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Rezensionen verfasst von
J.Lu "phazonfreak" (Bad Hersfeld)

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DEUS EX: Human Revolution
DEUS EX: Human Revolution
Wird angeboten von Game World
Preis: EUR 11,95

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schleichlastiger RPG-Shooter mit detailreicher Spielwelt und kleinen Macken, 29. August 2011
= Spaßfaktor:4.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: DEUS EX: Human Revolution (Videospiel)
Deus Ex: Human Revolution ist ein sehr gutes Spiel geworden. Nach dem hervorragenden 1. Teil, der immer wieder zurecht als Klassiker im Bereich Ego-Shooter/RPG zitiert wird, und dem eher mittelmäßigen 2. Teil erhält man hier einen würdigen 3. Teil, auch wenn ich kleinere Schwächen feststellen muss.

Dieser Teil ist als Prequel angelegt, der vor den Ereignissen des 1. Teils spielt und als Rahmen die Anfänge der Augmentierungstechnologie und Kybernetik im Jahre 2025 hat. Der Spieler schlüpft in die Rolle von Adam Jensen, Sicherheitschef einer Forschungsfirma für Augmentierungen namens Sarif Industries, der Deus Ex-typisch zu Beginn vermeintlich lokale Vorfälle von Terrorismus und Firmenspionage verfolgen muss, um dann im Laufe der Story immer größer werdende Kreise einer globalen Weltverschwörung aufzudecken, die ihn nach Detroit, China (Hengsha) und Montreal führt.
Das Ganze wird mit einem emotionalen Antrieb unterfüttert, da Jensen bei einem terroristischen Anschlag, den er nur mithilfe der Einpflanzung künstlicher Augmentierungen überleben konnte, seine Ex-Geliebte verloren hat.

Die Storywendungen und die Erschaffung der Spielwelt sind demzufolge auch die stärksten Aspekte des Spiels. Es trieft nur so von Atmosphäre. Das Spiel schafft es sowohl eingebunden durch seine konkreten Aufgaben, als auch eher nebenher durch Gespräche auf den Straßen, denen man lauschen kann und Zeitungen, Emails und E-Books, die man in der Welt verteilt lesen kann, eine glaubwürdige Kulisse zu kreieren. Entdeckungsfreudige und neugierige Spieler werden vorbildlich belohnt, ohne dass man gleichzeitig durch die Masse an Informationen zwangsweise erschlagen wird.
Insgesamt bietet das Spiel gerade im Vergleich mit anderen Shootern eine ordentliche Spieldauer, wenn man denn die gelegentlichen Nebenmissionen erledigt und sich Zeit fürs Erkunden nimmt.

Diese Zeit sollte man sich wirklich nehmen, denn die Grafik mag zwar auf technischer Ebene eher zweitklassik (Texturen, Animationen, Effekte) teils sogar drittklassik (Gesichter) sein, dafür aber wird ein sehr eigener Stil verfolgt, der stark mit kontrastreichen Orange- und Brauntönen arbeitet und bezüglich Mode und Architektur offensichtlich von der Renaissance inspiriert wurde. Noch wichtiger sind jedoch die vielen kleinen Details, die man in den Räumen und Gängen entdecken kann und die trotz der teils ärgerlichen räumlichen Einschränkungen in den Städten immens dazu beitragen, eine lebendige Welt vor sich zu haben. Einzig die nicht gewahrte Lippensynchronität in den Dialogen geht ein bisschen auf Kosten der Atmosphäre, konnte ich aber nach einer gewissen Eingewöhnungszeit verschmerzen.

Gameplaytechnisch ist das eigentliche Fundament von Human Revolution ein Schleich-Shooter mit leichten Rollenspieleinflüssen bezüglich Charakterentwicklung und Dialogen. Auch wenn man das Spiel mit ständig gezogener Waffe und Rambo-Manier spielen kann, es bietet sich einfach nicht an, da es erstens so sehr schwer ist und man zweitens zu viel verpasst. Auch wenn das Spiel eine umfassende Entscheidungsfreiheit vorgibt, im Endeffekt macht es nur Spaß und auch Sinn, wenn man behutsam und leise vorgeht und die großzügig verteilten Deckungsmöglichkeiten bzw. Ventilationsschächte nutzt. Dies rührt daher, dass die Gegner gut treffen, der eigene Charakter nicht sonderlich viel aushält und nicht-tödliches Vorgehen mit wesentlich mehr Erfahrungspunkten belohnt wird, die man dringend zum Verbessern der Fähigkeiten benötigt.
Dieses Verbessern besteht im Wesentlichen darin, dass man seinen Charakter mit erweiterten Augmentierungen ausstattet, um so effektiver zu schleichen, hacken und in der Spielwelt mobiler agieren zu können. Hinzu kommt ein Inventar samt verschiedenen Unterstützungsitems wie Modifizierungen für die verschiedenen Waffen (die Waffen entsprechen hierbei dem typischen Katalog von Sci-Fi Spielen) und Items zum Regenerieren bzw. Erhöhen von Energie und Gesundheit.

Dies alles verbindet sich letztendlich zu einem großen Ganzen, das eine Menge Spaß macht, wenn man mit dem teilweise holprigen Deckungssystem, der etwas überbordenden Menüführung, den gelegentlichen KI-Aussetzern und eher nervigen Bosskämpfen und langen Ladezeiten leben kann. Und wenn man eben Spaß am Schleichen und bedächtigen Vorgehen hat und nicht einen eher klassischen, flotten Ego-Shooter sucht.
Auch wenn das Spiel nun nicht die gleiche riesige Entscheidungsfreiheit des ersten Teils bieten kann, es hat in meinen Augen mehr als genug für ein einmaliges und auch zweimaliges Durchspielen.

P.S. Die deutsche Vertonung geht vollkommen in Ordnung. Es gibt vereinzelt Stimmen, die nicht passen und schlecht betont sind, der absolute Großteil ist aber sehr gut synchronisiert.


DEUS EX: Human Revolution
DEUS EX: Human Revolution
Wird angeboten von poweronlineshop
Preis: EUR 14,99

5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schleichlastiger RPG-Shooter mit detailreicher Spielwelt und kleinen Macken, 29. August 2011
= Spaßfaktor:4.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: DEUS EX: Human Revolution (Computerspiel)
Deus Ex: Human Revolution ist ein sehr gutes Spiel geworden. Nach dem hervorragenden 1. Teil, der immer wieder zurecht als Klassiker im Bereich Ego-Shooter/RPG zitiert wird, und dem eher mittelmäßigen 2. Teil erhält man hier einen würdigen 3. Teil, auch wenn ich kleinere Schwächen feststellen muss.

Dieser Teil ist als Prequel angelegt, der vor den Ereignissen des 1. Teils spielt und als Rahmen die Anfänge der Augmentierungstechnologie und Kybernetik im Jahre 2025 hat. Der Spieler schlüpft in die Rolle von Adam Jensen, Sicherheitschef einer Forschungsfirma für Augmentierungen namens Sarif Industries, der Deus Ex-typisch zu Beginn vermeintlich lokale Vorfälle von Terrorismus und Firmenspionage verfolgen muss, um dann im Laufe der Story immer größer werdende Kreise einer globalen Weltverschwörung aufzudecken, die ihn nach Detroit, China (Hengsha) und Montreal führt.
Das Ganze wird mit einem emotionalen Antrieb unterfüttert, da Jensen bei einem terroristischen Anschlag, den er nur mithilfe der Einpflanzung künstlicher Augmentierungen überleben konnte, seine Ex-Geliebte verloren hat.

Die Storywendungen und die Erschaffung der Spielwelt sind demzufolge auch die stärksten Aspekte des Spiels. Es trieft nur so von Atmosphäre. Das Spiel schafft es sowohl eingebunden durch seine konkreten Aufgaben, als auch eher nebenher durch Gespräche auf den Straßen, denen man lauschen kann und Zeitungen, Emails und E-Books, die man in der Welt verteilt lesen kann, eine glaubwürdige Kulisse zu kreieren. Entdeckungsfreudige und neugierige Spieler werden vorbildlich belohnt, ohne dass man gleichzeitig durch die Masse an Informationen zwangsweise erschlagen wird.
Insgesamt bietet das Spiel gerade im Vergleich mit anderen Shootern eine ordentliche Spieldauer, wenn man denn die gelegentlichen Nebenmissionen erledigt und sich Zeit fürs Erkunden nimmt.

Diese Zeit sollte man sich wirklich nehmen, denn die Grafik mag zwar auf technischer Ebene eher zweitklassik (Texturen, Animationen, Effekte) teils sogar drittklassik (Gesichter) sein, dafür aber wird ein sehr eigener Stil verfolgt, der stark mit kontrastreichen Orange- und Brauntönen arbeitet und bezüglich Mode und Architektur offensichtlich von der Renaissance inspiriert wurde. Noch wichtiger sind jedoch die vielen kleinen Details, die man in den Räumen und Gängen entdecken kann und die trotz der teils ärgerlichen räumlichen Einschränkungen in den Städten immens dazu beitragen, eine lebendige Welt vor sich zu haben. Einzig die nicht gewahrte Lippensynchronität in den Dialogen geht ein bisschen auf Kosten der Atmosphäre, konnte ich aber nach einer gewissen Eingewöhnungszeit verschmerzen.

Gameplaytechnisch ist das eigentliche Fundament von Human Revolution ein Schleich-Shooter mit leichten Rollenspieleinflüssen bezüglich Charakterentwicklung und Dialogen. Auch wenn man das Spiel mit ständig gezogener Waffe und Rambo-Manier spielen kann, es bietet sich einfach nicht an, da es erstens so sehr schwer ist und man zweitens zu viel verpasst. Auch wenn das Spiel eine umfassende Entscheidungsfreiheit vorgibt, im Endeffekt macht es nur Spaß und auch Sinn, wenn man behutsam und leise vorgeht und die großzügig verteilten Deckungsmöglichkeiten bzw. Ventilationsschächte nutzt. Dies rührt daher, dass die Gegner gut treffen, der eigene Charakter nicht sonderlich viel aushält und nicht-tödliches Vorgehen mit wesentlich mehr Erfahrungspunkten belohnt wird, die man dringend zum Verbessern der Fähigkeiten benötigt.
Dieses Verbessern besteht im Wesentlichen darin, dass man seinen Charakter mit erweiterten Augmentierungen ausstattet, um so effektiver zu schleichen, hacken und in der Spielwelt mobiler agieren zu können. Hinzu kommt ein Inventar samt verschiedenen Unterstützungsitems wie Modifizierungen für die verschiedenen Waffen (die Waffen entsprechen hierbei dem typischen Katalog von Sci-Fi Spielen) und Items zum Regenerieren bzw. Erhöhen von Energie und Gesundheit.

Dies alles verbindet sich letztendlich zu einem großen Ganzen, das eine Menge Spaß macht, wenn man mit dem teilweise holprigen Deckungssystem, der etwas überbordenden Menüführung, den gelegentlichen KI-Aussetzern und eher nervigen Bosskämpfen und langen Ladezeiten leben kann. Und wenn man eben Spaß am Schleichen und bedächtigen Vorgehen hat und nicht einen eher klassischen, flotten Ego-Shooter sucht.
Auch wenn das Spiel nun nicht die gleiche riesige Entscheidungsfreiheit des ersten Teils bieten kann, es hat in meinen Augen mehr als genug für ein einmaliges und auch zweimaliges Durchspielen.

P.S. Die deutsche Vertonung geht vollkommen in Ordnung. Es gibt vereinzelt Stimmen, die nicht passen und schlecht betont sind, der absolute Großteil ist aber sehr gut synchronisiert.
Außerdem sollte bedacht werden, dass die PC-Version zwingend eine Registrierung bei Steam voraussetzt.


Interpol
Interpol
Preis: EUR 12,99

5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was eine Depression alles anrichten kann, und wie man trotzdem optimistisch klingt, 9. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Interpol (Audio CD)
Ich kann mich den bisherigen Rezensionen nur anschließen und bin zutiefst erfreut, dass das Album bei den Hörern anscheinend sehr gut ankommt. Leider steht das ganz im Gegensatz zu den professionellen Kritiken der Musikjournalisten, die das Album in der Mehrheit als mittelmäßig herabstufen, während das wirklich gute aber bei weitem nicht so herausragende "The Suburbs" von Arcade Fire in den höchsten Tönen gelobt wird. Und das völlig zu unrecht.
Interpol haben mit ihren neuesten Werk wahrscheinlich nicht nur das Album des Jahres kreiert, sondern haben für mich ganz persönlich ein durchgängig funktionierendes Erlebnis geschaffen, das mich emotional erreicht hat. So ein erfassendes Erlebnis beim Hören von Musik hatte ich schon seit sehr vielen Jahren nicht mehr.

Anstatt einer soliden Aneinanderreihung von guten Songs in einer schnöden Tracklist, wird hier schon beim ersten Hördurchgang deutlich, dass sich ein tieferliegendes Konzept durchzieht: Depression. Das Album handelt von einem Mann und wie er von seinem depressiven Gemüt gequält wird und dadurch nicht mehr im Alltag funktionieren kann. Mit Sicherheit sind da viele persönliche Erlebnisse von Sänger Paul Banks eingeflossen. Ich bitte jeden, der mit dem Album nicht wirklich viel anzufangen weiß, es noch einmal zu hören unter dieser Vorraussetzung. Es kann durchaus sein, dass es plötzlich hervorragend gefällt.

Diese Tiefe wird nicht nur dadurch erreicht, dass der Sound von Interpol zu den Wurzeln zurückkehrt (einsilbige, aber komplexe Bassläufe, tiefergelegte Gesangsstimme), sondern gleichzeitig auch neue Elemente hinzufügt (mehrstimmiger Gesang, subtile orchestrale Untermalung). Zudem profitiert das Album von einem riesigen qualitativen Sprung der Texte. Sie behalten zwar die Interpol-typische Ambivalenz in deren Aussage, sind aber auch weitaus poetischer, ohne dabei mit Kitsch und allzu plakativen Metaphern zu arbeiten.
Das Alles wird dann in 10 Songs zu einer Dramaturgie verarbeitet, die so gut wie keine Schwächen aufweist (vielleicht bis auf "Memory Serves", welches etwas abfällt) und zwischen den drei Hauptsongs "Success" zu Beginn, "Always Malaise (The Man I Am)" in der Mitte und "The Undoing" am Ende perfekt eingerahmt wird. "Always Malaise" ist für mich der beste Song, den Interpol jemals fabriziert haben, ganz besonders wegen des Themas und wie offen und tiefgründig es behandelt wird. Tipp: Es hat etwas mit zwischenmenschlichen Aktivitäten zu tun.

Auch wenn ich mich vielleicht etwas weit aus dem Fenster lehne, aber für mich klingt dieses Album wie die Antwort auf OK Computer von Radiohead 13 Jahre später. Es ist eine erneute Bestandsaufnahme davon, welche Unwegbarkeiten man bestreiten muss, wenn man mit einem dunklen Gemüt geschlagen ist. Aber auch davon wie man Wege finden kann, aus diesem Zustand wieder heraus zu kommen. Es ist kein nörglerisches Verweilen, sondern klingt trotzallem so optimistisch und inspirierend, wie eine Depression überhaupt klingen kann. In Anbetracht der zwar guten, aber doch auch irgendwie halbherzigen Alben, die Interpol nach dem fantastischen Debüt herausgebracht haben, kann ich heute nur meinen Hut vor der hier gezeigten Leistung ziehen.


Inception [Blu-ray]
Inception [Blu-ray]
DVD ~ Leonardo DiCaprio
Preis: EUR 16,75

11 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine Traumwelt voll technischer Brillianz aber auch charakterlicher Armut, 8. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Inception [Blu-ray] (Blu-ray)
Stellt man Inception in eine Reihe mit den üblichen Sommer-Blockbustern, die Jahr für Jahr von Hollywood am Fließband produziert werden, dann müsste man dem Film schon aufgrund seiner technischen Raffinesse 5 Sterne verleihen. Allerdings müssen sich der Film und Regisseur Christopher Nolan durch die Filmhistorie und die vorgegebene Erwartungshaltung dann doch höher angesetzte Kritik gefallen lassen, als jeder Jerry Bruckheimer Streifen.
In dieser Kritik ist der Film nicht perfekt, sondern offenbart klare Schwachstellen, die ich versuche, mit dieser Rezension aufzuzeigen für all diejenigen, die an einer abweichenden Betrachtung interessiert sind.

Wie es völlig zurecht von so ziemlich allen Seiten bezeugt wird, fußt der Film auf einem Fundament, das über alle Zweifel erhaben ist. Er hat eine durchdachte Grundidee, ist stilsicher und zeugt von großer, technischer Qualität. Allein als visuelles Erlebnis bietet der Film über seine ganze Länge Überzeugendes und sollte schon aus diesem Grund absolut zur Pflichtschau gehören. Das mag man für selbstverständlich halten, ist aber leider im Bereich der (Action)-Blockbuster aufgrund der, auf wirtschaftlicher Ebene sogar verständlichen, wachsenden Risikoscheue bei den großen Filmstudios nur noch sehr selten anzutreffen. Der Kern meiner Kritik an dem Film ist jedoch ganz anders geartet.

Inception hat einfach keine emotionale bzw. charakterliche Tiefe, er hat kein Herz. Der Film ist extrem unterkühlt, bis in die kleinste Ecke durchgestylt und erzählt seine Geschichte mit äußerst grob gezeichneten Figuren, die nicht das tragen können, was an gedanklicher und visueller Wucht präsentiert wird. Nolan war schon immer mehr ein begeisterter Techniker, der lieber in seiner Garage an handwerklichen Details gefeilt hat, als seinen Charakteren bemerkenswerte und skurril-erinnerungswürdige Züge zu verleihen, mit der wohligen Ausnahme von Teddy in Memento und des Jokers in The Dark Knight. Hier aber bin ich zum ersten mal richtiggehend enttäuscht von der Belanglosigkeit und der glatten Kalkuliertheit, mit der die agierenden Personen dargestellt werden.
Das liegt nicht an den Schauspielern, sondern an dem dünnen Material, mit dem sie arbeiten müssen. Ganz extrem fällt das bei den beiden Frauenrollen auf. Während bei der einen (Mal) der große Fehler gemacht wird, sie fast ausschließlich als unsympathische Gedankenprojektion darzustellen, was die Emotionalität der Beziehung zum Helden (Cobb) in einem sehr entscheidenden Moment total untergräbt, muss die andere (Ariadne) als dumpfe Fragenstellerin für die Zuschauer herhalten, um ihnen die Traumregeln des Films ellenlang zu erklären; Quasi eine wandelnde Bedienungsanleitung.
Diese Beschränkung der Charaktere auf reine Funktionen in der Gleichung des Films zieht sich wie ein roter Faden durch die komplette Spielzeit. Ironischerweise bleiben sie dadurch genau auf dem Level stehen, welches eigentlich nur den unwichtigen Gegnern zugedacht wurde, die in den Actionsequenzen als Kugelfänger herhalten müssen: Sie sind uninteressante Projektionen.

Warum soll man Interesse an einem Paar entwickeln, dessen beste Gedankenkreation es ist, in einer frei gestaltbaren Traumwelt und im Verlauf von mehreren Jahrzehnten äußerst öde Aneinanderreihungen von Wolkenkratzern zu "bauen"? Ist das ernsthaft die Vorstellung Nolans, was sich ein Liebespaar in deren innersten Träumen wünscht? Warum sollte man mitfiebern, ob der alles entscheidende Job wirklich klappt, wenn die zugrunde liegende Vater-Sohn-Beziehung nicht über lahme Klischees herauskommt und deswegen überhaupt nicht anrühren kann? Und letzten Endes: Warum sollte man sich mit der fadenscheinigen Ambivalenz am Ende des Films beschäftigen wollen, wenn einem das Schicksal der Charaktere sowieso relativ egal ist?

Das ist dann auch der entscheidende Grund, warum sich Inception zwar auf technischer und gedanklicher Ebene ohne Weiteres mit jedem Actionfilm-Klassiker, zum Beispiel mit einem Terminator 2 messen kann, aber bei dem Thema der Emotionalität und der Resonanz der Charaktere klanglos untergeht. Die Marke einer Sarah Connor, eines Terminators, eines John Connors (selbst eines Jokers in The Dark Knight) erreicht kein Cobb, keine Ariadne und keine Mal.
Ich prophezeie schon jetzt, dass man den Film in Zukunft immer wieder aufgrund seiner technischen Brillianz zitieren wird, aber niemand auf die Idee kommt, einen tiefergehenden Gedanken an die Figuren zu verschwenden. Sie sind keine erinnerungswürdigen Abbilder unserer Zeit, mit denen man sich im Nachhinein gerne beschäftigen möchte. Das macht dann aus Inception zwar einen äußerst sehenswerten Film, aber auch zum schnell verdaulichen Fastfood der Emotionen. Schade.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 11, 2010 1:10 PM MEST


ANNO 1404 - [PC]
ANNO 1404 - [PC]
Wird angeboten von skgames
Preis: EUR 11,49

26 von 50 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schön, flexibel, herausfordernd. Der bisherige Höhepunkt der Anno Reihe, 1. Juli 2009
= Spaßfaktor:5.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: ANNO 1404 - [PC] (Computerspiel)
Unter dem einschränkenden Aspekt, dass das Spiel keinen Mehrspielermodus besitzt und durch Online-Aktivierung geschützt ist, kann ich klar feststellen, dass Anno 1404 der bisher beste Teil der Reihe ist. Die Gründe hierfür will ich in mehreren Unterpunkten darstellen:

Anno 1404 klingt und ist wunderschön. Das wellenbrechende Wasser lässt einen förmlich ertrinken, saftige grüne Weiden schreien nach Bebauung, Städte sprudeln über mit Geselligkeit und Leben, staubige Wüsten ächzen nach fruchtbar machenden Konstruktionen. Diese Anno Welt ist in jedem Detail absolut stimmig und lässt einen tief in die Atmosphäre eintauchen. Die dynamische Musikuntermalung passt wie die Faust aufs Auge. Verbesserungen gegenüber den Vorgängern gibt es mit der Verbreiterung der bekannten europäischen Welt zum Orient mit anderen Voraussetzungen und Bedürfnissen, was der Abwechslung absolut zu Gute kommt. Zusätzlich wurde der immer schon schematisch wirkende Bauplan-Look in eine etwas organischere Betrachtung geändert.
Natürlich ist ein sehr guter Rechner nötig, um die Grafik in vollen Zügen genießen zu können, aber selbst in etwas geringeren Einstellungen bleibt die Welt einladend.

Anno 1404 ist aufgeräumt. Jeder Button ist sinnvoll, jede Funktion durchdacht und kontrollierbar ohne zu viel auf einmal zu sein. Selbstverständlich müssen absolute Neueinsteiger eine längere Phase des Kennenlernens absolvieren, die allerdings ansprechend mit der Kampagne verknüpft wurde. Trotzdem bleibt das Spiel in allen Phasen gut kontrollierbar, ohne das man sich hilflos fühlt. Handelsrouten lassen sich in einer Übersicht einfachst planen, Aufträge werden vorbildlich verbucht, Rückmeldungen über Probleme und den Zustand der Wirtschaft sind schnell einsehbar.
Das Militär wurde entschlackt und wird nun vornehmlich in Armeeverbänden geführt. Während der Seekampf hierbei kaum Änderungen aufzeigt, gehen Landschlachten durch das zeitaufwändige Ausheben und Bewegen ganzer Heerlager viel langsamer von statten. Es werden keine einzelnen Einheiten mehr gesteuert. Das ist Geschmackssache, da für mich Anno aber schon immer in erster Linie das Aufbauspiel und nicht das Militärspiel war, bin ich mit den Neuerungen zufrieden.
Absolut vorbildlich und durchdacht sind neutrale Gebäude wie zum Beispiel Klöster, die einem in der Not und besonders in der Anfangsphase für finanzielle Kompensation Hilfe zukommen lassen (Rohstoffe, Einheiten). Außerdem gibt es neutrale Parteien, die Aufträge verteilen, bei dessen Erfüllung Ruhm winkt. Dieser lässt sich wiederum in nützliche Spezialitems oder Technologien eintauschen, die beispielsweise den Rumpf von Schiffen verstärken oder den Output von Webereien erhöhen. Klasse!

Anno 1404 ist herausfordernd. Gegenüber dem vereinfachten Vorgänger wurde dem aktuellen Teil das bis dato komplexeste und umfangreichste Waren- und Bedürfnis-System spendiert. 60 Rohstoffe und Waren müssen in der Industrie verarbeitet und der Bevölkerung zugänglich gemacht werden, und das teilweise über riesige Karten verteilt mit Bündnispartnern, die Nebenaufträge verteilen und Gegnern, die kriegerische Auseinandersetzungen aufzwingen. Städte wirken wie die Landschaften viel organischer, haben komplexere Voraussetzungen für den Ausbau und erfordern durchdachtes Management: Siedelt man neue Bauern an, damit mehr Bürger zu Patriziern aufsteigen, um mehr Steuereinnahmen zu generieren? Versucht man Bettler vor den Toren unter immensen Kosten zu integrieren oder lässt sie elend jagen und vertreiben? Oder sollte man sich lieber erstmal um die Peripherie im Orient kümmern, damit die Adeligen endlich ihre exotischen Waren bekommen? Das Spiel lebt ständig von solchen wichtigen und stets antreibenden Entscheidungen.
Bis in einer freien Partie seine Hauptstadt zur Weltstadt heranwächst, Monumentalbauten in mehreren Ausbaustufen errichtet wurden und Gegner besiegt sind, können je nach Bedingungen und Erfahrung gerne mal 80 Stunden vergehen. Pro Partie wohlgemerkt...

Anno 1404 ist sehr flexibel. Neben der zwar storytechnisch eher durchschnittlichen aber nichtsdestotrotz kurzweiligen Kampagne, bietet das Spiel 6 Szenarien mit besonderen Zielen und das berüchtigte Endlosspiel, das nach Belieben konfigurierbar ist. Landmasse, Gegner, Fruchtbarkeit, zufällige Ereignisse, Startbedingungen, Siegbedingungen, Bündnisse,... alles kann man individuell nach seinen persönlichen Vorlieben festlegen. Somit kommen sowohl friedliche Vor-Sich-Hin-Siedler, die ungestört auf riesigen, fruchtbaren Inseln ein Handelsimperium aufbauen wollen als auch Hardcore-Strategen, die gegen drei starke Gegner, äußerst knappen Ressourcen und ständigen Katastrophen den Militärsieg erlangen wollen auf ihre Kosten.

Ist Anno 1404 also perfekt? Nein, ist es nicht. Die gegnerische KI macht im Allgemeinen zwar einen guten Job, scheitert allerdings öfters mal auf militärischer Ebene. Sie ist teilweise nicht aggressiv genug, fährt sinnlose Manöver und lässt sich zu leicht austricksen. Zudem ist die Wegfindung der Schiffe teilweise etwas unbeholfen. Die Ladezeiten sind selbst mit viel Arbeitsspeicher ziemlich lang. Glücklicherweise fallen sie dafür nur beim Starten und Laden des Spiels an. Außerdem fehlt neben einem schmerzlich vermissten (und hoffentlich irgendwann nachgereichten) Multiplayer-Modus ein Editor, der eigene Kreationen ermöglicht. Es wäre wirklich schön gewesen, eigene Karten und Missionen zu erstellen.

Wer mit diesen Kritikpunkten leben kann, sollte aber bitte nicht eines der besten und fesselndsten Aufbauspiele verpassen, die es aktuell gibt. Pflichtkauf!


Sounds Of The Universe
Sounds Of The Universe
Wird angeboten von CD-DVD-Tonträger Berlin
Preis: EUR 7,89

7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der "Playing the Angel" Sound wird konsequent weitergeführt, 2. April 2009
Rezension bezieht sich auf: Sounds Of The Universe (Audio CD)
Nun habe auch ich mir die letzten Tage das neue Album ausgiebig angehört und will nach langer Einwirkungsphase auch meine Erfahrungen für interessierte Leser wiedergeben:

Ich muss zugeben, dass ich die ersten Hörgänge als sehr enttäuschend empfand, was natürlich seine Ursache in der immensen Vorfreude hat, die man nicht einfach so abschalten kann. Mit der Zeit hat sich jedoch mein Bild von dem Album stark verbessert.
"In Chains" und "Hole to Feed" sind zwar keine schlechten Songs, aber plätschern für Depeche Mode Verhältnisse untypisch seicht dahin und führen nur zäh in die Materie des Albums ein; Weshalb sie etwas deplaziert wirken. Kein Knall zur Eröffnung, kein sofort ansprechender Hook, man wird tatsächlich etwas zappeln gelassen. Soundtechnisch erinnern sie etwas an alte SOFAD Zeiten mit einem süffigen Rocksound. Im Vergleich zum grandiosen Opener "I Feel You" aber einfach nicht griffig genug.
Packend wird es erst mit dem bereits bekannten "Wrong", das in die typische Düsternis führt, die die drei Herren so wunderbar beherrschen. Der Song entwickelt genau im richtigen Moment die nötige Dramatik.
Das folgende "Fragile Tension" hält da leider nicht wirklich mit und bietet eher durchschnittliche Elektronik-Kost, ein typischer, wenn auch annehmbarer Lückenfüller.

Richtig interessant wird das Album erst mit "Little Soul", das wunderbar von den Stimmen Gahans und Gores getragen wird und den eigentlichen Startschuss für das Album gibt.
Denn mit "In Sympathy" folgt ein absolut grandioser Song, meiner Meinung nach der beste Track auf dem Album und die gelungenste Mischung aus typischem DM Sound und einer raffinierten Weiterentwicklung zu moderner Soundästhetik. Er ist sehr unscheinbar und zurückhaltend, punktet dafür aber mit abgerundeten Synthieflächen, einem Hammer Basslauf und süchtig machenden Gesangslinien. "You're wise, you're tough, you've heard their lies enough, you smile in sympathy" Fantastisch!
"Peace" weiß diese Superlative weiterzutragen und donnert dem Hörer eine wahre Kaskade von Elektronik und Gesang an den Kopf, und das gleichermaßen textlich gesehen in biblischen Ausmaßen.
"Come Back" und "Spacewalker" schwächeln dann wieder ein bisschen, wobei Ersteres einfach krass überproduziert ist und im Effektrauschen untergeht. Die online bereits aufgetauchte Balladen Version ist wesentlich besser. Letzterer Song ist ein relativ belangloses Instrumentalstück.

Auf den richtigen Weg kehrt das Album mit den beiden nächsten Songs zurück. "Perfect" ist dabei eine stampfende Elektro-Hymne erster Güte und "Miles Away" beweist endlich den nicht verloren gegangenen Sinn für zündenden Rocksound.
Wirkliche Highlights folgen dann aber nochmal zum Schluss. "Jezebel" ist die erwartete Gore Ballade auf aller höchstem Niveau. "Corrupt" bietet den typisch runden Abschluss für ein DM Album, ein treibendes Meisterwerk, das mit ziemlich gewalttätigen Worten besungen wird.

Insgesamt lässt sich festhalten, dass das Album lohnenswert ist und neben durchschnittlicher Ware mit dem fehlenden letzten Touch auch immer wieder hervorragende Songs liefert. Selbstverständlich ist der Zenit schon längst überschritten, in dem Depeche Mode eine wirkliche Relevanz für die aktuelle Musik darstellt, abseits von diesem Anspruch zeigen sie insgesamt aber nach wie vor eine große Fähigkeit, gute Songs zu schreiben. Dazu wurde der raue Sound des Vorgängers "Playing the Angel" gekonnt weitergesponnen. Definitiv kein Meisterwerk, aber eine überdurchschnittliche Elektro-Pop Platte, wenn man sich die Zeit nimmt. Eigentlich drei-einhalb Sterne, als Fan rundet man aber gerne mal auf.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 5, 2009 1:06 AM MEST


Fallout 3
Fallout 3

136 von 154 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Äußerst gelungene Übertragung der Fallout-Reihe in die dritte Dimension, 1. November 2008
= Spaßfaktor:5.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: Fallout 3 (Computerspiel)
Fallout 3 hat es tatsächlich geschafft. Es überträgt die altehrwürdige Serie in eine stimmungsvolle 3D-Welt und bietet Neues, bleibt auf der anderen Seite aber im Grundgerüst den Vorgängern treu. Es gab monatelang ein riesiges Fragezeichen hinter dem Spiel, das grundsätzlich aufgelöst werden kann: Fallout 3 ist ein Meisterwerk geworden und das, obwohl es seine Schwächen hat und obwohl man die Oblivion-Herkunft der Engine nicht verleugnen kann. Es setzt aber einfach die richtigen Prioritäten...

Grafik und Sound sind absolut stimmig umgesetzt und tragen zu einem erheblichen Teil dazu bei, dass das Spiel eines der atmosphärischsten ist, das ich in letzter Zeit gespielt habe. Ob nun die verrosteten Weiten im Oberland, die mit kaputten Häuserblocks und Strommasten gespickt sind, die behelfsmäßigen Städte, die mit Abfall zusammengeschustert wurden oder gar auf einem riesigen Schiff Platz haben oder die unheimlichen weil schwach beleuchteten Dungeons, die einem sehr oft das Gruseln lehren: Diese Welt ist erkundenswert; Erkundung wird immer mit besonderen Items, Quests, zu treffenden Personen oder Örtlichkeiten belohnt!
Man will einfach diese zerstörte und nur notdürftig zusammengeflickte Welt des post-apokalyptischen Washingtons erfahren und seine Bewohner kennenlernen. Hier sei allerdings angemerkt, dass die naturgemäß monotone braun-graue Kulisse immer mal wieder auf das Gemüt schlagen kann. Durch geschickt platzierte Besonderheiten und viel Erkundungswürdiges in der Umgebung, stellt sich aber niemals wirkliche Langeweile ein. Zudem wird man im Gegenzug mit einer fantastischen Sichtweite belohnt. Trotzdem muss man anerkennen, dass die Grafikengine so langsam an ihre Grenzen stößt (besonders bei Texturen und Animationen).

Die erwähnten NPCs sind dementsprechend glaubwürdig integriert und bieten den wohl spannendsten Aspekt des Spiels. Sie leben tatsächlich in der Welt, besser gesagt überleben, und haben durch die Bank erinnerungswürdige Charaktere. Sie sind lustig, ängstlich, rau, warmherzig, brutal, verrückt oder arbeiten als mutierte Ghule in einer Bar. Sie bieten besondere Aufträge, die man wirklich gerne macht, entweder um ihnen zu helfen, oder ihnen eins auszuwischen. Die (bis auf wenige Ausnahmen) gut geschriebenen Dialoge und die zu lösenden Quests bieten eine fantastische Vielzahl an möglichen Herangehensweisen und man lernt die Menschen durch die ausgiebigen Gespräche wirklich kennen. Es gibt zwar etwas weniger Nebenquests als noch bei Oblivion zu finden, dafür sind die zu findenden Quests allesamt liebevoll designt und führen immer wieder zu spannenden, lustigen oder anrührenden Situationen. Keine Sorge, es gibt massig zu entdecken und zu tun.

Auch der Kampf mit den verschiedenen Gegnern macht großen Spaß, denn so langsam sollte auch der größte Skeptiker herausgelesen haben, dass das Spiel ein waschechtes Rollenspiel ist. Entgegen vieler Befürchtungen der Fallout Fans wie mir wurde das Spiel nicht zu einem simplen Shooter heruntergeschraubt, und das macht auch vor den anspruchsvollen Kämpfen nicht halt. Wer erwartet, dass man hier mit simplen Dauerfeuer durchkommt, der wird spätestens nach dem Verlassen des Bunkers große Probleme (und ständig Munitionsmangel) haben.
Der Kampf aus der Ego- bzw. Third-Person Perspektive ist zwar schnell und actionreich, aber dafür auch sehr ungenau und nicht effektiv, deswegen nur ideal, um kleinere Gegner schnell auszuschalten. Das VATS System, in dem das Spiel pausiert und man die verschiedenen Körperregionen der Gegner unter Trefferwahrscheinlichkeiten aufs Korn nimmt, ist also nicht nur pseudomäßiges Beiwerk, sondern integrales Spielelement, ohne das man wirklich aufgeschmissen wäre. Manchen Gegnern sollte man schnellstens den Raketenwerfer aus den Händen schießen, andere sind nur in der schmalen Augenregion verwundbar und wieder anderen sollte man die Beine verkrüppeln, da sie sonst flitzeschnell sind. Abgerundet wird das Ganze durch die Wahl von 5 Schwierigkeitsgraden, die die Kämpfe nach Bedarf entweder schwerer oder leichter gestalten. Einzig die nur sehr mäßige KI bewirkt stellenweise Frustmomente. Zwar zeigt sie gelegentlich interessante Aktionen, wie das Flüchten, das Aufheben anderer Waffen und das Verstecken hinter Erhöhungen, andererseits hat sie auch oftmals merkwürdige Aussetzer, vor allem bezüglich der schlechten Wegfindung.

Wie alles andere im Spiel basiert der Kampf stark auf dem Charaktersystem, das unter kleineren Anpassungen direkt aus den Vorgängern übernommen wurde. Fast jede Aktion wird unter Berechnung der Charakterwerte, der Skills und der gewählten Perks vollführt.
Das Rollenspiel im Spiel ist viel direkter spürbar, als es noch beim früheren großen Projekt von Bethesda Oblivion der Fall war. Kein umständliches Aufleveln mehr durch ständiges Wiederholen einer Aktion, sondern klassische Erfahrungspunkte durch erfolgreiches Kämpfen, Quests lösen und Entdecken. Dazu kommt ein Karma-System, das durch gute und böse Aktionen des Spielers definiert wird. Dies hat nicht nur unmittelbare Auswirkungen darauf, wie der Spieler bei Personen ankommt, sondern führt zu entscheidenden Änderungen in der Spielwelt. Größere Aktionen (im Guten wie im Bösen) werden einem unter Umständen an ganz anderen Orten vorgehalten.
Allgemein merkt man bei Fallout 3 den Willen der Entwickler, kritikwürdige Sachen aus Oblivion zu verbessern. Bis auf die zwiespältige KI, die hakeligen Animationen der NPCs und die umständliche Bedienung mit Massen an Scrolleisten ist es ihnen auch gelungen. Die relativ kurze dafür aber knackige Hauptstory ist viel persönlicher und bleibt bis zum Ende spannend. Die Dungeons sind trotz der immergleichen Strukur der Welt im Allgemeinen viel interessanter designt und nicht so übermäßig auffallend generisch aufgebaut. Die Levelanpassung der Gegner an die Stufe des Spielers ist zwar technisch vorhanden, aber viel, viel glaubwürdiger und sparsamer eingesetzt. Starke Supermutanten bleiben trotz niedrigem Level stark, schwache Mutantenratten trotz hohem Level schwach.

Bethesda verdient also großes Lob für die gelungene Umsetzung. Wer auch immer Interesse an immersiven Rollenspielen hat, die in einem Endzeit-Szenario spielen, das ironisch, satirisch und morbide den Atombomben-Wahn der 50-er Jahre in den USA weiterspinnt, ebenso wie Fallout Fans, die offen für die Anpassungen in der Perspektive und dem Kampfsystem sind, sollten sich den Kauf ernsthaft zu Gemüte führen. Allen anderen kann ich sowieso nicht helfen...

P.S. Der Schnitt der Gewalt in der deutschen Version bezüglich Blut und zerplatzenden Gegnern ist allgemein zu verkraften, stellt aber nichtsdestotrotz einen Einschnitt in das Feedback im Kampf dar. Die deutsche Vertonung ist gut. Besser als bei Oblivion, aber trotzdem mit Fehlern und Ungereimtheiten.
Kommentar Kommentare (16) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 26, 2011 5:30 PM CET


Age of Conan: Hyborian Adventures (DVD-ROM)
Age of Conan: Hyborian Adventures (DVD-ROM)
Wird angeboten von Game World
Preis: EUR 9,95

83 von 105 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein MMORPG der neuen Generation: actionreich, stilsicher und erwachsen, 19. Mai 2008
= Spaßfaktor:5.0 von 5 Sternen 
Auf Age of Conan wurde sehr lange gewartet. Ein Online-Rollenspiel, das den bisher immer noch unumstrittenen Genre-König World of Warcraft angreift, dabei aber gerade nicht nur einfach kopieren will, sondern frischen Wind in das Genre bringt. Kurz gesagt hat das Spiel allgemein seine Ziele erreicht, allerdings ist es mit Sicherheit noch nicht frei von Mängeln, Problemen und Zukunftsvisionen, die angegangen werden müssen...

Das Setting des Spiels ist in eine archaische Zeit gebettet, die auf den Büchern von Robert E. Howard basiert und vor allem durch die beiden Verfilmungen mit Arnold Schwarzenegger bekannt geworden sind. Es ist eine blutrünstige Welt voller kriegerischer Gewalt, dunkler Magie und Gefahren. Das Spiel hat demnach den formulierten Anspruch, ein Online-Rollenspiel zu erschaffen, das zum ersten Mal gezielt erwachsene Spieler mit seinem erwachsenen Design anspricht (die durchweg hohen Alterseinstufungen kommen nicht von ungefähr) und von den sonst üblichen Standards bezüglich Stil und Mechanik stark abweicht.

Dazu werden 3 Rassen eingeführt, nämlich die Aquilonier (vergleichbar mit den antiken Römern), die Cimmerier (vergleichbar mit nordischen Völkern, wie die Kelten) und die Stygier (vergleichbar mit den alten Ägyptern). Des Weiteren kann man sich zwischen 12 verschiedenen Klassen entscheiden, die wiederum vier übergeordneten Archetypen angehören (Soldat, Magier, Schurke, Priester). Während zum Beispiel der nahkampstarke Barbar zu der übergeordneten Klasse der Schurken gehört, fällt der beschwörende Dämonologe unter die Magier. Insgesamt bietet das Spiel eine Auswahl, die keine Wünsche offen lässt, ob man nun lieber als gnadenloser Nahkämpfer, schleichender Schurke, zaubernder Magier, unterstützender Priester oder verschiedenste Mischformen spielen will, da auch im Grunde jede Klasse eigene Spezialitäten hat und für eine eventuelle Gruppe seine eigenen Vorteile mitreinbringt. Dazu gibt es allerdings eine Einschränkung der Rassen- und Klassenwahl, so können zum Beispiel nur die Stygier die drei Magierklassen spielen, während man sich als Cimmerier und Aquilonier zwischen jeglichen Soldatenklassen entscheiden darf.
Schon hier fällt Age of Conan positiv auf: Es gibt viele Auswahlmöglichkeiten, die sich bis zu der Veränderung der körperlichen Merkmale ziehen; ich habe selten ein Spiel gesehen, das so umfangreiche und gleichzeitig auch wirklich merkliche Variationen bei der Gestaltung des Aussehens ermöglicht.

Die ersten 20 Level des Spiels wird man in der Stadt Tortage mitsamt Umgebung verbringen und vortrefflich in die Spielwelt eingeführt. Dialoge wurden zu einem großen Teil vertont, Quests haben zwar zum Großteil die typische Sammle- und Töte-Struktur, werden allerdings ansprechend präsentiert, die Story wird in netten Ingame Zwischensequenzen erzählt.
Zudem darf man sich zwischen Tagesmissionen, die man zusammen mit anderen Spielern angehen kann und Nachtmissionen, die instanziert auf jeden Spieler persönlich zugeschnitten sind, entscheiden. Erst nach dieser Einführung öffnet sich die Welt, man lernt seine jeweilige Hauptstadt der Rasse kennen, erlebt die verschiedensten Abenteuer in den unterschiedlichsten Landstrichen oder betritt Dungeons mit einer Gruppe. Leider tritt auch nach der Einführung in der Welt verstärkt Zoning auf, das heisst das Spiel splittet bei zu großen Spielermengen auch das normale Questgebiet in mehrere Instanzen auf und es gibt Ladezeiten beim Betreten und Verlassen von Gebieten; Das Spiel kann demnach nicht immer das Gefühl einer riesigen, zusammenhängenden Welt erschaffen, die man ohne Ladepausen durchlaufen kann. Gut ist hingegen, dass man sehr leicht zwischen eventuell instanzierten Gebieten wechseln kann, um konkret seine Freunde zu treffen, eine entsprechend nützliche Option wurde eingebaut.

Diese Einschränkung macht allerdings auch dafür überhaupt erst den nächsten Punkt möglich, nämlich die fantastische Grafik. Schon zu Beginn wird einem (ein entsprechend ausgestatteter PC vorausgesetzt) die Grafik in Erstaunen versetzen. Für ein Online-Rollenspiel ist der präsentierte, realistisch geprägte Stil mitsamt der allgemeinen Detailverliebtheit der Umgebung und dem Effektreichtum großartig und kommt in meinen Augen einem kleinen Quantensprung gleich. Age of Conan ist mit Sicherheit nicht nur allein von seiner technischen Grundlage her das derzeit schönste Online-Rollenspiel und wird es wohl auch für eine gewisse Zeit lang bleiben, besonders die unterschiedliche Architektur und der ausgeprägte Sinn für die Größe von Städten fasziniert mich ungemein. Natürlich ist auch hier nicht alles eitel Sonnenschein, so wirken doch teilweise manche Texturen etwas verwaschen und die sonst wunderschönen Animationen haben teilweise unschöne Aussetzer, dennoch ist das Spiel insgesamt eine Augenweide.
Gab es dabei in den verschiedenen Beta Phasen immer wieder Beanstandungen bezüglich der Performance und wird es wohl auch beim Erscheinen das Spiel nicht auf allen Systemen einwandfrei laufen, so kann man doch sagen, dass Funcom hier generell eine gute Arbeit geleistet hat, bedenkt man den riesigen technischen Anspruch, den das Spiel voraussetzt. Als groben Indikator für flüssiges Spielen kann man festhalten, dass die größte Beanspruchung an die Grafikkarte (hier ist vorallem ein hoher Speicher hilfreich), danach die RAM Kapazität (2GB sollten es bei höheren Einstellungen mindestens sein) und an dritter Stelle die CPU Geschwindigkeit geht (Das Spiel profitiert ungemein von Duo- und vorallem Quadcore Prozessoren). Ohne Frage kann es auch gerade jetzt zu Beginn, wenn die ganzen Massen anfangen zu spielen, immer wieder zu Schwierigkeiten mit Spitzen und hohen Latenzzeiten kommen, trotzdem wurde hier eine Grundlage geschaffen, auf die man sehr gut aufbauen kann.

Ein wichtiger neuer Faktor, mit dem auch immer wieder geworben wird, ist das neuartige Kampfsystem. Anstatt einen Genger nur anzuklicken, den Charakter automatisch angreifen zu lassen und per Klick seine Fähigkeiten auszulösen, bietet Age of Conan ein actionreicheres Erlebnis. So muss man in Echtzeit durch Klick auf verschiedene Richtungspfeile auswählen, wohin genau der Charakter schlagen soll, geknüpft an ein Schildsystem, das anzeigt, auf welche Körperregion der Gegner seine Verteidigung konzentriert, das somit den verursachten Schaden beeinflusst. Dieses System wird bei den Soldaten und Schurken Klassen beim Stufenanstieg auch dahingehend erweitert, dass man mithilfe von mächtigen Kombos besondere Effekte auslöst, die eine konkrete Abfolge der Richtungen voraussetzen. Zudem besteht die Möglichkeit des aktiven Ausweichens, Blockens und durch eine ausgeprägte Kollisionsabfrage entsteht tatsächlich eine größere Nachvollziehbarkeit des Raumes. Man kann anmerken, dass es im Grunde natürlich trotzdem nur Klickarbeit ist, etwas anders verpackt, dennoch fühlt sich der Kampf durch seine Stringenz einfach realistischer an und es wird viel besser eine Illusion des beteiligt seins geschaffen.
Dies verliert sich leider etwas bei den Magier und Priester Klassen, da bei ihnen die Kämpfe eher noch nach dem üblichen Auswählen und Zauber anklicken Prinzip gestaltet sind. Dennoch gibt es auch hier interessante Aspekte, so wird bei Age of Conan stärker berücksichtigt, wo der Zauberer in Relation zu den Freunden und Gegnern nun genau steht (geheilt wird zum Beispiel in einem Kegel vor dem Caster), was tatsächlich ein neues Gefühl des Zauberns schaffen kann. Zudem gibt es das berüchtigte Spellweaving System, das magiebegabten Klassen in höheren Stufen zur Verfügung gestellt wird und mächtige Kombinationen von Zaubern ermöglicht. Es wird allerdings wohl in den ersten Monaten noch nicht effektiv eingesetzt werden, da es nicht wirklich zu Ende gedacht wurde und in seinem jetzigen Zustand nur bedingt nützlich ist; Im PvP ist es derzeit so gut wie sinnlos.

Will man diese Punkte zusammenfassen, dann ist Age of Conan ein wirklich tolles Spiel, das besonders Spielern gefallen wird, die auf eine archaische, erwachsene Welt, eher actionreiches Gameplay und eine Grafik auf höchstem stilistischen Niveau wert legen. Das Spiel bringt tatsächlich neue Aspekte in das Genre und es weiß gut mit seinen neuen Grundlagen umzugehen.
Dennoch hat das Spiel die üblichen Probleme, die ein MMORPG eben anfangs noch meistens plagen, und die nicht verschwiegen werden sollten. Es gibt noch Bugs und gelegentliche Performance-Probleme (obwohl für ein MMORPG bis jetzt gut daran gearbeitet wurde), das Balancing stimmt natürlich noch nicht in allen Bereichen und es gibt immer mal wieder Haken und Brüche, die ausgemerzt werden müssen. Das Gruppenspiel funktioniert soweit ganz gut, da eigentlich jede Klasse nützlich ist, allerdings gibt es auch immer mal wieder Gegebenheiten, wo die Entwickler den Spielfluss im Team unterbrechen. Mehrere wichtige Funktionen und Aspekte sind nach wie vor in einer Experimentierphase und noch nicht final, was zum Beispiel die Serverstruktur anbetrifft, wie PvP genau ablaufen soll (kommt ein Kopfgeld-System für unfaires Töten niedrigleveliger Spieler?), wie die Wertigkeit der Items allgemein im Spiel und besonders im Endgame aussehen werden (Items sind bis jetzt noch eher stiefmütterlich behandelt worden), wie nützlich Raids im PvE tatsächlich sind und was sie für konkrete Boni bringen.

Der größte und wichtigste Wackelfaktor des Spiels ist aber sicherlich das Keep System, ein weiterer Punkt, mit dem groß geworben wird. Das Spiel will große Gildenschlachten um Festungen bieten, die von mächtigen Gilden errichtet werden, dabei ein effizientes und spaßiges Berufssystem integrieren und so den hauptsächlichen Reiz für PvP abseits der simpel gestrickten Capture the Flag und Deathmatch Modi bieten. Das Ganze ist so ambitioniert und gleichzeitig so wenig beleuchtet und angetestet, dass man wohl noch Monate nach dem Verkaufsstart brauchen wird, um es letztendlich ob seines Erfolges der Umsetzung beurteilen zu können.

Das ist dann auch der Grund, warum ich dem Spiel "nur" seine 4 Sterne gebe. Es ist in der Tat ein großartiges Spiel, ein MMORPG der neuen Generation, das ich absolut empfehle. Aber es ist eben noch nicht wirklich final und verdient somit nicht eine Beurteilung als ganzheitliches Meisterwerk. Das Potential dazu ist aber ohne Frage da. Wer keine Probleme damit hat, einen noch ungeschliffenen Rohdiamanten zu spielen, der schon jetzt Spaß bringt und von seiner Struktur her gut läuft, der kann jetzt schon zugreifen. Wer ein bereits abgerundetes, nahezu fehlerfreies und vollständiges Spiel erwartet, der sollte lieber noch ein paar Monate warten mit dem Kauf und dann nochmal nach dem aktuellen Stand schauen.

Übrigens: In der deutschen Version fehlen 5 von insgesamt 50 Fatalities, wie Kopf abschlagen, die zufällig ausgelöst werden können, und wurden mit "harmloseren" Varianten ersetzt. Alle europäischen Versionen sind multilingual und können auf jeglichen europäischen Servern gespielt werden. Eine ungeschnittene UK Version auf deutsch zu installieren und damit auf deutschen Servern zu spielen, ist also kein Problem.
Kommentar Kommentare (13) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 6, 2008 11:55 AM MEST


Hellgate: London
Hellgate: London

27 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen In der Spielmechanik tolles Action-RPG, aber miese Präsentation, 24. Oktober 2007
= Spaßfaktor:4.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: Hellgate: London (Computerspiel)
Nachdem ich an der ausgiebigen Beta-Phase teilgenommen habe und den letzten Stand des Spiels, bevor es am 30.10. in den Handel kommen wird, kenne, kann ich Hellgate London denke ich endgültig bewerten:

Vorweg muss ich klar sagen, dass Hellgate London nicht das grandiose Meisterwerk geworden ist, als dass es über viele Monate und Jahre angekündigt wurde. Das mag jetzt auf dem ersten Blick ziemlich enttäuschend klingen, besonders für die Liebhaber von Diablo II, die auf ein ebensolches Meisterstück gehofft haben, aber stopp. Es ist trotzdem ein sehr gutes Action-Rollenspiel geworden und für gewisse Leute ist es durchaus ein Spiel, das ich absolut empfehle! Nur eben nicht für alle Spieler, es kommt auf die persönlichen Vorlieben an...

Als Startpunkt kann man gut die Grafik und allgemeine Präsentation des Spiels nehmen. Klipp und klar gesagt ist Hellgate London nicht auf dem aktuellen Stand der Technik. Es gibt zwar schöne Licht- und Schatteneffekte, aber besonders bei den Texturen, dem Gegner-Design, den Animationen und dem allgemeinen Detailgrad wird man beim ersten betreten der Spielwelt ziemlich enttäuscht sein, denn sie entsprechen teilweise dem Stand, der vor ca. 3-4 Jahren vorherrschte. Dies betrifft besonders Spieler, die das Spiel notgedrungen unter DirectX 9 spielen müssen. Hellgate London ist für mein Empfinden das erste Spiel, dass unter DirectX 10 (unterstützende Grafikkarte und Windows Vista ist Vorraussetzung) erheblich besser aussieht und unter DirectX 9 deutlich an Attraktivität verliert.
Erschwerend kommt hinzu, dass das Spiel es nicht schafft, für eine abwechslungsreiche Umgebung zu sorgen. Alle Stationen sehen im Grunde gleich aus und in der eigentlichen Spielwelt herrschen zu einem überwiegenden Teil nur braune und vorallem graue Farbtöne und immer gleiche Levelbausteine vor. Zerstörte Stadtteile, Tunnels, Abwasserkanäle, usw und von vorn... Außerdem gibt es besonders in den Stationen immer wieder Probleme mit der Performance, die noch optimiert werden müssen. Soundtechnisch ist alles im okayen Bereich, weder besonders gut noch besonders schlecht. Man muss es wirklich so knallhart sagen, bezüglich der Präsentation ist das Spiel sehr öde und nicht einladend.

Leider wird dieser Eindruck auch bei den Quests bestätigt. Sie werden äußerst lieblos in groben Textboxen präsentiert, durch die man sich wie ein Verrückter durchklickt, weil sie langweilig geschrieben und nahezu ausschließlich auf Sammle- und Töte-Aufgaben beschränkt sind. Zwar gibt es hin und wieder storyrelevante Quests, die ein bisschen Abwechslung reinbringen (zum beispiel eine kleine Echtzeitstrategie-Einlage oder ein Ausflug in ein Gehirn), aber trotzdem bekommt man durch sie überhaupt kein Gefühl für die Geschichte. Sie bleibt im Spiel absolut nebensächlich. Wer also viel wert auf eine packende Atmosphäre und einen roten Faden legt, der einen immer wieder antreibt und erkärt, warum man gerade etwas tut, wird von dieser Tatsache absolut abgeschreckt sein.

Hat man allerdings einmal den Schock über die furchtbaren äußerlichen Merkmale und den quasi nicht existenen roten Faden verdaut, und hat man wirklich noch Lust, in den inneren, spielmechanischen Kern vorzudringen, dann entsteht plötzlich doch sowas wie Spielfreude und man wird immer weiter ins Spiel reingesogen.
Die Klassen sind sehr interessant und spielen sich sehr unterschiedlich, ob man nun einen schwertschwingenden Blademaster oder einen snipernden Marksman spielt, macht wirklich einen riesigen Unterschied in der Spielweise. Durch das neue und für das Genre ungewöhnliche Szenario bzw. Perspektive entsteht tatsächlich so etwas wie eine Innovation. Die Items sind extrem cool und vielfältig und erlauben viele Experimente der Spielweise. Die Skills sind zwar nicht wirklich neu, aber gut aufeinander abgestimmt und es macht Spaß, sie auf seine Weise zu kombinieren, besonders im hervorragenden Coop-Modus (geht nur online!), in dem man in Stationen auf andere Spieler trifft und mit ihnen Items tauschen oder zusammen die instanzierten Quests und Levels spielen kann.
Zwar gibt es, wie in jedem anfänglichen Action-Rollenspiel, noch kleinere Balancing-Probleme bzw. Bugs, die mit weiteren Patches behoben werden müssen, aber schon jetzt macht das eigentliche Regelwerk und wie es in der Third-Person bzw. Ego-Perspektive angewendet wird, tierischen Spaß! Es wird in der Tat eine nahezu perfekte Mischung aus Action-RPG und Ego-Shooter getroffen, natürlich mit klar deutlicherem Einschlag in das Action-RPG Genre! Aber trotzdem wird hier ein neues Spielgefühl geschaffen, das wirklich gut gefällt, zumal die Bedienung des Spiel 1A ist und keine Wünsche offen lasst! Das Gameplay ist dementsprechend sehr actionorientiert und es ist eine wahre Freude, sich durch die verschiedensten Monsterhorden zu schnetzeln, ballern oder zaubern, so lange man eben auf so etwas steht.
Hellgate ist zusätzlich, wie man es vom Ex-Arbeitgeber der Entwickler nämlich Blizzard gewohnt ist, sehr Item-orientiert. Die Suche nach immer neuen Items ist unglaublich süchtig machend und motiviert ständig. In diesem Zusammenhag ist Hellgate London tatsächlich sowas wie ein Diablo III geworden und erweitert diesen Aspekt sogar sinnvoll mit Upgrades und verschiedenen anderen Eingriffsmöglichkeiten. Toll!

Letztendlich kann man also festhalten, dass Hellgate London kein Meisterwerk für jeden geworden ist. Wer auf eine ansprechende Präsentation, eine involvierende Geschichte und auf viel Abwechslung großen Wert legt und sich an die allgemeine Sprödheit des Spiels nicht gewöhnen kann, der sollte sich den Kauf von Hellgate London tatsächlich verkneifen. Wer aber nach kurzfristigen Abenteuern sucht und seine Motivation ausschließlich aus den interessanten Klassen, Items und dem einzigartigen Spielfluss ziehen kann und die anderen Merkmale zumindest in diesem Spiel durchaus für nebensächlich hält, der wird mit Hellgate London ein äußerst empfehlenswertes Spiel vorfinden.
Zudem richtet sich das Spiel in erster Linie an Spieler, die gerne im Multiplayer-Modus spielen, der hier nur online funktioniert. Alleine wird man mit dem Spiel längerfristig wohl keinen Spaß haben und ich rate jedem Solospieler vom Kauf ab, zumindest als Vollpreisspiel.

Ob die online Zusatzfeatures sich lohnen, für die man knapp 10€ pro Monat bezahlen muss, sollte jeder für sich selbst entscheiden, in dem er sich diesen Link zu Gemüte führt:

[...]


BioShock - Steelbook Edition
BioShock - Steelbook Edition

11 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein hervorragender Shooter, aber kein geistiger System Shock 2 Nachfolger, 27. August 2007
= Spaßfaktor:5.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: BioShock - Steelbook Edition (Videospiel)
BioShock ist ein hervorragendes Spiel. Es ist seit geraumer Zeit mal wieder ein einzigartiger und atmosphärisch dichter Shooter und setzt sich mit seinem fiktiven Szenario einer Unterwasserstadt namens Rapture im Jahre 1960 wohltuend von dem Groß der Genre Konkurrenz ab. Allerdings ist auch BioShock nicht frei von kleinen Mängeln, die doch teilweise das Spielgeschehen trüben können und es kommt im erheblichen Maße auf die Erwartungshaltung an, inwiefern es letztendlich gefallen wird.

Die Grafik ist nahezu durchgängig auf der Höhe der Zeit und kreiert mit ihrem ungewöhnlichen Art Deco Design eine einzigartige Kulisse. Besonders die Licht- und Schatteneffekte sind rundum gelungen und erschaffen mit der allgemein düsteren Atmosphäre des Spiels eine hervorragend klaustrophobische Stimmung. Wasser- und Feuereffekte, Gegner-Design und Texturen sind ebenso äußerst ansehnlich, allerdings nicht immer technisch überzeugend, was dennoch in der Summe keinesfalls die allgemeine Schönheit des Spiels untergräbt. Leider wird nicht immer das Gefühl einer wirklichen Unterwasserstadt vermittelt. Zwar gibt es viele Fenster und große Hallen mit Glasdächern, durch die man die Wasserwelt draußen sehen kann, dazu gibt es immer mal wieder Bereiche, in denen Wasser eindringt, aber ebenso oft begegnet man Konstruktionen bzw. Level-Architektur, die doch sehr unwahrscheinlich für eine Stadt auf dem Grund des Ozeans wirkt.
Soundtechnisch ist das Spiel allerdings durchweg eine Offenbarung und wartet, neben einer orchestral-unheimlichen Musikuntermalung, mit für die 1960-er Jahre passenden Musikstücken, einer rundum gelungenen Sprachausgabe (sowohl auf englisch als auch deutsch) und vielen atmosphärischen Effekten auf. Klasse!

Das Gameplay ist sehr actionbetont und besteht Shooter-typisch aus einem einfachen Questsystem mit leichten Rätseleinlagen und zu einem hauptsächlichen Teil aus vielen, vielen Kämpfen mit leider sehr abwechslungsarmen Gegnern. Neben den gelegentlichen herausfordernden Big Daddy Fights, sowie hackbaren Sicherheitssystemen wie Kameras und Geschütztürmen, trifft man ausschließlich nur auf die durchgedrehten Bewohner von Rapture, Splicer genannt. Die kommen zwar in verschiedenen Varianten vor und besitzen eine gute KI, allerdings vermitteln sie kein wirkliches Bedrohungsgefühl, denn mit der Zeit erkennt man ein durchgehendes Muster in ihrer Verhaltensweise, das die Kämpfe doch insgesamt recht einfach gestaltet.
Neben verschiedenen aufrüstbaren Waffen inklusive unterschiedlichen Munitionstypen, besteht das Gimmick des Spiel aus den zu findenden Plasmiden, genetische Kräfte, mit denen man zum Beispiel aktiv etwas (oder jemanden) entzünden kann, passiv mehr Widerstandskraft erhält oder dank einem Stoff genannt "Adam", den nur die Little Sisters haben und deswegen jeder hinter ihnen her ist, seinen Charakter mit der Zeit verbessert. Dadurch entstehen durchaus verschiedene Taktiken, wie man die Gegner besiegen kann und es macht Spaß, die Umwelt dank der Plasmide für seine Zwecke zu nutzen. Allerdings wird man doch meistens auf die normalen Waffen zurückgreifen, weil sie einfach effektiver sind und mehrere Plasmide (abseits der vier Hauptplasmide Entzünden, Einfrieren, Schocken und Telekinetik) entweder umständlich einzusetzen oder teilweise sogar unnütz sind.

Ich erwähne diesen Fakt nicht umsonst, denn das Spiel setzt eine gewisse Erwartungshaltung für Spieler voraus, die System Shock 2 gespielt haben. In diesem Zusammenhang muss ich feststellen, dass BioShock nur sehr bedingt ein geistiger Nachfolger ist, bzw. sich grundsätzlich viel actionbetonter spielt. Die RPG-Elemente sind zwar durchaus vorhanden, aber eher oberflächlich. Das Spiel nimmt einen zusätzlich durchgängig an die Hand und ist im Vergleich sehr linear aufgebaut. Man kann zwar zu bereits besuchten Orten zurückkehren und die Stadt nach freiem Willen erforschen, aber es wird nicht gut in die Aufgabenstellung des Spiels integriert und insgesamt gibt es nicht sehr viele erforschbare Gebiete, die man nicht sowieso betreten muss.
Schwerwiegender ist, dass das Spiel niemals wirklich wichtige Entscheidungen abverlangt oder tiefgehende Charakterentwicklung voraussetzt, was das Spiel insgesamt sehr einfach für erfahrene Spieler von Ego-Shootern macht, selbst auf dem schweren Schwierigkeitsgrad. Shooter-Profis dürften sich allgemein unterfordert fühlen. Man hat eigentlich immer mehr als genug Munition und Geld, man kann fehlende Sachen zu jeder Zeit an den überall zur Genüge verteilten Automaten kaufen, man wird nach dem Tod kostenlos(!) an Stationen wiederbelebt, während die Gegner weiterhin angeschlagen bleiben und man kann seinen Charakter in nahezu allen Bereichen gleichmäßig ausbauen. Es ist also keine wirkliche Entscheidung nötig, ob man nun lieber ein Nahkämpfer oder Fernkämpfer sein, lieber die Maschinenpistole oder die Plasmiden aufrüsten will, denn man kann alles gleichwertig aufrüsten. Dem Spiel fehlt also das reale Gefühl, dass man wirklich unter Druck steht und verzweifelt auf sich alleine gestellt für einen Bereich entscheiden muss, um zu überleben. Im Gegenzug allerdings dürfte das Spiel viel eher auch Leute ansprechen, die es einfacher und zugänglicher mögen.

Zusätzlich beschränken sich die groß angekündigten moralischen Entscheidungen auf zwei verschiedene Enden des Spiel, die in sehr kurzen Endsequenzen gezeigt und durch eine durchgehende Entscheidung während des Spiels ausgelöst werden, was man nun mit den Little Sisters macht.
Die Story kann da leider nicht viel mehr rausholen. Sie wird typischerweise hauptsächlich mit überall zu findenden Audio-Nachrichten von den Bewohner der Stadt erzählt. Diese Nachrichten stellen zwar ein großes atmosphärisches Element dar und erzählen eine recht interessante Geschichte, allerdings sind sie inhaltlich doch recht mager. Sie bestehen aus einem sehr eingeschränkten Personenkreis, der sich gegenseitig nicht ausstehen kann und dies auch ständig kundtut. Wirklich wichtige Informationen oder interessante Nebengeschichten erhält man nur von den wenigsten Nachrichten, eher noch von den Personen, mit denen man im Laufe des Spiels kommuniziert. Schade ist, dass man so nicht die Entwicklung der Stadt vollkommen nachvollziehen kann, geschweige denn die Entwicklung der verschiedenen Hauptcharaktere. Auch dies trägt leider dazu bei, dass nicht immer ein wirkliches Gefühl für diese riesige Unterwasserstadt (bei deren Betrachtung man sich ständig fragt, wie so ein Konstrukt im Jahre 1960 möglich sein soll) aufkommen mag: wie sie gebaut wurde, warum die Menschen dorthin kamen, wie die Leute dort vorher lebten, wie sich alles verändert hat. Diese Fragen werden teilweise durchaus beantwortet, aber nur sehr oberflächlich. Vieles bleibt im Dunkeln.

Letztendlich ist BioShock natürlich trotzdem ein hervorragendes Spiel und ich habe nicht wirklich einen Grund, das Spiel nicht zu empfehlen; Das alles ist Meckern auf hohem Niveau. In der Summe aller Teile ist es ein einzigartiges und für das Genre meisterhaft umgesetztes Erlebnis. Fans von Ego-Shootern werden mit dem actionreichen Gameplay, dem Herumexperimentieren mit den Plasmiden und dem einzigartigen Design viel Spaß haben!
Insgesamt rate ich allerdings dazu, nicht mit überhöhten Erwartungen an das Spiel heranzugehen, die im Vorfeld groß aufgebaut wurden. BioShock ist weder eine Neudefinition des Shooter Genres, noch hat es eine revolutionäre KI. Es hat keine tiefgehenden moralischen Dilemma, die zu lösen sind und die Charakterentwicklung ist eher oberflächlich, womit es ultimativ nicht die Art und Weise ändern wird, wie Shooter in Zukunft gespielt werden. Letztendlich ist es zwar ein sehr guter aber eben kein wirklich neuartiger Shooter. Setzt man nämlich auf diese überschwängliche Werbung oder erwartet tatsächlich ein "geistiges" System Shock 3 mit tiefgehenden RPG-Elementen und forderndem Schwierigkeitsgrad, kann man nur enttäuscht werden...


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