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Rezensionen verfasst von
Reiner Schrader (Hamburg Deutschland)

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Ramon Lull. Zwischen Bibel und Koran. Roman-Biographie
Ramon Lull. Zwischen Bibel und Koran. Roman-Biographie
von Detlef Schäfer
  Gebundene Ausgabe

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Roman um Ramon, 17. Juni 2003
Es fehlt eigentlich nichts für eine grandiose Story: die geheimnisvolle Welt des 13. Jahrhunderts, ein verwöhnter Patriziersohn, der seinen Besitz verschmäht, um als Pilger und Eremit in franziskanischer Armut zu leben, Kirchenfürsten und Könige, eine geniale Erfindung, die geeignet ist, die letzten Wahrheiten zu entdecken, gefährliche Missionsreisen zu den Jüngern Allahs, die Abenteuer der Liebe und der Diplomatie - und das alles vor der prächtigen Kulisse einer Insel, deren fruchtbare Schönheit eben erst den Händen der Mauren entrissen wurde, die ihre Kultur und Landschaft über Jahrhunderte geprägt hatten. Die Rede ist von Mallorca, die Rede ist von seinem großen Sohn Ramon Lull. Wer Lull schätzt und seinen Spuren auf dem Puig de Randa im Herzen der mallorquinischen Ebene nachspüren konnte oder in Miramar, dem kurzzeitigen Stützpunkt seines Arabisch-Kollegs, wird dieses Buch nur mit gemischten Gefühlen lesen. So viel versprechend die Zutaten sind, so wenig vermag der Autor sie zu einem schlüssigen und spannenden Ganzen zu verbinden. Die Sprache ist steif, voller unzeitgemäßer Wendungen, bisweilen sogar grotesk (wie anders soll man eine Formulierung wie "Drahtzieher bei der Heiligsprechung" bezeichnen?). Die Beschreibung psychischer Vorgänge, die die Handlung verständlich und glaubhaft machen, kann keinesfalls überzeugen. Mit einem Wort: Ein "werbewirksames" Thema mit aktuellem Bezug (dem Verhältnis zwischen Christen und Moslems) allein macht noch keinen guten Roman. Lull war in der Tat ein faszinierender Mann, eine theologische und philosophische Ausnahmeerscheinung. Er hätte einen besseren verdient.


Gebrauchsanweisung für Mallorca
Gebrauchsanweisung für Mallorca
von Elfie Donnelly
  Taschenbuch

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nicht immer sattelfest, 1. April 2003
Zugegeben: Langweilig ist sie nicht, diese flotte Skizze Mallorcas und seiner Bewohner. Beredt, locker und mit der reichen Erfahrung einer langjährigen Residentin entführt uns die Autorin ebenso sicher in die tristen Gefilde verkehrs- und umweltpolitischer Probleme wie in die landschaftlicher Schönheit, heiterer Sinnenfreude und gelassener Lebensart. Oft aber gerät der stets leichte Ton so salopp, dass man an
der Ernsthaftigkeit dieser - doch wohl - Hommage an die Insel zweifeln möchte. Das gilt besonders für das Kapitel über die Literaten. Wieso Bernanos ein "Einheimischer" sein soll, bleibt unerfindlich. Ebenso, dass Albert Vigoleis Thelen, der seine eigenen bescheidenen Mallorca-Erlebnisse zu bombastischer Größe aufgeblasen hat, "pralles mediterranes Leben" beschrieben haben soll. Und vollends unbegreiflich das Urteil über Georges Sands "Ein Winter auf Mallorca": Mitnichten ein "Meuchelbuch", auch wenn es kein gutes Haar an der ländlichen Bevölkerung lässt. Denn was die landschaftliche Schönheit betrifft, ist Sands Begeisterung nicht zu übertreffen, ja, sie sagt geradezu prophetisch voraus, dass diese Insel einen gewaltigen Zulauf erleben würde, könnte man sie nur besser und bequemer (sie schrieb dies um 1840) erreichen. Die Mallorquiner wissen schon, warum sie gerade diesen "frustrierten Reisebericht" in jeder Buchhandlung in mehreren Sprachen anbieten - Lektüre dringend empfohlen!


Zeit zu sterben
Zeit zu sterben
von Leena Lehtolainen
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

17 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Gewalt des Herzens, 8. Mai 2002
Rezension bezieht sich auf: Zeit zu sterben (Taschenbuch)
Ein Frauenhaus in Helsinki: Misshandelte Frauen, verstörte Kinder, prügelnde Kerle, die - um die Macht über ihr Opfer nicht zu verlieren - kurzfristig Reue heucheln, um beim nächsten Mal umso hemmunbgsloser zuzuschlagen. Wer hier erst einmal landet, kann dem Teufelskreis aus Suff, Frust und Gewalt kaum noch entfliehen. Zumal sich die Hilfsmöglichkeiten in Grenzen halten: eine vorübergehende Zuflucht, eine Handvoll tröstender Worte, das Angebot zu gemeinsamer Therapie mit dem Partner.
Als eine ehemalige Schutzsuchende von ihrem Mann zu Tode geprügelt wird, will sich Säde, eine der Sozialarbeiterinnen, mit ihrer Ohnmacht nicht mehr abfinden. Sie beschließt, der lauen Philosophie des Hauses ("Vor allem die Familie erhalten; die Frauen nicht zur Anzeige ermuntern") die Stirn zu bieten und die Probleme auf eine neue, ebenso unorthodoxe wie wirksame Weise anzugehen. In dem Maße, wie ihre Pläne gelingen, wächst auch ihr Selbstvertrauen. Von der grauen Maus, die ein stilles, bescheidenes Dasein im Winkel fristet, entwickelt sie sich zu einer aktiven, selbstbewussten Persönlichkeit, die auch ihrem Äußeren wieder mehr Aufmerksamkeit schenkt. Wir erfahren von ihrer Kindheit im ländlichen Karelien, von ihrer Liebe zur Natur, von den kleinen, aber wertvollen Dingen des Alltags. So lernen wir sie verstehen und ihre Veränderung begreifen. Und wir freuen uns, wenn sie, allein und einsam wie sie - und durch ihre neue "Therapie" besonders - ist, am Ende jemanden findet, dem sie sich anvertrauen kann.
Ein sympathisches, anrührendes Buch, dessen ganzer Facettenreichtum hier nur angedeutet werden kann, um nicht zu viel zu verraten.


Per Anhalter durch die Galaxis, 5 Romane in 1 Bd.
Per Anhalter durch die Galaxis, 5 Romane in 1 Bd.
von Douglas Adams
  Taschenbuch

6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kurven im Kosmos, 8. Mai 2002
Der Buchtitel verweist auf den Titel eines Reiseführeres durch das Universum (Motto: "Keine Panik!"), für den einer der Akteure arbeitet und seine Recherchen macht - im wahrsten Sinne des Wortes "weltweit". Denn für die Gestalten dieses Romans sind die Grenzen von Raum und Zeit aufgehoben, ja selbst höhere Dimensionen bieten ihnen und ihren fantastischen Flitzern keine ernsthafte Hürde. So gelangen sie in Nullkommanichts an jeden beliebigen Ort und treffen dabei auf eine Unzahl der seltsamsten, skurrilsten und monströsesten Typen, die man sich in den Weiten des Kosmos nur vorstellen kann. Die Story, Ende der siebziger Jahre ursprünglich für den Hörfunk konzipiert, lebt vom atemberaubenden Wechsel der Schauplätze, von packenden Abenteuern, einer alles vermögenden Technik und nicht zuletzt auch einer saloppen, phantasievollen Sprache, die immer wieder mit umwerfend komischen Neuschöpfungen brilliert. Sie ist eine köstliche Parodie auf den "ernsten" Sciencefiction-Rummel, die einem ständig ans Zwerchfell geht. 1002 Seiten Action, Spannung und Witz - ein Vergnügen der galaktischen Art.


Das Buch Haithabu
Das Buch Haithabu
von Claus-Peter Lieckfeld
  Taschenbuch

13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Von Helden und Heiligen, 4. Dezember 2001
Rezension bezieht sich auf: Das Buch Haithabu (Taschenbuch)
Ein fränkischer Mönch, den es Ende des 9. Jahrhunderts nach Norden zu den Sachsen, an die Elbgrenze des Reiches verschlagen hat, schildert in einer fiktiven Chronik im Wesentlichen Ereignisse aus dem Leben eines jungen Mannes, dem er sich als väterlicher Freund verbunden fühlt. Dieser Jüngling, in dessen Adern selbst Wikingerblut fließt, hat früh Vater und Mutter durch einen Überfall der Nordmänner auf sein (und des Mönchs) Heimatdorf Ramsolano (Ramelsloh) verloren. Ein traumatisches Erlebnis, das ihm nicht mehr aus dem Sinn geht. Als er herangewachsen ist, begeben sich Jüngling und Mönch gemeinsam auf Fahrt nach Haithabu - der Gottesmann, um in der Nachfolge des heiligen Ansgar in der blühenden Handelsstadt am Südrand des Dänenreichs die Heiden zum Christentum zu bekehren, sein junger Begleiter, um den Mörder seiner Eltern, der als angesehener Jarl über den Ort herrscht, zur Rechenschaft zu ziehen.
Diese Erzählung, im ruhigen Ton des Chronisten geschrieben und zünftig gespickt mit allerlei altertümlichen Redewendungen und lateinischen Zitaten, kreist - trotz manch einschlägiger Episode - nicht in erster Linie um Schwerterkampf und Schlachtenlärm. Sie gestattet uns vielmehr einen Blick auf die Lebensverhältnisse jener Zeit, die im ethnischen Spannungsfeld von Franken, Sachsen, Wikingern und Slawen und im religiösen von Thorskult und Christusbotschaft besonders gewalttätig, unsicher und wechselhaft waren. Sie ist auf unterhaltsame Weise vermittelte Geschichte und zeigt vor allem den Hamburgern und Bremern die Anfänge ihres Gemeinwesens als Vorposten von Reich und Kirche in schwierigem Grenzland.
Wenn auch am Ende Fragen zu den Personen und Geschehnissen offen bleiben, bietet sie doch eine ebenso lehrreiche wie anregende Lektüre. Und Leserinnen und Lesern, die die Möglichkeit haben, in Haithabu durch die schönen Museumsräume zu wandern und den Lageplatz der historischen Siedlung zu betreten, kann sie sicher helfen sich zu vergegenwärtigen, dass am Noor nicht nur unzählige "Grabungsfunde" geborgen und zur stilvollen Bewahrung aufbereitet wurden, sondern auch lange vor unserer Zeit Menschen aus Fleisch und Blut gelebt haben.


Warum uns das Böse fasziniert: Die Natur des Bösen und die Illusion der Moral
Warum uns das Böse fasziniert: Die Natur des Bösen und die Illusion der Moral
von Franz M. Wuketits
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 21,80

12 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Evolution frisst ihre Kinder, 2. Oktober 2001
Das Buch erklärt klar und eindeutig, warum anstößiges Verhalten beim Menschen so weit verbreitet und so tief verwurzelt ist und unsere Gesellschaft das Böse in allen seinen Schattierungen wo nicht offiziell gutheißt, so doch - bewusst oder unbewusst - bewundert, bemäntelt und hofiert. Denn was wir gemeinhin "das Böse" nennen, ist der dem Menschen von der Evolution verliehene Antrieb, in einer feindlichen Umwelt mit allen ihm verfügbaren Mitteln - und vornehmlich denen des Kampfes und der Gewalt - sein Überleben zu sichern. Dabei, so der Autor, sind Verhaltensweisen, denen später das Prädikat des Moralischen zuerkannt wurde, nur die Kehrseite der Medaille. Auch sie dienten letztlich dem Überleben des Einzelnen oder der "Sympathiegruppe", von deren Wohl und Wehe er abhing. Hier allerdings eine kleine Einschränkung, die den Hauptstrang der Argumentation aber unberührt lässt. Wenn Wuketits schreibt: "... die Dauer seines Lebens nutzt das Individuum, um seinem Fortpflanzungsinteresse nachzukommen, seine Gene weiterzugeben und so sein genetisches Überleben zu garantieren" (S. 127), vergisst er wohl, dass unsere fernen Ahnen den Zusammenhang zwischen Begattung und Geburt gar nicht kannten, ja in einem Neugeborenen oft einen Vorfahren zu erkennen glaubten, dessen Seele sich auf wunderbare Weise wiederverkörpert hatte. Sie werden sich also kaum um ihr "genetisches Überleben" gesorgt, sondern den Nachwuchs (sofern er gesund war!) nur deshalb gnädig aufgenommen haben, weil er die Gruppe verstärkte und so mithalf, das tägliche Überleben zu sichern. Wie auch immer: Dieses aggressive Erbe tragen wir heute noch mit uns herum, und ein unvoreingenommener Blick in unsere psychischen und sozialen Strukturen enthüllt uns die ganze Schwere dieser naturgegebenen Last. Wuketits malt ein düsteres Bild, und er sieht auch im Verlauf der Menschheitsgeschichte keine Anzeichen für einen moralischen Fortschritt. Umso unverständlicher, finde ich, dass er Überlegungen, dieser brüchigen Moral auf die Sprünge zu helfen, so wenig Platz einräumt. Er erklärt die anhaltende "Faszination des Bösen", skizziert damit aber noch kein Gegenbild einer "evolutionären Ethik". Dies entstünde bestenfalls dann, wenn man alle Faktoren in die Waagschale wirft, die Kooperation und Mitgefühl, also die uranfänglichen Gruppentugenden, zu fördern in der Lage sind. Und wenn man nach den Bemerkungen geht, die der Autor hier und da in den Text gestreut hat, dürften das gar nicht einmal so wenige sein.


Esels Welt. Mnemotechnik zwischen Simonides und Harry Lorayne
Esels Welt. Mnemotechnik zwischen Simonides und Harry Lorayne
von Ulrich Voigt
  Taschenbuch

16 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gedächtnisstütze für Mnemotechnik, 11. September 2001
Leichte Kost ist sie nicht, diese Einführung in die Welt des Esels, der sich Brücken baut, um seinem Gedächtnis aufzuhelfen. Das kann bei einer Abhandlung, die der mnemotechnischen Theorie und Praxis von der Antike bis in unsere Tage nachspürt, auch gar nicht sein. Sind es doch - von Aristoteles über Giordano Bruno bis zu Hegel und Husserl - die erlauchtesten Geister, die sich die Philosophenköpfe über Vorzüge und Grenzen dieser diffizilen Kunst zerbrochen haben. So liegt der Wert des Buches zunächst schon einmal darin, uns diese abendländischen Berühmtheiten aus den einschlägigen Quellen heraus von einer Seite zu zeigen, die wir an ihnen bisher gar nicht oder nur flüchtig wahrgenommen haben. Indem der Autor uns an ihren Systemen, Versuchen und kritischen Erwägungen zu diesem "reizenden" Thema teilhaben lässt, führt er uns - trotz der unvermeidlichen Fachlichkeit - mit heiterem, gewandtem Zungenschlag fast unmerklich bis in die innersten Gemächer der Mnemotechnik, beschreibt ihr Baumaterial, ihre vielfältige Struktur und ihre Eignung für den jeweils angestrebten Zweck. Dabei wird deutlich: Die im Allgemeinen trockene Materie, die es zu bemeistern gilt (Zahlenkolonnen, Paragraphenberge), lässt sich durch die gedächtnisstützende Bildsprache und eine gehörige Portion Fabulierlust nicht unbeträchtlich "versüßen". Das Ganze gipfelt in einer ausführlichen Präsentation des Verfahrens, dem der Autor selbst den Vorzug gibt, anschaulich gemacht an einem phantasievollen mnemotechnischen Bummel durch Hamburgs Amüsierviertel. Wer wissen will, wie außergewöhnliche Gedächtnisleistungen möglich sind, findet hier nicht nur eine sachkundige und engagierte Darstellung, sondern auch einen ebenso lehrreichen wie vergnüglichen Streifzug durch ein weitgehend unbekanntes Kapitel Philosophiegeschichte.


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