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Titania (Germany)

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Kalter Hauch: Psychothriller
Kalter Hauch: Psychothriller
von Claudia Vilshöfer
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Ein Psychothriller???? Für mich statt Thrill nur gähnende Langeweile ..., 7. April 2015
Rezension bezieht sich auf: Kalter Hauch: Psychothriller (Taschenbuch)
Der Klappentext klang gut: Zwei Männer (Martin und Cornelius) treffen nach über 20 Jahren wieder aufeinander und werden an eine Tragödie erinnert, die beide schuldbeladen zurückließ. Nun befinden sie sich mit Cornelius' attraktiver Frau Nadja auf einem Mittelmeertörn, und Martin merkt, dass irgendetwas nicht stimmt, dass er "Teil eines tödlichen Plans ist, der unausweichlich in einer Katastrophe enden wird" (Zitat).

Darunter steht: "Dunkel, beklemmend, raffiniert - ein Psychothriller, der kaum Zeit zum Atmen lässt" (wohlgemerkt KEIN Zitat irgendeiner mehr oder weniger renommierten Frauen- oder sonstigen Zeitschrift, wie man sie sonst oft nach der Inhaltsübersicht findet, sondern Eigenlob des Verlags).
"Keine Zeit zum Atmen" stimmt (fast), denn vor lauter Gähnen kommt man wirklich kaum zum Atmen ...

Zur Kritik im Einzelnen:
1. Die Figuren sind klischeehaft und überzeichnet und somit unglaubwürdig (braungebrannter attraktiver Skipper (Martin); aufgedunsen-unattraktiver Sprössling einer reichen Arztfamilie, der sich - oh Wunder - in einen attraktiven (!) Schönheitschirurgen verwandelt, der - völlig widersprüchlich - mal als "blutleer", "hölzern" und "langweilig", dannn wieder als "aristokratisch" und "attraktiv" (s.o.) beschrieben wird; eine überaus schöne, aber kaltherzig-grausame Mutter; ein Vater (Herzchirurg), der vor lauter Arbeit nie zuhause ist; und zwei hübsche Mädchen mit dunklen Locken (vor allem Nadja erinnert eher an eine - dunkelhaarige - Barbiepuppe).

2. Die Spannung geht - trotz vieler ominöser Vorausdeutungen - leider ziemlich schnell über Bord: dank langatmiger, aber völlig plakativer und klischeehafter Beschreibungen der italienischen Küste und Touristenstädte ("Postkartenidyll"), uninteressanten Gesprächen und kapitelweise eingeschobenen endlosen Rückblicken über Martins, Cornelius' und Nadjas Jugend. Wieso wurden diese Erinnerungen nicht mit der aktuellen Handlung verwoben?? Es wäre für den Leser viel spannender gewesen, wenn er bruchstückhaft von den Ereignissen der Vergangenheit erfahren hätte statt "en bloc".

3. Die Handlung ist melodramatisch und schleppt sich aufgrund der oben genannten fehlenden Spannung mühselig dahin. Der Schluss kann nicht überzeugen (Klischee und noch mehr Melodramatik und völlig unglaubwürdig - in der heutigen Zeit kann man sich nicht mal so einfach nach Südamerika absetzen, wie das vielleicht in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch möglich war). Auch die große "Tragödie" (der Todesfall) in der Jugend der beiden Männer war in meinen Augen nur ein lauwarmer Abklatsch dessen, was man sich unter diesem Begriff vorstellt.

4. Die Erzählperspektive wird nicht einheitlich durchgehalten, vor allem im ersten Teil. Während zunächst ausschließlich aus Martins Sicht erzählt wird, wechselt sie plötzlich zu Cornelius oder Nadja - allerdings nur für wenige Sätze. Das irritiert den Leser und reißt ihn aus der Handlung heraus. Entweder durchgehend personal, auch gerne multipersonal (aber dann bitte deutlich machen, wann aus einer anderen Perspektive erzählt wird, wie es ja später auch in den Jugenderinnerungen der drei Hauptfiguren der Fall ist) oder aber durchgehend auktorial (allwissend). Ein zielloses Hin und Her wirkt ausgesprochen unprofessionell und hätte ich bei einer Autorin, die bereits zwei andere Romane verfasst hat, nicht erwartet (hat der Lektor/die Lektorin des Diana-Verlags hier geschlafen?).

5. Last but not least die Sprache: Sie ist schlicht (was ja eventuell noch ok wäre), enthält aber zu viele Platitüden und abgegriffene Bilder, die schon zigmal so verwendet wurden und zu Klischees erstarrt sind.

Fazit: Ein verschwendeter Abend und etwas Futter für die Papiertonne!


Amazonien
Amazonien
DVD ~ **
Preis: EUR 10,49

2.0 von 5 Sternen Enttäuschend!, 27. Dezember 2014
Rezension bezieht sich auf: Amazonien (DVD)
Dieser Amazonien-Dokumentationsfilm des Bayerischen Fernsehens entpuppte sich als kompletter Fehlkauf!

Obwohl als Laufzeit ca. 30 Minuten angegeben werden, dauerte die Doku nur ca. 20 Minuten; dazu kamen noch einige wenige Minuten über die brasilianische Küstenstadt Salvador da Bahia, die auf dem Cover der DVD überhaupt nicht genannt wird (vermutlich hielt man dies auch nicht für erwähnenswert, da die Infos eher oberflächlich sind).
Als Produktionsjahr (der DVD) wurde 2013 angegeben; im Fernsehen wurde die Doku aber bereits 2008 gezeigt - immerhin ein zeitlicher Unterschied von 5 Jahren.

Zum Inhalt: Mit einem der typischen Amazonastouristenschiffe schippern die Fernsehleute des BR zusammen mit weiteren Touristen über den Amazonas, den Rio Negro und den Rio Solimoes (wie der Amazonas auf brasilianischer Seite vor dem Zusammenfluss mit dem Rio Negro zum eigentlichen Amazonas genannt wird). Gelegentlich geht es mit zwei Beibooten in Seitenarme des riesigen Flusses. Ein bisschen Urwaldfeeling auf einer Urwaldwanderung, Piranha-Angeln (Nein, der "rote" Piranha ist nicht die gefährlichste Art, sondern der "schwarze" Piranha!!), Füttern von rosa Flussdelphinen, ein Faultier auf dem Arm des Reiseleiters zum zaghaften Betatschen sowie ein kurzer Besuch bei einer Caboclo-Familie (= Nachkommen von Indios und Weißen) mit typischen Bildern beim Maniok-Schälen und Schaukeln in der Hängematte. Nicht zu vergessen ein Abstecher zur berühmten Oper in Manaus (mit nur wenigen Infos) und ein Besuch auf dem Fischmarkt dieser Urwaldmetropole. Das war's dann auch schon. Ein absolut oberflächlicher Film, der einen typischen Touristenurlaub am Amazonas zeigt - und nicht mehr!

Wer einen Kurzurlaub am Amazonas buchen und sich vorab informieren will, was ihn auf dieser Fahrt erwartet, für den ist diese DVD von einem gewissen Erkenntnisgewinn (ich selbst habe vor Jahren eine solche Tour unternommen).

Wer allerdings hofft, man werde Näheres über die "Lebensweise, Kultur und Geschichte Amazoniens" (siehe Titel auf dem DVD-Cover) erfahren, der muss zwangsläufig enttäuscht werden, da die Informationen an der Oberfläche bleiben und über ein allgemeines Touristen-Niveau nicht hinausgehen.

Als Unverschämtheit empfinde ich allerdings, dass auf dem rückseitigen Cover werbewirksam gesagt wird, dass "ein Besuch bei den Indianern Amazoniens, die im Einklang mit der Natur leben ... einer der Höhepunkte einer Schiffsreise durch den tropischen Regenwald" sei - "einer" Schiffsreise wohlgemerkt, nicht "dieser" hier gefilmten Reise! Von den Ureinwohnern bekommt man nämlich nichts zu sehen!
Ebenso tauchen die beiden bildschönen Gelbbrust-Aras, die das Cover verschönern, an keiner Stelle im Film auf!

Fazit: Mit fast 10 Euro absolut überteuert für das, was geboten wird! Für mich ein Fehlkauf!


Grand Hotel - Die komplette erste Staffel [4 DVDs]
Grand Hotel - Die komplette erste Staffel [4 DVDs]
DVD ~ Yon González
Preis: EUR 12,99

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Spannend ... aber mit dramaturgischen Schwächen!, 17. Oktober 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die spanische Serie "Grand Hotel" erinnert an südamerikanische Telenovelas: viel Spannung, Drama, Intrigen, üble Machenschaften, Lüge und Betrug; die Charaktere sind eindimensional (entweder nur gut - bis hin zu grenzenloser Naivität und Gutmütigkeit, oder nur böse); die Konflikte sind einfach konstruiert (Gut gegen Böse) und enden in jeder Folge mit einem Cliffhanger, der zum Weiterschauen motiviert.

Gelungen fand ich die Hotel-Szenerie, die prächtigen Kostüme und den Aufbau der Spannung um das mysteriöse Verschwinden Cristinas, der Schwester des männlichen Protagonisten Júlios. Letzterer schleicht sich als Kellner in das Hotel ein, um das Schicksal seiner Schwester zu klären. Dabei tauchen immer mehr Details auf, die darauf schließen lassen, dass diese ermordet wurde.
Gelungen fand ich auch die vielen unerwarteten Wendungen. Immer, wenn man glaubt, dass eine Figur (ob gut oder böse) die Nase vorn hat, werden ihre Bemühungen durch ihren Widersacher/Gegner wieder vereitelt.

Weniger gelungen sind meiner Meinung nach die dramaturgischen Kniffe, die dazu führen, dass jemand etwas Wichtiges erfährt. Zum Beispiel wird der Trick des "Lauschens" zu oft angewendet: Ständig erfahren die Figuren, egal ob gut oder böse, etwas, indem sie zufällig hinter einer Tür stehen oder sich im Nebenraum befinden und ein Gespräch mithören können.
Ein Brief in einem roten Umschlag spielt eine wichtige Rolle: Man fragt sich als Zuschauer aber, warum um Himmels Willen dieser von denjenigen, denen er schaden könnte, nicht vernichtet wird - schließlich enthält er eine brisante Enthüllung.
Ein weiterer dramaturgischer Schwachpunkt ist die Konzeption der Figur des Kellners Júlio. Während man die Art und Weise, wie er sich die Stelle als Kellner in dem Grand Hotel erschleicht, noch hinnehmen mag, so kann in keinster Weise überzeugen, wie er, obwohl er kein ausgebildeter Kellner ist, diesen Job von Anfang an ohne Probleme meistert. Zudem wechselt er in der ersten Folge locker vom Kellner zum Hotelgast, um einer älteren Dame eine Information zu entlocken. Dies ist absolut unglaubwürdig. Ein Mitglied der Oberschicht hätte um 1905 (das Jahr, in dem die Serie spielt) sofort jemanden aus der Unter- bzw. Arbeiterschicht enttarnt: anhand der Sprache, des Benehmens und der Konversation. Außerdem verwundert, wie oft Júlio seiner Arbeit ohne Konsequenzen von Seiten seiner Vorgesetzten fernbleiben kann (um Recherchen zu dem Mordfall zu betreiben). Scheinbar fällt sein Fehlen niemandem auf, was sehr unwahrscheinlich ist.
Absolut melodramatisch aber fand ich die aufkeimende Liebe zwischen Júlio und Alícia, der Tochter der Hotelbesitzerin. Dies ist zu der Zeit, in der die Handlung der Serie spielt, ein absolutes No-Go! Eine Tochter aus gutem Hause hätte sich NIE mit einem Angestellten abgegeben (während die männlichen Mitglieder sich durchaus mit Zimmermädchen im Bett vergnügten, ohne natürlich eine Ehe in Erwägung zu ziehen!). Hätte man die Handlung in die Zeit nach dem 1. Weltkrieg verlegt, wäre eine solche Beziehung zwischen Kellner und "Höherer Tochter" schon etwas glaubhafter gewesen, denn in den Zwanziger Jahren machte die Emanzipation der Frau Fortschritte und Standesgrenzen konnten, auch wenn sie immer noch bestanden, leichter überwunden werden. Um 1905 jedoch ist dies absolut undenkbar. Während man als Zuschauer in den ersten Folgen das Prickeln zwischen Júlio und Alícia durchaus noch akzeptieren konnte (schließlich ist er ein hübscher junger Bursche), waren die letzten Folgen, in denen sich ihre Beziehung intensivierte, in meinen Augen aufgrund ihrer Unglaubwürdigkeit unerträglich.

Auch die Auflösung des Kriminalfalls fand ich ausgesprochen unbefriedigend. Nach all dem Drama, den vielen guten Wendungen, den geschickten Intrigen und Lügen hätte dieser Fall eine bessere Lösung verdient!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 19, 2014 3:03 PM CET


Liegrümchen und Unterwegschen ... auch ein Kinderreiseführer durch die Nordeifel
Liegrümchen und Unterwegschen ... auch ein Kinderreiseführer durch die Nordeifel
von Brigitta Brand
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,60

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zwei liebenswerte Wichte erkunden die Eifel - ein wunderbares Buch (nicht nur für Kinder)!, 20. September 2014
Die Schriftstellerin Brigitta Brand schickt in ihrem phantasievollen Kinderbuch "Liegrümchen und Unterwegschen" (wunderschön illustriert von Charlet Gehrmann) zwei über 500 Jahre alte Wichte auf Entdeckungstour in die Nordeifel.

Der Leser schließt die beiden liebenswerten Kerlchen sofort in sein Herz und verfolgt mit Spannung, was sie auf ihren Ausflügen so alles erleben. Beispielsweise erkunden sie in Nettersheim, wo sie in einem Kinderbuchladen wohnen, den Steinrütsch mit den neuesten römischen Ausgrabungen, das Naturzentrum und das Haus der Fossilien. Außerdem besichtigen sie mit der bekannten Eifel-Schriftstellerin Sophie Lange die drei Matronen in der Görresburg.
Weitere Eifel-Orte, die die Wichte aufsuchen, sind Blankenheim, Gemünd, Bad Münstereifel und Kronenburg.

Unterwegs treffen sie oft Tiere, die ihnen bei ihren Unternehmungen helfen oder sie begleiten, wie z.B. einen Hasen, der ihnen den Zugang durch seinen Bau zu den römischen Ausgrabungen erlaubt, oder das Schaf Schafittchen, mit dem sie sich die Fossilien anschauen. Den Igel Olly besuchen die beiden Wichte mit den aprikosenfarbenen Haaren im Naturzentrum. Mit einem Drachen, der kein s sprechen kann, reisen sie dann nach Blankenheim.
Später tauchen auch noch bekannte Kinderbuchfiguren wie Pinocchio und die Prinzessin auf der Erbse auf. Letztere schläft hier nicht auf Matratzen, sondern auf sieben Büchern.

Wissenswertes aus der Region der Nordeifel wird von der Autorin kindgerecht vermittelt, aber so, dass auch Erwachsene noch eine Menge lernen können. Außerdem ist das Buch ein Plädoyer für das Lesen, denn in jedem Kapitel werden viele Kinderbücher erwähnt. Die beiden Wichte selbst ernähren sich sogar von den in den Büchern erwähnten Speisen. Gelegentlich verzehren sie aber auch "richtige" Nahrung, z.B. ein Eis, das ihnen der Nettersheimer Eismann Ali, einer der wenigen, der die Wichte sehen kann, schenkt.

Fazit: Dank der liebevoll gestalteten Figuren, der flott geschriebenen Dialoge und des spannend und unterhaltsam vermittelten Wissens ist dieses Kinderbuch ein wunderbarer Reiseführer für alle Kinder und jung gebliebenen Erwachsenen, für Eifelliebhaber, Eifeltouristen und alle anderen, die ein wenig mehr über die Nordeifel wissen möchten.
Absolut empfehlenswert!


Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert: Roman
Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert: Roman
von Joël Dicker
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,99

11 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Unglaublich platt und schlecht geschrieben!, 13. August 2014
Ich bin wirklich fassungslos: So etwas Schlechtes habe ich ewig nicht gelesen!!

Zur Handlung wurde in anderen Rezensionen bereits genug gesagt, deshalb beschränke ich mich hier auf einige Kritikpunkte:

1. Der Roman ist grottenlangweilig.
Auf der Rückseite meiner Ausgabe steht ein Zitat aus "Le Figaro": "Dieser Erzähler pumpt anhaltende Adrenalinstöße in unsere Venen."
Ich würde das Ganze folgendermaßen umschreiben: "Dieser Erzähler pumpt eimerweise Valium in unsere Venen."

2. Das Buch ist schlecht geschrieben.
Die Sprache ist ausgesprochen simpel, platt und phantasielos.

3. Die Charaktere sind flach und stereotyp.
Im Übrigen: Warum SIEZEN sich die beiden Schriftsteller Marcus Goldman und Harry Quebert, die doch offenbar trotz des Altersunterschiedes eng befreundet sind? Das Gleiche gilt für Harry und die schlechte Lolita-Kopie Nola Kellergan. Immerhin sind letztere Geliebte! In Amerika, dem Handlungsort, wäre es ein einfaches "you"; da der Autor aber aus Genf stammt und den Originaltext auf Französisch verfasst hat, gehe ich mal davon aus, dass die Übersetzerin das Siezen von ihm übernommen hat.

4. Die Rückwärtsnummerierung der Kapitel soll wohl originell sein. Ich finde sie nur befremdlich und aufgesetzt.

5. Zu viel Erzählbericht! Wie heißt es doch in jedem Schreibratgeber (nicht ohne Grund): "Show, don't tell!" Ein Bestsellerautor sollte das eigentlich wissen (ich lasse hier mal offen, ob ich Quebert, Goldman oder Dicker meine ... oder alle drei ).

6. Platte Dialoge.
Ein Beispiel gefällig? Bitte sehr: Marcus versucht in seinem Elternhaus seine abhanden gekommene Inspiration wiederzufinden, um einen zweiten Bestseller (ha ha) zu schreiben. Seine Mutter sitzt ihm aber ständig auf der Pelle:

- "Das ist sehr gut, Markie."
- "Mama, ich habe nicht eine Zeile geschrieben", sagte ich irgendwann.
- "Aber ich spüre, dass es gut wird."
- Mama, wenn du mich eine Weile allein lassen könntest ..."
- "Allein lassen? Warum? Hast du Blähungen? Musst du furzen? Du kannst in meiner Gegenwart furzen, mein Schatz. Ich bin deine Mutter."

Kommentar überflüssig.

Diese Liste könnte man endlos fortsetzen.

Fazit: Ich schlage eine Umbenennung dieses "Bestsellers" vor in "DER URSPRUNG DER LANGEWEILE" (in Abwandlung des von Harry Quebert geschriebenen Supersellers "Der Ursprung des Übels").

Eindeutig KEINE Kaufempfehlung.

Ich werde mich gleich auf den Weg machen, und diesen Langweilerschinken (760 Seiten!) in die Tonne kloppen (was ich als große Bücherliebhaberin nur äußerst selten tue).


Der Hof
Der Hof
von Simon Beckett
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine düstere Atmosphäre, falsche Spuren und ein spannungsgeladener Countdown, 12. August 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Hof (Gebundene Ausgabe)
Ich kenne die David Hunter-Thriller von Simon Beckett nicht und war deswegen völlig unvoreingenommen und ohne jegliche vorgefertigte Erwartungen an diesen Roman. Zum Glück, denn so konnte ich nicht, wie andere Rezensenten, enttäuscht werden.

Mich reizte der Plot: Der junge Engländer Sean landet bei der Flucht aus seiner Heimat auf einem abgelegenen, ziemlich heruntergekommenen Hof in Südfrankreich, auf dem der tyrannische Bauer Arnaud mit seinen Töchtern Mathilde und Gretchen lebt. Da Sean in eine von Arnaud aufgestellte Eisenfalle getreten ist, muss er gegen seinen Willen eine längere Zeit auf dem Hof verbringen. Er merkt schnell, dass hier irgendwas nicht stimmt und versucht, dem Geheimnis auf den Grund zu gehen, was nicht ganz ungefährlich ist.

Der Romananfang ist gelungen und veranlasst zum Weiterlesen: Der Engländer Sean ist auf seiner Flucht in Südfrankreich gelandet und hat kaum noch Benzin im Tank. Mit letzter Kraft lenkt er den Wagen von der Straße auf einen holperigen Weg, damit er genügend Deckung hat. Der Leser erfährt nicht, warum Sean aus England geflohen ist, aber es werden genügend Andeutungen gemacht, die vermuten lassen, dass irgendetwas Schlimmes passiert ist ("Ich muss von der Straße runter ... in Deckung ... ich habe keine Zeit, mich auszuruhen ...Nichts davon könnte mich verraten ... meine Hände zittern ... zu erschöpft, um diese neue Komplikation zu begreifen ... Bluterguss ... meine Abschürfungen ...").

Gefallen haben mir auch die düstere Atmosphäre, die Beckett erzeugt, sowie die überzeugende Charakterisierung der Hauptfiguren (Sean, Arnaud, Mathilde, Gretchen, Chloe), aber auch von Nebenfiguren wie den Bewohnern des Dorfes, das in der Nähe des unheimlichen Einödhofs liegt.

Die Handlung ist spannend: Der Leser möchte zum einen wissen, warum Sean auf der Flucht ist (Was ist mit Chloe, seiner englischen Freundin, passiert?) und er möchte ebenso wie Sean das dunkle Geheimnis des Hofes mit seinen seltsamen Bewohnern ergründen. Dabei führen oft falsche Spuren in die Irre, zum Beispiel ein verdächtiger Riss in einem Betonboden der Scheune, in der Arnaud dem Engländer widerwillig erlaubt hat, bis zu seiner Genesung zu wohnen.

Leider lässt die Spannung im Mittelteil etwas nach, nimmt dann aber im Finale wieder deutlich an Fahrt auf: Es kommt zu einem äußerst spannenden Countdown und einer Überraschung am Ende.

Der Roman wird aus der Ich-Perspektive (Sean) erzählt, und zwar auf zwei Zeitebenen: Zum einen handelt es sich um die Gegenwart (Sean in Südfrankreich auf Arnauds Hof), zum anderen gibt es Rückblenden in die Zeit vor seiner Flucht (London). Mir persönlich gefällt der Wechsel zwischen verschiedenen Zeitebenen sehr gut, da Hintergründe und Motive somit besser veranschaulicht werden können.

Weniger gefallen haben mir das Tempus (Präsens), das ich sehr gewöhnungsbedürftig fand, und die doch recht einfache Sprache und Syntax, vor allem die kurzen und abgehackten Sätze. Ebenso fand ich den Grund, der Sean zu seiner Flucht veranlasst, nicht überzeugend genug.

Trotz dieser negativen Kritikpunkte hat mir der Roman gut gefallen. Deshalb vier von fünf Sternen!


Kein Titel verfügbar

5.0 von 5 Sternen Tolle Flipflops (Original Havaianas!) aus Brasilien: lange haltbar und superbequem!, 12. August 2014
Vor Jahren hatte ich diese Flipflops bereits in Brasilien gekauft, und sie haben wirklich lange gehalten, obwohl ich sie im Sommer täglich in Haus und Garten trage. Mittlerweile haben sie jedoch in der Sohle Risse bekommen, so dass ein neues Paar her musste!

Dank der weichen, biegsamen Gummisohle sind die Flipflops sehr bequem; man läuft weich und entspannt. Der Zehentrenner ist ebenfalls weich und scheuert nicht, wie es bei anderen Modellen manchmal der Fall ist.
Schick sind sie meiner Meinung nach auch: Die kleine Brasilienflagge und die Sohle in den entsprechenden Farben sind originelle Details.

Aufpassen sollte man allerdings bei der Größe: Normalerweise entspricht die brasilianische Größe 37 der deutschen Größe 39. Dies ist jedoch bei diesen Havaianas nicht der Fall: Hier stimmen brasilianische und deutsche Größe überein!

Mein Fazit: Absolut empfehlenswert! Ich würde sie immer wieder kaufen!


Gone Girl: Das perfekte Opfer
Gone Girl: Das perfekte Opfer
von Gillian Flynn
  Broschiert

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein spannender Psycho-Thriller mit vielen überraschenden Wendungen und einem unerwarteten Ende, 12. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Gone Girl: Das perfekte Opfer (Broschiert)
Ich habe lange gewartet, bis ich mir diesen Roman gekauft habe - wegen des Hypes darum, der mich eher misstrauisch machte.
Jetzt habe ich es mir als Taschenbuch gekauft und innerhalb von 3 Tagen gelesen!

Das Buch beginnt spannend: Eine ausgesprochen attraktive Frau (Amy) verschwindet an ihrem 5. Hochzeitstag. Der ebenfalls gutaussehende Ehemann (Nick) macht sich dadurch verdächtig, dass er zum einen ein eher fragwürdiges Alibi für die Tatzeit hat und zum zweiten aufgrund der Tatsache, dass verschiedene Hinweise auftauchen, die darauf hindeuten, dass er der Mörder seiner Frau ist.

Zunächst wird die Geschichte aus der Perspektive von Nick erzählt, dann wechseln seine Erlebnisse NACH dem Verschwinden von Amy mit deren Tagebucheinträgen aus den Jahren 2005 bis 2012. Der Leser ist hin- und hergerissen: Mit wem soll er sympathisieren? Mit Nick, der seinen Job als Journalist in New York verloren hat und wieder in seiner alten Heimatstadt im Bundesstaat Missouri wohnt, frustriert in seiner Ehe und enttäuscht von seiner Frau, die sich als eine ganz andere entpuppte als die fröhliche, unkomplizierte Frau, die er geheiratet hat? Oder ist man auf Amys Seite, die als gebürtige New Yorkerin das Großstadtleben liebte und nun gezwungenermaßen in der Provinz versauert, kaum beachtet von ihrem Mann, der lieber in der Bar ist, die er von ihrem Geld gekauft hat und die er nun mit seiner Zwillingsschwester gemeinsam führt?

Gillian Flynn schafft es durch viele überraschende Wendungen, dass der Leser immer wieder seine Meinung über die beiden ändern muss, dass sich seine Spekulationen hinsichtlich dessen, was geschehen ist oder geschehen sein könnte, als nichtig erweisen, und dass er erkennt, dass der äußere Schein oftmals gar nichts oder nur wenig mit der Wirklichkeit zu tun hat.
Dank dieser Wendungen, geschickt eingebauter Cliffhanger und einem Einblick in die tiefen Abgründe der menschlichen Seele baut die Autorin einen überzeugenden Spannungsbogen auf, so dass man als Leser(in) unbedingt wissen will, was passiert ist bzw. was sich alles noch ereignen wird. Das Ende polarisiert: Die einen mögen es unbefriedigend finden; die anderen, zu denen ich gehöre, finden es gelungen, denn es passt zur Handlung und zu den Charakteren des Romans.

Gefallen hat mir auch die vor allem im ersten Teil sehr bildhafte Sprache der Autorin. Hier ein Beispiel, um dies zu verdeutlichen:
"Ich war Ende der Neunziger nach New York gekommen, die letzten Züge der glorreichen Zeiten, obwohl das natürlich niemand wusste. In New York wimmelte es von Journalisten, echten Autoren, denn es gab Zeitschriften, echte Zeitschriften, und zwar jede Menge. Es war die Zeit, in der das Internet noch ein exotisches Haustier war, das in einem kleinen Eckchen der Verlagswelt hauste - man warf ihm ein bisschen Trockenfutter hin, beobachtete, wie es an einer kleinen Leine herumtänzelte, oh, wie niedlich, das wird uns bestimmt nicht eines Tages totbeißen. ... Wir hatten keinen Schimmer, dass wir uns auf einen Beruf einließen, der innerhalb des nächsten Jahrzehnts vom Erdboden verschwinden würde." (S. 11 der TB-Ausgabe)

Ich gebe einen Stern Abzug, weil sich nach einem spannenden Einstieg die Handlung etwas zu lange dahinschleppt, ohne dass wirklich etwas Ereignisreiches passiert. Später nimmt die Handlung wieder Fahrt auf, dann allerdings so rasant, dass man kaum noch aufhören kann zu lesen. - Ein weiteres Manko ist in meinen Augen ein Handlungselement gegen Ende des Romans, das ich hier aber nicht näher erläutern kann, ohne zu spoilern. Nur so viel: Es passiert etwas Überraschendes, das für mich eher unglaubwürdig ist und seltsamerweise auch von den Cops nicht genauer überprüft wird.

Fazit: Ein insgesamt spannendes Beziehungsdrama mit faszinierenden, wenn auch nicht unbedingt sympathischen Charakteren sowie vielen überraschenden Wendungen, die zeigen, dass Sein und Schein oft weit auseinanderliegen.


Der Ruf des Kuckucks: Roman (CORMORAN STRIKE-FÄLLE, Band 1)
Der Ruf des Kuckucks: Roman (CORMORAN STRIKE-FÄLLE, Band 1)
von Robert Galbraith
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,99

5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gute Milieustudie - schwacher Krimi!, 27. Dezember 2013
Meine Erwartungen waren hoch - schließlich handelt es sich hier um einen Krimi von Joanne K. Rowling (das Pseudonym "Robert Galbraith" wurde ja schnell enttarnt). Vielleicht waren sie zu hoch - denn sonst wäre die Enttäuschung wohl nicht ganz so groß gewesen.

Der Inhalt lässt sich schnell erzählen: Das Supermodel Lula Landry stürzt in einer kalten Winternacht von dem Balkon ihrer Wohnung im schicken Londoner Stadtteil Mayfair in den Tod. Alles deutet auf Selbstmord hin, doch Lulas Bruder John zweifelt daran und beauftragt den erfolglosen, abgehalfterten Detektiv Cormoran Strike, der im Afghanistan-Krieg ein Bein verlor und sich nun mehr schlecht als recht durchs Leben schlägt, den Fall zu untersuchen. Mit Hilfe seiner neuen cleveren Sekretärin Robin, die von einer Zeitarbeitsfirma geschickt wurde, begibt sich Strike auf die Suche nach Lulas Mörder. Er taucht ein in die Welt der Reichen und Schönen, aber auch derjenigen, die am Rande der Gesellschaft stehen. Zuletzt gerät er selbst in Gefahr ...

Als Milieustudie finde ich Rowlings Werk durchaus gelungen. Man taucht ein in das Londoner Leben, und dank der präzisen und sehr anschaulichen Beschreibungen hat man ein klares Bild der multikulturellen Millionenstadt vor Augen, vor allem wenn man die Stadt näher kennt. Das oberflächliche Leben der britischen Oberschicht wird gut dargestellt, während die Beschreibung der Medienwelt allerdings etwas klischeehaft ausfällt.

Ein weiterer Pluspunkt sind die beiden Hauptfiguren. Robin ist eine patente junge Frau, die begeistert ist, für einen Detektiv arbeiten zu können, auch wenn ihr frisch Verlobter Matthew große Bedenken gegen Cormoran Strike hegt.
Letzterer ist das Ergebnis einer kurzen Liaison eines berühmten Sängers mit einem Super-Groupie (das bereits an einer Überdosis Heroin gestorben ist). Zu seinem Vater hat Cormoran Strike keinen Kontakt, nur mit seiner Halbschwester Lucy trifft er sich gelegentlich. Seine schwierige On-and-Off-Beziehung mit einer Frau namens Charlotte ist gerade endgültig in die Brüche gegangen, als die Romanhandlung einsetzt. Cormoran sieht sich aufgrund seiner prekären finanziellen Lage gezwungen, vorerst in seinem gemieteten Büro Quartier zu beziehen, was er vor Robin zu verheimlichen sucht. Ein weiteres Problem, das auf dem Privatdetektiv lastet, ist sein amputiertes Bein bzw. der Stumpf des Beines, der ihm häufig Schmerzen bereitet, wenn er mal wieder mit seiner Prothese zu viel gelaufen ist, was sich in seinem Beruf allerdings nicht vermeiden lässt.
Rowling schafft es, dass der Leser mit Cormoran Strike sympathisiert und sich gut in seine Lage hineinversetzen kann. Allerdings frage ich mich, warum sie sein Aussehen derart hässlich darstellt (er ist massig und übergewichtig, außer Form und über und über behaart - Assoziationen an einen Gorilla werden wach ...). Für mich ist nicht ganz glaubwürdig, dass er zum einen jahrelang eine Beziehung mit der überaus schönen Charlotte hatte, und zum zweiten ein atemberaubend hübsches Supermodel derart angetan ist von ihm, dass sie flugs mit ihm ins Bett hüpft.

Die Schwarz-Weiß-Malerei bezüglich des Aussehens der Figuren ist dann auch ein großer Kritikpunkt in meinen Augen. Entweder sind die auftretenden Personen SUPERATTRAKTIV (Lula, Ciara, Charlotte, die Schwestern Tansy und Ursula, Evan Duffield), oder aber sie sind absolut HÄSSLICH (John Bristow, Rochelle Onifade, Marlene Higson, Guy Somé und Strike selbst)!

Die Sprache vieler Figuren ist ein weiterer Kritikpunkt. Lobenswert ist, dass Rowlings sich bemüht, jede Figur in ihrer eigenen Sprache sprechen zu lassen. Dass dabei auch mal Vulgärausdrücke verwenden werden, ist nicht unbedingt negativ, aber Rowling übertreibt hier deutlich. In den Sätzen mancher Figuren scheint jedes dritte Wort mit SCH... zu beginnen oder aber es wird das passende Adjektiv dazu (besch...) benutzt. Bei EINER Figur hätte man das noch durchgehen lassen können, aber bei mehreren nervt es auf Dauer.

Mein größter Kritikpunkt ist allerdings die ausgesprochen ZÄHE Krimi-Handlung. Seitenlang befragt Cormoran Strike Verdächtige oder Personen, die ihm bei der Lösung des Falls weiterhelfen könnten. Ein richtiger Spannungsaufbau findet nicht statt. Ich bin beileibe kein Fan von blutrünstigen Details und ständigen wilden Verfolgungsjagden, aber etwas Spannung muss bei einem Krimi sein. Und im besten Fall schafft es der Autor bzw. die Autorin, die Spannung subtil aufzubauen und stetig ansteigen zu lassen, so dass der Leser das Buch kaum mehr aus der Hand legen kann. In Rowlings Werk allerdings plätschert die Handlung so vor sich hin und es stellt sich auch kein wirkliches Interesse an der Lösung des Falls ein. Als Leser rätselt man gerne bei der Aufklärung von Fällen mit (zumindest ist das bei mir so), aber das war hier kaum möglich, da man einfach zu wenig erfuhr - trotz ellenlanger Gespräche bzw. Befragungen von Seiten des Privatdetektivs. Es wurden keine Spuren gelegt, weder richtige noch falsche, und somit besteht die Lösung des Falls dann auch darin, dass Cormoran Strike auf 24 Seiten am Ende des Romans erläutert, wie sich alles zugetragen hat. Aha.
Schade, dass die Ereignisse irgendwie ein bisschen an den Haaren herbeigezogen wirken.

Da Rowling offenbar plant, das Ermittler-Duo Cormoran Strike und Robin Ellacotts weitere Fälle lösen zu lassen, kann man nur hoffen, dass sie sich beim nächsten Mal mehr auf den Spannungsaufbau und eine überzeugende Auflösung konzentriert - gerne auch auf weniger als 638 Seiten.


Stop 4 Porto - Stadtführer
Stop 4 Porto - Stadtführer

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Katastrophale Übersetzung!, 19. Dezember 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Stop 4 Porto - Stadtführer (Taschenbuch)
Ich besitze noch einen alten, deutschsprachigen Touristenprospekt aus dem Jahre 1984 über Lissabon, der von grammatikalisch falschen Sätzen und sonderbaren Wortschöpfungen nur so strotzt - angesichts der jahrelangen Abschottung Portugals vom Rest Europas unter Salazar und einem Erscheinungsdatum vor dem EU-Beitritt vielleicht noch verzeihlich.

Dass aber ein im 21. Jahrhundert veröffentlichter Reiseführer (April 2013) gravierende Mängel dieser Art aufweist, ist eigentlich undenkbar - doch genau dies ist der Fall bei dem Reiseführer "Stop 4 Porto" aus dem Objecto Anónimo Verlag.

Die Aufmachung an sich ist handlich und peppig, mit vielen farbigen Fotos, Übersichtskarten, interessanten Tipps und Infos. Wäre die deutsche Übersetzung gelungen, würde ich 4 Sterne vergeben - einen Stern Abzug für die doch recht kleine Schriftgröße, die das Lesen erschwert, für die ebenfalls häufig sehr kleinen Fotos (hier wären weniger, aber dafür größere Fotos, auf denen man mehr erkennen kann, besser gewesen) sowie die SEHR merkwürdigen "kleinen, illustrierten Geschichten", die einigen Kapiteln vorangestellt sind und deren Sinn und Zweck mir auch nach mehrmaliger Lektüre nicht klar geworden ist.

Ein riesiges Manko - und deswegen 3 Sterne Abzug - ist jedoch die absolut katastrophale Übersetzung. Cristina Varela hat sich sicherlich redliche Mühe gegeben, aber mir ist unverständlich, warum man hier keinen deutschen Übersetzer genommen hat, was der übliche Modus gewesen wäre (ich selbst spreche sehr gut Englisch, würde aber nicht im Traum daran denken, einen Reiseführer oder irgendein anderes Werk ins Englische FÜR Engländer zu übersetzen ...).

Hier einige "Bonmots" (die Grammatik-, Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler stehen so im Text und sind keine Tippfehler!):

(aus der Einleitung, S.5) "In den Straßen der Kathedrale und der Ribeira, dem Altstadtviertel am Flussufer, atmet man Geschichte ein und hört Gespräche, die an damals erinnern. Währenddessen fühlt man im Zentrum und im Stadtteil Boavista den Trubel der Stadt, anhand von Geschäften und Leuten, die mit Glamour dort spazieren. ... Im Fluss Douro wurden Skulpturen erhoben, die ihn umarmen und seine Ufer verschönern. ... Um die Flusslandschaft zu vollenden, tanzen die Portweinboote an den Ufern im Takt der Gezeiten. ... In der Landschaft und Architektur der Stadt überhebt sich der Granit und das Graue, die die Wehmut und Stille übermitteln."

(aus einer der kleinen Geschichten, S.17) "Und nach so vielen Tagen und ankreuzen auf dem Kalender ist die Zeit endlich gekommen sich mit Sonnenbrillen, Hüten und leichter Wäsche zu bewaffnen und dem Himmel zu bitten, die Sonne solle intensiv scheinen. ... Vielleicht wäre ein Historikhotel angepasst, da es beide mochten, sich an der Kultur der besuchten Orte zu beteiligen. ... Während sie einen Tee in einem Straßencafé trank, elegant (sie und das Straßencafé), trank er jeden Tropfen ihrer Gesten. ... Mit farbigen Koffern und gleichfarbiger Abenteuerlust kamen sie im Grande Hotel de Paris an ..."

(über die berühmte Buchhandlung Livraria Lello, S.43) "Es gibt Orte, die unverzichtbar und voller Geschichten sind. Dort entdeckt man durch Wörter, die sich in Büchern im Bücherregal verstecken, eine ganze Welt. Wir kamen mit leeren Händen an und füllten sofort die Augen mit der neogothischen Schönheit der Außenfassade und der Innenausstattung. ... Plötzlich sind es nicht nur die Bücher, die wir umblättern wollen, sondern wir wollen auch alle einsamen Ecken entdecken, so groß ist das Verlangen danach. Diese augenblickliche Anregung kann durch die Beschreibung von einem berühmten Journalisten vom Anfang des Jahrhunderts erklärt werden ... Die Herkunft geht bis 1869 zurück und man kann immer mit einer fabelhaften Bedienung rechnen. Schauen wir uns die besondere rote Treppe an. Wir durchblättern Seiten über Reisen und begleiten unsere Schritte bis zur oberen Etage."

(über den Portwein, S.61) "Im 17. Jahrhundert haben die Rivalitäten und Kriege der Reichen in Nordeuropa dazu beigetragen, diesen portugiesischen Wein, zum Nachteil der berühmten französischen Weine, zu fordern."

(über das Stadtviertel von Miragaia, S.63) "In den engen Gassen verweilen jahrhundertealte Gebäude, die die Zeiten herausfordern."

(über das Restaurant Avó Maria, S.115) "Die Küche ist typisch portugiesisch und die Sympathie ist immer gegenwärtig."

Es ließen sich noch Hunderte solcher Beispiele herausschreiben; eigentlich ist jeder zweite Satz grammatikalisch falsch oder ausgesprochen sonderbar formuliert. Manchmal weiß oder ahnt man, was gemeint ist, manchmal aber rätselt man ob der Bedeutung oder wundert sich nur noch ... Und gelegentlich kann man ein lautes Lachen nicht unterdrücken ...

Lobenswert ist, dass auch vegetarische Restaurants in dieser Stadt, deren Küche (wie die Küche des gesamten Landes) doch sehr fisch- und fleischlastig ist, vorgestellt werden. Aber was, um Himmels Willen, ist eine "Autorenküche"??? (siehe Seite 116: "In den Restaurants, wo die Autorenküche bevorzugt wird, ...")

Was mir auch ein ewiges Rätsel geblieben ist, ist, warum der Leser mal geduzt und mal gesiezt wird. Die Entscheidung für EINE Variante wäre sinnvoller gewesen.

Fazit:
Eigentlich ein schöner Reiseführer, ABER aufgrund der mangelhaften Übersetzung nur ausgesprochen mühselig lesbar.
Eine sprachliche Überarbeitung wäre dringend nötig!!!


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