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Rubesco

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Gespräche über Gott, Geist und Geld
Gespräche über Gott, Geist und Geld
von Peter Sloterdijk
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 12,00

3 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Tick Trick und Track - das assoziative Schnattern als Geist der Zeit, 13. August 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Zu: P.Sloterdijk und Th.Macho im Gespräch mit M.Osten, Gespräche über Gott Geist Geld; Freiburg 2014

"...Reifen mit Helium-Gas aufblasen (...)
und lauter solche Dinge."
(P. Sloterdijk, Gott Geist Geld, S. 82)

"Und sich so in Eitlem befriedigen
ist selbst nur subjektive Eitelkeit."

(G.W.F. Hegel, Vorlesungen über die
Geschichte der Philosophie - als hätte
er das Herabkommen der Philosophie auf
assoziativen small talk vorausgeahnt)

I

Dies Bändchen dient, hier nachzulesen, rücksichtslos bekennenden Hardcore-Fans zum Rundumschwärmen von den neuerlichen Wohltaten eines "klaren Geistes", "bereits in seinen frühen Werken" . Oha, das ist gewagter noch als kühn, da ist selbst einer als hartgesottener Kritiker der postmodernen Denkschlamperei von Derrida & Co., der ja von daher einiges auch der leider in Schreibübungen rudelweise nacheifernden Fans gewöhnt ist, erstmal sprachlos und von den Socken...Wir reden schon von Sloto, oder ? Dem also, dem, in Marxens substanzmetaphysische Rede von den "Wertmetamorphosen" im "Kapital" bis zum reinen Schwachsinn vernarrt, in "bilderschaffender Intelligenz" bzw. wie üblich, was sonst ?, "grundstürzend" zum Geld einfällt, daß es "Materie in die Umkleide-kammer schafft" und der das, weil ihm das gar so gut gefällt, vor laufender Kamera in 5 Minuten sechsmal wiederholt. Wer`s nicht schnallt, ist ja wirklich brutal schwierig: Metamorphose = Umkleiden, und das macht man ja gemeinhin im diesbezüglichen Kammerl, ja, wie luzid funkelnd mal wieder, so wohl die Fans unisono dionysisch-besinnungslos enthusiasmiert , prosaischer aber und dafür punktgenau dran: ömmelig schnarchend geistlos, phantasierender locus communis...

II

... wie nun "Gott Geist Geld" auch. Es galt, nein, sah vielleicht einmal so aus: die Philosophie ist der Geist der Zeit, in ihr auf den Gedanken von sich gebracht. Heute gilt definitiv: da die Zeit geistlos ist ist das die Sendezeit von Sloto & Co. Hegels Glaube: "Es geht vernünftig zu" war eben nur eine Hoffnung. Sloto allein (oder mit dem wahrhaft kongenialen Alexander Kluge) ist in seiner jegliches auch nur zart konturiert Gedachte vernichtenden Metapherngeilheit ja schon völlig und nichts als unerträglich - und nun in diesem durchweg sinnlosen Doku-Bändchen (das in der Tat nichts ist als ein denkvagabúndierender "Streifzug durch die Gegenwart") zum Schwatz im Sparkassenstiftungshaus (!, Geist und Geld eben) ihm noch zwei nicht mindere Schwurbelwürger beigesellt... Da konnte nichts anderes als eine obszöne Orgie des quallenden und wabernden Als-Ob-Denkens herauskommen. Dessen Prinzip spricht Sloto unmißverständlich aus: "Ich glaube, man muss Gedanken immer weit herholen, denn das Wesen des Geistes besteht ja darin, dass er das Weithergeholte ist." (S. 8) Und das führt sich dann aus in An-Deutung und zügellosem Name-Dropping als erschlichener Be-Deutung.

III

Dies Streifen "abseits vorgedachter Pfade", der Wille zum willkürlich Eingegebenen, eben dem Weithergeholten, emanzipiert sich gründlich davon, daß das Eigentümliche der Philosophie einst war, das zu unter-suchen, was man für bekannt hält. Denn das Bekannte ist das Uner-kannte, das Nahe das Ferne. Dem möglichen Leser sei empfohlen, am Anfang beim hochstaplerisch als "Phänomenologie" verkauften Geschwall um die "Entgrenzung" genau darauf zu achten, wie sich diese Manier des Weitherholens, geradezu mechanisch abgespult, entwickelt und sich im Ping-Pong der leeren, unbestimmten Gedanken zu einem monströs anschwellenden amorphen Laberbrei ausdehnt. Hegel meinte zum Philosophieren: die Füße, die Dich tragen, stehen bereits vor der Türe. Auch das müßte er heute gründlich revidieren: mit den Plattfüßen des postmodernen Denkens wirst Du allerdings nicht weit kommen...

IV

Gott Geist Geld ? "Kraut, Rüben und Notariatsgebühren" als zwangloser Alternativtitel für das gesammelte "eine glückliche Wendung"-Zusammen-krampfen und das sich wechselseitig Überkaspern im unausgesprochen tobenden Kampf um die Krone des "Wer von uns kriegt heute den abgehobensten Kalauer und die bescheuertste Metapher hin ?" machte denksubstantiell bzw., was sein muß, muß sein, "grundstürzend" wenig Unterschied, kaum einer würde es wirklich merken. Ansonsten, um einem Fan-Anwurf gleich zuvorzukommen: es sei neidlos anerkannt, daß es für Solches einen Markt gibt. Nur ein guter Grund mehr, sich einer kritiklosen Affirmation der Bedürfnisse so wie sie gehen und stehen nicht anzuschließen und zu u.a. solcherlei Marktangebot ein schlichtes "Nein" zu sagen.

V

Und um auch das erledigend vorwegzunehmen: Ja, der Rezensent hat das Bändchen gekauft und durchgenommen - und es NICHT bereut. Denn es lief eine Wette, daß sich darin garantiert kein einziger wirklich durchdacht gedachter Gedanke findet. Sondern nur Assoziationen zur Neuzeit" als Ballspiel, S. 22 f., wonach denn (Wir müssen mit dem Spielen, was mit uns spielt. Progressive und Konservative können wir darum (!) sehr leicht nach dem Kriterium ihrer inneren Einstellung zum Ballspiel sortieren. Die Konservativen hassen die Ballspiele.") Uli Hoeneß, dem man alles Mög-liche, nur einen Haß auf Ballspiele bestimmt nicht nachsagen kann, zu den Progressiven" und nicht den Konservativen im Lande zu rechnen und Machiavelli, nach Sloto auch ein Enthusiast des Ballfangens, zum ewigen Ersatztorwart des FC Florenz zu ernennen wäre. Des Leistungsträgers" und Reichensteuerverweigerers Revolution der gebenden Hand" (S. 30) ist brettdumme zynische Apologie neoliberaler Austerity, sein Schuldgeraune verslototer Sündenfallkatholizismus & Eigentumsfetischismus der Bremer Ökonomie-Esoteriker Heinsohn Steiger. Kein Wunder, dass des-halb Sinn des Schuldenmachens" (S. 50) ausgerechnet die Rückzahlung sein soll. Davon schließlich, ganz ohne sonstige kokette Zitatandeutelei, frech des alten Heraklits alles fließt" in ein alles gleitet" zu übersetzen (S. 52) und dieses schamlose Plagiat als SEINE Slotoeigene fundamental-ontologische Erleuchtung auszugeben, schon gar nicht mehr zu reden. Kein Stück besser der durch die Eigenart, sein Reden mit der beständigen Versicherung einzuleiten, ganz tief zu bohren, auffallende Macho (so fragt er: was sind Schulden überhaupt ? Das ist eine schwierige Frage:" (S. 35) und kommt erst einmal zu gar nichts, aber zwölf Seiten später, S. 47, ist er in einem zweiten Anlauf immerhin schon soweit, dass wir dann (...) auch die Frage der Schulden neu verstehen (müssen)."); außer einmal darin, dass ihm (S.64) das unsägliche Gerede von Osten/Sloto, S. 61/62, von wegen, die Tilgung von Schulden sei tutti quanti allerorten obsolet geworden und das Nichternstnehmen von Kreditverpflichtungen gehöre fast zur Grundausstattung des zeitgenössischen Menschen, wohl denn auch zuviel wurde und ihm einfiel, dass Banken nicht dafür bekannt sind, etwas herzuschenken und daher u.a. die Vollstreckungsherbeiführung mit der Folge der massenhaften Obdachlosigkeit der Vollstreckten zu ihrem stinknormalen und ungerührt vollzogenen Geschäften gehört. Der Wettgegner wollte lauter solche Dinge" (seitenweise noch fortführbar) eines auf tiefgründelnd-genüssliche Feuilletonabschmatzung der ordinärsten Gemeinplätze und Ressentiments des affirmativen Alltagsverstandes herabgekommenen Denkens einfach nicht glauben. Konnte man als einer, der darauf setzte, nur gewinnen, eine g`mahte Wies`n, wie`s im Bayrischen so trefflich heißt, auf Sloto (einer für alle) bzw. das auf das alltägliche bloße Meinen und konservativ-altsackige Weltbefundgetratsche draufge-sattelte Weithergeholte als Prinzip seines Denkens ist doch da Verlaß...

VI

In der Positivrezension von Jürgens "Bücher" ist gelistet, was sich in dem Bändchen, blättert man sich geduldig so weiter durch, bis zum bitteren Ende dann noch so alles "findet". Nicht von ungefähr aber ist es dem Rezensenten nicht möglich, den INHALT dessen, was sich "findet", außer in Überschriften genauer darzulegen. Denn die Überschriften bzw. Kalauer sind bereits auch schon das Gedachte. Ein Windbeutel voller sachkenntnisarmer Meinungen, wie man sie auch, etwas urwüchsiger, an jedem Stammisch zu hören bekommt, zu Gott und der Welt eben. Nichts bestimmt Gedachtes, daher auch, außer als leeres Reden, nicht bestimmbar. Eines, das soll noch sein, der Highlights - schon fast einem Monty Python Talkshow-Sketch gleich - findet sich S. 81 f: "Thomas Macho (Tick): (...) Wir sind ausgerechnet bei den Anthropotechniken in ein Feld des Wettbewerbs und der Konkurrenz um die transhumanisti-schen Hilfsmittel hineingekommen, das wir so vor zwanzig oder dreißig Jahren noch gar nicht gesehen haben. Peter Sloterdijk (Trick): Das ist wahr, man hat befürchtet, dass Tour-de-France-Fahrer ihre Reifen mit Helium-Gas aufblasen oder dass das Rad eigentlich nur dann auf der Erde bleibt, wenn der Fahrer darauf sitzt, und lauter solche Dinge. Manfred Osten (Track): Vielleicht gehen wir noch einmal zurück zum Gedanken der Furcht als Motivation (...)" Hätte Osten nach Slotos sportteilbelesener Exegese zum Profi-Radlfahren als wohl DEM Paradigma der Konkurrenz um die transhumanistischen Hilfsmittel gesagt: "Und nun zu etwas ganz anderem..." wär`s perfekt und ein "luzid" für dieses hin und her und kreuz und quer zwischen Entgrenzung, gleitendem Ballspielen und Islamismus (von dem Macho, S. 83, nicht so genau" weiß, was das sein soll", wes-halb es wohl zwingend eine Form des Nihilismus" ist) tatsächlich nicht mehr zu vermeiden gewesen. So aber bleibt`s bei einem Dehoga-Stern - in dieser Denksimulation kann man, plündern wir kreativ den auf Ski den Almhang ins Tal zum Schnapseln und Seinsgrummeln mit den Inzest-Bauern hinunterbretternden Nicht-Ballspieler Heidegger, einfach nicht Heimisch-Sein.
Kommentar Kommentare (8) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 12, 2014 3:55 PM MEST


Aussen Marmor, innen Gips
Aussen Marmor, innen Gips
von Karl Corino
  Gebundene Ausgabe

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Kulturklassenkampf anno 1996, 17. Juli 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Aussen Marmor, innen Gips (Gebundene Ausgabe)
Man kann`s relativ kurz und unfreundlich machen: ein geistig völlig korruptes, ein liderliches Buch.

Die Masche: Corino dichtet in inquisitorischem Eifer das Problem, das ER Hermlin maliziös-moralisch als PERSON mit intentiösem und entsprechend rücksichtslos rohem Zugriff in sein SCHRIFTSTELLERISCHES Werk machen will, diesem als DESSEN Chuzpe an.(*)Damit ist nichts einfacher als das zu konstruieren: was Hermlin in Ich-Form erzählend über sein, listig, ausdrücklich nicht autobiograhisches Werk verstreut als natürlich doch irgendwie Autobiographisches geschrieben hat und was in von ihm nicht verfassten offiziellen Lebensabrißen jedenfalls sich als Real-Vita behauptet findet, das ist aufgebauscht, gedichtet, Mythenstrickerei in eigener Sache. Hermlin - nix mustergültige Vorbildvita (jedenfalls ein paar Hausnummern kleiner), nur ein Karl May des Realsozialismus. Im Gegensatz zu diesem bekannten Schwindler aber einer, der den nicht von ihm fabrizierten Schwindel, indem er ihm nicht Tag und Nacht und über Jahre widersprach, kaschierte und somit glauben machen wollte, das sei echt. Ja so ein verlogener Lump und eitler Selbstdarsteller ! Bewiesen, was zu beweisen war, weil`s von Anfang an feststand. Das ist schon der ganze Corino.

Mit solchen Tricks der PERSÖNLICHEN DISKREDITIERUNG leistete auch der WESTDEUTSCHE kulturindustrielle Betrieb seinen Kampfbeitrag zur Wiedervereinigung" bzw., sachlich richtig, zum Anschluß. .Die DDR hatte unverzeihlicherweise, statt sich als unwürdiger Un-Staat, als "Gebilde" gleich aufzugeben, doch glatt ihren Kulturüberbau sehr gepflegt, Schriftsteller galten als öffentliche moralische Instanz etwas, fanden Gehör und Anerkennung, gerade zumal, wenn sie nicht bedingungslos affirmativ, sondern solidarisch-kritisch zu ihrem Laden standen und sich eine befürwortete DDR-Renovierung nicht als Vorspiel zur BRD-Abrissbirne vorstellten. Und deshalb auch mit dem Anschluß nicht bedingungslos überliefen und sich, dem Vorbild des wackeren Ed von Schnitz beim rtl-Schaußprozeß folgend, einfach nicht in Sack und Asche warfen. Das konnten die vom Furor der Abrechnung besessenen westlichen Kulturklassenkämpfer in Literaturredaktionen oder bewaffnet mit Klampfen, die sie nicht spielen konnten, gleich gar nicht ab. Einer der bekanntesten DDR-Schriftsteller, nicht durch flammenden Anti-Kommunismus per se zur Übernahme in den fürderhin als wertvoll qualifizierten nationalen Kulturschaffensbestand empfohlen, konnte bei diesem umfassenden Abräumbedürfnis und entsprechender moralischer Tollwut offenbar nicht außen vor bleiben. An ihm konnte der Schreibtischexekutor Corino implizit gleich einen besonderen Stolz der DDR, ihren Kulturbetrieb (**), als leere Blenderei, Un-Kultur mit erledigen: mochte ja sein, dass da auch über die Zone hinaus anerkannte Schriftsteller zugange gewesen waren; aber was soll denn das für eine literarische Leistung sein, wo`s doch "eigentlich" nur Verbreiten von Lebenslügen ist, außen Marmor, innen Gips... Der Kulturfrontkämpfer Corino hat sich hier wahrlich um "unsere Werte" verdient gemacht .- sonst nichts.

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Anmerkungen

(*) Diese Grundpinzip seines Dossiers" - es liest sich nicht von ungefähr wie eine politpolizeiliche Zuarbeit für die staatsanwaltschaftliche Anklage in einem laufenden Verfahren, das als Bombe" gezündet die Verteidigung unvorbereitet auf dem falschen Fuß überraschen soll - spricht Corino schon im Vorwort aus. So weiß er zwar, dass Abendlicht" eben keine Autobiographie ist, denunziert aber genau das als List" Hermlins (S.8). Wer hier naiv einwendet, Corino habe da wohl ein wenig gegen "wissenschaftliche Standards" verstoßen verkennt, worum es ihm zu tun war und was mitnichten nur zu vermuten ist, sondern performativ mit seinem Text bzw. dessen Machart vorliegt. Beim Denunzieren "wissenschaftliche Standards" einhalten - was für eine absurde Kritik". Die im Vorwort erzählte Schnurre, er sei da ganz zufällig und in unschuldigster Absicht draufgekommen, sich fanatisch in Hermlins Wadln zu verbeißen, kann wiederum als "Lebensymythos" des Herrn Corino abgebucht werden. Es stimmt schon, was das ND schrieb: mit Stasi ging`s nicht, also wurde was anderes rausgekramt. Und was gibt es für ein bürgerliches Hirn Schöneres, eine "moralische Lichtgestalt" der Unmoral zu überführen ? Man jubelt sie hoch und man stürzt sie in gleicher Inbrunst. Schon in jedem Friseurladen spielt sich dieses üble Nachreden tagtäglich in detailverliebter Hingabe ab. Was wäre die bürgerliche Konversation bloß ohne Sex, Geld und - den Skandal ? Hegel nannte das die Kammerdienerperspektive; despektierlicher heißt`s Unterhosenschnüffelei. klar, daß Corino für sein Treiben nur die hochmoralistischen Titel fand und für dieses Sudeln irgendeine heruntergekommene literaturwissenschaftliche Tradition zu bemühen verstand. Er ist ja einer vom Fach.

(**) An diesem gäbe es unparteiisch und mit vernünftigem Urteil schon einiges zu kritisieren, denn der war ja keine kreative just-for-fun-Spielwiese, sondern hatte eine republikdienliche Aufgabe". Der fühlte sich der Schriftsteller-Funktionär Hermlin durchaus verpflichtet (sonst wäre er auch schnell aus diesem Betrieb ausgeschlossen worden). Dafür nahm er auch in Kauf, in Person als moralisches Vorbild instrumentalisiert zu werden. Ob er sich dabei so ganz wohl befunden hat kann bezweifelt werden; jedenfalls war er nicht a la Stalin höchst aktiv in einer Vorbildlegendenbildung bzw. Stilisierung zum mustergültigen Repräsentanten der Sache unterwegs (vgl. BZ v. 7.10.1996, zitiert bei Corinbo: S. 223). So eben, die Stilisierung duldend, diente er der Sache, die Vorbilder brauchen wollte. Indem Corino das moralisch entfesselt, aber begriffslos in persönliche Vorteilnahme" münzen möchte, offenbart er nur den schmutzigen Kern seiner Konstruktion: Corino kann sich die Welt gar nicht anders vorstellen, als dass da bourgeoise Konkurrenzgeier ihre Interessen moralisch bemäntelt durchzusetzen versuchen und dabei lügen, betrügen und heucheln was das Zeug hält. Corino redet nur über sich selbst, wenn er Hermlin darin als seinesgleichen vermeint. Amüsant ist dabei, dass Corino in der Durchführung seines Ressentiments plattest-materialistische Denkfiguren bemüht, wie sie in ML-Lehrbüchern der DDR nicht schöner stehen könnten. Implizit nämlich mit dem Erz-Kalauer Das gesellschaftliche Sein bestimmt das Bewusstsein" bewaffnet, stürzt sich Corino begierig, S.14 , auf Hermlins wahrlich nicht sehr gescheiten Befund (seine staatsmoralische Funktion beherrschte auch sein Denken), dass der Kommunismus wegen dem strategischen Systemgrundsatz des gegenseitigen Belügens und Selbstbetrugs" zusammengebrochen sei, und schließt" in der bezeichnenden rhetorischen Manier wäre es denn denkbar ?" (na klar, drum hat er ja das Buch geschreiben) daraus, dass das natürlich dann, wo gegenseitiges Belügen und Selbstbetrügen" das gesellschaftliche Sein" gewesen sei, natürlich auch für die, die im Realsozialismus u.a. staatsschriftstellerten, gilt, denn wie sollte die allgemeine Lügerei ohne Lügner und Selbstbetrüger auch funktionieren ? So lieferte der realsozialistische Moralismus, beginnend mit der Lebenslüge der unverbrüchlichen Einheit von Staat und Volk" (praktisch dementiert durch u.a. im Inneren eine beobachtend recht umtriebige Staatssicherheit) die Steilvorlagen für seine bürgerlichen Verdammer, die damit dankenswert enthoben waren, ihren Urteilen auch nur einen einzigen richtigen Gedanken zugrundezulegen.
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 12, 2014 4:37 PM MEST


Der Tod des Kapitalismus
Der Tod des Kapitalismus
von Robert Kurz
  Broschiert
Preis: EUR 14,90

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Last Exit - der letzte Rest vom Krisenfest, 8. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Der Tod des Kapitalismus (Broschiert)
"Geld ohne Wert", das 2012 groß angekündigte kategoriale Grundlagenwerk - ein Dokument des theoretischen Scheiterns und der heillosen Wirrnis. Zu den nachgeschobenen Recycleprodukten kann man`s deshalb nun (mit) Kurz machen: Nur noch etwas für Fans, die sich denselben Film hundertmal anschauen gehen und das für intelligent halten.

Bewerbungen der im Sampler aufgewärmten Texte wie: "Der Kapitalismus steuert auf eine Weltwirtschaftskrise zu. Damit gewinnen die bereits in den achtziger Jahren entwickelten krisentheoretischen Thesen und Analysen von Robert Kurz weit mehr als bisher an Realitätsgehalt" belegen im übrigen nichts als ein erzpositivistisches Theorieverständnis. Die "wertkritische" Polemik war (auch) hier immer nur - laute Leere.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 13, 2014 2:42 PM MEST


Das Untier. Konturen einer Philosophie der Menschenflucht
Das Untier. Konturen einer Philosophie der Menschenflucht
von Ulrich Horstmann
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 12,80

1.0 von 5 Sternen Das Sein zur atomaren Auslöschung - Existentialphilosophisch aufgebrezelter Herr Karl, 13. Juni 2014
...selbst wenn die Atombomben der USA so mächtig wären, dass sie, über China abgeworfen, den Erdball durchschlagen oder ihn sogar in die Luft sprengen würden, so wäre dies zwar ein größeres Ereignis im Sonnensystem, aber für das ganze Weltall kaum von Bedeutung."

(Mao Tsetung, Das chinesische Volk lässt sich durch die Atombombe nicht einschüchtern, 28. Januar 1955, in: Ausgewählte Werke Band V, Peking 1978, S. 170)

"So eine Atombombe am Morgen kann einem schon den ganzen Tag versauen."

(Rheinische Thekenweisheit)

*

I

1985/86/87 - die Führungsmacht und die eifrigen Mitmacher der NATO hatten offensiv die Entscheidung der Systemkonkurrenz" mit den nicht letzen, sondern immer schon ihr zugrundeliegenden Mitteln vollrohr im Visier. Der Vorsitzende des zur Vernichtung auserkorenen Reichs des Bösen" versuchte noch mit einem revitalisierenden Glas Nost, den eigenen Laden unter staatsmoralischer Beschwörung des Elans der revolutionären Staatsgründung dafür flott zu kriegen, als politisches Subjekt der Staatenwelt gegen das kompromisslos angetragene letzte Gefecht" bestehen zu können. Weltkrieg No. 3 lag somit mehr als nur in der Luft. Die, die als lebendes Inventar für die Weltherrschaft der totalitären westlichen Werte" als einkalkulierter Kollateralschaden" nicht verheizt werden wollten, brachten gegen das fundamentalistische Treiben ihrer politischen Herrschaft schnell nicht mehr als aufgeregten devoten alternativen Nationalismus und den Schlächtern gegenüber lammfromme Bonhommie auf die Füße. Ist doch einfach nicht schön, wenn die schwarzrotgoldene Heimat als Frontstaat nicht undemoliert aus der Sache herauskommt. Könnt ihr das Raketenzeugs bittschön nicht woanders, wo`s nicht so stört, platzieren ? Und während vom Fußvolk noch vom Schuhplattler bis zum durch die Tür gehen noch jede banale Alltagshandlung per se einfach zur Friedensaktion umdefiniert wurde (was natürlich den Eindruck einer unglaublichen massenhaften Bewegung vermittelte), war`s exponierten Trittbrett-zur-Karriere-Figuren aus der ehemaligen K-Szene wie Fischer & Co. längst nur die günstige Gelegenheit, inmitten der Republik und bei Machtteilnahme und Pfründen anzukommen".

II

In dieses Klima der öffentlichen Aufgeregtheit kreuzbraver Untertanen, denen die gute Meinung zu Schwarzrotgold als ambinioniertem NATO-Mitmacher nicht grundsätzlich abhanden kommen wollte, passte als begleitend-sinnhubernde Gesamtschau aus dem philosophisch-kulturalistischen Überbau Horstmanns prätentiös als dystopische schwarze Ontologie aufgemachtes Heftchen ganz prächtig. Für so was im Zeitgeist" Liegendes (bzw. Unterbringbares) hat suhrkamp (erst damit rückte das schon 1983 bei Medusa erstaufgelegte Bändchen ins Rampenlicht der Kulturöffentlichkeit) ein untrügliches Verlagsgespür, hatte man mit Sloterdijks Kritik der zynischen Vernunft" 1983 ja schon als Ereignis" erfolgreich durch. Und dem Spiegel" war`s ein feuilletongeschmäcklerisches Abschmatzen des kalten Schmisses", mit dem das vorgetragen wurde, allemal wert. Verbandelung mit Kleist-Nachfahren als Promotoren tat ein Übriges. Preisnominator Gunter Kunert lobhudelte besinnungslos backcovertauglich: Es handelt sich um den geistesgeschichtlichen Nachweis, dass die Menschheit vom Beginn an nichts anderes anstrebe als die Rückkehr in den Zustand des Anorganischen...Im Grunde lohnen nur solche Bücher." Beide Sätze sind, wir werden es sogleich ausführen, falsch.

III

Mit nietzscheanischem, gelobt-sei-was-hart-macht Ja" bzw. Nein zum Leben ohne Wenn und Aber" gegen windelweiches Lamento, vorgetragen, nein leidend-demütig: -gesungen, mit der vibrierenden Kirchenchorstimme der Politpastorin Antje Vollmer. Mit Heidegger in Seinsandacht, was immer für ein garantiertes Ungemach solche metaphysische Gesamtschau-Entrückung einem einbringt. Horstmanns Bart (Nietzsche !) und Outfit (Heidegger !) machten bei seinen Fernsehauftritten in der Kulturecke selbst dem blödesten Auge klar, woher der Wind pfiff. Eine kalkulierte Masche, berechnet darauf, resignierenden Protestlern mit Sinnkrise ein pessimistisches Kuschelkissen zu verschaffen. Oder die beleidigt-gehässige Reaktion des frustrierten Möchtegern-Sozialingenieurs: Ihr habt nicht auf mich gehört ? Recht geschieht`s Euch also !" fundamentalontologisch aufzumörteln. Die Botschaft ist schlicht: das große Umsonst" ist NOTWENDIG, die kollektive Autodestruktivität des Untiers" schon mit der zellularen Ursuppe angerührt. Die Grundidee der terristrischen Vermondung" aus einem science fiction geklaut, ließ Horstmann reichlich (Freud, Schopenhauer, Mainländer, Cioran...) aufmarschieren, was angesichts jahrhundertelangem Gekämpfes und Gewürges des sprechenden Tiers" von existentialphilosophisch kommentierenden jeweiligen Zeitgenossen quintessenzlich und blitzgescheit in der Art von Helmut Qualtingers famosem Herrn Karl auf den fulminanten Allzweck-Begriff gebracht wurde: Eins weiß I genau, der Mensch is a Sau". Und das inhaltsleer-tautologisch begründet mit Freud: worauf lässt organisierter Krieg , - also akribisch-systematisch geplanter und durchgeführter Mord und Totschlag in großem Stil, mit dem ein staatspolitischer Wille einen anderen, ihm entgegenstehenden ganz prinzipiell brechen will und in der Tat ein auffälliges soziales Phänomen, kaum dass der homo sapiens sich durch Busch und Bäume hangelt und sich von Domestizierung vortäuschendem Hund und Katz ausbeuten lässt -, schließen ? Auf die von ihm aparte Urbereitschaft, ihn zu führen. Fürwahr: ohne kollektive Bereitschaft, ihn zu führen und mitzumachen, gäb`s ihn wohl nicht, er bricht" nicht aus wie ein Vulkan (wenngleich seine destruktiven Resultate dem gleichkommen oder sie noch weit übertreffen mögen). Und was beweist aber, dass es die einfach so urwüchsige Bereitschaft, ihn zu führen, den Autodestruktiontrieb", unabhängig von ihm bzw. den Zwecken, die mit ihm verfolgt werden, gibt, quasi als eine immerwährende und sich stets gleichbleibende ontologische Substanz ? Nach (miserablem) existitalphilosophischem Seinsbefund: dass er (immer wieder) geführt wird. Immer wieder halt Gleiches, dem eine durchwesende GleichHEIT, eben jener Kollektivtrieb, zugrundeliegen soll. Weil gäb`s die Bereitschaft nicht, würd er ja nicht geführt werden...Dieser tiefgründige zirkuläre Blödsinn hat offenbar Charme. Denn er erspart einem, auch nur einen durchdachten Gedanken darauf zu verschwenden, welche Zwecke denn da sich jeweils kriegerisch geltend machen wollten und wollen. Und wieso die, die dafür als Menschenmaterial der jeweils heiligen Sache (gehören immer mindestens, das wusste schon der alte Clausewitz, zwei dazu, die sich wechselseitig das Gesetz geben", also von wegen ein homogenes Subjekt namens Untier") draufgehen, sich das nicht nur verordnen lassen. Sondern auch noch mit Hurra" zwei Meter vorwärtsstürmen, bevor sie die erste Kugel niederstreckt (ist also nicht so, dass es da nichts zu ergründen gäbe; nur ist da eben nichts NOTWENDIG und deterministisch gemeißelt. Selbstreflektiert laut und vernehmlich Nein-sagen und Nein-tun zu können ist eine Eigenart der kreativen menschlichen Freiheit).

IV

Dem affirmativ-geistlosen Es ist so weil`s so ist und es ist schlecht und damit gut so" Weltsinnsbefund, der einfach misantrophisch VIELES abstrakt in EINEN Topf wirft und es zu einer Fits-for-all-Meta-Konstruktion verrührt, hat Horstmann dann noch die Idee der Veranstaltung einer apokalyptischen Abschlußparty (vom Freidens- ins Untergangshappening) drangehängt. Für friedensbewegte Bonhommie-Optimisten mag das Heftchen damals da und dort schocking" gewesen sein: Aber man müsse doch auch das Gute" sehen" usw. blah blah blah...

V

An den kulturindustriellen Erfolg von Sloterdijlks Angebot" eines postmodernen platten Opportunismus, - dem Großentwürfen" entsagenden Mitmachen und, vor allem, Mitnehmen, das sich als abgeklärt-kritischer Zeitgeistvoyeurismus spreizen konnte (eine philosophische Begleitmusik des DenkHandelns der Fischer & Co. also) -, kam Horstmanns Bändchen jedoch bei weitem nicht ran; obwohl sein Zeugs, das muß man ihm lassen, weitaus geschliffener als Sloterdijks assoziativer Laberschwurbel (nur eine freche Simulation von Heideggers echtem Fragen") geschrieben war. Wenngleich, mit Schophenhauer gesprochen, er mit Das Untier" nichts wirklich durchdacht Gedachtes geschrieben hatte, machte Horstman wenigstens diesen Resteindruck formaler Eleganz dann allerdings mit folgenden, unsäglich platten Aphorismenbändchen (zwischenzeitlich deren vier) auch noch zunichte: "Ein Skandal, wie die Empörungsbereitschaft schwindet !" usw. usf. Denkeintagsfliegen. Nichts als ranzige Pseudo-Oscar-Wilde-Thaliabuchhandlungs-Kalenderzoten für ins Alter kommende Deutschgymnasiallehrer, die ihre sinnsprucharchivie-rende Denkvertrocknung partout und penetrant mit Esprit verwechseln möchten . Und sein Romanversuch Patzer" (1990 erschienen bei Haffmanns, wo man wohl meinte einer immerhin sehr ordentlichen Schopenhauerwerkausgabe gleich das zähe Gewürge eines kleistmafiabepreisten späten Schülers" des Meisters dranflanschen zu müssen) ist literarisch nur mehr einzig und allein...genau das.

VI

Daß sich sein Begrüßen wir seinsbejahend den atomaren Weltuntergang, wir haben dann das Gekrampfe endlich tutti quanti hinter uns"-Pamphlet mit dem (vorerstigen) Ausbleiben des dritten Weltkriegs als schwarze Prophetie eines ontologischen Gauklers peinlich erledigt hatte, hat er - alle Achtung vor dieser Marketing-Chuzpe ! - zwischenzeitlich für`s Weiterspinnen der Masche produktiv gemacht. Denn das Heftchen wurde a) neu aufgelegt und nunmehr in die Tradition von Jonathan Swifts Bescheidenem Vorschlag" (*), einem schwarzhumorigen Klassiker, gestellt. Und b) folgte dem so anders kontextualisierten" Traktat ein Büchlein, in dem Weltuntergangsphantasien als DAS Mittel ausgelobt werden, diesen gerade (vorerst) zu verhindern (**). So übertrifft das pessimistische Menetekeln sogar noch das einstige Pascalsche Kalkül zur Nützlichkeit des Gottesglaubens gegenüber dem Nicht-Glauben. Kommt das Schlimmste (vorerst) nicht, hat gerade die Prophezeiung, es komme unausweichlich, sein Kommen verhindert. Da das aber nur vorerst" gilt, muß natürlich weiter das Schlimmste als notwendig kommend prophezeit werden, damit`s auch weiterhin nicht kommt. Und wenn`s dann doch irgendwann, joh mei (Franz Beckenbauer), halt dann doch kommt, dann hat der Prophet es ja immer schon gesagt (und es half auch nicht mehr, es als kommend zu prophezeien, um es zu verhindern). Erfüllt oder nichterfüllt: man hat also immer was davon. Zur Immunisierung ihrer verrückten Meta-Konstrukte könnten die Mainstream-Ökonomen von dieser Art der Prognosik noch was lernen. Denn den Nutzen ihrer stets und notwendig fehlgehenden Prognosen haben sie bisher nur kindsköpfig trotzig (aber bestens dotiert) so erklären können, dass ihre Theorie 100 pro stimmt, nur nicht die Wirklichkeit. Also, Ökonomenkasper: einfach nicht immer das Beste (das blöde: Mehr Mehr Mehr) prognostizieren, sondern das Schlechteste (Nichts).

VII

A propos Nichts": wer im übrigen ernsthaft etwas existentialphilosophisch/ontologisch recht Gescheites (und auch stilistisch sehr gut Lesbares) studieren will, das würdig in der sprachklaren Tradition Schopenhauers und metaphysikkritisch darüber hinaus gedacht ist, der lese Ludger Lutkehaus, Nichts. Erstaunlich, was sich darüber auf 766 Seiten sagen lässt, obwohl nichts" nicht als das Dual zu einem Sein, als ein abstrahiertes" Sein, gedacht werden kann. Deshalb ist es aber nicht nichts...Dagegen jedenfalls ist Horstmann nur philosophische Trivialliteratur, Feuilleton halt...:-))

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(*) angesichts der von England veranstalteten frühkapitalistischen Barbarei bzw. der Kinderausbeutung im kolonial vereinnahmten Irland empfahl Swift in einer galligen Satire, die Kin-der der working poor doch gleich zu fressen und präsentierte hierfür allerlei gourmetspitzfindige Kochrezepte. Eine engagierte Empörung wie die Swifts soll nun auch als das eigentliche" Motiv Horstmanns für sein Traktätchen verkauft und damit vergessen gemacht werden, mit welcher misantrophischen Abgebrühtheit er in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts daherkam (und wofür er sich von den Lohnschreibern des Kulturüberbaus abfeiern ließ). Na-türlich war auch das eine Marketingmasche, eben an attitude of nihilism and extreme distaste for the world" (wikipedia). Diese Maskierung ist zwanzig Jahre später obsolet, auch weil aus dem zweiten Schopenhauer" nichts geworden ist. Obwohl doch die Konstellation dafür denkbar günstig gewesen wäre: mit Sloterdijk hat sich ja mittlerweile ein zweiter Staatsphilosoph a la Hegel und Heideggerkenner erster Güte", also eine besonders verkom-mene Art der Universitätsphilosophie inthronisiert. Aber da selbst durch und durch kulturindustrieller Geschäftemacher langte da der zweite Schopenhauer" im Stile des Originals na-türlich nicht hin, hätte er sich ja den Ast abgesägt, auf dem er selber saß, als Kleckerles abpat-zender Spatz neben dem fetten, stets und immer grundstürzenden" Zeitgeistgeier Sloto.

(**) So die Buchauslobung auf dem Backcover.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 17, 2014 11:08 AM MEST


Wert, Geld und Kredit in der Theorie von Karl Marx: Zu monetären Aspekten der "Kritik der Politischen Ökonomie"
Wert, Geld und Kredit in der Theorie von Karl Marx: Zu monetären Aspekten der "Kritik der Politischen Ökonomie"
von Alexander Schomandl
  Broschiert

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Oldie but Goldie, 8. März 2014
"Jedes Urteil wissenschaftlicher
Kritik ist mir willkommen"

(Karl Marx)

"Das Geld ist ein "gesellschaftliches
Verhältnis" - hierin hat Marx schon Recht.
Nur - was ist der Inhalt dieses "gesell-
schaftlichen Verhältnisses" ?"

(Alexander Schomandl)

*

Ein "Klassiker" der verständigen Marx-Kritik aus 1985, der auch den Untertitel tragen könnte: "Zur Kritik der Kritik der Politischen Ökonomie" und dessen (keiner "Schule" zuordenbarer) Autor Marxens Aufforderung zur wissenschaftlichen Kritik seiner Ökonomie beim Wort nimmt. Im Mittelpunkt steht die minutiöse Auseinandersetzung mit der Wert- und Geldtheorie Marxens, wie sie nach mehrfacher Überarbeitung schließlich in den ersten drei Kapiteln der vierten Auflage des ersten Bandes des "Kapital" (erster Abschnitt: Ware und Geld, MEW 23, S. 49 - 160) formuliert worden ist. Dabei wird auch die Genesis der Marxschen Vorstellungen herausgearbeitet und gezeigt, daß die Schwierigkeiten der Rezeption des Anfangs des "Kapital" aus Inkonsistenzen der von Marx intendierten "Geldableitung" herrühren. Obzwar der Autor die Arbeitswerttheorie in der Marxschen Form ("Pfannenkuchentheorie des Werts") als invaliden Erklärungsansatz für das gesellschaftliche Verhältnis Geld unnachgiebig begründet verwirft und als implizit vorurteilsbelastete Projektion der Geldabstraktion auf die Arbeit kritisiert, erklärt der damit Marx mitnichten für "erledigt". In Auseinandersetzung mit den "Grundrissen" rekonstruiert er vielmehr einen völlig andersgearteten, "phänomenologischen" Ansatz Marxens zur Gelderklärung, der es erlaubt ohne "metaphysische Spitzfindigkeiten und Mucken" - also "entsubstantialisiert" und damit auch ohne Goldstandard - den Sachverhalt verständig in den Blick zu nehmen. Damit ist allerdings auch der kausal-lineare Versuch, aus einer "Elementarform" deduktiv das "Bewegungsgesetz" der "Gesellschaften, in denen kapitalistische Produktionsweise" herrscht, aufzudecken und "bis zu den Gestaltungen der Oberfläche" zu verfolgen, als dualistische Schimäre (ein von den "Erscheinungen" apartes "Wesen") verabschiedet (*).

In der Rekonstruktion der Marxschen Kreditheorie zeigt der Autor, daß der Kredit bei Marx "von Anfang an" als "Folgesatz des Geldes" verstanden ist und als essentieller "Hebel" und integrales Moment des kapitalistischen Prozesses ("das Kapital" ist in schlechter Unendlichkeit prozessierendes Geld) gedacht werden muß. Ein apartisierender Dualismus von "Real"- und "Finanzwirtschaft" liegt Marx also fern (beide "Anlagesphären" sind ihm makroökonomisch nur "Kapital-Fraktionen", deren "innerer" Zusammenhang sich durch ihre äußerliche "Verknöcherung" gegeneinander, im Kampf um die "Beute", durchsetzt); jedoch vermeinte er dabei den altehrwürdigen Wucher "letztlich" dem industriellen Kapital subsumiert (die Wuchertendenz "eingehegt"). Kritiker Marxens, die ihn aufgrund seiner zirkulären "Geldableitung" aus einer transitiven Tauschstruktur (**) umstandslos mit neoklassischen Geldentstehungs- und -verwendungsvorstellungen (die tatsächlich Geld "hauptsächlich" als eine äußerliche numeraire-Imputation in eine "real" determinierte Struktur ansehen, nicht aber als "nervus rerum") ineins setzen wollen, haben somit nach Ansicht des Autors nichts von Marx verstanden und legen ihm etwas zur Last, was ihm nicht angelastet werden kann. Marx dagegen, dem Autor folgend, wußte, daß der Kapitalismus nur "monetär" zu verstehen ist - oder man hat gar nichts verstanden. Und dieses Verständnis beginnt beim "Geld als Geld". Hierfür kann bei Marx als kritischem Vollender der ökonomischen Klassik, gerade auch in der Kritik seiner Fehler, immer noch sehr viel gelernt werden.

Das Buch - das Typoskript einer an der LMU München eingereichten Dissertation - ist an und für sich nicht der Schwerverständlichkeit anzuklagen und kann auch von am Thema interessierten Lesern, die keine ausgesprochenen "Spezialisten" sind, mit Erkenntnisgewinn gelesen werden. Aber es ist definitiv keine populäre "Marx für Anfänger"-Schrift, da u.a. die Marxsche "Ableitung des Werts durch Analyse der Gleichungen, worin sich jeder Tauschwert ausdrückt" (MEW 23, S. 18) als explizit mathematische Struktur (transitive Äquivalenzrelation) untersucht und in dieser Sprache kritisiert wird.
________________________________________________________

(*) diese materialistische "Verdoppelung" führt, je näher die Marxsche Analyse vorgibt, der "Oberfläche" zu kommen, in absurde "Übersetzungsprobleme" bzw. artifiziell geschraubte Versuche nachzuweisen, daß offensichtlich nicht "arbeitswert-", sondern geldmotivierte Handlungen "letztlich" "hinter dem Rücken" den auf der "Wertebene" "entdeckten" "Gesetzen" unterliegen. Dieser Unsinn folgt daraus, daß sozialökonomische Sachverhalte völlig unausgewiesen als "wesenhaft" quasi-naturwissenschaftlich in "Gesetzen" beschreibbar (modellierbar) und diesen unterliegend behauptet werden. Der "reife" Marx wurde nicht müde sich zu einer solchen Anschauung des Sozialökonomischen zu bekennen, die sich nicht aus den in Frage stehenden Sachverhalten heraus begründet, sondern ein auf Adäquanz hin unreflektiertes methodisches Vor-Urteil ist. Insofern ist Marx auch Ökonom unter Ökonomen und nicht Kritiker der ökonomischen Denkform. Was ihm (durchaus zweifelhafte) höchste Komplimente von der Kritik der Politischen Ökonomie durchaus unverdächtigen Ökonomen einbrachte (vgl. z.B. M. Morishima, Marx`economics). Der Autor weist aber darauf hin, daß es vom "jungen" Marx an parallel hierzu einen Argumentationsstrang in seinem Werk gibt, der, konsequent durchdacht, dieses naturwissenschaftlich-objektivistische Denkmuster tatsächlich radikal in Frage stellt (so fallen ihm u.a. hellsichtig bei anderen grundlegende Fehler dieser Denkform auf, in die er dann allerdings selbst verfällt). In dieser "Doppelung" ist Marx implizit der erste scharfe Kritiker dessen, was (beim "Nachlaßverwalter" Engels mit seinen ambitionierten Bemühungen, die "neue Anschauung" als umfassende "dialektisch-materialistische" Weltanschauung zu systematisieren, angefangen) von den Epigonen dann zum "Marxismus" bzw. "wissenschaftlichen Sozialismus" kanonisiert wurde. Dies erweist ihn eben als "Klassiker", dessen Denkbewegung noch offen und nicht unhinterfragt in einem axiomatisch fest geronnenen Muster gebannt ist. Daß er zu Lebzeiten an theoretisch epigonalen "marxistischen" Leistungen z.B. seines Schwiegersohns Lafargue keinen Gefallen fand und sich von diesen sarkastisch distanzierte ist bekannt.

(**) diesen Zirkel versuchte in neuerer Zeit von marxistischer Seite exponiert M. Heinrich, Die Wissenschaft vom Wert, 1999 ff., in seiner "monetären Werttheorie" (ebenda, S. 196 ff.) zu umschiffen. Er gibt damit aber implizit die Substanzvorstellung des (Arbeits-)Werts und damit die aparte "Wertebene" auf (und weicht der Beantwortung der Frage, wozu dann die redundante "Arbeitswertparallelrechnung" überhaupt noch benötigt wird, beharrlich aus). Dieser "Revisionismus" Heinrichs führte zu nicht endenwollenden Auseinandersetzungen mit anderen - im übrigen ebenfalls "revisionistischen" - Marxinterpreten, die gerade diese Substanzvorstellung als das A und O der Marxschen Ökonomie ansehen wollen (und die diese in einem Marx noch übertreffenden kruden Physikalismus "fortentwickelt" haben).
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 18, 2014 12:31 PM MEST


Worte des Vorsitzenden Mao Tse-tung
Worte des Vorsitzenden Mao Tse-tung
von Zedong Mao
  Sondereinband

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Moralisch Aufrüstendes für jede (Kampf-)Gelegenheit, 17. Februar 2014
Nur intellektuelle Snobs rümpfen die Nase. Und überlesen dabei Einiges. Ein echter ML-Kracher, hart, aber herzlich und alles beieinander, was es an staats-mao-ralisch Kernigem so auf dem langen Marsch des Volksfreundes "in die Vorstufe des Paradieses" (Horst Seehofer) braucht. Umstandslos und unverdruckst geht`s zur Sache. "Alles, was der Feind bekämpft, müssen wir unterstützen; alles, was der Feind unterstützt, müssen wir bekämpfen." (so gesprochen am 16. September 1939) Sowas ungemein Identitätsstiftendes leuchtet noch jedem Hooligan ein, da stimmt die Orientierung einfach. Klaro auch, daß die Atombombe ein Papiertiger ist, also was da niedergeht sowas wie Konfetti. Läßt der, der "in geschichtlichen Zusammenhängen denkt" (F.J. Strauß) sich doch das Frühstück nicht davon verderben. Und 24 Stunden fulltime selbst- und klaglos der großen Sache dienen, dienen, dienen und nicht fragen, was der ganze Geiz denn eigentlich soll und wofür er gut ist außer eben dienen, dienen, dienen gibt`s hierzulande herrschaftlich auch jeden Tag zu hören (wenn man genau hinhört). Muß sich der große Chairman (*) und "Prophet seines Volkes" (F.J.Strauß) hinter den Worten von "das Gauck" oder Außensteinmeier - "Zu groß um zu klein zu sein" - jedenfalls nicht verstecken, weil durchaus kongenial im Einspannen und Rannehmen für die große Sache. Die Miniaturausgabe (mit Lesefaden ! Damit man später weiß, wo einen der Hirnschlag getroffen hat) ist die Putzigste. Ein Must-Be in einer gut sortierten Alltimes Worst-Sammlung. Gleich neben L. v. Mises, Ayn Rand, PC Martin...(also Zeugs, das von der ersten bis zu letzten Zeile ebenso ganz der obigen Kampf-Maxime gehorcht)
______________________________
(*)zwischenzeitlich offiziell und als Sprachregelung u.a. für Touristenführer von seinen parteikapitalistischen Erben zum Begründer des modernen China bzw. Landesvater mit 70 % "Verdiensten" (um die nationale Sache) und 30 % "Fehlern" (verschrobene, der nationalen Sache nicht dienliche Wirrnisse wie ein "großer Sprung nach vorne" oder die "Kulturrevolution") erklärt. Wie Mao selbst es also seinerzeit mit Stalin hielt. So taugt der Chairman in der Form des museal endgelagerten Nationalinventars prima weiter als kampfgelegentlicher Stichwortgeber für die Staatsmoral und behindert dabei die Zwecke des praktichen Politik- und Wirtchaftmachens bzw. den ganz auf die Parteiherrschaft des Geldes setzenden "eigenen chinesischen Weg zum Sozialismus" (dieses Bonmot ist nach Wissen des Rezensenten bis heute noch nicht außer Sprachkurs gesetzt) nicht.


Das Gespenst des Kapitals
Das Gespenst des Kapitals
von Joseph Vogl
  Broschiert
Preis: EUR 14,90

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Unerhörte Ereignishaftigkeit - ein Ökonomieessay als Verbal-Viagra für Feuilletonisten, 1. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Gespenst des Kapitals (Broschiert)
"Und das ist der opake und wilde Überraschungsraum, in den sich unsere Gesellschaften hineinfinanziert haben". "Das" meint dabei eine vorhergehend als dernier cri bzw. neuste Kostümierung des altehrwürdigen Hegelschen Weltgeistes ausgemachte "arkanhaft gewordene Ungewissheit", "die Entscheidungen fällt", "die in ihrer Ungebundenheit, in ihrer Gesetzlosigkeit schicksalhaft werden." Und das ist der Schlußsatz von Joseph Vogls (von einer bekannten Marxsentenz titelinspiriert) "Das Gespenst des Kapitals", S. 178, und wohl auch der Beste, ein absoluter Höhepunkt.

Nicht, weil der Satz nun allzu viel besagt. Er sagt nämlich eigentlich gar nichts. Denn was da mit "arkanhaftem" Verbalschlonz tiefsinngemunkelt wird, hätte Franz Beckenbauer, was die ontologische "Aussageessenz" betrifft, ganz einfach hingekriegt. Etwa so: "Da geht`s vielleicht wild zu im Finanzkapitalismus, wie im Voglhäusl, blickt ma ja gleich goar nix mehr, sakrament !" (um dann natürlich sogleich entschuldigend zu seinem derzeitigen Liebslingsthema, dem "Überraschaungsraum", in den sich sein Vereins- und Seilschaftskumpel Uli Hoeneß, die Mutter Theresa von der Säbener Straße, "hineinfinanziert" hat, überzuleiten). Mit diesen eher schlichten, aber pfeilgrad bodenständig noch in dieser Welt waltenden Worten wäre zugleich auch ein Quidproquo vermieden. Namentlich das, Nicht-Wissen der kapitalökonomischen Akteure darüber, was ihr eigenes geldgierig-anarchisches DenkHandeln als nächstes an katastrophischen "Verwerfungen" sozialer und natürlicher Art hervorbingt, zu einem geschichtsträchtig waltenden Subjekt "Ungewissheit", das "Entscheidungen fällt", zu stilisieren.

Nein, der finale Satz ist so bedeutend, weil es damit der auf den vorherigen 177 Seiten des sich Essay nennenden Assoziations- und Schwafelbandwurms sehr geplagte Leser endlich hinter sich hat und eine drückende Last von ihm abfällt. Die Last, reihenweise Als-Ob-Gedanken wenigstens einen noch nur irgend verstehbaren Rest-Sinn abzugewinnen. Geht aber nicht. Was soll, eine der Wenn-dann-während nämlich-stets heimgesucht-Lieblingsstellen des Rezensenten:

"Wenn man Krisen allgemein als Verwirrung von Erfahrungsräumen und Erwartungshorizonten oder mit Blumenberg als "Erlebbarkeiten des Zeitenzerfalls" bergreifen wollte (und was ist, wenn nicht, weil das ein Galimathias ist ?, R.), so wird die krisenhafte Dynamik der Finanzökonomie durch eine Verwerfung unterschiedlicher Zeitordnungen strukturiert. Während nämlich (nach dem vorherigen wenn - dann unbedingt logisch !, R.) Finanzmärkte nach irdischer Unaufhörlichkeit streben, während ihre Subjekte sich über ihre eigene Endlichkeit hinwegträumen und das Kapital selbst danach verlangt, die obskuren Kräfte der Zeit zu besiegen und seine Hindernisse auf dem Weg in eine schrankenlose Zukunft zu beseitigen, wird dieses chrematistische Streben stets durch bemessene Dauern, fixe Termine, fällige Zahlungen, also durch die Umstände endlicher historischer Zeiträume heimgesucht." (S. 173)

denn da noch - mit oder ohne Blumenberg und Aristoteles- ins irgend durchdacht Denkbare herüber zu retten sein ?... Eben. Bei Marx hieß das wenigstens noch trocken und als Gedanke auf den kategorialen Prüfstand nehmbar: das Kapital (seine ineinander verschränkten Fraktionen" als Makro-Einheit verstanden) produziert gerade mit den Mitteln seiner Akkumulation seine Schranken, welcher systemimmanente" Widerspruch sich wiederkehrend und auf eskalierender Stufenleiter in der Krise, regelmäßig eingeleitet als Finanzkrise, manifestiert. Ist doch (wenngleich einiges Kritisches dazu zu sagen wäre) wenigstens ein klares Wort. Gerade das aber ist nicht des wissenschaftlichen Literaten Vogls Welt. Er will das Kapital - dichten, mit metaphorischen Girlanden schmücken und in Allegorien hüllen. So - unter dem "literarischen Zusammenschnitt von kanonischen Formeln älterer und neuerer Kapitalismusananlysen" (S. 14) will auch der hauptberifliche Literaturwissenschaftler Vogl es nicht halten, was schmerzlich zu Lasten des klar Gedachten geht - wird "das Kapital" zum geheimnisvoll herumwesenden Gespenst stilisiert, statt als Fetisch einer mechanisch-stumpfen sozialen Gewohnheit, mit allerdings einigen "Überraschungen" in ihrem makroblind herumfuhrwerkenden Gefolge, ent-täuscht. Seinen Text kann man nicht nüchtern denken. Den muß man mit literarischem Hochgefühl beten und singen. So - und nur so - festlich gestimmt und mit Poesie am klar Gedachten zielsicher vorbei ist man denn bereit, darüber hinwegzusehen, daß sich das seitenlange überzuckert-nervös-konfuse Gerede (was macht Vogl nur aus Minsky, man lese dazu im Original oder bei Keen, für einen enthusiastisch angerührten Brei !) von "zukünftigen Zukünften", "Zukunft und deren Zukünften", "künftigen Gegenwarten","gegenwärtigen Zukünften" in allerlei "Räumen" und "Formaten", auf den Punkt gebracht, nur auf elend platte Kalendersprüche reduziert: "Es kommt immer anders, als man denkt." (S. 170) Wieder mit Franz Beckenbauer: "Jo da schaug her, wer hätt jetzad nachad dös denkt ?" Ein Buch, so wirksam wie ein Crash - in der Tat, ein Crash, wenn nicht ein Super-GAU, jeglich kritisch zu den in Frage stehenden Sachverhalten Gedachten. Zwei, drei nette Formulierungen - ja, die gibt es tatsächlich auch - retten da gar nichts.

Was also Sloterdijk(*) in Philosophy ist Vogl in Economics. Daß an sachlicher Ökonomiekritik nichts in seinem Essay neu ist, ist sicher kein Mangel. Es spricht nichts dagegen, Bekanntes neu zu durchdenken, es zu systematisieren, zu pointieren, zusammenzufassen usw.. Wohl aber, daß durch sein "poetisches Format" Bekanntes weit unter dem Niveau des state of the debate expliziert wird. Vogl erklärt nicht wirklich sorgfältig, welchen absurden Unsinn die herrschende ökonomische Denkform z.B. in der Gleichsgewichtstheorie GLAUBT. Er kritisiert auch nicht den Wahnsinn, mit solchem Zeugs gedankenmunitioniert wirtschafts- und sozialpolitisch auf die Welt loszugehen. "Geistreich" zu sein ist ihm viel wichtiger als kategorial sauber zu explizieren. Und ein an den mittelschmalen Text anschließender vierzigseitiger Anmerkungs- und Litereraturapparat kann auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Umgang mit ganz vielen Büchern noch keineswegs bedeutet, das darin Gesagte wirklich verstanden zu haben. Für die Feuilletonschreiber von FAZ bis SZ wirkte Vogls "kapitalistische Oikodizee" **), die er mit seinem Essay weniger kritisiert denn zelebriert, natürlich elektrisierend. Ein zungenschnalzend-lobhudelnder Superlativ jagte den anderen und ein einziger klebriger Brei verschmiert das Back-Cover: "frontaler Angriff auf die dorischen Säulen der Wirtschaftswissenschaften" (ZEIT), "So pointiert, faktengesättigt und geistesgeschichtlich inspiriert kommt keine zweite Analyse unseres Wirtschaftssystems daher" (FAZ). Es gruselt einen. Ja, da haben sie sich allesamt in ihrer ureigenen Ambition wiedererkannt: genau so was verschwiemelt-schwammiges möchten sie auch schreiben. Weil das genau ihre Art des "Denkens" ist. In dem, was sie da loben, loben sie also letztlich nur ihre eigene Vortrefflichkeit. Wie grundehrlich dagegen ist die nur zu verständliche Verärgerung eines armen Studikers hier, dem Vogls "Format" als Pflichtlektüre für seine Arbit verdonnert worden war. Nachhaltiger als mit solchen exquisiten literarischen "Einfällen" kann die - allzeit und unerbittlich fällige - Kritik der Politischen Ökonomie nicht desavouiert werden. Denn solches derridasches Zeugs ersetzt nur eine gedankliche Wirrnis - die herrschende ökonomische Denkform ist eine einzige kopfverderbende Katastrophe - durch eine andere.
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Anmerkung:

(*) dieser Großmeister des garantiert gedankenfreien Worts hat sich als ebenfalls "Fachfremder", das Theater der postmodernen Absage an "Großentwürfe" hinter sich lassend, mit, Eigenbewerbung, "lichtstarker Optik" "grundstürzend" 2006 "Im Weltinnenraum des Kapitals" herumgetrieben und dabei u.a. zwei sich grundlegend widersprechende Theorien zum "Wesen des Kapitalismus" gleichzeitig vertreten (so man das kryptische Gegacker dazu so nennen will). Einmal, von Marx abgekupfert, daß die Profitrate (RoI) das A und O sei und deren mächtiger Hebel der Kredit (Verschuldung). Zum anderen, daß umgekehrt der Profit nur ein Epiphänomen des Kredits bzw. nur der Hebel sei, um aufgenommenen Kredit "rechtzeitig" zurückzuzahlen (zu entschulden). Welch letzterer Unsinn - er nennt sich "Eigentumsökonomik" oder sloterdijkisch "Kreditismus" - sich 2007 ff. ja wohl in üblicher prognosatischer Kraft ökonomischer Modellschustereien vollauf bestätigt hat.- Damit ist nichts gegen "fachfremden" Blick auf die Ökonomie gesagt, im Gegenteil. Schon Physiker und Mathematiker haben sich ja darüber gewundert, was Ökonomen da in ihren Modellen an Unrechenbarem zusammenrechnen wollen. Und auch Aristoteles war ja kein Ökonom und hat wahrscheinlich gerade deshalb zum "Wesen des Geldes" Bedeutenderes gesagt, als die Mainstreamökonomie und (leider) a lot of the critics zusammen. Genau das ist wiederum Vogl, S. 115 ff., durchaus entgangen. Von Aristoteles verbleiben "geistesgeschichtlich inspiriert" in seinem weiteren Text nur das Wort "Chrematistik" und daraus gebildete Adjektivierungen. Das ist das Grundübel dieses Textes: über das Kapital zu reden, ohne zu wissen, was Geld ist - das geht nicht gut aus. Wird nur - "literarischer Zusammenschnitt".

**) Auch auf die Gefahr hin, es mit dem "Format" zu genau zu nehmen: der Kern von Vogls Essay soll sein die "Frage nach der Konsistenz jener ökonomischen Glaubenssätze, für welche die Zweckwidrigkeiten, Übel und Pannen im System mit dessen weiser Einrichtung vereinbar erscheinen; oder eben nicht." (S. 29) Und da reicht es für Verständiges zur Sache beileibe nicht hin, "geistesgeschichtlich inspiriert" über den providentiellen mechanistischen Physikalismus der Ökonomie oberflächlich herumzuplaudern, den diese ja auch heute noch, und wenn die Lebenswelt dabei in Scherben geht, unbeeindruckt affirmiert. Auch die viel zu dick aufgetragene Parallelisierung des Erdbebens von Lissabon und des, sinnfällig wohl, "Finanzbebens" 2007 ff. als jeweiligen Auslösern von Glaubenskrisen dient nur dem belletristisch-literarischen Zweck, ein suggestives Bonmot: oikodizee zu generieren. Nur damit ist herzlich wenig aufgehellt, was es mit dem - in der Tat - Glauben (und damit eben Nicht-Wissen) der Ökonomie auf sich hat, der sich doch gerade nicht als Glauben, sondern als Wissenschaft vermeint. Da ist, statt zu meinen, mit dem Bonmot das Wesentliche schon gesagt zu haben, vielmehr schon zu fragen, was Ökonomen vor allem implizit - begriffslos vorausgesetzt - alles falsch denken, wenn sie Ökonomie so wie in ihren mathematisierten Modellen denken wollen, also die "Philosophie hinter der Philosophie" zu entbergen. Und warum sie deshalb bei der Erklärung ökonomischer Sachverhalte auch scheitern müssen, weil sie sie in ihrem Wesen grundlegend verfehlen (dazu böte sich die Finanzmarkteffizientheorie, deren ökonomienobelpreisprämierte Zauberformelerfinder als Probe aufs Exempel ja gleich eine grandiose Hedgefondspleite längst vor 2007 ff. hingelegt hatten, geradezu an). Hierzu jedoch - die einzige Möglichkeit, dieses falsche Denken wirklich loszuwerden - kommt von Vogl ernsthaft nichts außer begeisterten Wortspielen bzw. Versatzstücken luhmannscher Systemtheorie von wegen "gegenwärtigen Zukünften" und "zukünftigen Gegenwarten" etc., zu denen wohl eher kurzweilige SF-Romane "inspiriert" haben denn saure "Arbeit am Begriff".

*

PS: Schönes Zusammenspiel - was die rezensierende Fangemeinde im Ping forderte und damit zu befürchten war: "Was aber etwas untergeht, ist die heutige Mechanik der Staatsfinanzierung in Zusammenhang mit den Finanzmärkten zu erläutern. Vermutlich ergäbe das ein weiteres Buch." hat Vogl offenbar im Pong zwischenzeitlich wahr gemacht. Im Juni 2014 soll die Fortsetzung erscheinen. Liest man die Vorankündigung, dann ist ein wirklich nahtlos an "Das Gespenst des Kapitals" anschließendes "Format" zu erwarten. Kommt also wieder was auf bedauernswerte Studiker zu.

PPS: Das hier wiedergegebene Interview mit Vogl zu seinem Essay hat den vergleichsweisen Vorteil, dass darin in weitgehend Prosa zumindest einigermaßen zusammenhängend klar wird, was seine Kerngedanken sind und worauf er eigentlich hinaus will. Es wird darin auch überdeutlich, daß das, was offenbar für Vogl neu war (und er deshalb wohl für grundlegend neu hält)und so es durchdacht Gedachtes darstellt, alles längst (und, das ist die Kritik, besser, weil eben durchdacht) gesagt ist. Beim erreichten state of the debate, damit dem Möglichen, ist sein "literarischer Zusammenschnitt" also doppelt überflüssig: als "Zusammenschnitt", wohlwollend gesagt, oberflächlich verkürzt, als "Literatur" mit seinen wuchernden Assoziationsbrocken ungenießbar. Es gibt keine größere Lesezumutung als einen Autor, der zwar etwas sagen will, aber nicht weiß, was genau. Der "inspirierte" Einfall ist ein Reinfall.
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 18, 2014 8:02 PM MEST


Erfolgsfaktor Kreativität
Erfolgsfaktor Kreativität
von Karl-Heinz Brodbeck
  Gebundene Ausgabe

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ökonomiekritischer Wolf im Paradigmenschafspelz, 23. Januar 2014
Dieses Buch aus 1996 - das, entgegen anderen gängigeren Werken des Autors bis heute keine Neuauflage erlebt hat - ist wohl eines der eigenartigsten auf der Publikationsliste des Ökonomen und Philosophen Karl-Heinz Brodbeck (und, was den Rezensenten betrifft, zugleich das Spannendste in der Denkentwicklung des Autors, denn es markiert einen Scheideweg). Dies beginnt schon beim Titel. Ganz im Stile der damals in der Managementliteratur gängigen Kreativitätsmode wird der "Erfolgsfaktor Kreativität" auf dem Buchumschlag als ein Summum Bonum mit steil nach oben zeigenden Pfeilen, wie man sie aus Businesspräsentationen bis zum Überdruß als Untermalung der immergleichen (und daher ziemlich unkreativen) Erfolgsbotschaft eines unaufhaltsam voranschreitenden "Immer mehr" kennt, illustriert und im Untertitel als "Die Zukunft unserer Marktwirtschaft" ausgelobt. Nach vordem ganzheitlichem Marketing oder fraktaler Unternehmenskultur nun also Kreativität als der neueste Dreh, müden kapitalistischen Bilanzen, die ganz sicher nicht vereinnahmend die "unseren", sondern die einer natürlichen oder juristischen Person, die eifersüchtigst darauf achtet, das Ihre eingehegt und alle anderen davon ausgegrenzt zu haben, sind, auf die dynamischen Sprünge zu verhelfen?

Diese Titelgebung mitsamt eindeutiger Bebilderung verwundert, da der Autor bereits seit etwa 15 Jahren publizierend dafür bekannt war, gerade das technizistische "Faktorkonzept" der Mainstream-Ökonomie im allgemeinen wie dessen Ausdehnung auf eine durch beständigen (destruktiv-)kreativen Wandel in Produktion und Konsumption gekennzeichnete Ökonomie, nämlich "unsere Marktwirtschaft", grundsätzlich kritisch in Frage zu stellen. Und eben noch, in seinem Buch "Entscheidung zur Kreativität" (1995) hatte Brodbeck höchst unkreative Vorstellungen, Kreativität sei so etwas wie ein technisches Programmwissen um den Gebrauch eines Werkzeugs oder ein Verfahrenswissen, mit dem ein Handlungsziel herbeigewerkelt wird, als an der Sache völlig vorbeigehend kritisiert: " Wer über eine Technik verfügt, der weiß, wie und was er zu tun hat. Das Wort Kreativität" verwenden wir aber, wenn etwas Neues entsteht oder wenn etwas auf neue Weise gemacht wird. Wenn wir über eine Technik zur Herstellung von etwa Neuem verfügen würden, dann müssten wie bereits wissen, was dies Neue ist. Wenn wir das aber wissen, dann ist es entweder nicht mehr neu oder der kreative Prozeß ist bereits abgeschlossen. Etwas Neues erklären heißt; es entdecken." (a.a.O., S. 48)

Entgegen der Suggestion des Titels handelt dann das Buch auch von etwas ganz anderem, nämlich u.a. von der Versklavung der menschlichen Kreativität unter eine Gewohnheit, das kaufmänisch rationale DenkHandeln, zum banalen und öden Zweck der unendlichen Geldvermehrung. In dieses Prokrustesbett gezwängt - das ist die Pointe des "Erfolgsfaktors" - wird Kreativität zur Waffe des Wachstumsdiktats. Was Brodbeck tatsächlich also in dem in 3 große Abschnitte gegliederten Text - der, ganz anders als sein logisch-massiver elfhundertseitiger Brocken "Die Herrschaft des Geldes" (der auch den Untertitel tragen könnte: Abgesang auf die Ökonomie)13 Jahre später, aus vielen Puzzlesteinen und Miniaturen fast aphoristisch zusammengesetzt ist - abhandelt kann man wohl am Besten als "Grundzüge einer postmechanistischen Ökonomie" zusammenfassen. Dazu werden im ersten Teil die herrschende Dogmatik der mechanistischen Interpretation des Sozialen und deren Widersprüche seziert und die Notwendigkeit des grundlegenden "Paradigmenwechsels" begründet, so es um den Anspruch der Ökonomie, eine Wissenschaft zu sein, ernst sein soll . Das "Herzstück" bildet eine subtile allgemeine Theorie des sozialen Handels im Spannungsfeld von Gewohnheit und Kreativität (Teil II: Handlung und Gewohnheit), die es dann (Teil III: Kreativität und Wirtschaft) erlaubt, die Besonderheit der modernen, marktwirtschaftlich strukturierten Gesellschaften als über das Geld "vernetztes" und unter dem Diktat der kaufmännischen Rationalität (einer Gewohnheit) stehendes sozialen Handeln verständig in den Blick zu nehmen. Zu den wichtigsten Erkenntnisen dieser modifizierenden Applikation der allgemeinen Handlungstheorie auf das ökonomische Handeln gehört, daß die mechanische Außensicht der Ökonomen auf dieses Handeln in Innensicht nur bei starren Gewohnheitssystemen (einfache Reproduktion) ohne kreative Änderungen, also im Wortsinn eigentlich un-menschlichen Systemen (selbst scheinbar stationäre Gesellschaften bleiben nicht unverändert, sondern adaptieren Neues im Rahmen der sozialen Gewohnheit) eine approximative Berechtigung hätte. In Gewohnheiten "gebanntes" Soziales kann dann mechanisch, als eine Programmierung beschrieben werden (ist, das ist das Quidproquo der Ökonomen fast durch die Bank, aber keine Mechanik lebloser Körper !). In marktwitschaftlichen Systemen, deren (extra-)profitmotiviertes Movens die permanente Veränderung von Gewohnheiten (außer der einen, alles beherrschenden) ist*) (bzw. deren Paradox eine leere Gewohnheit -Immer Mehr von einem Abstraktum - ist, die fortwährend ihr subsumierte Gewohnheiten - Konsum, Technik, Lebensweisen - umwälzt und mit sozialen und natürlichen "Kollateralschäden" zerstört) muß die mechanische Außensicht daher notwendig analytisch wie prognostisch versagen, kann mit ihren Modellierungen nicht das erklärn, was sie zu erklären vorgibt. Sie ist wahrlich nicht von "dieser Welt". Was ihre indoktrinatorische Nützlichkeit, ihr Loblied auf eine der göttlichen Voraussicht gleiche Mechanik des Marktes bzw. des vorgeblich gemeinwohlmaximalen Krieges aller gegen alle, keineswegs hindert (und durch welche Denkprogrammierung das, was die ökonomische Theorie als "Gesetze" des subjektiven Verhaltens in der Welt sehen will, in den Köpfen der diese Disziplin Studierenden, über die dann dieses Denken sozial diffundiert, überhaupt erst hergestellt wird).

Daß der Text einen Übergang im Denken des Autors und noch keinen radikalen Abschied von der ökonomischen Denkform markiert (ganz offensichtlich hoffte der Autor zu dieser Zeit noch auf eine innere "Selbsterneuerung" der Ökonomie), wird daran auffällig, dass er im dritten Teil wesentliche Begriffe wie das Surpluskonzept (Profit ist, moderat formuliert, über die Privation des Geldes die "Abschöpfung" eines allein sozial generierten Überschusses) anhand von (an Sraffa angelehnten) Modellen illustriert und expliziert, dabei aber weiß, dass er damit genau jene Fehler gemacht hat, denen im ersten Teil die Kritik galt (S. 207). Das war, neben dem verunglückten Titel, wohl die Kreide, die der radikalkritische Wolf schlucken musste, um die Klippen der ansonsten Nicht-Veröffentlichung zu umgehen. Und, natürlich, "ganz durch" mit der Ökonomie war der Autor eben noch nicht.

Neben der stringent ausgefeilten Theorie sozialen Handelns im zweiten Abschnitt und der kritischen Zinstheorie (Kapitel 17) sind es nach Sicht des Rezensenten vor allem die Ausführungen zum "Wesen des Geldes" (Kapitel 14, in denen bereits zentrale Gedanken, so die Explikation der Markteintrittsschranke, formuliert sind, die in der "Herrschaft des Geldes" dann vertieft worden sind) , die als "Vorspiel" oder parallel zum opus magnum gelesen dessen Verständnis erheblich erleichtern können. Die perspektivischen Änderungen in der "Programmatik" des Autors werden durch den Vergleich der jeweiligen Schlusskapitel beider Bücher deutlich. "Kritik der Zukunft", das Schlusskapitel des Hauptwerks, ist im positiven Sinn ent-täuschender. Dem ökonomiekritischen ersten Teil des "Erfolgsfaktors"(wenngleich die wesentlichen Gedanken des Autors darin bereits versammelt - das ist auch die leise Kritik - sind) dagegen sind "Die fragwürdigen Grundlagen der Ökonomie" wegen der kompakteren inneren Form und Abfolge eindeutig vorzuziehen.

Insgesamt ist das Buch also zwar ein "Vorläufer", aber deshalb mitnichten überholt. Eine Neuauflage wird es sicher allein deshalb schon nicht geben, weil der Autor selbst zwischenzeitlich über die Intention der Anstimmung eines "Prelude" zu bloß einem neuen "Paradigma" hinaus ist. In der "Herrschaft des Geldes" wird daher nicht zufällig auch der Neo-Ricardianismus, - im "Erfolgsfaktor" zumindest noch (inhaltlich bereits stark verblasste) illustrative Folie einer Denk-Handlungstheoretischen, nicht mechanistisch-physikalistischen "neuen" Ökonomie -, einer, wie man es von diesem Autor erwarten kann, gründlichen Kritik seiner mit der Neoklassik geteilten Vor-Urteile unterzogen. Und auch Schumpeter und Keynes, im "Erfolgsfaktor" erkennbar noch auch Door-Opener für ein "neues Paradigma", das bereits inhaltlich weit über sie hinausging, werden in der "Herrschaft des Geldes" nicht mehr unter dogmengeschichtlichen Denkmalsschutz gestellt.

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*) man könnte es auch, den Modellplatonismus ironisierend, so formuleiren: in Marktwirtschaften wird der (denkmöglichen) Tendenz zum stationären, profitlosen Zustand (ein schließlich starres Gewohnheitssystem), der Ricardo oder J.St. Mill als Langzeit-Konsequenz "vollkommener Konkurrenz" beschäftigte, dadurch "entgegengewrkt", daß das kreativ Neue und der daraus entstehende soziale Überschuß zur beständigen Profitquelle wird (werden soll). Damit entfällt der "horror vacui" des profitlosen Zustands bzw. bleibt eben Denkmöglichkeit. An die Stelle der theoretischen Schreckensvision treten damit die praktischen Schrecken, die die verallgemeinerte kaufmännishe Leidenschaft in ihrer unendlichen Jagd nach der Arbitrage geplagt von dem Widerspruch, im Geld etwas festzuhalten zu wollen, was sich nicht festhalten läßt, nach sich zieht.

PS: 4,5 Sterne geht hier leider nicht; das Buch ist nicht ganz so glücklich "in einem Stück" komponiert wie etwa "Die Herrschaft des Geldes" oder die "Fragwürdigen Grundlagen" oder auch die vorhergehende "Kreativität"; deshalb, und wegen der völlig verunglückten Betitelung des Werks, ein vergleichsweise Abstrich.


Ich war Buddhist
Ich war Buddhist
von Martin Kamphuis
  Gebundene Ausgabe

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Auf der krampfhaften Suche nach Fixierungen..., 3. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Ich war Buddhist (Gebundene Ausgabe)
...ist man bei Nagarjuna und einigen seiner Kollegen sicherlich an der verkehrten Adresse. Die kritisieren nämlich genau das ziemlich logisch und ausführlich als illusionäres, einer Täuschung unterliegendes Motiv, das Leid für sich und andere verursacht. Wer an die Leere als Leerheit glaubt und sie als SEINE HABEN, sie also wiederum fixieren will ist unheilbar, weil in tiefer Verblendung unwissend. Und der ist mit dieser anhaften-wollenden Obsession beim Christentum wahrlich "besser" aufgehoben. Denn dort wird ihm das Geschenk zuteil, ohne eigene Erhellung erleuchtet zu werden, also auch die eigenen Illusionen und Täuschungen nicht kritisieren zu müssen: "Und dann war ich auch umso dankbarer, daß meine "Erleuchtung" nicht von mir und meinen Taten abhängt, wie ich es als Buddhist gelernt hatte, sondern ein Geschenk Gottes ist." (S. 202) Nein, damit kann und will der Buddhismus nicht dienen:, denn Gott oder etwas Begriffsäquivalentes als fester "Weltengrund" bzw. spirituelle Käseglocke, die einen der beständigen Übung der konzentrierten Achtsamkeit des Bewußtseins - und damit der Auflösung der Fixierungen - entledigt, kann es aus der Logik des bedingten Entstehens aller Phönomene heraus schlicht nicht geben. Ausgerechnet daraus eine Abrechnung mit dem Buddhismus zu machen, wie dies der Autor unternimmt, ist deshalb ziemlich absurd. Der Autor war Buddhist in Worten und ihm äußerlich bleibenden Handlungen, nie aber im "Spirit", Buddhist aus einem grundlegenden Mißverständnis heraus.

Ansonsten ist diese Biopraphie über viele Seiten die Erzählung des spirituellen Herumirrens eines von seinen Emotionen und Phobien peinigend und überwältigend getriebenen Menschen wie von seinen überdrehten, mit New Age und Drogen angereicherten Psychoterror-Beziehungen. Eine Erzählung aus Flower-Power-und-Protest-Zeiten, als nach Fernost ausschwärmende westliche Spiritual-Wellness-Touristen*), Vor-Ort angelangt, reihenweise von allerlei Geschäftemachern im Lamagewand mit "in 30 Tagen zur Erleuchtung"-Angeboten über den Tisch gezogen worden sind. Give the people what they want. Wollen sie illusionären Ramsch, bekommen sie ihn und ein Sitzkissen dazu. Der Dalai Lama betonte ja auch in seiner offiziellen Autobiographie weniger warnend denn affirmativ, daß in Tibet, nicht weniger als im Kernland der Han-Chinesen, Geschäfts(t)üchtigkeit durchaus nicht unbekannt sei (von Indien erst gar nicht zu sprechen). Ob Nagarjuna dagegen die Gewohnheit der modernen (nicht einfach individuierten, sondern institutionalisierten) Geldgier, die Fixierung par excellence, so nonchalant gutgeheißen hätte darf durchaus bezweifelt werden. Aber das sind schon Überlegungen, die weit jenseits dieses sehr einfältigen Buches liegen.

Der Autor mag schließlich zu dem gefunden haben, in dem er sich spirituell "aufgehoben" fühlt. Das ist Seines und nicht zu kritisieren. Das sollte aber nicht mit einer kritischen Prüfung der Argumente "buddhistischer" Schul- und Lehrmeinungen verwechselt werden, auf deren Grundlage jeder eben selbst entscheiden kann, ob und inwieweit er "Buddhist" - die -ismus-Qualifizierung ist eine westliche Außenansicht - "ist" oder eben nicht. Wer solches vom Titel des Buches her möglicherweise als eine folgende (auch) intellektuelle Biographie erwartet wird hierzu in ihm nichts von Bedeutung finden.
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*) Über diese schreibt der Autor in durchaus richtiger Beobachtung: "Sie versuchten, durch den Buddhismus und das einfache Leben in Indien den erstarrten christlichen Traditionen und dem Leistungsdruck der wohlstandsorientierten Gesellschaften zu entfliehen, ohne jedoch zu merken, dass sie sich in ihrer Ausübung religiöser Pflichten unter einen neuen Leistungszwang begaben." (S. 45) Daß der "neue Leistungszwang" allerdings nur der war, unter den sie - einschließlich des Autors - sich selbst setzten, in dem sie "besessen von dem Wunsch (waren), die Erleuchtung zu erlangen "(S. 43) und zu Lektionen, bei denen sie wirklich etwas gerade über diese "Besessenheit" lernen hätten können, bemerkten: "Von seinen Lehren begriff ich kaum etwas." (S. 46, so der Autor zu den Ausführungen eines Lehrmeisters des Dalai Lamas, von denen er keinen einzigen Gedanken anführt und insofern nur bestätigt, daß er eben "kaum etwas" begriffen hat), wollte sich dem Autor weder damals noch nach seiner "Rückkehr" in den Schoß der "Traditionen" (er hat sie, sich von Jugend an "insgeheim" nach Führung sehnend (S.13), nie verlassen) aufklären. Hieraus resultiert der zentrale Vorwurf der "Kälte" bzw. fehlenden "Wärme" und "Geborgenheit", den der Autor gegen den Buddhismus - wenn man, für westliche Denkgewohnheiten paradox, will: eine "Religion der Vernunft und nicht des Glaubens" - erhebt: er ist in der Tat kein bequemes Sitzkissen des Ego. Nur hat er das in seinen ernstzunehmenden Schulen auch nie behauptet.


Eigentum und Person: Begriff, Notwendigkeit und Folgen bürgerlicher Subjektivierung
Eigentum und Person: Begriff, Notwendigkeit und Folgen bürgerlicher Subjektivierung
von Harald Haslbauer
  Broschiert

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Notwendige Folge eines faden Begriffs - kein unbedingter Heißhunger auf Mehr davon, 20. November 2013
Anmerkungen zu Harald Haslbauers "Arbeit am Begriff", um einen "unvernünftigen, von keinem Menschen gesetzten Zweck" "notwendig" im subjektiven Denkhandeln ankommen zu lassen, ohne daß das davon was weiß: Das Eigentumsverhältnis braucht`s, weil`s für`s Verleihen von Eigentum und damit Geldverdienen gebraucht wird ! Wie wahr: "wenn`s es braucht, dann braucht`s es wohl" (Franz Beckenbauer)

"Das Eigentumsverhältnis hat für sich keinen Inhalt
außer Subjekt-Objekt-Verhältnis zu sein."
(H. Haslbauer, Eigentum und Person, S. 31)

"Mein gesperrtes Konto, mein gepfändetes Haus, mein Gerichtsvollzieher."
(anonym)

*

Die Kritik an Haslbauers Thesen, es sei an seinen Einlassungen zum modernen bürgerlichen Eigentumsverhältnis und seinem Willensträger*) nicht zu erkennen, worin sie über den diesbezüglichen traditionellen marxistischen Diskurs eigentlich hinausgehen (weshalb sie für mehr als eine neuerliche sophistische Zankerei um Marxens Bart nicht gut und der näheren Beschäftigung nicht wert seien), geht - machen`s wir im Dialektinger - fehl und geht nicht fehl.

Diese Kritik mag durch die Eigenart der Haslbauerschen Vortragsweise - sowohl in seinen hier publizierten Kritiken wie erst recht in seinem Buch - provoziert werden. Denn man kann Haslbauer nicht vorwerfen, dass ihn Nietzsches Kritik, - den Stil verbessern heißt den Gedanken verbessern - beeindruckt hat (so er sie kennt) oder beeindrucken würde (so er sie erstmalig hören sollte). Seine Sätze sind diesbezüglich teilweise einfach schon grammatikalisch anarchisch rücksichtslos**).

Das explikative Defizit (bei einer ersten SELBSTVERSTÄNDIGUNG gewiß noch lässlich) erschwert die Kenntnisnahme der Differenz erheblich. Kenntlich ist sie dennoch. Sie besteht darin, dass Haslbauer zumindest an der im marxoiden/marxistischen Diskurs üblichen theoretischen Abhandlung des eben nun mal in und unter der Rechtsform vollzogenen gesellschaftlichen Verkehrs (bzw. des dem allgemeinen Zweck der Erzielung eines beständigen Geldeinkommens unterworfenen alltäglichen Handelns) der in ihrer sozialen Existenz höchst unterschiedlich verorteten Individuen, - die da allesamt bei ihrem Treiben also immer auch als Rechtspersonen, selbstbewusst affirmativ, gerade auch als sich verdingende Lohnarbeiter, unterwegs sind -, etwas durchaus Richtiges aufgefallen ist. Nämlich, dass diese schon eines näheren Blicks werte verrechtlichte Eigenart des gesellschaftlichen Verkehrs in diesem Diskurs nicht richtig, "konsistent" erklärt wird. Vielmehr wird (in im einzelnen durchaus unterschiedlicher und - auch bis aufs Messer- kontroverser Art und Weise ) im Resultat dann doch immer weitgehend dasselbe behauptet: die bürgerliche (Rechts-)Subjektform (die eine DENKHANDLUNGSFORM ist) sei ein bloßes Derivat oder halt ein höchst treffliches Analogon ökonomischer Formbestimmungen, aber - das wäre ja übelster Idealismus und das Allerletzte ! - kein Konstituens der modernen Geldvergesellschaftung, die gemeinhin Kapitalismus heißt. Nein, nie und nimmer, da seien Basis(materialer Inhalt, Substanz)- Überbau(ideelle Form, Erscheinung) und K I vor. Dort - ehemalige Kapitalschulungsteilnehmer werden sich vielleicht an die Kopfschmerzen erinnern, die es bereitete, das in sich denkidentitätsstiftend aufzunehmen, und (sicher nur ganz wenige) ebenso an die, die es dann erst dabei gab, diesen Unfug denkend wieder aus dem Kopf zu kriegen - lernt man unverbrüchlich, dass die Waren in einer höchst eigenartigen Sprache, der "Warensprache", alles, wie`s dann so mit ihrem Widerspruch weitergeht, unter sich ausmachen. Bevor dann die Subjekte das, was da ausgemacht worden war, nun treudoof in ihrem nicht-wesenswissend-arbeitswerttheoretischen, daher rundumadum - arbeiterseitig, so Kautskys/Lenins schöpferische Fortentwicklung, bestenfalls zum Tradeunionismus tauglichen und vor, wiederum Weiterentwicklung moderner Leninisten, keinem nationalen WIR EIGENTÜMER gefeiten - "oberflächlichen" und falschen Bewusstsein" punktgenau "bewußtlos" nachvollziehen und sich, ein theoretischer salto mortale, eine dazu passende Verkehrsform - eben als gleich(gültig)e und gegeneinander freie Personen - mitsamt, natürlich, was "notwendig" her muß muß her, genau diese auch gewaltsam implementierendem und garantierendem Staat anlächeln. "Die Gesetze der Warennatur betätigten (!) sich (!) im Naturinstinkt (!) der Warenbesitzer" (MEW 23, S. 101) lautet da einer der schönsten und grundirreführendsten Sätze dieser Denkform, der diesbezüglich je geschrieben wurde (dem Klassiker dieser Denkform sieht man`s irgendwie noch nach; den Nachbetern und nochmaligen Verflachern nicht). Und deshalb wurde als Pedant zur "abstrakt menschlichen Arbeit" schließlich sogar der "abstrakt freie Wille" "abgeleitet", dass es nur so eine zirkuläre Pracht war.

Der Witz an Haslbauers Traktat ist - und damit kommt die andere Seite des obigen Dialektingers zum Tragen -, dass er genau das AUCH behauptet, aber mit kritisch grundlegendem Anspruch. Auch er will die (Rechts-)Subjektform aus ANDEREM (der von ihr APARTEN Ökonomie bzw. dem "Prinzip" "Heißhunger nach Mehrarbeit" oder sprich: der kapitalistisch organisierten Produktion) "ableiten", statt - begin at the beginning, denn da machte der Alte aus dem British Museum seine entscheidenden Fehler - das "gesellschaftliche Verhältnis" GELD, bisher und wohl auch weiterhin der Dreh- und Angelpunkt des Kapitalismus, überhaupt erst einmal richtig zu erklären. Haslbauer meint dabei aber mit seiner - das Pferd vom Schwanz her aufgezäumt - "indirekten Ableitung" der (Rechts-)Subjektform aus der Ökononmie über die "Revenuen und ihre Quellen" (bzw. dem, das ist die Grunddenkfigur, Festhalten der "Einkommensbasis" bei - sie sind halt beim Revenueerzielen wechselseitig voneinander abhängig, die stolzen bürgerlichen EGOS - nolens volens verleihendem Fortgeben als Sache zu "revenueträchtiger" Nutzung), die ja wiederum ohne kapitalistische Produktion doch ziemlich "material" in der Luft hängen würden, auf altehrwürdiges, aber leeres Gerede wie "entsprechen", "widerspiegeln", "warenanalog" etc. verzichtet und Zirkelschlüsse vermieden, vielmehr die (Rechts-)Subjektform als nunmehr endlich eisern "notwendig" statt nur behauptet zum "Inhalt" "Heißhunger nach Mehrarbeit" untrennbar gehörig nachgewiesen und damit wohl vermutlich auch eine solide Agitationsgrundlage zu haben, "den Proleten" ihren willfährig-stolzen Personen-Willen zum Dasein als (vorrangig nur) Eigentümer ihrer selbst und darin (mögliche) Geldverdiener "begründet" ausreden zu können (immerhin will Haslbauer von den Beschimpfungen, die diverse linke Vereine im soliden DAGEGEN-STEHEN pflegen, wegkommen; genau dafür fängt er sich dann einige ein). Haslbauers "Notwendigkeit" ist aber nur eine matte Tautologie. Denn das, was er da als APARTEN "materialen" Grund unterstellt ist längst oder, um mit einem anderen Altmeister zu sprechen, je schon auch "ideell" rechtsformiert. Es mündet schlicht in einen Zirkel, "vorne in den Blauen" beim Geld die Rechtsform bzw. die Geldsubjekte als konstituierendes Moment herauszuschmeißen bzw. als "bewußtlose Agenten" herumturnen zu lassen, um sie dann "hinten", wie nun Haslbauer zweifelsohne solitär, beim GeldVERDIENEN im wahrsten Sinne des Wortes endlich zu ihrem, für die Masse dieser Subjekte als konkreten Individuationen ziemlich undankbaren PERSONENrecht kommen zu lassen. In den "Grundrissen", MEW 42, S. 166 ff. (der geschätzten Aufmerksamkeit anempfohlen: da geht`s ums "reine Geldverhältnis" in seinem gesellschaftlichen VOLLZUG durch Kauf/Verkauf und damit natürlich AUCH schon ums Geldverdienen, NICHT ums alberne Produktetauschen zwischen Robinson und Freitag sc. "einfache (besser: einfältige, R.) Wertform", der zur "Begriffsentsprechung" "nur noch" allerlei - insb. eben das Geld - FEHLT) wusste es Marx im übrigen einmal besser, zog dann jedoch die Denkversklavung an Ricardo vor. Das will aber natürlich keiner, der es wie immer mit der Arbeitswerttheorie (bzw. dem ökonomistisch-materialistischen Vor-Urteil, das Soziale unterliege "Gesetzen" analog denen der mechanischen Physik) hält, verständig lesen.

Daß Haslbauer, bei allem erkennbaren Willen, wenigstens die arbeitswerttheoretisch begründete Ausbeutung herüberzuretten, mit seiner, gerafft, "Endlich (Rechts-)Subjektform und Verwertung von Wert-Inhalt "indirekt" als (denk-)"notwendig" Hand in Hand erwiesen und der Lohnarbeiter ist in der subjektiven Entleerung seines Eigentumsverhältnisses gerade die "begriffsadäquate"****) Vollendung dieser Form"-Theorie das "Prinzip" Heißhunger nach Mehrarbeit"***) gnadenlos torpediert hat wird er vielleicht bemerken, wenn er sich daran macht, die unumgängliche "Reformulierung" des arbeitswerttheoretischen Kanons, dessen Metaphern und Phrasen er in seinem Text mitschleppt, vorzunehmen. Oder er schmeißt ihn WEGEN Wert-SUBSTANZlastigkeit über Bord, mit dem "Wert der Ware Arbeitskraft" hat er ja schon - noch nicht der ganzen Tragweite gewahr - damit angefangen. So oder so - bis dahin kann man`s mit einer weiteren Beschäftigung mit seiner Theorie abwarten. Könnte DANN vielleicht spannend werden.

Anmerkungen:

*) id est der rechtlich konzessionierte Person-Eigentümer, der allgemein nur darin bestimmt ist, dass er zur ad libidum gestellten Verfolgung seiner Zwecke über in seinem Eigentum stehende Sachen frei, ein- wie uno actu ausgrenzend verfügen darf (und - jede Berechtigung ist auch eine Verpflichtung, das wußte schon der alte Hegel - muß), so er damit nicht wiederum das Rechtsgehege anderer Personen-Eigentümer oder die Rechtsordnung insgesamt schädigt oder demoliert, was die Schädigung und Demolierung konkreter Individuationen keineswegs ausschließt. Denn Abstraktionen in der Wirklichkeit geltend machen heißt Wirklichkeit zerstören - ebenfalls Hegel an der Wiege von "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit".
**) die explikativen Mängel verraten auch ein, an den eigenen Ansprüchen gemessen, unsauberes Denken. Als Hilfs"-Beweis hierfür möge hier ob der ansonsten einfach erdrückenden Fülle des Materials genügen, dass Haslbauer den Inhalt seines Buches in einer rein apodiktischen und bestenfalls für in den Jargon und seine Codes Eingeweihte verständlichen Positivrezension gut getroffen vermeint.
***) Haslbauer spricht von dem "gesuchten Rechtssubjekt". In der Tat: wer sucht, der findet das, was er finden will. Wie Marx für seine "abstrakte Arbeit", so findet Haslbauer im Proleten das auf der Straße herumlaufende vollendete "Rechtssubjekt" bzw. den begriffsperfekten Eigentümer. Was ein Begriff ist, das schafft sich auch seine Wirklichkeit (vgl. die zackig-markige Trias im Titel: Begriff, Notwendigkeit, Folgen; an dem, daß Haselbauers "Begriff" nach Jurisprudenz geradezu STINKT will ihm nichts auffallen: so sucht er sich zum zunächst frei schwebenden Rechtsbegriff die, "material" vermittelt, "notwendige" Rechtsperson und hält das für eine höchst gelungene ERKLÄRUNG. Dabei verfährt er nur so, als wäre er als Zauberer durch eine ansonsten amporph-konfuse Welt unterwegs, der er mit der Berührung des Begriffszauberstabs erst Inhalt und Form verleiht). So kommt also Stirners Einziger und sein Eigentum denn auch wieder zu seinem Personenrecht.
****)Darum, wiewohl die Arbeit dem Geldhecken subsumiert ist, geht`s im Kapitalismus übrigens nicht; der ist kein in der Lohnform mystifizierter Feudalismus. MEHR GELD bzw. VERMÖGEN ist eben nicht "subatantiell" MEHR ARBEIT, weil "vergegenständlichte" = "geronnene Arbeit" (ein physikalistischer Unsinnsbegriff) nicht der "Inhalt" (SUBSTANZ)des Geldes ist. Dieser materialistische core belief aller ansonsten untereinander heftig verfeindeten Marxismen führt u.a. beim (Un-)Verständnis des "Finanzkapitals" zu allerlei theoretischen Schwerstverrenkungen bzw. dazu, einer ganzen "Abteilung" des Geldheckens, ohne die sich im Kapitalismus auf heutiger "großer Stufenleiter" hinten und vorne nichts schiebt, bzw. der kreativ-bunten Vielfalt ihrer zweifellos spezifischen, aber öde-unisono in nichts als einem ganz realen kapitalistischen Motiv eingefädelten Geschäfte den "Realgehalt" zu bestreiten ("fiktiv" gegenüber solidem wertmassigem "real"). Als wäre eine "Realinvestition" keine Spekulation darauf, daß "Gewinnerwartungen aufgehen". So kommt`s, wenn man sich Waren als Pfannkuchen gefüllt mit gallertartiger Wertmarmelade vorstellt bzw. an Makrofiktionen wie "Gesamtarbeit" etc. unabhängig vom Geld, also an eine "gesellschaftliche Synthesis" vor der "Sythesis", die im Kapitalismus einzig und allein durch das Geld bewirkt wird, glaubt.
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PS: Mit den Sternen hält es der Rezensent wie Haslbauer; was von einem, der sich nicht am Reperaturbetrieb falscher Theorien der Geldvergesellschaftung beteiligt, am Sachverhalt interessierten anderen zu diesem Buch als Hinweis darauf, was da auf sie zukommt, zu sagen ist, steht im Rezensionstext, nicht in den Sternen.

PPS: Haslbauer denunziert nachstehend den Rezesenten, dieser "denunziere" die ERKLÄRUNGSabsicht. Nein. Wohl aber die ABSICHT der Erklärung, weshalb seine Erklärung nicht das erklärt, was sie zu erklären vorgibt. Das ist ihm nämlich nur "Brei der Phänomenalität", dem er sich im Zirkel seines Konstrukts herumirrend als wahrhafter Prinzipienreiter weltgeistig gegenüber aufgestellt hat: "von außen gesehen oder objektiv" (S.21). Drum schreibt er auch u.a. solchen krachenden Unsinn: "Der Rechtswille ist eine logische Konsequenz eines unvernünftigen, von keinem Menschen gesetzten Zwecks." Ein Wille zwar, aber als dieser Ausfluß eines von keinem Menschen gesetzten Zwecks - klar, logisch, das ist in der Tat Konsequenz einer Unvernunft - des Theoterikers, der Gespenster am Werke sieht bzw. den Irrsinn seiner von sich selbst weltgeistberauschten Gedankenkonstrukte mit der Wirklichkeit verwechseln möchte.- In seiner Rezensionskritik fühlt sich Haslbauer im übrigen natürlich völlig mißverstanden und behauptet, die Rezension verfehle den Inhalt seines Traktates; um sich das so zurecht zu legen hat er ziemlich selektiv gelesen, was auch an der Zitatekompilation erkennbar ist. Darum gibt es zur Rezension einen Kommentar-Kontext, in dem die Schönheit der Haslbauerschen "Ableitung" nochmals in ihren essentials vorstellig gemacht wird. Ein Urteil darüber, wer hier an der Sache vorbeiredet, kann sich dann jeder selbst bilden.- Dazu gibt`s Auszüge einer auch aus Qualitätssicherungsgründen außerhalb dieser Plattform schon seit längerem geführten Diskussion zur radikalen Kritik der impliziten Vorurteile, von denen u.a. kritische Denker des Sozialen wie Haslbauer in ihrem Denken gedacht werden. Haslbauers begriffsstolzes Traktat, das ist ihm zu attestieren, ist in seiner höchst selbstzufriedenen Explikation undurchdachter Vor-Urteile durchaus originell, da der Verfasser seinen Text ja gerade als Vorurteils-lose Kritik von kritischen Vor-Urteilen verstehen (und verstanden haben) will.
Kommentar Kommentare (7) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 10, 2014 12:31 PM CET


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