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Rezensionen verfasst von
Theodor Kuhlau

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Richard Wagner: Die Inszenierung eines Lebens
Richard Wagner: Die Inszenierung eines Lebens
von Ulrich Drüner
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 34,99

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Herr der Mythen - in all seinen Widersprüchen, 7. Juni 2016
Kann man nach der Flut von Veröffentlichungen im Jubiläumsjahr 2013 noch Neues über Wagner schreiben? Die überraschende Antwort nach der Lektüre dieser Biografie, die zugleich eine Werkbetrachtung ist, lautet: ja. Wohl weil er selbst Orchestermusiker war, hat Ulrich Drüner ein ganz anderes Gespür als die bisherigen Biographen für die extremen, abgründigen Momente, die bei diesem Komponisten zur Entfaltung der Kreativität untrennbar dazugehören.
Dass Wagner bereits in seinem ersten Lebensjahr seinen leiblichen Vater verlor, der an der kriegsbedingten Typhus-Seuche starb, und dass er im 7. Lebensjahr seinen Pflegevater verlor, ist bekannt, aber wer hätte bisher Wagners Verhältnis zu seiner Mutter untersucht? Grob zusammengefasst: Diese hat ihn ziemlich vernachlässigt, gern abgeschoben, seine Begabung nicht erkannt, er im Gegenzug hat sie als Erwachsener geradezu gemieden.
Psychologisch ungemein vertrackt sind auch die Bedingungen von Wagners erster Ehe: Am Abend vor der Hochzeit erfuhr Wagner von seiner zukünftigen, ein paar Jahre älteren Frau Minna, dass die Schwester an ihrer Seite, Nathalie, in Wirklichkeit ihr uneheliches Kind war. Doch kommt dieses Buch auch einer Ehrenrettung von Minna Planer gleich: Sie war keinesfalls die phantasie- und verständnislose Frau (sozusagen Fricka in real), zu der sie viele Forscher abstempelten, die einfach Wagners Gründe, mit denen er seine Trennung von Minna rechtfertigte, kritiklos übernahmen. Was Wagners Liebschaften betrifft, so wird in Ulrich Drüners Aufarbeitung eine überraschende Umkehrung erkennbar: Wagner schöpfte nicht aus seinen Amouren Motive fürs Werk, sondern es war umgekehrt: Als er sich z.B. mit dem Tristan-Stoff befasste, stürzte er sich in eine von vornherein aussichtslose Liebe (Mathilde Wesendonck), um das Seelendrama der unerfüllten Liebe am eigenen Leibe zu durchleben und dann musikalisch und dichterisch gestalten zu können.
Geradezu kriminalromanhafte Spannung entfaltet die Lebensbeschreibung, wenn Richard Wagners Beteiligung an den Dresdener Aufständen von 1848 durchleuchtet oder wenn aufgedeckt wird, dass für Wagners Armut in Paris keinesfalls die Juden Schlesinger und Meyerbeer verantwortlich waren. Es stockt einem der der Atem, wenn man liest, welche Verleumdungen der Komponist in die Welt setzte, um sich selbst zu profilieren.
Dass Wagner Antisemit war, ist bekannt, für viele ist das heute ein bequemer Vorwand, sich erst gar nicht mit seinem Werk auseinanderzusetzen. Ulrich Drüner aber zeigt genau, warum und zu welchem Zeitpunkt Richard Wagner Antisemit wurde und wann er aufhörte, es in so grober Form zu sein. Mit der Illusion, dass sein antisemitische Furor im Opernschaffen keine nennenswerten Spuren hinterlassen habe, räumen die beeindruckenden Deutungen besonders des "Siegfried" und der "Meistersänger" auf. Dass sich finstere antisemitische Klischees mit humanistischen Konzepten reiben, erzeugt jene thematische, Spannung, aus der sich für den Autor die Relevanz dieser mehrdeutig gestalteten Opern ergibt. Diese Biographie tappt daher nicht in die Falle, Richard Wagners enormen geistigen Horizont auf die Ideologischen Elemente (den antifranzösischen Chauvinismus der 1870er Jahre etwa) zu verkürzen, sie zeigt vielmehr auch die ganzheitlichen, antirationalistischen, sprachhistorischen, geschichtsphilosophischen und emanzipatorischen Elemente in Wagners Denken und Fühlen auf. Hochspannend ist im Zusammenhang mit dem "Parsifal" auch die Untersuchung über die Frage, wie Wagners (durchaus fragwürdiger) Mitleidsbegriff konzipiert ist und wie seine Stellung zum Christentum und zur Kirche war.
Durchweg überzeugend ist die Intensität, mit der hier aus allen Quellen - Libretti, Briefe, theoretische Schriften, Cosimas Tagebücher, Bilder, Fotos (zum Teil wenig oder gar nicht bekannte) - geschöpft wird. Ungemein aufschlussreich sind die vielen Einblicke in die damalige Aufführungspraxis, die Entlohnung von Komponisten, ihre soziale Stellung. Und die Darstellungen von Wagners meist nicht unproblematischen Freundschaften mit bedeutenden Männer wie Liszt, Nietzsche, König Ludwig II. lesen sich ebenso unterhaltsam wie die Anekdoten über seine humoristischen Eskapaden, seinen Leseeifer, seiner Tierliebe.
Diese Biographie wurde ganz offenbar mit dem Anspruch verfasst, das bisherige Standardwerk von Martin Gregor-Dellin - der an einigen Punkten kritisiert, ja widerlegt wird - abzulösen: Ob sie diesen Anspruch einlösen kann, werden erst die Jahre zeigen - eines aber kann man jetzt schon feststellen: Hier wird ein gründlich erforschtes, eigenständiges Wagnerbild erzählerisch gekonnt vermittelt.


Panikherz
Panikherz
von Benjamin von Stuckrad-Barre
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,99

5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Lebensbeichte, die niemanden schont, 18. April 2016
Rezension bezieht sich auf: Panikherz (Gebundene Ausgabe)
Fast alle Schriftsteller drängt es irgendwann, ihr Innerstes nach außen zu kennen und bekenntnishaft eine Art Lebensbeichte abzulegen.Das als eitel oder egozentrisch abzutun, ist selbst wiederum höchst - eitel und kleingeistig. Umgekehrt gehört schon ein gewisser Mut und Wille zur Wahrhaftigkeit dazu, penibel zu beschreiben,wie man sich schon fast mutwillig in Essstörung, Drogensucht hineinmanövriert und dann die demütigenden Riten des Entzugs durchlaufen muss.Wer sich selbst nicht schont, dem nimmt man es auch ab, wenn er bei anderen genau hinschaut.
Bestechend ist, wie pointensicher, böse und doch über bloßen Zynismus hinausgehend Stuckrad-Barre das Dasein des Mainstream- Mittelstands beschreibt. Anlässlich eines drohend Klassentreffens stellt Stuckrad-Barre sich vor, was ihn dort erwarten würde. Er geht alle die gelebten Klischees durch, mit denen wir durch Dauerkonkurrenz deformierte Menschen uns bei solchen "Geselligkeiten" gegenseitig unserer Leistungserfolge versichern. Man muss schon vernagelt sein, um sich da nicht selbst getroffen zu fühlen Eine meiner Stellen war: "Wer von seinem Haus im Grünen schwärmt, 'Ja, ist zwar ein n 'Stück weit draußen, aber toll für die Kinder', möchte Dauerabsolution für seinen sozial deformierten Aufsitzmäheralbtraum in einer Derrik-Opfer-Bude, lügt außerdem bei der Fahrzeit 'in die Stadtmitte', Ruckzuck gehe das und verlangt, dass man lacht, wenn er sich korrigiert, nein, nicht ihm gehöre das Haus, hoho, sondern 'momentan noch der Bank'. Hausführungen gehen so: 'Und hier, musst du dir vorstellen,war 'ne Wand,und dann steht man gemeinsam vor der ehemaligen Wand, nickt und lobt die neue Offenheit... toll kommunikativ, großzügiger Wohnbereich, sinnlose Obstschalen, Beistelletisch mit Bildbänden, auch pornographischen, denn die können ja Kunst sein, Beamer für GESTREAMTE Serien im Original, weil bei der Synchronisierung einfach zu viel verloren geht..." (S. 125)
Die abertausend genauen Beobachtungen führen den Autor auch immer wieder zu einleuchtenden neuen Wortbildungen wie "angenehmisieren".
Stuckrad-Barre beschreibt selbstquälerisch, aber auch voller Humor, wie er sein halbes Leben damit verbrachte, einen Rockstar anzuhimmeln - Udo Lindenberg, der ja nicht besser oder schlechter als alle anderen auch ist. Wie alle großen Bücher, eröffnet auch "Panikherz" Sinnzusammenhänge, die der Autor selbst wohl nicht intendiert hat. Wer sich fragt, warum Rockmusiker ihr ganzes Leben lang immer die gleichen Akkorde und Kadenzen runterschrammeln, findet hier eine mögliche Antwort: Sie sind mit allem beschäftigt, mit ihrer Haltung, ihrem Äußeren, ihrem Image, nur für die Musik selbst haben sie keine Zeit, keine Lust und keine Phantasie. Sie ist nur Mittel zum Zweck der Poseneinübung, das wird überdeutlich, ob er Oasis oder Sven Regner oder sonstwen aus diesem Business beschreibt. Aber er kommt nicht davon los, will es auch gar nicht. Das Autorenbild, von Till Brönner, dem Popstar des Jazz, gefertigt, ist übrigens auch (unfreiwillige?) Selbstentlarvung: Leni- Riefentahl-Ästhetik pur, wie sie durch medialen Pop durchgesetzt ist und von niemandem mehr hinterfragt wird.


Mendelssohn: Antigone - Schauspielmusik op. 55
Mendelssohn: Antigone - Schauspielmusik op. 55
Preis: EUR 20,27

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wäre hier weniger mehr gewesen?, 11. April 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Selten hat ein Monarch so große Hoffnungen unter Intellektuellen auf sich gezogen wie der preußische König Friedrich Wilhelm IV. Mitte des 19. Jahrhunderts. Tatsächlich ließ der Schöngeist schon kurz nach Amtsantritt die "Antigone" von Sophokles aufwendig in einem dem griechsschen Amphittheater nachempfundenen Freilufttheater in Potsdam aufführe. Die Schauspielmusik schrieb kein geringerer als Mendelssohn-Bartholdy. Dass man sie jetzt auf CD hören kann, dafür ist man dankbar, denn es ist zu hören, wie ernst der Komponist seine Aufgabe nahm und wie sehr er sich in das ultimative Drama über den Konflikt Staatsräson versus Humanität vertiefte. Aber ob es eine klug Entscheidung war, auch einen großen Teil des gesprochenen Textes mit auf CD zu bannen? Für meinen Geschmack wird sie dadurch für mehrfaches Hören untauglich, denn das gesprochene Theaterwort wirkt als Hörtext eben längst nicht so wie auf der Bühne. Umgekehrt fragt man sich, warum der gegenwärtige Theaterbetrieb, der seine Restbesucher so gerne mit Videos und Synthiegeblubber aus der Dose malträtiert, zur Abwechslung nicht einmal ein solche Ereignis reproduzieren könnte - auch etwa Ibsens Peer Gynt würde man gern mal mit der Musik von Grieg oder hören und sehen, desgleichen Theaterstücke, zu denen Sibelius Musik geschrieben hat.


Richard Wagner Sämtliche Briefe: Sämtliche Briefe Band 23. Briefe des Jahres 1871
Richard Wagner Sämtliche Briefe: Sämtliche Briefe Band 23. Briefe des Jahres 1871
von Richard Wagner
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 66,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr gute Briefedition, 7. April 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Von den bisher herausgebrachten Briefbänden Wagners ist dies wohl der am sorgfältigsten kommentierte - dadurch wird er auch als Nachschlagewerk für Zeithistorisch interessierte nutzbar. Er trägt die Briefe aus dem Jahre 1871 zusammen und wartet mit einigen Erstveröffentlichungen auf. Es handelt sich um Briefe aus dem Jahr 1871: Dies war eines der kuriosesten Jahre des Komponisten.Er entdeckte das "stille liebliche Bayreuth". Er war eminent produktiv, aber politisch auf dem Tiefpunkt seiner Entwicklung. Für ein paar Jahre gab er, das ist hier nachzulesen, den Bismarck-Anhänger und einen ziemlich gehässigen Franzosenfeind, auch der Antisemitismus kommt ungebrochen zum Vorschein. Der Revoluzzer der frühen Jahre ist hier ebenso in weiter Ferne wie der wort- und tonmächtige Anwalt des Mitleids als der menschlichen Kraft schlechthin, der er mit seinem letzten Werk wurde. Neben vielen doch eher geschäftsmäßigen Briefen mit seinen Verlegern findet sich aber auch manches Juwel, das den humorigen Briefschreiber Wagner zeigt.


Am Anfang war Heimat: Auf den Spuren eines deutschen Gefühls
Am Anfang war Heimat: Auf den Spuren eines deutschen Gefühls
von Eberhard Rathgeb
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,99

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine große Bildungsreise in eigene Land - anrührend, anspruchsvoll, aber gänzlich unprätentiös, 16. März 2016
Heimat ist für Rathgeb vor allem ein Gefühl, das vom Wiedererkennen lebt. Man könne es nicht mit wenigen Worten einkreisen oder auf eine begrenzte Region einengen. Immer ist das Heimatgefühl an eine individuelle Geschichte geknüpft, im Falle von dieser Schriftstellers an die Erfahrung, aus einer Familie zu stammen, die Hitlers Regime vorhersah und 1929 nach Argentinien auswanderte. Erst in den Sechzigerjahren kehrte der Vater wieder zurück, um zu erkennen, dass zurückkehren nicht gleich dazugehören bedeutet. Er suchte alte Kirchen auf, spürte der Kunst Dürers und Riemenschneiders nach, blieb aber immer skeptisch gegenüber dem Absolutismus der Philosophie und huldigten einem eher englisch geprägten common sense. In dem Dorf, in dem er heimisch wurde, kommen heute Menschen aus der Ferne an, für die Heimat Zukunft sein soll, ein Versprechen, das ihr Leben sich zum Besseren wendet.
Mit der persönlichen Geschichte verwebt sich, ebenso kunstvoll wie anstrengungslos erzählt, das Schicksal deutscher Künstler und Denker. Heidegger und Wittgenstein, die beide im Rückzug in einsame Blockhütten zu ganz unterschiedlichen philosophischen Höhen gelangten, Rahel Varnhagen und Hannah Arendt, die jeweils in doppelt und dreifachem Sinne Außenseiter ihrer Zeit wurden, Schiller und Stifter, die dem Vater des Autors Heimat in der Sprache boten.
Wie wichtig die Sprache für jedes Gefühl von Heimat ist; macht Rathgeb an Adornos Lebensweg klar. Adorno war nach dem Krieg aus Amerika nach Deutschland zurückgekehrt, weil er nur in der deutschen Sprache philosophieren könne. Natürlich hatte er keine Schwierigkeiten, die Grammatik und die Wörter einer anderen Sprache zu lernen, mit denen er hätte ausdrücken können, was er sagen wollte. Aber für ihn fehlten den Wörtern und dem Satzbau einer fremder Sprache all die Besonderheiten und Eigenschaften, die nur seine Muttersprache besaß, die Vertrautheit und die Intimität der Klänge und Bedeutungen, das Gewicht der Tradition und die Nuancen der Stimmungen und des Sinns, die den Philosophen an die Herkunft der Wörter und an ihr erstes Aufklingen in seinem Ohr erinnerten. Deutsch war die Sprache, die ihn als Kind mit der Umgebung vertraut gemacht und mit der er einen Weg in die Philosophie gefunden hatte. Rührend ist es zu lesen, wie dieser große kritische Kopf an einem kleinen Provinzstädtchen namens Amorbach hing.

Wie sagte es Hannah Arendt so treffend: eine Heimat zu haben, heißt "eine Existenz mit Geländer zu führen."


Weine nicht: Roman
Weine nicht: Roman
von Lydie Salvayre
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

5 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein bewegender und kühner Roman, 2. März 2016
Rezension bezieht sich auf: Weine nicht: Roman (Gebundene Ausgabe)
'Glücklicherweise bricht am nächsten Tag der Krieg aus.' Dieser Satz eines jungen Mädchens namens Montse lässt einen als Leser zusammenzucken . Doch nur der Bürgerkrieg erlaubt es dieser jungen Spanierin, ihrem Schicksal als Dienstmädchen bei Don Jaume Burgos Obregón zu entkommen. Mit fünfzehn Jahren beschließt sie gleichsam aus einem Instinkt heraus im Juli 1936, sich den Roten anzuschließen, wie ihr Bruder José, der sich für die anarchistischen Theorien begeistert.
Montse, die Ich-Erzählerin, und José brechen in eine spanische Großstadt auf, wo der anarchistische Flügel der Revolution sich durchgesetzt hat. Staunend erleben sie, wie Luxushotels der Bevölkerung zugänglich gemacht, Geldscheine auf offener Straße verbrannt und Betriebe kollektiviert werden. Das Gefühl der Befreiung auf jeder springt einen als Leser förmlich an. Hier verliebt Montse sich in einen Franzosen, einen Dichter, mit dem sie eine rauschende Liebesnacht verbringt, bevor er sich einer revolutionären Miliz anschließt. Sie hat nichts von ihm, kein Foto, keine Adresse. Als sie entdeckt, dass sie schwanger ist, kehrt sie in ihr Heimatdorf zur Familie zurück ' ebenso wie ihr Bruder José, der von den großsprecherischen Parolen, aber auch von dem antiklerikalen Hass der Anarchisten entsetzt ist. Die Hinrichtungen von Priestern, die ihn zutiefst entsetzen, der selbstmörderische Einsatz der jungen Freiwilligen an der Front, ohne Waffen und Ausbildung, haben ihn desillusioniert. Er beschließt, nicht an die Front zu gehen, doch die politischen Verwirrungen werden ihn einholen.

Die zweite Erzählstimme des Roman "Weine nicht" ist die des renommierten Schriftstellers Georges Bernanos (1888-1948). Er ist leidenschaftlicher Franzose, Katholik und Monarchist, Nichts hätte also vermuten lassen, dass er die Kommunisten und die Republikaner unterstützen würde, im Gegenteil, alles sprach dafür, dass er sich für die 'Nationalisten' engagieren würde. Doch dann erlebt Bernanos 1936 in Palma de Mallorca die Verbrechen der Nationalisten und Franco-Anhänger an den Republikanern in den Straßen mit. Er kann nicht fassen, dass die Bürger tatenlos zusehen, wie Bauern, einfache Menschen, die linke Parolen skandiert haben, nachts aus den Betten geholt, auf Lastwagen gezerrt und erschossen werden. Die Kirche gibt ihren Segen dazu, was Bernanos als tiefgläubigen Katholiken noch mehr erzürnt. Getrieben von seiner Wut und seinem Entsetzen, wagt Bernanos seine Stimme zum Protest zu erheben.

Ein authentischer Roman, der den befreienden, lebensbejahenden Elan jener Jahre kraftvoll zum Ausdruck bringt und zugleich dem politischen Fanatismus jedweder Couleur eindringlich warnend einen Spiegel vorhält.


Antigone / König Ödipus: Dramen (Fischer Klassik)
Antigone / König Ödipus: Dramen (Fischer Klassik)
von Sophocles
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,00

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Kann man Weltliteratur liebloser herausgeben?, 25. Januar 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Antwort: Kaum. Die Schriftgröße und das Papier sind gut, der Preis akzeptabel. Die Übersetzung, Anfang des 19. Jahrhundert erstellt, überholt, weichgespült, oft, glaubt man der neueren Forschung, regelrecht falsch, da man damals noch um jeden Preis den fünfhebigen Jambus ins Deutsche retten zu müssen glaubte. Keinerlei Anmerkungen. Statt eines erläuternden Vorwortes werden die bekannt wechselhaften Einträge aus Kindlers Literaturlexikon einfach übernommen - und das wird auch noch stolz als Verkaufsargument aufs Cover geklebt. Das wiederum ist ganz schön anzuschauen. Jede Zeit bekommt die Klassikerausgaben, die sie verdient. Man wird sich also auch fürderhin mit kleinsten Reclam-Heftchen die Augen verderben müssen, will man diese Art unsterblicher Weltliteratur lesen.


Nachtfahrten
Nachtfahrten
Preis: EUR 17,99

15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Ausnahme von der Regel, 16. November 2015
Rezension bezieht sich auf: Nachtfahrten (Audio CD)
Es gibt viele hochwertige Longplayer von Jazzpianisten, die große Momente haben. Aber nur ganz wenige, die man vom ersten bis zum letzten Stück durchhören kann. Denn in der Regel kommt irgendwann immer der Punkt, wo die Jazzer ihre Skalenkenntnisse präsentieren und endlose, weitgehend melodiefrei Läufe abrufen oder - wie Keith Jarrett in seinem legendären Köln Concert in Teil II und III - sich in Repetitionsschleifen der aufdringlichsten Art austoben. Dieser junge Musiker, der einen Anschlag zum Niederknien hat, macht es allen gestandenen Vorgängern vor. Kompositionen sind ja vielleicht dann am besten geglückt, wenn sie, wie es ein Großmeister des 19. Jahrhundert einmal anmerkte, gar nicht mehr komponiert, sondern wie absichtslos klingen. Genau dies gelingt Wollny mit seinen "Nachtfahrten". Wenn man sich öfter auf diese Reise begibt, hört man natürlich, wie raffiniert diese gebaut ist, aber immer wirkt sie aus der Empfindung heraus kommend. Dieser Jazz, der sich auch von Volksliedern (Clair de lune) und Filmmusik (Twin Peaks) inspirieren lässt, ist europäisch - es ist keine Koketterie wenn zwei Stücke "Motette" und "Nocturne" heißen -, von Schumannscher Melodik genauso geprägt wie von Improvisationslust. Noch in den Dissonanzen klingt er, so verdächtig das manchen sein mag, schön oder sagen wir besser: stimmig, atmosphärisch. Auch der Bassist Weber und der Schlagzeuger Eric Schäfer, der im letzten Song prominent hervorkommt und der zwei ziemlich abgezockte Kompositionen beisteuerte, tragen zum Gelingen dieser Reise bei.


Ein Jahr wie dieses: Roman
Ein Jahr wie dieses: Roman
von Daniele Bresciani
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Anrührend, spannend und mit einer Prise literaturhistorischer Bildung, 16. November 2015
Rezension bezieht sich auf: Ein Jahr wie dieses: Roman (Taschenbuch)
Ein Roman aus Italien, wie man ihn nicht alle Tage liest: Die 14-jährige Viola fällt nach dem Tod ihres Vater ins Schweigen, sie liest seine Tagebuchnotizen und Briefe merkt, dass sie ihren Vater nur halb kannte. Denn Giacomo, so heißt der Vater, hatte als junger Student eine tragisch endende Liebesgeschichte mit einer Engländerin, die die Tochter eines Antiquariat-Buchhändlers war. Über das Ende diese Liebesbeziehung ist Violas Vater, nie hinweggekommen. Der Roman erzählt nun doppelgleisig, erstens, wie Viola sich in einem Internat zu behaupten lernt, und zweitens, was ihr Vater als Student in den Achtzigerjahren in Bristol und London erlebte. Diese beiden Erzählstränge ergänzen sich sehr gut, weil der erste eher witzig, skurril ist, der zweite, ohne kitschig zu werden, anrührend und spannend ist. Die Auflösung ist durchaus überraschend und zugleich plausibel. Darüber hinaus taucht man in die Atmosphäre der Achtzigerjahre ein und lernt auch literaturgeschichtlich etwas: Denn die Spurensuche wird vermittelt über ein altes Buch, das in der Liebesbeziehung des Vaters eine Rolle spielte, und man erfährt so einiges über den berühmten skandalumwitterten Lord Byron und sein schriftstellerisches Umfeld. Beste Unterhaltung der gehobenen Art!


Stay in Memory
Stay in Memory
Preis: EUR 17,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Yirumas Quantensprung, 16. März 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Stay in Memory (Audio CD)
"Nocturne" oder "Impromptu" nennt Yiruma einige seiner hier versammelten zwölf Stücke - und tatsächlich klingen sie wie Improvisationen, entstanden nach der Beschäftigung mit Chopin, Schubert und vielleicht Sibelius' kurzen Klavierstücken, Improvisationen, die aber ausgearbeitet und ausgefeilt und mit einem zwingenden Aufbau versehen sind. Sie sind elegisch, haben in der Melodik - nicht in der Rhythmik - ein leichtes Jazzidiom und klingen so durchaus heutig. Gegenüber seinen früheren - hübschen, aber doch auch leicht kitschigen und harmonisch sehr einfachen - Liedern wie "River flows in you" markiert diese Sammlung eine fast schon unfassbare künstlerische Weiterentwicklung. Die auch klangtechnisch unglaublich liebevoll produzierte CD ist aus einem Guss, nichts wirkt aufgesetzt oder effekthascherisch, keine vordergründige Virtuosität, sondern Musik pur, die atmet, die vibriert, die immer etwas erzählt - und doch würde ich "Impromtu" (Nr.5) und den Titelsong (Nr.2) herausheben.


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