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Rezensionen verfasst von
Lukas Winterstein (Düsseldorf)

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Weihnachts-Oratorium (Ga)
Weihnachts-Oratorium (Ga)
Preis: EUR 12,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Samt für Augen und Ohren, 6. Dezember 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Weihnachts-Oratorium (Ga) (Audio CD)
Diese CD kommt rundum samtweich daher, sowohl musikalisch als auch in der Verpackung. Ein roter samtbezogener Pappschuber: Der eine findet es edel, der andere kitschig. Kitschig darf es Weihnachten ja auch mal sein, nur bitte nicht musikalisch!

Diese Gefahr ist allein schon durch die erstklassige Besetzung mit Orchester, Leitung, Chor und Solisten gebannt, die sämtlich auf eine langjährige, seriöse und künstlerisch erstklassige Bachtradition in ihrem Werdegang verweisen können.

Dresdner Kreuzchor, Dresdner Philharmonie, Peter Schreier, Annelies Burmeister, Theo Adam: Diese Namen allein sorgen bei mir schon für Gänsehaut und nostalgische Gefühle. Zusammen mit den Thomanern und dem Gewandhausorchester waren sie in den 70er Jahren Ausweis des enormen, bis heute andauernden musikkulturellen Reichtums im anderen Teil Deutschlands.

Wie schön, dass die Aufnahme der VEB Deutsche Schallplatten Berlin in dieser Ausführung wieder aufgelegt wurde!

Samtweich also auch die Musik, klangästhetisch fernab des schlanken, vibratoarmen Musizierens der Vertreter einer historisierenden Aufführungspraxis. Martin Flämig zelebriert ein Oratorium mit warmem, sinnlichen Chorklang. Der Kreuzchor lässt es zuweilen an Luftigkeit und Transparenz etwas vermissen, dafür gelingen ihm die andachtsvollen, kontemplativen Passagen umso schöner und ergreifender. Flämig gibt hier Zeit zum Atmen.

Peter Schreier scheint als Evangelist geboren, so sehr ist ihm diese Rolle auf den Leib geschneidert. Distanz und Anteilnahme befinden sich bei ihm in den Rezitativen stets in einem perfekten Verhältnis. Freilich, sein charakteristisches, leicht "knödeliges" Timbre muss man mögen, ich liebe es!

Arleen Augér, als Amerikanerin unter Sachsen, fügt sich perfekt ins Ensemble ein. Mit klarer Artikulation nimmt ihr warm strahlender Sopran für sich ein. Herrlich die Echo-Arie "Flößt mein Heiland"! Annelies Burmeisters Alt steht dem in nichts nach.

Theo Adams Bass (für mich eher Bassbariton) besticht durch seine lyrischen Qualitäten mit schlanker Stimmführung.

Die beschriebenen Dispositionen des Sängerensembles, dabei stets frei von Manieriertheit, tragen zum samtigen Wohlgefühl bei, das diese Aufnahme bei mir hinterlässt. Das Klangbild der Aufnahme ist transparent, warm und ausgewogen. Die hierzu von einem Rezensenten geäußerte Kritik mit Verweis auf mangelhaftes ostdeutsches Aufnahmeequipment kann ich in keiner Weise nachvollziehen. Er möge sich einmal anhören, wie gesamtdeutsche Tontechniker 1994 Rillings Matthäus-Passion durch ein viel zu direktes Klangbild "verhunzt" haben.

Für den überaus günstigen Preis zumal ist diese Aufnahme des Weihnachtsoratoriums für mich konkurrenzlos.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 26, 2013 3:10 PM CET


Matthäuspassion
Matthäuspassion

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ab in den Olymp: So muss Bach! ;-), 18. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Matthäuspassion (Audio CD)
Mein persönliches Projekt, alle 12 mir eigenen Aufnahmen der Matthäus-Passion für amazon zu rezensieren, steht nun kurz vor dem Abschluss und ich kann sagen: Keine Aufnahme hat mir bei meinem monatelangen Hör- und Vergleichsmarathon mehr Freude bereitet als diese, keine hat mich zusammen mit der Dresdener-Leipziger (Peter Schreier/Philips)-Produktion so tief bewegt und zu Tränen gerührt!

Wieviel Kritik musste ich an den vielen anderen insgesamt immerhin auch guten Aufnahmen noch äußern! Werkauffassung, Dirigat, Tempi, Chor-/Orchesterleistung, Besetzungsentscheidungen, Qualität der einzelnen Gesangssolisten, Klangbild und Aufnahmetechnik: Überall gab es an der einen oder anderen Stelle deutliche Punktabzüge.

Herreweghe und seine Mitstreiter aber machen in ihrer 1985er Aufnahme für meinen Geschmack alles so gut und richtig, dass für mich keine Wünsche offen bleiben.

Die Chapelle Royale zeigt sich auf ihren Originalinstrumenten als erlesenes Ensemble mit keineswegs sprödem, sondern transparentem und warmen Klang. Das ist beseeltes Musizieren, fernab jeder Routine anderer professioneller Orchester. Ich wünschte, ich könnte von ihnen eine reine Orchesterversion der Matthäus-Passion hören, allein das würde sich schon lohnen.

Das Collegium Vocale Gent ergänzt um den „Choeur d’enfants in dulci jubilo“ verzaubert mit einem wunderschön homogenen Gesamtklang, vortrefflich besetzt in allen Stimmlagen. Der Chor verfügt über große Beweglichkeit („Sind Blitze, sind Donner“) und wahrhaft sinnliche Ausdruckstiefe (Anfangs-/Schlusschor, „Oh Haupt voll Blut und Wunden“...) bei hervorragender Textverständlichkeit.

Diese ist auch bei den teils nicht muttersprachlichen Solisten zu meiner großen Freude durchgängig gegeben. Hierzu wurde von Herreweghe eigens ein Linguist als Trainer engagiert.

Howard Crook bietet alles, was ein Evangelist benötigt: Ein schönes, einnehmendes Timbre, dramatisches und lyrisches Ausdrucksvermögen, dezente Zurückhaltung in den distanziert epischen Passagen.

Hans Peter-Blochwitz, bei Solti drei Jahre später auch ein formidabler Evangelist, ist nicht nur ein gesanglich souveräner Tenor, auch er verfügt über ein dem Rollenverständnis entsprechendes hohes Maß an Ausdrucksvermögen und Anteilnahme („Ich will bei meinem Jesu wachen“), ohne ins Melodramatische oder rein Affekthafte abzugleiten.

Ulrik Colds Bass verleiht seinem Jesus echtes Charisma, heldische Stärke, tiefe Verletzlichkeit und verzweifelte Unsicherheit. Hier findet eine totale Identifikation mit der Rolle sängerischen Ausdruck. Man hat ein plastisches Bild dieses Jesus vor Augen. So intensiv habe ich das noch bei keinem Sänger empfunden.

Barbara Schlick ist als Sopran einfach umwerfend. Die Arie „Blute nur du liebes Herz“ habe ich noch nicht schöner gehört. Die Passage „Ach, ein Kind, das du erzogen, das an deiner Brust gesogen“ singt sie mit so tiefem Ausdruck, dass man das sinnliche Empfinden einer stillenden Mutter förmlich nachfühlen kann, sensationell!
Umso absurder erscheint es mir in diesem Licht, diese Partie ungeachtet einer rein aufführungshistorischen Betrachtungsweise heute noch von Knabensopranen singen zu lassen (Leonhardt...).

René Jacobs, Alt, und Peter Kooy, Bass, runden ein ausgezeichnetes Sängerensemble auf höchstem Niveau ab.

Die stets der inhaltlichen Aussage angemessene Ausdrucksstärke der Solisten und des Chores in allen kontemplativen Passagen ist für mich die Meisterleistung Herreweghes. Trotz dieser plastischen Rollen- und Textdeutung gleitet seine Passion nie ins opernhafte ab, sie bleibt stets eine tief bewegende oratorische Passion.

Wunderbar auch das Klangbild: Räumlich und mit ganz leichtem Nachhall schmeichelt es dem Hörer (Daran hätten sich die Tontechniker der mit aufdringlichem, zu direktem Klangbild verstörenden 94er Rilling-CD ein Beispiel nehmen sollen).

Diese Aufnahme gehört für mich zur absoluten Referenzklasse, "so muss Bach"!


Matthäus-Passion
Matthäus-Passion

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ab in den Olymp: So muss Bach! ;-), 18. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Matthäus-Passion (Audio CD)
Mein persönliches Projekt, alle 12 mir eigenen Aufnahmen der Matthäus-Passion für amazon zu rezensieren, steht nun kurz vor dem Abschluss und ich kann sagen: Keine Aufnahme hat mir bei meinem monatelangen Hör- und Vergleichsmarathon mehr Freude bereitet als diese, keine hat mich zusammen mit der Dresdener-Leipziger (Peter Schreier/Philips)-Produktion so tief bewegt und zu Tränen gerührt!

Wieviel Kritik musste ich an den vielen anderen insgesamt immerhin auch guten Aufnahmen noch äußern! Werkauffassung, Dirigat, Tempi, Chor-/Orchesterleistung, Besetzungsentscheidungen, Qualität der einzelnen Gesangssolisten, Klangbild und Aufnahmetechnik: Überall gab es an der einen oder anderen Stelle deutliche Punktabzüge.

Herreweghe und seine Mitstreiter aber machen in ihrer 1985er Aufnahme für meinen Geschmack alles so gut und richtig, dass für mich keine Wünsche offen bleiben.

Die Chapelle Royale zeigt sich auf ihren Originalinstrumenten als erlesenes Ensemble mit keineswegs sprödem, sondern transparentem und warmen Klang. Das ist beseeltes Musizieren, fernab jeder Routine anderer professioneller Orchester. Ich wünschte, ich könnte von ihnen eine reine Orchesterversion der Matthäus-Passion hören, allein das würde sich schon lohnen.

Das Collegium Vocale Gent ergänzt um den „Choeur d’enfants in dulci jubilo“ verzaubert mit einem wunderschön homogenen Gesamtklang, vortrefflich besetzt in allen Stimmlagen. Der Chor verfügt über große Beweglichkeit („Sind Blitze, sind Donner“) und wahrhaft sinnliche Ausdruckstiefe (Anfangs-/Schlusschor, „Oh Haupt voll Blut und Wunden“...) bei hervorragender Textverständlichkeit.

Diese ist auch bei den teils nicht muttersprachlichen Solisten zu meiner großen Freude durchgängig gegeben. Hierzu wurde von Herreweghe eigens ein Linguist als Trainer engagiert.

Howard Crook bietet alles, was ein Evangelist benötigt: Ein schönes, einnehmendes Timbre, dramatisches und lyrisches Ausdrucksvermögen, dezente Zurückhaltung in den distanziert epischen Passagen.

Hans Peter-Blochwitz, bei Solti drei Jahre später auch ein formidabler Evangelist, ist nicht nur ein gesanglich souveräner Tenor, auch er verfügt über ein dem Rollenverständnis entsprechendes hohes Maß an Ausdrucksvermögen und Anteilnahme („Ich will bei meinem Jesu wachen“), ohne ins Melodramatische oder rein Affekthafte abzugleiten.

Ulrik Colds Bass verleiht seinem Jesus echtes Charisma, heldische Stärke, tiefe Verletzlichkeit und verzweifelte Unsicherheit. Hier findet eine totale Identifikation mit der Rolle sängerischen Ausdruck. Man hat ein plastisches Bild dieses Jesus vor Augen. So intensiv habe ich das noch bei keinem Sänger empfunden.

Barbara Schlick ist als Sopran einfach umwerfend. Die Arie „Blute nur du liebes Herz“ habe ich noch nicht schöner gehört. Die Passage „Ach, ein Kind, das du erzogen, das an deiner Brust gesogen“ singt sie mit so tiefem Ausdruck, dass man das sinnliche Empfinden einer stillenden Mutter förmlich nachfühlen kann, sensationell!
Umso absurder erscheint es mir in diesem Licht, diese Partie ungeachtet einer rein aufführungshistorischen Betrachtungsweise heute noch von Knabensopranen singen zu lassen (Leonhardt...).

René Jacobs, Alt, und Peter Kooy, Bass, runden ein ausgezeichnetes Sängerensemble auf höchstem Niveau ab.

Die stets der inhaltlichen Aussage angemessene Ausdrucksstärke der Solisten und des Chores in allen kontemplativen Passagen ist für mich die Meisterleistung Herreweghes. Trotz dieser plastischen Rollen- und Textdeutung gleitet seine Passion nie ins opernhafte ab, sie bleibt stets eine tief bewegende oratorische Passion.

Wunderbar auch das Klangbild: Räumlich und mit ganz leichtem Nachhall schmeichelt es dem Hörer (Daran hätten sich die Tontechniker der mit aufdringlichem, zu direktem Klangbild verstörenden 94er Rilling-CD ein Beispiel nehmen sollen).

Diese Aufnahme gehört für mich zur absoluten Referenzklasse, "so muss Bach"!


Matthäus-Passion (Ga)
Matthäus-Passion (Ga)
Preis: EUR 39,92

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der letzte Funke fehlt!, 17. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Matthäus-Passion (Ga) (Audio CD)
Von einer erneuten Harnoncourt-Matthäus-Passion muss man etwas Großes erwarten können, aber, um es vorwegzunehmen: Es reicht nicht für den Olymp!

Harnoncourt wählt neben zweifacher Chor-, Orchester- und Continuobesetzung auch eine Doppelung der Gesangssolisten, was der Qualität nicht zuträglich ist.

Christine Schäfer und Bernarda Fink fehlt es an stimmlicher und sängerischer Klasse, um als ganz große Besetzungen gelten zu können. Ohne lange überlegen zu müssen, fallen mir zahlreiche überlegene Sängerinnen ein (aus neuerer Zeit bsw. Christiane Oelze, Anne Sofie von Otter...).

In der Arie „Gebt mir meinen Jesum wieder“ misslingt Oliver Widmer mit seinem begrenzten Stimmvolumen der Spagat zwischen Trauer und Wut im Ausdruck.
Auch Matthias Goerne, eigentlich eine Bank als Jesus, bleibt mit angezogener „Ausdrucksbremse“ hinter seiner hervorragenden Vorstellung in der Rilling-Aufnahme zurück (vgl. z. B. „Eli, Eli, lama asabthani?, Nr. 61a).

Vortrefflich dagegen erneut Christoph Prégardien als in allen Lagen stimmlich sattelfester Evangelist mit sowohl lyrischen als auch dramatischen Talenten für diese Rolle reichlich gesegnet und Michael Schade, vorzüglicher Evangelist bei Rilling, hier ebenso überzeugend in den ihm übertragenden Tenorpartien.

Wie bei manchen Sängern will leider auch beim Chor der letzte Funke nicht überspringen: Schon der Eingangschor enttäuscht: Wo ist hier der Dialog? „Sehet...-Wen?!!!!“ Das muss viel trennschärfer dialogisch herausgearbeitet werden. Harnoncourt lässt die Einzelchöre hier, anders als eigentlich im Begleittext der CD postuliert, zu sehr ineinanderfließen.

Im weiteren Verlauf gelingt den Chören jedoch harmonisch und dynamisch Großes; die Wiener Sängerknaben fügen sich sehr schön in ein prächtiges Klangbild ein.

Der Concentus Musicus erweist sich als ein routiniertes Ensemble der historisierenden Spielweise auf Originalinstrumenten - zu routiniert, um den Atem anzuhalten und das Herz schneller schlagen zu lassen.


Matthäus-Passion
Matthäus-Passion
Preis: EUR 20,98

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der letzte Funke fehlt!, 17. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Matthäus-Passion (Audio CD)
Von einer erneuten Harnoncourt-Matthäus-Passion muss man etwas Großes erwarten können, aber, um es vorwegzunehmen: Es reicht nicht für den Olymp!

Harnoncourt wählt neben zweifacher Chor-, Orchester- und Continuobesetzung auch eine Doppelung der Gesangssolisten, was der Qualität nicht zuträglich ist.

Christine Schäfer und Bernarda Fink fehlt es an stimmlicher und sängerischer Klasse, um als ganz große Besetzungen gelten zu können. Ohne lange überlegen zu müssen, fallen mir zahlreiche überlegene Sängerinnen ein (aus neuerer Zeit bsw. Christiane Oelze, Anne Sofie von Otter...).

In der Arie „Gebt mir meinen Jesum wieder“ misslingt Oliver Widmer mit seinem begrenzten Stimmvolumen der Spagat zwischen Trauer und Wut im Ausdruck.
Auch Matthias Goerne, eigentlich eine Bank als Jesus, bleibt mit angezogener „Ausdrucksbremse“ hinter seiner hervorragenden Vorstellung in der Rilling-Aufnahme zurück (vgl. z. B. „Eli, Eli, lama asabthani?, Nr. 61a).

Vortrefflich dagegen erneut Christoph Prégardien als in allen Lagen stimmlich sattelfester Evangelist mit sowohl lyrischen als auch dramatischen Talenten für diese Rolle reichlich gesegnet und Michael Schade, vorzüglicher Evangelist bei Rilling, hier ebenso überzeugend in den ihm übertragenden Tenorpartien.

Wie bei manchen Sängern will leider auch beim Chor der letzte Funke nicht überspringen: Schon der Eingangschor enttäuscht: Wo ist hier der Dialog? „Sehet...-Wen?!!!!“ Das muss viel trennschärfer dialogisch herausgearbeitet werden. Harnoncourt lässt die Einzelchöre hier, anders als eigentlich im Begleittext der CD postuliert, zu sehr ineinanderfließen.

Im weiteren Verlauf gelingt den Chören jedoch harmonisch und dynamisch Großes; die Wiener Sängerknaben fügen sich sehr schön in ein prächtiges Klangbild ein.

Der Concentus Musicus erweist sich als ein routiniertes Ensemble der historisierenden Spielweise auf Originalinstrumenten - zu routiniert, um den Atem anzuhalten und das Herz schneller schlagen zu lassen.


Lukaspassion, BVW 246
Lukaspassion, BVW 246
Wird angeboten von Music-Shop
Preis: EUR 34,99

3.0 von 5 Sternen Feines Kleinod, 13. November 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Lukaspassion, BVW 246 (Audio CD)
Wenn man heute nicht wüsste, dass Bach die Lukas Passion nicht selbst komponiert hat, man würde es dem Werk nicht anmerken. Sie ist eine oratorische Passion für vier Solostimmen, Chor, Orchester und Continuo, schlichter als die große Matthäus Passion, auch weniger dramatisch als die Johannes Passion, ergreifend und unprätentiös im besten Bachschen Stile. Wohl deshalb hat er sich ihr auch gerne angenommen und sie in Leipzig mehrmals, vielleicht nach eigener Bearbeitung, aufgeführt.

Die Lukas Passion fristet völlig zu Unrecht ein Schattendasein in der "Bach"-Diskografie. Ganze zwei Aufnahmen sind derzeit problemlos erhältlich; keine von einem Major-Plattenlabel mit bekannten Interpreten.

Die Balinger Kantorei und das Kammerorchester des Kollegium Tübingen sind jenseits der Schwäbischen Alb wohl den wenigsten bekannt. Dennoch leisten sie unter der Leitung von Gerhard Rehm durchaus Beachtliches: Der Chor mit homogenem Klang, klarer Deklamation, sicher nicht ganz olympiareif und zu dünn in den (wenigen) dramatischeren Passagen (z.B. "Herr, sollen wir mit dem Schwert dreinschlagen?"), Orchester und Continuo mit technischer Präzision überwiegend auf der Höhe, manchmal von Rehm zu wenig unter Spannung gehalten, der dem Werk offenbar kaum Dramaturgie abgewinnen kann.

Georg Jelden neigt als Evangelist zu einer weinerlichen Deklamation, was mich persönlich deutlich nervt.
Ulrich Schaible überzeugt als Jesus mit sonorem Bass. Er legt hörbar besonderen Wert auf gute Textverständlichkeit, was manchmal zu Lasten sängerischer Ausdruckskraft geht. Charlotte Lehmann, bekannt als Musikpädagogin und Lehrerin Thomas Quasthoffs, verfügt über einen gereiften ausdrucksstarken Sopran und nimmt ebenso für sich ein wie Elisabeth Künstler (Alt).

Die Aufnahme wurde ursprünglich für das kleine und feine Label "Bayer Records" eingespielt, ist dort wohl auch noch im Direktvertrieb erhältlich; hier liegt sie als Low Budget-Lizenzprodukt der "Brilliant Classics" vor.
Kehrseite des günstigen Preises: Es fehlen jegliche Angaben über Werk, Künstler, Texte usw.. Ein Booklet liegt der CD nicht bei, sehr schade!

Dennoch lohnt sich mangels Alternativen die Anschaffung zu einem günstigen Preis: Die Lukas Passion ist ein feines Kleinod barocker oratorischer Chormusik, die kaum aufgeführt wird und an der man sich noch nicht "überhört" haben dürfte.


Matthäus-Passion (Arien und Chöre)
Matthäus-Passion (Arien und Chöre)
Preis: EUR 9,97

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gardiners Muskelspiele, 5. November 2013
Im Gefühl des sicheren Sieges kann man leicht kurz vor der Ziellinie scheitern. Dass Gardiner zwar stolpert, aber nicht scheitert, verdankt er seinen hervorragenden Mitstreitern, dem technisch über jeden Zweifel erhabenen Monteverdi Choir und den English Baroque Solists.

Nach seinen vorzüglichen Einspielungen der h-Moll-Messe und der Johannes-Passion, die zu Recht Referenzstatus für sich beanspruchen können, unterschätzt er jedoch entweder die komplexen Anforderungen, die die monumentale Matthäus-Passion in Bezug auf differenzierte Dynamik und Ausdruckskraft stellt oder ihm fehlt das Gespür dafür.

Den ersten, kürzeren und handlungsärmeren Teil der Passion absolviert Gardiner in einem Parforceritt von 66 Minuten, als ob er im Anschluss einen Flieger zu erreichen hätte. Rilling und Leonhardt nehmen sich und geben den Hörern 9 – Karl Richter gar 20 Minuten mehr Zeit. Nun ist Zeit kein Wert an sich, wenn sie nicht irgendwo fehlte. Dies bedarf einer näheren Betrachtung.

Das Passionsgeschehen schreitet auf mehreren Ebenen voran: Distanziert rezitativisch bis leidenschaftlich effektvoll begleitet der Evangelist das Geschehen. Anthony Rolfe Johnson darf oder kann nur ersteres leisten; seine Textverständlichkeit lässt dabei an vielen Stellen zu wünschen übrig, was für diesen Part trotz seiner sängerischen Qualität einfach nicht akzeptabel ist.

Die dramatischen Turba-Chöre sind bei den luftig, transparent und in allen Lagen sicher intonierenden Monteverdis bestens aufgehoben. Hier lässt man locker die Muskeln spielen. Herrlich auch „Sind Blitze, sind Donner...“ Da zucken und funken die Blitze vom Himmel, dass es eine wahre Freude ist zuzuhören.

Aber Vorsicht: Die Chorsätze, die Innerlichkeit und Anteilnahme zum Ausdruck bringen sollen, erfordern Zeit und ein Gefühl für den Text. Beides fehlt hier leider (vgl. Anfangs-/Schlusschor, „Oh Mensch, bewein dein Sünden groß“, „Wer hat dich so geschlagen?“, „Oh Haupt voll Blut und Wunden“ u. a.).

Ein meditatives Element bilden die lyrischen Arien nach Picander-Texten, in denen die „gläubige Seele“ ihre Gefühle im Angesicht des Leidens Christi offenbart. Hier besteht das Sängerensemble die höchsten Anforderungen in sehr unterschiedlicher Weise.
Ann Monoyios mädchenhafter, glockenklarer Sopran nimmt mich schnell gefangen („Blute nur, du liebes Herz“), Anne Sofie von Otter ist mit ihrem reiferen Sopran und vorzüglicher Artikulation ebenfalls eine hervorragende Besetzung. Bei Barbara Bonney stört mich der unverkennbare britische Akzent.

Ich bevorzuge bei den nicht-lateinischen Werken geistlicher Musik ganz deutlich jeweils muttersprachliches Sängerpersonal. Diese Kritik gilt auch für Michael Chance und Howard Crook, die in Pinnocks Messiah-Aufnahme eine hervorragende hier aber eine suboptimale Besetzung darstellen.

Cornelius Hauptmann singt die schöne Arie „Gebt mir meinen Jesum wieder“ wie ein großer Junge, dem man sein Spielzeugauto weggenommen hat. Anteilnahme am Geschehen: Fehlanzeige; dies wirkt auf mich fast schon grotesk. Wer daran zweifelt, der höre sich einmal Theo Adam in der Dresdner/Leipziger Peter Schreier-Aufnahme an: So ist das perfekt!

Kurzum: Der Rang einer Referenzaufnahme bleibt dieser Einspielung klar versagt, im oberen Drittel des Gesamtkatalogs der zahlreichen Konkurrenzaufnahmen kann sie jedoch mühelos bestehen.


Edition Bachakademie Vol. 74 (Matthäus-Passion)
Edition Bachakademie Vol. 74 (Matthäus-Passion)
Preis: EUR 19,95

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Fast eine Referenzaufnahme!, 5. November 2013
Eine Neueinspielung der Matthäuspassion in den 90er Jahren hat es schwer. Sie muss sich qualitativ gegen eine große Anzahl ziemlich guter bis hervorragender bereits veröffentlichter Aufnahmen durchsetzen oder sich durch einen ganz besonderen Interpretationsansatz auszeichnen.
Die ausgewiesenen Bachexperten aus Stuttgart bieten nichts Neues, aber eine zweifellos insgesamt sehr gelungene Aufnahme mit vielen Stärken aber auch Reserven.

Die Stuttgarter spielen wie immer auf modernen Instrumenten. Rilling verpflichtet das Orchester zu dezenter „Verwaltung“ der Partitur im „Mid-Tempo“. Es spielt sauber und harmoniert gut mit der ausgezeichneten Gächinger Kantorei.

Die Choräle wurden nicht oft so schlicht und intensiv gemeindeliedartig eingespielt, ein sehr überzeugender Ansatz in protestantischer kirchenmusikalischer Tradition.

Bei der Besetzung der Solopartien setzt Rilling auf muttersprachliches Personal, die Textverständlichkeit ist ihm ein großes Anliegen, gut so!

Michael Schade ist ein vorzüglicher, ausdrucksstarker lyrischer Evangelist, dabei klar und akzentuiert in den epischen Passagen. Die dramatischen Momente bereiten seinem Tenor jedoch leichte Schwierigkeiten; hier wird die Stimme etwas dünn.

Ingeborg Danz liefert eine ordentliche Altpartie ab, an manchen Stellen etwas brüchig und im Ausdruck nicht immer überzeugend.

Hervorragend Christiane Oelze. Ihr jugendlicher, glockenreiner Sopran nimmt einen direkt gefangen, eine Top-Besetzung für diese Rolle ebenso wie Matthias Goerne als Jesus.

Ich wäre froh, wenn er auch die Bass-Arien gesungen hätte, denn hier enttäuscht mich Thomas Quasthoff kolossal in der Arie „Gebt mir meinen Jesum wieder“. Selten habe ich eine so teilnahmslose Interpretation dieser ergreifenden Musik gehört!

Das Klangbild der Aufnahme ist zwar schön klar und transparent, jedoch für meinen Geschmack insbesondere bei der Abmischung der Solopartien zu direkt. Die Sänger springen dem Hörer akustisch förmlich ins Gesicht. Das empfinde ich als unangenehm aufdringlich, so als würde man im Konzert nicht im Publikum sitzen, sondern auf dem Dirigentenpult stehen. Schade, der Musikgenuss wird für mich dadurch leider gemindert.

Insgesamt ist diese Aufnahme damit eine der besten unter vielen wirklich guten auf dem Markt, zur Referenz reicht es aber nicht.


Bach: Matthäus-Passion BWV 244
Bach: Matthäus-Passion BWV 244

3.0 von 5 Sternen Leonhardt auf Abwegen, 5. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Bach: Matthäus-Passion BWV 244 (Audio CD)
Zwischen 1985 und 1990 gab es eine bemerkenswerte Matthäus-Passion-Welle, nachdem die Pioniere der historisierenden Aufführungspraxis für einen Wandel in der Rezeption „Alter Musik“ gesorgt hatten. Nun wollten sich alle mit Rang und Namen (Label, Ensembles, Dirigenten), mit einem erneuten Statement, teilweise unter Revision früherer Positionen verewigen.

Die Interpretation Gustav Leonhardts, einer Kapazität auf dem Gebiet dieser Musik, verdient in jedem Fall besondere Aufmerksamkeit.

Seine Vorgehensweise ist besonders: In beiden Chören besetzt er die Sopran- und Altstimmen mit Sängern des Tölzer Knabenchores. Dazu gesellen sich jeweils vier Tenöre und Bässe.
Die Solo-Sopranpartien werden von den beiden Tölzer Sängerknaben Christian Fliegner und Maximilian Kiener gesungen.
Ein Unterfangen, das seine Berechtigung ausschließlich dadurch ableiten kann, dass Bach damals bei der Besetzung auf aktuelle Thomasschüler und ehemalige Absolventen angewiesen war. Er hatte nicht die Möglichkeit, für eine Karfreitagsaufführung der Matthäuspassion die besten Sänger des Landes um sich zu versammeln, so wie das heute bei einer Plattenaufnahme möglich ist.

Insofern ist die Besetzungsentscheidung aus Authentizitätsgründen für mich zu relativieren; künstlerisch halte ich sie für suboptimal bezogen auf den Chor und für gänzlich falsch, was die Solopartien betrifft! Leonhardt begibt sich damit leider auf Abwege.

Wenn ein etwa zwölfjähriger Junge in der Arie „Blute nur, du liebes Herz“ singt „Ach ein Kind, das du erzogen, das an deiner Brust gesogen...“, ist das geradezu grotesk!
Der in den Arien zum Ausdruck gebrachte (Welt)schmerz kann glaubhaft nur von erwachsenen Stimmen vermittelt werden.

Die getragenen Chorpartien (Eingangs-/Schlusschor, „Oh Haupt voll Blut und Wunden“) leiden durch die markante Knabenfraktion unter einem ähnlichen Mangel an Ausdrucksvermögen, werden aber technisch schön gesungen und sauber artikuliert.

Im anspruchsvollen Chor„Sind Blitze, sind Donner..“ überzeugt das Ensemble nicht. Es mangelt deutlich an Homogenität, die Knabenstimmen separieren sich und intonieren hier sehr bemüht im Stile einer Aufzählung (1.: sind Blitze, 2.: sind Donner...), so als würden sie einen Einkaufszettel vertonen. Kein Vergleich zu den Spitzenchören, etwa zum hierbei herausragenden Monteverdi Choir. Unverständlich, dass Leonhardt so etwas durchgehen lässt!

Jetzt zu den Stärken der Einspielung: Die Petite Bande mit Sigiswald Kuijken auf historischen Instrumenten spielend stellt zwei Orchesterfraktionen der Spitzenklasse, die in Harmonik und Rhythmik keine Wünsche offen lassen.

Christoph Prégardien ist für mich neben Peter Schreier die bestmögliche Besetzung als Evangelist. Er verbindet höchste Sangeskunst mit Empfindungstiefe ganz ohne Manieriertheit, exzellent!
Max von Egmond überzeugt als Jesus ebenfalls außerordentlich. Sein Baß vermittelt Stärke und Verletzlichkeit jederzeit angemessen.
Die übrigen Solisten, man beachte hier René Jacobs als Alt, machen ihre Sache sehr ordentlich.


Bach: Matthäus-Passion Bwv 244
Bach: Matthäus-Passion Bwv 244
Preis: EUR 14,95

3.0 von 5 Sternen Leonhardt auf Abwegen, 3. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Bach: Matthäus-Passion Bwv 244 (Audio CD)
Zwischen 1985 und 1990 gab es eine bemerkenswerte Matthäus-Passion-Welle, nachdem die Pioniere der historisierenden Aufführungspraxis für einen Wandel in der Rezeption „Alter Musik“ gesorgt hatten. Nun wollten sich alle mit Rang und Namen (Label, Ensembles, Dirigenten), mit einem erneuten Statement, teilweise unter Revision früherer Positionen verewigen.

Die Interpretation Gustav Leonhardts, einer Kapazität auf dem Gebiet dieser Musik, verdient in jedem Fall besondere Aufmerksamkeit.

Seine Vorgehensweise ist besonders: In beiden Chören besetzt er die Sopran- und Altstimmen mit Sängern des Tölzer Knabenchores. Dazu gesellen sich jeweils vier Tenöre und Bässe.
Die Solo-Sopranpartien werden von den beiden Tölzer Sängerknaben Christian Fliegner und Maximilian Kiener gesungen.
Ein Unterfangen, das seine Berechtigung ausschließlich dadurch ableiten kann, dass Bach damals bei der Besetzung auf aktuelle Thomasschüler und ehemalige Absolventen angewiesen war. Er hatte nicht die Möglichkeit, für eine Karfreitagsaufführung der Matthäuspassion die besten Sänger des Landes um sich zu versammeln, so wie das heute bei einer Plattenaufnahme möglich ist.

Insofern ist die Besetzungsentscheidung aus Authentizitätsgründen für mich zu relativieren; künstlerisch halte ich sie für suboptimal bezogen auf den Chor und für gänzlich falsch, was die Solopartien betrifft! Leonhardt begibt sich damit leider auf Abwege.

Wenn ein etwa zwölfjähriger Junge in der Arie „Blute nur, du liebes Herz“ singt „Ach ein Kind, das du erzogen, das an deiner Brust gesogen...“, ist das geradezu grotesk!
Der in den Arien zum Ausdruck gebrachte (Welt)schmerz kann glaubhaft nur von erwachsenen Stimmen vermittelt werden.

Die getragenen Chorpartien (Eingangs-/Schlusschor, „Oh Haupt voll Blut und Wunden“) leiden durch die markante Knabenfraktion unter einem ähnlichen Mangel an Ausdrucksvermögen, werden aber technisch schön gesungen und sauber artikuliert.

Im anspruchsvollen Chor„Sind Blitze, sind Donner..“ überzeugt das Ensemble nicht. Es mangelt deutlich an Homogenität, die Knabenstimmen separieren sich und intonieren hier sehr bemüht im Stile einer Aufzählung (1.: sind Blitze, 2.: sind Donner...), so als würden sie einen Einkaufszettel vertonen. Kein Vergleich zu den Spitzenchören, etwa zum hierbei herausragenden Monteverdi Choir. Unverständlich, dass Leonhardt so etwas durchgehen lässt!

Jetzt zu den Stärken der Einspielung: Die Petite Bande mit Sigiswald Kuijken auf historischen Instrumenten spielend stellt zwei Orchesterfraktionen der Spitzenklasse, die in Harmonik und Rhythmik keine Wünsche offen lassen.

Christoph Prégardien ist für mich neben Peter Schreier die bestmögliche Besetzung als Evangelist. Er verbindet höchste Sangeskunst mit Empfindungstiefe ganz ohne Manieriertheit, exzellent!
Max von Egmond überzeugt als Jesus ebenfalls außerordentlich. Sein Baß vermittelt Stärke und Verletzlichkeit jederzeit angemessen.
Die übrigen Solisten, man beachte hier René Jacobs als Alt, machen ihre Sache sehr ordentlich.


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