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Rezensionen verfasst von
D. Schrenker
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Southland Tales     Dvd Rental
Southland Tales Dvd Rental
DVD ~ Seann William Scott
Wird angeboten von world-of-video
Preis: EUR 10,49

9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen zuviel des guten. trotzdem gut., 12. Juli 2008
Rezension bezieht sich auf: Southland Tales Dvd Rental (DVD)
"einer der schlechtesten filme, die jemals im wettbewerb von cannes standen" sagt da einer. "der beste film des jahres 2007" sagt da ein anderer. alles, was profi-kritiker dermaßen polarisiert, ist nicht nur immer sehens-, sondern auch besprechenswert. zwischen richard kellys fantastischem kultkonvolut 'donnie darko' und diesem follow-up liegen produktionstechnisch gute fünf jahre, und 'southland tales' fühlt sich in der tat so an, als bekäme man die arbeit von gut eintausendachthundertdreißig tagen arbeit gnadenlos vermittelt in, naja, zweieinhalb stunden. wenngleich der film im los angeles der sehr nahen zukunft (plus-minus 69 minuten) spielt, lässt seine komplexität das matrix-universum aussehen wie den limerick auf einer milchtüte.

zum background: ursprünglich sollten die 'southland tales' aus neun kapiteln bestehen, wovon gerade mal die drei letzten (!) den film bilden. der rest dürfe in form von comics vom interessierten rezipienten praktisch 'vorrecherchiert' werden, wenn er sich danach in der komfortablen position befinden wolle, dialoge und handlungen im film auch nur ansatzweise nachvollziehen zu können. ein multimediales gigantobrimborium also, auf das die george lucases und hideo kojimas dieser welt neidisch sein könnten. zwar hatte der wahnsinnige kelly ein einsehen und verkürzte die vorgeschichte auf drei kapitel und den film selbst nach seinem desaströsen abschneiden in cannes 2006 um 20 minuten, trotzdem dürften sich die rund 98% der zuschauer, die keine comics lesen, nach den endcredits von southland tales noch immer ungefähr so fühlen wie nach einer klausur in einem fach, dessen unterricht man zu oft geschwänzt hat.

doch der vergleich hinkt ein wenig, denn verstehen ist vielleicht voraussetzung für die anwendung des dreisatzes, für kunst ist es keine. bis zu einem gewissen grad genügt der (trügerische?) eindruck, dass wenigstens der künstler selbst wisse, was er da tue. freilich spielt nichtsdestotrotz die kohärenz eine rolle für die genießbarkeit, und im gegensatz zu etwa 'inland empire' vom visuell-wie-geistig ähnlich gelagerten david lynch ist kellys epos zwar größtenteils kryptisch, aber wenigstens nicht chaotisch. es ist eher wie 'mullholand drive', nur mit stiffler. kelly-kenner, die den film mit dem hasen (vmtl. mehrfach) gesehen haben, sind außerdem dankbar für dramaturgische und visuelle 'rettungsringe', wie etwa (spoiler!) zeitreise, ende der welt, zahlenspiele und lange, mit zeitgenössischer musik unterlegte steadycam-sequenzen ohne schnitt. allesamt kellytypische versatzstücke, die trotz aller verwirrung beim nachträglichen dechiffrieren helfen und einem doch irgendwie das gefühl geben, 'zuhause' zu sein. entweder das oder kopfschmerzen.

trotz augenscheinlicher überambitioniertheit sei 'southland tales' als film wie lektüre an dieser stelle allen cineasten empfohlen, die schon 'donnie darko' nicht wirklich kapiert haben, denen das aber auch irgendwie egal war, solange man nur bei einem glas rotwein drüber mitreden konnte. dabei sein ist alles.


Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford - Special Edition (Digi+Booklet)
Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford - Special Edition (Digi+Booklet)
DVD ~ Casey Affleck
Wird angeboten von music-attack
Preis: EUR 29,99

10 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen spannungsarm, vorhersehbar, plotlos und einer der besten filme des jahres, 5. Februar 2008
du bist mein tod.

jesse james hat menschenkenntnis. wenn er dem jungen bob in die augen sieht, erkennt er hinter der naiven, fast unbeholfenen verehrung das omega, den sensenmann, die kugel im rücken, das ende des weges. die frage nach der unausweichlichkeit des schicksals stellt sich nicht. für keinen der beteiligten. bob ford, der henker, hadert zwar mit sich an der oberfläche, doch schon seit jenem zugüberfall, der die james-brüder und die ford-brüder erstmals zusammenbringt, sind die weichen gestellt.

"assassination" ist wie das förderband in einer frühindustriellen fabrik, auf dem die protagonisten stehen und konstant in richtung der großen maschine blicken, die sie in absehbarer zeit verschluckt und verarbeiten wird. die ohnmacht gegenüber der rationalisierung, der entzauberung, der verflüchtigung der werte erzeugt melancholie, fast elegie. casey affleck und brad pitt liefern sich ein tödliches duell ohne pistolen. genaugenommen auch ohne worte, denn wenn im film gesprochen wird, wird meist gelogen, zumindest angebiedert. die gesten, die blicke sind die waffen. dabei wird das fatalistische element das ausschlaggebende, denn der sieger steht von beginn an fest.

andrew dominik zeichnet hier nicht nur die geschichte der historischen ermordung einer amerikanischen outlawlegende, sondern den geisteszustand einer ganzen kultur im ausgehenden 19. jahrhundert nach. Sein film dauert zweieinhalb stunden, die einem vorkommen wie fünf. die langeweile, die konfusion, die antriebs- und aussichtslosigkeit, die absenz der ideale ist allgegenwärtig. die wohlüberlegte weigerung, sich zu spannungszwecken in plotwendungen oder actionsequenzen zu flüchten, stellt den zuschauer allerdings auf eine harte probe. was ist der „benefit“ eines durch und durch spannungsarmen filmes?

die antwort darauf in bezug auf "assassination" muss polarisierend ausfallen: für ungeduldige gibt es keinen. zu vorhersehbar sind die handlungen, zu lange die einstellungen, fast plotlos die geschichte. ist man jedoch gewillt, der vision zu folgen, wird man belohnt mit schauspielleistungen auf spitzenniveau, einer zurecht oscarnominierten, exzellenten bildsprache, einem zu unrecht nicht nominierten soundtrack von nick cave sowie gleich zweierlei erkenntnis. die erste liegt darin, dass es sich bei "the assassination of jesse james by the coward robert ford" gut und gerne um ein selbstbewusstes meisterwerk und nicht zuletzt um einen der fünf besten filme des jahres 2007 handeln mag. die zweite liegt in er tatsache, dass der tod auch im fatalismus erlöserfunktion haben und der erlöser ein feigling sein kann.


Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford
Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford
DVD ~ Brad Pitt
Preis: EUR 4,97

18 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen spannungsarm, vorhersehbar, plotlos und einer der besten filme des jahres, 5. Februar 2008
du bist mein tod.

jesse james hat menschenkenntnis. wenn er dem jungen bob in die augen sieht, erkennt er hinter der naiven, fast unbeholfenen verehrung das omega, den sensenmann, die kugel im rücken, das ende des weges. die frage nach der unausweichlichkeit des schicksals stellt sich nicht. für keinen der beteiligten. bob ford, der henker, hadert zwar mit sich an der oberfläche, doch schon seit jenem zugüberfall, der die james-brüder und die ford-brüder erstmals zusammenbringt, sind die weichen gestellt.

"assassination" ist wie das förderband in einer frühindustriellen fabrik, auf dem die protagonisten stehen und konstant in richtung der großen maschine blicken, die sie in absehbarer zeit verschluckt und verarbeiten wird. die ohnmacht gegenüber der rationalisierung, der entzauberung, der verflüchtigung der werte erzeugt melancholie, fast elegie. casey affleck und brad pitt liefern sich ein tödliches duell ohne pistolen. genaugenommen auch ohne worte, denn wenn im film gesprochen wird, wird meist gelogen, zumindest angebiedert. die gesten, die blicke sind die waffen. dabei wird das fatalistische element das ausschlaggebende, denn der sieger steht von beginn an fest.

andrew dominik zeichnet hier nicht nur die geschichte der historischen ermordung einer amerikanischen outlawlegende, sondern den geisteszustand einer ganzen kultur im ausgehenden 19. jahrhundert nach. Sein film dauert knapp drei stunden, die einem vorkommen wie fünf. die langeweile, die konfusion, die antriebs- und aussichtslosigkeit, die absenz der ideale ist allgegenwärtig. die wohlüberlegte weigerung, sich zu spannungszwecken in plotwendungen oder actionsequenzen zu flüchten, stellt den zuschauer allerdings auf eine harte probe. was ist der 'benefit' eines durch und durch spannungsarmen filmes?

die antwort darauf in bezug auf 'assassination' muss polarisierend ausfallen: für ungeduldige gibt es keinen. zu vorhersehbar sind die handlungen, zu lange die einstellungen, zu plotlos die geschichte. ist man jedoch gewillt, der vision zu folgen, wird man belohnt mit schauspielleistungen auf spitzenniveau, einer zurecht oscarnominierten, exzellenten bildsprache, einem zu unrecht nicht nominierten soundtrack von nick cave sowie gleich zweierlei erkenntnis. die erste liegt darin, dass es sich bei 'the assassination of jesse james by the coward robert ford' gut und gerne um ein selbstbewusstes meisterwerk und nicht zuletzt um einen der fünf besten filme des jahres 2007 handeln mag. die zweite liegt in er tatsache, dass der tod auch im fatalismus erlöserfunktion haben und der erlöser ein feigling sein kann.


Flightplan - Ohne jede Spur
Flightplan - Ohne jede Spur
DVD ~ Jodie Foster
Wird angeboten von brandsseller
Preis: EUR 6,99

23 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen schöner Blindflug, 8. März 2006
Rezension bezieht sich auf: Flightplan - Ohne jede Spur (DVD)
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Stellen Sie sich folgende Szene vor: Ein Bildschirm wird eingeschaltet. Eine asiatische Stewardess richtet darauf einen Begrüßungstext in verschiedenen Sprachen an den Zuschauer. Die Kamera fährt zurück, zeigt: Der Monitor befindet sich in der Kopflehne eines Sitzes. Einem von etwa hundert. Das leere Deck eines Passagierflugzeuges. Die Kamera schwebt nun langsam über die Sitzreihen. Es entsteht ein Bild wie ein Muster. Unzählige Monitore, auf denen überall die gleiche Begrüßungssequenz mit der Stewardess leuchtet. Als die Kamera etwa fünfzehn Sitzreihen überflogen hat, betritt eine Frau mit einem Kind den Raum. Die beiden gehen kurz den Seitengang entlang und setzen sich auf zwei der vorderen Plätze.
Eine schöne Sequenz. Das Licht ist stimmig und die hellen Monitore kontrastieren wundervoll mit den dunklen Stoffsitzbezügen. Auch die Bewegung der Kamera ist gleichmäßig und gibt keinen Anlass zu Kritik. Timing und Bildkomposition sind perfekt. Aber warum ist gerade dieser Moment so wichtig, dass man ihn als Einstieg irgendeiner Rezension zu einem klaustrophobischen Suspensethriller lesen sollte? Einem, in dem Oscarpreisträgerin Jodie Foster hilflos Antworten auf potenziell spannende Fragen wie „Wo ist meine Tochter?“. „Bin ich verrückt?“ und „Ist meine Tochter überhaupt?“ finden muss? Sie haben Recht. Er ist es nicht. Im Gegenteil. Er hat nichts mit der Geschichte zu tun. Aber dafür ist er schön.
Und exemplarisch. Denn Regisseur Robert Schwentke und sein Kameramann Florian Ballhaus (beides deutsche Exportgüter) verfolgen eine klare Linie: Jedes Motiv, jede Einstellung, jedes Bild in „Flightplan“ sieht gut aus. Sauber, stimmig, makellos. Und unglaublich langweilig. Warum? Weil hier fälschlicherweise die Priorität fürs Ganze gesetzt wird. Das technokratische Kalkül unzähliger Schwenks, Kamerafahrten und Schärfenverlagerungen lässt den Film schon nach kurzer Zeit steril wirken. Hier will man in erster Linie mit Optik begeistern. Die Geschichte ist sekundär. Wird einem das bewusst, entsteht schnell Distanz, wo eigentlich mitgefiebert werden sollte.
Florian Ballhaus’ Vater ist Kameramann Michael Ballhaus (Gangs of New York, Die fabelhaften Baker Boys), einer unserer erfolgreichsten Landsmänner in Hollywood. Dass sein Filius sich in „Flightplan“ deshalb so ereifert, ist zwar wahrscheinlich, aber eigentlich kein Kritikpunkt. Dass ihn der Regisseur zum wichtigsten Mann des Filmes macht, schon eher.
Nicht die einzige Turbulenz auf der Strecke. Der Plot wirkt gestellt und die Wendungen im letzten Drittel gereichen sogar der Vorhersehbarkeit der Bildsprache zur Ehre. So gesehen wirkt eigentlich alles recht homogen. An dieser Stelle allerdings noch näher auf die Luftlöcher einzugehen, durch die das „Flightplan“-Drehbuch navigiert, wäre des – jetzt hoffentlich geringen – Prozentsatzes gegenüber unfair, der sich den Film nach dem Lesen dieser aufklärenden Zeilen dennoch ansehen möchte.
Stellen Sie sich folgende Szene vor: Eine vierköpfige Familie sitzt auf einem Sofa. Die Kamera schwenkt über jedes der Gesichter. Alle wirken müde und gelangweilt. Die Mutter gähnt. Der Vater greift nach einer Fernbedienung, die vor ihm auf dem Tisch liegt. Die Kamera folgt den Blicken der Familie und endet auf einem Fernseher, der eine Szene von „Flightplan“ zeigt. Der Bildschirm wird ausgeschaltet.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 29, 2007 9:40 AM CET


Hypnotize
Hypnotize
Preis: EUR 5,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die bessere Hälfte, 28. Januar 2006
Rezension bezieht sich auf: Hypnotize (Audio CD)
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Sie sind da. Die anderen fünfzig Prozent jener Recording-Sessions, für die sich die Band Anfang des Jahres monatelang in enge Räume mit schallabsorbierenden Perserteppichen an der Wand eingeschlossen hatte, um "Mezmerize/Hypnotize" zu schmieden. Warum so spät? Die Entscheidung, beide als eigenständige Platten zu vermarkten, habe man - inspiriert durch Exempel wie Tarantino's "Kill Bill" - aus rein konzeptionellen Gründen getroffen, war aus Bandkreisen zu vernehmen. Warum auch sonst.

"Die Band", das ist mittlerweile - und auch ziemlich autonom - Gitarrist Daron Malakian, der das Mammutprojekt praktisch im Alleingang zusammen mit Produzent Rick Rubin (Korn, Johnny Cash, Red Hot Chili Peppers) gestemmt hat. Leadsänger Serj Tankian sowie die anderen Bandmitglieder sind bei diesem Projekt primär Exekutive. Interessant, war das bei den Vorgängeralben ja nicht der Fall war. Wenn man so will, ist Mezmerize/Hypnotize Malakians "White Album". Er ist John, Paul und George, der Rest der Band Ringo.
Das Resultat aber ist erstaunlicherweise kein überambitioniertes Egomanenwerk, sondern vielmehr eine Synthese aus noch sprunghafteren, noch asymmetrischeren, asynchroneren, verwirrendererereren Tempi- und Stimmungswechseln innerhalb eines Nu-Metal-Rahmens, der schon längst keiner mehr ist. Der "SoaD-Effekt" als solcher - also der Moment, in dem unvorbereitete Ohren beim Ersthören entweder erschrecken oder für immer verzücken - wird hier stärker betont denn je. Doch "Ausgereizt" ist das falsche Wort. "Kultiviert", eher. Denn obwohl sich Einzelsegmente der Systemsongs schwer vom Output anderer Pop- oder Thrashgrößen (je nach Sichtweise) unterscheiden ließen, ist es doch diese unwiderstehliche Mischung aus hart und weich, hymnisch und vertrackt, ja und nein, die selbst elitäre Musikkundler und Antikommerzler mehr als nur einmal hinhören lässt. System of a Down dürften es trotz Unkenrufen diverser Nu-Rock-Hexenjäger spätestens jetzt geschafft haben, sich einen individuellen Stern auf dem imaginären Hollywood-Walk-of-Fame des Musikbiz' zu erkämpfen. Stilsicherheit und Konsequenz sei dank.

"Hypnotize" nun, führt dem Hörer eine Quintessenz wie die eben genannte noch stärker vor Augen bzw. Ohren, als es die erste Hälfte getan hat. Kontrastierten bei "Mezmerize" vor allem bewährtes ("Cigaro") und etwas, das nicht weiter davon entfernt sein könnte ("Old School Hollywood"), vermischen sich Experimentierfreudigkeitsmörtel und alte-Härte-Beton bei "Hypnotize" zu einem zementartigen Konsens, der SoaDs Status als ernstzunehmende Rockformation endgültig untermauern dürfte.
Schön zu sehen am mal schlangenähnlich-schleichenden, mal ziellos-galoppierenden "She's like Heroin", welches programmatischer nicht sein könnte ("Chinese tricks in rooms with ghosts of hooker girlie dudes. Me and heroin maybe we can make some cash."). Weiter vertieft beim irren und selbstbewussten "Vicinity of Obscenity". Perfektioniert im endlos-traurigen Omega "Soldier Side", das im - jawoll, ungewohnten! - Viervierteltakt zum fulminanten Finale anwächst und den Kreis zum Alpha auf "Mezmerize" schließt. Mit einer Träne im Auge. Resümee oder Rückschritt? Wer's genau wissen will, drücke bitte erneut auf „Start“.

Fazit: Was dem Konsumenten von Mezmerize/Hypnotize bleibt, ist die Momentaufnahme einer Band, die es - ungleich anderem Output der gegenwärtigen Schwermetallwelt - wert ist, gehört zu werden. Selbst, wenn es subjektiv fraglich bleibt, ob sich auch hier die Langlebigkeit des ungeschlagenen Debütalbums einstellen wird. Eine von Zucker und Spinnen veränderte Welt ist eben nicht mehr so leicht aus der Fassung zu bringen. Dennoch: Verlässt man die World-According-To-Daron wieder in Richtung Realität, fühlt man sich ein wenig wie nach einen John-Irving-Roman. Gerädert aber nicht entkräftet, befruchtet aber nicht bekehrt, desillusioniert aber nicht desorientiert. Oder vielleicht doch? "Where do you expect us to go when the bombs fall?"
(Anspieltipps: Tentative, She's Like Heroin, Vicinity Of Obscenity)


Reine Chefsache
Reine Chefsache
DVD ~ Dennis Quaid
Wird angeboten von Multi-Media-Trade GmbH - Alle Preisangaben inkl. MwSt.
Preis: EUR 7,49

11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen intelligente Charakterstudie a'la Hollywood, 22. November 2005
Rezension bezieht sich auf: Reine Chefsache (DVD)
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Zwei Verträge werden unterzeichnet. Einer in einem Bankgebäude, der andere in einer Anwaltskanzlei. Dan, 51, nimmt die zweite Hypothek auf sein Haus auf, denn seine Tochter studiert an einer teuren Privatuni und seine Frau erwartet ihr drittes Kind. Carter, 26, lässt sich von seiner Frau scheiden, die ihn nach fünf Monaten Ehe verlassen hat.
Nur eine scheinbar beiläufige Montagesequenz aus „Reine Chefsache“ von Paul Weitz und doch exemplarisch für die Thematik, der man sich hier widmet: Veränderungen und wie der Mensch mit ihnen umgeht. Bereits zuvor befasste sich der Regisseur in „American Pie“ und der Nick-Hornby-Adaption „About a Boy“ mit dem, was wir „Erwachsen werden“ nennen, und ließ stets die Altersunabhängigkeit des Prozesses am Ende als Quintessenz stehen.
Nach der Angst vor sozialer Bindung („About a Boy“) und der Angst vor frühzeitigem Samenerguss („American Pie“) durchleben die Akteure in „Reine Chefsache“ die Ängste vor beruflichem und elterlichem Versagen. Schauplatz sind die Büros des fiktiven Fachblattes „Sports America“, wo der alteingesessene Anzeigenleiter Dan Foreman (Dennis Quaid) und der junge Karrierist Carter Duryea (Topher Grace) aufeinandertreffen. Nach Firmenübernahme und Umstrukturierung muss der alte Hase den Chefsessel für den solariumgebräunten Senkrechtstarter räumen. „Mann! Mein Dad ist jünger als sie“, wird richtigerweise festgestellt. Kurze Zeit später sieht sich Dan nicht nur mit seinem fortschreitenden Alter und einem neuen Boss, sondern auch mit der Tatsache konfrontiert, das seine 18-jährige Tochter Alex (Scarlett Johansson) sich in den smarten Yuppie verliebt.
Was bis jetzt eher nach dem lauwarmen Aufguss einer Billy-Wilder-Story klingt, macht zur Freude des Zuschauers jedoch schon bald Schritte in die richtige Richtung. Weitz vermeidet nämlich bemühte Situationskomik, und konzentriert sich ausschließlich auf die charakterliche Entwicklung seiner Protagonisten. So lernt man Carter zwar als zielbewussten Schlipsträger ohne Ecken und Kanten kennen, darf aber schon bald hinter die Fassade blicken, wo sich Versagensängste, Einsamkeit und innerliche Leere verbergen. Als wohlüberlegte Besetzung erweist sich hier Topher Grace („Die wilden Siebziger“), der dank seines jungenhaften Charmes die erforderliche Unsicherheit transportiert, die zur Glaubwürdigkeit der Rolle benötigt wird. Auf die Frage, ob er denn glaube, seinem neuen Job überhaupt gewachsen zu sein, erwidert er früh im Film: „Handys verkaufen, Anzeigen verkaufen. Alles derselbe Mist! Ist ja eh nur ein Sprungbrett.“ Den Worten – geschrieben naiv und vermessen klingend – lässt Grace im Bild einen fast schon schuldbewussten Blick Richtung Boden folgen, als erkenne er bereits die wenig humanistische Attitüde dieser Gleichung aus dem Marketing-Lehrbuch. Momente wie dieser stellen klar: Im Prinzip ist Carter ein netter Kerl, der seinen Weg im Leben noch nicht gefunden hat.
Zwar nimmt der Rest der Geschichte einen konventionellen Verlauf – Dan wird für Carter zum Mentor in Sachen Lebensmaxime, während er selbst das Heranwachsen seiner Tochter zur Frau akzeptieren muss – doch was nach „Reine Chefsache“ im Gedächtnis bleibt, sind weniger Happy-End und das Werk als Ganzes, sondern eine handvoll intelligent geschriebener und ausgezeichnet gespielter Szenen, die sich als genaue Studie zwischenmenschlichen Handelns angesichts veränderter Arbeitssituationen entpuppen.
Im Fokus ist hier nicht, wie sich der entlassene Mitarbeiter von seinen Kollegen verabschiedet, sondern wie man jemand anderes verabschiedet, wenn man weiß, dass man selbst der Nächste sein kann. Aus „Sie sind gefeuert!“ wird „Es tut mir leid aber ich muss sie gehen lassen.“. Keine beschönigenden Worte, sondern ernstgemeintes Bedauern.


The Astronaut's Wife
The Astronaut's Wife
DVD ~ Johnny Depp
Wird angeboten von Multi-Media-Trade GmbH - Alle Preisangaben inkl. MwSt.
Preis: EUR 14,99

26 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen What an increbily boring movie.., 22. November 2005
Rezension bezieht sich auf: The Astronaut's Wife (DVD)
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Damn this was a bad one. It was so boring it makes Ingmar-Bergman-movies look like "Aliens".
First of all: The filmmakers took the title of it too seriously. Just because a film is called "The Astronauts Wife" doesnt mean she has to be seen all the time. No joke: There has to be at least six thousand closeups of Charlize Therons face in this flick. Dont get me wrong, she's hot, but that's not the issue for an exciting movie, isnt it..? Well, okay maybe it is and ironically, it also was the only good thing about it, since they should have called it "The Astronaut's Wife's nipples" instead. I counted at least four scenes in which Theron was either cold, horny as hell or didnt wear a bra (or all at once).
And what about that "story"? It's like the writer watched Hitchcocks "Suspicion" and thought: "Hm. Maybe i could rip off the idea, turn it into a science fiction movie and make the whole thing as amateurish as possible." Yes, I'm actually pretty sure it happened in this exact way.
I can clearly hear his diverse thoughts when writing the script: "Oh. I've just created a situation with suspense potential. Quick. I have to ruin it by adding one-dimensional dialogue, stereotypical acting or at least another closeup of Charlize Therons nipples! Phew! Damn that was close.. I've almost created a scene that might have worked!"
There are some things that made me wonder about "The Astronaut's Wife" and some that didnt. I did not wonder why the whole production design looked so uninteresting and boring, because 1. Its adequate to the whole movie and 2. they obviously had no budget because noone wants to invest into a movie that recycles an overused idea without superstar-power.
But i did wonder why the hell Johnny Depp signed on this?! Wait, I know. He signed because the contract was entitled "5 Million and a bed scene with Charlize Theron for free". Fine work, Don Juan. A few hot minutes and the result is a stupid hairdo and your first real flaw in your filmography. Try not to think with your 11th finger next time, buddy.
And why Theron? She's a fine and pretty succesful actress. Answer: She signed because she doesnt even had to appear on the set in the first place! Her agents just mailed some footage of her role in "Devils Advocate" to the producers and they cut a new movie out of it. Well, lets say they cut "something" out of it..
Have i already mentioned that the movie is incredibly boring? Usually, films that mostly rely on dialogue should at least earn some credit for courage, because just like in a stage play, its an effort for a writer to keep things going without letting happening very much.
But what's here? Instead of counterbalancing the boring settings and the leading actress' face all over the screen with interesting thoughts, it does nothing! No excitement, no payoff. Nothing. The characters just say and do what everyone in the audience would expect of characters "like this" to say and do. Well only if the viewer has already watched more than four movies in his life, of course.
And even If you havent already, do not watch it! Watch "Suspicion" instead! It has Cary Grant in it. And also a light bulb in a milk glass. Thats far more than "The Astronaut's Wife" has to offer.


R.E.M. - Perfect Square
R.E.M. - Perfect Square
DVD ~ R.E.M.
Preis: EUR 20,99

22 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen hervorragendes Konzert in hervorragender Umsetzung!, 25. August 2004
Rezension bezieht sich auf: R.E.M. - Perfect Square (DVD)
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"Tonight its you and me and him and him, and we're gonna have a great time, alright?" Ich war nie glühender Fan von R.E.M., darum war ich damals auf dem Bowling Green in Wiesbaden auch nicht dabei (wohl aber mein alter Grundschullehrer, den ich bei einem Crowdshot am Anfang der DVD im Publikum entdeckt habe). Dort trafen sich nämlich Stipe, Mills, Buck und etwa 40.000 Zuhörer im Juli 2003 zum einzigen Live Gig in Deutschland. Und dort haben die Georgianer es ganz offensichtlich richtig krachen lassen.
Aufmerksam geworden durch Kritiken in Musikzeitschriften, die dieses Konzert allesamt über den grünen Klee gelobt hatten, wechselten kurzerhand ein Geburtstagsgutschein und eine DVD den Besitzer, und ich war um einen Silberling reicher. "Perfect Square" enthält neben einer Doku über den ersten und wohl bislang einzigen Liveauftritt der Amerikaner im schottischen Stirling (jawohl, dort wo Mel Gibson im Rock gekämpft hat) eben besagtes Konzert, welches - nun nachdem ich es viermal gesehen habe - dem DVD Namen meiner Meinung nach wirklich zur Ehre reicht.
Völlig schnörkel- und schnickschnackfrei zeigen R.E.M. hier, was sie so verdammt erfolgreich und doch so qualitätsmäßig relevant macht. Von den ersten Takten von "Begin the Begin" bis zum letzten "I feel Fine" von "Its The End Of The World.." wird 105 Minuten lang eine Performance zelebriert, die wahrlich nicht perfekter diesen Zeitrahmen füllen könnte. Vom staubigen "Maps And Legends" über das Frühwerk "Permanent Vacation" bis zum herzzerreißenden "Country Feedback" ist man von der unglaublichen Qualität dieser Darbietung gefangen, was Musik, Text und Intensität angeht.
Für Couch Potatoes funktioniert das erstklassig, woran vor allem die hervorragenden technischen Aspekte der DVD schuld sind. Dolby Digital 5.1, 2.0 oder DTS sowie ein brillantes und kontrastreiches Bild lassen einen zwischenzeitlich vergessen, das man ja gerade im Lieblingssesssel herumfläzt, anstatt dicht gedrängt zwischen singenden Fans auf dem Green zu stehen. Der erstklassige Schnitt des Konzerts tut dann sein übriges. Was ein Erlebnis.
Ich nenne mittlerweile einige Live-DVDs der verschiedensten Musikrichtungen mein eigen, und kann aus dieser Erfahrung heraus nur in die kollektiv angestimmte Lobeshymne mit einsteigen: Dieses Konzert ist eine Wucht! "We're R.E.M. and this is what we do. Thank you for coming".


The Cell
The Cell
DVD ~ Jennifer Lopez
Wird angeboten von Multi-Media-Trade GmbH - Alle Preisangaben inkl. MwSt.
Preis: EUR 18,89

32 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen fantastisch!, 5. August 2004
Rezension bezieht sich auf: The Cell (DVD)
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Hier haben wir's mal wieder. Ein außergewöhnlicher Film verkommt dank dem falschen Marketing zur kinematographischen Randnotiz. In Hollywood Kunst und Kommerz zu vereinen ist ebenso leicht wie den Indo-Pazifik rückwärts im Kanu zu durchpaddeln. Im Westen nichts Neues.

"Langweilig", "zu lang", "sadistisch", "hä?". Dieser Streifen stieß - hierorts wie auch in Amerika - auf viel Verwirrung und Kopfschütteln, was ich hiermit offiziell der Vermarktung in die Schuhe schiebe. Wären die Verleiher mutig genug gewesen, bei der Werbung auf die Qualität des Filmes an sich und nicht allein auf die von Miss Lopez zu setzen... Hätten nicht schon im Vorfeld Trailer leichtfertig und aufmerksamkeits-heischend den "Nachfolger von Se7en und Das Schweigen der Lämmer" versprochen... Wäre dieser Film in Programmkinos gestartet, in dem ihn Zuschauer mit völlig anderer Erwartungshaltung zu Gesicht bekommen hätten... Tarsem Singh's "The Cell" hätte möglicherweise weniger Geld eingespielt, sich aber dafür eine treue Fangemeinde aufbauen können und wäre früher oder später als das Meisterwerk gefeiert worden, das es ist.

Es ist nicht die Story oder die Spannung, die „The Cell" so faszinierend und letztendlich zum Unikat machen (obwohl sich das Drehbuch bei genauer Betrachtung als wesentlich intelligenter entpuppt, als man ob der etwas untergeordneten Rolle erwartet hätte). Vielmehr sind es die augensprengenden Visionen eines Regisseurs, die nicht selbstbewusster und stilsicherer hätten inszeniert werden können. „The Cell" ist eine zweistündige Tour-de-Force postmodernistischer Bildkomposition.
Da trifft man auf surreale Gewölbe und Räume, deren Baumeister Salvador Dáli sein könnte, wohnt einer Baptistentaufe bei, fällt dabei mit der Kamera ins Wasser und rücklings wieder heraus, erschrickt sich in Hieronymus-Bosch-Settings vor muskulösen Anabolika-Blondinen, fliegt in atemberaubender Geschwindigkeit durch Zeit und Raum und betritt (in einem der gewiss beeindruckendsten optischen Momente der Kinogeschichte!) Thronsäle, die textiltechnisch mit ihrem König verschmelzen. Citizen Kane bekommt Konkurrenz. Den Specials dieser DVD kann man entnehmen, der Regisseur habe die Produktions- und Kostümabteilung bis an ihre kreativen Grenzen gefordert. "Das gefällt mir schon ganz gut, aber kannst du noch weiter damit gehen?" Und wie sie konnten.
Tarsem Singh, seinerseits renommierter Musikvideo-Macher und Harvard-Absolvent, beeindruckte den kundigen MTV-Gucker schon Jahre zuvor mit Kreuzigungen im Mohnfeld (Nirvana - Heart-Shaped Box) und hinduistisch-angehauchten Himmelsszenen (R.E.M. - Losing My Religion), doch sein "The Cell" weist neben der herausragenden Optik noch weitere Merkmale anspruchsvollen, durchdachten Kinos auf: Die brillante Musikuntermalung beispielsweise von Altmeister Howard Shore (Lord of the Rings) ist so subtil und filigran, das sie einem erst fast gar nicht auffällt. Singh setzt sie - ganz bewusst - eben nicht in den kontroversen Stellen des Filmes ein, woraus eine erfreulich objektive Sichtweise auf selbige entsteht. Sicherlich keine brandneue Idee, doch für einen Big-Budget-Hollywoodstreifen untypisch und unkonventionell. Eine echte Wohltat angesichts der momentan inflationär angewandten Manipulationsfilmerei irgend eines Jerry-Bruckheimer-Zöglings, bei der man ständig den Eindruck vermittelt bekommt, die Filmemacher wollen das Denken für einen selbst übernehmen.
Trotz aller kontemporären Beeinflussung und Prägung hat Tinseltown mit Tarsem Singh meiner Meinung nach einen wahren "old school director" aufgetan. Hier hat man die Essenz des Filmemachens begriffen. Eben jene Intention, die auch vor über 100 Jahren zur Entwicklung der Laterna Magica geführt hat: "Verzaubere den Zuschauer". Singh-sa-la-bim!
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 8, 2012 11:42 PM CET


1984: in der Übersetzung von Kurt Wagenseil
1984: in der Übersetzung von Kurt Wagenseil
von George Orwell
  Taschenbuch

8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen faszinierend, aber.., 7. Juli 2004
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Ich zähle mich nicht unbedingt zu der Kategorie von Lesern, die ein besonderes Faible für allumfassende Utopien oder apokalyptische Endzeitstories an sich hat. Und um etwas Zeitkolorit hinzuzufügen, ich gehöre auch nicht zu denen, die von den Matrix-Fortsetzungen ob der verschenkten philosophischen Weiterentwicklungen maßlos enttäuscht waren. Ja, richtig. Ich lasse mich in erster Linie gerne unterhalten. Mehr muss ein Medium nicht erfüllen, um mir zu gefallen.
So ist dieser - nicht gerade leicht verdauliche - Klassiker hier auch nur zufällig auf meinem Nachtkästchen gelandet, denn schließlich gibt es Literatur, die "sollte" man doch früher oder später mal gelesen haben. Alleine schon der Bildung wegen, so glaube ich.
"1984" ist dann auch genauso komplex, intelligent, erschreckend und deprimierend, wie es die Allgemeinheit behauptet. Gerade auch, wenn man das Entstehungsjahr des Buches - nämlich '49 - im Kontext zur Geschichte sieht, ist Orwell in seiner revolutionär angehauchten Weitsicht was Entwicklung und Aufbau der dort geschilderten Staatsform betrifft, unglaublich faszinierend! Aber die Qualität des Werkes und die Brillanz seines Autors zu bestätigen, ist eigentlich völlig überflüssig, denn hier haben wir es mit einem bereits tausendfach besprochenen Klassiker der Weltliteratur zu tun. Vielmehr will ich versuchen, "1984" subjektiv aus meinem Blickwinkel als "Spannungsroman" zu bewerten.
Der Spannungsbogen, den die Geschichte vom "Zahnrädchen" Winston in der Maschine des Großen Bruders über den Umfang von plusminus 300 Seiten spannt, bekommt nämlich gerade im Mittelteil einen kleinen Einbruch. Dann, wenn über mehrere Kapitel die Struktur des Engsoz (also des "englischen Sozialismus" in dem sich der Protagonist befindet) aufgezeigt wird. Streckenweise hatte ich hier das Gefühl, das sich die Hintergrundschilderungen über die Parteiintentionen bezüglich Krieg und Volk ja sogar wiederholen oder zumindest mehrfach ausgeführt werden.
Es ist interessant, das Ausmaß von Orwells Utopie so detailliert kennenzulernen, aber als Leser ist man an diesen Stellen dank der etwas trockenen Sachbuchrhetorik eben nur noch durch die Faszination am Thema an sich an das Buch gefesselt, und nicht mehr durch die Geschichte. Zumindest ging mir das so. Ich glaubte in gewissen Momenten auch zu spüren, dass es Orwell schlicht und einfach ein erzählerisches Bedürfnis war, seine Welt strategisch und psychologisch auszuformulieren, und die Dramaturgie dementsprechend halt etwas in den Hintergrund treten musste. Trotz der Spannungseinbußen bleibt es aber auch hier lesenswert.
Punktum. Gerade durch kürzlich erschienene Filme wie eben jene Trilogie mit den Zeitlupeneffekten oder "Equilibrium" sowie durch Zeitgeschehenisse wie die EU-Erweiterung gewinnt 1984 wieder an Aktualität. Darum glasklare Leseempfehlung von meiner Seite, auch wenn man als "anspruchsloser Leser" den ein oder anderen Stolperstein in punkto Spannung erwarten darf.


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