen kann.
Auch am Anfang offensichtliche Klischeefiguren wie das hässliche, schüchterne, unattraktive Teenagermädchen mit Zahnspange und Brille werden nicht als solche behandelt und das ist, wie ich finde, doch beruhigend. Eine gewisse Plattheit bei den Figuren hat sich Fry dabei erspart. Somit bleiben die Figuren auch greifbar.

Was die Erzählungen angehen, so wechselt sich das zum Großteil ab zwischen Teds Schilderungen in der ersten Person und dem Briefwechsel zwischen ihm und seiner Patentochter Jane.
Doch da ist noch ein Punkt, weswegen ich doch das Buch tadeln muss: abgesehen von einem Kapitel, das sich mit der Vorgeschichte der Familie Logan befasst (denn die bekommt Ted eindeutig erzählt und weiss daher Bescheid über sie), kommen auch Textstellen vor, die Ted eindeutig NICHT als Erzähler haben, sondern praktisch über ihn sprechen. Oder es gibt Nebenhandlungen, von denen Ted (zumindest noch) nichts wissen kann.
Sollte man nicht in gewisser Weise einen bestimmen Erzählstil beibehalten, eine Perspektive? Wenn schon der Erzähler, der immerhin schon ab Kapitel 1 spricht, nicht zu Wort kommt, so sollte das einen nachvollziehbaren Grund haben, siehe den angesprochenen Briefverkehr.
Aber so wie in "Das Nilpferd" umgesetzt sorgt es eher für Verwirrung.
Daher schon mal ein Stern Abzug.

Doch abgesehen davon habe ich keine großartigen Gründe, mich zu beschweren auch wenn ich diesen Roman nicht jedem empfehlen würde.
Denn wo wir schon beim Erzählstil sind: Ted gibt nichts auf eine feine Aussprache, sondern plaudert seine Geschichten praktisch so aus, wie es ihm passt. Somit kommen auch mal Kraftausdrücke und mehr oder minder kreative Grobheiten zur Aussprache, die nicht jedem Leser gefallen dürften.
Nicht, dass die ganze Zeit geflucht wird, aber wer eine derartige ungehobelte Sprache nicht ansatzweise lesen mag, dem würde ich erst ein Probelesen empfehlen. Besonders, wenn er/sie sich aufgrund meines Rezensionstitels Sorgen macht.

Atmosphärisch ist die Handlung gut eingefangen. Man fühlt sich beim Lesen durchaus wie auf dem ländlichen Grundstück einer reichen englischen Familie (selbst wenn man nie in England war) und jegliche Details - von der Inneneinrichtung des Landhauses etwa bis zur wäldlichen Umgebung - kriegt man viel mit.

Der Unterhaltungswert ist recht hoch, dafür sorgen klare, komisch gestaltete Erzählungen, Nebenbemerkungen und Kommentare, die Ted entweder doch nach aussen trägt oder nur im Kopfe herumschwirren. Doch nicht nur er, auch die Nebenfiguren sind recht schrullig und doch greifbar. Da wäre etwa der Ex-Pfaffer Oliver, Freund der Familie, der sich nach einer "Sitzung" mit David freut, dass er angeblich seine Hämorrhoiden endlich los ist - nachdem Ted endlich erfahren hat, WIE sein Patenkind David das angestellt haben muss. Eine Kenntnis, die ihm die Nackenhaare aufstellen lassen dürfte.

Kurzum: ein Buch nicht für jedermann, aber auf jeden Fall für Freunde des englischen Humors, des Landes überhaupt und von Stephen Fry.
Verglichen mit anderen Fry-Büchern würde ich für mich persönlich sagen, dass "Das Nilpferd" nicht so gut ist wie "Geschichte machen", aber immer noch eine klarere Story hervorbringt als "Der Lügner".


Paperweight: Literarische Snacks
Paperweight: Literarische Snacks
von Stephen Fry
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Fry für Zwischendurch, 10. Februar 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Multitalent Stephen Fry hat als Schriftsteller nicht nur Romane zu bieten.
"Paperweight" umfasst sämtliche Kolumnen, journalistische Artikel, Kritiken und in Text umgewandelte Radiobeiträge. Abgeschlossen wird das Buch mit einem selbstverfassten Theaterstück, also praktisch mit einem kurzen Skript.
Zurecht darf sich das Buch "Paperweight" (deutsch: Briefbeschwerer) nennen, mit 550 Seiten gehört es sicher zu den seitenreichsten Schmökern von Fry.

Wichtig noch zu wissen: der Löwenanteil ist namentlich vom Autor verfasst, während eine kleine Reihe von Kolumnen von Frys Alter Ego Donald Trefusis stammt. Donald Trefusis, Philologie-Professor in Cambridge taucht auch als eine bedeutende Nebenfigur im Roman "Der Lügner" auf und überzeugt auch hier durch seine durchaus freche aber amüsante Schnauze, was man von Professoren - selbst von fiktiven - nicht alle Tage erwartet.

Die Themen sind querbeet und ein gewisser roter Faden ist das britische Heimatland von Stephen Fry. Sie drehen sich um Schuldbildung, Politik, Drogen, Schwulenrechte, Kultur, Fernsehen, Alltagssorgen, Prominente, Intoleranz, Cricket...um einige zu nennen.
Es ist beruhigend, dass Fry auch sämtliche Themen bespricht, die praktisch zeitlos sind und immer passen. Denn brandneu sind seine Texte nicht mehr: um 1986 entstand die erste Kolumne, 1992 die jüngste.

Wer sich damit abfindet, zu einigermassen neuen Themen nichts im Buch finden zu können, wird dennoch Freude an der Lektüre haben.
Wie schon erwähnt passen viele Themen nach wie vor und Fry schreibt auf humoristische Weise, die einem wirklich und das nicht zu selten ein breites Schmunzeln ins Gesicht zaubern kann.
Er scheut sich aber auch nicht davor, ernste Themen (z.B. vermehrte Diskriminierungen gegenüber Homosexuellen) oder ernste Seiten eines Themas zu behandeln etwa, wenn er erzählt, wie ihm eine Tasse mit einem "Teenage Mutant Ninja Turtles"-Motiv (!) geschenkt wurde (zu dieser Zeit vor allem ein populäres Franchise) und er sich darüber Gedanken macht, welche Frauen oder Kinder sie in einer chinesischen Massenproduktion womöglich angefertigt haben mögen.
Das macht Fry trotzdem nicht zum Miesepeter, er entfernt sich eher von oberflächlichen Denkmustern. So bleibt er dem Leser keine Erklärung darüber schuldig, warum er es nicht automatisch für eine gute Idee hält, Eltern in die Schulbildung der Kinder sich einmischen zu lassen oder warum er familiäre Werte in den Medien als heuchlerischen Humbug betrachtet.
Was - wie ich finde - seine Kolumnen noch interessanter macht, da sie nicht bedingungslos "Ja" oder "Nein" zu einem Thema sagen, da er eben sehr gut seine Ansichten erläutern kann, ohne sie als ultimative Meinung "fürs Volk" verkaufen zu wollen. Er stellt lediglich eine andere Sichtweise auf ein Thema dar.
Stets spricht er den Leser (oder Hörer, falls es sich um Radioansprachen handeln) auch direkt durch die Texte an und behandelt ihn mit Respekt, entschuldigt sich witzigerweise auch dafür, ihn wieder mit so einer Kolumne zu belästigen oder ihn zu langweilen.

Wie gesagt wird "Paperweight" mit einem Skript zu einem Theaterstück mit dem Titel "Latein!" beendet.
Dieses wurde von Fry nach eigenen Angaben für die Schule verfasst, als er 22 Jahre alt war.
Beim Lesen des Titels allein war ich mir unsicher, ob mich überhaupt ein prickelndes Leseerlebnis erwarten würde, denn nie hatte ich je Latein gelernt, geschweige denn als Studentin.
Doch schon von Anfang an sprüht das Stück vor Witz und lässt die irrwitzigen Dialoge und Geschehnisse in der Fantasie des Lesers sicher noch komischer wirken.
In ihm dreht sich alles um einen jungen Lateinlehrer, der sich zum einen mit seiner grösstenteils unfähigen Jungenklasse (seiner Meinung nach) rumschlägt und zum anderen von seinem älteren Nebenbuhler um die Nachfolge als Schuldirektor in die Zange genommen wird.
Ein sehr gelungener Buchabschluss also und es lohnt sich allemal, sich das durchzulesen!

Richtig abgeschlossen (zumindest in der deutschen Version) wird mit Anmerkungen des Übersetzers, der dem Leser eine Reihe von Namen (z.B. von Politikern oder Schriftstellern), Titeln (z.B. von britischen Spieleshows) und einiges mehr in Kürze erklärt.
Die Ausgabe, die ich habe, stammt aus dem Jahr 2008, so dass sogar aktuellere Bezüge gemacht werden können, z.B. zu Filmen von 2001.

Apropos: Was lediglich wirklich anzumäkeln ist ist die Tatsache, dass sich Nicht-Briten mit einigen seiner Texte weniger identifizieren könnten. Wer sich gar nicht oder kaum für Grossbritannien, seine Kultur, seine Medienlandschaft, seinen Sport oder seine Politik (noch dazu die der späten 1980er) interessiert, steht mehr oder weniger auf verlorenem Posten.
Das führte den Übersetzer des Buches sogar dazu, "Paperweight" um Kolumnen (wieviele weiss ich leider nicht) zu erleichtern, die trotz Erklärungen und Fussnoten zu unverständlich für Leser ausserhalb Grossbritanniens wären.
Hier gilt: gut gemeint ist das Gegenteil von gut gemacht. Ist das nicht etwa Zensur? Selbst wenn ich die Texte kaum begreifen könnte, wäre es immer noch nett, ein Buch komplett in den Händen zu halten.
Immerhin liest sich in "Der Lügner" zum Beispiel gleich ein ganzes Kapitel über ein Cricket-Spiel und diese Sportart ist nun ja den meisten Rest-Europäern und Amerikanern nicht unbedingt bekannt.
Hier hat man sich schliesslich auch nicht erlaubt, einfach was rauszuschmeissen, um den Leser zu "schonen".

Fazit: "Paperweight" ist und bleibt ein Lesegenuss, daran ändern auch das gewisse Alter der Texte und der Verlust einiger Kolumnen nichts. Ich nenne das den "Fry für Zwischendurch" und liest sich köstlich. Mehr als der Buchtitel vermitteln will.

Und gerne würde ich "Paperweight 2" einmal in den Buchläden entdecken, wenn es das überhaupt gäbe.


3096 Tage
3096 Tage
von Natascha Kampusch
  Gebundene Ausgabe

34 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zeugnis einer Gefangenschaft, 5. Januar 2011
Rezension bezieht sich auf: 3096 Tage (Gebundene Ausgabe)
Autorenname und Titel sagen hier alles aus: Im März 1998 wurde die erst zehnjährige Natascha Kampusch auf dem Weg zur Schule entführt und in ein Verlies gesperrt. Dort soll sie über acht lange Jahre unter der Fuchtel des psychisch kranken Wolfgang Priklopil ohne jeglichen Kontakt zur Aussenwelt verbringen. Ihr schlimmster Albtraum - Vergewaltigung oder der Missbrauch durch einen ganzen Kinderpornoring - wird zwar nicht wahr, doch in dieser Zeit wird sie ständig Opfer von Priklopils Sadismus und mit jeglichen anderen Maßnahmen auch psychisch gefoltert. Erst im August 2006 kann sie 18-jährig fliehen...

Eigentlich unnötig, den Inhalt des Buches zusammenzufassen. Die Entführungsgeschiche der Natascha Kampusch ist durch die Welt gegangen, sämtliche Medien haben sie ausgeschlachtet und auch Kampusch selbst trat an die Öffentlichkeit.
Warum also noch dieses Buch?
Der Grund ist einfach: mit jeder Story kommen auch Mythen, Theorien und Legenden hinzu, die von irgendwelchen Trittbrettfahrern in die Welt gesetzt werden und welche dann in der Boulevardpresse von vielen gelesen werden. Nicht nur Kampusch machte die Erfahrung, dass viele Lügenmärchen die Runde machen, als ob die wahre Geschichte nicht schrecklich genug wäre. So war von einer richtigen Liebesbeziehung zwischen ihr und dem Entführer die Rede, dass ihre Mutter selbst von der Tat wusste oder dass Priklopil nicht der einzige Täter gewesen sein muss. Manch einer glaubte nicht einmal, dass die Entführung überhaupt stattfand, sondern tat dies alles als Lüge ab, um Kampusch Geld- und Aufmerksamsgeilheit vorzuwerfen.

Doch Natascha Kampusch will reinen Tisch machen und hat mit Hilfe zweier Autorinnen dieses Buch verfasst, dass - wenn überhaupt - nur wenige Fragen offenlassen dürfte.
Es besteht aus elf Kapiteln. Das erste Kapitel widmet sich Kampuschs Kindheit, die folgenden acht Kapitel drehen sich ganz um ihre Entführung und Gefangenschaft. Die letzten beiden Teile enthalten die Geschichte um ihre Selbstbefreiung und einen Epilog.
Damit zeigt sich schon, dass der Löwenanteil jene Geschichte behandelt, die schon viele als unwahr oder nicht ganz der Wahrheit entsprechend betrachtet hatten. Entsprechend detailreich geht da die Erzählerin vor. Eindrücke, Gefühle, Dialoge, Aktivitäten, Tagesabläufe und sogar die Misshandlungen durch Priklopil werden genau erläutert.
Immer öfter möchte sie auch ihr Verhalten erklären, warum sie sich in manchen Situationen nicht zur Wehr setzt (bzw. warum sie es manchmal doch wagt) und mitunter sogar das des Täters, ohne damit seine Grausamkeiten zu relativieren.

Aufgebaut ist das ziemlich gut und man fühlt sich schnell in ihre Lage versetzt, weil sie wie schon erwähnt alles recht detailreich beschreibt. Oft genug so genau, dass ein Gefühl der Beklemmtheit nicht ausbleibt.
Die erwähnten Mitautorinnen sind Heike Gronemeier und Corinna Milborn, die für Kampuschs Buch als Ghostwriterinnen tätig waren.
Dies weckt erst mal Unmut: hatte Kampusch selbst keine Zeit, ihre eigene Geschichte zu einem Buch zusammenzufassen?
Doch man muss mal überlegen: sie ist alles andere als leichte Kost und ein wenig Hilfe kann man Kampusch schon zugestehen. Eher könnte ich mich persönlich über all die C-Prominenten aufregen, die dem Buchmarkt ihre unnötigen Autobiographien aufdrängen und dabei schon Ghostwriter beschäftigen.
Um mir einen genaueren Eindruck zu verschaffen, hab ich mir ein Interview mit einer der beiden Co-Autorinnen durchgelesen. Und wenn das stimmt, was sie sagt, kann man Kampusch keine Faulheit vorwerfen: unzählige Stunden müssen sie zusammengesessen und gesprochen haben (auch auf Band), um den "Stoff" zusammenzukriegen. Was für eine traumatisierte Frau auch sicher keine leichte Aufgabe war.
Die einzigen Stellen im Buch, die ausschließlich von Kampusch stammen, sind einzelne Tagebucheinträge, die sie mit dem Leser teilt (etwa um zu beschreiben, wie sie zur Zeit der Gefangenschaft die Misshandlungen dokumentiert hat).

Manche Leser kritisieren, das Buch hätte keine neuen Informationen zu bieten.
Ob das stimmt oder nicht mag vielleicht davon abhängen, inwieweit man sich vorher informiert hat.
Viele der mehr oder weniger wahren Stories um den Entführungsfall standen sicher vor allem in Boulevard-Blättern, die ich z.B. nie lese. Ich denke, das macht einen Unterschied aus.

Ob "3096 Tage" Neues bietet oder nicht ist ohnehin nicht ausschlaggebend.
Der eine Grund für die Entstehung des Buches ist schon von mir angesprochen worden: um jeglichen unwahren Legenden sozusagen die Luft wegzunehmen.
Ein anderer Grund wird es sicher sein, einem ehemaligen Opfer eine Stimme zu geben. Eines von vielen und eines von nur wenigen, die auch erzählen können.
Für mich persönlich ist das Faszinierendste (auch wenn es komisch klingt) an Entführungsgeschichten wie diesen die Frage, wie der oder die Entführte diese lange Phase der Gefangenschaft phyisch und vor allem psychisch überstehen kann bzw. wie er oder sie es versucht. Wie geht ein Gefangener mit der Situation um, ohne Selbstverständlichkeiten wie Sonnenlicht, frische Luft und Kontakt zur Aussenwelt zu leben? Wie erträgt er die Grausamkeiten seitens des Verbrechers, der gleichzeitig die einzige Bezugsperson und Versorgungsquelle darstellt?
Und wie ergeht es dem Opfer im Moment der Befreiung nach so vielen Jahren?
Es sind spannende Fragen, die ausreichend in "3096 Tage" beantwortet werden.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 29, 2011 2:13 PM MEST


Seite: 1-10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | 21-30