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Rezensionen verfasst von
Musikwissenschaftler1989 "Christopher" (Dortmund, NRW)

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Nürnberger Spielkarten 4036 - Qwinto, Würfelspiel
Nürnberger Spielkarten 4036 - Qwinto, Würfelspiel
Preis: EUR 7,69

4.0 von 5 Sternen Steht "Qwixx" nur in wenigen Punkten nach, 10. Juli 2016
"Qwixx" ist für mich DAS Reisespiel schlechthin. Das funktioniert im Flugzeug, im Zug, im Park, ja sogar im Auto. Da ich durch meine Eltern etwas Kniffel-geschädigt bin, war ich froh, dass es irgendwann ein ähnlich einfaches, ähnlich kurzes und ähnlich spannendes Würfelspiel gibt, dass dem Klassiker mit dem Becher, dem Punkteblock und den 5 Würfeln mal Neues Leben einhaucht. Das ist mit "Qwixx" grandios gelungen. Bisher hat es jede langweilige Pause fix überbrückt - und selbst meine Eltern fanden es ok.

Somit wurde nun "Qwinto" auf meiner letzten Studienfahrt ausprobiert. Nachdem wir im letzten Jahr in wenigen Tagen den "Qwixx"-Block verspielt hatten, durfte nun auch das hier getestet werden. Mithalten konnte es zwar nicht, wurde aber wohlwollend angenommen.

Zu den Regeln: Jeder bekommt einen Spielplan und einen Stift. Der Spielplan besitzt je eine Zeile in den Farben gelb, orange und lila und je neun leere Felder. Die Zeilen sind nicht genau übereinander angebracht, sondern leicht versetzt. Der Startspieler bestimmt, welche drei Würfel er benutzen möchte und nennt seine gewürfelte Summe. Er darf die Summe in ein leeres Feld seiner Wahl schreiben, allerdings nur in die Farbe, die er auch benutzt hat. Entscheidet er sich also für orange und gelb und würfelt eine 8, darf er auch nur in diese beiden Farben die Zahl eintragen, nicht in lila. Bei allen drei Würfeln hat er demnach freie Auswahl. Wie bei "Qwixx" dürfen auch die Mitspieler die gewürfelte Zahl eintragen, somit ist jeder zu jeder Zeit dran. Beachtet werden müssen drei Regeln: 1) in jeder Zeile darf jede Zahl nur einmal vorkommen; 2) die Zahlen müssen von links nach rechts aufsteigend sein; 3) in jeder Spalte darf jede Zahl nur einmal vorkommen. Das ist am Anfang alles sehr einfach zu bedienen, wird aber von Wurf zu Wurf schwieriger - besonders dann, wenn man die 10 bereits das dritte Mal eingetragen hat, oder sich verkalkuliert hat, wo man die Zahl denn nun am besten hinsetzt. Für jede Zeile gibt es am Ende Punkte. Hat man alle neun Felder ausgefüllt, erhält man die Zahl, die ganz rechts steht in Punkteform (maximal 18) - hat man Lücken, bekommt man die Anzahl der ausgefüllten Felder (demnach maximal 8). Außerdem gibt es fünf fünfeckige Felder, die als Bonus dienen: hat man die Spalte, in der der Bonus steht, komplett, bekommt man die Zahl im Fünfeck dazu. Ist man mal mit einem Wurf unzufrieden, darf man ein zweites Mal würfeln, allerdings mit den gleichen Würfeln, die man beim ersten Wurf gewählt hat. Sind beide Würfe nix geworden, hat man vier Felder für Fehlwürfe, die jedoch jeweils fünf Punkte kosten. Anschließend geht's im Uhrzeigersinn weiter. "Qwinto" endet, sobald ein Spieler zwei Reihen komplett hat oder alle vier Fehlwürfe verbraten.

Was ist positiv an "Qwinto"?
Wer "Qwixx" kennt, ist nach wenigen Minuten im Spiel. Man fühlt sich doch sehr schnell erinnert und freut sich über die gekonnte Variation. Aber auch Neueinsteiger finden schnell ins Geschehen. Im Vergleich zu den misslungenen Erweiterungen "Qwixx gemixxt" und "Big Points" wurde hier nun endlich eine sinnige Neuerung geschaffen, die sich wie "Qwixx" anfühlt, den Gedanken aber weiterspinnt und nicht unnötig das Spiel verlängert, verlangsamt oder verkompliziert. Eine Partie dauert erfrischende 15 Minuten und man kann gekonnt anpassen, wie häufig man spielen will, da es in jede Pause zeitlich passt und eine Runde nie zu lang geht, so dass man sie vorzeitig abbrechen müsste. Außerdem ist der Preis des Spiels aufgrund des geringen Materials sehr angemessen und genau richtig.
Was ist negativ an "Qwinto"?
Wie bereits erwähnt, fühlt es sich sehr ähnlich an wie "Qwixx". Ja, es gibt neue Ideen, das Spiel ist aber doch recht gleich. Außerdem finde ich gerade den Anfang einer Partie bei "Qwixx" wesentlich spannender, da man hier schon von Beginn an entscheiden muss, ob man die Zahl der Mitspieler nimmt oder nicht. Bei "Qwinto" nimmt eigentlich jeder erst mal alles, was kommt - und das über mehrere Runden. Spannend wird es erst, sobald die Hälfte des Blocks voll ist, bis dahin ist es einfach ein hin und her. Außerdem sehen Blöcke der Mitspieler häufig ähnlich aus, da es wenige Strategieoptionen gibt. Des Weiteren ist bei "Qwixx" der Glücksanteil etwas höher, da man bei "Qwinto", sobald man es ein paar Runden gespielt hat, so genau weiß, wo man welche Würfe einzutragen hat, dass die Fehlwürfe immer weniger werden. Das war bei "Qwixx" nicht so, was ich für diese Form von Spiel aber eher positiv finde.

Fazit: Wer "Qwixx" mochte, sollte hier definitiv einen Blick wagen. "Qwinto" eignet sich als gute Alternative und lädt dazu ein, durchaus mal 3-4 Runden hintereinander zu spielen. Auch hier wird der Block schneller leer sein, als man gucken kann. Dennoch fühlt es sich nur teilweise wie ein neues Spiel an, da es zwar eigenständig ist, aber doch sehr viele Parallelen aufweist. Macht aber gar nix - macht nämlich Lust! Und Spiele, die so kompakt sind und vor allen Dingen jede Generation spielen kann, gibt es einfach zu wenig. Somit eine Empfehlung :)


Gänsehaut
Gänsehaut
DVD
Preis: EUR 14,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Eine totale Bauchlandung - Kritik eines erwachsenen Fans der Serie, 24. Juni 2016
Rezension bezieht sich auf: Gänsehaut (Amazon Video)
Seit ich denken kann, interessiere ich mich für das Horrorgenre. Als ich in der Grundschule und gerade auf dem Gymnasium war, waren Serien wie "Grusel - Grauen - Gänsehaut" oder die Zeichentrickvariante der Kultserie "Geschichten aus der Gruft" stets auf meiner Fernseh-To Do. Besonderes Highlight war jedoch für mich immer die grandiose Serie "Gänsehaut", die ich in Buchform mochte und als Serie vergötterte. 2015 kam nun endlich die komplette Box mit sogar zum Teil nie im deutschen TV gesehenen Folgen. Und auch im letzten Jahr, als ich 26 Jahre alt war, hatte die Serie teils die gleiche Wirkung wie damals: In guten 20 Minuten (manchmal in 40, wenn es eine Doppelfolge ist) schaffen die Produzenten eine wirklich schaurige Stimmung zu kreieren, die mich auch als Erwachsener mitfiebern lässt und bei den besonders extremen Folgen sogar zum leichten Gruseln bringt. Hier wird das Publikum ernst genommen und bekommt auf kreative Art und Weise die fantastischen Ideen eines R.L. Stine serviert, die jede Möglichkeit von Angst verkörpern - Vogelscheuchen, Spinnen, Monster, Untote, Schleim, Nebel, Werwölfe, Puppen, alte Häuser und und und.

Und nun sollte es in der Tat Nachschub geben: 2016 gibt es den ersten abendfüllenden "Gänsehaut"-Kinofilm. Eine Highend-Produktion mit Jack Black in der Hauptrolle. Da ich in meinem Alter kaum Freunde besitze, die sich für eine Horror-Jugendserie interessieren, verzichtete ich auf den Kinobesuch und konnte ihn mir nun stattdessen vom Bett aus ansehen. Ich mag es kaum über die Lippen bringen, aber der Film ist fast (!) eine Vollkatastrophe. Da kann noch so viel Hochglanz drin stecken, wenn der Rest einfach von vorne bis hinten nur peinlich ist.

Aber Step by Step, hier erst mal kurz zum Inhalt: Zach hat vor Kurzem seinen Vater verloren und zieht nun mit seiner Mutter von New York aufs Land. Dass ihm das nicht passt, liegt auf der Hand. Dazu ist seine Mutter auch noch die neue vertretende Leitung seiner neuen Schule, was auf der Coolness-Liste auch nicht so weit oben stehen dürfte. Trotzdem kommt Zach schnell mit Hannah, der Tochter des Nachbarn, ins Gespräch und beide sind sich auf Anhieb sympathisch. Der Vater von Hannah hingegen mag das gar nicht gerne, ist nicht nur extrem unfreundlich, sondern verbietet auch den Umgang. Der Nerd Champ hat ebenfalls an Zach Gefallen gefunden und möchte sein Freund sein. Nachts beobachtet Zach zwischen Hannah und ihrem mysteriösen Dad eine laute Auseinandersetzung, die so ausartet, dass körperliche Gewalt im Spiel sein könnte. Daraufhin alarmiert Zach die Polizei, die jedoch nur den Dad antrifft, Hannah wiederum nicht. Zach wirkt fortan wie ein unglaubwürdiger Teenie, möchte dem Ganzen aber auf die Schliche gehen und bricht mit Champ ins Haus ein...

Tatsächlich ist die erste halbe Stunde des Films mit ihrer ausführlichen Charaktereinführung doch recht gelungen. Auch wenn hier jegliche Klischees bedient werden (Zach als cooler, gutaussehender Neuer; Hannah als schlaue, hübsche Nachbarin; Champ als leicht nervender, treu-doofer Geek), sympathisiert sich der Zuschauer schnell mit den Hauptdarstellern - bis Jack Black ins Spiel kommt, der Hannahs Dad darstellt und die Rolle des "Gänsehaut"-Autos R.L. Stine verkörpert. Wer die Serie kennt, weiß, dass es sich bei Stine um einen unglaublich sympathischen, wenn auch nicht ganz durchschaubaren Mann handelt, der Kinder liebt. Jedes Intro und Outro, das er bei einigen Episoden selbst moderiert, glänzt nur so vor Charme. Davon ist bei der Rolle im Kinofilm NICHTS, aber wirklich NICHTS übrig geblieben. Jack Black, der eigentlich kein schlechter Schauspieler ist, hat kaum eine Wahl und muss drehbuchbedingt sich hier fast schon durchgängig zum Affen machen. R.L. Stine wird als absolut griesgrämiger, weltfremder und vor allen Dingen kinderhassender (!) Außenseiter dargestellt, der seiner Tochter keinen Umgang mit Gleichaltrigen gönnt, keinen Menschen in seinem Umfeld haben will, flucht und einem zwar Angst machen soll, aber nur lächerlich wirkt. Eine absolute Fehlkonstruktion. Ich hatte eigentlich die ganze Zeit den Gedanken "Oh Gott, wie der Schöpfer diesen Film verabscheuen muss", da er so blöd charakterisiert wird - aber zur Überraschung hat der wirkliche Stine zum Ende hin noch einen Cameo und scheint also das Projekt zu unterstützen. Unglaublich.
Damit jedoch nicht genug: Die gesamte Storyline entpuppt sich als Action-Roadmovie (so viel zum Thema Horrorgenre), das so offensiv bei einem Riesenklassiker klaut, dass es fast schon weh tut. "Jumanji" war in den 90ern wohl DER Film der Generation und wird hier auf Teufel komm raus zitiert. Sobald klar es, worum es letztendlich geht, werden hier Station für Station abgehandelt. Die Bücher Stines haben nämlich solch eine Magie entwickelt, dass ihre Kreaturen Realität werden, sobald man sie öffnet. Deswegen sind sie mit einem Schloss versehen. Natürlich öffnen Zach und Champ eines der Bücher unabsichtlich. Der Rest ist so vorhersehbar, dass man nicht mal von Spoilern sprechen könnte, wenn ich hier den weiteren Verlauf aufschreibe. Wie sehr habe ich mich gefreut, als ich wusste, dass alle großen Highlights der Serien hier im Film auftauchen sollen - dass es aber wie ein Abhaken auf einer Einkaufsliste funktioniert und besonders das "Höher schneller weiter"-Prinzip angewendet wird, macht gar nicht glücklich. Ja, wir sehen hier unzählige bekannte Figuren in knapp 60 Minuten. Aber so viel in so wenig Zeit, tut dem Ganzen gar nicht gut. Hauptsache, man hat den Werwolf gesehen, Hauptsache, die laufenden Halloween-Kürbisse waren dabei, Hauptsache, es gibt die Ameisen, den unsichtbaren Freund, ... - ob die zur Handlung beitragen oder nicht, scheint völlig egal zu sein. Weniger wäre auch hier mal wieder mehr gewesen. Hannah, Champ, Zach und Stine rasen durch die Stadt und überwinden ein Hindernis nach dem Nächsten. Der Zuschauer weiß oft nicht einmal, wofür diese Kreatur nun eigentlich steht, woher sie kommt, was sie ausmacht, was sie kann und was nicht. Stattdessen gibt es die hanebüchene und an Lächerlichkeit kaum zu übertreffende Idee, ein neues Buch zu schreiben, um die Charaktere wieder einzusaugen (wir erinnern uns: "Jumanji" und so...). Aber auch die von den Machern selbst bestimmten Regeln, werden gern mal über Bord geworfen, um den Handlungsverlauf mit "Spannung" aufzufüllen - frei nach dem Motto "Ich mach die Welt, wie sie mir gefällt". Seht selbst, um zu wissen, was ich meine.
Damit sind wir beim Schlimmsten an dem neuen Film: Er nimmt das Publikum und sich gar nicht ernst. Ich habe mich tatsächlich einmal kurz erschrocken, gruselig war es nicht zu einer Sekunde. Selbst die schlechteste "Gänsehaut"-Folge besaß mehr Spannung und Schauer. Dafür setzt der Film auf Explosionen, Stunts, Selbstironie und Komik, die mich mit dem Kopf schütteln lässt, statt mich zum Lachen zu bringen. Über die Rolle der Tante von Zach verliere ich besser kein Wort. Oh Mann! Ich habe mehrmals überlegt, ihn nach einer Stunde auszumachen, habe aber so sehr gehofft, dass er sich fängt. Fehlanzeige. Ein idiotischer Einfall nach dem Nächsten und letztendlich endet alles in einem Bombastfinale, das die Serie nie nötig hatte. Und (wer hat sich das bitte noch ausgedacht?) eine Liebesgeschichte entwickelt sich auch noch - auch das gab es bei "Gänsehaut" nie. Heißt nämlich "Gänsehaut", nicht "My Girl".
Zwei gute Sachen (wobei, eigentlich 3) gab es dennoch: Einen sehr netten Storytwist (den ich hier wirklich nicht verraten werde), ganz gute schauspielerische Leistungen und einen kreativen Comicabspann, der zeigt, was man hätte machen KÖNNEN, wenn man sich getraut hätte, mal wieder jugendliche Spukgeschichten ins Kino zu bringen.

Bisher die größte Enttäuschung im Kinojahr 2016. "Gänsehaut" hat ALLES über Bord geworfen, was die Einmaligkeit der Serie ausmachte und lockt zwar mit einem nostalgischen Schriftzug und vielen bekannten Gesichtern, leistet inhaltlich aber nur geklaute Ideen, viel Tamtam oder Fremdschämmomente. Super schade.


Der Nachtmahr
Der Nachtmahr
DVD ~ Carolyn Genzkow
Preis: EUR 13,99

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Anders. Außergewöhnlich. Speziell. Verwirrend. Deutsch, 28. Mai 2016
Rezension bezieht sich auf: Der Nachtmahr (DVD)
Seit einem halben Jahr habe ich "Der Nachtmahr" auf dem Schirm. Erste Kritiken (gerade die Review von Filmstarts) feierten ihn als "Meisterwerk des deutschen Films", "schwer verdaulichen Film" und rührten kräftig die Werbetrommel. Dazu gleich vorweg: (leider) wie immer wird hier gehypt ohne Ende. Und natürlich auch zu viel. Aber, Obacht: "Der Nachtmahr" kann zwar dem Hype nicht ganz standhalten, aber zumindest den fast duchweg guten Feedbacks. Die hat er in der Tat verdient.

Zur Story: Tina ist Abiturientin, stylisch, beliebt und Partygängerin der ersten Liga. Alle ihre Freunde eskalieren so oft es geht auf sämtlichen Insiderpartys in Freibädern oder Szeneclubs. Doch bei einer Party gerät plötzlich für die Protagonistin alles aus den Fugen. Auf einmal taucht da im Gebüsch dieses seltsame Wesen auf, was fortan leider an Präsenz stets zunimmt und scheinbar nur von Tina gesehen werden kann. Wer ist er? Was will er? Ist er gefährlich? Warum ist er bei ihr? Tina gerät in einen Albtraum, in dem Realität und Fantasie nah beieinander liegen und ihre Glaubwürdigkeit immer mehr den Bach runtergeht...

So viel zur Rahmenhandlung vom dem Independent-Hit, der aktuell in aller Munde ist (sollte man ein wenig in der Arthaus-Szene unterwegs sein). Regisseur AKIZ ist kein Neuling und erlangte mit "Das wilde Leben" bereits einiges an Aufmerksamkeit und guten Kritiken. Das genügte aber seinem künstlerischen Anspruch bei weitem nicht, so wurde sich nun für ein lachhaftes Budget von nicht einmal 100.000€ komplett ausgetobt. Dabei stellt der hier beschriebene Film den ersten Teil einer Trilogie zu den Themen Geburt-Leben-Tod dar. AKIZ hat zig Ideen und stopft einfach alles rein, was geht. Dabei gelingt ihm ein spannender Genremix, aufgeteilt in wahrscheinlich 50% Coming-of-Age-Movie, 30% Drama, 20% Psychothriller. Der häufig als Horrorfilm angekündigte "Der Nachtmahr" ist alles, aber Horror definitiv nicht. Nur weil Spannung aufkommt, die Handlung teils fantastische Züge annimmt und die Protagonistin mit unwirklichen Wesen zu kämpfen hat, macht das noch lange keinen Horrorfilm. Das ist aber auch total egal, da der Film es gar nicht nötig hat, Horror zu sein. Der Film hat es überhaupt nicht nötig, einer klaren Richtung anzugehören. Dafür will er viel zu viel und erreicht auch vieles.

Technisch ist hier wirklich ein beachtenswertes Stück gelungen: Die atemberaubende Schnitttechnik, die zwischenzeitlich an Glanztaten wie "Requiem for a dream" erinnern, ist für einen deutschen Film wirklich außergewöhnlich. Die Kamera ist stets unruhig, filmt teils aus untypischen Winkeln und gibt der modernen Szenerie auch einen modernen Selfmade-Look. Viele Szenen wirken, wie mit dem neusten Smartphone gedreht. Untermalt mit Stroboeffekten, die es unmöglich machen, jedes Detail zu erkennen und mehr einem Wimmelbild ähneln. Dazu gibt es penetrante Electro-Sounds, die aus den Boxen nur so wummern. Das mag für den ein oder anderen Zuschauer wirklich unangenehm werden, passt aber einfach gut. Die Tanzszenen entwickeln durch ihre ungeheure Lautstärke somit einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann. Auch schauspielerisch dürfen Nachwuchskünstler wie Carolyn Genzkow ihr Talent unter Beweis stellen. Ihr sehr zweischneidiger und in sich zerrissener Charakter Tina ist nicht leicht zu verkörpern, gelingt ihr aber doch durchweg glaubwürdig. Der Rest der Cast gibt einen guten alltäglichen und typischen Berliner-Szeneleben-Einblick und wirkt nie aufgesetzt, überzogen oder peinlich. Das bekannteste Gesicht ist wohl Wilson Gonzalez Ochsenknecht, der als Tinas Schwarm mit seinen markanten Gesichtszügen herrlich spooky daherkommt und dem Ganzen einen undurchsichtigen, einschüchternden Anstrich verpasst.

Es ist unglaublich schwierig, über den Film zu sprechen, ohne groß zu spoilern. Und das sollte man wirklich nicht tun. "Der Nachtmahr" ist Storykino und gleichzeitig optisch gewaltig. Technisch braucht man sich hier, wie bereits erwähnt, gar keine Sorgen machen. Auf Storyebene hingegen schon, da dem Zuschauer doch einiges an Toleranz abverlangt wird. Weit weg vom Mainstream und dennoch unterhaltsam genug, um auch Gelegenheitsguckern zu gefallen, fordert "Der Nachtmahr" Aufmerksamkeit, Mitdenken und gibt auf alle aufgeworfenen Fragen bestimmt keine Antwort. Einige Antworten liegen klar auf der Hand, andere darf man sich selbst zusammenreimen, puzzlen oder sollte sie auch einfach so stehen lassen. Ein stetes Spiel zwischen "Ahhhh, darum geht es..." und "Check ich grade nicht" ist garantiert. Immer wenn etwas klar wird, wird es schnell über Bord geworfen, an anderer Stelle auch mal wieder aufgegriffen oder unkommentiert im Raum positioniert. Ein Wagnis, was bei vielen Filmen häufig nach hinten los geht, hier aber nicht stört, sondern fesselt. Eins ist "Der Nachtmahr" nämlich vor allen Dingen: Spannend bis zur letzten Minute und nie durchsichtig! Dazu auch überraschend einfühlsam und emotional. Im Laufe des Films kann der Zuschauer diverse Positionen einnehmen und selbst entscheiden, wo er womöglich stehen möchte: Bei Tina und ihrem Seelenleben, das zusammenbricht und neu sortiert werden muss? Bei ihren besorgten Eltern, die sich rational herantasten und sich hilflos fühlen? Oder bei den Freunden, die beobachten und verwirrt zurückbleiben? Wähle selbst.

So oder so ist "Der Nachtmahr" ein ganz mutiger Film, der beweist, dass mit kleinem Budget viel machbar ist, solange man genau überlegt, was man damit anfangen möchte. Einfach mal einen Schritt zurücktreten vom Medientrubel und ohne große Erwartungen drauf einlassen, dann funktioniert er wohl am besten. Optische Assoziationen sind neben dem bereits erwähnten "Requiem for a dream" auch der französische Slasher "Irreversibel", das französische Genremeisterwerk "Martyrs", der Danny Boyle-Hit "Trainspotting" und Spielbergs Publikumsliebling "E.T.". Unglaublich zu kombinieren? Na, dann schaut rein. Trotz unzähligen positiven Merkmalen, gebe ich nur tolle 4 Sterne. Ich hatte wahrscheinlich zu hohe oder zu falsche Erwartungen, wurde trotzdem überrascht und unterhalten. Ich muss ihn definitiv noch ein zweites Mal angucken, um zu schauen, ob er für mich nur "gut" bleibt oder ich noch weiter nach oben gehe. Erst mal Gedanken und Eindrücke an die richtigen Orte bringen, denn wie bereits Queen sangen: "Is this the real life, is this just fantasy?". Man weiß es nicht so genau.


The Witch
The Witch
DVD ~ Anya Taylor-Joy
Preis: EUR 15,99

10 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Viel Tamtam um letztendlich zu wenig, 21. Mai 2016
Rezension bezieht sich auf: The Witch (DVD)
Da sich die Kritiken nur so überschlugen und ich seit 14 Jahren Horrorfilme gefühlt inhaliere, stand "The Witch" auf der To Do-Liste doch recht schnell weit oben. Wer sich dazu entscheidet, den Film im Kino anzusehen, sei jedoch gewarnt: Enttäuschungen sind wesentlich wahrscheinlicher und das aus den unterschiedlichsten Gründen.

Zur Story: Der im Neuengland des frühen 17. Jahrhunderts angesiedelte Film beginnt damit, dass die siebenköpfige Familie rund um Vater William aus einer Plantage verstoßen wird. Obwohl das Dorf selbst christlich ist, sind die Bewohner von den übertriebenen Vorstellungen der von Religion besessenen Familie angewidert. Somit ziehen William, seine Frau, seine Tochter Thomasin im Teenageralter, der etwas jüngere Sohn Caleb, die beiden Zwillinge im Grundschulalter und das Neugeborene auf eine Farm Nähe eines Waldgebiets. Wegen nicht vorhandener Umsicht von Thomasin verschwindet plötzlich das Baby. Keiner weiß wohin, keiner weiß warum, keiner weiß mit wem. Da rationales Denken in der Familie keine große Rolle spielt, kommt schnell der Aberglaube auf, dass es sich um eine Hexe im Wald handelt, die das Baby zu sich genommen hat. Weil das Wiederfinden jedoch scheitert und fortan äußerst skurrile, erschreckende und merkwürdige Dinge geschehen, muss der Täter im Kreise der Familie sein - oder etwa nicht?...

Das klingt alles gar nicht schlecht. Ist es auch nicht. "The Witch" punktet in vielerlei Hinsicht: Sehr gekonnter Einsatz von stimmungsvoller Musik; stimmige Kamera; grandioser kühler, trister und grauer Look - ein Nebelschweif ist fast durchgängig zu erkennen; generell glaubwürdiges und märchenhaftes Setting, das von Kostüm bis Ausstattung das Konzept durchzieht; nicht zuletzt gute schauspielerische Fähigkeiten, auch unter den teils sehr jungen Kindern. Dass quasi komplett auf No-Name-Darsteller gesetzt wird (wobei der Vater doch in einigen namhaften Filmen diverse Nebenrollen spielte), ist eigentlich auch positiv zu verbuchen. Handwerklich wurde hier also einiges richtig gemacht, fast alles sogar.

Leider ist aber das Drehbuch fast schon hundsmiserabel. Wer kennt sie nicht, diese typischen Filme, die sich nach außen hin als großer Genrehit verkaufen, letztendlich aber dann doch kaum etwas zu sagen haben? Hier liegt eines der Grundprobleme: Sämtliche Kinobesucher waren auf Grusel a la "Insidious", "The Conjuring" oder vielleicht auch "Der Babadook" eingestellt und fingen schon bei der altertümlichen Sprache an zu lachen. Das zog sich natürlich durch die gesamte Vorstellung, was ich leider auch ein wenig verstehen kann. Man muss sich wirklich drauf einlassen. Ganz besonders auf den völlig altbacken-wirkenden und hanebüchenen Aberglaube und religiösen Fanatismus. Hier wird schon wirklich dick aufgetragen, was aber auch so zwingend notwendig ist, damit das Geschehen glaubwürdig wirkt. "The Witch" ist nicht einer dieser Filme, der mit Jumpscares und Rumgemetzel punktet, sondern auf langsam anschleichendes Unwohlsein und Atmosphäre setzt. Das gelingt sogar echt super. Die Spannungskurve zieht langsam an und wird auch immer enger. Pausen zum Durchatmen werden gerade zum Ende hin immer weniger. Der Wahn, der sich innerhalb der Familie entwickelt, ist für empathische Menschen gut nachzuempfinden. Sitzfleisch ist dennoch geboten, da gerade die erste halbe Stunde eher schleppend verläuft und sogar einige Besucher den Raum verlassen haben (wie gesagt: konnten sich gar nicht drauf einlassen).
Der eigentliche Killer liegt aber ganz woanders: "The Witch" ist ein Film, der viel aufbaut, sich aber mit dem Ende entladen muss. Es ist ein Storyfilm. Die muss also sitzen. Tut sie aber nicht. Dass Dinge offen bleiben, ist ok. Dass übernatürliche Dinge geschehen, ist auch ok. Dass am Ende keiner mehr versteht, was hier eigentlich wie und warum los ist, ist nicht ok. Am Ende bleiben zig Fragezeichen, die leider dazu führen, dass direkt zum Beginn des Abspanns ein Raunen durch den Raum ging und an jeder Ecke "Der schlechteste Kinofilm, den ich jemals gesehen habe" zu hören war. So weit gehe ich nicht. Dafür war handwerklich zu viel drin. Aber gut ist das hier keinesfalls! Denkt man mal darüber nach, wie die Story begonnen hat und was für Handlungsstränge aufgemacht wurden, fällt auf, dass nur weniges wirklich weitererzählt wurde. Es wird mit Metaphern und Tiersymbolik nur so um sich geworfen, dass man kaum hinterher kommt - und erklärt wird nix. Gerade zum Ende hin driftet der ganze Spaß viel zu sehr ab, dass man sich gerne dabei ertappt, belustigt mit dem Kopf zu schütteln. Vieles ist sehr lächerlich. Und eine Komödie ist es ja nicht, nicht wahr!? Leider ist es nicht ganz einfach, sämtliche Begründungen anzuführen, warum ich doch sehr ernüchternd den Saal verlassen habe. Ich müsste definitiv zu viel spoilern, was ich aber bewusst ausspare. Nur vielleicht noch so viel: die letzte Minute hat es für mich dann auf Basis der Geschichte komplett versaut.

Wer Bock auf Spannung hat, darf gern zu Hause mal einen Blick wagen (Kino lohnt WIRKLICH nicht). Wer Splatter sucht, sollte es komplett lassen. Wer mit viel Interpretationsfreiraum leben kann, ist wahrscheinlich genau richtig. Wer handfeste Fakten will und realitätsnahe Kost sucht, war nie falscher. "The witch" will viel zu viel und weiß gar nicht, was genau er sein möchte. Horror? Thriller? Mystery? Drama? Eine Mixtur, die funktionieren KANN (siehe "Der Babadook"), aber zu 90% mal volle Suppe gegen die Wand fährt. Wer ein Paradebeispiel sehen möchte, hier ist es! Vielleicht war ich einfach zu engstirnig, oder zu dumm ihn zu verstehen. Ich behaupte, dass beides nicht zutrifft. Somit mein Fazit: Zwar untypisch und keinesfalls Mainstream, aber das allein reicht als Qualitätsmerkmal um Längen nicht.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 28, 2016 2:03 PM MEST


Wutfänger
Wutfänger
Preis: EUR 16,99

39 von 48 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Kontinuierliche Rückentwicklung, 16. Mai 2016
Rezension bezieht sich auf: Wutfänger (Audio CD)
Mit meinen 27 Jahren gehöre ich wohl zu den jüngsten Silly-Hörern. Aufmerksam geworden bin ich 2006 durch die Coverversion "Wo bist du" der Band Rosenstolz und fand so viel Gefallen, dass ich mir viele alte Songs der Band anhörte und einige Perlen fand.
2010 gab es dann "Alles rot" - das erste Album mit Anna Loos und nicht weniger als meine Lieblingsplatte des Jahres. "Alles rot" besitzt genau das, was ich unter gutem modernen Deutschrock verstehe - grandiose Texte, hervorragende Instrumentierung und fesselnde Melodien. Das Speziellste war der frische, reife und irgendwie eigenständige Sound. Ein Highlight folgte dem nächsten, so läuft noch heute der Titeltrack, "Flieger", "Ich sag nicht ja", "Leg mich fest", "Sonnenblumen" oder "Nackter als du" regelmäßig in meinem Player.
"Kopf an Kopf" hatte davon vor drei Jahren nur noch Teile zu bieten. Das umwerfende "Deine Stärken", das ich zu den besten Deutsch-Pop-Nummern der letzten zehn Jahre zähle, hat komplett abgeliefert. Noch heute geht mir der Text direkt ins Herz und flasht mich bei jedem Hören. Diese Qualität erreichte kein anderer Song. Immerhin konnten mit "Kopf an Kopf", "Spring", "Blinder Passagier" und "Vaterland" ein paar gute Momente gefunden werden. Etwas ernüchternd fand ich aber auch das schon.

Und nun folgt mit "Wutfänger" der strikte Schritt ins endlose Nirwana. Dass Deutsche Musik mittlerweile wieder ankommt und zeitweise die Charts dominiert, ist zwar toll - dafür erstickt dieses Genre aber an Beliebigkeit. Unzählige aktuelle Künstler blubbern ihre Plattitüden und sorgen für teils nervige Momente, statt mit Einzigartigkeit und Können zu glänzen. Jeder macht zwar seinen Mund auf - zu sagen hat aber kaum jemand was.
Ich traue mich kaum, es über die Lippen zu bringen, aber Silly machen genau diesen Trend nun mit: "Wutfänger" hat tatsächlich KEINEN herausragenden Song. "Wutfänger" besitzt 14 nette Pop-Rocker, die so monoton sind, wie kein einziger Song auf "Alles rot". Textlich bleiben Silly stehen. "Zwischen den Zeilen", "Die Anderen" und "Willkommen in der Gemeinschaft" sollen böse und sozialkritisch klingen und sind unglaublich bieder. Die Ideen gehen aus. Inhaltlich wurde das alles bereits gesagt. Beide Vorgänger hatten dieselben Themen - es reicht nun wirklich. Dieses ständige "Sei du selbst, sei ein Kämpfer und sei tolerant" ist natürlich richtig so, aber einfach total verbraucht.
Aber viel schlimmer als das: Musikalisch ist hier totale Leere! Melodiös haben alle 14 Songs für Sekunden ganz nette Ideen und verpuffen dann wieder in ihrer endlosen Beliebigkeit. Beispiel? "Kampflos" hat ein schön verträumtes, liebevolles Intro und zockt dann mit einer puren Frechheit bei "Young blood" von The Naked & The Famous, dass ich beim ersten Hören mit dem Kopf geschüttelt habe. Eine Nummer finde ich ganz ok: Der Titelsong im 3er-Takt klingt ganz wohlig, wäre aber zuvor einer der schwächeren Tracks gewesen - hier tatsächlich das Highlight. Auch noch erwähnenswert: Anna singt nun seit drei Alben in ihrer Comfortzone und wagt außer ein paar Schreien nichts. Das ist nie fordernd und variiert kaum. Auch wenn sie ein auffälliger Typ ist, ist ihre Gesangsqualität nicht die größte und gewinnt leider auch nicht dazu. Langweilig.

Einziger Lichtblick: Die zweite CD! Das Akustik-Set hilft leider dem schwachen Songwriting nicht weiter, macht aber durch die wenigstens hier kreative Instrumentierung und dem wohltuenden Klang ein paar angenehme Atmosphären. Highlights sind aber auch hier die bereits bekannten Tracks "Deine Stärken" und "Sonnenblumen". Letzteres schafft selbst als Instrumental schöner zu klingen als die neuen Werke. Besonders spannend ist die orientalische und lange Version von "Vaterland". Sehr gut!

Trotzdem total schade. Es war abzusehen, dennoch hatte ich so sehr gehofft, dass es nicht eintrifft. Aber "Wutfänger" ist leider ein musikalischer Totalausfall, der kaum unterhält und textlich viel zu belehrend und gezwungen klingt. Da hilft auch das stilvolle und verspielte Cover keinen Schritt weiter. Das nächste Album werde ich vorab hören, bevor ich 20€ in den Sand setze.
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 10, 2016 3:27 PM MEST


Beautiful Lies
Beautiful Lies
Preis: EUR 14,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Teilweise weiterentwickelt - und auf anderen Stellen enorm stehengeblieben., 15. Mai 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Beautiful Lies (Audio CD)
Jasmine van den Bogaerde zählt mit 20 Jahren (heute ist ihr Geburtstag) bereits zu den Großen des leichtfüßigen Singer/Songwriter-Pop. Birdy hat 2011/2012 nicht weniger als die beste Platte des Jahres veröffentlicht. Ihr Debut ist eine einzigartige Sammlung an Coversongs, die atmosphärisch absolut außergewöhnlich daherkommt. Birdy ist zart, verträumt, melancholisch und vor allen Dingen unglaublich musikalisch - und das bereits mit 15! Wahnsinn. Ein "Skinny love" oder "People help the people" dürfte noch in so mancher Ohren schlummern. Wer daran Gefallen finden konnte, muss unbedingt "1901", "Terrible love" oder "Shelter" kennenlernen. Ganz ganz groß und zurecht bei uns mit Platin veredelt. Da hat Deutschland mal Geschmack bewiesen.
2013 folgte mit "Fire within" die erste Platte mit selbstgeschriebenen Werken. Das funktionierte definitiv schlechter als das Debut, aber immer noch ganz gut. Gerade die Vorabsingle "Wings" konnte mit dem Debut mithalten und verschönerte den Spätsommer des Jahres. "All you never say", "All about you" und auch das leicht rockige "Light me up" ließen aufhorchen und erweiterten das Spektrum der Engländerin. 2014 habe ich mir Birdy dann auch live angesehen und war trotz relativ kurzer Spielzeit von ihrem musikalischen Können sehr begeistert. Da folgte eine Gänsehaut der nächsten, da wurde handfeste Musik gespielt und ein schöner Moment geschaffen.

Dann war es erst mal recht still. Neben einer Kooperation mit Mamford & Suns gab es nichts zu hören, bis sie Ende 2015 den Newcomer Rhodes auf seinem Debut unterstützte und mit ihm eine wundervolle Ballade namens "Let it all go" veröffentlichte. Das machte Laune und verlangte mehr. Album Drei steht nun seit fast zwei Monaten in den Regalen. Ich habe bewusst etwas länger gewartet, um der neuen LP genug Zeit zum Wachsen zu geben. Der erste Durchlauf war nämlich ganz toll. Der mittlerweile achte nicht mehr.

Zunächst das Positive: Birdy hat sich vor allen Dingen gesanglich noch mal richtig gemacht. Ihre wundervolle Sopranstimme fliegt nur so über einen hinweg und umhüllt wie eine warme Decke. Genau diese Stärke setzt die Sängerin gerade zum Albumanfang geschickt ein, um einen abzuholen. Selten war ein Albumeinstieg so gelungen. "Growing pains" ist druckvoll, dennoch nicht aufdringlich und bietet perfekte Soundtrackmusik für dunkle Autobahnfahrten. Mit "Shadow" folgt direkt das Albumhighlight. Birdy zeigt den kompletten Stimmumfang und liefert eine Melodie, die sehr unverbraucht klingt. Tolle Bridge, schöner Refrain - fantastisch und auf Debut-Niveau. "Keeping your head up" ist als Vorabsingle leider nicht sehr repräsentativ. Der Indie-Pop-Track mit vergleichsweise hohem Tempo regt zum Tanzen an und steht Birdy ausgezeichnet. Hier hören wir sogar ein paar knackige Drums. Wurde auch zu einem Radiohit und ist ein kleiner unverschämter Ohrwurm. Dann gibt es noch das ebenfalls tragische und dennoch verträumt-schöne "Wild horses"...

...und dann hört es leider auf! Ab Track sechs ist irgendwie die Luft raus. Gerade der Mittelteil plätschert unglaublich dahin wie ein endloser Wasserfall vor dem Austrocknen. Birdy leidet, Birdy spielt Klavier, Streicher holen alles raus - das bringt jedoch alles nix, wenn gefühlt jede Melodie gleich klingt und einfach zu wenig variiert wird. Selbst nach acht Durchläufen habe ich zu knapp zehn Tracks keine Assoziationen, wenn ich den Titel auf der Hülle lese. Das Tempo bleibt sehr mäßig, die Atmosphäre zwar durchweg ok, aber fordert halt gar nicht. Dem jungen Talent scheinen hier irgendwie die Ideen ausgegangen zu sein. Das ist alles ganz nett und vor allen Dingen bei einem gemeinsamen Dinner mit Freunden angenehm und nie störend - sobald man aber bewusst zuhört und ins Besondere Highlights für den Handyplayer sucht, wird es echt schwierig. Irgendwie hebt sich nichts wirklich ab. Das ist alles sehr monoton. Komisch, da gerade die ersten Nummern super stark sind. Die Spielfreude eines "Fire within" ist verloren, die Intimität und fantastische Melancholie eines Debutsalbums nie erreicht. Zu belanglos, streckenweise zu langweilig. Zum Ende fängt sich Birdy und zieht mit "Give up" und "Start again" gerade so ins Mittelfeld.

18 Songs ist auch einfach zu viel, bei eher geringer Artenvielfalt schon ein wenig penetrant. Ich kenne kein Album, welches eine dermaßen hohe Anzahl an Tracks besitzt und dabei auch durchweg hohe Qualität vorzuweisen hat. Weniger wäre auch hier mal wieder mehr gewesen. Reduziert auf zehn Songs hätte "Beautiful lies" viel besser funktioniert. Die Ansätze sind da. Auch das Artwork ist elfengleich und schön. So ist das aber für mich nur drei Sterne wert - die reinen Songs bekommen zwei, ihre gesanglich wirklich erkennbare Weiterentwicklung bekommt noch einen dazu. Insgesamt eine mittelgroße Enttäuschung. Zur Tour gehe ich aber wohl im Herbst trotzdem und hoffe auf viele Klassiker.


Lemonade [Explicit]
Lemonade [Explicit]
Preis: EUR 17,99

18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Quintessenz aus den fünf vorangegangenen Alben, 25. April 2016
Rezension bezieht sich auf: Lemonade [Explicit] (MP3-Download)
Dass Frau Knowles für ungewöhnliche Album-Veröffentlichungen zuhaben ist, konnte man schon beim Vorgänger "Beyoncé" sehen. Das unglaublich kantige, weit weg vom Mainstream angesiedelte experimentelle R'n'B-Album begeisterte besonders Kritiker. Die größte Fanbase handelte sie sich hingegen nicht ein, weil große Hits ausblieben. Darum ging es aber auch nicht.
Nach 2 Jahren und 4 Monaten geht es nun in Runde sechs. Schon seit Monaten gingen Gerüchte um, dass das neue Album in den Startlöchern steht. Immerhin gab es im Februar eine neue Single, einige Promoauftritte, neue Mode ("Ivy Park") und letzte Woche eine Ankündigung zum Projekt "Lemonade", welches als Film angekündigt wurde.
Beyoncé gehört halt zu den Königinnen der Vermarktung. Das Management und sie wissen genau, was zieht. So kann man nach der Filmpremiere - die nicht irgendwo auf YouTube gefeiert wurde, sondern auf einem der größten Seriensender der USA "HBO" - auch mal zackig zum kostenlosen Streamen das neue Album uploaden. Selbstverständlich auf Tidar, dem Streamingportal ihres Mannes Jay-Z. Gewusst wie.

Da ich den Film noch nicht gesehen habe (der laut Medien ja sehr gelungen sein soll), lasse ich mich für die Kritik von der optischen Gewalt nicht beirren und konzentriere mich auf eine gute Dreiviertelstunde Soundladung. Ich besitze jedes Album und finde jedes "Geht so" bis "Ganz gut". Ganz lange hat mich Beyoncé nie interessiert, irgendwann hat sie aber mich mit ihren Gesangskünsten dann doch abgeholt. Beyoncé ist halt eine Maschine. Die kann alles und alles auch noch so gut, dass es einem echt Angst macht. Ob das nun gut oder irgendwo schon wieder fragwürdig ist, sei dahingestellt. Jedenfalls besitzt von "Dangerously in love" bis hin zu "Beyoncé" jedes Album eine handvoll guter Tracks, die ich gerne höre und ebenso viele, die mich nicht interessieren und teilweise auch stören. Gerade mit den sehr deepen HipHop-Tracks, die wenig melodiösen Anteil besitzen, tue ich mich schwer. Auf der anderen Seite sind mir aber zu leichte Songs nicht spannend genug. Ich habe halt immer was zu nörgeln.

Aber, Obacht: "Lemonade" macht zum ersten Mal alles richtig! Das Multitalent bringt auf ihrem neuen Album genau das auf den Punkt, was auf den vorigen Alben immer nur streckenweise funktioniert hat. "Lemonade" besitzt Hits, die ins Ohr gehen - "Lemonade" besitzt hervorragende Gastkünstler, die sich ins Gesamtbild einfügen, statt zu stören - "Lemonade" besitzt Beats, die jede Disko zum Beben bringen - "Lemonade" besitzt ruhige Balladen - "Lemonade" besitzt Soundexperimente - "Lemonade" besitzt ein Konzept.

Das zurückhaltende "Pray you catch me" lässt Erinnerungen vom Vorgängeralbum auflodern und hätte auch dort seinen Platz gefunden. Leise und mit leichter Stimme nähert sich Beyoncé an die Zuhörer. Dazu gibt es Soundwaben, die durch den Raum schleifen und eine angenehm kühle Atmosphäre schaffen. Die Songs des Albums haben fast alle einen nahtlosen Übergang und klingen dennoch nicht gleich. Wie gut das funktioniert, wird schon am ersten Songwechsel deutlich.
Das mit Reggae-Einflüssen eingängige "Hold up" lässt Beyoncé in ihren tiefsten Lagen herumwühlen, wirkt sexy und könnte dank seines Mitsingrefrains, der dennoch nicht 100% auf Radio getrimmt ist, ein Sommerhit werden. Beats im Hintergrund, Gesang weit vorne. Gefällt!
Song 3 präsentiert wiederum ein ganz anderes Gewand und präsentiert sich als absolute Überraschung. White Stripes-Sänger Jack White hat schon damals mit Alicia Keys ein sagenhaftes Duett mit einer Soul-Sängerin abgeliefert und wiederholt diesen Schachzug nun mit Frau Knowles. "Don't hurt yourself" ist zunächst einfach nur R'n'B mit einer aggressiven, stimmverzerrten Beyoncé und knallt im Refrain dann RICHTIG los. Hier gibt es E-Gitarren und Drums auf die Ohren, währenddessen in den Strophen alles wieder zurückgeschraubt wird. Beyoncé schreit und flucht, was das Zeug hält. Zum Ende entlädt sich das Ding völlig - eine absolut kongeniale Synthese, die sich bereits jetzt als eine der geilsten Nummern des Jahres herausgestellt hat. Jack White hat es geschafft, seinen und Beyoncés Sound in der Mitte treffen zu lassen. Das Ergebnis ist großartig.
"Sorry" ist der einzige Song, der mich gar nicht abholt. Das erinnert mich doch zu sehr an Rihanna und klingt sogar teilweise nach ihr, dank des Vocodereffekts. Schade. Auch wenn die Klangexperimente und gerade der Break zum Ende gefallen, ist das ganze eher nervig, weil zu penetrant. Aber ok, passiert.
Kollaboration 2 setzt auf das aktuelle Zugpferd The Weeknd. "6 inch" erinnert an das mystische "Haunted" vom letzten Album, hat einige Tempi- und Stimmungswechsel und so viele Schichten, dass es wohl noch einige Runden braucht, bis ich alles gehört habe. Schleppend, beatlastig, Black Music.
"Daddy lessons" hingegen macht einen Abstecher in - Trommelwirbel - die Jazzrichtung und funktioniert super gut. Hat Beyoncé auf ihrem Album "4" mit "Love on top" alte Jackson 5-Zeiten wiederbelebt (Ganz nebenbei mein absoluter Lieblingssong von ihr), schafft sie hier das Gefühl der 50er Jahre in 5 knackige Minuten zu packen. Viele Bläser, Clapbeat, eingängige Melodien, toller Gesang. Regt zum Mitschnippsen und Bewegen an. Perfekte Musik für eine windige Fahrt mit dem Cabrio durch die Wüste.
"Love drought" klingt sehr synthetisch, sticht durch seine kosmischen Klänge hervor und gehört zu den sehr wenigen nur netten Songs. Hätte auf "4" gut gepasst, geht hier etwas unter.
Mit "Sandcastles" liefert Beyoncé seit gefühlten Ewigkeiten eine reine Pianoballade. Klavier und Gesang ist insofern außergewöhnlich, dass diese schlichte Kombination bisher nie in ihrem Repertoire aufgetaucht ist. Wenn Ballade, dann voller Power. Hier hingegen zerbrechlich, nachdenklich und schwermütig. Wie gut sie singen kann, weiß zwar jeder, wird aber hier gerne erneut unter Beweis gestellt, da einigen vielleicht bei den vorigen Nummern der Gesang zu stark unterging. Hier wird nachgeholfen. Eine leicht kratzige Stimme, die verheult klingt. Eine weitere Überraschung, die ebenfalls funktioniert.
Dem nicht genug, traut sich Track 9 noch mehr zu. Gastmusiker 3 ist der 27-Jährige Engländer James Blake, der anscheinend nicht nur mich mit seinem fast schon nihilistischen und dennoch unglaublich eindringlichen Debutalbum beeindruckte. Der Dubstep-Künstler kreiiert vor allen Dingen eins: Klanglandschaften mit triefenden Bässen, die sich einfräsen. Genau das macht das knappe Interlude "Forward" auch, welches gerade 80 Sekunden geht und bis zur Hälfte Beyoncé nicht mal hören lässt. Stand sie bei den zwei vorigen Features klar im Vordergrund, ist sie hier sogar nur zweite Stimme. Es klingt quasi so, als sei sie der Gast. Mutig, deswegen aber womöglich auch so kurz geraten. Wer sich so stark auf seinen Gastmusiker verlässt, hat definitiv bereits genug erreicht - so etwas würden wohl die Wenigsten machen. Auch hier sei der geschickte Übergang erwähnenswert, da der Track mit einem alleinstehenden Klavierakkord beginnt und genauso zum vorigen Song hätte gehören können.
"Freedom" wird durch Kendrick Lamar begleitet, der spätestens seit den Grammys auch in Deutschland eine breitere Bekanntheit erlangt haben sollte. Der vierte und letzte Gastmusiker lässt seinen unverkennbaren, harten HipHop-Klang mit 1000 Spielereien deutlich erkennen. Dazu singt Beyoncé starke Lyrics über eingeschränkte Freiheit, das Gefühl in Enge zu ersticken. Die Nummer drückt richtig, kann direkt mitgesungen werden und wird mit großer Sicherheit dieses Jahr in Heavy Rotation genommen. Zu Recht!
Das Finale leitet das verträumte "All night" ein, welches schleppend und dennoch wohltuend daherkommt. Hätte auf "I am Sasha Fierce" eine sehr passende Figur gemacht und fühlt sich einfach gut an. Der mit fast 5 1/2 Minuten längste Song setzt auf sein leichtes, einfach schönes Gefühl. Auch hier werden prägnante Bläser verwendet, die das Ganze abrunden.
Abschluss findet "Lemonade" beim bereits bekannten "Formation", das durch politische und gesellschaftskritische Statements auffällt, HipHop der besten Sorte darstellt und gerade für Fans der derberen Tracks geeignet sein soll. "Ring the alarm", "Diva" oder "Freakum dress" sind mögliche Anhaltspunkte. Benötigt einige Anläufe und punktet dann gewaltig.

Ende! 12 Tracks, die für Abwechslung sorgen, dabei dennoch stimmig klingen, aufeinander abgestimmt sind und zu keiner Sekunde langweilen. Beyoncé fordert ihre Fans heraus, erweitert den musikalischen Horizont, erwartet Toleranz und liefert dennoch mehr Gewohntes ab als beim etwas zu waghalsigen Experiment "Beyoncé". So gut hat mir ein Album von ihr noch nie gefallen, da es trotz eingängigen Melodien sich traut, über den Tellerrand hinaus zu gucken und einfach Pop in vielen Facetten präsentiert. Beyoncé hat damit das geschafft, was selten glückt: Musikrichtungen zu vermischen, dabei gleichzeitig sich nicht zu verlieren und eigenständig zu klingen. Wie gut das wohl mit Film sein mag!? So oder so ein klares Highlight 2016.


PD PD012 - Concordia, Brettspiel
PD PD012 - Concordia, Brettspiel
Preis: EUR 31,99

4.0 von 5 Sternen Ein eher ruhiges & anspruchsvolles Strategiespiel, das leider etwas die Interaktion vermissen lässt, 16. April 2016
Rezension bezieht sich auf: PD PD012 - Concordia, Brettspiel (Spielzeug)
Mit einem Spieleschrank, der über 70 Brettspiele umfasst, behaupte ich mal, dass ich mittlerweile einen sehr guten Überblick über das Gesellschaftsspielgeschehen der letzten Jahre habe. Seit einiger Zeit sind Spieleabend bei mir und meinen Freunden so in, dass man ständig neue Spiele kennenlernt und dadurch aber natürlich auch kritischer wird.

"Concordia" ist nun seit einigen Monaten in meinem Besitz, weil es Freunde empfohlen haben. Gespielt hatte ich es vor dem Kauf nicht und vertraute auf deren Meinung. Nun habe ich 3 Partien rum (zwei davon zu zweit, eine zu fünft).

Für einen recht stolzen Preis bekommt man zunächst erst mal super viel geboten. Das Spielbrett, welches sich im großen Karton befindet, ist ebenso überdurchschnittlich groß, sehr bunt illustriert und optisch echt ansprechend. Dazu gibt es Münzen, unzählige Karten und noch mehr Holzfiguren. Allein das ist schon mal ein Kompliment wert, das Spiel sieht zum Ende einer Partie wirklich toll aus. Größtes Kompliment: Das Brett hat gleich zwei unterschiedliche Pläne, die je nach Spieleranzahl ausgewählt werden können.
Die Anleitung ist eigentlich schon die erste Hürde. Das Spiel ist zurecht als "Kennerspiel des Jahres" nominiert worden und legt im Vergleich zu seiner Konkurrenz "Istanbul", welches den Preis letztendlich eingesackt hat, doch einige Schüppen drauf. Das Ziel ist es, möglichst viele Siegpunkte zu bekommen. An die kommt man, indem man Provinzen kauft. Jede Provinz wirft unterschiedlich lukrative Waren ab. Angefangen beim günstigen Ziegel bis hin zum teuren Tuch. Besitzt man genügend dieser Waren, kann man sie entweder gegen Geld eintauschen, sich neue Städte kaufen oder Karten, die einem positiv weiterhelfen sollen. Um über das Spielfeld zu wandern, hat man zunächst eine Figur, die sich auf dem Land und ein Schiff, das sich über Wasser bewegt, zur Verfügung. Mit dem nötigen Kleingeld kann man das Ganze auf bis zu 6 Figuren aufstocken. "Concordia" erinnert streckenweise an "Dominion", da zunächst jeder Spieler den gleichen Stock an Karten besitzt, von der er pro Runde eine einsetzen darf, um diese Aktion anschließend spielen zu können. Eine der Karten ist dafür da, dass man alle benutzten Karten wieder aufnehmen darf. Bis dahin sind diese aber blockiert. Es handelt sich somit um ein klassisches Tauschspiel: Aus Geld wird Ware, aus Ware werden Städte oder Karten, aus Städten und Karten werden Siegpunkte.

Bis eine gute Strategie entwickelt ist, dauert es seine Zeit. Gerade das erste Spiel ist für Neueinsteiger zunächst sehr zäh. Man handelt eigentlich so, wie es die erfahrenen Spieler machen, da die "?" im Kopf doch einige sind. Es muss erst mal gecheckt werden, wofür die Karten nun gut sind, was ein guter Zug ist und eher ein wenig ergiebiger. Geduld also! Zu fünft haben wir 3 1/2 Stunden gespielt, darunter waren 3, die es vorher nicht kannten. Hat man aber einmal für sich entdeckt, wie es läuft, ist es doch recht tricky und spannungserzeugend. Zu zweit ging das Spiel kürzer.

Neben "Dominion" sind auch "Die Siedler von Catan", "Russian Railroads" und in Teilen auch "7 wonders" oder "Istanbul" gute Anhaltspunkte, um zu wissen, was man ungefähr bekommt. Ich würde den Strategieanteil auf 90% und den Glücksanteil auf 10% schätzen. Es ist durchaus möglich, gleich mehrere Runden zu planen. Nur selten kommt einem ein Mitspieler wirklich dazwischen, wenn er eine Stadt oder Karte kurz vor einem kauft. Dennoch sollte man jeden Schritt gut überlegen, da jede Karte halt nur einmal über mehrere Runden benutzt werden kann und man sich doch schnell ärgert, wenn man eigentlich eine bessere hätte wählen können. Weil diese Entscheidungen so große Konsequenzen mit sich ziehen können, sind alle Spieler eher in sich gekehrt. Da nicht gehandelt oder untereinander verkauft/getauscht werden kann, ist der Kommunikationsanteil gleich Null. Hier spielt jeder wirklich für sich.

Absolutes Highlight ist neben der gelungenen Optik das Punktesystem. Wie zunächst zu vermuten, ist nämlich nicht derjenige der Gewinner, der die meisten Provinzen besitzt. Er kann es sein, muss es aber nicht. Stattdessen werden die errungenen Karten sortiert. Jede Karte entspricht einer bestimmten Kategorie. Jede Kategorie steht für eine Umrechnung in Siegpunkte. Beispiel: "Jede deiner eingesetzten Figuren bringt dir 2 Siegpunkte ein". Besitzt man also 6 Figuren auf dem Brett, sind das zunächst einmal 12 Siegpunkte. Hat man jedoch gleich mehrere Karten dieser Kategorie, wird das ganze dementsprechend multipliziert. Bei 2 Karten also 24 Siegpunkte, bei 3 36 Siegpunkte usw.. Man bekommt Siegpunkte für übriggebliebenes Geld, übriggebliebene Waren, die Anzahl der Provinzen, in denen man steht, eingesetzte Figuren, Anzahl der unterschiedlichen Waren, die man durch die Provinzen produzieren kann und und und! Damit jeder Spieler weiß, für was es eigentlich Punkte gibt, gibt es eine Zwischenwertung. Danach wird jeder noch mal seine Strategie verfeinern, da es nicht schlau ist, einfach alles zu tun, sondern sich eher auf ein paar Dinge zu konzentrieren. Somit ist das Spiel bis zur Abrechnung eigentlich schwer zu durchschauen und der Überraschungseffekt mit Sicherheit da. Das empfinde ich als großes Plus - andere, denen Kontrolle wichtig ist, eher als Minus. Die sollten sich aber nach einigen Spielen besser fühlen, da sie nun wissen, wofür es viele Punkte gibt und wie man an diese herankommt.

Insgesamt finde ich, dass "Concordia" ein gutes Spiel ist, das kein Muss im Standardschrank ist, aber im erweiterten Schatzkästchen doch seine Daseinsberechtigung hat. Definitiv NUR für Strategiefans und Vielspieler, die nichts dem Zufall überlassen, außerdem dazu bereit sind, sich etwas einzuarbeiten und Lust auf Überraschungen am Ende haben. Eine zweite Spielrunde wird die Zeit definitiv verkürzen, da gerade zum Ende des Spiels jeder wesentlich schneller spielt und seine eigene Strategie hat. Es funktioniert auch zu zweit ganz gut, war aber zu fünft besser, wenn auch länger. Ich denke, dass 4 die perfekte Spieleranzahl ist. Die bisher erschienenen Erweiterungen kenne ich leider nicht und kann somit keine Meinung abgeben.


If You Wait
If You Wait

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ladies and Gentlemen: Die beste CD der letzten 10 Jahre., 7. April 2016
Rezension bezieht sich auf: If You Wait (Audio CD)
Da ich Musikwissenschaft im Master studiere und anschließend journalistisch arbeiten möchte, ballere ich mich nahezu täglich mit frischer Kost zu. Ich höre somit EXTREM viel aus jedem Genre. Im Jahr höre ich bestimmt 60 Alben, die das Licht der Popwelt erblicken. Dabei ist der Großteil das Mittelfeld und nur ein kleiner Teil schafft mich wirklich zu überzeugen.

Und dann gab es im November '13 London Grammar und ihr Debut "If you wait". Fast 2 1/2 Jahre sind vergangen und es mag pathetisch, kitschig und übertrieben klingen, aber dieses Album ist das beste, was ich in 10 Jahren gehört habe. Vielleicht ist es sogar eines der 5 besten Alben, die ich jemals gehört habe.

"If you wait" schafft etwas, was Künstler sonst kaum zu Stande kriegen: Einen individuellen, neuartigen Sound, der auf Albumlänge funktioniert. Der in sich geschlossen klingt. Der EINE Stimmung aufbaut und diese bis ans Ende durchzieht. Der selbst nach 100 Durchläufen nicht nachgibt. Ein Sound, indem immer wieder etwas entdeckt werden kann, was man vorher nicht gehört hat. Eine absolute Rarität, schier eine Seltenheit.

Ein Highlight zu nennen ist quasi unmöglich, da London Grammar hier 11 Songs liefern, die in etwa alle die gleiche hohe Qualität bieten. "If you wait" ist die CD, die man anmacht und bei der man sich direkt beim ersten Track anders fühlt. Man sehnt seine persönlichen Favoriten herbei und wenn es zu Ende ist, möchte man eigentlich direkt wieder von vorn beginnen.

Wie aber klingt nun dieses wahrhaftige Meisterwerk? "If you wait" ist zunächst kein Massenalbum, dafür ist es vom Sound her viel zu speziell. Die Stimmung ist durchgehend bedrückend, extrem schwermütig, traurig. Man reflektiert sein Leben, seine jetzige Situation, schaut unsicher in die Zukunft - und dennoch bietet die Musik so viel Identifikation, dass man sich nie allein fühlt. "If you wait" ist depressiv, aber nicht verzweifelt. "If you wait" ist teilweise sehr kühl und dennoch extrem einhüllend. Nie schaffte ein ganzes Album so genial Lebenslagen von mir einzufangen. Als Mittzwanziger-Student empfand ich unglaublich viel beim ersten, zweiten und nun auch beim... keine Ahnung wievielten Durchlauf.

Klanglich ist "If you wait" in erster Linie elektronisch. Zeitgleich aber auch reduziert, ruhig und überhaupt nicht tanzbar. Wenn überhaupt kann man die Augen schließen und leicht mitschwingen. Außerdem ist der Sound poppig, aber nicht alltäglich. Alternativ, aber nicht rockig. Hannah Reid ist mit einer sehr fordernden, wehmütigen Sopranstimme ausgezeichnet, die treffender zur Musik nicht sein könnte. Dan Rothman an der Gitarre sorgt für Hooks, die genauso melodiös sind wie die Gesangsparts. Dot Major zaubert am Keyboard und am Drumcomputer keine Beats, sondern Klanglandschaften. Jeder Song hat eine Art Klimax. Es baut auf, es gipfelt, es verschwindet. Das erinnert zwischenzeitlich an Björk oder an The XX, nur in besser. In eindringlicher. In eingängiger.

Wie perfekt ein Aufbau funktionieren kann, zeigt der Opener "Hey now", der mir JEDES Mal beim Beatdrop eine absolute Gänsehaut beschafft. Wahnsinn. Das bekannte "Strong" stellt nicht weniger als eine der stärksten Balladen überhaupt dar, an dem ein jedes Herz für Minuten droht zu zerbrechen. "If you wait" und "Interlude (Live)" reduzieren sich auf Piano, Gesang und wenige Effekte und liefern Musik für jeden Abspann eines eindrücklichen Arthaus-Films. Hin und wieder darf die Musik mal grooven, zeigen nämlich "Flickers" und "Metal and dust", dass elektronischer Indiepop mehr ist als nur ein bisschen Beat. Auch hier geht die Instrumentierung richtig tief, "Metal and dust" schafft sogar einen gemeinen Ohrwurm. "Wasting my young years" beschreibt das kaum auszuhaltende Gefühl, dass man seine Zeit nicht richtig nutzt, aber jede Nutzung von Zeit ihre Berechtigung hat. Mit "Nightcall" zeigen die 3 Briten (die lustigerweise aus Nottingham und nicht aus London stammen) wie ein Cover von einem Song richtig funktioniert. Hier wurde aus einem guten Original ein opulentes Stück kreiert. "Sights", "Shyer" und "Stay awake" überzeugen alle auf ihre ganz eigene Art. Einige Songs zünden direkt nach dem ersten Durchlauf, andere brauchen Raum und Geduld.

Wer noch die Möglichkeit hat an die Deluxe Edition zu kommen, sollte das unbedingt tun. Hier zeigen London Grammar nämlich ihre kreative Ader, weichen teilweise von ihrem Grundmuster ab und machen genau das Richtige: Sie geben eine Bonus-CD mit 6 Tracks, die etwas wagen und das Gesamtbild von CD1 nicht stören, sondern weiterspinnen. DAFÜR sind Deluxe Editions gemacht, nicht um B-Seiten zu verbraten oder mit Remixes unnötig aufzufüllen. Gerade das mit Trommeln verzierte und leicht nach Latin klingende "Darling are you gonna leave me" ist gar kein Vergleich zum Rest. Ebenso wie das Bossa-artige "Maybe", das extrem coole "High life" und der wohl außergewöhnlichste Song der Platte, "Help me lose my mind", das Dank dem DJ-Duo Disclosure in jedem Club gespielt werden könnte. Dance der allerfeinsten Sorte. "Maybe" und "When we were young" runden mit ihrer wehleidigen Darbietung ab und spucken einen zurück in die Realität. Nach einer Stunde Traumwelt.

Ich habe kein Problem damit, Komplimente zu geben. Natürlich freue ich mich, wenn mein investiertes Geld richtig angelegt war. Ich habe aber auch kein Problem damit, wenn ich eine CD besser nicht gekauft hätte. Ich rede mir definitiv nichts schön. Deswegen, um es noch mal zu verdeutlichen: London Grammar haben sich mit "If you wait" ein absolutes Denkmal gesetzt. Ohne übertreiben zu wollen. Ein Album, das von Anfang bis Ende die Qualität hält, eine Stimmung erzeugt und dabei zu keiner Sekunde langweilt. Wem das alles nicht genügt, sollte unbedingt bei YouTube in die Cover von "Wrecking ball", "Wicked game" oder "Pure shores" hören. Selbst hier schafft die Band mit einem fremden Song den ganz persönlichen Sound unverkennbar durchklingen zu lassen.

Bald soll Album 2 folgen, bei dem ich mir jetzt schon sicher bin, dass es nicht mithalten wird. Das macht aber nichts. Diese Platte hier genügt. Auch nach 2 1/2 Jahren hat sie von ihrer Aura nichts verloren und wird dies auch in 20 Jahren nicht tun. Danke für eine CD, die ein Lebensgefühl von mir für immer festhalten wird.

P.S.: Sollte sich jemand von euch überlegen, sich das Trio live anzuschauen - sei gewarnt! Auch wenn der Sound Live tatsächlich 1:1 genauso klingt wie auf CD und somit die Atmosphäre noch intensiviert wird, besitzt die Band Allüren, die fast schon frech sind. 50 Minuten Konzert und 10 Songs (also nicht mal das ganze Album) sind keine Seltenheit, sondern absolut normal. Mehrere Konzerte wurden mittig beendet, teilweise grundlos. So auch das Konzert, das ich besucht habe. Hannah ging es nicht so gut - aha, davon hat man nur nichts gemerkt. 45 Minuten lang hatte ich ein unglaubliches Erlebnis, dann war schlagartig Ende. Nicht mal "Strong" habe ich gehört. Also Vorsicht, "professionell" ist für die Band anscheinend ein Fremdwort. Das soll aber dem Album keinen Abbruch tun...
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 14, 2016 7:48 PM MEST


Sweet Talker
Sweet Talker
Preis: EUR 4,99

3.0 von 5 Sternen Musikalisch zwar etwas anders gestaltet, qualitativ aber "Alive" Reloaded!, 7. April 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sweet Talker (Audio CD)
Wirklich auf dem Schirm habe ich Jessie J erst seit Mai 2015. Natürlich kannte ich "Price tag", "Domino" und "Wild" schon vorher und war besonders von dem erstgenannten damals echt angetan. Absolut überzeugt hat mich aber erst "Bang bang", das mal RICHTIG groovt. Ein Freund von mir wollte unbedingt, dass ich mit ihm das Konzert in Köln im Juni '15 besuche und was soll ich sagen: Im Februar '16 war ich erneut bei ihr und beide Konzerte waren GRANDIOS. Jessie J ist ganz klar DIE Sängerin der 2000er Jahre und hat gesanglich die für mich beste Leistung abgeliefert, die ich bisher live gesehen habe - und ich war auf über 70 Konzerten, darunter bei Pink, Christina Aguilera und Lady GaGa. Können alle mit Jessie J nicht mithalten. Unglaublich, aber wahr.

Leider gibt es aber von der Guten weder ein Live- noch ein Unplugged-Album. Somit muss wohl oder übel auf die nun mittlerweile 3 Studioalben zurückgegriffen werden, die alle ein Manko vorzuweisen haben: lag es beim Debut "Who you are" noch ganz klar an der Produktion und der oft viel zu stark bearbeiteten Stimme der Künstlerin, liefern "Alive" und nun auch "Sweet talker" nur streckenweise gute Songs ab. Gesanglich haut Frau Cornish hier einem grandiose Akrobatik um die Ohren - das allein reicht aber nicht, wenn das Songwriting nur Durchschnitt ist.

Dabei beginnt "Sweet talker" RICHTIG stark. "Ain't been done" ist rotzig, macht Spaß, sorgt für einen grandiosen Ohrwurm und macht einfach alles richtig. Der voller Energie strotzende Stomper bietet genau die richtigen Beats zur Eröffnung. Noch stärker ist hingegen "Burnin' up", das vor 10 Jahren in jeder R'n'B-Disko gelaufen wäre. Absolut genial. Hier darf mal richtig mit dem Arsch gewackelt werden. Die Hüften schwingen, der Bass brummt und Jessie J gibt alles. Dazu Clapbeat und eine kurze Rapeinlage - voll geil, wirklich! "Bang bang" ist nicht weniger als die stärkste Frauenkollaboration seit "Lady Marmelade". Pop-R'n'B der Extraklasse. Super starker Refrain, sexy, gesanglich schwer nachzuahmen. Dazu spritzige Raps von Nicki Minaj (die ich sonst ganz ganz furchtbar finde) und selbst Ariana Grande macht ihre Arbeit gut. Nutzt sich auch nach 100 Mal hören nicht ab.

Und das war es schon an Highlights. Insgesamt klingt die Scheibe zwar in sich homogener und macht einen klareren Sound aus, der aber einfach mehr Hits braucht, die für ein mainstreamiges Popalbum obligatorisch sind. Stattdessen wäre der Titeltrack "Sweet talker" ohne die guten Elektrobreaks komplett uninteressant. "Seal me with a kiss" ist nett, aber absolut unspektakulär. Das oft hoch angepriesene "Masterpiece" macht textlich einiges wett, nervt aber doch recht schnell dank der leichten Kinderliedmelodie. "Fire" soll aufwendigen Leinwand-Bombast-Pop darstellen, schafft dies aber auch nur in Ansätzen. "Loud" wird durch die Violinistin Lindsey Stirling unterstützt, bleibt aber auch nach vier Durchläufen nicht im Ohr. Einen kleinen Lichtblick stellt die Ballade "Get away" dar, die das Album beendet und kurzzeitig an das Highlight "I miss her" vom Vorgänger erinnert. Jessie singt grandios, ein Chor gibt wohlige Schauer, schafft aber auch melodiös nicht richtig zu packen. Gut ist der letzte Song trotzdem.

Würde ich mir die besten Tracks aus 3 Alben zusammenstellen, hätte ich ein absolutes Hit auf Hit-Album. Jessie J kann gute Songs schreiben, ja. Aber anscheinend immer nur maximal eine handvoll in zwei Jahren. Weiterhin fraglich finde ich ihre häufig freizügige Art, die zwar feministisch sein soll, aber leider das Ganze ein wenig billig erscheinen lässt. Irgendwie mehr peinlich als bekehrend, zumindest für mich als Mittzwanziger. Das richtige Künstlerimage hat sie auch jetzt noch nicht - nach 3 Longplayern.

Die Richtung ist immer gut. Die Ansätze sind immer super. Nur die Konsequenz nicht. Am besten funktioniert Jessie J immer dann, wenn sie RICHTIG Gas gibt, egal in welcher Form: starker Poprock ("Ain't been done", "Sexy lady" und "Thunder" vom Vorgänger), geiler HipHop mit Tanzcharakter ("Burnin' up", "Do it like a dude" vom Debut), grandiose Gesangsleistungen zum Mitsingen ("Bang bang", "Nobody's perfect" und "Mamma knows best" vom Debut) oder absolute Breitwandballade ("I miss her" von Alive, "Who you are" vom Debut). Somit mein Tipp nach 3 Alben: Die Rosinen herauspicken, einzeln herunterladen und auf ein Livealbum warten, das uns alle gegen die Wand drücken wird. Mit Sicherheit!


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