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_daywalker_ "_daywalker_"

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My Cassette Player
My Cassette Player
Preis: EUR 7,99

5 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Knapp vorbei....., 16. Mai 2010
Rezension bezieht sich auf: My Cassette Player (Audio CD)
...an der "drei"

Ich erzähle bestimmt nichts neues, wenn ich mich in die Reihe derjenigen geselle, die Lena's Art schlichtweg vom Sofa geblasen hat, als sie in Raabs Castingshow einen Konkurrenten nach dem anderen rausgekegelte. Sie ist eine unfassbar talentierte Live-Performerin und all diese Titel die sie so sehr mochte hat sie so fantastisch interpretiert, dass es eine wahre Freude war, Ihr zuzusehen / -hören. Als dann feststand, dass sie der Star für Oslo ist, war die einzige realistische Frage: "Wieviel von Lena kann auf diesem 1. Album sein?".

Es ist das Los der Casting-Show-Gewinner, dass sie eine erste bittere Pille schlucken müssen. Wollte man ein Debut mit der Kraft und Intensität des namensgleichen Albums der einzigartigen Björk, so benötigt das einfach viel mehr Zeit...vor allem mehr Zeit der Interpretin, die sich (in Lenas Fall) nebenbei noch durchs Abi kämpfen musste. Das Album "konnte" die hohen Erwartungen nicht erfüllen, aber es konnte zeigen, dass sie auch eine lebendige Studio-Performance hinbekommt und dass es sich nicht nur lohnt Lena Live zu erleben, sondern auch aus der Konserve.

Ich gebe den zahlreichen Mit-Rezensenten Recht, dass die musikalischen Arrangements sich leider viel zu oft nach Stefanie Heinzmann anhören und das für Raab unvermeidbar erscheinende Glöckchen-Spiel manchmal tierisch auf die Nerven geht...

....und doch gebe ich letztenendes die 4 Sterne. Ohne jetzt einzelne Tracks sezieren zu wollen zeigt sich meines Erachtens bei den Titeln "Love Me", "Sattelite", "Bee" (das mir in der Show garnicht gefiel), "New Shoes" (iTunes Bonustrack), "My Same", "You can't stop me" und natürlich dem absoluten Oberknaller "Mr. Curiosity" wieviel wir noch erwarten können. Hier liefert Lena (um im Casting-Show-Slang zu bleiben) gnadenlos genial ab. Gut....drei davon sind Coversongs, die sie auch in der Show performt hat, aber gerade die zeigen mir, dass es beinahe überirdisch werden muss, wenn Lena alle Titel ihres zweiten Albums so sehr liebt wie diese drei. Auf dieses zweite Album warte ich viel sehnsüchtiger. Ich hoffe, Raab ist so wenig eitel, dass es ihn nicht schmerzt, bei einem derartigen Talent einen Schritt zurück zu treten.

FAZIT: Trotz einiger Schwächen, trotz einiger langweiliger Schalala-Lieder (die nicht wehtun, aber auch nicht vom Hocker reißen), trotz der manchmal schmerzhaften Ähnlichkeit mit den wunderbaren Heinzmann-Songs... An dem Talent und der IDEE "Lena" kann dieser Schnellschuß nicht wirklich rütteln und das zeigt sie glücklicherweise auch. Jetzt ist es an ihr, durchzubrechen... Sie muss für das zweite Album all ihren Eigensinn zusammennehmen und wieder in den Vordergrund kommen. Hoffentlich hat sie die Kraft, sich in diesem Haifischbecken zu behaupten. Andernfalls kann die nächsten Rezension nur noch schlechter ausfallen.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 17, 2010 7:23 PM MEST


Das Buch in dem die Welt verschwand
Das Buch in dem die Welt verschwand
von Wolfram Fleischhauer
  Taschenbuch

8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wie kann die Welt in einem Buch verschwinden?, 11. April 2006
Wolfram Fleischhauers Titel zu dem Buch hat mich eigentlich am meisten gereizt und ich habe mich lange mit dem Kauf zurück gehalten. Letztlich habe ich, wie fast immer, doch einfach wissen müssen, was sich dahinter verbirgt.
Das Buch spielt eigentlich 1836, erzählt aber einen Rückblick der zentralen Figur auf das ereignisreiche Jahr 1780.
Nicolai Röschlaub ist der Hauptakteur dieser Geschichte; ein junger Arzt mit vielen guten frischen Ideen. Leider holt er sich sehr schnell eine blutige Nase, weil sein Temperament beim Fürsten zu Fulda zu schnell mit ihm durchgeht. Gedemütigt landet er in Nürnberg, auf einem mehr oder minder unspannenden Posten, ohne Aussicht auf Wohlstand oder eine fulminante Karriere als Mediziner.
Doch irgendjemand ist ob der Vorgänge in Fulda auf den Jungen Physikus aufmerksam geworden. Eines Nachts wird er auf das Schloss des Grafen Alldorf zitiert. Der Kammerdiener Selling, der Apotheker Zinnlechner und der Gutsverwalter Kalkbrenner empfangen ihn dort. Dank Nicolais Einfallsreichtum finden Sie den Grafen, um dessen Wohlergehen sich die beiden erstgenannten sorgen; allerdings nur noch tot.
Gemeinsam mit dem Apotheker untersucht Nicolai noch in derselben Nacht den Leichnam
des Grafen und macht dabei eine seltsame Entdeckung. Gemeinsam mit dem Wissen um den Tod der gesamten Familie Alldorf (kurz zuvor sind schon Sohn, Tochter und Frau verstorben) und die mysteriösen Besucher der vergangenen Monate, von denen Zinnlechner berichtet, ist Nicolais Interesse mehr als geweckt. Doch als der Justizrat vom Reichskammergericht in Wetzlar, Giancarlo Di Tassi, ihn um Mithilfe bei der Aufklärung des Todes bittet, bleibt Nicolai zunächst mit seiner Kreativität etwas in der Defensive. Zu sehr, sind ihm die Vorgänge von Fulda noch in Erinnerung....
Doch die Ereignisse überschlagen sich. Die drei Herren, die Nicolai auf Schloss Alldorf empfangen haben, sind alle verschwunden. Wenig später wird Selling tot aufgefunden. Aufgrund erster Hinweise sieht es so aus, als habe Zinnlechner, allein oder in Mit-Täterschaft, Selling ermordet und aufs grausamste zerstückelt. Bei der Leiche wird eine vollkommen verstörte Frau gefunden, die keine Aussage mehr machen kann. Nicolai verliebt sich stehenden Fußes in sie. Die näheren Hintergründe zu dem Tod der Familie Alldorf (vor allem des Grafen und seines Sohnes) entblättern sich nach und nach. Zu allem Überfluss gibt es noch eine unerklärliche Serie sehr außergewöhnlicher Postkutschen-Überfälle und die Entdeckung überaus mysteriöser, dubioser und krimineller Machenschaften des verstorbenen Grafen.
Nicolai tritt in einen Vertrag mit Di Tassi, der den jungen Lizensiat auf ewig zur Verschwiegenheit über die Vorgänge und das Wissen verdammt, welches ihm nun zu Teil werden wird. Die ersten Verdächtigungen gehen in Richtung einer Sekte, die sich Illuminaten nennt. Ehe Nicolai es sich versieht ist er in der Welt der Geheimbünde verstrickt. Er erfährt, dass seine bisherige Arbeit als Arzt ihm dabei sehr nützlich sein kann. Ein brutaler Selbstmord und die Suche nach einer riesigen Summe Geldes macht die ganze Situation nicht gerade einfacher.
Das verstörte Mädchen, Magdalena, kommt wieder zu Sinnen; doch von der anfänglichen Annahme ihrer Unschuld rückt Nicolai nach und nach ab. Seine Verliebtheit umnebelt immer wieder seine Sinne, aber nicht zuletzt Magdalena versucht ihn zu klarem Denken zu bewegen, obwohl sie scheinbar nicht mit offenen Karten spielt und damit selbst zur Verschleierung beiträgt. Er traut niemandem mehr, er stiehlt und lügt damit er der einzigen wirklichen Wahrheit auf die Spur kommen kann und verliert sich selbst fast dabei.
Er will herausfinden, wie genau es zu Maximilian Alldorfs (der Sohn des Grafen) Tod kam, denn darin sieht er den Schlüssel zu all den Fragen, die mit jeder Antwort mehr werden. Immer undurchsichtiger wird das Netz, in dem er sich gefangen sieht und immer wahnwitziger werden seine Entdeckungen. Belogen und gehetzt versucht er herauszufinden, worum es wirklich geht. Ist es eine Krankheit, geht es um Politik oder ist letztlich alles ein wirtschaftliches Komplott? In der letzten Station seiner Reise finden sich die Antworten und auch die Aufklärung, was es mit dem Titel dieses Buches auf sich hat....
Es ist nicht so, dass ich nicht mehr über das Buch schreiben kann, aber ich möchte, wie immer bei den Krimis, nicht zu viel vorwegnehmen. Ich finde, dass es den Spaß am Lesen nimmt, wenn man schon zu sehr ins Bild gesetzt wird.
Fakt ist, dass ich Wolfram Fleischhauer für mich entdeckt habe. Der Roman ist sehr gut geschrieben und befreit einen kaum mehr, wenn man sich erstmal darauf eingelassen hat. Das Ende ist fantastisch und entschädigt für das manchmal doch ziemlich auf die Spitzte getriebene Verschwörungs-Thema. Letztlich kann man tatsächlich aus diesem Krimi auch etwas für sein Leben mitnehmen; ein bisschen Philosophie, das man gerade bei den Verschwörungs-Theorie-Thrillern oft vermisst. Zudem spielt sich so halb im Hintergrund eine wunderbar tragische Liebe ab. Also für jedermann / -frau etwas.


Miss Lizzie: Kriminalroman
Miss Lizzie: Kriminalroman
von Walter Satterthwait
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,95

46 von 48 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein klassischer Krimi. Spannend und ohne Schnörkel. Klasse!, 11. April 2006
Rezension bezieht sich auf: Miss Lizzie: Kriminalroman (Taschenbuch)
Den „Literatussis" sei dank! Der Lesekreis meiner Freundin hat dieses Buch ausgewählt und ich habe sozusagen vorgeschmökert.
Hätte ich sonst zu Satterthwait gegriffen? Wohl kaum. Für gewöhnlich habe ich mich in den vergangenen Jahren eher seltener in der Krimi-Ecke daheim gefunden. Umso schöner ist es, diesen Roman gelesen zu haben.
Lizzie Borden stammt aus Fall River. Dort wurde Sie vor Gericht gestellt, weil man Sie des Mordes an Ihren Eltern bezichtigte. Mit einem Beil soll sie die beiden grausam zerstückelt haben. Doch Lizzie wurde freigesprochen...aus Mangel an Beweisen. Lizbeth A. Borden ist aus Fall River weggezogen....
1912 trifft Amanda Burton an einem Ferienort auf Miss Lizzie (wie sie die ältere Dame fortan nennt). Viele Jahre liegen hinter den Anschuldigungen und der blutigen Tat, die bis heute nicht aufgeklärt wurde. Allen Warnungen zum Trotz freundet Amanda sich mit Miss Lizzie an. Sie erlernt bei Ihr Kartentricks und viel Hilfreiches für das Leben. Die würdevolle Frau fasziniert Amanda. Miss Lizzie ist nett zu ihr und behandelt die Heranwachsende nicht mehr wie ein Kind.
Eines Spätnachmittags, nach einem heftigen Streit zwischen ihrer Stiefmutter Audrey und ihrem Bruder William, findet Amanda Audreys Leiche aufs grausamste zugerichtet. Sie kann nur Miss Lizzie von dem grausamen Fund erzählen.
Ein Axtmord, wie die ersten Ermittlungen der Polizei zeigen. William ist verschwunden, Amandas Vater ist in Boston. Sie findet bei der Nachbarin Miss Lizzie ein Obdach. Glücklicherweise hat diese gleich den Anwalt Darryl Slocum zu der Szene diktiert, der dem allzu voreingenommenen und forschen Chief da Silva einen Dämpfer aufsetzt. Etwas dandyhaft kommt Slocum daher, aber auf Amanda macht er großen Eindruck. Da Silva kennt Lizzie aus Fall River und wittert endlich die Möglichkeit, seine Hauptverdächtige von einst dingfest machen zu können. Zusammen mit seinen Officers Medley und O'Hara zieht er in seinem persönlichen Krieg zu Felde...Der Riege um Miss Lizzie, Amanda und Darryl Slocum schließt sich zu guter Letzt auch noch der väterlich kumpelhafte Privatdetektiv Harry Boyle an. Die Beschreibung des Geflechts sich entwickelnder Beziehungen, zwischen den vorgenannten Akteuren um Miss Lizzie verdient eine besonders lobenswerte Erwähnung.

Von nun an wird es schwer, das Buch zu rezensieren, ohne die Spannung herauszunehmen. Ich als Leser habe automatisch mit der Sondierung der Verdächtigen begonnen, aber der Roman hält noch viele Überraschungen offen. Immer mehr potentielle Mörder erscheinen und manche entlastet man im Geiste wieder, bis eine neue subtil gestreute Information doch wieder die Zweifel laut werden lässt...Am Ende war ich derart verwirrt, dass es beinahe jeder hätte sein können; und die Person, die ich favorisiert habe, war es letztlich nicht.
Das Ende ist exzellent und ich war zugegeben richtig von den Socken.
Die Charaktere sind wunderbar herausgearbeitet, ohne dass Satterthwait in Langatmigkeit verfällt. Die Story bedient sich kaum der Effekt-Hascherei und bleibt dennoch spannend. Einzig die Beschreibungen am Tatort sind extrem und das reicht Satterthwait vollkommen. Er versteht es außerordentlich gut, mit der Neugier und der Voreingenommenheit des geneigten Lesers zu kokettieren und ihn auf die falsche Fährte zu locken. Ich wüsste gerne, wer auf die wahre Person des Täters von selbst gekommen ist, denn eigentlich ist es sehr einfach...wenn man aufmerksam liest. Es ist eine hohe Kunst etwas so einfach und verspielt wirken zu lassen, wobei es das keinesfalls ist. Vor allem ist mir das erst im 3. Drittel des Buches so richtig klar geworden.
Miss Lizzie hat für mich alles, was ein schöner klassischer Krimi braucht, eine wirklich Runde Sache. Vier Punkte mit Hang zur 5.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 11, 2012 4:13 PM CET


Kreuz des Südens: Roman
Kreuz des Südens: Roman
von Patricia Cornwell
  Taschenbuch

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Was soll das denn?, 22. Juni 2005
Rezension bezieht sich auf: Kreuz des Südens: Roman (Taschenbuch)
Ich neige normalerweise zu länger gefassten Rezensionen, aber das lasse ich hier einfach mal. Ich habe keine Idee, was Patricia Cornwell da geritten hat, aber mit ihrer Arbeit bei den Scarpetta-Romanen hat das absolut nichts zu tun.
Das Buch wimmelt nur so vor Hauptfiguren und keine wird so richtig ausgearbeitet. Auf dem Klappentext heißt es noch so vollmundig, Kay Scarpetta werde eine ebenso starke Persönlichkeit entgegengestellt. Lachhaft! Judy Hammer taucht in dem Roman fast gar nicht auf. Die Figur wird noch weniger herausgearbeitet als die beiden Assistenten West und Brazil mit denen sie ursprünglich aus New York kommend ein neues Polizeisystem in Richmond einführen sollen. Dieses System wurde in New York entwickelt und bereits auf die Stadt Charlotte erfolgreich adaptiert. Offensichtlich stellen sich die Officers aber nicht besonders glücklich an, denn die Polizei von Richmond und auch die Öffentliche Meinung zeigen wenig Verständnis für die Veränderungen durch die New Yorker Cops. Mit Schuld ist die Zunahme der Verbrechen durch jugendliche Banden, die nicht in den Griff zu kriegen scheint.
Außerdem gibt Cornwell nun auch den Gedanken von Katzen und Hunden Platz, die sich genauso bewegen und gezielt handeln wie die Menschen in dem Roman. Sie verschwendet so viel Zeit für den völlig unwichtigen Charakter der Lelia Erhart, deren radebrechendes Englisch/Deutsch sich durch den ganzen Roman zieht und gegen Ende einfach nur noch leicht gereizt stimmt und überhaupt nichts lustiges an sich hat (vielleicht hat das aber auch mit der deutschen Übersetzung zu tun). Fakt ist, die Figur von Lelia ist für die Story absolut entbehrlich und taugt nichtmal für eine falsche Fährte. Mindestens genauso furchtbar nutzlos ist ein Privat-Krieg zwischen zwei Cops, der geradezu zwanghaft in die Story eingebaut scheint.
Die Reizthemen Jugendkriminalität und Waffenwahn werden gar nicht entsprechend Ihres wahren Ernstes positioniert. In diesem grotesken Roman wirkt all das wie eine riesige Soap, nichts ist wirklich ernst und vor allem nicht wirklich spannend.
Ach ich könnte schreien und noch tausend schlechte Szenen aufzählen. Es ist einfach nur ärgerlich. Katastrophal.


Das Buch der Menschlichkeit: Eine neue Ethik für unsere Zeit
Das Buch der Menschlichkeit: Eine neue Ethik für unsere Zeit
von Dalai Lama
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

332 von 336 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Glauben Sie Ihren Gefühlen...., 8. Juni 2005
Dalai Lama. Endlich habe ich mich an eines der Bücher dieses für mich sehr faszinierenden Menschen getraut. Mit meiner leichten Prädisposition zum buddhistischen Glauben und ausgestattet mit der Wissbegierigkeit, mehr darüber zu erfahren, startete ich mit dem ‚Buch der Menschlichkeit'. Umso verwirrter war ich, dass ich mich bereits nach wenigen Seiten von Konzepten wie Religion verabschieden sollte, denn „religiöser Glaube ist kein Garant für moralische Integrität". Folglich war dies nicht das Buch was ich erwartete, aber es sollte ein Buch sein, das mich zu erwarten schien....
Hier werden einfache Gedanken in einfache Worte gefasst und genau das ist die hohe Kunst: Die Reduktion auf den einfachen Kern einer Sache und die Auseinandersetzung damit in eine verständliche Sprache zu bringen. Zugegeben, habe ich mit dem Kapitel über die ‚bedingte Entstehung' definitiv noch Verständnisprobleme, aber ansonsten bin ich begeistert und ich kann diese Lektüre nur jedermann ans Herz legen.
Meine eigenen Gedanken über unser Leben in dieser neuen total vernetzten und leistungsorientierten Konsumgesellschaft fanden sehr schnell einen Spiegel in diesem Buch. Entwaffnend einfach zeigte er mir, wie wenig das Streben nach immer mehr materiellem Besitz mit Glück zu tun hat und wie sehr es sogar das Glück verhindert. Wie sehr wir mit dem bereits erreichten Besitz auch die Angst mitgeliefert bekommen haben, ihn wieder zu verlieren. Ganz klar sind die Ursachen für Ängste, Stress und Depressionen, wird man sich erst der Funktionsweise des Sinnesrausches bewusst. Doch von überall her wird uns ein anderes Bild vermittelt, nämlich das des Glücks durch Konsum.
Ich möchte den vielen schönen Momenten, die das Lesen des Buches einem bereitet nicht vorweg greifen, aber der Dalai Lama hat mich wirklich inspiriert.
Seine Ideen bezüglich des bewussten Verzichtens. Seine Orientierung an den Kindern, die in ihrer Reinheit und Ursprünglichkeit hervorragende Vorbilder abgeben. Oder die detaillierte Ausarbeitung seiner Kernaussage, dass wir alle nur Glück erlangen und Leid von uns fernhalten wollen. Warum gerade das für soviel Leid verantwortlich ist und wie es mittels der uns angeborenen Fähigkeit des Mitfühlens zum genauen Gegenteil führen kann. Wie mit einigen wenigen Hypothesen und leicht nachvollziehbaren Schlussfolgerungen Ideen vom Weltfrieden angegangen werden können, das hat mich oft mit offenem Mund dasitzen lassen.
Aber er räumt auch eigene Schwächen bei der Umsetzung des Prinzips ein und gibt auch klar zu, dass Massen-Vernichtungslager oder nicht zu bändigende Gewaltbereitschaft und die dahinter stehende emotionale Distanz in seinem ethischen Denkansatz keine abschließende Erklärung finden.
Für den geneigten Leser, der gerne mehr Glück und mehr Liebe erfahren möchte hat dieses Buch noch viele wunderbare Lesemomente auf Lager und meist sind es Zitate, die der Dalai Lama anführt, die einen weiteren Schalter in mir umgelegt haben. Während des Buches erwähnt er auch, dass er all diese Gedanken nicht ‚erfunden' habe und dass er sie unter anderem auch stellvertretend für all die Menschen niederschreibt, die es nicht in Worte fassen können oder nicht den erforderlichen Bekanntheitsgrad haben, ein solches Buch einer breiten Masse zugänglich zu machen, die aber durchaus all das von ihm Geschriebene unabhängig von seinen Veröffentlichungen emotional begriffen und auch gelebt haben und jeden Tag leben.
Glauben Sie nicht, die Thesen und Tipps seien der Realität entrückt...für mich ‚sind' sie die Realität und auf jeden Fall möchte ich eine Veränderung. Dazu werde ich das Buch und weitere Bücher von ihm mehr als einmal lesen müssen, denn ich wurde über 30 Jahre lang zu einem anderen Denkmuster geführt. Über 30 Jahre nagten immer wieder andere Wertvorstellungen an meiner Natur. Jahre in denen mir Geiz als etwas geiles angepriesen wurde und meine Ängste, mein Neid und meine Gier geschürt wurden. Das Gehirn ist gewaschen und ich muss nun fast alles wieder neu lernen, aber ich bin froh, erkennen zu dürfen und handeln zu können.
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 27, 2012 4:54 PM MEST


Bocanegra
Bocanegra
von Alberto Vazquez-Figueroa
  Taschenbuch

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Was hat Vázquez-Figueroa beim Schreiben so gehetzt?, 22. Mai 2005
Rezension bezieht sich auf: Bocanegra (Taschenbuch)
Die kurze Information über den Autor verrät mir, dass Alberto Vázquez-Figueroa in Spanien die unangefochtene Nummer eins unter den Bestsellerautoren ist. Das allein ist kein Garant für ein wirklich gutes Buch, aber ich widme mich der Lektüre vorurteilsfrei und lese los, ohne vorher jemals den Klappentext gelesen zu haben...
Als Leser wird man 1689 abgeholt. León Bocanegra, Kapitän der León Marino, die Emigranten in die neue Welt bringt, gerät mit seinem Schiff in einen Sturm und damit weit ab von seinem Ziel, den Kanarischen Inseln. Er landet an der Westküste Afrikas, sein Schiff wird zerstört und Hilfe ist zunächst fern. Der Trupp, der für die Suche nach Hilfe per Beiboot ausgeschickt wird, ist nicht schnell genug. Der Rest der Besatzung wird von Beduinen belagert die einfach auf das Ende der Wasservorräte warten, damit sie die ausgedörrte Besatzung zu Sklaven machen können und so beginnt der Leidensweg von Bocanegra. Sie werden so lange weiterverkauft, bis sie in die Hände der ‚fennek' geraten. Von diesen ‚fennek' werden die restlichen Überlebenden, die alle bisherigen Brutalitäten überlebt haben, in die extrem unwirtliche Salzwüste gesteckt um dort im Akkord Salzschollen zu brechen. Für León Bocanegra bricht die definitive Hölle los. Doch der Schatten des Mannes von einst hält sich an das einzige Geschenk, das er einfach so erhalten hat...sein Leben.
Nachdem einer seiner letzten Gefährten in seinen Armen das Leben aushaucht, hat Bocanegra nur noch einen Plan, nur noch eine Chance und plant das Unvorstellbare: die Flucht aus den Fängen der ‚fennek' die es zur Kunst stilisieren, ihre Sklaven gerade soweit am Leben zu halten, dass sie sich letztlich amortisieren und vielleicht noch etwas Gewinn abwerfen.
Nach Jahren stürzt León sich in das Abenteuer, an dessen Ende nur ein früher Tod als Sklave oder ein Leben in Freiheit stehen kann. Doch er beweist sich als viel zäher als die ‚fennek' ihn ohnehin schon eingeschätzt haben und beginnt Afrika zu entdecken, stetig das Ziel des Niger vor Augen, der ihn zurück zum Atlantik bringen soll.
Vázquez-Figueroa beschreibt die Gefangenschaft und die Zeit des Sklaven-Lebens recht eindrucksvoll und für mich als Leser auch so, dass ich emotional eine Vorstellungskraft hinsichtlich der Verzweiflung und der Wut bekommen habe. Der Bericht über die Flucht fällt für meinen Geschmack sehr kurzatmig aus. Immer wieder entwickelt Bocanegra neue Fähigkeiten (immer wieder der Vergleich mit einem Chamäleon) in dieser rudimentären Welt. Ich möchte nicht absprechen, dass es Menschen gibt, die in solchen Situationen über sich selbst hinauswachsen, aber der Prozess, wie sich ihm dieses neue Bewusstsein offenbart ist in meinen Augen nicht so schön herausgearbeitet. Leider wird das Buch für mein Empfinden immer gehetzter und letztlich hätte ich mir einfach ein paar mehr Seiten für diese Geschichte gewünscht.
Es ist eindeutig das Ende des Buches, das es für mich noch auf die 3-Punkte-Ebene gehievt hat, alles in allem gibt es aber sicher andere Bücher (vielleicht auch von Vázquez-Figueroa) die man vorher lesen kann.


Chocolat
Chocolat
von Joanne Harris
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Bittersüß..., 15. Mai 2005
Rezension bezieht sich auf: Chocolat (Taschenbuch)
Joanne Harris hat ein wundervolles Bild gezeichnet, ein plakatives Szenario. Es hat etwas Comic-haftes, die Figuren sind überzeichnet, aber keine Karikaturen; die Geschichte ist einfach und nicht neu, aber doch vielschichtig und emotional. Ein wirklich gelungener Roman der wie eine kleine Gaumenfreude zergeht. Keine Weltliteratur und auch kein großer Schreibstil (zumindest in der deutschen Übersetzung nicht), aber durchaus lesenswert, wenn man bereit ist, eine kleine Geschichte zu erleben.
Vianne Rocher ist auf Reisen...schon seit jeher. Wir erfahren, dass sie bereits als Kind mit ihrer Mutter nie lange an einem Ort blieb. Ständig zogen sie um, entdeckten gemeinsam viel von der Welt und nachdem Viannes Mutter an Krebs starb und ihr eigenes Kind Anouk auf der Welt war, folgte sie dem eingeschlagenen Weg, war stetig unterwegs. Doch Vianne wünscht sich auch, für Anouk und sich selbst, einen Ort zu finden, den sie beide Heimat nennen. Einen Ort, dem sie sich verbunden fühlen, in dem Anouk auch andere Freunde als das Kaninchen Pantoufle hat, welches lediglich in ihrer Phantasie existiert und so gelangen die beiden nach Lansquenet-sous-Tannes. Vianne entschließt, sich zu bleiben und die alte Bäckerei anzumieten. Viele der alteingesessenen Bürger sind verwundert, als sie nach relativ kurzer Zeit die Chocolaterie ‚La Céleste Praline' eröffnet.
Von Anbeginn hat sie gegen den Unbill des Curé Francis Reynaud anzugehen, denn der sieht in dem Laden voller Versuchungen eine Gefahr für die Schafe seiner Gemeinde, noch dazu, wo Vianne ihm bereits bei ihrem ersten Treffen klar macht, dass sie seine Kirche nicht betreten werde. Nach und nach werden in Glaubensfragen die zwei Figuren immer weiter ausgearbeitet. Reynaud, der voll in seinem christlichen Glauben aufgeht und sich selbst kasteit und bis an seine körperlichen Grenzen fastet und für den Erhalt der christlichen Werte in seiner Gemeinde zu allem bereit ist und Vianne, die gelegentlich das Tarot befragt und Göttern huldigt, die älter sind als die Bibel und deren Geschichte von Gott; eine Frau die viel von der Welt gesehen hat und dabei sehr viel am Wegesrand mitnehmen konnte...vielleicht eine Hexe.
Es ist nicht leicht, dem Roman nicht allzu viel vorweg zu nehmen, aber Vianne beeinflusst die Menschen in Lansquenet. Die wunderbar beschriebenen Schokoladen-Verführungen mit denen sie ihre Kundschaft beglückt, die Einfachheit und das Urvertrauen, dem sie sich den Rollen stellt, die ihr die Vorurteile der anderen zuschreiben, sind entwaffnend. Die Vorurteile, die letztlich immer dazu führten, dass der Wind sie und Anouk weiter trug. Doch in Lansquenet sind die Dinge auch etwas anders als sonst. Sie trifft auf eine Geistes-Schwester, auf Armande Voizin, die Viannes Großmutter sein könnte. Die immer mehr zu wissen scheint als alle anderen und die genauso wenig mit der Kirche anfangen kann, wie Vianne. Sie ist Viannes Mutter und Vianne selbst sehr ähnlich und so ist eine Freundschaft unumgänglich. Caroline Clairmont und deren Sohn Luc sind Kind und Enkel von Armande. Caroline ist gottesfürchtig und will Luc auf Ihrer Spur und von Armande fern halten, doch Vianne fragt einfach Luc, was ‚er' will...
Michel Roux gehört dem reisenden Volk an, das sich mit ihren Booten in Les Marauds auf dem Fluß niedergelassen hat. Wie es seiner Art schon seit jeher geschieht, werden sie nicht willkommen geheißen. Man versucht sie zu vertreiben. Angeführt von den Gemeinderatsmitgliedern Caroline Clairmont und Paul-Marie Muscat und mit moralischer Unterstützung von Francis Reynaud, wird gehetzt, was die Möglichkeiten hergeben.
Wie Vianne sich gegen all diese Borniertheit stellt, wie sie sich Freunde und Feinde macht, wie sie polarisiert, ist zauberhaft, ist ein Genuss. Der Roman ist emotional, es geht um entscheidende Fragen in Bezug auf Leben und Tod, es geht um die Frage, ob ein weißer Kragen das alleinige Recht auf Glauben gibt und es geht um die Frage, was zu sehen man bereit ist. Was will man von der Welt und dem Leben sehen, auch wenn man an einem Ort verweilt? Will man seine Vorurteile pflegen und Menschen in Schemata pressen oder will man hören und verstehen, was das Gegenüber einem sagt, will man einfach die Wahrheit wissen. Es geht um schwarze Männer, um Dinge die uns ängstigen und denen wir uns stellen müssen und auch Vianne stellt sich ihrem schwarzen Mann. Vianne weckt alle auf, Freunde wie Feinde und keiner kann mehr verhindern, dass sich etwas ändert...
Lesen Sie dieses Buch...es ist wie ein Stück Schokolade, aber wie ein Stück ihrer Lieblings-Sorte, ein besonderes Erlebnis, dessen Sie sich erinnern werden.


Glashaus
Glashaus
Wird angeboten von Multi-Media-Trade GmbH - Alle Preisangaben inkl. MwSt.
Preis: EUR 55,99

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein gelungenes Projekt für Cassandra Steens Stimme, 8. Mai 2005
Rezension bezieht sich auf: Glashaus (Audio CD)
Cassandra Steen... Auf ihre Stimme bin ich aufmerksam geworden, als ich „Evolution" der Pelham Power Production in den Händen hielt. Es gab nur Platz für ein Lied von ihr (Solange), aber ich wusste sofort, dass da deutlich mehr dahinter steckt und 3p mit ihr als Sängerin noch mehr in ganz andere musikalische Gefilde vordringt, wie es seinerzeit bereits mit Xavier Naidoo geschah. Dann irgendwann kam das Glashaus-Album und ich wunderte mich: „warum ‚Glashaus'?", aber beim reinhören wird es einem schon klar. Glashaus ist ein Projekt wie Rödelheim Hartreim, denn 3p-Vater Moses Pelham mischt kräftig mit... Und der Vergleich mit Xavier ist auch in mehrerlei Hinsicht nicht ganz von der Hand zu weisen. Moses Pelham hat natürlich von Anbeginn eine Gläubigkeit zu Tage getragen und Xavier war ein wunderbares Sprach- oder Gesangsrohr dafür. Mit Glashaus folgt man der Linie, tritt diesen Pfad noch etwas breiter. Hier werden von Moses P. unter anderem Bibelstellen rezitiert und auch ein Cassandra-Song wird dem Thema des Herrn gewidmet.
Insgesamt ist es ein sehr schönes und wunderbar zur Entspannung geeignetes Album. Der christlich-gläubige Touch der Pelham-Stücke ist in meinen Augen nicht wirklich störend. Auch vor dem Hintergrund der bisherigen 3p-Releases ist es ein kleines Wunder. Hat man bislang auf die souligen Stimmen im Hintergrund gesetzt, macht man sie seit Xavier auch zum Haupt-Act. Sehr ruhige Musik, natürlich werden die Wurzeln von 3p nicht verraten, denn Musik und Text stehen noch immer unter Pelham / Haas. Martin Haas gibt zusätzlichen Gesang, Moses trägt die Beats und Samples bei, Scratches kommen von DJ Release. Dennoch: es wird auf treibende Songs, auf schnelle aggressive Titel verzichtet. Selbst auf das ‚dissen' und die Kraftausdrücke wird verzichtet. Nicht einmal Gossen-Slang ist zu finden. Es ist einfach der ruhige Gesang von Frau Steen, begleitet von einer Musik, die zwischen Hip Hop und Soul nicht genau anzuordnen ist. Sehr charmant.
Das bekannteste Lied aus dem Album „Wenn das Liebe ist" gehört für mich zusammen mit „Trost", „Solange" und „Bis dann" (jedes Mal wieder ein Gänsehaut-Ende). Ich bin eigentlich ein Moses-Fan, aber bei diesem Album sticht Cassandra ihn in meinen Augen aus. Vielleicht weil ich zu der Glaubens-Thematik auf diesem Weg den Zugang nicht finde...ich weiß es nicht. Insgesamt ist es aber eine rundum große und positive Überraschung geworden.


Der Dunkle Turm, Band 5: Wolfsmond
Der Dunkle Turm, Band 5: Wolfsmond
von Stephen King
  Taschenbuch
Preis: EUR 11,99

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Leichte Durststrecke...., 7. Mai 2005
Es ist schon lange her, dass mir das King-Universum vertraut gewesen ist, aber etwas hat sich gerettet... Der Turm! ...und der Turm führt mich zu meiner persönlichen King-Renaissance. Ich will nicht sagen, ich hätte mich sehr bewusst von seiner Literatur getrennt, aber nach und nach habe ich ihn einfach nicht mehr gelesen...bis Wolfsmond erschien. Erschreckend, wie viele Jahre schon wieder ins Land gegangen waren, aber ich wusste sofort, dass hier die Fortsetzung des Turms lag und so begann ich zu lesen...
Nachdem sie, ohne Marten dingfest machen zu können, den Glaspalast in der Nähe des Captain-Trips-verseuchten Topeka gesund verlassen konnten, geht es für das Ka-tet weiter in Richtung Turm.
Wolfsmond beginnt in Calla Bryn Sturgis, einer Gegend in einer Welt die nicht ganz bestimmt nichts mit New York zu tun hat, aber auch nicht Rolands Welt ist, obwohl man dort den Namen Gilead kennt und die Revolverleute genauso verehrt. Die Calla ist ein fruchtbarer Ort, in dem vor allem Reis gedeiht, aber auch der Kindersegen ist üppig. Nahezu jede Geburt in dem Ort sind Zwillinge, aber das Glück wird getrübt, denn in Zyklen von etwas über 20 Jahren kommen die Wölfe. Die Wölfe sind berittene ‚Monster', die jeweils ein Kind jedes Zwillingspaares im Kindes- und Jugendlichen-Alter mitnehmen. Die entführten Kinder kehren nach einigen Wochen zurück, geistig ‚minder' für den Rest ihres Lebens. Die Minderen wachsen unter enormen Qualen zu übergroßen dummen Riesen bis sie frühzeitig sterben.
Wolfsmond zeigt zur Einleitung den Roboter Andy (von der mittlerweile bekanten Firma North Central Positronics), der die Calla, wie jedes Mal, gut einen Monat vom Nahen der Wölfe in Kenntnis setzt. Die mehrfachen Eltern Tian und Zalia Jaffords wollen sich nicht dem Schicksal fügen, das der Rest der Calla wohl zu ertragen bereit ist. Sie berufen eine Versammlung ein und ernten zunächst aus der ersten Panik auch breite Zustimmung. Nach und nach kommen die Einwände und als die Einflussreichsten der Stadt auf all die Gefahren verweisen, bringen sie den kampfbereiten Mob wieder auf den Weg, alles duldsam zu ertragen...wäre da nicht Pater Donald Callahan (einige Fans mögen jetzt verdutzt schauen: Ja Donald Callahan aus ‚Brennen muss Salem'). Er setzt die Bewohner der Calla von den Revolvermännern in Kenntnis, die sich dem Ort nähern und die eine echte Chance im Kampf gegen die Wölfe darstellen.
Soweit der Plot. Leider tut sich viel mehr auch nicht auf dem Weg zum Turm. Das Ka-tet erreicht die Calla und fortan geht es fast ausschließlich um die Wölfe und Callahans Geschichte. Ein beinahe verkümmerter Nebenstrang konzentriert sich auf die Rettung des Grundstücks mit der wunderbaren Rose (bereits aus ‚Tot' bekannt). Die Figuren des Calvin Tower und des Aaron Deepneau tauchen wieder auf, aber so richtig bringt King diese Geschichte nicht in Gang.
Callahan erzählt dem Ka-tet von Jerusalems Lot, von den Vampiren und wie es in seinem Leben nach der Flucht aus Salem weiter ging. Rückwirkend betrachtet bleibt die Frage offen, was dieser Handlungsstrang zur Gesamt-Geschichte beiträgt, aber vielleicht wird man dahingehend auch erst später schlauer.
Susannah ist schwanger von dem Dämon, den sie abgelenkt hat damit Eddie Jake wieder zurückholen konnte. Die Geheimnisse um diese Schwangerschaft und all die Ängste die jeder von Ihnen wegen anderer Dinge durchstehen muss, zerbrechen das Ka-tet zunächst.
Der Geschichte mit den Wölfen will ich nicht allzu weit vorweg greifen, aber die Auflösung ist leider entweder nur die halbe Wahrheit und es folgt noch mehr oder sie ist wirklich dünn. Die Bezüge zu unserer Welt werden immer häufiger und auch da verstehe ich leider nicht so ganz den Sinn. Sind das jetzt Spielereien (-es finden sich Anlehnungen an Star Wars, Harry Potter, Die sieben Samurai etc.-) oder führt das letztlich auch noch zu etwas?
Ich hoffe, dass ich das Nachwort richtig interpretiert habe und King die Romane Wolfsmond, Susannah und Der Turm recht zügig hintereinander weg geschrieben hat. Das gibt Hoffnung, dass letztlich all die offenen Geschichten doch noch dem Turm dienen und die scheinbaren Spielereien doch nicht nur Effekt-Hascherei waren.
Wolfsmond bekommt dennoch erstmal nur 3 Sterne von mir, weil schon die Lektüre von Glas uns nur mäßig auf dem Pfad des Balkens in Richtung Turm gehalten hat. Dafür hinterlässt Wolfsmond einfach ein zu zerfranstes Ende. Die Geschichte der Calla und die des Pere Callahan sind sehr interessant, aber man hätte auch beides etwas raffen und dafür etwas weiter kommen können. Ich bleibe dem Turm treu und ich hoffe, dass meine Skepsis sich in Wohlgefallen auflöst.


Mar Adentro (The Sea Inside)
Mar Adentro (The Sea Inside)
Wird angeboten von musikdrehscheibe
Preis: EUR 71,15

33 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Amenábar muß ein Genie sein..., 28. April 2005
Rezension bezieht sich auf: Mar Adentro (The Sea Inside) (Audio CD)
Der EQ dieses Mannes muß enorm hoch sein. Wie anders soll es möglich sein, einen derart anrührenden Film abzuliefern, der in meinen Augen mehr als verdient den Oscar für den besten ausländischen Film erhalten hat.
Der Soundtrack hätte diese Auszeichnung auch verdient, ist er doch derart symbiotisch mit dem Film verwoben...Die Musik ist der Film und der Film ist die Musik. Es ist sehr schwer zu beschreiben, aber für alle Besucher des Kinofilms ist diese Silberscheibe sicher ein emotionales Katapult in die Welt von Ramón, einem Menschen dessen Leben und Scheiden man auf einer kurzen Leinwand-Schau verfolgen durfte und den man in verblüffend kurzer Zeit lieben lernte. Carlos Núnez gab ihm im Soundtrack die Stimme in Form von Dudelsäcken und es jedes Mal läuft mir der Schauer über den Rücken. Angefangen vom kleinen Gedicht am Anfang des Soundtracks bis zum Ende mit den beiden Gesang-Stücken "Negra Sombra" und "Nessum Dorma".
Amenábar muß ein Genie sein. Nicht nur, dass er die Thematik derart würdevoll und anrührend in Szene gesetzt hat. Nicht nur, dass er den Film ausschließlich mit hervorragenden Schauspielern besetzt hat, die sich in diesem Film so erschreckend authentisch bewegen. Nein, er hat die Musik zu dem Film auch noch selbst komponiert und das macht das Schauspiel so rund, so einzigartig. Macht es zu mehr als einem Kinofilm und mehr als einem Soundtrack...es wird ein Stück Leben.
Fragen Sie mich nicht, ob man den Soundtrack ebenso faszinierend findet, wenn man den Film nicht gesehen hat. Wenn ich recht darüber nachdenke, kann ich es mir ehrlich nicht vorstellen. Es ist, als wolle man die Schönheit von der Insel La Gomera auf einem Foto entdecken, ohne jemals dort gewesen zu sein. Sie riechen nicht die frische Luft, Sie erfahren nichts davon wie laut Stille sein kann und Sie spüren nicht das sanfte beruhigende vibrieren, das von all der Natur kommt inklusive ihnen selbst, wenn sie mitschwingen.
Machen Sie die Erfahrung von "Das Meer in mir". Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie es bereuen werden.


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