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Rezensionen verfasst von
Thomas K-Bär "Student"

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Powerage (Special Edition Digipack)
Powerage (Special Edition Digipack)
Preis: EUR 15,98

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Heimliches Meisterwerk der Band, 25. April 2014
Nachdem ich 1990 mit AC/DC zum ersten Mal in Berührung kam - es waren die Songs Money Talks und Thunderstruck - war ich sofort begeistert von der Band. Damals war ich erst sieben Jahre alt.

Im Zimmer meines Bruders fand ich ein altes Kasetten-Tape, dass er wenige Wochen vorher von einer Schallplatte überspielt hat. Es stand mit Bleistift in krakeliger Handschrift "AC /DC - Powerage" drauf und es war mir klar, dass ich das sofort hören musste.

Das Album hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Ich werde hier nicht jeden Song einzeln sezieren, da AC/DC musikalisch zu selbstreferenziell beim Songwriting vorgehen. Aber die Höhepunkte dieses Albums kann ich nicht unerwähnt lassen.

Down Payment Blues zum Beispiel ist ein Song, den AC/DC nicht oft live spielen und der sicher nie im Radio laufen wird, da man dann den bekannteren Nummern wie You Shook Me All Night Long, Highway To Hell oder Thunderstruck den Vorzug gibt.

Ich finde, dass dieses Lied eine unglaubliche und dichte Spannung aufbaut und diese während der ganzen Spielzeit aufrecht erhalten kann. Das Riff halte ich für das beste, was die Young Brüder jemals aus ihren Ärmeln geschüttelt haben. Auf mich wirkt dieses Lied irgendwie hypnotisch und versprüht trotz seiner groovigen Lässigkeit ein Gefühl von flirrender Sommerhitze. Bon Scott erzählt eine Geschichte über Geldmangel und Ansprüchen, die man mangels Knete nicht erfüllen kann. Geld macht nicht glücklich, aber vieles leichter. Das Lied peitscht in atemberaubender Weise nach vorne, ist wütend, frech, zugleich düster und atmosphärisch dicht geflochten. Für mich der absolut beste AC/DC Song und absolut unverständlich, warum er nicht dauerhaft im Live Repertoire der Band gespielt wird.

Das recht poppige Rock N Roll Damnation halte ich ebenfalls für eine klasse Nummer, die sich trotz ihrer unwiderstehlichen Eingängigkeit nicht so abnutzt, wie etwa Highway To Hell. Knackig und kurz, im Hintergrund wird sogar im Takt geklatscht. Hat es bei AC/DC danach nie wieder gegeben. Dieses Lied atmet aus jeder Pore den Vibe der 70er.

Gimme A Bullet kommt komplett ohne Gitarrensolo aus und lebt nur von der Geschichte, die Bon erzählt. Bei kaum einen AC/DC Song singt er so emotional und verzweifelt, zugleich wütend und resigniert, wie hier. Energiegeladen bis zum Bersten und leider ebenfalls komplett aus dem Bühnenrepertoire der Australier verschwunden.

Gone Shooting schlägt in eine ähnliche Kerbe wie Gimme A Bullet, ist aber insgesamt ruhiger, hat aber einen unglaublich tighten Groove und wird von einer großartigen, sich stets wiederholenden Gitarrenmelodie getragen. Eines der am meisten unterbewerteten Perlen im Fundus der Band.

Sin City ist Kritik an Dekadenz der reichen Bonzen, wie sie nur Bon Scott zu Stande bringen kann. Eben ein ehrlicher, raubeiniger Arbeiterjunge, der auch als Rockstar seine Wurzeln nie verleugnet hat und seiner Verachtung für spiessige Snobs, die ihre Knete in Kaviar und Champus investieren, lässt er hier auf sehr ironische Weise freien Lauf.

Musikalisch geht es eine kleine Ecke weniger kantig und rauhbeinig zu, als auf dem sehr urwüchsigen und rohen Vorgänger Let There Be Rock. Energiegeladen sind die Songs dennoch bis zur Oberkante Unterlippe und ich höre dieses Album so oft, wie kaum eine andere AC/DC Scheibe (abgesehen von High Voltage), ohne dass ich jemals übersättigt wäre. Bei Highway To Hell oder auch Razors Edge ist das nämlich sehr schnell passiert.


Ram It Down
Ram It Down
Preis: EUR 6,99

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ambivalent, 14. Dezember 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ram It Down (Audio CD)
Der Song Ram It Down war damals, 1989 im zarten Alter von sechs Jahren mein erster bewusster Kontakt mit dem Genre des Heavy Metals, dem ich nach wie vor treu geblieben bin. Daher verbinde ich mit Ram It Down, damals noch liebevoll von Schallplatte auf Kassette überspielt zahlreiche nostalgische Erinnerungen. Nun habe ich mir, da das Tape ausgeleiert ist, das Album endlich mal auf CD gekauft, auch um meine Priest-Sammlung zu vervollständigen.

Nun, was soll ich sagen: Damals als sechs Jähriger Pimpf, der grade in der Schule das ABC anfing zu lernen, war ich vor Allem vom rasanten Titeltrack sehr beeindruckt und ich bin froh, ihn nun in vernünftiger Klangqualität lautstark geniessen zu können - zum Leidwesen meiner Nachbarn. Ich sehe Ram It Down, den Song, auf beinahe einer Stufe mit Freewheel Burning und halte ihn für einen der besten Priest Songs der 80er, die Gitarrenarbeit von Tipton und Downing ist wirklich atemberaubend, cineastisch, übertrieben und ohne musikalischen Tadel. Dieses orgiastische Riff- und Solo-Gewichse hat wirklich was für sich und ich schätze diesen mit Klischees nur so überladenen Song sogar höher ein als Painkiller. Nicht nur wegen des nostalgischen Wertes, sondern auch weil sich bei Painkiller eine Art Abnutzungseffekt breit gemacht hat. Viele Abende in Rock-/Metal Diskotheken während meiner Studienzeit und an keinem wurde Painkiller ausgelassen. Daher ziehe ich Ram It Down inzwischen vor. Aber die Drums... Autopilot. Das kann nicht Dave Holland gewesen sein, der das eingetrommelt hat. Es ist viel zu schnell. Oder er hat es eingetrommelt und am Mischpult hat man das Tempo der Drumspur nochmal künstlich hochgeschraubt.

Neben dem Titelsong beeindruckt mich die sehr düstere, atmosphärische und ausserordentlich spannungsgeladene Halbballade Blood Red Skies mit wirklich gänsehauterregenden Melodien und subtilen Stimmungen, die man von Judas Priest aus den 80ern so gar nicht gewöhnt ist. Das Terminator-artige Stakkato-Drumming macht hier den Reiz aus, wo es auf dem Rest des Albums doch eher nervt. Die farbenprächtigen und atemberaubenden Harmonien der Gitarren und auch Robs Stimme machen diesen Song wirklich zu einem Höhepunkt im Schaffen von Judas Priest.

Das dezent in die Painkiller Richtung schielende Double-Bass Geballer Hard As Iron und der brachiale Stadion-Stampfer Monsters Of Rock würde ich ebenfalls als kleine Lichtpunkte auf dem Album anerkennen. Die Songs knallen ohne Umschweife mit einer stumpfen, aber dennoch erheiternden Brachialität durch die Boxen. Die Refrains sind vom Feinsten, die Gitarrenarbeit ebenfalls makellos und beeindruckend. Allerdings werden hier wirklich alle platten Klischees mehr als bedient.

Allerdings war es das auch schon. Die restlichen Songs des Albums, vor Allem Heavy Metal und Come And Get It wirken leider vollkommen einfallslos und wie fade Überbleibsel aus den Turbo Sessions. Ein trauriges Ideen-Recycling und kreativ wirklich nicht sehr berückend. Damals als sechsjähriger konnte ich das natürlich nicht einschätzen, Iron Maiden waren mir damals noch zu kompliziert.

Johnny B Goode ist ein ganz gutes Cover, das im Albumkontext ziemlich aus dem Rahmen fällt.

Fazit: Zwei sehr gute bis nahezu überragende Songs, zwei gute Songs, zwei mittelmässige (das Chuck Berry Cover und I'm A Rocker) und vier absolut grottenschlechte bis bestensfalls mittelmässige Songs, die kein Fettnäppfchen auslassen... doch selbst die schlechten Songs kratzen noch irgendwie die Kurve, weil das eine oder andere Solo von Glenn Tipton oder K.K. Downing doch schon zum Zungenschnalzen ist. Aber ein Solo alleine kann einen Song nicht retten.

Beispiel: Wenn Halford nach einem zugegebenermassen ziemlich fetzigen Intro-Solo "When The Power Chords Come Crashing Down" singt, man aber nur einen technoid-synthetischen Drumbeat hat und keine fetten Powerchords wie aus dem Hause Tony Iommi (hört Euch mal das beinahe zeitgleich erschienene Headless Cross an - DAS sind Powerchords), ist das irgendwie ein musikalischer Treppenwitz? Ich weiss es nicht...

Insgesamt würde ich dennoch eine Kaufempfehlung aussprechen, da die beiden sehr guten und die beiden guten Songs den Kauf mehr als rechtfertigen und man über die restlichen kompositorischen Mängel hinwegsehen kann.

Mit viel Wohlwollen und dem persönlichen Nostalgiefaktor vergebe ich hier vier sehr knappe Sterne mit Tendenz nach unten. Wer an Songs wie Freewheel Burning, Painkiller oder Rapid Fire seinen Spass hat, kommt bei Songs wie Ram It Down oder Hard As Iron vollkommen auf seine Kosten. Wem epische Gänsehautsongs wie Beyond The Realms Of Death oder The Sentinel gefallen, der wird von Blood Red Skies ebenfalls begeistert oder überrascht sein. Den Rest kann man wirklich getrost nebenbei hören, aber die großartigen Gänsehaut- oder "Wow!"-momente werden ausbleiben.

So war es letztenendes kein Wunder, dass Dave Holland gegangen wurde und Scott Travis an den Kesseln das Ruder übernommen hat.

So leidet dieses Album an der musikalischen Resteverwertung und einer zu glatten, sterilen und leblosen Techno-Produktion, wird aber durch die von mir erwähnten Glanzpunkte noch über die Ziellinie gerettet. Über die Texte... naja, da decke ich dann doch mal lieber den Mantel des Schweigens drüber.


Sin After Sin
Sin After Sin
Preis: EUR 7,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Priest schaffen den Durchbruch, 8. Dezember 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sin After Sin (Audio CD)
... und haben mit Sin After Sin 1977 direkt nach dem epischen Vorgänger "Sad Wings Of Destiny" einen weiteren Zenith ihres frühen Schaffens erreicht. Produziert wurde das Album vom ehemaligen (und jetzt wieder) Deep Purple / Rainbow-Bassisten Roger Glover und im Vergleich zu den anderen Priest Alben aus den 70er halte ich Sin After Sin für die Scheibe mit dem besten Sound. Stellenweise ist überlappen sich so viele Gesangs-/Gitarren- und auch Schlagzeugspuren, dass sich Assoziationen zu frühen Queen aufdrängen. Session Schlagzeuger Simon Philipps liefert hier das filigranste Drumming ab, was man auf einer Priest Scheibe finden kann. Rhythmisch dominierte in den 80ern da ja eher der Autopilot unter Dave Holland. Philipps aber versteht es, hier viele interessante rhythmische Akzente zu setzen, ohne die Songs zu zerfahren wirken zu lassen.

Eine Einzelbewertung der Songs spare ich mir an dieser Stelle mal, aber hervorzuheben sind ausgerechnet die Songs, die von Priest danach so gut wie nie live gespielt wurden. Let Us Prey / Call Of The Priest hätte zumindest beim Intro durchaus Platz auf "A Night At The Opera" von Queen gefunden, wandelt sich danach aber in eine interessante Speed-Metal Hymne mit herrlichen Gitarrenduellen und einem Double-Bassgewitter ähnlich wie bei Kill The King von Rainbow etwa zur gleichen Zeit. Für mich eines der Highlights des Albums neben den üblichen Verdächtigen "Sinner" oder "Diamonds And Rust" oder "Starbreaker". Die düstere und sehr schaurige Ballade "Here Comes The Tears" knüpft an "Drem Deciever" vom Vorgängeralbum an und bildet eine Brücke zum legendären "Beyond The Realms Of Death" vom Nachfolgeralbum Stained Class. Hier ist es das ausserordentlich extatisch kulminierende Gitarrenspiel und die sehr dramatisch düstere Grundstimmung, die den Song so interessant machen und durchaus das vorweg nehmen, was Queensryche später in den 80ern so erfolgreich gemacht haben. Metal mit Gefühl, ohne kitschig zu sein. Auch der brachiale Klopper "Dissident Agressor", der wohl härteste und brutalste Judas Priest Song der 70er sticht hervor, dessen Brutalität im Rhythmus und im Riffing begründet liegt, dennoch aber durch raffinierte Melodieführungen zu überzeugen weiss. Nicht umsonst wurde dieser Song später auch von Slayer gecovert.

Als Bonustrack aus der damaligen Schaffenszeit überzeugt mich "Race With The Devil" sehr, da er mit einem Paukenschlag beginnt, unbekümmert drauf los rockt und durch schöne und einprägsame Melodiebögen besticht. Aufgenommen wurde er während der Stained Class Sessions und wäre auf dem Album nicht negativ aufgefallen.

Alles in Allem fällt es mir sehr schwer, mich festzulegen, welche Priest Scheibe aus den 70ern ich vorziehe. Mal ist es Stained Class, mal ist es Sin After Sin, mal Sad Wings Of Destiny. Allen drei Alben ist gemein, dass sie mit S anfangen und kompositorisch Priest auf dem absoluten Höhepunkt ihres Schaffens zeigen. Später in den 80ern waren mir ihre SOngs oft zu simpel, zu plakativ und zu sehr auf die Gitarren fixiert, während es kaum ins Gewicht gefallen wäre, Schlagzeuger Dave Holland und Bassist Ian Hill durch einen Drumcomputer zu ersetzen. In den 70ern klingen Priest noch organisch, nachvollziehbar und nicht so extrem überproduziert. Härte ist eben auch im Metal nicht Alles. Gute Songs muss man schreiben können und Priest verstanden sich auf diese Tugend in den 70ern sehr. Kleine Rock-Opern, die nicht prätentiös wirken und dennoch eine dezent progressive Schlagseite aufweisen, die sie mit Härte gekonnt verknüpfen.

Sin After Sin lässt sich als eine der wenigen Priest Alben nicht nur bei Tempo 180 auf der Autobahn oder beim Grillen im Garten mit Bier geniessen, sondern auch mit Kopfhörern am Abend und man entdeckt viele faszinierende Details, was sicher auch der Produktion von Glover geschuldet ist.

Volle Kaufempfehlung
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 27, 2014 8:02 PM MEST


Dark Side of the Moon
Dark Side of the Moon
Wird angeboten von Dvd Overstocks UK
Preis: EUR 17,85

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Weniger als fünf Sterne..., 9. März 2011
Rezension bezieht sich auf: Dark Side of the Moon (Audio CD)
... verbieten sich bei diesem Ohrenkino!

Sicher ist es unter vielen Anhängern von Pink Floyd nicht unumstritten, da alles auf den ersten Horcher etwas zu glattgebügelt und perfekt klingt und die grenzenlose Experimentierfreude wie auf A Saucerful Of Secrets, Ummagumma und Meddle (naja, Echoes) etwas einer songorientierteren Herangehensweise gewichen ist.

Ich selbst sehe keinen Widerspruch, Ummagumma und Darkside Of The Moon zu mögen. Wenn ich abgefahrene Trips hören will, gönne ich mir Ummagumma. Wenn ich tiefgreifende Emotionen und erhabene Melodien möchte, greife ich zu Darkside Of The Moon.

Der Klang ist auch ohne perfekte Hifi-Anlage absolut raumgreifend, voluminös, transparent, massif. Wie ein riesiger Kristall. Man badet in warmen Melodien, verpackt in eingängigen Songs. Ich gebe zu, dass ich das VCS3 Synthesizer-Gewusel von On The Run und das Kassengeklimper von Money zumeist skippe, da mich diese Songs kaum mitreißen.

Das spacige Time, welches ich als eine komprimierte Version von Echoes ansehe (was den Groove und das Solo anbelangt) mit seinem atemberaubendem Intro aus Uhrwerken und Synthesizer-Synkopen erachte ich neben dem sehr entspannten, verträumten Us And Them als Höhepunkt des Albums. Allerdings sollte man die letzten vier Songs Us And Them / Any Colour You Like / Brain Damage / Eclipse als eine monolithische Einheit betrachten. Eclipse ist das abschließende Ausrufezeichen des Albums, welches in anderthalb Minuten mehr aussagt, als andere Bands mit ganzen Alben aussagen wollen. Das sind komprimierte Emotionen, auf die absolute Musikalische Essenz reduziert, wobei Eclipse ohne Brain Damage nicht funktioniert, Brain Damage ohne Any Colour You Like nicht funktioniert und Any Colour You Like auf Us And Them aufbaut und diese vier Songs einander bedingen.

Der Frauengesang von Great Gig In The Sky ist auch ein häufig genannter Kritikpunkt, den ich jedoch als spontanen Ausdruck tiefempfundener Emotionen ansehe, die nur durch eine verzweifelte Frauenstimme ausgedrückt werden können, untermalt von malerischen Klavierakkorden.

Das wegweisende, minimalistische Artwork von Storm Thorgerson rundet dieses audiovisuelle Gesamtkunstwerk ab.

Mehr Worte möchte ich zu diesem Album eigentlich gar nicht verlieren und die einzelnen Gimmicks nicht zu detailliert beschreiben, da sonst der Aha-Effekt ausbleiben könnte.

Definitiv das Album des 20. und des 21. Jahrhunderts.


Unleashed in the East
Unleashed in the East
Preis: EUR 7,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Musikalischer Almanach der Prämetallischen Priest, 28. Dezember 2010
Rezension bezieht sich auf: Unleashed in the East (Audio CD)
Diesem Livealbum wird ja so einiges nachgesagt: Man sagt, es sei so stark nachträglich im Studio zurechtgebügelt worden mit zahlreichen Overdubs (vor allem bei einigen Leads und Robs Gesang), dass man es kaum noch als Livealbum bezeichnen möchte. Overdubs hin oder her: Unleashed In The East ist ein unverzichtbarer Klassiker im Genre des Hard Rocks und des Heavy Metals. Alle Songs dieses Albums klingen in den "live"-Versionen wesentlich kraftvoller, packender und überzeugender, als die etwas hüftsteifen und handzahmen Studioversionen. Das Publikum ist zwar kaum auszumachen und der Klang schon beinahe zu perfekt, aber die Unterschiede zu den Studioversionen, vor allem bei den Songs Sinner, Green Manalishi, Diamonds And Rust sowie Exciter, sind so frappierend, dass man davon ausgehen muss, dass mindestens 50% der Tonspuren Live sind. Da es Gang und Gäbe ist, auch heute noch Livealben im Studio nachzubügeln und misslungene Passagen nachträglich neu einzuspielen, kann man es diesem Album kaum zum Vorwurf machen.

Der Schwerpunkt der Songauswahl liegt beim zweiten Studioalbum "Sad Wings Of Destiny" (Ripper, Victim Of Changes, Tyrant, Genocide) und "Sin After Sin." (Diamonds And Rust, Sinner, Starbreaker). Stained Class wird leider etwas übergangen und ist lediglich mit dem rasend schnellem Opener Exciter auf Unleashed In The East vertreten: Gerne hätte ich auch die schon im Studio sehr überzeugenden Songs Stained Class oder Beyond The Realms Of Death im satten Livesoundgewand gehört. Doch diese kleinen Makel werde ich nicht in meine Wertung mit einbeziehen.

Der flotte Opener Exciter legt im Vergleich zur Studioversion härtetechnisch noch einen Zahn zu. Der Beginn des Songs unterscheidet sich ein wenig im Vergleich zur Studioversion. Wie bei allen Songs klingt Rob Halfords Stimme hier glasklar und hat einen atemberaubenden Umfang.

Der Song Running Wild überzeugt mich nicht so sehr. Einen Vergleich zur Studioversion kann ich nicht ziehen, aber als alter Iron Maiden Fan muss ich zugeben, dass Iron Maiden (genauer gesagt Adrian Smith) das Riff für ihren Comeback Song Wicker Man von Running Wild geklaut haben (davon abgesehen, dass eine Deutsche Metal Band sich nach diesem Song benannt hat).

Sinner: Was für ein furioser, atemberaubender Parforceritt: Schlägt die Studioversion um Lichtjahre. Ein sehr abwechslungsreicher, schneller und spannender Song mit wundervollen Gitarrenharmonien und einem Rob Halford in Höchstform

Ripper: Schon als Studioversion fand ich diesen Song sehr überzeugend: In zwei Minuten wurde alles an Tempowechseln und Ideenreichtum verwurstet, was man in zwei Minuten hineinstopfen kann. Auch hier dominieren wundervolle Melodiebögen der Gitarren und herrliche Gesangsmelodien inklusive zahlreicher Breaks.

Green Manalishi: Die Studioversion von der Killing Machine finde ich etwas zu konventionell, aber live entfaltet der Song, dank des wirklich atemberaubenden Falsettgesangs am Ende des Songs seine volle Wirkung. Rob Halford steht hier auf dem Zenith seines Könnens. Die Melodie am Ende klingt sehr eingängig und zugleich überirdisch und setzt diesem Song die Krone auf. Ohne dieses Falsett hätte was gefehlt.

Diamond And Rusts: Auch hier überzeugt die Liveversion mehr als die Studioversion. Dieser Song ist wohl der kommerziellste aus der frühen, nicht ganz so metallastigen Phase von Priest. Ein gradliniger, galoppierender Groove und überirdische Gitarrenläufe, ein brodelnder Bass und sehr einfühlsamer Gesang von Halford mit prägnanter Melodie. Sowohl Diamonds And Rust, also auch Green Manalishi sind Coverversionen von Joan Baez respektive Fleetwood Mac.

Victim Of Changes: Wie auch Ripper überzeugte mich die Studioversion bereits vollends, doch diese Version weiß durch eine noch größere Schlagfertigkeit, mehr Druck, mehr Tempo, mehr Groove, mehr Volumen zu überzeugen. Glenn Tipton und K.K. Downing leisten sich hier ihr wohl großartigstes Gitarrenduell mit Harmonien und Arrangements, die nicht von dieser Welt sein können. Der epischste Song den Priest jemals aufgenommen haben. Am Ende brilliert Halford durch einen glasklaren, sehr ausdauernden Schrei seiner vier Oktavenstimme. Zahlreiche sehr interessante und überraschende Breaks runden diesen perfekten Song ab.

Tyrant und Genocide runden dieses Album gekonnt ab, wobei ich Genocide etwas banal finde.

Als Bonustracks brilliert vor allem Starbreaker durch sehr spacige Gitarreneffekte und zahlreiche Haken und Ösen, die der Song schlägt. Rock Forever und Hell Bent For Leather überzeugen mich nicht ganz so sehr wie der Rest, da sie etwas zu flach wirken.

Klanglich ist das Album perfekt ausbalanciert. Es fehlt sicher der raue Charme, der ein Livealbum eigentlich ausmacht, der Klang ist für ein Livealbum zu transparent, zu detailversessen, dennoch aber sehr voluminös und druckvoll. Tom Allom hat hier am Mischpult großartige Arbeit geleistet. Was nun nachträglich im Studio via Overdub eingefügt wurde, vermag ich nicht zu sagen und wage auch kein Urteil.

Das Album aber hat seinen festen Platz in meiner Plattensammlung gefunden, leider viel zu spät entdeckt.


Stained Class
Stained Class
Preis: EUR 7,99

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nach über 30 Jahren noch keinen Rost angesetzt, 26. Dezember 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Stained Class (Audio CD)
Stained Class markiert einen wichtigen Meilenstein in der Geschichte der härteren Rockmusik. Judas Priest machten sich ein neues Image zu eigen: Schwere Lederklamotten und Motorräder. Auch musikalisch gingen sie wesentlich härter und auch stringenter zur Werke, als auf den beiden Vorgängeralben Sin After Sin oder Sad Wings Of Destiny. Stringent bedeutet in diesem Falle nicht, dass das Album poppig oder einfältige Songs beinhaltet. Tipton, Downing, Halford, Hill und Neuzugang Les Binks an den Drums kommen nur schneller auf den Punkt und verzichten auf musikalische Zickzack-Kurse innerhalb der Songs. Ich gehe mal auf die Songs ein, die ich für am bedeutensten halte:

Bereits der erste Song Exciter kann man als eine Art Steinzeit-Urprototyp von Painkiller ansehen. Sehr schnelles, zugleich aber filigranes Drumming, präzises Stakkato-Riffing, wundervolle Gitarrenleads während der Solopassagen, ein glasklarer Falsett-Refrain und ein furioses Grande finale, welches diesen Parforceritt beschliesst. Wäre Painkiller 1978 aufgenommen worden, hätte es wie Exciter geklungen.

Die Spooky Tooth Coverversion Better By You Better Than Me klingt nicht so spektakulär, wie die juristischen Nachfolgen dieses Songs, bescherte er der Band doch eine Anklage, weil zwei Teenager angeblich durch subversiv in diesem Song versteckte Botschaften zum Selbstmord aufgefordert wurden. Ich selbst lebe noch und konnte auch kein "DO IT DO IT", was die Anwälte der Kläger zu hören glaubten, vernehmen. Der Song hat einen ganz ordentlichen Groove, ist eher im Midtempobereich angesiedelt und dümpelt bis auf den wirklich wunderschönen Refrain etwas unspektakulär vor sich hin. Aber ok, ist ja auch nur ein Cover.

Der Titelsong ist ein wirklich furioser instrumentaler Parforceritt, eine Achterbahnfahrt erster Güte. Ein atemberaubendes, sehr markantes Gitarrenintro, gefolgt von einem hämmernden Stakkatoriff (allerdings nicht so schnell wie Exciter), welches Rob Halford mit seinem hysterischen Falsett würzt und den Song zumindest während der Strophen etwas hysterisch erscheinen lässt. Der Refrain jedoch wirkt sehr erhaben und königlich, nicht ganz so schrill gesungen und weist eine wunderschöne Melodie auf. Die Gitarrensoli sind ebenfalls nicht von dieser Welt. Bedauerlich, dass dieser Song so selten live aufgeführt wurde. Bis zu diesem Punkt der erste Höhepunkt des Albums. Stained Class. Bisher keine Rostflecken.

Invaders wird durch einige sehr spacige Gitarreneffekte eingeleitet, die wohl akustisch ein landendes Ufo skizzieren sollen. Ein einfaches, aber markantes Gitarrenriff und ein sehr schöner, aber simpler Refrain. Iron Maiden haben fünf Jahre später einen ähnlichen Song geschrieben, der auch zufälligerweise genauso heißt, nur in einer schnelleren Version. Ein zunächst unscheinbarer Song, der nach mehrmaligem Hören durchaus zu gefallen weiß, vor allem wegen des Refrains und der Gitarrenarbeit in der Mitte.

Saints In Hell klingt für Judas Priest zunächst sehr untypisch und hat doomige Black Sabbath-Anleihen. Schleppendes Tempo, tonnenschwere Lavariffs, eine unterschwellig bedrohliche Atmosphäre. Erinnert mich vage an Sabbath Bloody Sabbath oder A National Acrobat von den Genrekollegen aus Birmingham (aus dem Judas Priest interessanterweise auch stammen).

Das Highlight des Albums ist meines Erachtens nach die sehr majestätische, wie auch epische Halbballade Beyond The Realms Of Death. In meinen Augen der wirklich ergreifendste Song, den Priest jemals geschrieben haben. Queensryche haben wenige Jahre später für ihre Songs Roads To Madness oder The Lady Wore Black zweifelsohne ihre Inspiration aus dieser Blaupause bezogen. Der Song klingt sehr düster, melancholisch und weißt von den akustischen Strophen ein schleppendes Powerchord-Riffing auf, welches dezent an 16. Century Greensleves von Rainbow erinnert, allerdings in einer wesentlich packenderen und vor allem härteren Version. Textlich handelt der Song von Todessehnsucht eines totkranken Menschen, der seine Außenwelt nicht mehr wahrnehmen will, solange er an ihr nicht teilhaben kann. Also entzieht er sich ihr vollends. Eine so ernste Thematik haben Priest danach nie wieder verfolgt und haben vor allem textlich in den 80ern mitunter sehr tief ins Klo gegriffen mit lächerlichen Cartoon-Klischees. Zum Glück umschiffen alle Songs dieses Albums diese Klischees bei weitem.

Vom Sound her ist das Album sehr transparent und knackig produziert, alle Instrumente sind sehr gut voneinander zu unterscheiden (im Gegensatz zu einigen 80er Alben von Priest, wo Bass und Schlagzeug eine rhythmische Einheit bilden und monoton auf Autopilot zu laufen scheinen, während vor allem die Gitarren dominieren), allerdings mangelt es etwas an Schmackes. Für ein Album aus den späten 70ern dennoch erstaunlich wild, hart und brachial. Härtetechnisch waren es in den frühen 70ern Black Sabbath und Deep Purple, in den späten 70ern vor allem Judas Priest und Rainbow, die neue Grenzen ausloteten.

Die 2001 Remasters Version dieses Albums verfügt über einen anachronistischen Bonustrack aus den Ram It Down Sessions von 1988, der auf Stained Class soundtechnisch sehr deplaziert wirkt, aber dennoch sehr zu gefallen weiß. Technoider Drumcomputer (hat was vom Terminator-Soundtrack) und wundervolle, leicht synthielastige Gitarrenharmonien dominieren mit interessanten Melodien.

Nach 32 Jahren hat dieses wohl erste richtige Metalalbum (Black Sabbath steckten noch zu tief im Blues und Jazz auf ihrem Debutalbum 1970) keinen Rost angesetzt. Bestes Priest Album der 70er. Bedauerlich, dass mit Exciter nur ein einziger Song von Stained Class auf dem Livealbum (naja, so live nun auch wieder nicht) Unleashed In The East vertreten ist.


Jesus Christus Erlöser. 2 CDs
Jesus Christus Erlöser. 2 CDs
von Klaus Kinski
  Audio CD
Preis: EUR 15,93

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spiegel des Zeitgeistes und Reduktion der Bergpredigt auf das Wesentliche, 30. März 2010
Rezension bezieht sich auf: Jesus Christus Erlöser. 2 CDs (Audio CD)
Mit kaum etwas hat Klaus Kinski die Menschen mehr provoziert und polarisiert, als mit seiner eigenen Interpretation des Neuen Testamentes. Einer Interpretation im Kontext der 68er Bewegung, einer Interpretation im Kontext des Zeitgeistes der späten 60er und 70er. Abgesehen von seinen üblichen Eskapaden, Beschimpfungen von streitsüchtigen Zuschauern, die ihm ewig ins Wort fallen, um Klaus Kinskis berüchtigte Tobsuchtanfälle zu provozieren, bleibt eine sehr interessante Sichtweise auf das Neue Testament, genauer auf die Bergpredigt Jesu. An Stelle der Römer treten die Polizisten, die auf Demonstranten einprügeln. Anstelle der Pharisäer treten die Politiker, die Finanzjongleure und die Soldaten. Anstelle der Jüdischen Priester treten der Papst und der Klerus. Die Apostel wandeln sich zu Hippies, Studenten, Arbeitslosen, Obdachlosen, politische Flüchtlinge, Pazifisten, Drogenabhängige. Alles, was von der gutbürgerlichen, materialistischen und reaktionären Spießgesellschaft ausgestoßen wurde. Die Paria. Kinski setzt die Bergpredigt Christi in einen postmodernen Kontext und zeigt, dass die Pazifistische Botschaft Christi auch heute noch aktuell ist, wenn man Jesus losgelöst vom biblischen Kontext betrachtet und ihn nicht als Sohn Gottes und Erlöser der Menschheit erachtet, zu dem er heute verklärt wird.

Kinski reduziert Jesus vom Sohn Gottes zum einfachen Arbeiter, zum sozialen Reformer, zum wütenden Protestler, zum Nonkonformisten, zum pazifistischen Revoluzzer, der von den modernen Auswüchsen der von ihm begonnenen Reformbewegung, die sich später Christentum schimpfte, angeekelt und angewidert ist. Die Heuchelei des Klerus, die Raffgier der Oberschicht, die Doppelmoral, Wasser zu predigen und Wein zu saufen. Der Vietnamkrieg war damals hochaktuell und brisant, was Kinski natürlich auch aufgreift. Sein Jesus flucht und schimpft auf die Auswüchse seiner Religion, auf die Auswüchse der Gesellschaft. Priester verteilen Hostien an Soldaten, die anschließend Frauen mit ihren Kindern auf dem Arm erschießen. Kinski steigert sich voller Inbrunst und mit Tränen erstickter Stimme in seine Rezitation, gewürzt mit verächtlichen Beschimpfungen auf das, was Christus auch schon monierte. Kinski will einen Jesus, den man auch als Nichtchrist verehren kann. Das Wort Gott oder Himmel kommt nirgendwo vor. Kinski zieht Jesus nackt aus und macht ihn zu dem, was er war: Zu einem Menschen, der erzürnt ist über die Ungerechtigkeiten des Lebens, über die sozialen, materiellen und ethischen Ungleichgewichte seiner Umwelt, der seine Wut in die Welt hinausschreit und mit bissiger Polemik würzt.

Bei strenggläubigen Altvorderen und Bibeltreuen kam Kinskis Sichtweise selbstverständlich nicht an und so stempelten sie seine Schimpftiraden als geschmacklos ab. Dass Kinskis Jesus Pazifismus und Friedfertigkeit predigt, wo Kinski vor Wut bereits Schaum vor dem Mund hat, grenzt an Hohn. Dieser Kontrast aber macht Jesus Christus Erlöser so ungemein faszinierend. Es ist ein Zeitdokument der damaligen Protest- und Diskussionskultur, ein Relikt des damaligen Zeitgeistes gekoppelt mit der einzigen Sichtweise des Neuen Testamentes, die ich als Agnostiker heute für sinnvoll erachte.

Die Wutausbrüche und Unterbrechungen durch das 'Gesindel' würzen dieses Zeitdokument und machen es für viele erst interessant, welche sich sonst für die von Kinski transportierte Botschaft gar nicht interessieren. Manche scheinen der Form den Vorzug vor dem Inhalt zu geben. Ich sehe beides als gleichermaßen bedeutend an. Kinskis cholerische Wut sind die Scheinwerfer, die seine Worte erleuchten.

Uneingeschränkt empfehlenswert
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 13, 2013 12:56 PM CET


Der Rote: Roman
Der Rote: Roman
von Bernhard Kegel
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Solide Tiefsee-Spannung, 10. August 2009
Rezension bezieht sich auf: Der Rote: Roman (Taschenbuch)
Kurze Handlungsbeschreibung: Durch ein Seebeben und ein dadurch verursachter Tsunami verschwinden vor dem kleinen verschlafenen Neuseeländischen Touristenort ganz plötzlich die für den Whalewatching-Tourismus unverzichtbaren Pottwale - dafür tauchen hunderte mysteriöser, teilweise unbekannte Tintenfischarten tot angespült am Strand auf. Tiefsee-Kalmare, Riesenoktopoden, etc. Eine Fundgrube für den deutschen Wissenschaftler und Cephalopoden-Expertenm Hermann, der eine persönliche Tragödie vor Ort verdauen möchte. Doch nicht alle angeschwemmten Tintenfische sind tot. Einer lebt - und ist riesig.

Viele werfen Bernhard Kegel zu Unrecht vor, er hätte bei "Der Schwarm" abgekupftert. Ich habe beide Bücher gelesen, sowohl Schätzings Bestseller, als auch den vorliegenden Roman. Ich stelle kaum Parallelen fest, außer, dass es am und im Meer spielt. Die Handlung von "Der Rote" ist weniger abgehoben, nicht so bombastisch und unrealistisch wie die vermeintliche Vorlage. Es geht ganz einfach nur um einen mysteriösen wissenschaftlichen Fund, der durch eien Naturkatastrophe ermöglicht wurde. Gar nicht so unrealistisch, wie die von Schätzing durchaus spannend heraufbeschworene kollektive Schwarm-Intelligenz aus der Tiefsee. Die Charaktere sind bei Kegels Roman etwas liebevoller ausgearbeitet und nicht so hölzern, wie bei der Schwarm. Die Anzahl der Toten und die globale Bedeutung des Tsunamis ist hier ebenfalls nicht so gigantomanisch dargestellt. Alles bewegt sich in überschaubareren Rahmen, ist flüssiger zu lesen, dennoch voller wissenschaftlicher Details über Pottwale, Tintenfische aller Art (Kalmare, Sepia, Kraken) und den mysteriösen Lebensraum der Tiefsee. Trotz dieser Fülle an wissenschaftlichen Informationen über das Verhalten von Pottwalen oder der Anatomie von Mollusken treibt die Handlung schnell voran und die Spannung reißt nicht ab.

Ich habe "Der Rote" in zwei Tagen am Stück verschlungen. Ulrich Wickert hat es damals im TV empfohlen und ich blieb zunächst skeptisch. Doch der Kauf hat sich gelohnt und ich bin schon wieder dabei, das Buch erneut zu lesen.


Star Trek Movies & TV Shows
Star Trek Movies & TV Shows
Preis: EUR 19,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Nepp, 10. August 2009
Rezension bezieht sich auf: Star Trek Movies & TV Shows (Audio CD)
Nie habe ich den Kauf einer CD so bereut, wie in diesem Fall.

Dass sich hinter dem sogenannten Global Stage Orchestra ein schlampig und steril gespielter Casio-Synthesizer verbirgt und kein echtes Orchester ist weder auf der CD noch sonst wo ersichtlich. Bei einer Spielzeit von nicht einmal 35 Minuten pro CD, hätte man den Inhalt zweier CDs auch zu einer zusammenfassen können, anstelle den Preis unnötig in die Höhe zu treiben.

Man erkennt die Film- und Seriensoundtracks fast gar nicht mehr wieder, so lieblos wurden sie als Midi-Dateien auf dem Keyboard nachgedudelt. Am wenigsten fällt das bei den Titelmusiken von Deep Space Nine und Voyager ins Gewicht. Aber bei den Soundtracks zu den Kinofilmen, vor allen den ursprünglich von James Horner wundervoll in Szene gesetzten Scores zu "Der Zorn Des Khan" und "Auf Der Suche Nach Mr. Spock" wurde eine ganz üble, an Betrug grenzende Panscherei begangen.

Ich rate jedem nur: Finger weg. Besorgt Euch lieber die Original-Soundtracks der Original-Komponisten. Hier wird Etiketten-Schwindel erster Güte betrieben.


Black Sabbath Vol.4 (Jewel Case CD)
Black Sabbath Vol.4 (Jewel Case CD)
Preis: EUR 12,99

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bestes Sabbath Album der 70er, 9. April 2009
Ich war eigentlich nie ein Fan von Ozzy Osbourne und habe von Black Sabbath für gewöhnlich die Alben mit Ronnie James Dio oder Ian Gillan vorgezogen. Nicht weil mich die musikalische Klasse der Band zwischen 1970 und 1978 nicht überzeugt hat, sondern weil ich Ozzys Stimme einfach nicht ertragen kann. Das ist aber Geschmackssache und soll den großartigen Songs keinen Abbruch tun.

Für gewöhnlich haben mich aus der Phase mit Ozzy, die ja von vielen als die einzig essentielle Bandphase angesehen wird, wohingegen man die Alben mit Dio oder Ian Gillan gerne mal ausklammert, nur einzelne Songs überzeugt, wie etwa "Sabbath Bloody Sabbath", "A National Acrobat", das sehr doomige War Pigs oder das wunderschöne "Spiral Architect".

Das vierte Album der Engländer, welches eigentlich "Snowblind" heißen sollte, ist das einzige unter denen mit Ozzy Osbourne am Mikrofon, welches mich durchgehend überzeugt, auch wenn ich mir dadurch vielleicht viele Feinde mache.

Erstmals experimentiert die Band hier mit Einflüssen des Progressive Rocks und verknüpft diese wunderbar mit ihren Blues/Hard Rock/Doom Metal Einflüssen. Vor allem der sehr schwerfällige, langsam und zähflüssig aus den Boxen groovende "Wheels Of Confusion" soll Zeuge für diese wundersame Symbiose sein. Die Zelebrierung der Langsamkeit und dessen Vermischung mit filigraner Virtuosität, wie man sie von konkurrierenden Bands wie Led Zeppelin oder Jethro Tull kennt, wird hier absolut formvollendet, ohne es auf die Spitze zu treiben, wie Jahre später auf der "Technical Ecstasy".

"Tomorrows Dream" ist da eine kleine Spur schneller, aber ebenfalls sehr groovy, vor allem aber sehr fett und wuchtig im Sound. Sehr angenehm sind die Harmonien zwischen Gesang und Gitarre beim Refrain "when sadness fills my days... it's time to tunr away"... Hier könnte Ozzys Stimme gar nicht besser klingen.

Die Ballade "Changes" dürfte vielen Leuten aus dem Radio bekannt sein, da Ozzy Osbourne diesen Song neu aufgenommen hat und ihn im Duett mit seiner talentfreien Tochter Kelly singt. Hier spielt übrigens, was im Booklet nicht erwähnt wird, Rick Wakeman von Yes das Keyboard, respektive das Piano. Diese Ballade lebt nur vom Klavier und von Ozzys Stimme, keine Gitarren, kein Bass, keine Drums.

FX ist ein sehr atmosphärisches Einsprengsel, eher ein kleines Experiment mit Gitarreneffekten, denn ein Song. Ich mag es und zappe auch nicht weiter, obwohl es doch etwas zu wenig ist für einen einzeln stehenden Titel. Als Intro für einen anderen Song wäre das besser gekommen. Echoes hier, Hall Effekte dort. Eigentlich klopft Tony Iommi nur auf seinem Tonabnehmer rum. Stimmungsvolle Instrumentals bekommt Iommi in Zukunft besser hin, wie etwa "E 5150" vom Album "Mob Rules" von 1981.

Supernaut ist einer der bekanntesten Sogs dieses Albums. Sehr lockere und flockige Percussion, ein sehr schnelles und unfassbar einprägsames Ohrwurm-Riff, viel Beckengezische und anpeitschender Rhythmus.

Snowblind dann geht wieder in die etwas düstere und stimmungsvollere Richtung. Langsames Riff, recht melancholisch und schleppend. Eigentlich der Titelsong dieses Albums, hätte sich die Plattenfirma nicht im letzten Augeblick anders entschieden. Der Text handelt mehr als offensichtlich vom Kokain-Konsum. Hier finden sich wundervolle Harmonien zu Hauf, dazu erstmals in der Bandgeschichte Streichersequenzen.

Cornucopia ist dann ein unfassbar brachialer Doom Hammer, sehr spröde und wuchtig im Sound, dass einem der Staub aus den Boxen gefegt wird - eine der Grundsteine für Stoner Rock im Stile von Kyuss, der Jahrzehnte später folgen sollte.

Laguna Sunrise ist dann wieder ein Instrumental, sehr melodisch und beinahe kitschig. Strandmusik zum Chillen, ausschließlich Akustikgitarre und etwas Keyboard.

Saint Vitus Dance geht dann wieder in die Richtung, die bereits mit "Supernaut" beschritten wurde, sehr treibende, leicht tänzelnde Rhythmen und eine recht einprägsame Melodie. Übrigens ist dieses Lied Namensgeber für die Band Saint Vitus - Black Sabbath'sche Stoner-Doom Epigonen und Kultband im Underground.

Under The Sun enthält dann nochmal zum Schluss den groben Doom Hammer und deutliche Remineszenzen an das Vorgängeralbum "MAster Of Reality" mit seinen Lava-Songs wie "Into The Void" und "Sweet Leaf". Sowohl hier als auch vorher bei Cornucopia werden langsame Riffs zelebriert und genüsslich gedehnt. Iommi spielt seine Gitarre härter, als es sonst jemand zu seiner Zeit getan hat. Er musste seine Gitarre tiefer stimmen, um eine niedrigere Saitenspannung hinzubekommen - ein Zugeständnis an seine fehlenden, durch einen Unfall abhanden gekommenen Fingerkuppen. Durch die tiefer gestimmten Gitarren klingt das Album ähnlich wie seine drei Vorgänger sehr düster und heavy, hat aber einen experimentelleren Appeal.

Diese Linie sollte auf dem Nachfolgealbum "Sabbath Bloody Sabbath" weiter geführt werden, allerdings gingen dort auch die doomigen Elemente etwas flöten zu Gunsten der Progressivität.

Alles in Allem ist Vol4 ein leicht unterbewertetes Album, zwischen den Klassikern "Paranoid" und "Sabbath Bloody Sabbath" oft übersehen.
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 28, 2013 9:19 AM CET


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