holidaypacklist Hier klicken BildBestseller Cloud Drive Photos TomTom-Flyout Learn More saison Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic NYNY
Profil für estapolis > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von estapolis
Top-Rezensenten Rang: 618.751
Hilfreiche Bewertungen: 252

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
estapolis "estapolis"

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2
pixel
Mylo Xyloto
Mylo Xyloto
Preis: EUR 5,99

1 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen In dieser Form schon ein kleines Kunststück..., 27. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Mylo Xyloto (Audio CD)
...das Coldplay hier vollbracht haben. Man sollte bedenken, dass die Band zwar große Arenen voll macht, in der alternativ geneigten Szene aber hier und da noch viele Fans hat - wie kommt das? Sind wir nicht längst in einer Zeit angekommen, in der sich Pop und Anspruch ausschließen? Natürlich: Immer breiter wird die Kluft zwischen herkömmlichen, tanzflächenorientiertem Pop und Musik, die sowohl Kritiker als auch Konsumenten der vermeintlichen "Hochkultur" genießen und feiern.
Coldplay lagen schon immer irgendwo in der Mitte, stets jedoch haftete der Band die Unterstellung an, jemanden kopieren zu wollen. Angeblich wollten sie zu Anfang wie Radiohead sein (Parachutes; A Rush of Blood to the Head), dann wie U2 (X&Y), dann zogen sie sich wie Rebellen an, schlugen auf die Indietrommel und wollten angeblich Arcade Fire sein (Viva La Vida...). Irgendwann hätte man sich fragen müssen, ob dieses ständige Mimikry der Band unweigerlich schade, wäre da nicht das fünfte Album, "Mylo Xyloto".
Warum es ein Kunststück ist? Weil Coldplay es tatsächlich fertig bringen, frisch und innovativ zu klingen. Das mag sich jetzt stark zynisch anhören, gibt es doch einen Song, der Rihanna featured! - quasi die Disco-Hüpfnudel, die von Kanye West bis David Guetta scheinbar überall im Pop ihre Duftmarke hinterlassen darf. Außerdem: Die Vorabsingles "Every Teardrop is a Waterfall" und "Paradise" konnten nur bedingt überzeugen. Ersterer Song weist keine klassische Popsong-Struktur auf, sondern leitet direkt vom Verse in den Chorus über. Darüber hinaus wartet die Single mit einer ungewöhnlichen Sounddichte auf, die einzelne, erinnerungswürdige Elemente überdeckt und somit den Song schnell vergessen lässt. Natürlich war "Teardrop" kein Chartbreaker, aber war der Song wirklich als solcher konzipiert? "Paradise" kratzt schon eher an bekannten Pop-Konventionen, die aufgeblasene Produktion bleibt aber bestehen, zudem enttäischt der inhaltsleere Chorus.
Als Chris Martin verkündete, das Album sei ein "Konzeptalbum", verstanden das viele als Scherz. Coldplay, die Band mit den catchigen Melodien, aber meist stumpfen Texten - ein Konzeptalbum? Aber tatsächlich, hört man "Mylo", wird einem langsam klar, was Martin meinte: das Album, Texte hin oder her, fließt hervorragend. Obwohl auch die etwas undurchsichtige Geschichte eines Pärchens erzählt wird, das jedem Konsum und - ironischerweise - der Popkultur trotzt, ist es doch die reine Musik, die es schafft, "Mylo Xyloto" zu einem ALBUM zu machen, das es niemandem schwer macht, es zu mögen.

So zieht "Hurts Like Heaven" ordentlich an, legt das Tempo des Albums zu Beginn überraschend hoch und bietet erste Einblicke in die Soundlandschaft der Platte. Gitarrenloops treffen auf warme Synths, catchige Hooks werden durch Martins gutgelaunte Vocals in die Gehörgänge getrieben. Als Folgesong blüht "Paradise" richtig auf, weil "Hurts Like Heaven" sich in der breiten Produktion noch zurückhielt. "Paradise" drückt nun voll auf die Tube, Kontraste werden erkennbar, erste Ansätze des Gesamtkonzepts fruchten. Hier schon sollte jeder Hörer merken, dass die Platte einfach richtig gut KLINGT, unabhängig von der tatsächlichen Qualität des Songwritings. Man kann Brian Eno wirklich nicht unterstellen, nicht alles aus den Songs herausgekitzelt zu haben. Mit "Charlie Brown" folgt ein Highlight, weil Coldplay auch mutiger werden, was Rockattitüde angeht. Darüber hinaus bietet der Song die bis dahin größte Ohrwurmgefahr, der Verse sitzt einfach perfekt. Sogar die Lyrics sind gar nicht so verkehrt. "Mit Us Against The World" folgt eine klassische Ballade im vagen Stil von "Parachutes", was kann also schief gehen? Vielleicht nur die Tatsache, dass man Inkonsistenz bemängeln könnte. Hört man danach aber den darauf folgenden Song, "Every Teardrop is a Waterfall", weiß man, warum man die Verschnaufpause nötig hatte. Hier ist, schlicht gesagt, die Produktion an ihrem Höhepunkt. Das merkt man besonders, wenn gegen Ende des Songs das Schlagzeug einsetzt und trotzdem noch alle Elemente des Arrangements kristallklar herauszuhören sind. Wie schon bei "Paradise" funktioniert "Teardrop" hier besser, weil der Track im Gesamtkonzept der Platte keine Verse-Chorus-Verse-Chorus-Struktur braucht, nein, sogar in dieser Form einwandfrei sitzt. "Major Minus" ist dann doch eher ein verhaltener, etwas trockener und hervorsehbarer Track, der eine zuvor schon gehörte Formel wiederholt, nämlich den textlosen Chorus von "Charlie Brown". Das Album droht hier leider, in der Bedeutungslosigkeit auszuklingen, aber nach dem auch harmlosen "U.F.O." nähert sich Besserung. "Princess of China" ist dann zum Glück doch weniger Rihanna-mäßig geworden, trotzdem hätte der Track mit Martin alleine auch wunderbar funktioniert. So wirkt er leider ein wenig erzwungen, versucht augenscheinlich, noch einen Disco-Klopper samt Bassdrum auf die Scheibe zu pressen, was nur bedingt gelingt. Darüber hinaus ist der Song aber durchaus hörbar, vor allem fruchten hier wieder Produktion und Catchiness. "Up In Flames" ist dann eine recht schöne Ballade, die aber auch leider ein wenig daran kränkelt, irgendwie egal zu sein. Spätestens hier hätten Coldplay wieder die breite Produktion und das hohe Tempo auspacken müssen, das die erste Hälfte der Platte bestimmte. So ergibt sich ein Abschnitt von vier bis fünf Tracks, die zwar genießbar sind, darüber hinaus aber wenig Überraschendes bieten, an das man sich gerne zurückerinnert. "Don't Let it Break Your Heart" haut es dann aber doch wieder raus. Die Produktionsbreitseite ist wieder da, nur diesmal ist die Stimmung anders: feierlich, evokativ. Das Klavier ist bezaubernd, die Vocals perfekt abgestimmt, die Gitarren scheinen die Luft um sie herum zu verbiegen. Ein Song, der zu schweben scheint - ein so überraschendes Highlight auf der Platte, dass man sich ungläubig die Ohren reibt. Ein Klasse-Song. "Up With the Birds" beendet das Album dann auch unerwartet rasant und farbenfroh: "Good things are coming your way!" schreit uns Martin da entgegen, und irgendwie bleibt ein Stück des Glücks der Platte am Hörer hängen, wenn sie schließlich endet.

"Mylo Xyloto" ist trotz offensichtlicher konzeptioneller und qualitativer Mängel im Mittelteil des Albums ein Kunststück, weil Coldplay es schaffen, in dieser Form und dieser pompösen Poplandschaft ein Album zu veröffentlichen, das am Ende alle zufrieden stellen könnte: Die Fans bekommen hier 45 Minuten Coldplay satt, viele Nummern, die auf Konzerten groß auftrumpfen werden und Ohrwürmer, die Coldplay wieder in ihren Alltag verpflanzen. Kritischere Hörer müssen anerkennen, dass die Produktion der Platte state-of-art ist und das "Konzeptalbum" als solches wirklich aufgeht. Zwar ist es heutzutage scheinbar cool, Coldplay nicht zu mögen - aber dieses popkulturelle Statement kann man ihnen nur anerkennen, wie die Tatsache, dass Coldplay in einer bestimmten Disziplin zu den Besten in ihrem Feld gehören:
Musik zu produzieren, die einfach nur Spaß macht.

8/10


Knife Man
Knife Man
Preis: EUR 19,94

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wahnwitziger Folk-Punk für Zyniker, 4. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Knife Man (Audio CD)
AJJ sind schon in gewisser Weise einzigartig in der breiten Musiklandschaft. Im Grunde könne der Sänger ja gar nicht singen, und überhaupt ist die Produktion von vorvorgestern. Das wäre kein Country, aber auch kein Rock, schon gar nicht Folk, sie wüssten ja nicht mal selbst, was sie darstellen wollen. So oder so ähnlich könnte eine Konversation über diese Band verlaufen.
Alles Vorurteile? Wohl kaum! Über ein paar Alben hinweg haben sich AJJ einen Soonderplatz in der Musik-Community gesichert, nämlich den des Außenseiters, dem es schwer fällt, ernst genommen zu werden.
Dafür tun Andrew Jackson Jihad selbst am meisten, und ihr neustes Werk "Knife Man" ist ein erneuter Beweis dafür. So lautet die gnadenlos bescheuerte, erste Absonderung des Sängers so: "The Michael Jordan of drunk driving played his final game tonight." Bescheuert - aber ebenso genial.
Richtig geraten: Die Hälfte des Appeals dieser Band machen die Lyrics aus, sehr einfach gestrickte, auf große Metaphern verzichtende Texte, die derbe in die Magengrube boxen, während sie einfach nur die Wahrheit sagen. "American Tune" ist ein solch wahnwitziger, zynischer Höhepunkt: "I'm a guy getting paid more than a girl with a degree/and I can walk down the street at night and no one wants to rape me./And I can get a girl pregnant and just as easily flee./Just like my straight, white male dad did to me."
Textlich befinden wir uns auf einem unterhaltsamen Niveau, und es macht einfach Spaß, den mal lustigen, mal depressiven, oder gar beide Gefühle abdeckenden Songs zuzuhören. Die Musik an sich offenbart allerdings auch ein paar Schattenseiten. So hört man im zweiten Track "Gift Of The Magi 2: Return Of The Magi" die schlampige Produktion, ob gewollt oder nicht, zu sehr heraus, und auch spätere Tracks sind viel zu rockig und ideenlos in den Arrangements geworden. So pendelt das Album von einigen Höhepunkten zu leider vorhandenen Tiefpunkten, die den Gesamteindruck schmälern. Dass man trotzdem mit einem guten Gefühl die 45 Minuten der Platte abschließt, dafür sorgen die zwei letzten Songs, "Free Bird" und "Big Bird", zwei kongeniale Ergüsse, die auf die harmonische Brillianz der Band hindeuten. Besonders der letzte Track der Platte vereint großartigen Pathos mit Lyrics, die ebenso geheimnisvoll wie sonnenklar direkt ins Herz gehen - ob sie nun stechen oder streicheln, das bleibt jedem selbst überlassen: "But the big red bird that lives under the city/doesn't give a damn about me/and it dies every night/So I bought a knife. I am a knife!"

8/10


The Year of Hibernation
The Year of Hibernation
Preis: EUR 13,99

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lo-Fi trifft Pathos, 4. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: The Year of Hibernation (Audio CD)
Hinter dieser CD verbirgt sich eine melancholische, reich orchestrierte Indiepop-Bedroom Produktion. Mit "July" traf YOUTH LAGOON bereits im Frühjahr den Nerv der eher alternativ geneigten Musikpresse, jetzt folgt das Album. Dieses schafft es weitgehend, die Kraft der Leadsingle auf Albenlänge zu strecken. Besonders stark ist dieses Album in den Melodien, die durchaus Ohrwurmgefahr besitzen, und durch den schaurig-hohen Gesang eine ganz eigene Note verliehen bekommen. Dabei setzt dieser Künstler auch auf ausschweifende Arrangements, klassische Songstrukturen sind hier eher selten. Für Kopfhörer ist das durchaus attraktiv, allerdings wird dieses Album bei Hörern, die auf große Momente aus sind, nicht gut ankommen. Dafür fehlt hier (noch) die letzte Brillianz, nämlich Anspruch mit Eingängigkeit zu verbinden. So droht "The Year of Hibernation" früh die Luft auszugehen, sollte man der etwas ungeduldigeren Hörersorte angehören. Für alle anderen könnte sich aber ein Juwel erschließen.
Spannend wird es sein, zu sehen, was dieser Künstler mit einer aufwendigeren Produktion schaffen würde. Es wäre zumindest nicht das erste Mal, dass eine solche Erfolgsstory geschrieben wird, ich denke da an Bon Iver oder Fleet Foxes. So lange bietet diese Platte jedoch genug Stoff für die Gehörmuscheln.

7.5/10


The King of Limbs
The King of Limbs
Preis: EUR 14,99

42 von 56 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Drumloops aus der Hölle / Melodien aus dem Himmel, 25. März 2011
Rezension bezieht sich auf: The King of Limbs (Audio CD)
Neue Radiohead-Platten unterliegen ja bekanntlich einer gewissen Erwartungshaltung, nämlich der, dass diese stets die gesamte Alternative-Rock-Welt umschmeißen und neu definieren. Das haben sich die Oxforder natürlich selbst zuzuschreiben, da gewisse Alben wie "OK Computer" und "Kid A" revolutionär waren und ein nicht messbares Maß an Einfluss hatten, der Radiohead fortan wie ein Rattenschwanz hinterherschwingen sollte.
Selbst das famose "In Rainbows" von 2007, das sich langsam über sein Marketing erhob und zum Fan-Favorite vieler avancierte, folgte dieser Tradition, da wieder einmal musikalische Innovation und Anspruch mit Eingängikeit intelligent verschmolzen wurden.

Die Jahresuhr schlägt nun '2011' und nach vier Jahren ohne Veröffentlichung bekommen wir nun eine 8-Track starke (oder schwache) Platte serviert, die nach etwas über einer halben Stunde runterrattert. Schadet die kurze Spielzeit dem Album? Wohl kaum, da man das Album eh auf Repeat laufen hat, so wie das mit RH-Platten Gang und Gebe ist. Nur diesmal dürfte "The King of Limbs" nicht jeden überzeugen. Diesmal ist ein Radiohead-Album kein neue, gemeinsamer Nenner aller Musikkritiker.

Dabei bietet "Bloom" zum Start der wilden Fahrt einiges an Material auf, das an die Tradition von Innovation und Eingängigkeit anknüpft. Ein schöner Klavierloop wird weggefegt von einem seltsam stotternden, sich selbst überladenen Drumloop, und zusammen bilden die beiden Loops sozusagen die Hauptstränge der DNA, während Bassline, seltene Gitarrenschübe, Alarmsignale und etliche andere Effekte ab und zu mit Thom Yorke das Lied runterzelebrieren. Die Vocals geben dem Ganzen die Breite im Raum und wirken evokativ, die Lyrics universal und verkopft.
"Morning Mr Magpie" setzt dann aber kaum neue Trends, sondern entwickelt die Drumloop-Stilistik konsequent weiter. So etwas wie einen Chorus gibt es und zum Schluss verrennt sich der Song in dichtem Sound, der an Shoegaze kratzt, sich aber jäh verabschiedet.
"Little By Little" lässt dann die Gitarren wieder singen und bietet eine schöne Sounddichte auf. Auch die Melodie samt Vocals weiß zu gefallen, doch dann passiert im Chorus etwas, das ich persönlich nie von Radiohead erwartet hätte: Thom Yorke klingt nervig und wie ein kleines Mädchen. Das passt natürlich zu den naiven Lyrics, aber Yorkes Gesang ist es, der "Little By Little" für mich zum schwächsten Track der Platte macht.
"Feral" ist dann nicht mal ein richtiger Song, sondern eher ein cinematisches Zwischenspiel, bei dem allerlei hübsche sowie verstörende Geräusche aus den Tiefen des Waldes, des Äthers, oder woher auch immer, schallen. Der dick aufgetragene Bass lässt den Track zum Schluss abheben und gibt ihm den verdienten Klimax. Ach, habe ich schon die ewigen Drumloops erwähnt?

Ich habe meine Überschrift als zweiteilig gewählt, weil auch das Album des Eindruck macht, zwei konzeptuell stark verschiedene Hälften aufzubieten. Dominierten Drumloops aus der Hölle, Rhythmus, und allgemein starker Songfluss die ersten 4 Tracks, so kehren Radiohead in der zweiten Hälfte wieder zu sich selbst zurück, und siehe da: Sie erklingen wieder, die Melodien aus dem Himmel.

"Lotus Flower" ist nämlich ein grandioser Song. Die Drums erinnern zwar (wieder) eher an eine Drum Machine als an Phil Selways geliebten Holterdipolter, nur diesmal schafft es die Band, den Track zu einem Ohrwurmverpflanzenden, innovativen und kurzweiligen Song umzubauen. Thom Yorke singt hier im Chorus fast ausschließlich mit seiner charakteristischen Kopfstimme, die den Lyrics ("Slowly we unfold as lotus flowers") die nötige Heiligkeit verleihen. Bemerkenswert ist auch (wieder) der Bass. Da vergisst man kurzum schon, wo eigentlich Jonny Greenwood ist.
"Codex" ist dann eine schöne Ballade im Stil von "Pyramid Song", aber anders als sein Bruder entwickelt der Song sich nicht in seinem Verlauf und läuft auf keinen großen Klimax hinaus. Das muss er allerdings auch nicht, da "Codex" als Zäsur nach fünf Tracks Trommelfellgewitter seine minimalistische Schönheit entfalten kann.
"Give Up The Ghost" ist dann großes Kino - Thom Yorke im Duett mit sich selbst. Und da ist Greenwood, der zu dem Ganzen etwas zeitversetzt, aber unglaublich passend dazu an der Gitarre zupft. Ein Highlight.
Mit "Seperator" ist dann Schluss, und es ist nicht verwunderlich, dass ausgerechnet der letzte Track zurück an "In Rainbows" erinnert. Hier macht wieder die gesamte Band das, was sie am besten kann, nämlich zu einer dichten und athmosphärischen Einheit verschmelzen. Die Lyrics sind hier hoffnungsvoll ("If you think this is over/Then you're wrong") und insgesamt legt sich der Abschlusssong wohltuend auf die Ohren, bis die Platte bei knapp 37 Minuten den Geist aufgibt (pun intended) und man seinen eigenen Finger auf der "Repeat"-Taste erwischt.

"The King of Limbs" ist kein Game Changer und auch kein neuer Meilenstein, kein neues Ausrufezeichen und auch kein moderner Michelangelo, aber das will die Platte auch nicht sein. Sie ist ein Abenteuer, das versucht, zwischen Himmel und Hölle die Mitte zu finden.
Kurz gesagt liefern Radiohead kein großartiges, aber ein grundsolides Album ab, das diesmal zwar die Tendenz zeigt, die Musikpresse eher zu spalten, als sie mal wieder zu vereinen, aber die Fans zufrieden stellen wird.

Kaufempfehlung sowieso.

9/10
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 28, 2011 11:06 AM MEST


I,Vigilante
I,Vigilante

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Episch..., 2. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: I,Vigilante (Audio CD)
...ist das vorherrschende Wort, das mir bei dieser Platte einfällt. Über fünf Tracks servieren Crippled Black Phoenix feinste Progressive-Rock-Kost, die in ihrer Intensität an Porcupine Tree erinnert. Der Großteil des Albums ist instrumental gehalten, weswegen die düsteren und beklemmenden Lyrics umso wichtiger werden. Am stärksten scheint "I,Vigilante", wenn die großartigen Klavierloops von pulsierenden Drums und fließenden Gitarren unterstützt werden. Verdichten sich die Songs dann, hört man trotzdem kristallklar jedes Element heraus, das die Musik so verführerisch bombastisch macht.
In diesem Jahr würde ich "I, Vigilante" ganz klar zu einem Geheimtipp zählen. Wer sich stark aufbauende, lange Tracks im Stile vom Postrock und Progressive Rock mag, sollte hier unbedingt zugreifen.

8,5/10


Halcyon Digest
Halcyon Digest
Preis: EUR 15,49

22 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unglaublich breites Soundspektrum, 2. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: Halcyon Digest (Audio CD)
Deerhunter markieren mit "Halcyon Digest" (das Amazon übrigens lustigerweise falsch schreibt) ihr neues Album, und was sich mit Leader Bradford Cox' Soloprojekt Atlas Sound angekündigt hatte, findet Einzug in seine Hauptband: Ein Album wie ein Kaleidoscop, das sich ständig selbst rezitiert, experimentelle und eingängige Tracks schlau vermischt und einfach ein wunderbares Ganzes ergibt: "Halcyon Digest" ist eine Platte für aufmerksame Hörer und wer sich in den Deerhunter-Kosmos stürzt, der wird ordentlich belohnt.
So eröffnet "Earthquake" erstmal nur langsam die Platte, baut einen Beat auf, der sich selbst ständig erweitert und süchtig macht. Dahinter entfalten sich Gitarrenechos so flüssig wie Wasser. Zusammen mit Cox' hin- und herwabenden Stimme ergibt das ein schönes Gesamtkonstrukt, das sich athmosphärisch ums Ohr legt. Der Song könnte gut zehn Minuten so weitergehen, jedoch folgt nach fünf Minuten "Don't Cry". Hier sind die Lyrics schon etwas besser verständlich: Cox versprüht erstmal ein paar Prisen Hoffnung, die die schrammigen Gitarren irgendwie konterkarieren. Kurz und intensiv gestaltet sich der Track, der gediegen ausklingt. Dann weiß man spätestens nach "Revival", dass man einfach nur eine tolle Platte hört: Fröhliche Melodien und Hooks schmiegen sich im Stile eines herkömmlichen Indiesongs an den gut gelaunten Gesang. Aber natürlich schaffen Deerhunter auch hier, dass das Ganze sich innovativ gibt. Und spätestens, wenn ungefähr bei der Hälfte des Songs die Gitarren isoliert singen, hat man sich in den kleinen Song verliebt.
"Sailing" geht dann wieder einen Gang zurück, ohne, dass der Gesamteindruck Schaden nimmt. Er verfestigt sich nur weiter. Bei "Memory Boy" begleitet eine Harmonika den tollen Rocksong, bei "Desire Lines" fühlt man sich in eine Alternativversion von Arcade Fires "Rebellion(Lies)" geworfen, ehe Cox den Song umschmeißt und uns an Deerhunter erinnert. Im Mittelpart sprechen die Instrumente für sich, man verliert sich im Loop. Nach diesem Song hat der Hörer schon eine musikalische Bandbreite erlebt, die andere Bands in ihrer ganzen Karriere nicht Zustande bringen. Und dann folgen sogar noch einige Highlights.
"Helicopter" verzaubert mit seinen 'auquatischen' Sounds, die dezent im Hintergrund den bittersüßen Gesang Bradford Cox' unterstützen. Wenn sich der Sound später verdichtet und der Song sich vollends entfaltet, muss es spätestens 'Klick!' machen: Diese Platte ist ein ganz großes Ding.
In "Coronado" wagen es Deerhunter tatsächlich, das gute alte Saxophon heranzuziehen und es ist erstaunlich, wie gut das funktioniert. "He Would Have Laughed" ist dann ein Abgesang auf den im Frühjahr verstorbenen Jay Reatard. Eigentlich erwartet man bei Deerhunter dann Zurückhaltung, so wie das bei Tributsongs üblich ist. Stattdessen entfalten sich in satten sieben Minuten alle Aspekte, die "Halcyon Digest" so attraktiv machen: Singende Gitarren, wohltemperierte Soundschichten, bissige Lyrics und ein vielseitig begabter Bradford Cox - dann bricht der Song irgendwann ab, so wie Jay Reatards Leben einfach abbrach. Der Hörer muss das zu dem Zeitpunkt realisieren und das ist dann die Stelle, an der man nur noch leise flüstert:
"Wow".

In diesem Jahr ist "Halcyon Digest" ein sicheres Highlight und ein Plichtkauf sowohl für anspruchsvolle Hörer als auch für Indie-Begeisterte. Deerhunter fügen dem reichhaltigen Jahr 2010 eine weitere Wahnsinnsplatte hinzu.

9,5/10


False Priest
False Priest
Preis: EUR 12,99

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gewohnt abgefahren und herrlich überzogen, 10. September 2010
Rezension bezieht sich auf: False Priest (Audio CD)
Auf Anhieb fallen mir nicht viele Bands ein, die auf einer Platte so viele Stile abdecken wie Of Montreal. Im Grunde müsste man für die Amerikaner, die aus dem Kollektiv "Elephant 6" hervorgingen (wie auch Neutral Milk Hotel), ein völlig neues Genre definieren. Das wäre dann in etwa Electro-Indie-Pop-Rock-Avantgarde-Mathcore. Oder so ähnlich.
Tatsache ist, dass "False Priest" nicht unbedingt dazu beitragen wird, Of Montreal irgendwo unterzuordnen. Schon beim Anblick des Covers fragt man sich freilich, auf WAS man da eigentlich starrt. Mit der Musik verhält es sich nicht anders. Frei von jeglichen Genre-Konventionen stürzen wir uns also in diese frische Platte.
"I Feel Ya Strutter" ist ein feucht-fröhlicher Einstieg, der mit einer eingängigen Melodie aufwartet. Kevin Barnes Stimme erklingt irgendwo zwischen Trunkenheit und Freude und manchmal frag man sich, ob er beim Aufnehmen durchgekitzelt wurde. Der Opener schlägt dem Hörer mit geballter Indiepop-Power entgegen. "Our Riotous Defects" lässt dann eine schöne Sounddecke abfeiern, über der Barnes euphorisch quasselt. Gutgelaunt wird der falsche Priester dann etwas Rockiger, wenn mit "Coquet Coquette" das erste Highlight aufwartet. Während die ersten beiden Songs gut und eingängig sind, verschleiern sie doch mit ihrer Überladenheit das Wesentliche. Hier jedoch fahren Of Montreal ihre Getriebe etwas runter. Nach dem Song weiß man, dass das Album gut aufgebaut ist.
So wird im weiteren Verlauf die Platte abgefeiert. Vom sphärisch-schwebenden "Enemy Gene" zur tollen Popnummer "Sex Karma", von dem dichten Rocker "Famine Affair" zum epischen Finale "You Do Mutilate?" - Diese Platte macht einfach Spaß.
Dabei wird der Anschein erweckt, Of Montreal hätten keinen Anspruch. Pustekuchen - für ungeduldige Hörer kann "False Priest" schnell nervig werden. Wer sich jedoch auf die bunte Parade einlässt, mitzieht und nicht mürrsich daneben steht, dem eröffnet sich kompromisslose, astrein produzierte und mitunter sogar anspruchsvolle Musik.
Of Montreal könnte man vorwerfen, ziemlich vorhersehbar zu sein. Für einige bedeutet das Stillstand, für andere bewährte Qualität. Aber Langeweile? nein, nein, nein. Im Wörterbuch von den Jungs aus Montreal ist unter "Langeweile" kein Eintrag zu finden.

9/10
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 12, 2010 2:04 PM MEST


Aim & Ignite
Aim & Ignite
Preis: EUR 16,56

23 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Name ist Programm. Ein Album mit Spaß-Garantie, 3. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Aim & Ignite (Audio CD)
Nun ist "Aim and Ignite" schon über 1 Jahr alt und ich frage mich, wieso keine Sau dieses Album kennt. .fun machen radiotaugliche, partytaugliche und hipstertaugliche Musik zugleich. Man höre nur den Opener "Be Calm", der ruhig und gediegen anfängt, sich dann aber allmählich dank der zahlreichen Streicher und der verführerischen Melodie zu einem großartigen Ohrwurm entlädt. Ein großartiger Song, der den Einstieg in das Album so unglaublich einfach macht. Und die ekstatischen Melodien und Indie-Pop Arrangements hören da nicht auf.
Denn "Aim and Ignite" ist ein Album mit sehr starken _Songs_. "All the pretty Girls" macht gutgelaunt weiter, serviert mit einer Choreinlage einen rapiden Einstieg, gewissermaßen einen spontanen, unwiderstehlichen Hook. "At Least I'm not as sad (as i used to be)" markiert mit seinen springenden Themen das zweite Highlight neben dem Eröffnungstrack. "Take Your Time (Coming Home)" ist dann ein Schlusstrack, der die hohe Spaßqualität keinesfalls absinken lässt. Ist dieser Song ausgeklungen, hat einen diese Platte ein Stück glücklicher gemacht - garantiert.
"Aim and Ignite" verbindet groß angelegten Indie-Pop mit einer kindlichen Naivität, die leicht an Queen erinnert. Die Musik ist so farbenfroh wie das Album-Cover. Somit ist .funs Debütalbum mit Sicherheit kein besonders Anspruchvolles. Jedoch liefern sie eine grundsolide Spaß-Platte ab, die es einem nicht schwer macht, sie zu lieben. Die Musikindustrie ist schon irgendwie seltsam - wie konnte ein derartiges Album SO übersehen werden? Auf der anderen Seite findet man mit "Aim and Ignite" so ja ein ganz eigenes Juwel.

9/10
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 26, 2012 11:51 AM MEST


Embryonic
Embryonic
Preis: EUR 10,98

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein faszinierender Albtraum, 25. August 2010
Rezension bezieht sich auf: Embryonic (Audio CD)
Man mag über die Flaming Lips sagen, was man will: Diese Band kennt keinen Stillstand. Nachdem sie mit "The Soft Bulletin" 1999 ein Meisterwerk veröffentlichten und mit einem tollen Konzeptalbum ("Yoshimi...") folgten, gab es danach erstmal nur die Lips Im Weichspülmodus. "At War with the Mystics" und "Christmas On Mars" waren zwar alles andere als mainstreamtauglich, für Lips-Verhältnisse jedoch wieder so poppig wie nie. Man mag das Mutlosigkeit nennen.
Nun ist "Embryonic" eine Art Befreiung. Hier lässt das verrückte Genie Wayne Coyne alles aus sich heraus, was sich in den Nullerjahren bei ihm angestaut zu haben scheint. Keine Kompromisse mehr - nur noch die Flaming Lips. Das Ergebnis ist zugleich faszinierend und verstörend. Bei vielen Alben wird das Wort "Kontrast" beschworen: Kontrast zwischen dem Schönen und Hässlichen, dem Lauten und dem Leisen, dem Schnellen und den Langsamen. Bei "Embryonic" ist Kontrast alles.
So blasen einem erstmal spacige Töne ins Gehirn wenn das Album mit "Convinced of the Hex" loslegt. Dazwischen unzählbare Ebenen von düsteren Samples, die gewohnt überdrehten Drums. Irgendwo dahinter die Stimme Coynes, die gekonnt Paranoia verbreitet. Man mag sagen, dass man sich gleich bei den Lips Zuhause fühlt. Denn im Grunde ist dieser Song von der Struktur her ein einfacher Popsong. Doch die Lips setzen alles daran, ihm ihre eigene abgedrehte Note zu verpassen.
Ein Schema, das sich durchzieht und hier und da mutiert - entweder hin zum Schönen ("I can be a frog", "See The Leaves") oder hin zum Verstörenden ("Your Bats", "Worm Mountain"). Un typisch für die Flaming Lips packen sie ihren zugänglichsten Song ("Watching the Planets") ganz an den Schluss. Hier ist der Beat dermaßen überzogen, dass es einem erstmal ins Gebein fährt. Wenn jedoch die Organs einsetzen und Coynes Stimme ("Oh, oh, oh, watching the Planets align!") dem Song eine einzigartige Atmosphäre verpasst, vergibt man den Flaming Lips alle Untaten, die einem auf den vorherigen Songs angetan wurden.

"Embryonic" ist ein zwiespältiges Album geworden. Die Qualität der Platte wird sehr stark vom Hörer und seiner Toleranz abhängen. Denn hier handelt es sich um die schlichtweg böseste Platte der Flaming Lips. Ein voller, teilweise schmerzhafter Sound, gespenstische Melodien, dazwischen Momente epischer Schönheit, die so isoliert wie eine Oase sind in der lip'schen Schrottwüste, und gerade deswegen ihre ganze Pracht entfalten können.
"Embryonic" ist ein Monstrum, das Aufmerksamkeit will. Ob es die auch bekommt, ist schlicht eine Frage des Geschmacks.
Für mich ist die Platte wertvoll, gerade weil sie einem so viel abverlangt: Das Gefühl zwischen Abscheu und Bewunderung pendelt hin und her, und es pendelt heftig. In welche Richtung Ihr Pendel ausschlagen wird, ist hier die besonders spannende Frage.

9/10
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 12, 2012 5:56 PM MEST


The Suburbs
The Suburbs
Preis: EUR 7,23

52 von 61 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Melancholie und konzentrierte Schönheit - ein Meisterwerk, 1. August 2010
Rezension bezieht sich auf: The Suburbs (Audio CD)
Ausgebleichte Fotografien der amerikanischen Vororte zieren die acht Cover des dritten Albums der kanadischen Ausnahmeformation. Die Orte in The Woodlands, in dem Win Butler mit seinem Bruder aufwuchs, in denen das altbackene Auto parkt, repräsentieren die verschiedenen Facetten der "Suburbs; doch bilden sie alle eine gemeinsame Idee ab: Die Freiheit, Langeweile und Ängste der Vorstadtkinder. Die 16 Songs, die sich auf eine ganze Stunde ausstrecken, malen ein farbenreiches Bild. Auf dieser Reise gibt es viel zu entdecken.
"The Suburbs" beginnt mit seinem melodietrunkenen Titeltrack, auf dem Win Butler uns mit seiner auf-und absteigenden Stimme in die Vorstadt einführt: Die Kindheit ist längst hinter sich gelassen und nun gibt es innere Spannungen: Alte Freunde entfernen sich, treffen wieder zusammen, entfernen sich wieder. Das Ich ist sich dem hier bewusst und hat Zukunftsängste: "Why I want a daughter while I'm still young/I wanna hold her hand/And show her some beauty/Before this damage is done". Arcade Fire bieten eine kraftvolle Eröffnung auf und das Album wird sich sehr oft auf diesen Track zurückbesinnen.
"Ready To Start" ist dann ein doch eher typischer Hymnenklopper, dessen wahrer Hook aber bis zum Schluss vorenthalten bleibt. So wirkt das gegen Ende geshoutete "Now I'm ready to start!" wie eine Befreiung.
"Modern Man" geht dann einen Gang zurück und zeigt das Ich, das zuvor noch Konflikte in den Suburbs austrug, als selbstbewussten, modernen Hipster. Die Melodie stottert stakkatoartig auf und ab und bildet einen Kontrast mit dem gewohnten Pomp von Arcade Fire - auch dies wird zur einer wegweisenden Charakteristik der Platte.
"Rococo" baut sich dann klimaktisch auf, beginnt als bitter-süßes Lied. Die Wiederholungen des Wortes "Rococo" zeigen eine kindliche Naivität und betten sich überraschend gut in eine hymnenhafte Melodie ein. Das allgemeine Gefühl des Tracks wird dabei noch mit einer Klassik-Decke überzogen.
Bei "Empty Room" hört man endlich wieder die engelhafte Stimme Regine Chassagnes, die noch nie so kraftvoll und wunderbar klang. Über dichte und schnelle Instrumentisierung lagern sich rockige Soundschichten - der Song geht gut nach vorne. Aber wie gewohnt schaffen Arcade Fire ohne Mühe den Spagat zwischen Melodie und Bombast. Ein Highlight.
In den folgenen Tracks von "City With No Children" bis zu "Suburban War" manifestiert sich diese Idee. Grundsolide Songs, die in ihrem Ausbruch atemraubend sind, bis hin zu dem grandiosen Finale von "Suburban War" - spätestens hier hat man sich in der Platte verloren und während es von der schönen Ballade "Wasted Hours" weiter geht zum komplizierten, aber irgendwie auch herrlich leichten "Deep Blue", steuert man doch langsam dem Finale entgegen. Und dort haben Arcade Fire noch was zu sagen.
"Sprawl II (Mountains Beyond Mountains)" ist schlicht gesagt der stärkste Song der Platte und einer der besten der Kanadier, der sich ohne Probleme in Jahresendlisten finden wird. Regine Chassagne übernimmt wieder das Steuer und raubt einem den Atem mit einer Power, die man der zierlichen Dame gar nicht zugetraut hätte. Eine der schönsten Melodien von Arcade Fire steht in Wechselwirkung mit Lyrics, die kraftvoll den gesamten Feel der Platte zusammenfassen:"We rode our bikes to the nearest park/sat under the swings and kissed in the dark/we shield our eyes from the police light/we run away, but we don't know why". Schönheit, Romantik, Angst. Das Gefühlskompendium wird hier nochmal in voller Wucht aufgeschlagen, bevor eine versöhnliche und ruhige Wiederholung des Titeltracks das Album rundherum abschließt.

Was soll man sagen - oder besser: Was muss noch gesagt werden? Nicht umsonst wird Arcade Fire seit Jahren von der Presse als neue Heilsbringer angepriesen. Nicht umsonst reihen sich David Bowie und Bono in die Reihe ihrer größten Fans ein. Nicht umsonst hat das siebenköpfige Ensemble so viel zu sagen. Während wie bei "Neon Bible" die politiktrunkenen Aussagen mit einem Schulterzucken hinnahmen, können wir der Band auf ihrem neuen Album wieder ganz vertrauen. "The Suburbs" zeigt, dass Arcade Fire bei emotionalen und menschlichen Themen wie auf ihrem Opus Magnum "Funeral" immer noch am besten ist.

Als Hörer dieser Platte wird man die Reise durch die amerikanischen Vororte sehr oft bestreiten wollen. An der Hand dieser wunderbaren Band fühlt man sich dort mit Zuhause. Man verliert sich in den Texten und in den Bildern, die Arcade Fire malen. Aber am allerwichtigsten ist die Tatsache, dass die Musik wieder einmal inspirierend und berührend ist, gleichzeitig zum Mitsingen animiert und Ohrwürmer verpflanzt. "The Suburbs" ist der entgültige Beweis, dass Arcade Fire auf lange Sicht die Indie-Szene und womöglich auch die gesamte Musikwelt prägen werden.

10/10
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 23, 2010 4:53 PM MEST


Seite: 1 | 2