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Beiträge von WoMo
Rang der Rezensentin/des Rezensenten: 569
Hilfreiche Bewertungen:
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Rezensionen verfasst von WoMo "wo_mo" (Graz)
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
toller Überblick, 28. November 2007
Religion in Brasilien? Viele LeserInnen denken wahrscheinlich daran, dass Brasilien das größte mehrheitlich katholische Land ist, manchen werden der aus Vorarlberg stammende Bischof Erwin Kräutler und Konflikte zwischen dem Vatikan und einzelnen besonders engagierten Befreiungstheologen wie Leonardo Boff einfallen. Auch afro-brasilianische Riten und spiritistische oder esoterische Strömungen haben in Europa eine gewisse Bekanntheit erreicht.
Franz Höllinger, Brasilien-Experte und Professor am Institut für Soziologie der Karl-Franzens-Universität Graz mit dem Forschungsschwerpunkt Religion, stellt in diesem wissenschaftlich fundierten und durch eine klare Sprache leicht lesbaren Band die religiöse Kultur des modernen Brasilien mit seiner außergewöhnlichen Vielfalt und Dynamik dar. Das Spektrum reicht von archaischen Formen des Spiritismus über den Volkskatholizismus, die katholische Befreiungstheologie und die charismatische Erneuerungsbewegung bis hin zu den Pfingstkirchen.
Besonders interessant ist aus europäischer Sicht, dass in Brasilien religiöse Riten und Empfindungen das tägliche Leben fast aller Gesellschaftsschichten durchdringen - auch heute noch, nach Jahrzehnten der Urbanisierung und Industrialisierung weiter Landesteile. Gleichzeitig spiegeln sich in der Vielfalt der Glaubenspraktiken und -vorstellungen die sozialen Schichtungen und historischen Entwicklungen der Modernisierung in einer postkolonialen Gesellschaft.
Das Buch ist das erste deutscher Sprache, das einen umfassenden Überblick über die religiöse Kultur der letzten 150 Jahre in Brasilien gibt. Ein Glossar erklärt die wichtigsten brasilianischen Fachbezeichnungen religiöser Riten; leider fehlt ein Inhaltsverzeichnis, auch wenn klare Kapitelüberschriften und ein logischer Buchaufbau das Auffinden von einzelner Themen erleichtert.
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Das Palmenhaus
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von Tareb Eltayeb Broschiert |
| Preis: EUR 24,00 |
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| Verfügbarkeit: Auf Lager. |
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Ein Glashaus für Palme und Mensch, 9. Februar 2007
Den jungen Sudanesen Hamza kennen wir bereits aus Tarek Eltayebs erstem Roman Städte ohne Dattelpalmen". Aus einem Dorf am kargen Rand der tödlich wachsenden Wüste muss er in den Norden, in die nächste Stadt, in die Hauptstadt, dann nach Ägypten und schließlich nach Europa fliehen und lernt dabei Einsamkeit, falsche Freunde und soziale Abgründe kennen.
Seit einigen Jahren lebt er nun als Kolporteur der Kronen-Zeitung in Wien. Der einzige Freund ist seine Katze - bis er Sandra begegnet, die ihm
eine völlig neue Welt eröffnet: Sie zeigt ihm das Palmenhaus, das für ihn zum Ort der Geborgenheit und der Wärme wird. Hier kann er seinen Erinnerungen und Träumen nachhängen.
Nicht nur Hamza lebt in mehr als einer Kultur, auch das Buch ist vielschichtig. Die gegenwärtige und von seiner Liebe zu Sandra geprägte Handlungsebene wird im Präsens erzählt, dazwischen erinnert er sich an seine zweite Reise nach Europa, von den Gräbern seiner Familie über eine Zwangsrekrutierung im sudanesischen Bürgerkrieg bis in jene Stadt, deren Namen er aus einem populären arabischen Lied kennt: Wien ist ein Garten im Paradies!" Die Erzählstränge der Gegenwart und der Vergangenheit, die in ihrer Stimmung oft gegengleich verlaufen, kreuzen sich im Buch an kleinen Zeichnungen einer Dattelpalme. Die Palme im Schönbrunner Glashaus ist oft Auslöser für zeitlose Träume, Tore zu Hamzas poetischer Gedankenwelt und zu seiner prophetischen Phantasie. Auch Eltayebs selbst gestaltete Illustrationen am Buchumschlag und an den Kapitelanfängen zeigen die drei bestimmenden Elemente des Buches: Palmen, Häuser und Menschen.
Das Palmenhaus" ist ein beeindruckendes, abwechslungsreiches und spannendes Buch über ein Leben im Sudan, die lange Reise in den Norden und ein Außenseiterdasein in Wien. Die Innensicht eines Migranten spart nicht mit Kritik an Fremdenfeindlichkeit, Rechtlosigkeit und Ausbeutung.
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Aufgabenorientierung: Wie soll sich der Fremdsprachenunterricht entwickeln?, 7. November 2006
Zum Unterschied von den vorangegangenen Bänden dieser Reihe (Arbeitspapiere der Frühjahrskonferenzen zur Erforschung des Fremdsprachenunterrichts) zum GERS (2003) und zu den Bildungsstandards (2005) war diesmal nicht ein gedruckter Text Ausgangspunkt der Tagung, sondern ein wesentlich vageres, auch noch nicht direkt umsetzbares methodisch-didaktisches Konzept (vgl. Leitfrage 3, s.u.).
Dadurch beschäftigten sich die Beiträger häufig mit terminologischen und konzeptuellen Definitionen, weniger mit Anwendungen von Aufgaben im Fremdsprachenunterricht. Die Inhalte der einzelnen Aufsätze sind in Summe ziemlich heterogen.
Wichtig ist in vielen Beiträgen die Abgrenzung zwischen prozessorientierten Aufgaben zur Erarbeitung neuer Kompetenzen (Lernaufgaben) und Testaufgaben. Erstere sehen zahlreiche Wissenschaftler, sofern sie von den Lehrenden bewusst eingesetzt werden, auch als Grundlage autonomen Lernens. Deshalb sollte die Aufgabenorientierung Teil der Lehreraus- und -fortbildung sein.
Im Vorfeld der Konferenz wurden Antworten auf vier Fragen erbeten:
1) Welche Konzepte von Aufgabenorientierung im Fremdsprachenunterricht sind aus Ihrer Sicht für das Lehren und Lernen fremder Sprachen zentral?
2) Welche Perspektiven ergeben sich Ihres Erachtens aus den Konzepten, die Sie unter Ziffer 1 entwickelt haben, für den Fremdsprachenunterricht?
3) Bisher ist das aufgabenorientierte Lehren und Lernen im Fremdsprachenunterricht weder durch Grundlagenforschung noch durch Begleit- und Wirkungsforschung begründet und ergründet worden. Welchen Beitrag können die mit dem Lehren und Lernen fremder Sprachen befassten Wissenschaften in diesem Zusammenhang leisten? Welche Forschungsfragen können sie stellen?
4) Wie kann die Zukunft des Lehrens und Lernens fremder Sprachen aussehen, wenn eine Aufgabenorientierung konsequent berücksichtigt wird? Welche Konsequenzen ergeben sich vor dem Hintergrund der jüngsten Diskussion um Kernlehrpläne und Kompetenzen?
In folgenden Beiträgen wurden m.E. die Leitfragen besonders ausführlich, kreativ oder sehr praxisrelevant beantwortet. Ich möchte sie deshalb zur Lektüre empfehlen und in einigen Stichworten die Inhalte angeben:
Herbert Christ "Lernaufgaben als Steuerungsinstrumente?" (Seite 43)
Definition von Aufgaben (task) auf der Basis des GERS in Form von praxisrelevanten Merkmalslisten für Aufgaben und Aufgabenorientierung;
Desiderate in der Lehrerausbildung; Vorstellung eines Projekts zum Sprachenportfolio
Frank G. Königs "Aufgabenorientierung als Aufgabe. Überlegungen zur aktuellen Diskussion um ein 'neues' Konzept für den Fremdsprachenunterricht" (Seite 115)
Begriffliches (Aufgabe Übung); Bezug von Aufgaben zu sprachlichen und kognitiven Handlungen, language learning awareness, Lern- und Kommunikationsstrategien und Fremdsprache als Arbeitssprache; gibt es Aufgaben in Lehrwerken? oder sind das nur Übungen?
Hans-Jürgen Krumm "Können oder Handeln - die Funktion von Aufgaben für das Lehren und Lernen von Sprachen" (Seite 123)
Didaktische Funktionen von (Lern-)Aufgaben: Selbständigkeit des Sprachhandelns (Lernerautonomie), prozessorientierter Unterricht;
3 Ebenen der Kommunikation und Arbeit in der Klasse: gemeinsame Arbeit - personalisierte Arbeit (vertiefte Bearbeitung) Präsentation;
Lernaufgabe Testaufgabe
Gefahr durch Bildungsstandards: prüfungsorientiert, Ergebnis könnte wichtiger werden als der Prozess der Lösung;
zielgerichtetes und zielbewusstes Lernen als Voraussetzung für die positive Nutzung von Aufgaben
Michael K. Legutke "Aufgabe - Projekt - Szenario. Über die großen Perspektiven und die kleinen Schritte" (Seite 140)
Konstrukt Aufgabe (1) zur Organisation konkreter Lern- und Lehrprozesse in der Klasse, (2) für die Entwicklung von Curricula und Unterrichtsmaterialien, (3) für die Lehreraus- und -fortbildung, um Lernerfahrung zugänglich und reflektierbar zu machen, (4) als Fenster zu psycholinguistischen und sozialen Prozessen;
Wichtig: Verknüpfung/Sequenzierung von Aufgaben
Franz-Joseph Meißner "Lernerautonomisierung durch Aufgaben? Aufgaben als Teil einer neuen Evaluationskultur für offene und eng steuernde Lehr-/Lernkonzepte" (Seite 159)
Verbindungen zu Lernerautonomie/Selbststeuerungskompetenz (auch mit neuen Medien), Interkomprehensions- und Mehrsprachigkeitsdidaktik, ESP;
Aufgaben zur Unterstützung der Autonomisierung und Selbststeuerungskompetenz durch Aufgaben fehlen noch
Andreas Müller-Hartmann "Vom Referenzrahmen über die Bildungsstandards ins Klassenzimmer - Aufgabenorientierung von oben oder von unten?" (Seite 171)
Auseinandersetzung mit aufgabenorientierten Konzepten und Implementierung von unten (durch Lehrende) als Ergänzung zu Vorgaben von oben (GERS, Bildungsstandards) Aus- und Fortbildung der Lehrenden;
Perspektiven: Unterrichtsbegleitforschung/Aktionsforschung und aufgabenorientiertes Lehren und Lernen in der Lehrerbildung werden notwendig
Paul R. Portmann-Tselikas "Was müssen Lehrende über Aufgaben wissen?" (Seite 182)
Aufgaben (d.h. Aufforderungen zu komplexen Aktivitäten) als Lenkungsinstrumente;
4 Dimensionen:
(1) Passung (muss dem Stand der Lernenden und den Rahmenbedingungen des Unterrichts entsprechen),
(2) Relevanz (Lernziele müssen durch die Aufgabe thematisiert und erarbeitet werden können),
(3) Effizienz (Aufgabe soll dem Wissen über das allgemeine und fachliche Lernen Rechnung tragen),
(4) Verständlichkeit, Transparenz, Stimulanz (adressatengerecht);
Aufgabe ist mehr als Aufgabenformulierung (für Lernende, keine vollständige Information über Ziele, Beurteilung usw.)
Wolfgang Zydatiß "Stehen wir vor einem meltdown der Persönlichkeitsbildung im schulischen Fremdsprachenunterricht? - Vermutlich ja, aber gerade deshalb sollten empirisch erprobte, integrierte Lern- und Überprüfungsaufgaben für diese Bereiche entwickelt werden! (Seite 256)
Dimensionierung von fremdsprachlichen Aufgaben an den Achsen focus on form focus on meaning und high personal involvement low personal involvement (interessante Grafik)
Aufgaben oft mit Testen und assessment assoziiert: Verbindung von Lern- und Überprüfungsaufgaben (strikte Trennung wäre kontraproduktiv) im Sinne der Rechenschaftspflicht (accountability) von Lehrenden
integriertes Konzept der Aufgabenorientierung: Schule braucht Kompetenzentwicklungsaufgaben und Referenzaufgaben zur variablen Leistungsentwicklung von Lernenden; diese Aufgaben müssen (1) durch Verzweigung = Kompetenzbereiche (branching) und (2) Abstufung = Kompetenzniveaus (scaling) differenziert werden;
sachbezogene Vergleichsnormen (benchmarking) sind für Kompetenzbereiche und Aufgabentypen nötig
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Kubaner demontieren den Mythos Kuba, 2. November 2006
In Kuba sehen viele Linke und Intellektuelle auch gegen Ende der Herrschaft Fidel Castros einen vergleichsweise gelungenen Versuch eines Sozialismus mit hohen Sozial- und Bildungsstandards ...
Wie aber stehen kubanische Intellektuelle zur Politik ihrer Heimat, zum Mythos Kuba? Carlos A. Aguilera, 2003/04 Stipendiat in Graz, versammelt Essays von neun in Europa weitgehend unbekannten Schriftstellern, die zwischen 1956 und 1978 geboren wurden und in den Neunzigerjahren in Kuba zu publizieren begannen. Nur zwei leben auch heute noch dort. Die anderen, darunter auch Aguilera, sind im Exil in Deutschland, Mexiko, den USA oder in Spanien.
Die kubanischen Intellektuellen, konstatiert Rafael Rojas in seinem Beitrag Kultur und Macht in Kuba, seien aktiv daran beteiligt gewesen, aus der karibischen Insel ein Symbol für Frieden und Freiheit zu machen, wodurch sich ihren theoriegeladenen Diskursen immense Felder eröffneten, während ihre persönliche Freiheit in der Praxis stark beschränkt wurde. Die Kultur der Intellektuellen wurde nach kurzer Aufbruchsstimmung angesichts der repressiven Macht autonomer und kritischer, bis es schließlich zu einer kompletten Spaltung kam. Doch wird der bald erwartete intellektuelle Wiederaufbau des Landes unbedingt auch die intellektuellen Kräfte und den kulturellen Austausch benötigen. Rolando Sánchez Mejías beschreibt das uneingeschränkte Regime Kubas mit persönlichen Konsequenzen: Die Natur oder Beschaffenheit des Totalitarismus, unter dem man gelebt hatte, in Zweifel zu ziehen, hieß, mit seinem eigenen Leben zusammen zu stoßen.
Die leere Utopie ist kein einfaches Buch, es nennt zahlreiche hierzulande kaum bekannte Intellektuelle, setzt Details aus der kubanischen Geschichte voraus und zitiert längst vergessene marxistische Klassiker der Fünfziger- und Sechzigerjahre. Ein umfangreiches Glossar oder ein Exkurs zur Geistesgeschichte Kubas von 1959 bis heute hätte vergebliches Nachschlagen in unzureichenden Enzyklopädien häufig erspart. Aguileras Auswahl bildet dennoch ein anspruchsvolles Buch, das geeignet ist, überkommene Klischees von Kuba in Frage zu stellen und profunde Informationen über dieses mythisch überhöhte Land zu liefern.
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Eine andere Welt ist möglich!, 24. April 2006
"Eine andere Welt ist möglich" war das Motto der Weltsozialforen in Porto Alegre. Ja, aber ... Welche Möglichkeiten hat denn Politik angesichts des Zusammenbruchs ganzer Nationalökonomien? Welche Bedeutung hat heute ein Nationalstaat, dessen Wirtschaftsleistung und dessen Wirkungsbereich von internationalen Konzernen beschnitten wird? In welcher konkreten Gesellschaftsform ist partizipative Demokratie zum Wohl der Bevölkerungsmehrheit überhaupt möglich?
Unter der Führung Leo Gabriels, des Leiters des Ludwig Boltzmann-Instituts für zeitgenössische Lateinamerika-Forschung in Wien, untersuchte ein Dutzend Forschungsinstitute aus Lateinamerika und Europa im Rahmen des von der EU finanzierten sozialwissenschaftlichen Projekts "Latautonomy", ob und inwieweit multikulturelle Autonomie eine Voraussetzung für nachhaltige Entwicklung ist. Dazu wurden lebendige Beispiele von autonomen - oft indigenen- Gesellschaftsformen in zwölf Regionen Lateinamerikas sowie in Katalonien und in Dagestan und Tschetschenien in Russland eingehend erforscht.
Das Buch, ergänzt durch eine Datensammlung in spanischer Sprache auf CD und eine umfangreiche Dokumentation unter www.latautonomy.org, präsentiert ausführliche und strukturierte Ergebnisse der Feldforschungen und vertiefende Analysen. Insbesondere die zehn Hypothesen für eine neue Demokratie vom Herausgeber Leo Gabriel führen die scheinbar unbegrenzte Vielfalt von politischen und sozialren Formen, von Typen und Variablen zusammen, lassen in knappen Formeln und kurz gefassten Überblicken das Gemeinsame erkennen.
Die durchgehende Lektüre der 440 Seiten ist für die LeserInnen eine Herausforderung; aber aus allen oft heterogenen und nicht immer gut aneinander anschließenden Beiträgen geht ein "Vorschlag Lateinamerikas für andere Weltregionen" (Seite 11) hervor, allerdings kein geschlossenes Modell, kein -ismus, sondern offenes Strukturkonzept für ein Netzwerk von offenen Gemeinschaften, für kulturelle Identitäten und selbstbestimmte Lebensräume.
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7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Standardwerk auch nach vielen Jahrzehnten, 2. März 2006
F. de Saussure wird oft als Begründer der modernen Sprachwissenschaft gesehen, und viele der Beschreibungsmuster für Sprachphänomene erfreuen sich noch heute großer Beliebtheit: Sprache als (Schach-)Spiel, die Untrennbarkeit von Bezeichnung und Bezeichnetem ("untrennbar verbunden wie die beiden Seiten eines Blattes Papier"), die Unterscheidung von langue, parole und langage und von Diachronie und Synchronie, ... Doch war seine Untersuchung der Sprache nur Teil einer allgemeinen, erst auszubildenden Wissenschaft der Zeichensysteme, der "sémiologie", die man heute allgemein eher als Semiotik bezeichnet. Diese Wissenschaft wäre wiesderum Teil der allumfassenden Wissenschaft vom Menschen, der Sozialpsychologie. Warum heißt das Buch dann dennoch nur "Grundfragen der Allgemeinen Sprachwissenschaft (Cours de linguistique générale)"? Es entstand aus Vorlesungsskripten zum Thema Sprache, die von seinen Schülern Charles Bally und Albert Sechehaye nach seinem Tode zu einem Buch zusammengefasst wurden.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Auf dem Weg ins große Paradies, 10. Februar 2006
Wo finden Wüstenbewohner Ruhe und Heimat? In der neuen, blühenden Stadt, wo sie als sesshafte Bauern die Wüste in fruchtbares Land verwandeln werden? Oder auf ihren entbehrungs- und doch erlebnisreichen Wanderungen durch die Sahara? Die Lebensgeschichte eines Stammesführers durchsetzt sich mit realen, dennoch sagenhaft verklärten Erlebnissen und mit Mythologien des Lebensalltags, wird zu Traumwelten, zu einem Weisheitsbuch, das zwar für alle Fragen Antworten bereithält, doch nicht vorschnell offenbart, welche Antworten zu welchen Fragen passen. Auch der Seher des Nomadenstammes oder die mythische Dichterin locken die Leser mit ihren allegorischen Worten in einen philosophischen, oft auch verwirrenden Roman vom Wechselspiel zwischen der Verheißung paradiesischer Sesshaftigkeit und der tief sitzenden Überzeugung, dass nur das Wanderleben der Väter einen Abglanz an ein Goldenes Zeitalter der Tuareg erlaubt. Auch Ibrahim al-Konis Lebensweg führte vom Nomadentum in die Städte. 1948 geboren, wuchs der Tuareg in der libyschen Wüste auf und lernte erst in der Schule Arabisch. Nach dem Studium der Literatur in Moskau arbeitete er als Journalist in Polen und Russland. Seit 1993 lebt Ibrahim al-Koni in der Schweiz. Er hat zahlreiche Romane und Erzählungssammlungen veröffentlicht; bisher acht Bücher übersetzte Hartmut Fähndrich ins Deutsche und veröffentlichte sie in der von ihm selbst betreuten, umfangreichen arabischen Reihe des schweizerischen Verlags Lenos. Auf der Suche nach der Verheißung führt Ibrahim al-Koni seine Leser über das Leben des Stammesführers hinaus in den ortlosen Ort und in die zeitlose Zeit: „Es war ein Ort, der noch keiner geworden war, und eine Zeit, die sich noch nicht in Zeit verwandelt hatte.“ (Seite 39) Dort, am fernen Horizont der irdischen Gewissheit, bei den mythischen Verwandten der Tuareg, den Menschen des Himmels, den Zugvögeln, ist – vielleicht, aber letztmöglich nicht für alle – ein Paradies.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Archäologie - spannend und eindrucksvoll, 30. November 2005
256 meist reich illustrierte und eng beschriftete Seiten umfasst der Bildband von Richard H. Wilkinson, Ägyptologe an der Universität Arizona, in dem über Geschichte, Bauweise, Funktion und Entdeckungs- und Forschungsgeschichte der ägyptischen Tempel ausführlich informiert wird.Wenn neben aktuellen Fotos von eindrucksvollen Ruinen altägyptische Reliefs mit Darstellungen von Tempelanlagen oder vom Tempelbau gestellt werden, gibt der Autor Gelegenheit die Tempel auch mit den Augen der alten Ägypter zu betrachten. Besonders imponierend ist dies in den Abschnitten über die Architektur und die Symbolik der bis zu 5000 Jahre alten Sakralbauten. Der Hauptteil des Buches ist ein von Fotos und Plänen ergänztes Verzeichnis aller heute noch sichtbaren Tempel und Sakralruinen von Nubien bis zum Nildelta. Die Welt der Tempel im alten Ägypten von Richard H. Wilkinson ist ein spannende und auch für interessierte Laien gut verständliches Buch, das m.E. nur einen einzigen Fehler hat: der dem englischen Original entsprechende Seitenaufbau belässt dem deutschen Text trotz kleiner Buchstabengröße nicht genügend Platz, die Seiten sind viel zu dicht beschrieben. Denn auch die englische Ausgabe hat 256 ident gestaltete Seiten, doch ist der englische Text um rund ein Drittel kürzer. Vielleicht wäre ein größeres Format als 19 x 25 cm geeigneter gewesen.
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Das Klavier im Nebel
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von Eginald Schlattner Gebundene Ausgabe |
| Verfügbarkeit: Derzeit nicht verfügbar. |
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31 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
"Geschichte trennt, aber Geschichten, die schaffen Nähe", 23. November 2005
… schreibt der 72-jährige Siebenbürger Pfarrer aus Rothberg/Rosia und Autor auf Seite 361. Aus eigener Anschauung weiß er, dass es offensichtlich nur einen Weg gibt, wie sich Rumänen, Siebenbürger Sachsen, Ungarn und Zigeuner gemeinsam und zum gegenseitigen Gewinn Siebenbürgen als ungeteilte Heimat bewahren können. Das ungezwungene und in diesem Buch – wie in allen Werken Schlattners – weitläufige Erzählen von ernsten und heiteren Begebenheiten aus der sonst kargen und brutalen Nachkriegszeit (1948 bis 1951) eröffnet einen vielfältigeren Zugang, der mehr als die Sichtweise nur einer Nationalität oder einer einzigen sozialen Klasse ermöglicht. Nichts blieb für den Lebensweg des Fabrikantensohns Clemens Rescher so, wie ihn Eltern und Großeltern geplant hatten: Während einer Zugsreise aus Siebenbürgen in den Banat erinnert sich der Heranwachsende an seinen inhaftierten Vater, der sich der Verstaatlichung seiner Sonnenblumenölfabrik widersetzte, an seine untergetauchte Mutter und seine konsequent konservative Großmutter, die in ihren eigenen Pferdestall einquartiert wurde. Der ihm vorbestimmte Lebensweg als Erbe des Familienbetriebs ist abgeschnitten. Er muss in einer Fabrik arbeiten, besucht abends ein rumänisches Lyzeum. Auch alle seine Liebschaften, in denen er jeweils Mädchen anderer nationaler oder sozialer Herkunft begegnet, beginnen hoffnungsvoll und enden glücklos. Die Rumänin Rodica präsentiert sich als große Liebe. Mit ihr reist er ans Schwarze Meer, um nach ihrer verbannten Familie und seiner geflüchteten Mutter zu suchen. Er entdeckt die für ihn fremde Welt der Rumänen, sieht die Hauptstadt Bukarest zum ersten Mal und muss feststellen, wie wenig die Völker Rumäniens voneinander wissen: In Constanza wird dem Paar sogar verboten, deutsch zu sprechen, die Sprache des faschistischen Feindes. Der Securitate-Offizier weiß nichts von einer deutschen Minderheit in Rumänien … Das Klavier ist ein leises Leitmotiv, das sich durch alle Handlungsstränge des Romans zieht: Beim vierhändigen Spiel auf dem Klavier, dem Zentrum jedes großen und gut bürgerlichen Haushalts, lernte Rescher die sächsische Bürgerstochter Isabella und auch Rodica kennen. Auf der Suche nach einem Klavier freundet er sich mit einem jüdischen Musikhistoriker an, von dem er – und mit ihm der Leser – viel über das Schicksal der jüdischen Bevölkerung Siebenbürgens und die Musiktradition im Land seiner Heimat erfährt. Doch ist das Klavier durch seine Größe bei Umsiedlungen im Wege, dient dennoch auch als Notunterschlupf auf freiem Felde und ist zur therapeutischen Beschallung von milcharmen volkseigenen Kühen im Arbeiterstaat gerade noch geduldet. Am Ende des Buches steht die Deportation der Banater Verwandten Reschers. Am Bahnsteig bleibt ein Klavier im Nebel zurück. Eginald Schlattner lässt das multikulturelle Siebenbürgen, das vielleicht gar nicht so weltoffen und modellhaft tolerant war, wie man es heute gerne sähe, in seinen Büchern für die Phantasie seiner Leser wiedererstehen. Er weiß, wie man auch von schlimmen Zeiten humorvoll erzählen kann. Die europäische Geschichte ist zu wertvoll, um sie der nationalen Geschichtsschreibung zu überlassen.
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
"Die Abkehr vom Leben ist Sünde.", 16. November 2005
Nagib Machfus, der greise ägyptische Literaturnobelpreisträger (geb. 1911), denkt über sein Leben und das der Menschen aus seiner Umgebung nach: Schulfreunde, Kellner, im Stadtviertel verruchte Frauen, Bettler und andere porträtiert er in knappen Worten, immer im Rahmen eines Erlebnisses, das über den geschilderten Augenblick hinaus weist. In den kurzen, selten mehr als halbseitigen Prosatexten, beschreibt er Schicksale, stellt in Parabeln und Aphorismen die Fülle möglichen Daseins dar, nicht ohne Bewunderung für das Leben und die Lust am Leben."Das Leben ist in sich genug, wenn es von Nagib Machfus, diesem zarten und, skeptischen und unbeugsamen Jäger der Erlösung, furchtlos und allumfassend gewogen und für gut befunden wurde." schreibt Nadine Gordimer in einem sehr persönlichen und tief gehenden Nachwort. Dem ist nichts hinzuzufügen.
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