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Deutschstunde. SZ-Bibliothek Band 28
Deutschstunde. SZ-Bibliothek Band 28
von Siegfried Lenz
  Gebundene Ausgabe

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Über "die Freuden der Pflicht", 24. April 2005
Mein Weg zu diesem Buch war recht einfach. Meinungsmache! In der Liste der Süddeutschen Zeitung und unter den 50 beliebtesten Büchern der Deutschen, war ich auch ohne Vorwissen zum Kauf bereit und habe mich überraschen lassen.
Siegfried Lenz stellt seine Hauptfigur Siggi Jepsen in einer Anstalt für schwer erziehbare Jugendliche auf. Siggi soll auf der Anstaltsinsel im Rahmen der Deutschstunde einen Aufsatz für die Freuden der Pflicht abfassen. Keiner kann ahnen, dass dieses Aufsatz-Thema in Siggi eine Flut von Erinnerungen zum Vorschein bringt, eine derartige Flut, dass er den Aufsatz in der Deutschstunde nicht zu Papier bekommt. Sein leeres Blatt wird als Missachtung der Anweisungen gedeutet und Siggi wird mit den notwendigen Utensilien ausgestattet in ein Einzelzimmer gesteckt. Hier soll er sich mit seinen Pflichten gegenüber dem Deutschlehrer Korbjuhn und den Freuden der Pflichten auseinandersetzen. Er bekommt die Versicherung, dass er sich ruhig die erforderliche Zeit für die Arbeit nehmen könne. Diese Aktion bringt Siggi, der ja das Ende seiner Strafarbeit selbst bestimmen darf, in ein mehrmonatiges Exil... Er allein mit seinen Erinnerungen an die Zeit um 1943; an den Vater, den Polizeiposten Rugbüll. Sein Vater, Jens Ole Jepsen, dessen Pflicht es unter dem Nazi-Regime war, ein Malverbot durchzusetzen und zu überwachen. Ein Malverbot gegen Max Ludwig Nansen, ein Mann der Jens Ole Jepsen in anderen Zeiten einmal das Leben gerettet hat.
Siggi beschreibt die Freuden der Pflicht sehr eindrucksvoll anhand der Besessenheit seines Vaters, der Pflicht genüge zu tun. Ein seltsamer Reigen entspinnt sich da. Die Familie Jepsen und die Kommune der Nansens. Die Kinder von Jens Ole Jepsen haben allesamt einen engen Kontakt zu dem Maler Nansen und er wirkt, wenn auch teilweise verschroben, viel eher wie eine väterliche Figur. Jepsen Senior und seine Frau sind überaus kalt angelegt und strahlen keinerlei familiäre Zuneigung aus. Einzig die Erfüllung der Pflicht scheint ihnen ein erstrebenswertes und lohnenswertes Ziel zu sein, wie viel Menschlichkeit dabei auf der Strecke bleibt, scheint unbedeutend. Nansen hingegen ist rebellisch, widersetzt sich dem Malverbot, lebt seine Leidenschaft...er ist das Feuer und Jepsen das Eis. Irgendwo, ganz nahe am Watt findet ein kleiner Krieg statt, zwischen zwei Menschen die ohne die Pflicht fast so etwas wie Freunde waren. Selbst als der 2. Weltkrieg sich dem Ende neigt, selbst als er definitiv zu Ende ist, kann der Polizeiposten Rugbüll seine Pflicht nicht vergessen, zu sehr fühlt er sich seiner Aufgabe beraubt und in seiner Autorität untergraben. Der irrwitzige Kleinkrieg nimmt kein Ende.
Erst spät im Buch erfährt man, warum Siggi ‚einsitzt' und wie es für ihn so ungünstig gekommen ist. Und am Ende stellte ich mir die Frage, ob Siggi in der Suche nach Antworten wirklich weiter gekommen ist. Ob all die Aufarbeitung ihm wirklich etwas geholfen hat, ob er letztlich vielleicht gar nicht auf der Suche nach Antworten war.
Interessant fand ich die Worte, die Siggi bei seiner Einlieferung für die Horde Psychologen übrig hatte. Zitat: „Ich bin stellvertretend hier für meinen Alten (...) Vielleicht sind sogar alle Jungen stellvertretend für irgend jemand hier. (...) Weil man sich nicht selbst verurteilen möchte, schickt man andere hierher: die Jungen. Das gibt zumindest Erleichterung. Das befreit. Es ist einfach: das schlechte Gewissen wird auf eine Barkasse gebracht, hier herübergefahren, und dann kann man wieder mit Genuß frühstücken und abends seinen Grog schlürfen."
Auch wenn Lenz das Buch 1968 geschrieben hat. Es trifft auch heute noch den Nagel auf den Kopf.


Mrs Dalloway: Roman
Mrs Dalloway: Roman
von Klaus Reichert
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

50 von 55 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vielleicht sperrig, aber allemal lohnend, 24. April 2005
Rezension bezieht sich auf: Mrs Dalloway: Roman (Taschenbuch)
Mein Weg zu Virginia Woolf und zu Mrs. Dalloway war ein wenig verwinkelt. Es begann mit einem Film. Der Film hieß „The Hours" und war eine Verfilmung von Michael Cunninghams gleichnamigem Buch. Hierbei wurde das Leben dreier Frauen auf eine sehr interessante Weise erzählt und miteinander verwoben. Doch dazu ein andermal mehr.... Eine dieser Frauen war Virginia Woolf, die zu Depressionen neigte und schon einige erfolglose Selbstmordversuche hinter sich hatte. Der Film beschrieb eine wichtige Periode ihres Schaffens: Die Entstehung des Romans Mrs. Dalloway, der mit ihr zusammen den roten Faden der Geschichte bildet. Sie selbst hat diesen vierten Roman als einen ihrer gelungensten bezeichnet.
Wahrscheinlich schaffen professionelle Rezensenten viel eher einen interessanten Abriss der Geschichte darzustellen und häufig bedienen sich gerade im Bereich ernster Literatur die Menschen gerne einer sagenhaft eloquenten Ausdrucksform. Leider liegt mir das nicht und so beschränke ich mich auf die Einfachheit, mit der ich Mrs. Dalloway wahrgenommen habe:
Der Roman beschreibt einen Tag im Leben von Clarissa Dalloway, Gattin eines Parlamentsabgeordneten. Der Leser wird mit Clarissas geplanter Abendgesellschaft in die Geschichte eingeführt. Clarissa ist krampfhaft bemüht die nahende Gesellschaft gebührend zu empfangen und verköstigen. Anfangs gewann ich den Eindruck, sie opfere ihr alles und es wirkte, als hing sie mit ihrem Leben daran. Sie scheint alles dafür zu geben, glücklich auszusehen, nur damit niemand merkt, dass sie unglücklich ist. Die Geschichte tut sich in einigen Nebensträngen auf, die letztlich aber in der Gesellschaft von Clarissa münden.
Da taucht ein Mann aus anderen Zeiten auf... Peter Walsh, dessen Umtriebigkeit sie letztlich doch gegen das „Glück" mit Richard Dalloway eintauschte. In dem Buch kehren Peter und Clarissa unabhängig voneinander gedanklich zu ihrer gemeinsamen Zeit zurück, ehe Peter nach Indien ging. Clarissa betrachtet die Zeit etwas verklärt, rechtfertigt vor sich aber die Entscheidung. Und auch Peter scheint sich mit den Gedanken an seine Verlobung in Indien nicht so erfreuen zu können, wie an dem Gedenken alter Zeiten. Nur ist Clarissas Ehe mit Dalloway nicht glücklich ist und auch die gemeinsame Tochter Evelyn entfernt sich im schwierigen Alter der Pubertät von Ihrer Mutter, steht im Einfluss der schwermütigen Mrs. Kilman. Mrs Kilman hält sich an Ihrem Glauben fest und an der Askese und ergeht sich darin, sich von der reichen Glitzerwelt aus der Evelyn kommt abzugrenzen. Doch Glück und Freude scheint sie darin nicht zu finden. Und Peter, der in der Gesellschaft eher belächelt wird, weil er eine Karriere gegen einen impulsive Handlung eingetauscht hat ist auch nicht glücklich, auch wenn einige das wohl annehmen, Ihn als Bonvivant betrachten.
Es gibt noch ein paar interessante Nebenschauplätze an diesem Tag, aber der aufregendste war in meinen Augen hierbei das Leben von Lucrezia und Septimus Warren Smith. Septimus, der unter dem leidet, was er im ersten Weltkrieg mit ansehen musste, der stets pflichtbewusst und erfolgreich irgendwann einfach unter der Last erdrückt wird und nun langsam den Depressionen verfällt. Eine Krankheit die man als solche nicht behandelt und der auch Lucrezias Liebe nicht beikommen kann. Es scheint wohl nicht von der Hand zu weisen, dass sich Virginia Woolf in der Figur des Septimus etwas spiegelt, zumindest erscheint es mir so.
Mrs. Dalloway war für mich ein sehr interessanter Abstecher in das Reich der Klassiker. Ohne einen Spannungsbogen und einzig auf die Gesellschaft im Hause der Dalloways zulaufend, hat der Roman eine eigenartige Anziehungskraft. Für mich liegt sie nach wie vor in der Figur seiner Autorin und deswegen habe ich mich auch dazu entschlossen, die Biografie ihres Mannes zu lesen, der darin das Leben mit seiner schwer kranken Frau beschreibt. Zwei Dinge habe ich immer zur Beschreibung meines Lesegefühls bei Mrs. Dalloway erwähnt: Einerseits habe ich immer etwas gebraucht, ehe ich in diesem Roman drin war. Ich verglich es mit den 3D-Bildern, bei denen man diesen starren Blick bekommen musste und irgendwie durch das Bild durch oder an dem Bild vorbei sehen musste. Ähnlich musste ich meinen Verstand verschieben, ehe ich Zugang zu Clarissas Welt erhielt. Andererseits war der Sog dann auch sehr stark. Ich fühlte mich auch lange nach dem Schließen des Buches schwermütig und traurig.
Sicher keine leichte Kost, aber ich kann es nur empfehlen. Ein Stück Literaturgeschichte.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 26, 2009 10:46 AM CET


Der Dunkle Turm, Band 3: Tot
Der Dunkle Turm, Band 3: Tot
von Stephen King
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Endlich geht es auf zum Turm!, 24. April 2005
Rezension bezieht sich auf: Der Dunkle Turm, Band 3: Tot (Taschenbuch)
Es ist schon lange her, dass mir das King-Universum vertraut gewesen ist, aber etwas hat sich gerettet... Der Turm! ...und der Turm führt mich zu meiner persönlichen King-Renaissance. Ich will nicht sagen, ich hätte mich sehr bewusst von seiner Literatur getrennt, aber nach und nach habe ich ihn einfach nicht mehr gelesen...bis Wolfsmond erschien. Erschreckend, wie viele Jahre schon wieder ins Land gegangen waren, aber ich wusste sofort, dass hier die Fortsetzung des Turms lag und so begann ich zu lesen....
„Tot" ist der dritte Teil des Epos, dessen gesamtes Ausmaß (wohl weitgehend gesichert) 7 Bücher umfassen wird. Er beginnt am Strand, an dem „Drei" endet. Er beginnt mit der Freundschaft der 3 Revolverleute Roland Deschain und Eddie & Susannah Dean und bringt den Leser zurück zu dem Jungen, der Roland mit den Worten ‚dann geh - es gibt andere Welten als diese' zurückgelassen hat. Der Junge, der in Rolands Welt zum zweiten Mal sterben musste...Jake Chambers. Der Junge, der den Revolvermann in „Schwarz" mit dessen Besessenheit vom Turm zurückgelassen hat. Der Junge, den Roland von Gilead in „Drei" gerettet hat, indem er Jakes Mörder in dessen Welt (dem New York der 70er) an der Tat gehindert hat und dabei letztlich auch Jakes Erscheinen in seiner eigenen Welt unmöglich machte.
„Tot" beginnt mit dem Paradoxon, dem Roland und Jake nach und nach verfallen, jeder in seiner Welt. Sie beginnen den Verstand zu verlieren. Eddie Dean bekommt eine sehr zentrale Rolle bei der Klärung des Paradoxons... Ob und wie es erfolgt will ich nicht vorweg nehmen. Weiter beschreibt King in diesem dritten Teil den weiteren Marsch des Ka-tet dem sich weiteren Verlauf auch ein Billy Bumbler hinzugesellt. Eine hundeähnliche Kreatur, die den Namen Oy erhält. Faszinierend an „Tot" sind die Bezüge zu unserer Welt. Da tauchen auf dem Weg zu der Stadt Lud seltsame Kreaturen auf...Cyborgs nennt man sie heute... halb organisch halb technisch und schon so alt, dass die Jahre nicht mehr zählbar sind. Es gab 12 von ihnen und sie waren Wächter der Endpunkte von 6 Linien quer durch Rolands Welt in deren Zentrum (an dem sich alle Linien treffen) der Dunkle Turm steht. Es gibt Hinweise auf Telefon, auf Strom... auf viel mehr Parallelen zu unserer Welt, die das Ka-tet vor allem in Lud erwartet. Zwischenzeitlich haben sie ein Palaver mit einigen Alten, entdecken ein Flugzeug aus dem 2. Weltkrieg und hören aus Lud kommend den Beat eines ZZTop-Songs.
Wer alles auf der Reise weitergeht, ob Sie Lud und den mit grausigen Vorahnungen behafteten Mono-Zug Blaine erreichen, welche Abenteuer Kings Protagonisten zu erleben haben soll hier gar nicht weiter Thema sein, denn schließlich will ich den Überraschungsmomenten des Buches nicht vorweg greifen. Fakt ist, dass es einen sehr interessanten Teil des Weges in Richtung Turm beschreibt.
King-Fans werden in dem Buch schon eine Anspielung auf einen anderen Roman und eine andere zentrale Figur des King-Universums finden, die aber erst im folgenden Roman Glas wirklich aufgegriffen wird.
Alles in allem hat mich „Tot" davon überzeugt, dass ich King und Roland auf dem Pfad des Balkens bis zum Ende folgen werde, auch wenn ich sonst nicht mehr viel King lese. Diese Serie ist allerdings unvergleichlich gut und ich werde nicht aufhören können, ehe die Geschichte erzählt ist.


Der Dunkle Turm, Band 4: Glas
Der Dunkle Turm, Band 4: Glas
von Stephen King
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine Reise in Rolands Jugend! Spannend!, 13. Februar 2005
Rezension bezieht sich auf: Der Dunkle Turm, Band 4: Glas (Taschenbuch)
Es ist schon lange her, dass mir das King-Universum vertraut gewesen ist, aber etwas hat sich gerettet... Der Turm! ...und der Turm führt mich zu meiner persönlichen King-Renaissance. Ich will nicht sagen, ich hätte mich sehr bewusst von seiner Literatur getrennt, aber nach und nach habe ich ihn einfach nicht mehr gelesen...bis Wolfsmond erschien. Erschreckend, wie viele Jahre schon wieder ins Land gegangen waren, aber ich wusste sofort, dass hier die Fortsetzung des Turms lag und so begann ich zu lesen....Mit Glas war ich beim vierten Teil angelangt.
Doch zu der Suche nach dem dunklen Turm:
Das Ka-tet um Roland sitzt im schizophrenen und suizid-gefährdeten Monorail Blaine, der von Lud nach Topeka rast. Nach und nach versuchen sich die Revolverleute daran, Blaine im Rätsel-Wettstreit dingfest zu machen, damit er sie in Topeka nicht an der nächst besten Wand zu Brei verwandelt und irgendwie müssen sie es ja schaffen (alle oder einige von ihnen), sonst wäre das Buch ja schon zu Ende.
Blaines Fahrt endet in Topeka mehr oder weniger holprig und die Ex-New-Yorker finden sich in der Welt wieder, in die sie geboren wurden. In den Vereinigten Staaten von Amerika, in Kansas, in Topeka. In ein verlassenes, vom Tod heimgesuchtes Topeka; in dem massenweise Leichen herumliegen und der kleinen Gruppe kein lebendiger Mensch begegnet. Aus einer Zeitung erfahren Sie von den letzten Tagen der Grippe, die landläufig auch ‚Captain Trips' genannt wird (!!). Sie finden Hinweise, dass letzte Überlebende nach Nebraska zu Abigail oder dem dunklen Mann nach Westen pilgern. Soviel zum King-Universum.
Zu meinem Leidwesen ist King in diesem lang ersehnten 4 Teil (immerhin wartete die geneigte Fan-Gemeinde beinahe 6 Jahre auf seine Veröffentlichung) nicht das gelungen, was ich nach einem derart langen Reifungsprozess erwartet hätte. Er erzählt eine wichtige Episode aus Rolands Leben, eingebettet in die ‚Jetzt-Zeit'-Suche nach dem Turm. Leider wird die Geschichte da mehr oder minder reingepresst, ob es nun gerade passt oder nicht, der dürftige Rahmen nach der Blaine-Story wird durch die Bezüge zu „Das letzte Gefecht" und „Der Zauberer von Oz" etwas aufgepeppt, aber Richtung Turm kommen die Gefährten nicht wirklich weiter.
Die Geschichte aus der Jugend von Roland ist aber durchaus eine Entschädigung. Hier holt King einiges wieder raus. Roland wird nach seiner erfolgreichen Mannbarkeitsprüfung zusammen mit seinen besten Freunden Cuthbert Allgood und Alain Johns aus der Schusslinie gebracht, denn Gilead steht kurz vor einem Krieg mit John Farson dem ‚guten Mann'. Also reiten die Drei unter falschem Namen nach Hambry in Mejis. Die Baronie und auch der Ort gelten als befreundet und die jungen Herren sollen sich unter falschen Namen in Sicherheit dem Zählen verfügbarer Kriegshilfsmittel widmen. Doch die Geschichte nimmt einen ganz anderen Verlauf.
Ka nennen sie es in Rolands Welt und genau das passiert... Unvorhergesehenes. Der gerade mal 14. Lenze zählende Roland trifft auf Susan Delgado, ein hübsches 16-jähriges Mädchen, das von der Schwester ihres verstorbenen Vaters dazu gebracht wird einen schmutzigen Deal einzugehen. Susan soll die Mätresse des Bürgermeisters Hart Thorin werden und dafür erhalten die beiden in Teilen das zurück, was rechtmäßig ohnehin schon ihnen gehörte. Teile des Landes, welches Susans Vater besessen hatte und 3 Pferde. Cordelia Delgado beschwört bei Zweifeln ihrer Nichte immer das Andenken an deren verstorbenen Vater herauf und macht sie sich somit gefügig. Gerade als der Vertrag geschlossen ist und Susan bei der Hexe Rhea ihre Ehrbarkeit bewiesen hat, treffen die beiden pubertierenden aufeinander und *klick*... alles weitere bleibt eine wundervoll erzählte Lovestory mit einem großen Ende.
Aber Roland muss sich nicht nur mit seinen Hormonen auseinander setzen. Bei ihrer Tätigkeit fallen den dreien Unstimmigkeiten auf. Verrat und Betrug liegen in der Luft, nicht nur am Bund, sondern auch untereinander führt hier die Zwietracht die Feder. Das alles beobachtet Rhea durch eine magische Glaskugel, einen Gegenstand den Rolands Vater, Steven Deschain, und der Bund schon lange ohne Erfolg suchen. Und Rhea mischt auch kräftig mit, genauso wie Kanzler Kimba Rimer und die von ihm rekrutierten ‚Großen Sargjäger' Eldred Jonas, Clay Reynolds und Roy Depape. Doch nicht nur der Kanzler ist ein Verschwörer im Umfeld von Hart Thorin, auch dessen Schwester Coral (ihres Zeichens eine erfolgreiche Bordell-Chefin) treibt ein undurchsichtiges Spiel und seine Ehefrau Olive bleibt bis zuletzt eine unbekannte Größe.
Die drei Jungs und die drei Sargjäger liefern sich eine Partie Schloss (wie man in Rolands Welt Schach nennt) und sukzessive eskaliert die Situation. Zwischen Rheas Begierde nach der Kugel und nach Zwietracht, Corals und Cordelias Versessenheit auf Geld und Wohlstand, Kimbas Machthungrigkeit, Harts Wollust und der Kaltblütigkeit der großen Sargjäger entsteht eine zerstörerische Atmosphäre und das ruhige Paradies gerät vollends aus den Fugen. Die Geschichte der drei jungen Revolvermänner ist packend erzählt und hält bis zuletzt viele Überraschungen bereit.
Zurück in der eigentlichen Erzählzeit gibt uns King dann auch den definitiven Bogen zu „Das letzte Gefecht" und „Die Augen des Drachen" und es wird nicht die letzte Verzweigung sein.


Die Farm: Roman
Die Farm: Roman
von John Grisham
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Grisham mal ganz anders, 31. Dezember 2004
Rezension bezieht sich auf: Die Farm: Roman (Taschenbuch)
Okay...mal zur Abwechslung wieder ein Grisham. Nach einem Buch und diversen Filmen sah ich mich nicht wirklich zu weiterer Lektüre genötigt, aber meine Mutter hat es mir ans Herz gelegt und da Mütter immer nur unser Bestes wollen....
1952. Luke Chandler ist sieben und lebt auf einer Baumwollfarm in Arkansas. Er träumt von einer Karriere als Baseball-Spieler, während sich die Erwachsenen um ihn herum den Kopf über die Ernte zerbrechen. Luke muss hart arbeiten; genauso hart wie die Menschen aus den Bergen und die Mexikaner, die alljährlich für die Ernte von Farmern wie seinem Großvater angeworben werden. Dieses Jahr sind es die Spruills, die sich im Hof der Familie mit Zelt und Pickup breit machen. Die aufreizende 17-jährige Tochter Tally, ihr grobschlächtiger und zur Gewalttätigkeit neigender Bruder Hank und der scheinbar zurückgebliebene Trot sind die ausgeprägtesten Charaktere aus dieser Familie. In der Scheune beherbergen die Chandlers eine siebenköpfige Mexikaner-Truppe um den freundlichen Miguel und den finsteren Cowboy. Lukes Leben wird tüchtig durcheinander geworfen. Was er sieht und erlebt. Die ganzen „kleinen" Geheimnisse, werden in Wirklichkeit immer größer und belasten ihn immer mehr. Er lernt, dass das Leben ernst ist und verliert langsam den kindlich naiven Blick auf die Welt der Erwachsenen.
Grisham beschreibt sehr einprägsam die Verhältnisse um diese Zeit auf einer solchen Farm. Wieviel davon abhängt, dass die Ernte gut läuft und das Wetter hält. Es ist für die Menschen von solch einer Wichtigkeit, dass sie kaum andere Themen kennen. Auch die Ausarbeitung der einzelnen Charaktere ist gelungen. Eli Chandler, Lukes Großvater, ist selbst im Krieg gewesen und weiß derzeit seinen zweiten Sohn mitten in Korea. Auch wenn Lukes Vater Jesse es seinem Vater gleich getan hat und lebend aus dem Krieg zurückgekehrt ist, so sorgt sich Eli doch sehr um seinen Jüngsten. Genau wie seine Frau, die mit ihrer Schwiegertochter nur schwerlich klarkommt. Beide sind bemüht, dass sich alle auf der Farm wohl fühlen, aber Lukes Mutter lässt keinen Zweifel daran, dass sie für Ihren Filius ein anderes Leben auserkoren hat; ein Leben außerhalb von Baumwollfeldern. Die Spruills haben ein Problem...Hank und der wird auch zu Lukes Problem als Luke zusieht wie Hank sich in eine unfaire Schlägerei einmischt und dabei in einem extremen Gewaltausbruch einen Jungen so schwer verletzt, dass dieser wenig später stirbt. Luke lügt als er zu der Schlägerei gefragt wird; aus Angst vor Hank und aus Angst vor einer Flucht der Spruills ehe die wichtige Ernte eingebracht ist und damit die Existenz der Chandlers bedroht wird. Doch das ist nur eines von vielen Geheimnissen, die Luke belasten. Er fühlt sich zu der hübschen Tally hingezogen, die aber anscheinend mit dem kaltblütigen Cowboy anbandelt. Immer mehr Geheimnisse kommen von allen Seiten. Menschen vertrauen sich Luke an und dank seiner kindlichen Neugier rutscht er immer tiefer in die interessante aber doch auch gefährlich reale Welt der Erwachsenen. Zwischen den ersten Erfahrungen mit Liebe, Gewalt und Tod arbeitet Grisham auch während des gesamten Buches an dem spröden Charakter des Eli Chandler und seiner spärlich zum Ausdruck kommenden Gefühle. Besonders bemerkenswert finde ich, wie die Gefühle des siebenjährigen Luke sehr treffend mit dem breiten Wortschatz eines Erwachsenen beschrieben werden.
Meine anfänglichen Bedenken waren unbegründet und ich fragte mich lange, wann daraus wieder ein Gerichts-Thriller werden würde. Umso interessanter war es, diesem Autor mal auf ganz anderen Wegen zu folgen. Nicht herausragend, aber gut und auf jeden Fall keine vergeudete Zeit.


Hin und Weg
Hin und Weg
von Alan Warner
  Taschenbuch

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Hin und weg...mit diesem Buch, 31. Dezember 2004
Rezension bezieht sich auf: Hin und Weg (Taschenbuch)
Wahrscheinlich hätte ich mir dieses Buch auch nie gekauft, aber es war über die „bookcrosser"-Vereinigung von einem Mitglied auf unserem Hauptbahnhof freigelassen worden. Es sah so einsam aus; da haben wir uns seiner angenommen. Ich muss sagen, dass der Tag der Wieder-Freilassung kein Trauertag sein wird...
Morvern Callar findet den Leichnam ihres Freundes (Selbstmord durch Kehle-Aufschneiden und Hand-Abhacken...na danke!) gleich zu Anfang des Buches. Zunächst habe ich gedacht, sie handelt irgendwie in einer Schockhandlung, als sie nach einigen hysterischen Tränen sämtliche Weihnachtsgeschenke vorzeitig auspackt, einsteckt, anzieht, benutzt und damit einfach zur Arbeit geht. Doch der Roman geht so weiter. Morvern ist eine melancholische junge Frau, die in ihrem schottischen Kleinstadt-Leben nach dem Abgang ihres Freundes nur ihren Pflegevater, ihre Freundin Lanna und deren Großmutter wirklich gern haben kann. Alle anderen Menschen um sie herum werden von ihr ohne Tiefe beschrieben, wie Fotos in irgendeinem Flohmarkt-Album. Die Figur scheint also kalt angelegt. Morvern schläft mit anderen Jungs, schickt den vollendeten Roman ihres Freundes unter ihrem eigenen Namen an diverse Verlage und wird tatsächlich hofiert. Sie entledigt sich der Leiche erst nach mehreren halbherzigen versuchen, sie einfach aus ihrem Sichtfeld zu bringen. Sie bedient sich des Geldes des Toten und des Vorschusses für das Buch, reist nach Spanien, feiert wild und schläft mit anderen Jungs...
Dieses Buch ätzt... aber nicht auf eine Weise, wie andere junge Autoren das gerne nutzten. Es ätzt und es bleibt nichts. Es bleibt keine außergewöhnliche Lese-Erfahrung, es bleibt keine tolle Story, derer man sich erinnert. Ich habe mich beim Lesen wie unter einem grauen Schleier gefühlt und es hat mich angenervt. Es war nicht so schlimm, dass ich es abbrechen musste, aber es war definitiv eines der langweiligsten Bücher, die ich je gelesen habe. Ich habe das Gefühl, Warner hat mal Bret Easton Ellis gelesen und glaubt nun einen auf „Unter null"-light machen zu können. Er schafft es in meinen Augen aber nicht mal annähernd einen solchen Charakter zu produzieren. Er schafft keine Tiefe, keine der Figuren fesselt einen, er hat keine interessante Geschichte zu erzählen und es versteckt sich keine erkennbare Botschaft. Der gute Wille alleine genügt hier leider nicht. Warum er den Somerset Maugham Award für dieses Buch erhalten hat, mag der Geier wissen. Interessant wäre hierbei sicher die Liste der Mitstreiter und der Juroren. Wer solches Schreibwerk braucht....bitte!
Bleibt mir letzte Alternative, wenn es um Kunst geht: Es ist entweder einfach nicht mein Geschmack oder ich bin zu dumm für dieses Buch.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 1, 2011 2:40 PM MEST


Die geliehene Zeit
Die geliehene Zeit
von Diana Gabaldon
  Taschenbuch

13 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Besser als der Erste, 31. Dezember 2004
Rezension bezieht sich auf: Die geliehene Zeit (Taschenbuch)
Ich habe es mir natürlich nicht verkneifen können, die knapp 1000 Seiten durch zu schmökern. Ehrlich gesagt bin ich noch begeisterter als vom ersten Teil. Die „Gipfel der Lüste" und „Meere vollkommener körperlicher und geistiger Einheit" machen Handlung Platz. Gabaldon beschreibt endlich auch mit demselben Enthusiasmus andere große Gefühle und das macht sie wirklich gut....
Geillis Duncan wurde, nach dem Mord an Ihrem Mann und der Niederkunft von Dougal McKenzies Sohn, auf dem Scheiterhaufen eingeäschert. Claire hat sich gegen den Steinkreis, gegen ein Leben mit Frank Randall und für die Befreiung Ihres zweiten Mannes Jamie Fraser entschieden. Hat dabei dem brutalen Jonathan Randall und einem Wolf getrotzt. Hat sich erfolgreich an einem Exorzismus für Jamies Gespenster aus dem Wentworth-Gefängnis (Folter und Vergewaltigung) versucht und trägt nun sein erstes Kind unter dem Herzen... das war der Endstand des ersten Teils.
Umso verwunderter ist man, als „Die geliehene Zeit" in den späten Sechzigern des zwanzigsten Jahrhunderts beginnt. Claire reist mit Ihrer Tochter Brianna nach Schottland. Ihr Mann, Frank Randall, ist kurz zuvor versorben. Die Beschreibung Briannas lässt keinen Zweifel daran, dass sie unmöglich Franks Tochter sein kann, doch Brianna hat noch keine Ahnung von der wahren Identität Ihres Vaters. Zusammen mit Roger Wakefield (der im ersten Buch als kleiner Junge eingeführt wird) beginnt Claire unmittelbar nach ihrer Ankunft mit einigen Nachforschungen. Lange hält sie sich bedeckt, doch als sie auf einem entlegenen Friedhof Jamies Grab entdeckt kann sie nicht anders, als ihre Geschichte zu erzählen.
Nachdem Jamie sich in Frankreich von Randalls Folter im Wentworth-Gefängnis erholt hat beschließen er und Claire, die Geschichte in die Hand zu nehmen. Sie wollen mit allen Kräften die Rückkehr von Bonnie Prince Charles verhindern. Ein geschichtliches Faktum von dem Claire weiß, dass es später zur Abschlachtung fast aller aufständischen schottischen Clans durch die Engländer führt. Charles' Griff nach der Krone Schottlands und Englands wird letztlich der „Geschichte" zu Folge viele Leben fordern und wohl auch das von Jamie und vielen anderen Schotten, die Claire lieb gewonnen hat. Als Urlaubsvertretung von Jamies Cousin Jared machen sich die beiden in Frankreich und im Weinhandel breit. Charles ist zu dieser Zeit in Frankreich um bei seinem Verwandten, dem König, in eine gute Stellung zu gelangen. Natürlich hofft er dabei auch um die nötige monetäre Unterstützung. Neben den großen politischen Rädern, sieht sich Claire auch als Opfer kleinerer Verschwörungen. Neid, Hass, Intrigen. Der tot geglaubte Jonathan Randall taucht auf der Bildfläche auf und weckt in Claire die Hoffnung, dass Frank doch noch nicht verloren ist. Denn auch Randalls künftige Ehefrau Mary Hawkins, die demnächst mit dem folgenden Ahnen Franks schwanger sein sollte, betritt in Paris das äußerst glatte Parkett.
Lange versuchen die Turteltauben dezent die Stimmung in Frankreich gegen Charles zu schüren, während sich Jamie als sein Freund gibt. Doch dann eskaliert alles auf einem Nebenschauplatz. Wieder ist Jonathan Randall der Urheber allen Übels. Jamie landet erneut im Gefängnis, Randall wird schwer verwundet und Claire verliert Ihr erstes Kind. Nur dank der Hilfe Ihrer Freunde Mutter Hildegarde und Maitre Raymond bleibt Claire am Leben. Erstere leitet das Krankenhaus in dem Claire ehrenamtlich hilft und letzterer ist ein in Verruf geratener Apotheker. Raymond ist eine ähnlich undurchsichtig angelegte Figur, wie Geillis Duncan aus dem ersten Buch. Über ihn und Mutter Hildegarde möchte man auf jeden Fall mehr erfahren, wird sich dabei aber wohl auf künftige Schwarten verlassen müssen. Claire erfährt beinahe zu spät, dass ihr Mann gar nicht seine Pläne bezüglich Charles umsetzen kann, weil er eingekerkert ist. Obwohl sie nie mehr sehen mag, boxt sie ihn der Sache wegen mal wieder frei...mittels skurriler Privat-Audienz bei Louis.
Alles kommt trotzdem anders und doch, wie Claire es fast erwarten musste....Warum sie dennoch mit Jamie nach Schottland zurückkehrt, warum trotz aller Anstrengungen Charles' Rückkehr und die verhängnisvolle Schlacht bei Culloden und damit die Niederschlagung der Clans immer näher rückt, warum auch Geillis Duncan damit etwas zu tun hat und warum Claire letztlich doch wieder in die Zukunft zurückgekehrt ist...das ist neben der Suche nach Geillis Duncan vor ihrer Zeitreise und weiterer Cliffhanger-Enthüllungen das was dieses Buch so fesselnd macht. Es ist nicht möglich, alles anzureißen und dabei nicht zu viel zu verraten, aber es lohnt sich auf jeden Fall. Das deutliche Plus an Story tut dem Buch sehr gut und macht noch mehr Lust auf Teil 3.


Die Farm: Roman
Die Farm: Roman
von John Grisham
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Grundsolider guter Grisham, aber mal ganz anders...., 5. Dezember 2004
Rezension bezieht sich auf: Die Farm: Roman (Taschenbuch)
Okay...mal zur Abwechslung wieder ein Grisham. Nach einem Buch und diversen Filmen sah ich mich nicht wirklich zu weiterer Lektüre genötigt, aber meine Mutter hat es mir ans Herz gelegt und da Mütter immer nur unser Bestes wollen....
1952. Luke Chandler ist sieben und lebt auf einer Baumwollfarm in Arkansas. Er träumt von einer Karriere als Baseball-Spieler, während sich die Erwachsenen um ihn herum den Kopf über die Ernte zerbrechen. Luke muss hart arbeiten; genauso hart wie die Menschen aus den Bergen und die Mexikaner, die alljährlich für die Ernte von Farmern wie seinem Großvater angeworben werden. Dieses Jahr sind es die Spruills, die sich im Hof der Familie mit Zelt und Pickup breit machen. Die aufreizende 17-jährige Tochter Tally, ihr grobschlächtiger und zur Gewalttätigkeit neigender Bruder Hank und der scheinbar zurückgebliebene Trot sind die ausgeprägtesten Charaktere aus dieser Familie. In der Scheune beherbergen die Chandlers eine siebenköpfige Mexikaner-Truppe um den freundlichen Miguel und den finsteren Cowboy. Lukes Leben wird tüchtig durcheinander geworfen. Was er sieht und erlebt. Die ganzen „kleinen" Geheimnisse, werden in Wirklichkeit immer größer und belasten ihn immer mehr. Er lernt, dass das Leben ernst ist und verliert langsam den kindlich naiven Blick auf die Welt der Erwachsenen.
Grisham beschreibt sehr einprägsam die Verhältnisse um diese Zeit auf einer solchen Farm. Wieviel davon abhängt, dass die Ernte gut läuft und das Wetter hält. Es ist für die Menschen von solch einer Wichtigkeit, dass sie kaum andere Themen kennen. Auch die Ausarbeitung der einzelnen Charaktere ist gelungen. Eli Chandler, Lukes Großvater, ist selbst im Krieg gewesen und weiß derzeit seinen zweiten Sohn mitten in Korea. Auch wenn Lukes Vater Jesse es seinem Vater gleich getan hat und lebend aus dem Krieg zurückgekehrt ist, so sorgt sich Eli doch sehr um seinen Jüngsten. Genau wie seine Frau, die mit ihrer Schwiegertochter nur schwerlich klarkommt. Beide sind bemüht, dass sich alle auf der Farm wohl fühlen, aber Lukes Mutter lässt keinen Zweifel daran, dass sie für Ihren Filius ein anderes Leben auserkoren hat; ein Leben außerhalb von Baumwollfeldern. Die Spruills haben ein Problem...Hank und der wird auch zu Lukes Problem als Luke zusieht wie Hank sich in eine unfaire Schlägerei einmischt und dabei in einem extremen Gewaltausbruch einen Jungen so schwer verletzt, dass dieser wenig später stirbt. Luke lügt als er zu der Schlägerei gefragt wird; aus Angst vor Hank und aus Angst vor einer Flucht der Spruills ehe die wichtige Ernte eingebracht ist und damit die Existenz der Chandlers bedroht wird. Doch das ist nur eines von vielen Geheimnissen, die Luke belasten. Er fühlt sich zu der hübschen Tally hingezogen, die aber anscheinend mit dem kaltblütigen Cowboy anbandelt. Immer mehr Geheimnisse kommen von allen Seiten. Menschen vertrauen sich Luke an und dank seiner kindlichen Neugier rutscht er immer tiefer in die interessante aber doch auch gefährlich reale Welt der Erwachsenen. Zwischen den ersten Erfahrungen mit Liebe, Gewalt und Tod arbeitet Grisham auch während des gesamten Buches an dem spröden Charakter des Eli Chandler und seiner spärlich zum Ausdruck kommenden Gefühle. Besonders bemerkenswert finde ich, wie die Gefühle des siebenjährigen Luke sehr treffend mit dem breiten Wortschatz eines Erwachsenen beschrieben werden.
Meine anfänglichen Bedenken waren unbegründet und ich fragte mich lange, wann daraus wieder ein Gerichts-Thriller werden würde. Umso interessanter war es, diesem Autor mal auf ganz anderen Wegen zu folgen. Nicht herausragend, aber gut und auf jeden Fall keine vergeudete Zeit.


Hin und Weg
Hin und Weg
von Alan Warner
  Taschenbuch

1.0 von 5 Sternen Hin und weg? Finger weg!, 5. Dezember 2004
Rezension bezieht sich auf: Hin und Weg (Taschenbuch)
Wahrscheinlich hätte ich mir dieses Buch auch nie gekauft, aber es war von einem Mitglied der „bookcrosser"-Vereinigung auf unserem Hauptbahnhof freigelassen worden. Es sah so einsam aus; da haben wir uns seiner angenommen. Ich muss sagen, dass der Tag der Wieder-Freilassung kein Trauertag für mich sein wird...
Morvern Callar findet den Leichnam ihres Freundes (Selbstmord durch Kehle-Aufschneiden und Hand-Abhacken...na danke!) gleich zu Anfang des Buches. Zunächst habe ich gedacht, sie handelt irgendwie in einer Schockhandlung, als sie nach einigen hysterischen Tränen sämtliche Weihnachtsgeschenke vorzeitig auspackt, einsteckt, anzieht, benutzt und damit einfach zur Arbeit geht. Doch der Roman geht so weiter. Morvern ist eine melancholische junge Frau, die in ihrem schottischen Kleinstadt-Leben nach dem Abgang ihres Freundes nur ihren Pflegevater, ihre Freundin Lanna und deren Großmutter wirklich gern haben kann. Alle anderen Menschen um sie herum werden von ihr ohne Tiefe beschrieben, wie Fotos in irgendeinem Flohmarkt-Album. Die Figur scheint also kalt angelegt.
Dieses Buch ätzt... aber nicht auf eine Weise, wie andere junge Autoren das gerne nutzten. Es ätzt und es bleibt nichts. Es bleibt keine außergewöhnliche Lese-Erfahrung, es bleibt keine tolle Story, derer man sich erinnert. Ich habe mich beim Lesen wie unter einem grauen Schleier gefühlt und es hat mich angenervt. Es war nicht so schlimm, dass ich es abbrechen musste, aber es war definitiv eines der langweiligsten Bücher, die ich je gelesen habe. Ich habe das Gefühl, Warner hat mal Bret Easton Ellis gelesen und glaubt nun einen auf „Unter null"-light machen zu können. Er schafft es in meinen Augen aber nicht mal annähernd einen solchen Charakter zu produzieren. Er schafft keine Tiefe, keine der Figuren fesselt einen, er hat keine interessante Geschichte zu erzählen und es versteckt sich keine erkennbare Botschaft. Der gute Wille alleine genügt hier leider nicht. Warum er den Somerset Maugham Award für dieses Buch erhalten hat, mag der Geier wissen. Interessant wäre hierbei sicher die Liste der Mitstreiter und der Juroren. Wer solches Schreibwerk braucht....bitte!
Bleibt mir letzte Alternative, wenn es um Kunst geht: Es ist entweder einfach nicht mein Geschmack oder ich bin zu dumm für dieses Buch.


Feuer und Stein: Roman
Feuer und Stein: Roman
von Diana Gabaldon
  Taschenbuch

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein gelungener Start für eine Hochland-Saga, 18. November 2004
Rezension bezieht sich auf: Feuer und Stein: Roman (Taschenbuch)
Was mich getrieben hat, das kann ich gar nicht mehr sagen. Warum tut man sich so etwas an? Fünf dicke Wälzer einer Highland-Saga und kein Ende in Sicht. Von den Buchhandlungen werden die Bücher der Serie in die viel sagende Ecke „Frauenliteratur" gesteckt und nur Frauen haben mir die Lektüre empfohlen. Konnte mich alles nicht abschrecken, habe es trotzdem gelesen...
Doch zur Geschichte:
Claire Randall reist mit Ihrem Mann Frank nach dem 2. Weltkrieg nach Schottland. Dort wollen der Historiker und die Krankenschwester nach langer Trennung behutsam wieder zu einander finden. Ganz nebenbei möchte Frank auch noch etwas Ahnenforschung betreiben. Seiner Frau gelingt das allerdings weitaus besser, weil detailgenauer. Claire durchschreitet in einem uralten magischen Steinkreis eine Tür in vergangene Zeiten und stößt als allererstes auf Jonathan Randall, einen Vorfahr von Frank. Leider zeigt der sich weitaus weniger zärtlich oder um eine gute Beziehung bemüht. Claire wird vom feindlichen Lager, den Schotten, aus den Klauen des brutalen Briten gerettet.
Fürs erste sind alle reichlich irritiert. Claire beäugt fasziniert und ungläubig die Welt des achtzehnten Jahrhunderts, während die Welt des achtzehnten Jahrhunderts Claire überaus skeptisch gegenüber tritt. Claire kommt beim Clan der McKenzies auf Burg Leoch unter. Das Clanoberhaupt Colum und sein Bruder Dougal treten der unbekannten Engländerin, die angesichts der sicher unangenehmen Reaktionen auf ihren wahren Namen den französischen Mädchennamen wieder angenommen hat, äußerst reserviert gegenüber. Claire versucht so nahe bei der Wahrheit zu bleiben, wie es ihre derzeitige Situation erlaubt.
Jonathan Randall nutzt diplomatische Grauzonen, der widerspenstigen Mrs. Beauchamp habhaft zu werden und so ist sie gezwungen, eine Ehe mit James Fraser (einem Neffen der McKenzie-Brüder Colum und Dougal) einzugehen, dem Mann, dem sie nahezu unmittelbar nach Ihrem Zeitsprung und der Befreiung aus den Klauen von Jonathan Randall das Leben gerettet hat. Jamie ist ein junger, zurückhaltender Hochland-Schotte. In Ermangelung besserer Vorschläge tritt sie zum zweiten Mal in den heiligen Bund der Ehe; diesmal mit einem Geächteten auf den ein Kopfgeld ausgesetzt wurde. Jetzt ist es aber auch nicht so, dass Claire in vollkommener Gegenwehr zur Bigamistin wird. Vielmehr gibt es da ja schon fleischliche Gelüste. Es kommt, wie es kommen muss... die beiden verlieben sich unsterblich und sind fast nur noch mit sich selbst beschäftigt.
Leider funkt Jonathan Randall immer wieder dazwischen und stört das traute Glück. Zwischendrin taucht die ominöse Gestalt von Geillis Duncan auf, eine Figur die Claire ganz widersprüchlich betrachtet. Einerseits lernt sie von Geillis viel über Pflanzen und deren Wirkung, andererseits erkennt sie eine zielgerichtete Kälte im Verhalten der Frau des Prokurators, die ihr nicht geheuer ist. Claire gerät aufgrund Ihrer Bekanntschaft mit Geillis in den Verdacht, eine Hexe zu sein, man wird des geächteten Jamies habhaft und kerkert ihn eines der sichersten Gefängnisse Englands ein, wo der brutale Randall auf seine Spur kommt. Colums und Dougals Ränkeschmiede sind überaus undurchsichtig und Claire muss sich letztlich auch der Frage stellen, was passiert, sollte sie tatsächlich wieder in die Nähe des herbeigesehnten Steinkreises gelangen. Davor stehen aber allerhand Abenteuer.
Gabaldon hat einen angenehmen Schreibstil. Mich konnte sie mit der Geschichte von der Zeitreisenden fesseln. Platt und abgedroschen wird es nur, wenn sie zum x-ten Mal von einem heißen Liebestaumel schreibt, dem sich die beiden in ihrer nicht zu bändigenden Wollust ergeben. Leider... denn da wäre weniger eindeutig mehr gewesen. Für mich als „Zeitreisen"-Freak bleibt noch die Frage offen, wie gut sie mit Paradoxa und der allgemeinen Problematik dieses Themas umgehen wird, aber das Ende ist auf jeden Fall ein guter Cliffhanger. Ich hoffe, in den Fortsetzungen noch etwas über die überaus interessante Figur der Geillis Duncan zu erfahren...


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