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Rezensionen verfasst von
Psylaw

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»Jetzt geht es um mich«: Die Depression besiegen - Anleitung zur Selbsthilfe
»Jetzt geht es um mich«: Die Depression besiegen - Anleitung zur Selbsthilfe
von Josef Giger-Bütler
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

30 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hilfe zur Veränderung, 11. Juli 2010
In seinem dritten Buch beschäftigt sich Dr. Josef Giger-Bütler mit den Möglichkeiten, wie depressive Menschen wieder zu sich finden und sich aus der Endlosschleife depressiven Denkens und Verhaltens (selber) befreien können. Insofern handelt es sich um eine konsequente Fortsetzung seiner ersten Bücher, welche die Entstehungsbedingungen ("Sie haben es doch gut gemeint") und die Behandlungsmöglichkeiten ("Jetzt geht es um mich") fokussieren.

Das erklärte Ziel des aktuellen Werkes, namentlich die Anleitung zur Selbsthilfe, soll den depressiven Menschen Hinweise und Anregungen geben, sich quasi im Eigenstudium mit dem Phänomen Depression sowie den eigenen depressiven Mustern auseinanderzusetzen. Dabei wird vom Autor jedoch ausdrücklich betont, dass die Inhalte vornehmlich als Begleithilfe zu verstehen sind, damit depressive Menschen die oftmals unüberwindbar erscheinende Hürde, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, bestmöglich überwinden können. Der mögliche Anspruch von Leserinnen/Lesern (aber auch von potentiellen Kritikern), dass depressive Menschen nach der Lektüre des Buches symptomfrei durchs Leben schreiten, ist weder gänzlich realisierbar noch entspricht es der primären Intention des Autors.

Das Buch bieten den Betroffenen insbesondere zwei Dinge: Einsicht und Verständnis. Mit klaren Worten und anschaulichen Beispielen verdeutlicht Josef Giger-Bütler die Problematik depressiven Denkens und beantwortet dadurch zahlreiche Fragen, welche depressive Menschen tagtäglich beschäftigen. Dabei werden die Denk- und Verhaltensmuster depressiver Menschen weder tabuisiert noch dramatisiert, sondern mit grosser Empathie und Einfühlungsvermögen verdeutlicht. Die Schwierigkeiten der betroffenen Personen werden jederzeit ernst genommen und es wird eindrücklich veranschaulicht, dass es für ihre Probleme auch tatsächlich Hilfe gibt. Und: Diese Hilfe können sich Betroffene in weiten Teilen selber bieten. Dazu ermutigt das Buch und zeigt den diesbezüglichen Weg allgemein verständlich auf. Die zu diesem Zweck verwendeten Wiederholungen sind Mittel zum Zweck und verleihen den Ausführungen an Tiefe und Eindringlichkeit. Ohne Zweifel macht es dieses rhetorische Mittel der/dem (gesunden) Leserin/Leser nicht immer einfach, doch es ist zielführend - und genau darum (und nur darum) geht es letztlich in einem Werk, das leidenden Menschen Hilfe anbietet.

Insgesamt handelt es sich bei dem vorliegenden Werk nicht um ein Wunderheilmittel gegen Depression, sondern um eine von einem kompetenten Fachspezialisten behutsam verfasste Hilfeleistung für betroffene Menschen. Ich empfehle "Jetzt geht es um mich" jeder Person, die sich in den Schlingen der Depression verloren, einsam und hilflos fühlt, aber auch denjenigen Personen, welche mehr über das Phänomen Depression und die dazugehörenden kognitiven Mechanismen erfahren wollen.

Ein Buch, das auch ohne schwer verständliche Fachbegriffe die zentralen Aspekte rund um das Leiden depressiver Menschen auf den Punkt bringt und diese nicht bloss plakativ beschreibt, sondern auch Hilfe zur Veränderung anbietet!


Statistik für Psychologen im Klartext (Pearson Studium - Psychologie)
Statistik für Psychologen im Klartext (Pearson Studium - Psychologie)
von Peter Zöfel
  Taschenbuch
Preis: EUR 24,95

22 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Optimal fürs Psychstudium, 11. Mai 2004
Die ideale Lektüre, um sich gewisse Schwerpunkte noch einmal klar und deutlich vor Augen zu führen. Das Buch ist sehr strukturiert aufgebaut und lässt die Leserin/den Leser die gewünschten Erläuterungen - nicht zuletzt aufgrund der leserfreundlichen Gestaltung - schnell finden. Die Sprache ist schlicht, verständlich und die Leserinnen und Leser merken schnell, dass der Autor die Dinge wirklich erklären und veranschaulichen WILL! Denn was gibt es schlimmeres, als hoffnungsvoll eine Erklärung einer lästigen Wissenslücke zu suchen und dann vor unleserlichen und nichtsaussagenden Beschreibungen zu sitzen!?! Nicht so in diesem Buch. Die lockere Sprache lässt einem dagegen schnell einmal die alten Statistik-Sorgen vergessen und neuen Mut fassen, ja sogar Freude entstehen, weitere Dinge auf diesem Gebiet zu erfahren.
An der Aufmachung und dem Inhalt des Buches ist somit nichts auszusetzen. Über die einführenden Themen der Statistik geht es allerdings nicht hinaus und ist somit als Einstieg in die Statistik zwar sehr erfüllend, doch bei fortgeschrittenem Studium ist der Griff zu einem umfänglicheren Werk unumgänglich!


Quantitative Methoden, Bd. 1
Quantitative Methoden, Bd. 1
von Björn Rasch
  Taschenbuch

37 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Chance, die man nutzen sollte!, 8. Mai 2004
Rezension bezieht sich auf: Quantitative Methoden, Bd. 1 (Taschenbuch)
Eine Unmenge von Fachbüchern versuchen den Studentinnen und Studenten die Statistik näher zu bringen - oftmals ziemlich hoffnungslose Unterfangen! Was ich mir in diesem Fach immer wünschte, war eine kurze, prägnante Ausführung zu den grundlegenden (!) und für das Allgemeinverständnis wichtigen Bestandteilen der Statistik. Ich sehnte mich nach einem Statistikbuch, in dem ich nicht vor lauter Informationen noch mehr den Durchblick verliere, ein Buch, welches mir die Dinge anschaulich macht und nicht eines, das ich nach kurzer Zeit frustriert wieder auf die Seite lege.
Es scheint als seien meine Wünsche erhört worden. „Quantitative Methoden" ist meines Erachtens die perfekte Begleitliteratur zum Studium. Sehr anschaulich und übersichtlich erklärt es in rund 200 Seiten statistische Schwerpunkte des Einführungsstudiums und begrenzt sich zudem auf grundlegende Aspekte, ohne dabei Platz für „Unwichtiges" zu verschwenden. Dass dabei Verzichte in der Stoffdichte eingegangen werden mussten, liegt auf der Hand, aber dieses Buch hegt auch nicht den Anspruch einer allumfassenden Einführung in das Gebiet, sondern vielmehr stellt es eine HILFE dar, die fundamentale Basis auch wirklich zu VERSTEHEN!
Den BORTZ wird das vorliegende Werk mit Bestimmtheit nicht ersetzen, aber es bietet sich an als eine perfekte ERGÄNZUNG und - was mir noch viel wichtiger erscheint - als eine ERKLÄRUNG des Standardwerks!
Fazit: Gerade in den ersten Semestern des Psychologiestudiums mag die Statistik vielen ein Dorn im Auge sein. Dass man im Verlaufe des Studiums immer mehr den Durchblick in diesem Fach erhält, wird einem von vielen Seiten immer und immer wieder mit auf den Weg gegeben. Diese tröstenden Worte nützten einem aber merklich wenig, wenn man dem Stoff VON ANFANG AN folgen möchte! „Quantitative Methoden" wird einem das (statistische) Leben ganz bestimmt NICHT erschweren und die rund 20 Franken scheinen mir wirklich kein Grund zu sein, diese Möglichkeit nicht zumindest auszuprobieren!
Grobe Inhaltsübersicht:
Deskriptive Statistik (u.a. Skalentypen, stat. Kennwerte); Inferenzstatistik (u.a. Normal-, Standardnormal- und Stichprobenkennwertverteilung); t-Test (u.a. Null- und Alternativhypothese, Effektgrössen, Alpha- und Betafehler); Merkmalszusammenhänge (u.a. Kovarianz, Korrelation, lineare Regression); Aufgaben mit Lösungen; Übersichtliche Formelsammlung; Glossar


Das Hotel New Hampshire
Das Hotel New Hampshire
DVD ~ Jodie Foster
Wird angeboten von Multi-Media-Trade GmbH - Alle Preisangaben inkl. MwSt.
Preis: EUR 8,49

16 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Der Konflikt mit der Vorlage, 11. Februar 2003
Rezension bezieht sich auf: Das Hotel New Hampshire (DVD)
John Irvings gleichnamiges Buch lässt sich in wenigen Worten pauschal als verwirrt, skurril, phantasievoll, ironisch, überdreht und von A bis Z durchdacht beschreiben. So eindrucksvoll und abgehoben die Lektüre auch sein mag, wie ist es denn nur möglich, diese als Vorlage für einen Film zu verwenden?
Eine Möglichkeit wäre, viele Details des Buches wegzulassen und sich lediglich auf die Hauptstränge der Handlung zu konzentrieren. Die andere besteht im Versuch, buchgetreu vorzugehen und möglichst viele Handlungsinhalte auf die Leinwand zu projizieren.
Im vorliegenden Film wurde meines Erachtens kein Weg eindeutig gewählt. Man entschied sich vielmehr für eine Mischlösung, in der man versuchte, so viel wie möglich aus der Vorlage zu übernehmen, parallel dazu aber auch einsehen musste, dass man unmöglich alle Inhalte integrieren konnte.
Das Ergebnis ist eine bizarre Verfilmung in einer Wildheit und Verdrehtheit, die ohne Zweifel dem Buch als solches entspricht. Ein Film ist aber kein Buch, was nichts anderes bedeutet, dass sehr viele Nuancen und die kleinen Details des Buches ausser Acht gelassen wurden. Dies führt unweigerlich nicht nur zu der durchaus beabsichtigten Skurrilität, sondern vielmehr zu einem unüberschaubaren und wirren Chaos. Viele Szenen mögen zwar der Leserin und dem Leser von Irvings Vorlage bekannt vorkommen und auch durchaus Sinn machen, aber der Zuschauer ohne Vorkenntnisse wird gnadenlos vor vollendete Tatsachen gestellt und somit ins kalte Wasser geworfen. Der Versuch, auf möglichste wenig „irvingsche" Details zu verzichten, endete neben der angesprochenen Unordnung zudem auch in einer (oftmals nervenden) Oberflächlichkeit, da in der gesamten Fülle der Erzählungen viele Inhalte nur angedeutet werden und dadurch so manche tiefgründige Überlegung Irvings auf der Strecke bleibt.
Fazit: Es ist schwierig (wenn nicht gar unmöglich) Irvings Bücher adäquat zu verfilmen, es sei denn, der Autor wirkt persönlich mit („Gottes Werk und Teufels Beitrag") - an dieser Aufgabe sind schon andere bitter gescheitert („Owen Meany" alias „Simon Birch")...
Der Film ist weder schlecht noch gut, er erscheint mir lediglich „unfassbar", bietet keine Tiefe und regt nicht zum Nachdenken an, hinterlässt keinerlei Spuren! Dem Film sollte man jedoch zugute schreiben, dass er wahrlich unterhält, ein Feuerwerk an Bilder und Szenen bietet und die Verstricktheit der Handlungen im Buch teilweise gut wiedergibt - in diesem Punkt wird der Film der Vorlage noch am ehesten gerecht.


Stupid White Men
Stupid White Men
von Michael Moore
  Taschenbuch

14 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ernstes Thema humorvoll behandelt, 21. Januar 2003
Rezension bezieht sich auf: Stupid White Men (Taschenbuch)
Wer ist der Mann, der der gesamten US-Regierung Krebs, Aids und alle anderen Arten tödlicher Krankheiten wünscht? Wie kommt dieser dazu, nur noch Schwarze einzustellen? Wieso bekommt er nie genug davon, Georg W. Bush als Trottel, Ignorant und den wohl unfähigsten Menschen in einer Führungsposition darzustellen? Woher bezieht er seine unfassbaren Fakten, mit Hilfe deren er die gesamte USA mobilisieren und zu einem Umdenken zwingen möchte? Wieso hält er nichts vom Recycling? Welche Idee gehen in seinem Kopf vor, um den Weltfrieden zu sichern?
Viele Fragen. Viele Antworten. Das Buch ist extrem, Michael Moore ist extrem. Er nimmt kein Blatt vor den Mund, sagt gradlinig, was er denkt und erwartet. Mögen auch viele Ansichten des Autors noch so übertrieben erscheinen, die Leserin und der Leser werden unweigerlich auf Moores Seite gezogen. Einerseits hat dies sicherlich mit der überwältigenden Fülle an Tatsachen und Zahlen zu tun, welche der Autor zur Unterstreichung seiner Aussagen beizieht. Andererseits fasziniert die Leichtigkeit und die Überzeugungskraft der Sprache, mit der Michael Moore seine unzähligen Anschuldigungen und Anklagen formuliert. Die satirische und komische Art täuscht häufig über den bitterernsten Inhalt seiner Worte hinweg. Auch die reiche Palette an Themen, zu denen sich der Autor in diesem Buch äusserst, dürfte nachhaltig Anerkennung finden.
Ein Buch, das anregt.
Ein Buch, das unterhält.
Ein Buch, das polarisiert.
Ein Buch, über das gesprochen wird.
Ein Buch, das Veränderungen bewirken könnte...


Das Fest
Das Fest
von John Grisham
  Gebundene Ausgabe

4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lockere Unterhaltung, 6. Januar 2003
Rezension bezieht sich auf: Das Fest (Gebundene Ausgabe)
Dass es sich bei dem vorliegenden Buch nicht um Weltliteratur handelt, wird einem sicherlich schnell klar. Aber wer Grisham zur Hand nimmt, wird dies wohl auch kaum erwarten. Dennoch wird der Leser/die Leserin meines Erachtens in keinster Weise enttÃuscht - vorausgesetzt man geht mir der richtigen Erwartungshaltung an die LektÃre heran. ï¿Das Festï¿ ist Ãusserst unterhaltend, in einer lockeren, ungezwungenen Sprache geschrieben und liest sich in sehr kurzer Zeit. Ein amÃsantes Buch, welches ohne Zweifel fÃr heitere Momente Sorgen wird, nicht zuletzt, weil sich Grisham mit Erfolg in der fÃr ihn eher untypischen Satire versucht. Trotz der eher bescheidenen Story und dem vorauszusehenden Ende glÃnzt die Geschichte durch ihren trockenen Humor und die gesellschaftskritischen Aspekte. Das Buch wird wohl genauso schnell wieder vergessen werden, wie es gelesen wurde. Nichtsdestotrotz garantiert diese kleine Weihnachtsgeschichte einen grossen Lesespass und viele heitere Momente.


Franz Kafka - Gesammelte Werke. Nach der kritischen Ausgabe: Der Proceß. Roman in der Fassung der Handschrift
Franz Kafka - Gesammelte Werke. Nach der kritischen Ausgabe: Der Proceß. Roman in der Fassung der Handschrift
von Hans G Koch
  Taschenbuch

9 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Weltliteratur!, 4. Januar 2003
DER PROCESS entstand 1914/15, also kurz vor dem Ausbruch des ersten Weltkrieges und darf ohne Zweifel zu Kafkas berühmtesten Werken gezählt werden.
Es wird das Leben des Josef K. zwischen dem 30. Geburtstag und dem Vorabend des 31. beschrieben. Die Handlung nimmt seinen Lauf, als der Protagonist eines Morgens überraschend verhaftet wird - ohne den Grund dieser Massnahme zu kennen. Erscheint für K. die ganze Angelegenheit zu Beginn wie ein schlechter Witz seiner Arbeitskollegen, erfährt er schrittweise die Ernsthaftigkeit und Bedrohung seiner Lage. Josef K. ist sich vorerst keiner Schuld bewusst und doch erkennt er bald einmal die Macht des Gerichts, der herrschenden Gesetze an und beschliesst, sein Verteidigung selbst in die Hand zu nehmen. Seine Bemühungen, wieder Ordnung in sein Leben zu kriegen nachdem ihm seine Verhaftung mehr und mehr aus der Bahn geworfen hat, führen aber in eine immer noch verstricktere Verwirrung. Der laufende Prozess wird zum Inhalt seines Lebens und seine hohe Stellung in der Bank gerät zunehmend in Not. Obschon sich K. zeitweise auf die Hilfe bestimmter Personen einlässt, helfen ihm diese nicht, seine Unschuld zu beweisen und ihn dadurch von einer Verurteilung freizusprechen. Josef K. ist durch den immerwährenden Fortgang des Prozesses schliesslich immer weniger von seiner Unschuld überzeugt - obschon er bis zum Schluss keine wirkliche Schuld zu erkennen vermag - so dass er jegliche Konsequenzen über sich ergehen lässt und diese sogar als adäquate Strafe akzeptiert.
Kafkas Roman ist geprägt von arttypischen Merkmalen, welche wir in den meisten seiner Werke antreffen können. Die stetige Gradwanderung zwischen Realem und Irrealem sowie die oftmals kleinlichen Beschreibungen unbehaglicher Ereignisse lassen einen jeden Leser und eine jede Leserin deutlich an Kafka erinnern. Die verschleierten, stets rätselhaften und undurchschaubaren Schilderungen sind ebenso repräsentativ für den Autor wie
die Begeisterung, mit welcher die kleinen scheinbar unwichtigen Einzelheiten beschrieben werden. Neben den erwähnten Eigenschaften spricht auch die anhaltende Sachlichkeit der Erzählweise eine klare Sprache. Die juristische Vergangenheit Kafkas ist in vielen Passagen unübersehbar...
Der Aufbau des Romans besteht vorwiegend aus der Zusammenkettung verschiedener zerstreuter Szenen und ist gekennzeichnet durch die zwei Eckpunkte, zwischen welchen sich die Ereignisse entfalten: dem außergewöhnlichen Einstieg, welcher gleich zu Beginn im Leser/in der Leserin grosse Erwartungen weckt und dem spektakulären wie auch erschreckenden Ende. Aufbau und Sprache gehen in diesem Roman Hand in Hand. In gegenseitiger Harmonie schaffen sie es, die beängstigenden Emotionen und die zunehmende Beklemmung des angeklagten Protagonisten kühl und nüchtern an den Leser/die Leserin zu bringen. Kafkas unverkennbaren Stil, seine Art und Weise zu schreiben spricht für sich und macht eine Identifikation des Lesers/der Leserin mit dem Helden beinahe unmöglich!
Kleiner Hinweis am Rande: Der Process enthält eine von Kafka auch separat veröffentlichte Parabel („Vor dem Gesetz"), welche in dem Roman eine zentrale Rolle einnimmt. Sie bietet einen grossen Beitrag zum Verständnis der Geschichte und kann parallel dazu auch als eine Art Zusammenfassung des Romans betrachtet werden.
Ein Roman, der es einem verunmöglicht, alle denkbaren Deutungen zu erkennen. Ein Roman, der unter anderem von der völligen Undurchschaubarkeit des Gerichtssystems sowie der Unvollkommenheit und Undeutbarkeit des Gesetzes handelt. Ein Roman, der unzählige Interpretationen zulässt und doch keine als ‚die richtige' zulassen wird. Ein Roman, den man gelesen haben sollte!


Grieche sucht Griechin: Eine Prosakomödie
Grieche sucht Griechin: Eine Prosakomödie
von Friedrich Dürrenmatt
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,90

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Grosser Unterhaltungswert garantiert, 19. November 2002
Ein unbedeutender, unscheinbarer, in nichts auffallender Büroangestellter, welcher sich mehr schlecht als recht durchs Leben schleicht, erlebt einen vehementen Aufschwung als sich auf seine Kontaktannonce eine junge Frau meldet. Dürrenmatts Werk besticht auf den ersten Blick sicherlich nicht durch einen extravaganten Inhalt, handelt es sich zu Beginn salopp ausgedrückt doch lediglich um eine übertriebene Liebesgeschichte, in der die Liebe jegliche Wunden zu heilen scheint und das Leben erst richtig lebenswert macht. So geht das Aufflammen der Liebe für den unbeholfenen Unterunterbuchhändler Hand in Hand mit der plötzlichen Wertschätzung aller Mitmenschen, einer unerwarteten kirchlichen Karriere und der Beförderung zum Generaldirektor. Alles scheint sich zum guten gedreht zu haben, er konnte der Armut entfliehen und sieht sich selber das erste Mal in einer hohen gesellschaftlichen Stellung, ist angesehen und wird geschätzt. Bis zu diesem Zeitpunkt geschieht alles so einfach, so problemlos und so ohne Hindernisse, dass man die sich in grossen Schritten nähernde Wendung förmlich riechen kann. So überrascht es den Leser/die Leserin wohl kaum, dass eben diese dann auch wirklich eintrifft...
Die angesprochene Kehrtwendung ist ohne Zweifel nicht der Höhepunkt von „Grieche sucht Griechin" (auch wenn dies durchaus den Anschein haben mag), zu sehr wird man auf ein solches Ereignis (wenn auch indirekt) vorbereitet und zu viele deutliche Hinweise lassen sich in dem vorangegangenen Text diesbezüglich finden. Auch wenn die Prosakomödie (so der Titel) am Schluss doch noch mit Unvorhergesehenem aufwartet, vermag dies den Inhalt nicht sonderlich zu bekehren.
Nicht, dass der Inhalt keine Anerkennung verdienen würde - es ist eine anregende und amüsante Geschichte von grossem Unterhaltungswert - doch Dürrenmatts Werk besticht meines Erachtens durch ganz andere nennenswerte Merkmale, welche den Inhalt um ein Mehrfaches übertreffen und dem Buch letztendlich eine hohe Qualität verleihen. Der Autor schafft es einmal mehr durch seine Sprache den Leser/die Leserin zu packen, eine Sprache, die von einer immensen Klarheit, Unkompliziertheit und nicht zuletzt von ihrer Natürlichkeit lebt. Das Lesen bereitet einem Vergnügen und auch die immer wiederkehrende Ironie sowie der für Dürrenmatt typische Sarkasmus machen die Lektüre zu einem wahren Genuss. Letzten Endes ein tolles Buch, wenn auch nicht das beste des Autors!


Demut des Blicks
Demut des Blicks
von Susanna Tamaro
  Gebundene Ausgabe

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Biographisch, philosophisch, 19. November 2002
Rezension bezieht sich auf: Demut des Blicks (Gebundene Ausgabe)
In wenigen Seiten wird dem Leser/der Leserin die Autorin Susanna Tamaro näher gebracht. Wir erfahren mehr über ihren Werdegang von der mittelmässigen - ja sogar schlechten - Schülerin bis hin zur erfolgreichen Romanautorin. Tamaro gelingt es auch in diesem sehr persönlichen Werk, ihren sorgfältigen und herzhaften Schreibstil beizubehalten und gibt einen Einblick in ihre Denkweise und ihre eigene Art, das Schreiben anzugehen und zu zelebrieren. Diese kleine und sicherlich absichtlich unvollständige Autobiographie folgt einem roten Faden, welcher sich immer wieder in tiefe philosophische Aspekte des Lebens verstrickt. Verstrickt deshalb, weil dem Leser/der Leserin dies an vielen Orten des Buches als zu viel des Guten vorkommen wird. Die philosophischen Ausschweifungen erinnern zu oft an Belehrung und Ratschläge, welche man sicherlich beim Griff zu diesem Buch nicht erwarten würde. Alles in allem aber eine schöne und nicht zuletzt kurze Unterhaltung, die man sich als leichte Kost zwischen zwei umfangreicheren Büchern gönnen sollte.


Andy Hug. Der Taifun und die Weisheit der Kampfkunst
Andy Hug. Der Taifun und die Weisheit der Kampfkunst
von Ilona Hug
  Taschenbuch
Preis: EUR 27,50

11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Erinnerungen an einen Weltklasseathleten, 9. Oktober 2002
Am 24. August 2000 verlor die Welt einen Sportler, welcher seine Ziele mit Beharrlichkeit und sein gesamtes Leben mit einer enormen Bewusstheit lebte. Andy Hug starb in Tokio an Leukämie.
Das vorliegende Buch soll die persönlichen Ansichten, die inneren Überzeugungen und die Visionen des Andy Hug allen Interessierten nochmals vor Augen führen. Er war nicht nur ein bewundernswerter Sportler, welcher zahlreiche Erfolge feiern durfte, Andy Hug bestach zudem durch eine starke Persönlichkeit mit klaren Vorstellungen und einer äusserst ausgeprägten Selbständigkeit. Er wusst, was er wollte und wohin er wollte. Seinen Zielen strebte er mit einem unglaublichen Willen und Einsatz entgegen. „Der Taifun und die Weisheit der Kampfkunst" verschafft jeder Leserin/jedem Leser die Gelegenheit, einmal hinter die Kulissen eines solchen Idols zu schauen.
Das Buch widmet sich zu einem grossen Teil den von Andy Hug ausgeübten Kampfkünsten, seinen gemachten Erfahrungen und den bestrittenen Kämpfen. Zudem wird einem aber noch einen eindrücklichen Einblick in die verschiedenen imposanten „Theorien" und Anschauungen der asiatischen Philosophie geboten. Andy Hug lernte schon sehr bald im Laufe seiner Karriere, dass es im Sport sowie im Leben nicht vorwiegend auf das Gewinnen oder Verlieren ankommt, sondern vielmehr, wie bewusst man sein Leben lebt und wie man seine Persönlichkeit mit derer von Mitmenschen verbinden kann.
Die einzelnen Kapitel beginnen jeweils mit einer Weisheit des ZEN und des Taos - beides äusserst wichtige Komponenten im Leben des Spitzensportlers. Somit liegt auf der Hand, dass diese Biographie nicht nur für Kampfsportfans oder begeisterte Sportler zu empfehlen ist, sondern es sind auch viele Erkenntnisse darin zu lesen, von welchen jede(r) etwas auf ihren/seinen persönlichen Lebensweg mitnehmen kann.
Beide Autoren standen dem K1-Kämpfer enorm nahe. Ilona war mit Andy Hug über lange Jahre verheiratet und kennt ihn wie kein anderer Mensch auf dieser Welt. Ihre ganz individuellen Gedanken und Erfahrungen bekommen in jedem Kapitel einen besonderen Stellenwert und zeigen eindrucksvoll die privaten Seiten des verstorbenen Athleten. Erik Golowin war ein enger Freund von Andy Hug, studierte Ethnologie und ist ohne Zweifel ein Fachmann in Sachen Kampfsport, welcher viele interessante Details über sein Wissensgebiet zu berichten hat.
Fazit: ein Buch über eine Legende, welche äusserst präzise Vorstellungen über das Leben und den Sport kultivierte und mit Hilfe dieser seine Ziele zu erreichen pflegte. Seine Erfolgsstrategien sind und waren nie ein Geheimnis, sind nun aber erstmals für jedermann/frau zugänglich. Was wir damit machen und wie oder ob wir sie in unser Leben integrieren möchten, liegt nach der Lektüre in der Hand eines jeden/einer jeden Einzelnen.


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