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The Rest Is Silence

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Star Wars: Das Erwachen der Macht
Star Wars: Das Erwachen der Macht
Preis: EUR 16,99

11 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Alles auf Anfang, 30. Dezember 2015
Rezension bezieht sich auf: Star Wars: Das Erwachen der Macht (DVD)
Ich bin ein Star Wars-Fan der jüngeren Generation, aufgewachsen sowohl mit der Original- als auch der Prequel-Trilogie. Und obwohl ich letzterer alles andere als enthusiastisch gegenüberstehe, ist sie doch für mich inzwischen fester Teil des Star Wars-Kosmos geworden. Bei 'The Force Awakens' tue ich mich da unendlich schwerer.

Zuerst zu den positiven Dingen:

Optisch gesehen ist der Film perfekt. Wir kehren zurück in diese leicht schmuddelige, aber lebensnahe Galaxis, in der Typen wie Du und Ich zuhause sind, auch wenn sie z.T. ein paar Arme oder Augen mehr haben mögen. Großartige neue Planeten und Kreaturen begegnen einem und die Special Effects sind - ganz im Gegenteil zur Prequel-Trilogie - wirklich realistisch und gelungen. Ein ganz großes Lob geht auch an John Williams, der viele alte Themen in seinen modernen Soundtrack eingeflochten hat. Als die gelbe Schrift ins Bild flog und das alte Star Wars-Thema spielte, saß ich breit grinsend und überglücklich im Kinosessel. Zumindest die Filmmusik ist also in guten Händen.

Ebenfalls gut anfreunden konnte ich mich mit den neuen Helden. Rey, Finn, Poe und BB 8 sind mir durchweg sympathisch. Sie sind keine Heroen, sondern Menschen (bzw. Droiden) mit Ecken und Kanten, die auch mal plan- und hilflos sind. Ich freue mich darauf, ihre Geschichte weiter zu verfolgen. Besonders gut gefiel mir, dass wir nun endlich mal eine weibliche Hauptfigur in einem Film haben, der sich an Erwachsene richtet, ergänzt von einem ethnisch bunten Cast. Da zeigt sich Star Wars als modernes, mit der Zeit gehendes Märchen.

Bei den Bösewichten sieht es schon schwächer aus. Zwar fand ich den Konflikt um Kylo Ren spannend und auch Domhnall Gleeson als General Hux ließ für mich gefeierte imperiale Größen wie Grand Moff Tarkin in neuem Gewand auferstehen. Überhaupt nicht anfreunden konnte ich mich hingegen mit Snoke, dem Voldemort-ähnlichen Oberschurken, der weder aktiv in die Handlung eingreift noch einen Charakter erhält, der über die Attribute 'böse' und 'verschlagen' hinausgeht.

Und somit sind wir auch schon bei den negativen Aspekten, die für mich den Film leider nur schwer erträglich machen.

Eine junge, elternlose Heldin findet einen Droiden, der geheime Pläne geschluckt hat, welche dem Widerstand gegen eine böse Supermacht zugeführt werden müssen. Unterstützt von einem greisen Anhänger der alten Republik macht sie sich im Millenium Falken auf den Weg, um den Droiden zurückzubringen. Doch die Rebellenbasis wird von einer gigantischen, sternenzerstörenden Raumstation bedroht, welche nur vernichtet werden kann, wenn eine kleine Einheit deren Schutzschilde abschaltet und dann einen gezielten Schuss auf einen Schacht abgibt, womit die Station schließlich von innen zerstört wird.

Kommt einem irgendwie bekannt vor?

Zu sagen, dass sich die Drehbuchautoren hier an der Handlung des ältesten Star Wars-Filmes 'orientiert' hätten, wäre die Untertreibung des Jahrhunderts. Die Filme sind fast identisch! Nur ist 'The Force Awakens' noch um ein paar krasse Logikfehler reicher. Wieso kann Rey ohne Einweisung die Macht benutzten und wo hat sie gelernt, fremde Raumschiffe ohne Anleitung zu fliegen? Weshalb besitzen Finn und Rey die Fähigkeit, mit einem Laserschwert umzugehen und das auf einem solchen Niveau, dass es Rey gelingt, den ausgebildeten Jedi Kylo Ren plattzumachen?! Wie konnte die neue Republik nach nur einer Generation schon wieder aufgelöst werden? Weshalb scheint es im Film niemanden zu interessieren, dass die First Order-Leute einfach mal den Hauptstadtplaneten Coruscant sprengen? Wieso gibt es Pläne, die den Aufenthaltsort Luke Skywalkers verzeichnen, welcher doch nicht gefunden werden will? Und wie wurde First Order eigentlich so mächtig?

Klar, auch die alte Trilogie war an vielen Punkten unlogisch, weil wichtige Informationen fehlten. Doch damals waren diese Handlungselemente wenigstens noch neu. Hier sind sie unlogisch UND abgestanden. Man hätte meiner Meinung nach viele überflüssige Szenen im Film streichen können (z.B. Hans Kampf gegen die Schmuggler, das orangefarbene Alien und die Stormtrooper-Lady, die am Ende in der Müllpresse landet), um dafür die dringend notwendigen Hintergrundinformationen einfließen zu lassen. Meine einzige Hoffnung ist, dass wir die in den folgenden Filmen noch serviert bekommen. Und nicht stattdessen 'The First Order Strikes Back' erleben dürfen.

Mein größtes Problem mit diesem Film liegt jedoch in der Art, wie er die Ereignisse der ursprünglichen Trilogie vollends dekonstruiert. Alles, wofür unsere Helden damals gekämpft haben, ist zerstört, hat sich in Luft aufgelöst. Kein einziger Erfolg, der in jenen drei Filmen errungen wurde, hat gehalten. Die Jedi sind wieder verschwunden, die Republik gescheitert, Han und Leia getrennt und zwar nun für immer. Es ist, als hätten die drei ursprünglichen Filme überhaupt nicht stattgefunden.

Natürlich ist nach dreißig Jahren nicht mehr alles in schönster Ordnung, aber eine solche Katastrophe halte ich für unbefriedigend und unglaubwürdig. Ich hätte mir einen Film gewünscht, in dem die neue Republik noch existiert und dieses Mal von außen angegriffen wird; in dem unsere Helden für die Erhaltung all dessen, wofür sie einst kämpften, ein weiteres Mal ins Feld ziehen müssen.

Die Prequels, mangelhaft wie sie waren, konnten doch meinen geliebten alten Star Wars-Filmen nie gefährlich werden, spielten sie doch zeitlich vor ihnen. Ich hatte stets noch den tröstlichen Gedanken, dass irgendwann alles ins Lot kommen und die Ordnung in der Galaxis wiederhergestellt würde. Die Prophezeiung, dass der Auserwählte die Macht ins Gleichgewicht bringen sollte, erfüllte sich mehrere Jahrzehnte später doch noch - auf die wohl unwahrscheinlichste und gleichzeitig schönste mögliche Weise. Dies, und viele andere Dinge, hat 'The Force Awakens' nun zerstört, in dem es die Uhren einfach zurückgedreht hat. 'Alles noch einmal auf Anfang' scheint das Motto der Filmemacher gewesen zu sein. Auf die Frage 'Warum?' werde ich wohl nie eine Antwort bekommen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 30, 2015 3:30 PM CET


Crimson Peak
Crimson Peak
DVD ~ Mia Wasikowska
Preis: EUR 15,99

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schaurig-schöne Gruselromantik, 30. Oktober 2015
Rezension bezieht sich auf: Crimson Peak (DVD)
Alte, abgelegene Anwesen, die von einem einsamen Geschwisterpaar bewohnt werden, sollte man besser meiden. Das weiß man spätestens seit Edgar Allan Poes 'The Fall of the House of Usher'. Und Edith Cushing (Mia Wasikowska) wird diese Erfahrung in Guillermo del Toros neuem Gruselstreifen 'Crimson Peak' ebenfalls machen.

Dabei fängt alles doch so schön an. Die junge Edith lebt gemeinsam mit ihrem Vater, einem Bauunternehmer, in New York. Wir befinden uns im ausgehenden 19. Jahrhundert, es gibt Partys, schöne Kleider und Verleger, die Ediths Manuskript nicht annehmen wollen, weil es von einer Frau stammt. Doch Mr. Cushing (Jim Beaver) und Ediths Kindheitsfreund Alan (Charlie Hunnam), der ganz offensichtlich in sie verliebt ist, halten zu ihr. Unglücklicherweise für Alan taucht jedoch aus heiterem Himmel ein englisches Geschwisterpaar, die Sharpes, in den Staaten auf. Und zwischen Sir Thomas Sharpe und Edith knistert es bald gewaltig.

Del Toro und seine Crew spielen hier mit den klischeehaft verstärkten Unterschieden zwischen den USA und Großbritannien. Auf der einen Seite haben wir das helle, lebenslustige, burschikose Amerika, auf der anderen Seite die Alte Welt, düster, traditionell und förmlich ' repräsentiert durch Sir Thomas in seinem zehn Jahre alten Anzug und mit seinem Titel, der den Amerikanern nichts sagen will. ('Ein Baronet? Was ist das?') Doch Edith, die Gruselgeschichten-Autorin in spe, fühlt sich von dem Neuling angezogen und ahnt nicht, dass sie bald mehr als genug Stoff für ihren Roman haben wird. Denn nach der Hochzeit offenbaren sich zwei winzige Probleme, die Ediths Glück trüben: Das Anwesen ihres Gatten ist der Horror und wimmelt dazu vor Geistern. Und als wäre das noch nicht genug, scheinen die Geschwister auch so einiges zu verbergen...

'Crimson Peak' ist in keiner Hinsicht neu oder originell, aber das ist auch nicht der Anspruch der Geschichte. Es ist gerade dieses Gefühl der Nostalgie, mit dem gespielt wird und das funktioniert, untermalt von magischen Bildern und einem stimmungsvollen Soundtrack, ausgezeichnet. Die Story entpuppt sich schnell als Kreuzung aus 'The Fall of the House of Usher' und 'Jane Eyre', und es ist wohl kein Zufall, dass eines von beiden von einem Amerikaner und das andere von einer Engländerin geschrieben wurde. Del Toro spielt mit den Gegensätzen, ihrer Vereinigung und der Katastrophe, die daraus entsteht.

Hier ist nichts subtil, auch nicht die Auflösung. Die Parallelen zwischen Ediths Geschichte und den realen Geschehnissen wird einem von den Figuren immer wieder aufgezeigt. Dass die Story am Ende in schnödes, Splatter-verdächtiges Blutvergießen ausartet, zerstört die vorher so schön aufgebaute Horror-Atmosphäre beinahe. Trotzdem ist 'Crimson Peak' ein sehenswerter Film. In der Tradition der englischen Gothic Novels wird einem hier großes Ambiente aufgeboten. Von herzschmelzenden Walzer-Szenen zu brutalem Mord, del Toro inszeniert alles als Augenweide. Die blassen, stets schwarz gekleideten Geschwister in den bunten Gesellschaftszimmern New Yorks sind ein ebenso eindrucksvoller Kontrast wie Edith mit ihren blonden Locken und den gold-gelben Kleidern, wenn sie durch das englische Anwesen geistert, welches aus den Farben Schwarz, Weiß und schließlich intensivem, alles andere ausblendendem Rot komponiert ist...

'Crimson Peak' ist ein wunderbar nostalgisches Schauermärchen, bei dem man ' oder in diesem Fall wohl eher frau ' erst wunderbar schwelgen und sich dann wohlig gruseln kann. Fans von 'Tanz der Vampire' oder Daphne du Mauriers 'Rebecca' kommen hier ganz sicher auf ihre Kosten. Und wer Guillermo del Toros andere Filme mochte oder einfach nur einen tristen Herbsttag verschönern möchte, ist bei 'Crimson Peak' sowieso an der richtigen Adresse.


Lawrence von Arabien (2 Discs)
Lawrence von Arabien (2 Discs)
DVD ~ Peter O'Toole
Preis: EUR 7,97

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nothing is written, 23. Juli 2015
Rezension bezieht sich auf: Lawrence von Arabien (2 Discs) (DVD)
"Lawrence of Arabia" ist meiner Meinung nach in seiner Klasse unübertroffen. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass solche Filme heute nicht mehr gemacht werden. Die Dialoge sind großartig ausgefeilt, tiefschürfend und wirken niemals pathetisch oder aufgesetzt. Die Schauspieler - allen voran Peter O'Toole und Omar Sharif - könnten nicht besser ausgewählt sein. Eine derart facettenreiche Darstellung habe ich selten gesehen. Nicht zuletzt durch die beträchtliche Länge des Films gelingt es, echte Charakterentwicklung zu zeigen, man erlebt den Aufstieg und Fall Lawrence' mit und bleibt am Ende atemlos zurück. Natürlich lässt sich die außergewöhnliche Leistung der Darsteller am besten nachvollziehen, wenn man das Werk in der Originalfassung sieht - eine Synchronisation kann das einfach nicht vermitteln.

Ein Film wie ein Rausch, mit Szenen, die einem die Tränen in die Augen treiben, einen spontan zum Lachen bringen oder zutiefst betroffen zurücklassen. Man verliert sich völlig in der Welt des Filmes und vergisst bisweilen, dass das, was man da sieht, nicht real ist. Die absolut umwerfende Musik von Maurice Jarre tut ihr Übriges - mit Sicherheit einer der besten Soundtracks, die je komponiert wurden.

Was macht die Geschichte eines britischen Offiziers, der zur Zeit des Ersten Weltkrieges die arabischen Stämme in ihrem Kampf um Selbstbestimmung unterstützt, so großartig? Vielleicht die Tatsache, dass wir hier ein Epos ohne wirklichen Helden präsentiert bekommen. Schon die ersten Szenen, die seine Gedenkfeier zeigen, deuten es an: Lawrence ist ein zutiefst zwiespältiger Charakter. Ein eitler Selbstdarsteller, charismatischer Stratege und zugleich innerlich zerrissener Mensch, der um Achtung ringt. Die Szene, in der Lawrence, der als uneheliches Kind weder Familienzusammenhalt noch Anerkennung gewöhnt ist, als Zeichen des Respektes von seinen Kampfgefährten zum ersten Mal das traditionell arabische Gewand überreicht bekommt, ist schlicht und ergreifend brillant. Man hat das Gefühl, die Gedanken dieses Mannes zu kennen, ohne dass einem (wie heute so oft) alles erklärt und aufgedröselt wird. Show don't tell - das gilt hier mehr als jemals zuvor.

In einer Branche, wo alles und jeder zum Übermenschen hochstilisiert wird, gelingt es ein einziges Mal, einen Mann zu porträtieren, der außergewöhnlich war - aber gleichzeitig nur ein Mensch, der letztendlich an sich selbst zerbricht. Dieser Film entlarvt ein für alle Mal die Scheinheiligkeit, mit der wir Kriege und sogenannte Helden wahrnehmen, aber er drängt sich niemals mit einer bestimmten Deutung auf, sondern lässt den Zuschauer selbst entscheiden, wie er das Gesehene - ich möchte fast sagen, Erlebte - aufnimmt.

Mein einziges Bedauern liegt darin, dass Peter O'Toole und Omar Sharif für diesen Film nicht die beiden Oscars erhielten, die sie so sehr verdient hätten - denn danach hatten sie nie mehr eine Chance, die hier abgelieferte Leistung zu übertreffen. Das wäre unmöglich. Ich bin nur dankbar, dass zumindest Alec Guinness, der hier ebenfalls grandios auftrumpft, bereits einen Oscar im Gepäck hatte, auch wenn es schade ist, dass man sich seiner heutzutage hauptsächlich als Obi Wan Kenobi erinnert.

Was kann ich noch sagen? Dieses Meisterwerk verdient jeden Ruhm und jede Auszeichnung, die es gibt. Für mich ist "Lawrence of Arabia" definitiv einer der besten Filme, die je gedreht wurden - wenn nicht die Nummer 1.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 11, 2015 12:32 AM CET


North and South (Penguin Classics)
North and South (Penguin Classics)
von Patricia Ingham
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,60

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Austen trifft Dickens, 16. Juli 2015
An Elizabeth Gaskells 'North and South' scheiden sich die Geister. Die einen halten es für eine langatmige 'Stolz und Vorurteil'-Kopie, die anderen preisen es als fortschrittliches und originelles Stück Weltliteratur.

Ich kann die Kritik bis zu einem bestimmten Punkt verstehen, denn in Margaret Hale hat Gaskell eine echte Jane Austen-Heldin ins Leben gerufen. Margaret ist jung, selbstbewusst und hübsch, zudem empathisch und gleichzeitig stolz bis fast zur Arroganz. Wie in einem Austen-Roman trifft gleich am Anfang auch eine Krise ihre Familie. Der Vater gibt aus religiösen Zweifeln seine Pfarrstelle auf und zieht mit der ganzen Familie vom beschaulichen Hampshire ins graue, staubige Milton-Northern, dessen Name programmatisch ist. Hier begegnet Margaret dem dogmatischen Fabrikanten John Thornton und nun begibt sich der Roman auf eine ganz neue Ebene.

Mr. Thornton ist eine Figur wie aus einem Dickens-Roman. Nach dem Suizid seines Vaters in Armut aufgewachsen, musste er die Schule verlassen und sich als Tuchhändlergehilfe durchschlagen, um Mutter und Schwester zu ernähren. Mit Fleiß und Selbstzucht hat er sich zum einflussreichen Fabrikanten hochgearbeitet, der mit Stolz auf seine eigenen Errungenschaften blickt und all jene Arbeiter, denen dieser Aufstieg nicht gelingt, für faul hält. Dennoch schafft er es in Margarets Augen nicht, das viktorianische Ideal eines "Gentleman" zu erfüllen, zu ungenügend sind seine höhere Bildung und guten Manieren.

Mit John und Margaret treffen zwei verschiedene Welten aufeinander, nicht nur, dem Titel gemäß, Nord- und Südengland, sondern auch Fortschritt und Tradition, Geldadel und Bildungsbürgertum und, nicht zuletzt, Mann und Frau.

In ihrer Geschichte um Kapitalismus und Humanismus, und die schlussendliche Verbindung von beidem, geht Gaskell viel tiefer als sowohl Austen als auch Dickens. Während Austen Themen wie Politik, Klassenunterschiede, Tod und Religion für gewöhnlich meidet, lässt Gaskell ihre Figuren immer wieder über jene diskutieren und kommt dabei zu verblüffenden Erkenntnissen. Und während Dickens die Streiks und Aufstände der Arbeiter eher durch die Augen eines geschockten Mittelstandsmannes sieht, zeigt Gaskell Einfühlsamkeit und offene Unterstützung ' aber für beide Seiten, Arbeitgeber und 'nehmer. Ihr gelingt es, dem Leser einen objektiven Einblick in die frühe Marktwirtschaft und ihre Konsequenzen für die Menschen zu gewähren. Wie die Hales fühlt man sich als Neuankömmling in dieser Welt des Antagonismus und weiß nie, welche Partei man eigentlich unterstützen soll, denn auf beiden Seiten stehen Menschen mit Hoffnungen und Zielen, die um ihre Existenz kämpfen.

Meiner Meinung nach ist Elizabeth Gaskell eine der aufmerksamsten und talentiertesten Schriftstellerinnen ihrer Zeit. Dass es ihr am Ende gelingt, einen glaubhaften Kompromiss zwischen all jenen Gegensätzen zu finden, der seine Manifestation in einer der schönsten Romanzen und Freundschaften der Literaturgeschichte findet, ist eine Meisterleistung, für die ich den (imaginären) Hut vor ihr ziehe. Auch sprachlich gesehen ist sie großartig, beinahe spielerisch gelingt es ihr, die verschiedene Herkunft ihrer Figuren in deren Ausdrucksweisen zum Vorschein zu bringen. Sie arbeitet Dialekte wunderbar heraus und wenn sie Margaret ganz subtil immer mehr in einen nordenglischen Slang verfallen lässt, ist das eins der besten Beispiele für 'show, don't tell', die ich kenne.

Natürlich lassen sich nicht alle Kritiken aus der Welt schaffen. Es stimmt, dass 'North and South' sich bisweilen etwas zieht, auch, dass die Handlung keine 100%ige Originalität für sich beanspruchen kann und dass sich in einigen Punkten die etwas seltsame Weltanschauung des Viktorianischen Zeitalters wiederspiegelt, die den Leser etwas irritiert.

Das alles aber steht in keinem Verhältnis zu den großen literarischen Errungenschaften, die Gaskell hier gelingen. Und auch, wenn man keine Lust hat, sich auf tiefergehende Analysen einzulassen, bleibt am Ende ein mitreißender, intelligenter und anrührender Roman - eins meiner Lieblingsbücher, das ich immer wieder gern lese.


Vienna
Vienna
Preis: EUR 1,29

5.0 von 5 Sternen Vienna waits for you, 14. Mai 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Vienna (MP3-Download)
Eines der schönsten und emotionalsten Lieder von einem der besten Künstler überhaupt. Ja, die vielen Superlative sind beabsichtigt und meiner Meinung nach absolut berechtigt.

Die Idee zu "Vienna" entstand nach einem Gespräch zwischen Billy Joel und seinem Vater, welcher in Wien lebt. Die Themen, die angesprochen werden, sind zeitlos: Erwartungsdruck, Perfektionismus und der Wunsch nach Selbstverwirklichung. Dem gegenüber wird Wien gestellt, stellvertretend für die Befreiung von den eigenen Zwängen. Eine Aufforderung, das Leben leichter zu nehmen und seine Ziele doch nicht aus den Augen zu verlieren.

Ich denke, es gibt viele Menschen, denen diese zeitlose Lied nahe geht, ich gehöre dazu.


The Silver Branch (Roman Britain Trilogy)
The Silver Branch (Roman Britain Trilogy)
von Rosemary Sutcliff
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,79

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Silberstreif am Horizont, 13. Mai 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Nach dem ich 'The Eagle of the Ninth' gelesen hatte, wandte ich mich sofort dem zweiten Teil der Trilogie zu. Während ich den 'Adler' zwar mochte, aber auch die Schwächen des Buches sah, hat 'The Silver Branch' mich auf ganzer Linie überzeugt. Die Geschichte des Caesar Carausius, seines verräterischen Ministers und zweier junger Cousins, die sich gegen Ungerechtigkeit und Willkür einsetzen, wird mitreißend und wirklichkeitsnah erzählt.

Mit Flavius und Justin hat Rosemary Stucliff zwei großartige Charaktere geschaffen, mit denen ich mich sofort identifizieren konnte (mehr noch als mit Marcus und Esca aus dem 1. Buch). Die beiden sind keine Helden, sondern Durchschnittsmenschen, die versuchen, sich ihre Loyalitäten zu bewahren und das Richtige zu tun, auch wenn es manchmal ein wenig dauert, herauszufinden, was das überhaupt sein soll.

Während mir die Handlung des 1. Teils teilweise recht vorhersehbar erschien, erlebte ich bei 'The Silver Branch' eine wahre Achterbahnfahrt. Mehrfach starrte ich geschockt auf die Seiten, weil ich nicht glauben wollte, was da gerade passiert war. Da ich die geschichtlichen Hintergründe nicht kannte, erwischte mich so manche Handlungswendung eiskalt.

Die Konflikte waren glaubhaft und einfühlsam dargestellt. Man hatte nicht, wie im 1. Teil, das Gefühl, dass die Krisen sich wie von selbst auflösten. Flavius und Justin befanden sich mehr als einmal am Rande der Auswegslosigkeit und ich fieberte mit ihnen mit, gespannt darauf, wie (und ob) sie es dieses Mal schaffen würden.

Alles in allem kann ich das Buch jeder Altersgruppe empfehlen. Auch wenn man (wie ich) kein englischer Muttersprachler ist, versteht man alles sehr gut und wird mit einem wunderschönen, berührenden Leseerlebnis belohnt. Obwohl das Buch in den 50er Jahren geschrieben wurde und die Geschehnisse darin schon fast 2000 Jahre zurücklegen, ist die Geschichte an sich zeitlos und spricht jede Generation an.


Jane Eyre (Collector's Library)
Jane Eyre (Collector's Library)
von Charlotte Bronte
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 11,10

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Reader, she married him., 10. März 2015
Da ich durch mein Studium relativ viel mit englischer Literatur zu tun habe, war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis ich zu einem der ganz großen Klassiker des 19. Jahrhunderts griff: 'Jane Eyre' von Charlotte Brontë. Jedem, der bereits das eine oder andere Buch auf Englisch gelesen hat, kann ich nur das Original empfehlen, denn dort tritt der Sprachwitz der wunderbaren Dialoge besonders hervor. Als Einstieg in die englischsprachige Literatur ist 'Jane Eyre' aber wohl nicht geeignet, dafür ist die Sprache unserem Schulenglisch doch zu fern.

Nun aber zum Inhalt, dem ich mich in dieser Rezension widmen möchte.
Die Handlung ist weltbekannt: Eine junge Waise muss sich immer wieder gegenüber den Widrigkeiten des Lebens behaupten. Von den boshaften Verwandten kommt sie in ein Internat, in dem die Kinder unter den grauenvollen Lebensbedingungen in Scharen zugrunde gehen. Sie wird erwachsen und beschließt, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, als Gouvernante in Thornfield Hall, wo sie auf den temperamentvollen und ziemlich forschen Edward Fairfax Rochester trifft. Der Rest ist Literaturgeschichte.

Die Handlung ist nicht neu, der Stil zumindest auf den ersten Seiten gewöhnungsbedürftig. Seitenlange innere und gesprochene Monologe sind keine Seltenheit.

Warum also sollte man Jane Eyre lesen?

Die Antwort darauf ist relativ einfach: Weil es wenige Bücher (und so gut wie keine Romanzen) aus der Mitte des 19. Jahrhunderts gibt, die ein 'moderner' Leser mit so viel Vergnügen und Sympathie lesen kann.

Jane ist als Hauptfigur oft greifbarer als z.B. Jane Austens Damen. Für Kleider und Schmuck hat sie nichts übrig, stattdessen hat sie Prinzipien, die aber auch ins Schwanken geraten und vor allem Probleme, die über das traditionelle 'Wen soll ich heiraten?' hinausgehen. Als sie sich zwischen Liebe und Unabhängigkeit entscheiden soll, wählt sie letzteres. Wenn Jane wiederholt ihre Überzeugung äußert, dass Frauen und Männer, Arme und Reiche, Dienstherren und Diener im Grunde ebenbürtig sind, ist sie ihrer Zeit weit voraus. Als Leser kann man sich mit ihr identifizieren und ihre Gefühle nachempfinden.

Auch Mr. Rochester ist nicht der klassische Austen-Held. Er ist zwanzig Jahre älter als Jane, launisch, provokativ, unansehnlich und macht keinen Hehl aus seinen vorigen Affären. Aber er ist der erste wirklich originelle (im Sinne von unkonventionelle und sich selbst treue) Charakter, dem Jane begegnet und man kann die Faszination der beiden füreinander nachempfinden. Beide sind Außenseiter, die die oberflächliche Gesellschaft, in der sie leben, eigentlich verachten und den Freigeist des jeweils anderen zu schätzen lernen. Keiner von beiden macht sich große Illusionen, was die Liebe angeht, aber sie kommen dennoch nicht voneinander los.

Wir erleben die Liebesgeschichte zweier imperfekter Menschen. Mr. Rochester ist unbeherrscht und amoralisch, Jane direkt und stur. Beide manipulieren sich gegenseitig, doch im Laufe der Geschichte wird immer offensichtlicher, dass es Jane ist, die ihren Beinahe-Ehemann im Griff hat, nicht umgekehrt. Als sie am Ende zu Rochester zurückkehrt, ist sie es, die die Bedingungen festlegt. Gleichzeitig hat sie aber auch, durch die Begegnung mit einem gewissen St. John Rivers, gelernt, dass es sie nicht zu dem 'perfekten' Mann hinzieht, sondern zu dem unvollkommenen Individuum, in dem sie sich selbst wiederfindet.

'Jane Eyre' lebt von seinen lebensnahen Charakteren, sprühenden Dialogen und dem Kontrast zwischen Romanze und Tragödie, der sich durch das ganze Buch zieht. Dass am Ende eins von beiden das andere überwindet, ist vielleicht nicht ganz realistisch, aber da wünscht man sich das Happy End schon viel zu sehr herbei und hat nicht die geringsten Einwände dagegen. Und von einem reinen Happy End zu sprechen, wäre ohnehin falsch: auch hier bleibt ein Schatten der Tragödie zurück.

Charlotte Brontë hat es geschafft, das Leben einer fiktiven Gouvernante im 19. Jahrhundert so einzufangen, dass man als Leser nicht anders kann als mitzufiebern und am Ende zu schmunzeln, wenn einer der berühmtesten Sätze der englischen Literatur fällt: 'Reader, I married him.'


The White Queen [DVD] [UK Import]
The White Queen [DVD] [UK Import]
DVD ~ James Kent
Wird angeboten von Assai-Sent2u
Preis: EUR 12,99

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen An sich selbst gescheitert, 12. September 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The White Queen [DVD] [UK Import] (DVD)
Wir befinden uns in England, anno 1464. Die junge, verwitwete Elizabeth Woodville stellt sich dem frischgekrönten König Edward IV. entgegen, um die Enteignung ihrer Söhne rückgängig zu machen. Ihre Familie steht auf lancastrischer Seite, er stammt aus dem Hause York und doch ist es Liebe auf den ersten Blick. Allerdings kann Elizabeth nicht ahnen, dass ihre Ehe mit Edward sie nicht nur zur Königin Englands machen, sondern sie auch tief in jene jahrzehntelangen Konflikte verwickeln wird, die gemeinhin als "Die Rosenkriege" bekannt sind.

Eine Fernsehserie, die auf einer Reihe historischer Romane basiert, stellt natürlich immer ein Risiko für einen Sender dar. Die Kostüme und Ausstattung können schlecht oder inakkurat sein, der Stoff zu kompliziert oder die Schauspieler nicht passend zu ihren historischen Gegenstücken. All dies trifft jedoch auf "The White Queen" nicht zu. Schauspieler, Stoff und Ausstattung harmonieren wunderbar und ergeben ein großartiges Gesamtbild. Und doch ist die Serie bei den meisten Kritikern durchgefallen. Schuld daran ist wohl das Drehbuch.

Ich weiß nicht, wer auf die Idee kam, den einzelnen Episoden unterschiedliche Autoren zuzuordnen, aber es war eine schlechte Idee. Die Figuren schwanken unvorhersehbar zwischen den Extremen, handeln inkonsequent und ändern ihren Charakter von Episode zu Episode. Es ist wohl nur den talentierten Schauspielern zu verdanken, dass wir mit ihren Rollen überhaupt mitfühlen können. Dabei bietet sich hier so viel Potenzial: Wir haben den begabten, aber vertrauensseligen König Edward, seine machtbewusste Frau Elizabeth, die tiefgläubige, aber sehr weltlich ambitionierte Margaret Beaufort, Mutter des lancastrischen Erben Henry Tudor, Lord Warwick, den Königsmacher, der eigene Ziele verfolgt und sich und seine Töchter in ein Netz voller Intrigen verwickelt, und viele, viele mehr. Am Beispiel der Rosenkriege zeigt sich, das nichts spannender ist als die Realität – und doch zerstören Philippa Gregory und die Autoren der Serie alles, indem sie völlig absurde Handlungsstränge hinzuerfinden. Ich will nicht zu viel verraten, doch gerade in den letzten Episoden kam ich aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr heraus. Besonders getroffen hat mich hierbei die Darstellung von Richard III. und seiner Frau, Anne, deren Romanze sich in den ersten Episoden wunderbar langsam entwickelt und sich dann von einer Folge zur anderen in eine kühle Vernunftehe verwandelt, in der sie ihn manipuliert und er sie mit seiner eigenen Nichte betrügt. Das tut nicht nur den realen Menschen, die hinter den Figuren stehen, extremes Unrecht, sondern verwirrt auch den Zuschauer ungemein. Ich war jedenfalls regelrecht schockiert, wie die Figuren je nach gebotener Situation ihren Charakter gänzlich änderten.

Als große Liebhaberin der englischen Geschichte, die lange auf eine Verfilmung der Rosenkriege gehofft hat, wollte ich diese Serie unbedingt mögen. Ich war auch durchaus bereit, einige historische Fehler in Kauf zu nehmen, schließlich erhebt die Serie nicht den Anspruch, die Geschichte korrekt wiederzugeben, sondern basiert auf den Romanen von Philippa Gregory. Aber das Drehbuch, welches sich ab Episode 6 rapide verschlechterte, machte es mir schlicht unmöglich, "The White Queen" mit der Begeisterung zu verfolgen, die ich der Serie sonst entgegengebracht hätte. Auch in einer Serie ohne Vorlage oder historischen Bezug hätte ich eine solche Inkonsequenz bei der Charakterentwicklung und dermaßen unlogische Handlungsstränge nicht akzeptieren können. Zum Teil tat es mir regelrecht weh, zu sehen, wie sich die Macher der Serie selbst ein Bein stellten und darüber stolperten. Für die ersten sechs Episoden hätte es von mir 4,5 Sterne gegeben, so kann ich guten Gewissens nicht mehr als drei erteilen. Das abrupte, absolut enttäuschende Ende der letzten Folge hätte mich fast noch einen abziehen lassen.

Für die Zukunft kann ich nur hoffen, dass sich das Interesse an der Thematik durch „The White Queen“ nicht erschöpft hat. Es gibt einige großartige Romane zur selben Epoche, die als Vorlage vielleicht besser geeignet wären. Ich kann „The Sunne in Splendour“ von Sharon Kay Penman wärmstens empfehlen.

Ein Wort noch zur DVD an sich: Es gibt keine englischen Untertitel, was für mich ebenfalls einen Kritikpunkt darstellt. Ansonsten ist der Schuber jedoch sehr schön gestaltet und es gibt ein informatives Booklet, das über den Hintergrund der Geschichte informiert, damit auch so mancher Geschichtsmuffel bei den vielen Figuren nicht den Überblick verliert. Der Soundtrack ist übrigens schön, wenn auch etwas gleichförmig gehalten. Dafür ist die Kameraführung mitunter sehr wacklig, aber das sind nur winzige Punkte, die auf meine Gesamtbewertung keinen großen Einfluss hatten.

Fazit: Diese Serie löst heftige Emotionen aus. Zum einen, weil man mit den Figuren und ihrer packenden Geschichte mitfiebert, zum anderen, weil man an einigen Stellen vor Frust am liebsten den Kopf gegen den Bildschirm schlagen möchte. Durch das niedrige Budget gab es viele Klippen, die die Macher der Serie gekonnt umschifft haben. Tragischerweise sind sie am Ende jedoch an sich selbst gescheitert.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 30, 2015 11:43 AM CET


A Divided Inheritance
A Divided Inheritance
von Deborah Swift
  Taschenbuch
Preis: EUR 11,73

2.0 von 5 Sternen Verschenktes Potenzial, 3. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: A Divided Inheritance (Taschenbuch)
Ermutigt von den guten Bewertungen auf dieser und anderen Seiten legte ich mir dieses Buch in der Erwartung zu, einen spannenden historischen Roman mit ausgefeilten Charakteren und vielleicht einer gut ausgearbeiteten Romanze zu lesen. Nichts davon trifft auf „A Divided Inheritance“ zu. Na ja, vielleicht der historische Roman.

Dabei wies das Buch zwei ganz besonders große Schwächen auf: Die Figuren und die Handlung. Erstere waren mir schon nach wenigen Seiten komplett unsympathisch. Während der ganzen Zeit, in der der Plot in London spielte und in der praktisch nichts für den späteren Verlauf der Geschichte Relevantes passierte, gab es keine einzige Person, deren Schicksal mich wirklich gekümmert hätte. Elspet Leviston, die mutmaßliche Heldin des Buches, ist ein Snob mit für die damalige Zeit ziemlich feministischen Einstellungen, so will sie zum Beispiel das Spitzen-Geschäft (um einem Missverständnis vorzubeugen, es wird mit Spitze gehandelt) ihres Vaters übernehmen. Sie opfert sich führ ihn auf, doch ihr Vater ignoriert sie lieber zu Gunsten seines Sohnes aus einer unehelichen Verbindung. Dass dieser gar nicht sein leiblicher Sohn ist, hätte vielleicht am Ende des Buches noch einmal für eine Überraschung sorgen können, wenn es nicht schon im Prolog verraten würde.

Statt jedoch etwas an ihrer Situation zu ändern, tut Elspet sich lieber selbst leid, spielt mit ihren Hunden und ihrem Dienstmädchen und verliebt sich Hals über Kopf in einen Fremden. Sehr feministisch also. Überhaupt hat Elspet ein Talent dafür, sich binnen weniger Tage in Männer zu verlieben, die sie kaum kennt… Später im Buch passiert das nämlich noch einmal. Dass sie später aus purem Egoismus das Leben ihrer Angestellten aufs Spiel setzt/opfert, macht sie nicht unbedingt sympathischer.

Auf der Liste der unsympathischsten Charaktere dieses Buches steht ganz oben jedoch unangefochten Zachary Deane. Er ist ein Dieb und Erbschleicher, der sich in einer fremde Familie einnistet, mit dem festen Plan, diese auszunutzen. Tatsächlich will er nach dem Tod seines vermeintlichen Vaters dessen geliebtes Geschäft einfach so verkaufen, um sich eine Ausbildung als Fechter zu finanzieren, ohne sich darum zu kümmern, wie viele Leben daran hängen. Er prügelt sich wegen stupider Kleinigkeiten und bestiehlt andere Leute aus purem Zeitvertreib. Vielleicht hätte er damit noch das Talent zu einem unterhaltsamen Bösewicht, wenn einen die Autorin nicht die ganze Zeit daran erinnern würde, was für ein mitleidserregender, fehlgeleiteter junger Mann Zachary doch eigentlich ist. Eine schwere Kindheit und die angebliche Unfähigkeit, sich Menschen zu öffnen, die „Angst vor der Liebe“, wie Zachary es selbst nennt, sollen sein Handeln begründen, wirken im Zusammenhang mit diesem Charakter aber einfach nur lächerlich.

Noch ein paar Worte zur Handlung: Sie ist völlig ungeordnet, teilweise zusammenhangslos und über weite Strecken einfach nur langweilig. Die Unterdrückung bestimmter religiöser Minderheiten, wie den Katholiken in England und den Moslems in Spanien, hätte für einen mitreißen Subplot sorgen können, doch der moralische Zeigefinger, den die Autorin hierbei auspackt, verdirbt einem jegliche Anteilnahme am Schicksal der Betroffenen, teilweise fühlt man sich in die Rolle des Täters gedrängt. Auch die fehlende Logik regt einen teilweise auf. Die Männer in der Fechtschule müssen den ganzen Tag Geometrie pauken und den Boden wischen, aber eine Frau darf einfach so mitkämpfen? Dazu kommen klischeehafte Nebencharaktere, insbesondere völlig unausgearbeitete Bösewichte.

Die Romanzen, die in diesem Buch auch abgehandelt werden, erweisen sich als unbefriedigend. Die ganze Zeit wartet man darauf, dass endlich etwas passiert und die Protagonisten die Konsequenzen aus ihren Gefühlen ziehen, doch am Ende wartet man vergeblich auf eine Aussprache oder auch nur einen Kuss. Das Ende lässt einen mit dem Gefühl zurück, dass hier definitiv etwas fehlt… Doch da es keine Fortsetzung gibt, wird dieser Eindruck wohl bleiben. Sollte es eine geben, bin ich mir allerdings nicht einmal sicher, ob ich sie lesen würde.

Am Ende ist es nicht die Geschichte an sich, die mich aufregt. Tatsächlich ist das Buch mit etwas geringeren Ansprüchen gelesen sicher nicht schlecht und einigermaßen unterhaltsam. Das verschenkte Potenzial, das aus diesem Roman spricht, verdirbt einem jedoch sämtliche Lesefreude. „A Divided Inheritance“ hätte ein großartiger Schmöker werden können. So ist es nur ein schnell vergessener Ausflug in eine Ära, die zwischen den Seiten trotz aller bunten Beschreibungen seltsam farblos bleibt.


Der bunte Schleier
Der bunte Schleier
DVD ~ Naomi Watts
Preis: EUR 4,97

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Tragödie einer Ehe vor großer Kulisse, 15. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Der bunte Schleier (DVD)
Alte Schwarz-Weiß-Aufnahmen, verwelkende Blüten und Cholerabakterien in starker Vergrößerung - so beginnt 'Der bunte Schleier.' Schon die ersten Bilder stimmen den Zuschauer auf das ein, was kommen wird.

Ein Schnitt und wir sehen ein Paar in der exotischen Landschaft des tropisch-feuchten Chinas der 20er Jahre. Die junge Frau wirkt schon auf den ersten Blick fehl am Platze, ein Fremdkörper, der neben den beistehenden chinesischen Arbeitern mit ihren wettergegerbten, vom Leid gezeichneten Gesichtern umso grotesker erscheint.

Die Szene wechselt, dieses Mal ist es eine Party in illustrer Gesellschaft, die gezeigt wird, ein Rückblick. Hier ist es der Mann im Anzug, der deplatziert wirkt und beinahe scheu zu der hübschen jungen Frau hinüberblickt, die ganz in ihrem Element zu sein scheint. Wenig später macht er ihr einen Heiratsantrag. Es sind nur wenige Minuten vergangen und schon drängt sich dem Zuschauer unweigerlich die Frage auf: Eine Ehe zwischen diesen beiden - kann das gutgehen?

Natürlich nicht. Dafür haben Walter Fane und seine Angetraute Kitty viel zu wenig gemeinsam. Er ist ein studierter Bakteriologe, ein Pyjamaträger mit schüchternem Lächeln, der nicht redet, wenn es keinen unmittelbaren Grund dazu gibt. Sie ist eine Herzensbrecherin, die hinter einem Mantel von feministischem Selbstbewusstsein die Abneigung gegen das Erwachsenwerden verbirgt und Walter nur heiratet, um Mutter und Schwester ein Schnippchen zu schlagen. Beide leben aneinander vorbei, langweilen einander zu Tode, kommen auf keinen gemeinsamen Nenner. Schließlich ist es Kitty, die versucht, der Monotonie, bei der die größte abendliche Attraktion ein Kartenspiel ist, zu entkommen, indem sie eine Affäre mit einem verheirateten Mann beginnt. Daraufhin stellt ihr Mann sie vor eine harte Wahl: Entweder er macht den Ehebruch öffentlich und lässt sich von ihr scheiden, oder sie begleitet ihn in ein abgelegenes, von der Cholera heimgesuchtes Dorf, wo er gegen die Krankheit kämpfen will.

'Der bunte Schleier' ist ein Film, der von zwei Dingen lebt: Der einzigartigen Atmosphäre des Chinas vergangener Tage und der Chemie zwischen den Darstellern. Dem Zuschauer bietet sich die ganze Tragik zweier Menschen, die einander nicht verstehen können und deswegen in selbstgewählter Isolation ihrem eigenen Unglück frönen. Dabei merken sie erst langsam, ausgelöst durch das sie umgebende Leid, dass es ihr eigener Egoismus ist, der sie in diese Lage gebracht hat. Große Landschaftsaufnahmen und kleine Gesten begleiten, untermalt von dem exotisch-melancholischen Soundtrack Alexandre Desplats, die langsam und eindringlich erzählte Geschichte der entfremdeten Eheleute, die nach einer Zeit absolutem Schweigens erst wieder lernen müssen, miteinander zu reden - bis sich die quälende Spannung zwischen ihnen schließlich entlädt. Und doch steht ihnen das größte Leid noch bevor.

Es ist kein fröhlicher Film, aber ein bewegender. Trotz der langsamen Erzählweise nimmt einen das Schicksal der Figuren unweigerlich mit. Dazu tragen auch die bemerkenswerten schauspielerischen Leistungen bei, u. a. von Toby Jones als aufmerksamem Nachbar Waddington, Anthony Wong als würdevollem Colonel Yu und Diana Rigg als nonchalanter Mutter Oberin. Naomi Watts überzeugt in der weiblichen Hauptrolle, doch der wahre Star des Films ist Edward Norton, dessen Mimik und Gestik tausendmal mehr sagen als die wenigen Sätze, zu denen sich seine Rolle hinreißen lässt.

Zum ersten Mal seit langem hat mich ein Film wieder berührt und mitgenommen. Die Art, wie 'Der bunte Schleier' die Balance zwischen Romanze, Tragödie und großem Panorama hält, ist außergewöhnlich. Es trifft ins Herz und beschäftigt einen noch lange nachdem der Abspann gelaufen ist. Ein Film, den man sich immer wieder ansehen kann und der einen immer wieder bewegt.


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