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Rezensionen verfasst von
KATHARINA KLAGES
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Theo Klein 4685 - Arztkoffer, groß, transparent
Theo Klein 4685 - Arztkoffer, groß, transparent
Preis: EUR 22,76

5.0 von 5 Sternen Kann ich weiterempfehlen!, 25. Dezember 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Unser kleiner Dr. Till (4) schrie begeistert auf - und danach wurde zum Heiligabend verarztet, was ihm unter die Pfoten kam! - Der Koffer ist super, der Inhalt für die Kleinen gut zu meistern. Man kann natürlich immer wieder ergänzen: Pflaster, Pillendosen, Tropffläschchen... der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Das viel diskutierte Steteoskop ist auch in Ordnung - vorher hat Dr. Till seine Opf... ähm... Patienten mit einem einfachen Zweig abgehört. Also - paßt!

Ich empfehle diesen Koffer gerne weiter!


Ein Traum von einem Schiff: Eine Art Roman
Ein Traum von einem Schiff: Eine Art Roman
von Christoph Maria Herbst
  Gebundene Ausgabe

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Ein Alptraum von nem Herbst..., 10. September 2014
Och Mööönsch, Herr Herbst, war denn dis nötig??? So'ne Selbstdemontage... müssense Ihren Fans denn dermaßen weh tun???

Wenns einfach nur ein schlechtes oder mittelschlechtes Buch wäre, nun ja, kann ja passieren - ein genialer Parodist und wortwitzreicher Sprachkünstler muss keine guten Bücher schreiben können und dürfte es natürlich trotzdem auch mal probieren... Aber es ist ja viel schlimmer!

Herbst hat eine berufliche Entscheidung getroffen, also einen Job angenommen, der ihn seines Erachtens als TOTAL UNCOOL outen würde: Er hat eine Episodenrolle in der ZDF-Serie "Das Traumschiff" angenommen. Und ZDF ist uncool. "Traumschiff" sowieso. Und eine Existenzberechtigung haben mit über 50 gerade noch so Harald Schmidt und ... ähm... na ja, vielleicht noch einige wenige coole Leute, die in ein paar Jahren mal 50 werden, wie Jürgen Vogel oder die Lieblingskollegen von Bully Herbig oder Christoph Maria himselfs, aber ansonsten ist ALT ein absolutes NO GO, irgendwo zwischen eklig und lächerlich. Da ist er streng, der Herbst - auch gestandene Stars wie Redford, Dustin Hoffmann und gar deNiro bezeichnet er als "Auslaufmodelle", da kennt er nix!

Also: Herbst hat eine Rolle in der ZDF-Serie "Traumschiff" angenommen und argwöhnte wohl relativ fix, dass DAS rauskommen würde. Zumindest wäre es vermutlich schwer geheimzuhalten, so auf Dauer gesehen. Also, obwohl es ZDF ist und totaaaal uncool und bis auf die paar Millionen pro Folge bestimmt kaum einer den flachen Mist guckt... aber vielleicht zappt ja aus purem Zufall doch mal versehentlich ein Stromberg-Gucker oder ein cooler Kollege ausgerechnet an DIESEM Sonntag durch die Kanäle und - oh Gott im Starhimmel - ERKENNT ihn im ... himmelhilf... Z...D...F... im "T...r...a...u...m...s...c...h..." - NOOOOOO!!!

Das muss Herbst in blanke Panik versetzt haben! Sein Ruf wäre hin! Keiner von den coolen Jungs würde mehr mit ihm spielen wollen! Keine von den wirklich sexy blonden Filmmiezen würde sich mehr als seine Schlundorgel bzw. Gelegenheitsbläserin betätigen! Da mußte was geschehen!!! Flucht nach vorn: Er gesteht es ganz von allein und stellt es obercool als "Brülla!" und "Knalla" dar und schreibt fix ein Buch, in dem er sich kräftig über alles lustig macht! Wow! Herbst!

Um Kritiküssen und beleidigten Mit-Schiffreisenden gleich den Wind aus den Segeln zu nehmen, bezeichnet er sein Werk als "eine Art Roman" (also, bleibt mal locker, Leute, es ist doch nur Spaß und GAR NICHT Ernst gemeint, echt jetzt nicht!); die zahlreichen Schmähungen und Beleidigungen wären doch eigentlich eine "Verbeugung vor dem so erfolgreichen Format" (das sagte er in einer TV-Sendung wirklich, wo er doch ziemlich nervös einer mild befremdet vor ihm sitzenden Ruth-Maria Kubitschek gegenüber saß, die in seinem eine-Art-Roman-Jargon durchaus zu den "Mumien" des "Mumien-Schleppers" MS Deutschland gehört...); und außerdem sind die dort so abwertend beschriebenen Personen eh total fiktiv (ist doch ein ROMAN, Leute, wenn auch nur eine ART Roman, aber tropsdem, menno...!!!). Na gut, den Rademann gibts wirklich, und den Harald Schmidt auch, und auch noch ein paar andere Namen und Fakten wie diese Reise und den Dreh auf Bora Bora mit Herrn Herbst... aber wenn man dann ein paar fiktive Personen und überspitzte Schilderungen mit reinnimmt, könnte man doch danach so tun, als wäre das alles nur ein Traum gewesen, stimmts, Leute? Und der coole Stromberg - ähm - Herbst war eigentlich NIE beim ZDF und nie auf dem Traumschiff - so können wir es doch sehen, no?

Das ganze Büchlein ist ein sich hochnotpeinlich windender Versuch eines Schauspielers, S****** in Bonbonpapier zu wickeln und lustigbunt zu verkaufen.

Als Erstes stellt er klar, dass normalerweise das ZDF natürlich für ihn nicht in Frage kommt und das Traumschiff schon gar nicht (Prolog-Telefonat mit der Agentin, die es selbst nicht versteht, warum sie Herbst dieses Angebot überhaupt unterbreitet - "klare Sachen" könne sie doch selbst entscheiden und sie hätte sofort selbst absagen können).
GELD kanns auch nicht gewesen sein, denn Herbst erwähnt auch flugs, dass das ZDF "zu schlecht zahle".
Mangelnde Auftragslage ist's auch nicht, denn auch seine Karriere wird als sehr zufriedenstellend beschrieben.

Warum er sich nun also doch dazu herabläßt, irgendwie zu seinem eigenen Entsetzen? - Er fragt kurz vor Telefonatsbeendung so ganz nebenbei mit, wo es denn in der angebotenen Folge hingehe und wer sonst noch als Gast mitspiele. Er hört nun: Küste Südamerikas, Panama, Bora Bora - und es sollen Jürgen Vogel und Harald Schmidt kommen... DAS reißt, DAS zieht, da kann der Herbst doch nicht mehr Nein sagen... Obwohl er es bereut. Sofort, immer wieder und total bitterlich.

Es folgt die qualvolle Schilderung seiner Seelenpein, doch eigentlich gar nicht zu wollen, aber er hat ja nun JA gesagt, und Rademann ist denn doch ein ziemlich cooler Hund... (obwohl er so'n alter dauer-kalauer-erzählender Knoblauchstinker ist)... also irgendwie MUSSTE er nun. War Schicksal.

Und das Buch? Na ja, er hat halt von der Reise aus Mails an seine vielen Freunde geschrieben, weil er das Grauen ja irgendwie schriftlich verarbeiten mußte - und angeblich haben sich alle halbtot gelacht und gesagt, Christoph, DAS mußte als BUCH...

Alles klar? - Und, weil die paar Mails kein echtes Buch gefüllt hätten, MUSSTE er es noch ein bissel strecken mit Pups- und Dünnpfiff- und Schweißflecken-Phantasiegeschichten, verstehen wir doch!

Ansonsten lernen wir hier einen Christoph-Maria Herbst kennen, der sich als sagenhaft uncooles, verklemmtes, verwöhntes, spießiges Jüngelchen entpuppt. "Arrogant" triffts nicht - seine Arroganzausbrüche sind ein erschütternd schnell zu durchschauendes Feigenblättlein über einem leider wohl sehr löcherigem Ego. Anders ist das Buch nicht zu erklären!

Da hat ein Mensch das wunderschöne Glück, talentiert und beruflich erfreulich erfolgreich zu sein und vieles machen zu können, was er wirklich machen will. - Er hat weiterhin das Glück, durch eine TV-Produktion drei Wochen lang auf eine große, exotische Reise mitgenommen zu werden, für die andere Menschen (wie z.B. auch die mitreisenden Komparsen, wie er betont) viel Geld zahlen müssen. Des Glückes nicht genug - da er nur sehr wenig Drehtage hat, kann er die Reise tatsächlich als REISE für sich in Anspruch nehmen, und da er ja nicht aus künstlerischer Herausforderung angenommen hat, dürfte ihn die mangelnde Beschäftigung vor der Kamera (die eh nur im Abrattern unspielbarer Rollen und sinnfreier Sätze besteht) nicht weiter gestört haben.

Tut sie aber. Herbst beschreibt die Reise allen Ernstes als nur im Suff zu ertragen. Er meckert, weil er so wenig zu tun hat. Er meckert, weil das denn doch "zu Tuende" so unterirdisch ist und ihm nicht gerecht wird.
Er leidet in jedem Flieger, jedem Bus, in jedem Hotel, in jeder Begegnung. Seine Mitmenschen erregen so ziemlich durch die Bank weg sein Mißfallen, weil sie dick, doof, langweilig, ungebildet, billig, häßlich etc.pp sind und stinken. Es stinken so ziemlich alle Menschen, Räume und Orte, die Herbst in den drei Wochen zugemutet werden.
Vom Essen kriegt er Durchfall, die Zimmer sind schauderhaft, die sanitäten Anlagen ein Mordversuch am Reisenden, das Personal kann nur die eigene Muttersprache, die öffentlichen Verkehrsmittel eine schwere Körperverletzung...

Wieso wollte Herr Herbst eigentlich diese Reise machen? Reisen macht ihm sichtlich keinen Spaß. So bald es nicht so ist, wie zu Hause, ist es doof. So beschreibt er einen Ausflug mit Kollegen, wo man lieber in eine möglichst europäisch wirkende Pizzeria aufsucht als das einheimischere Lokal, weil man keine Lust auf "Nudelm mit Pudeln" habe. Muhahahaha pffffffffft....

Fast alle Städte und Ortschaften sind entsetzlich, und immer ist er froh, wenn er wieder da weg ist. Selbst, wenn er mal zum Ausgleich ein paar Zeilen lang die Landschaft der Anden begeistert beschreibt oder den Flug über ein wunderschönes Gebiet oder das tolle Lagunenwasser bei Bora Bora - immer bremst er dies wieder ab, indem er die grünlichschleimige Lama-Spucke auf dem Busfenster genauso intensiv beschreibt, das Flugpersonal und das Flugzeug als lebensgefährlich darstellt und ein bissl Öko-Kritik betreibt wegen Zerstörung der Meeresvegetation und des Meereslebens zugunsten steril-sauberer Lagunen. Aber diese Kritik trifft natürlich auch nur Andere, in dem Fall die Amis und die Japaner.

Wirklich Interessantes berichtet Herr Herbst leider nicht. Weder von Land und Leuten, noch vom Leben "hinter den Kulissen". Selbst Harald Schmidt war nur ein Blendwerk in diesem Art-Roman, denn er kommt weiter gar nicht vor. Klar war er DA, aber nur für drei Tage; und dass er dafür zwei Tage im Flieger gesessen hat, brachte ihm einen Herbst'schen Seitenhieb in puncto "gelebtes ökologisches Bewußtsein" ein. Mehr erfährt man nicht.
(Dass Herbst wegen genausovieler Drehtage selbst drei Wochen auf Kosten des Gebührenzahlers auf einer Weltreise war, mit Schiff und Flieger noch viel mehr die Umwelt belastete, tut irgendwie nichts zur Sache...)

Seine Gemeinheiten gegenüber Regie-Assistentinnen, Kameramännern und KollegInnen versucht er wieder abzumildern, in dem er sie irgendwann nochmal lobt oder sich selbst in einer Anekdote als "Fettnäpfchen-Treter" inszeniert. Aber auch seine eigenen "Ausfälle" haben alle den Unterton, wie es denn auch anders sein könne, bei DEM Drumrum... ach, wäre er doch in Köln und schriebe Steuererklärungen... (Auch das schrieb er wirklich, weil das Wetter auf Bora Bora einfach so war, wie es war, und nicht darauf wartete, bis die Crew wieder weg war. Fiktiv oder in echt. Wen interessierts...)

Denn - darum gings eigentlich gar nicht. Herbst wollte doch nur ne Absolution erschreiben, weil er wohl leider viel zu uncool ist, einfach zu sagen, dass ihn das Angebot wegen der Drehorte interessiert habe - und gut is. Lieber schreibt er fix einen Krampf runter, beleidigt und spottet und phantasiert und agiert, und zum Glück findet die reale Regie-Assistentin die fiktive Regie-Assistentin echt nicht witzig und läßt Sätze gerichtlich schwärzen, also kriegt er noch ein bissl Aufmerksamkeit und kann in der SZ rumheulen, dass ihm seine Kunst beschnitten wurde. - Da Leser fiktive und echte Crew-Mitglieder nicht unbedingt klar trennen können, verstehe ich die echten Leute schon, wenn sie nun entnervt sind.

Das ZDF könnte ja nun reagieren, in dem es eine Traumschiff-Folge dreht, in dem ein Stephan Maria Winter von der Crew nur unter Protest aufs Schiff gelassen wird, und nur, weil er schon immer mal da mit wollte, mit diesen tollen Leuten, auch als Kabelträger und ohne Geld und so, aber endlich mal für die Öffentlich-Rechtlichen... Dafür gäbe er auch gern die Schlundorgel für alle, die wollen...

Aber für solche Retourkutschen sind die vom Schiff wohl zu cool!


Weil deine Augen ihn nicht sehen
Weil deine Augen ihn nicht sehen
von Mary Higgins Clark
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

2.0 von 5 Sternen Die Wahrheit liegt irgendwo da... ach, egal..., 30. Juni 2014
Ich beginne mit dem Schluß: Der obligatorischen Dankesrede der Autorin, in der sie gerne dem Leser nochmal deutlich erklärt, was genau warum an diesem jüngsten Werk sie so dermaßen faszinierend fand, dass daraus unbedingt ein Krimi entstehen mußte. Diesmal war es die besondere Telepathie, die zuweilen zwischen eineiigen Zwillingen auftreten soll. Frau Higgins-Clark führt auch eifrig viel entsprechende Sach-Literatur an; vermutlich, damit man sie nach vollendeter Krimilektüre nicht haut - von wegen "komplett abgedreht" oder so. Neenee, ist alles wissenschaftlich verbürgt...

In dem Fall wird der Leser von einem Zwillingspaar im zarten Alter von drei Jahren verblüfft, das zusätzlich zum Eineiigen auch noch Siamnesisch zu bieten hat: Kathy und Kelly kamen mit zusammengewachsenen Daumen zur Welt. Das war operativ schnell zu beheben, aber seither schlafen die Kids nur noch Hand in Hand, und ansonsten telepathieren sie munter vor sich hin, dass jeder Varieté-Magier vor Neid erblassen würde: So weiß es Kleinkind Kelly genau, ob Schwesterchen Kathy von einer bösen Frau derzeit in einem Gitterbettchen festgehalten oder an ein "normales Bett" gefesselt wird. Oder ob sie gerade eine Medizin wieder ausgespuckt hat und deswegen gekniffen oder ausgeschimpft wurde. Auch körperlich geht Kelly voll mit: Wird Kathy mißhandelt, entwickelt Kelly zeitgleich rote und blaue Flecken. Schluckt Kathy irgendwelches Zeugs, auf das sie allergisch reagiert, kriegen das die Eltern sofort mit, da auch Kelly den passenden Ausschlag bekommt.

Das ist ziemlich praktisch, da nach einer aufsehenerregenden Entführung der Zwillinge nur eines der Mädchen wieder zurückgegeben wird. Das andere Kind wird als tot behauptet. Doch da haben die Entführer nicht mit Kelly gerechnet: In ihrer Zwillingssprache kommunizieren die Schwestern, als gäbe es keine räumliche Trennung. Dauert zwar ne Weile, bis die doofen Erwachsenen die zurückgekehrte Kelly als Medium ernst nehmen, aber immerhin. Kathy wird nun doch noch gesucht, und nachdem Kellys Medium-Qualitäten sich endlich auch mal mit Informationen des FBI decken, wissen die Ermittler irgendwann auch in etwa, wo sie zu suchen haben.

Nun ist es ja durchaus bekannt, dass Zwillinge im Kleinkindalter eine "eigene Sprache" entwickeln, mit der ausschließlich sie untereinander kommunizieren können (ein Phänomen, was sich mit Erlernen der Muttersprache wieder verliert.) Ebenso können sehr starke Verbindungen vorhanden sein, die ans Telepathische erinnern. Aber komplexe Faktenübermittlung und verbaler, kommunikativer Austausch bei großer räumlicher Trennung? Das erinnert doch sehr an den Thriller-Klassiker "Das Dorf der Verdammten", in dem unheimliche Alien-Kinder die Macht an sich reißen...

Aber diese Kinder sind ja liebe Kinder, und sie setzen ihre Fähigkeiten dazu ein, um ihre Entführer zur Strecke zu bringen.
Und warum wurden sie eigentlich entführt? - Geld, ja klar. Schlappe acht Millionen Dollar werden von dem mittelprächtig betuchten Elternpaar gefordert. Dabei können diese noch nicht mal eine halbe Million zusammenkratzen. Doch der Haupterpresser gibt sich optimistisch, und er soll Recht behalten: Die Firma des Kinds-Vaters erinnert sich, kürzlich aus unehrenhaften Gründen 15 Millionen an Strafe geblecht zu haben, ziemlich rufschädigend war das. Wenn man nun aus selbiger Portokasse nun gleich noch die geforderten 8 Millionen hinterherreicht, um die inzwischen landesweit bekannten Zwillinge zu retten? Könnte doch positive Publicity bieten...

Gesagt, getan - 7 Millionen werden, wie gefordert, zum Kopf der Bande "Kater Karlo" an ein dubioses Auslandskonto überwiesen, die restliche 1 Million wird in kleinen Scheinen extra übergeben und soll zwischen den drei ausführenden Kriminellen geteilt werden. Klingt etwas unverhältnismäßig? Nun, der Rest ist auch nicht logisch...

Der Leser weiß es ja aus dem Klappentext, dass die Entführung mit Zahlung des Lösegeldes und der Rückgabe eines Kindes beendet wird. Und dass das andere Kind als tot behauptet wird, aber mitnichten tot ist. Und dass Kelly das natürlich weiß.

Der Leser weiß es auch, wer die Kids entführt hat. Nur Kater Karlos Identität wird erst zum Schluß enthüllt. Er ist übrigens einer der vielen Personen im Umfeld der Familie, wer hätte das gedacht. Und da es ziemlich viele sind, aber alle recht schemenhaft und uninteressant bleiben und jeder von ihren irgendwas Kriminelles am Stecken hat, ist es letztlich egal, wer nun wegen der Entführung dran ist oder wegen etwas Anderem.

Warum jetzt Kathy nach einer geglückten Lösegeldübergabe unbedingt behalten und für tot erklärt werden mußte? Und warum sich die kindersehnsüchtige, ansonsten ziemlich durchgeknallte Mitentführerin dafür ausgerechnet ein erkranktes Kind ans Bein bindet, obwohl sie Kleinkindererfahren ist und wissen muß, dass das eine Schnapsidee ist? Die Autorin scheint zu glauben, wenn sie ihre Täter allein mit einem Sprung in der Schüssel ausstattet, reiche das als Begründung. Aber... nee, es nervt nur. Es ist allzu offensichtlich, dass diese Zutaten nur gebraucht werden, damit das Thema "Zwillingstelepathie" ausgewalzt werden kann. Ansonsten macht es absolut keinen Sinn.

Auch andere Handlungen der Täter sind einfach nur komplett bescheuert. Ein zentrales Thema ist z.B. der Kauf von Kleidung für die entführten Kinder, und die Kidnapperin hat nichts besseres zu tun, als konkret nach "Kleidung für Zwillinge" zu fragen, aber die Größe nicht zu wissen. (Statt einfach Sachen einzupacken und gut ist...)

Dann gibts ...zig Nebenfiguren, die irgendwas wichtiges beobachten, und die dann - nach einigem Nachdenken - sich doch lieber "um ihren eigenen Kram kümmern" wollen... So weiß der Leser stets fast alles und wartet nur darauf, wann die Suchenden endlich mal an Wissen aufholen dürfen.
Letztlich schafft es das FBI dann auch aus einer Mischung aus Hellseherei, Glück und weil die Welt nun mal ein Dorf ist. Mannomann...

Hoffe sehr, dass MHC sich irgendwann mal wieder erstrangig um ihre Geschichte kümmert, den roten Faden, und die Figuren, und nicht mehr um die unerklärlichen Phänomene der dritten Art...


Ein ganzes halbes Jahr
Ein ganzes halbes Jahr
von Jojo Moyes
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lebenshunger - LebensWert, 4. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ein ganzes halbes Jahr (Broschiert)
Gerade dieses wunderbare Buch ausgelesen! Ich heule ja nicht bei vielen Büchern (bei Filmen klappts öfter, oder ich schaffs ganz allein...) - aber bei den letzten Seiten hats mich einfach gerissen!!! Ein selten guter, sensibler, spröde-zärtlich-intensiv-brutal-aufwühlender Roman über Leben, Lebenswert, Lieben, Akzeptieren und Loslassenkönnen... bin noch so im Sog...

Will, ein lebenssprühender, erfolgreicher, wohlhabender Mann Anfang 30, findet sich nach einem Verkehrsunfall querschnittsgelähmt im Rollstuhl wieder, brustabwärts fast vollständig bewegungsunfähig. Erst setzt er alle Energie in seine Reha und erziehlt durchaus Fortschritte - aber im zweiten Jahr muß er der brutalen Wahrheit ins Auge blicken, dass seine Verletzung irreperabel ist. Geistig fit wie je, wird er für immer an den Rollstuhl gefesselt sein, seine Hände nur minimal bewegen können, nie mehr der Mann sein können, der er war und der er sein will. Er faßt den Entschluß, seinem Leben in einer Schweizer Klinik ein Ende zu setzen - nur dort ist es auf legalem Wege möglich, "hoffnungslosen Fällen" ein selbstbestimmtes Sterben zu gewährleisten.

Seine hilflos-verzweifelten Eltern handeln noch "ein ganzes halbes Jahr" mit dem Sohn aus, mit dem Versprechen, ihn dann auf seine letzte Reise zu begleiten, so er nach den sechs Monaten immer noch sterben wolle.

Wills Mutter, eine energische, nun aber überforderte Richterin, engagiert Lou, eine arbeitslose junge Frau aus sozial schwächeren Verhältnissen, als Gesellschafterin für den Sohn. Lou braucht einen Job und das Geld, da sie auch ihre Familie mit unterstützen muß, aber passende Arbeitsstellen sind rar, besonders für wenig qualifizierte Menschen. Lou hat erst Berührungsängste, da sie keinerlei Pflegeerfahrung hat und es überhaupt nicht verstehen kann, wieso ausgerechnet sie für den übertariflichen Job ausgewählt wird - zumal Wills Mutter noch nicht einmal viel von ihr zu halten scheint und Will selbst sie mit bissigem Sarkasmus ablehnt. Doch die Jobknappheit und das Pflichtbewußtsein gegenüber der Familie - und das Wissen, dass sie ja nur für sechs Monate engagiert ist - läßt sie durchhalten.

Als sie durch einen Zufall erfährt, warum der Job zeitlich begrenzt ist, steht sie unter Schock: Sterbehilfe ist für sie ein völlig neues Thema, unfaßbar, grausam. Die Verantwortung und die Hoffnung, die sie unwissentlich auf sich geladen hat, erdrücken sie fast. Zumal sie auch von dem Selbstmordversuch Wills Kenntnis erlangt, über den die Ärzte einstimmig sagten, das wäre "kein Hilferuf" gewesen.
Wills Mutter überredet sie, dennoch weiter für Will zu arbeiten - er scheine sie nun doch zu mögen und sich mit ihr besser zu fühlen.

Nun beginnt für Lou ein Wettlauf mit der Zeit. Längst hat sie in Will andere Seiten entdeckt als nur seine Behinderung. Längst definiert sie ihn nicht mehr über den Rollstuhl. Sein bissiger Humor, sein Scharfsinn, seine Art, sie aus dem Gleichgewicht zu bringen und ihr neue geistige und emotionale Impulse zu geben, lassen sie völlig neue Erfahrungen mit sich selbst und ihrer Sicht auf ihr Leben machen. Lou kämpft um gute Momente für ihn, plant, organisiert, reibt sich auf - und erlebt Niederlagen, Frusterfahrungen und Sternstunden.

Sie wächst in ihrer Beziehung zu den Eltern, der Schwester und dem langjährigen Freund - und wächst da über manch einen hinaus.

Doch Gespräche und Erlebnisse mit Will und auch mit seinem weiteren nächsten Vertrauten, dem Pfleger Nathan stellen sie vor essentielle gedankliche und emotionale Herausforderungen. Warum will sie, dass Will weiterlebt? Warum wollen es die Eltern? Geht es wirklich um den Mann, um Will - oder um das eigene Unvermögen, mit einem Scheitern umzugehen, mit einem sehr schmerzlichen Entschluß? Ist es egoistisch von Will, ein Leben voller Schmerzen, Lungenentzündungen, Krankheiten, Entbehrungen etc. ohne Aussicht auf Verbesserung nicht mehr zu wollen? Wann liebt man einen Menschen wirklich - wenn man ihn nicht verlieren will, oder wenn man seinen Willen respektiert und ihn irgendwann nicht mehr umstimmen will, sondern auch gegen eigener anderer Meinung unterstützt....?

Lou sucht Rat im Internet, findet Betroffene, findet ähnliche Schicksale. Von Eltern, die schließlich ihr Kind zum Sterben begleiteten und dafür angeklagt, beschimpft, demontiert wurden. Von Menschen, die es nicht verstehen, wie man geliebte Menschen im Selbstmord unterstützen kann. Von Gelähmten, die sich mit ihrem Leben abfinden und ihm was abgewinnen konnten, aber dennoch Todeswünsche nachvollziehen können.

Der Roman verschont nicht, er gibt kein "richtig" und kein "falsch" vor. Und er ist kein Sonntags-Herzkino im ZDF. Allerdings auch kein Strindbergh im Betroffenheitstheater. Er mutet dem Leser emotional quälende Knoten zu, schenkt ihm aber auch lebenssprühende Höhenflüge - und einen Lebenshunger unter den Tränen.

Wer den Roman gelesen hat, wird es vielleicht verstehen, dass ich mich nun doch mit dem Gedanken trage, mich tätowieren zu lassen, Bungee zu springen oder Geld für einen Mauritius-Urlaub zusammen zu sparen... oder einfach mal loszugehen, ganz woanders hin...


Die kleine Lady
Die kleine Lady
DVD ~ Christiane Hörbiger
Preis: EUR 10,99

4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Frauenquote allein reicht nicht!, 26. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Die kleine Lady (DVD)
Ich kann mir nicht helfen... aber ich empfinde es schon als etwas auffällig, dass nahezu alle 1-Sterne-Verrisse differenziert und klar beschreiben, warum sie den Film nicht mögen, und die 15 5-Sterne-Bewertungen fast ausschließlich aus 3-Satz-Loben bestehen, die mehrfach betonen, wie gut der Film dem Gatten bzw. der Gattin und sowieso einem selbst gefallen hat und gelegentlich Seitenhiebe gegen die "Weihnachtshasser" austeilen, die Kritik wagten... Kennen da welche welche, die welche kennen, die am Set mitgearbeitet haben...??? Wenn unter 15 Lobkritiken ca. 6-8 "Blabla-toller-Film-und-Punkt"-Kurzmeinungen stehen, ok. Aber KEINE durchformulierte Rezension, die da lobt? Hm. Ein Schelm, wer Arges dabei denkt...

Sicher, Filme, die Klassiker im Nacken haben, treten einen schweren Kampf an. Aber er ist nicht aussichtslos - es gibt gerade bei Märchen mehrere Verfilmungen, die parallel funktionieren. "Rumpelstilzchen" gibts in mehreren sehenswerten Varianten, auch "Frau Holle". Erich-Kästner-Verfilmungen gibts massig (das "Doppelte Lottchen" sogar in amerikanischen Adaptionen), usw. usf. - Mit etwas mehr Leichtigkeit und weniger krampfhaftem Originalitätszwang hätte auch die kleine Lady ein Eigenleben entfalten können.

Gender-korrekt die Herren der beliebten "Kleinen Lord"-Verfilmung mit Damen zu besetzen, hätte neue Akzente setzen können. (Obwohl man umgekehrt aber drauf verzichtet hat, aus Original-Damen Herren zu machen: Die "Mutter des Lords" wird nicht zum "Vater der Lady", die intrigante Betrügerin nicht zum zwielichtigen Schwiegersohn, der der Gräfin Hörbinger eine Kuckucks-Enkelin unterschieben will.)
Aber egal, es ist wirklich egal. - Schon, wie die Hörbinger zu Beginn Unheil-schwer durchs Fenster knirscht, dann möge man nun - also gut - das vermaledeite Kind holen, läßt Schlimmes befürchten. Und dies tritt auch ein...

Das Mädelchen spielt so, als sollte sie eine Mischung aus den Olsen-Zwillingen und Lindsay Lohan verkörpern: Niedlich, aber vorlaut-überspannt-unnatürlich (was oft mit "selbstbewußt" verwechelt wird!) - Überzeugte ihr Lord-Vorgängerknabe durch seine Leichtigkeit, Gedanken und Überlegungen nebenbei zu äußern (z.B. sein Geständnis Mr. Hobbs gegenüber, seine Mama auch gelegentlich "Liebste" zu nennen, wie einst der Vater - das kam völlig ungestelzt und kindlich, und das geknurrte "Schon in Ordnung!" des spröden Gemischtwarenhändlers belustigt dann auch), kommt das Mädchen völlig affig rüber: In der Lady-Fassung thematisiert das Kind die mütterliche Anrede gegenüber der bissigen Großmutter. Das Kind steht affektiert vor der alten Dame und säuselt von der Mutter als "die ALLERLIEBSTE!" - und so habe sie schon der Vater genannt... Spätestens da kamen mir Überlegungen, was genau da in der Entwicklung eines solchen Kindes schiefgelaufen sein könnte und ob da noch was zu retten sei...

Die Ferres ist natürlich die Oberemanze, die als Ex-Opernsängerin auch noch Boxerin war, drunter gehts bei emanzipierten Frauen natürlich nicht. Einfache Frau aus dem Volke wie der Vorlagen-Gemischtwaren-Mann Hobbs - völlig undenkbar! Und sie rettet auch allein, neben einer Ferres gibts keine Schuhputzer-Freundeninnen...!

Spannung und Tempo geht auch nur mit Keule - diesmal muß ein Giftmischer ran.

Irgendwann wird Oma aber doch noch gut und entdeckt ihr Herz, und wer wissen will, warum, sollte sich das Original durchlesen oder den Klassiker aus den 80igern sehen (und sich nicht daran stören, dass die Hauptdarsteller männlich sind...), denn an der kleinen Lady kanns nicht gelegen haben! Dass die Hörbinger dennoch zur sanften Herrscherin mutiert, kann nur so erklärt werden, dass dies so im Drehbuch stand.

"Einfach eine Geschichte erzählen" ist durchaus eine Kunst. Der Klassiker aus den 80igern kanns. Kitsch, aber gut und amüsant erzählt. - Nur Geschlechter wechseln, greller werden und Sex & Crime mit reinmischen, ist noch nicht "gut erzählen". Echt nicht!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 28, 2014 7:09 PM MEST


Suploch: Hiddenseeroman
Suploch: Hiddenseeroman
von Kay Zeisberg
  Taschenbuch
Preis: EUR 13,90

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Aufwühlend und lebendig!, 10. Mai 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Suploch: Hiddenseeroman (Taschenbuch)
Bin durch das „Suploch“ durch - aber noch lange nicht in der Ruhe angekommen! - Mannmannmann, bin innerlich und äußerlich völlig verheult und bewegt und zerwühlt und theaterbesessen... Und wäre ich Adrian, der Sohn der Hauptfigur, des Opern-Regisseurs Uwe Zilkmann, wäre ich nach Erhalt des finalen väterlichen Briefes völlig unzurechnungsfähig vor Wut und Schmerz und Haß und Hitze und Liebe und Mitgefühl und Verstehen und Nichtverstehen und Verehrung und Verzweiflung und Stolz und Hingabe und Rebellion zu DIESEM Vater...

Einen „Hiddensee-Roman“ verspricht der Titel, also ist auch die Insel als Handlungsort bewusst gewählt. Hiddensee, ein Kult-Ort für DDR-Kenner, die es noch erlebten, wie schwer es war, dort einen Ferienplatz zu ergattern. Auch für Kenner von Kunst und Literatur – Gerhart Hauptmann, Wedekind, Erika und Klaus Mann, Billy Wilder, Asta Nielsen und wie sie alle heißen. Die mit Rang und Namen, die Hiddensee verehrten. Etliche trittbrettfahren da sehnsüchtigbegeistert mit und adeln sich mit ihrer Hiddensee-Liebe, und manche fühlen sich wirklich magisch verbunden mit dieser kleinen, besonderen Insel.

Wie nun Autor Kay Zeisberg, ein Hiddensee-Kenner, seinen Uwe Zilkmann Hiddensee dort seelisch beheimatet - dies ist die Hiddensee-Liebe, mit der ich was anfangen kann! Meine Eltern haben mich da gebastelt, dort aß ich meine ersten Steine, dort lag ich mit der besten Freundin nachts unterm Sternenhimmel, im Schlafsack uffm Berg, dort fuhren uns zwei Fischer im Kutter durch den Sturm und ich spielte zu deren Befremden Blockflöte zum Gewitter, statt mich stadtpflänzlich zu fürchten; dort diskutierte ich mit einem der Fischer in einer anderen Sternennacht, diesmal im Strandkorb, über Politik - ich DDR- links, er nicht links; und mit meiner ersten großen Liebe fuhr ich immer zu „Krisensitzungen“ auf dieses wilde Läneken, und mein Patenonkel war dort Pastor...

Hiddensee-Liebe ist so privat und so individuell, so echt und so kitschig und manchmal auch sehnsuchtsvoll verlogen... So THEATER... das Leben, halt.

Ob es in "Suploch" nun um die Oper „Salome“ geht, um Hiddensee, Theater, Krebs und TotSchweigen und Liebe und Rücksicht und die Dummheit der Anderen und die mich nun verfolgende Ohrfeige der Romanfigur Eléonores bei letzterer Thematik – denn wie oft bin ICH dumm und merke es nicht... Halte aber wacker andere für dämlich und lasse mich und mein Feuer naiv benutzen...spotte dennoch überzeugt weiter.... - oder um die Gefahr des alltäglichen Ertrinkens in Suplöchern und verzweifelten Sehnsüchten... - Kay Zeisberg nimmt den Leser dermaßen mit, dass er glaubt, Regisseur Uwe Z. wäre ER. Wie er das Theater- und Inselleben miteinander verknüpft, Elitegefühle mit Leben füllt, menschliche Schwächen, Verzweiflungen, Sehnsüchte, Abgründe und Höhenflüge beschreibt… Und alles in einer atemraubenden, punktgenau treffenden, ausgefeilten Sprache, dass es ein Genuß ist!

„Suploch“ bewegt, wühlt auf und macht Hunger auf mehr Lesestoff aus DIESER Feder! Bildung, Wissen, Emotion, Erfahrung, Neugier, und kraftvolle Hilflosigkeit hab ich literarisch selten so anregend-gut erlebt! Danke! Hoffe auf viele Folge-Romane von Zeisberg!


Hab acht auf meine Schritte: Roman
Hab acht auf meine Schritte: Roman
von Mary Higgins Clark
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Guter Schmöker zum Alltags-Abtauchen, 30. November 2012
Der Thriller kommt, sieht man die Rezensions-Sterne, durchaus kontrovers bei den Lesern an. Zwischen "Super!" und "Öde!" findet man da alle Lesarten.

Ich hab die Geschichte um die Frau, die als Kind wegen Muttermordes vor Gericht stand und die nun - über 20 Jahre später - unerwartet mit den damaligen Ereignissen konfrontiert wird, sehr neugierig und gern gelesen. Der Krimi unterhält, ist gut aufgebaut, und die verschiedenen Erzählperspektiven nervten mich nicht.

Zur Geschichte: Die 10jährige Liza muß den Tod ihres Vaters verkraften. Bei ihm fühlte sie sich geliebt und geborgen. Eines Nachts hört sie ihre Mutter schreien, streiten - mit dem neuen und bereits wieder fortgeschickten Geliebten Ted. Liza erkennt die immense Gefahr, holt aus dem Schreibtisch eine Pistole und will die Mutter beschützen. Ted schleudert die Mutter in Lizas Richtung, ein Schuß löst sich, die Mutter sinkt tödlich getroffen zusammen. Das Kind schießt panisch auf den fürchterlichen Mann, bis das Magazin leer ist, und klammert sich dann an die tote Mutter. - Ted überlebt, die traumatisierte Liza spricht Monatelang kaum ein Wort. Wird von Ted angezeigt, als Mörderin vor Gericht gestellt (es gilt die Überzeugung, daß auch 10jährige bewußt morden können und strafbar sind)- und "aus Mangel an Beweisen" freigesprochen. Sie gilt nicht als "unschuldig", aber man kann es ihr nicht nachweisen, daß sie ihre Mutter bewußt töten wollte. Und da sie nicht sprechen konnte nach diesem Abend, war auch ihre Verteidigung lückenhaft. Laut Ted habe die Mutter sich an jenem Abend versöhnen wollen - die Trennung habe nur an dem Kind Liza gelegen, sie habe eben nach dem Tod des Vaters keinen neuen Partner für die Mutter akzeptiert. Und nun habe sie eben geschossen, um Mutter und den verhaßten "Neuen" umzubringen...

"Lizzy Borden mit dem Beile"... Für Boulevard und Öffentlichkeit wird die kleine Liza zu einer faszinierend-gruseligen Horror-Ballade: Die literarische Lizzy hat ihre Eltern ermordet, gewissenslos. Liza landet für Viele in ebendieser Schublade: Das böse Kind ohne Gewissen. Immer für eine Horror-Gestalt gut, für einen Halloween-Streich.

Nun, 24 Jahre später, steht die erwachsene Liza plötzlich und unerwartet in dem Haus ihrer Kindheit, auf dem selben Punkt, von dem aus sie ihre Mutter erschossen hat. - Liza nennt sich inzwischen Celia, nach ihrer Großmutter. - Nach all den juristischen Alptraum-Monaten war Liza bei entfernten Verwandten untergekommen und mit einer neuen Identität versorgt worden. Nur ihren Ehemann hatte sie später eingeweiht, aber der kam letztlich nicht gut mit diesem Geheimnis klar. Als er, schwer krank, starb, bat er sie dringend, ihre Vergangenheit keinem Menschen - auch keinem späteren Ehemann - wissen zu lassen. Schon aus Schutz für ihren kleinen Sohn Jack.

Liza, schwer enttäuscht, traut sich nun wirklich nicht mehr, sich jemandem anzuvertrauen. Dem neuen Partner Alex gegenüber verschweigt sie alles, zeigt ihm nur das adoptierte Leben als echte Vergangenheit.

Und das rächt sich: Alex kauft ihr als Überraschungs-Geburtstagsgeschenk ein Haus in der Gegend, in dem sie ihre neue Familie beheimaten sollen. Es ist DAS Haus - ihr Kindheitshaus, in dem sie ihre Mutter erschossen hat.

Nun steht sie da, soll überrascht und erfreut sein... aber sie spürt eher den eisigen Hauch der Vergangenheit... Vor allem, als das Haus am Einzugstag beschmiert wird mit roter Farbe, verschandelt mit Messerschnitzereinen in der Tür und einer Pistolenpuppe: Die "Little Lizzy", das Mörderkind, wird heraufbeschworen. Celia-Lizzy kämpft mit ihrem Trauma und ihrer Angst, daß keiner ihrer Version glauben kann.

Zumal es nicht bei dem Vandalismus bleibt - mit deutlicher Verbindung zur Geschichte des Hauses und der kleinen Liza werden schon bald zwei Menschen ermordet. Was ist dran an "Little Lizzy mit dem Beile"?

So, wer keine Spoiler mag, höre ab ihr zu lesen auf oder verantworte dies selbst, denn ich rede gern über Inhalte.

Der Plot ist sehr, sehr spannend und fesselnd. Mal erzählt Celia-Liza den Hergang, und es entsteht das Bild einer schwer verletzten, aber ungemein kraftvollen Frau. Die beschließt, ihrer neuen Liebe gegenüber nur dann offen sein zu können, wenn sie ihre Unschuld beweisen kann.

Man liest aber auch aus der sachlichen Erzähler-Perspektive und erfährt so unterschiedliche Sichtweisen: Der klatschsüchtigen, egozentrischen Nachbarin, die damals giftigst gegen das Kind ausgesagt hat, weil sie scharf auf den nun wieder "freien" Ted war. - Des anerkennungshungrigen, fanatischen Ermittlers Paul Walsh, der eine einmal gefundene Theorie als in Stein gemeißelt behauptet und rücksichtslos-grausam jagd und in die Enge treibt. Er ist klug genug, zu erkennen, daß Celia ein Geheimnis hat - und Angst. Und beschränkt genug, dies als Schuld festzumauern.
Da ist der Reitlehrer Zach, der regelmäßig Geld erhält von einem Menschen, dem er einen Mord nachweisen kann...
Und der Gärtner Charley, der ein Schattendasein unter reichen Menschen führt, neidisch ist und einen gefährlichen Nebenverdienst angenommen hat...
Die Journalistin Dru, die von der Geschichte der kleinen Liza fasziniert ist und sehr mit ihr mitfühlt - die gerne wüßte, "was dahinter steckt"...

Und warum mußte die Hausmaklerin sterben? Ja, die war eine Konkurrentin des Stiefvaters von Celia-Liza, und dieser ist unangefochten ein Mistkerl mit wenig Skrupel. Aber ist der auch deswegen ihr Mörder - oder hat doch Celia-Liza eine Frau aus der Vergangenheit ermordet? Oder stecken die Mitarbeiter der Maklerin dahinter, die mit dem Celia-Stiefvater Ted auch irgendwie verbandelt sind?

Und last not least: Der eifrige Staatsanwalt, der von Anfang an sehr differenziert und sympathisch daherkommt und auch die Lizzy-Geschichte nicht einfach nur hinnimmt, sondern hinterfragt...

Mein Abzug: EIN Haupttäter wird dem krimierfahrenen Leser schon in den ersten Seiten klar. Da stimmt zu viel nicht... Aber nun ja. - Und eine andere haupttäterische Figur hat man als Krimi-Freund auch nach spätestens der 2. klaren Lüge enttarnt.

Die Auflösung überrascht also nicht, sondern bestätigt. Ist ja auch schön! Die Spannung ist nun: WANN fällt bei den Anderen der Groschen, und wie agieren sie nun...

Ich hätte gern die Verhaftung/ Überführung der Bösewichter mitbekommemn und nicht nur die Info... Aber nun ja. Es war ne schöne Lesezeit - und ich hatte Recht! Oh yeah!
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Jenseits des Protokolls
Jenseits des Protokolls
von Bettina Wulff
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

524 von 552 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Das ich DAS einmal sagen würde... DANKE, BILD! Im Falle WULFF alles richtig gemacht..., 17. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Jenseits des Protokolls (Gebundene Ausgabe)
Ehrlich gesagt, war ich von der "Causa Wulff" seinerzeit genervt und auch etwas irritiert: Keine seiner Verfehlungen fand ich, einzeln genommen, nun wirklich so umwerfend empörend. Ich vermutete, daß hier ein Machtkampf zwischen BILD und Politik ausgefochten wurde, bzw. zwischen diversen Regierungsherrschaften und Frau Merkel. (Als würde KEIN Politiker außer Wulff Vorteile annehmen und genießen...)
Wulffs Verhalten im Laufe der Kampagne gegen ihn allerdings war nun alles Andere als diplomatisch, souverän und überzeugend - und so etwas erwartet man eigentlich von einem Bundespräsidenten, der ein Land repräsentiert. Dass er gehen mußte, war also offensichtlich - und doch fand ich den Häme-Rummel um ihn übertrieben, so als würde nun am IHM etwas abreagiert, was sich in recht langer Zeit in den Bürgern aufgestaut hat. Ist nicht immer fair, aber nun ja, so sind wir Menschen.

Liest man nun die als "Eine Frau rechnet ab!" angekündigten Zeilen der Ex-"First Lady" Bettina Wulff, macht sich Fassungslosigkeit breit: Die Dame ist wirklich und in echt jetzt PR-Beraterin? Wie konnte denn das passieren? Gibt es im Verlag keine Lektoren, gab es auf dem ganzen Weg bis zur Buchveröffentlichung keine halbwegs professionellen Berater? Ging es ALLEN Beteiligten NUR um die Kohle (denn Shitstorm hin oder her - das Buch ist auf der Bestsellerliste und bringt in jedem Fall dem Verlag, der Co-Autorin von der Illustrierten "Freundin" und Frau Wulff eine Stange Geld ein), oder wollte Frau Wulff sich durch diese Aktion tatsächlich in erster Linie in die Herzen des Volkes schreiben? Konnte man sie nicht abhalten, war sie komplett beratungsresistent?

Fakt ist, Frau Wulff hat in ihrer "Abrechnung" nichts zu erzählen, was irgendwie von Belang ist. Wenn ihr Ruf beschädigt wurde durch wen auch immer, ist es ihr gutes Recht, dies juristisch zu verfolgen. Ein Verklagen von Herrn Jauch und Google kurz vor Buchveröffentlichung hingegen wirkt aber eher wie (sehr durchschaubare) PR, denn wirklich Thema waren diese Gerüchte für die Öffentlichkeit nicht.

Wenn sie nun darstellen wollte, wie es hinter den Kulissen von Bellevue ausschaut und wie es ihr ganz persönlich damit ging, ist ihr das mißglückt, klassisch "Thema verfehlt", denn die Kulissen vor, neben und hinter dem Protokoll werden kaum bis gar nicht erwähnt. Dafür geht es ausschließlich um ihre Befindlichkeit, um Hautprobleme, wie unverhofft sie in alles hineingestolpert wurde - Ehe, Repräsentationsfunktion, Bellevue, Termine, Öffentlichkeit, die nicht immer lieb und herzig ist, Designerkleidung, Tatoo... Irgendwie trägt sie für nichts wirklich Verantwortung. Wär alles ganz anders gelaufen, wenn sie ihren Mann nicht kennengelernt hätte. (Kein Quatsch, das steht da wirklich!) Also, Schuld an allem ist doch der Christian, der hat sie damals im Flieger zuerst gesehen, und das mit dem Heiraten war auch SEINE Idee, und Ministerpräsident war er da doch schon, kann Bettina ja nix für! Und dann auch noch Bundespräsident, und sie mußte sich immer Designerkleider überstülpen wie eine Verkleidung über ihr wahres und ichtigstes ICH...

Nochmal die Frage: Wie konnte diese Dame mehrere Semester lang "was mit Medien" studieren und als PR-Beraterin arbeiten, wenn ihr Gala-Momente und die dazugehörende Disziplin im Sich-Verkaufen so zuwider sind?

Nun der Clou, denn sie gibt (nein, gab) ja inzwischen auch einige Interviews dazu... Im Buch kommt ziemlich deutlich der Groll über ihren Gatten raus, der sie einfach so in die oberen 10.000 reingeheiratet hat, der in der Presse so schlecht dastand - sie kam in der Presse viel besser weg, aber immer wurden sie und ihr Mann über einem Kamm geschoren, in einen Topf geworfen, ärgerlicherweise... (Ich schwöre: Auch DAS steht da wirklich!), der so viel falsch gemacht hat, und ZEIT für ihre Bedürfnisse hatte er in den letzten Monaten seiner Amtszeit auch nicht, aber das bereue er ja nun, und sie habe sich extra auf Abstand zu ihm gestellt in seiner schwersten Rede, seiner Abschiedsrede, um zu zeigen, sie wäre eine eigenständige Frau...

Also, nach diesen "Bekenntnissen einer warmherzigen Partnerin" äußert sie sich nach der harrschen Buchkritik verblüfft der Zeitung gegenüber, wie man denn darauf komme, sie würde ihrem Mann das Messer in den Rücken stoßen oder ihn gar fallen lassen - sie war doch mit ihm auf einer Peter-Maffay-Veranstaltung, noch vor kurzem... Und überhaupt habe ihr Mann doch immer als Erstes ihre Kapitel gegengelesen, sie bestärkt und es gut gefunden...

So, da war er, der Moment, wo ich zum ersten Mal in meinem Leben sagte - völlig unerwartet! - DANKE, BILD, daß Du diesen Hampelmann entlarvt und enthront hast! Wenn ein Mann es tatsächlich GUT findet, daß sein Eheweib ihn jammernd bloßstellt und stolz berichtet, sich in seiner schlimmsten Stunde extra weit weggestellt zu haben vom Geächteten... wenn er es begrüßt, daß sie, die sie finanziell ausgesorgt hat, der Öffentlichkeit mit Geldklagen kommt, wenn er es abnickt, daß sie ein ganzes Buch lang so tut, als müsse außer ihr keine Frau und kein Mann sich beruflichen Pflichten - zeitlichen, Garderobenzwängen, professionellem Verhalten - unterwerfen und als dürfte außerhalb von Bellevue und Großburgwedel jeder von morgens bis abends authentisch und NUR ER SELBST sein - wenn er dieses verwöhnte-reiche-Gören-Geflenne wirklich unterstützt und gefördert hat, können wir alle heilfroh sein, daß solch ein völlig undiplomatischer und taktloser Mann nicht mehr an der Spitze dieses Staates steht!

Dies hat Bettina Wulff mit ihrem Buch eindrucksvoll unterstrichen. Natürlich ist ihr Wunsch verständlich, sich nach verletzenden öffentlichen Berichten mal "anders" darzustellen. Dafür gibt es das Mittel "Interview" bzw. Reportage, bei denen man einen feinfühligen, wohlwollenden Journalisten sein Innerstes preisgibt, der dann professionell berichtet. Das Medium "Buch" hingegen ist komplett falsch gewählt, wenn ich nichts Interessantes zu berichten habe, sondern nur meine Befindlichkeit rausweinen und aufgefangen werden will. Dafür gibts Freunde, Therapeuten, Selbsthilfegruppen. Zuallerletzt benutzt man für so etwas namentlich die eigenen Kinder - mit ihrem 8jährigen Sohn eröffnet sie das Buch - mit seiner kindlichen Frage, ob seine Eltern wirklich Lügner wären. Jetzt darf sich der Rest der Welt mal ordentlich schlecht fühlen...

Dies in Buchform VERKAUFEN, also Leute fürs Zuhören der eigenen Kümmernisse und Befindlichkeiten auch noch zahlen lassen zu wollen und allen Ernstes Lesereisen mit Signierstunden damit zu planen, ist irgendetwas zwischen dumm, dreist und unverschämt.

Der Shitsturm trifft Frau Wulff also völlig zu Recht!
Kommentar Kommentare (28) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 16, 2013 1:07 AM CET


Zitterpartie. Eine Erzählung
Zitterpartie. Eine Erzählung
von Stefan Berg
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 12,90

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Literarische Sternstunde menschlicher Zitterpartien, 15. August 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ein Buch, das ich kaum aus der Hand legen konnte! Es stimmt für mich einfach alles: Die bescheiden-prägnante Aufmachung, das einfühlsame Titelbild, der Titel selbst, die originelle Seitengestaltung, das handliche Buchformat - all dies umrahmt und unterstreicht die fesselnde Erzählung eines Mannes, der an Morbus Parkinso erkrankt - einer tückischen Krankheit, die den stolzen, so temporeichen, lebenshungrigen, intelligent-erfolgreichen und durchaus auch selbtverliebten Protagonisten so völlig unerwartet ereilt, erschüttert, irritiert, ausbremst, demütigt.
Stefan Berg, Spiegel-Lesern seit vielen Jahren als selbstbewußter und nicht unbedingt von (Selbst)Zweifeln angekränkelter Journalist bekannt, beschreibt hier in einer mehr oder weniger fiktiven Erzählung seine eigene Erkrankung, mit der er seit einigen Jahren leben muß. "Frei erfunden", bekundet er im Anschluß die erzählerischen Elemente - und dankt für die reichen Lebensgeschenke, die er bisher genossen hat und genießt: Seine Familie, seine spannende Arbeit, die verständnisvollen Kollegen und Vorgesetzten.

Sein literarisches Ich begegnet dem Leser erfrischend unaufdringlich. Ja, Berg verarbeitet hier viele eigene Erlebnisse und Erfahrungen. Läßt seine Leser daran teilhaben, wird sehr deutlich, schmerzlich, seelenöffnend. Aber nie, in keiner Zeile, fühlte ich mich als Leserin mißbraucht oder (netter gesagt) berufen zur Betroffenheitszeugin, zur emotionalen Mitweinerin oder Auffangstation.
Das mag daran liegen, daß Berg seinen Protagonisten keinen Namen gibt: Er schreibt in der dritten Person, der beschriebene Mann ist nicht zwingend Stefan Berg, auch wenn er manches erlebt, was Berg erlebte. Doch hat die literarische Hauptfigur auch keinen anderen Namen. Geht es um ihn und sein "Hier und Jetzt", wird er nur als ER beschrieben. Und seine schwarze Geliebte, die seine Situation aus ihrem Blickwinkel erfährt und erfühlt, ist nur SIE. Der Sohn der Geliebten ist "der Sohn", "ihr Sohn".

Keine Namen bei den Hauptfiguren. Das schafft Distanz und stellt damit überraschend eine ungeheuere Intensität her. Denn was diese anonymen Personen fühlen, denken, leiden, hoffen, berührt gerade durch diese Distanz, diese Namenlosigkeit. Der Leser erfährt Körperliches wie Flecken neben dem Bauchnabel, Gerüche, Erektionsgeschehen, Zellenverfall und Gliederzittern fotographisch genau. Zweifel, Gewalterfahrungen, Kränkungen werden beschrieben. Doch immer aus der "Er" - "Sie" - Entfernung. Man erlebt all diese Zitterpartien mit, aber ohne den handelnden Personen zu sehr auf dem Schoß zu sitzen...

So bleibt es dem Leser selbst überlassen, wie sehr er sich auf die Gefühlswelt des Mannes oder der Frau einläßt. Wie weit er mitgeht in der Thematik Leben, Sehnsucht, Liebe, Sex, wo-liebe-ich-und-wo-sehne-ich-mich-eigentlich-nur - wo nehme ich Anteil am Anderen und wo streiche ich ausschließlich über mein eigenes Leben. - Der manchmal arrogante, sehnsüchtige Hauptheld wird liebevoll enttarnt und nie denunziert. Mitfühlend begleitet, genau so wie die schwarze Geliebte, die wunderbar exotisch, geheimnisvoll, weise und doch als Mutter und Gattin so menschlich gescheitert - und so nachvollziehbar - gezeichnet wird. Liebend, aber auch zitternd.

Auch die Ost-West-Thematik, die Zitterpartie-Krankheiten der gesellschaftlichen Systeme, ist ohne Zeigefinger und sehr persönlich geschildert eingeflochten.

"Zitterpartie" ist so ziemlich das Beste, was ich in den letzten Monaten gelesen habe. Ein literarischer Kunstgriff, der dem Leser eine Krankheit spürbar werden läßt, Nähe und sensiblen Abstand ermöglicht; der geliebten Menschen wie der Schwester des Autors und engen Freunden - die der Tod gnadenlos mitnahm - ein warmes Erinnerungszeichen setzt... und Mut macht! So viel Mut!

Wenn wir einst getragen werden müssen von unseren Nachkommen, so Bergs Resümee, ist zwar ein Rollentausch, aber vielleicht durchaus angemessen! -

Danke für dieses Buch!


Undank ist der Väter Lohn: Ein Inspector-Lynley-Roman 10
Undank ist der Väter Lohn: Ein Inspector-Lynley-Roman 10
von Elizabeth George
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

0 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Gute Schreibe - überladene und unnötig schwache Story, 31. März 2012
Paperback. Weit über 700 Seiten. Ein Prolog, in dem sich ein depressiver Musiker erschießt, der aber gerade einen Riesen-Erfolg mit einem Hamlet-Musical (!) landete. - Dann geht es über 500 Seiten weiter, ohne daß der suizidale Hamlet-Komponist mit auch nur einem Wort erwähnt wird. Es geht auch nicht um Hamlet oder sonstwie um Theater - sondern um ganz, ganz andere Leute und Geschichten.

Inspector Lynley wird auf Wunsch eines ehemaligen Undercover-Kollegen zu einem Fall hinzugezogen, der eigentlich außerhalb seines Zuständigkeitsbereiches liegt: Die Tochter des Ex-Kollegen wurde auf einer Wanderung im Moor erschlagen, und ein allen fremder junger Mann liegt ebenfalls grausamst ermordet in deren Camping-Utensilien herum. Lynley muß sich nun mit dem eigentlich zuständigen Orts-Inspector arrangieren, der natürlich zuerst nicht begeistert ist über den "Zuwachs" aus London. Außerdem quält sich Lynley 723 Seiten lang durch seinen Konflikt mit Barbara Havers, die gerade den Ärger ausbadet, den sie sich im Roman zuvor eingehandelt hat: Da setzte sie sich nämlich unter Einsatz der Dienstwaffe über Anweisungen hinweg und rettete ein Kind aus dem Meer, statt ihm einfach nur einen Rettungsring zuzuwerfen. Barbara ist schockiert, als sie erfährt, daß nicht Lynley sie vor der Kündigung in Schande bewahrte, sondern ein anderer Kollege. Lynley hat kein Verständnis für Barbaras Alleingänge und läßt es sie auch spüren, als sie nun - degradiert und abgemahnt - wieder im Polizeidienst mitarbeiten darf. Aber Lynleys neuer Partner zeigt Herz für Barbara und bezieht sie immer wieder in den aktuellen Fall mit ein.

Und dieser Fall wird immer brisanter: Die ermordete Ex-Polizisten-Tochter Nicola studierte offiziell Jura in London und absolvierte im Sommer daheim ein Praktikum in einer angesagten Kanzlei, war auch angeblich verlobt mit einem anständigen Jüngling vom Lande - aber eigentlich lebte sie ihre Sexualität irritierend frei und offen aus. Alle wußten es, weil sie sehr ehrlich gestrickt war - aber keiner kam damit klar und verhielt sich dazu. Darum dachten alle, außer ihm wisse es keiner, daß die süße Nicola in London ein Wahnsinnsgeld als Domina verdiente und sich ganz bedenkenlos Geliebte ins Bett holte. Jeder meinte, sie stehe ansonsten als völlig lieb-anständiges Mädel da.

Der mit-ermordete Knabe läuft nun lange als "Kollateralschaden" mit, wirkt Nicola doch als sehr schillernd und emotionsanheizend. Nur Barbara forscht da mal nach und erkennt ihn als mindestens ebenso schillernd, da er in der Kunst-, Rotlicht- und Drogenszene durchaus seine Rolle spielte. War also vielleicht Nicola der "Kollateralschaden" und nicht der Jüngling Terry? Aber Lynley verweigert seiner ehemaligen beruflichen Partnerin jegliches Gehör und verlangt nur Kadavergehorsam, damit sie sich rehabilitiert und zeigt, daß sie Hierarchien anerkennt...

Nun packt Frau George ihren Krimi gnadenlos voll - mit Konflikten, Personen, Schicksalen. Ich hatte sie ja schon einmal in Verdacht, daß sie von der Angst besessen ist, als Trivial-Autorin zu gelten und darum ihre Werke thematisch überfrachtet, statt einfach mal ihrer Story zu vertrauen. - So widmet sie einem Jungen und dessen Problem-Vita mehrere Seiten, obwohl er für die Geschichte nur die Aufgabe hat, das Mord-Messer zu finden. Ansonsten ist SEINE Seelenlage für den Leser absolut unwichtig.

Die lange ausgewalzte Problematik des Nicola-"Verlobten" Julian, der wiederum von seiner Cousine Sam begehrt wird, die zwar eine "Macherin", aber keine Sexy-Frau ist, wird kilometerweit begutachtet. Der alkoholabhängige Vater zwingt den Burschen in Pflichten, und die Cousine wäre eine vernünftige Wahl, Nicola aber war Leidenschaft. Dies war der Cousine durchaus bewußt...

Um so frustrierender ist es, wenn die Lösung an einem Faden hängt, der so gar nichts mit den vorangegangenen 500 Seiten zu tun hat. Was will uns die Autorin mit ihren intensiven Persönlichkeitsgemälden und Schicksalsbeschreibungen sagen, wenn all dies mit der Aufklärung des Falles kaum oder gar keine Verbindung hat? Und wenn sie, wie nun schon mehrfach, Handlungsstränge plötzlich fallen läßt und nicht weiter verfolgt? (Also z.B.: Was wird denn nun aus Julian, Sam und dem Vater? Das ist plötzlich absolut unwichtig. Da fühle ich mich als Leser veralbert, wenn ich erst so lange mit deren Themen konfrontiert wurde. Das wirkt alles so wie angerissen und nicht zu Ende gedacht!)

Zumal, wenn der letztliche Täter eigentlich nur bescheuert war? Gekränkt, enttäuscht, maulig... blöde planend... (Telefonzellen und Theatersitze sind eben keine sicheren Orte...)

Und wieso "Pfeil-und-Bogen" und überhaupt Morde? Im Moor? Mir fielen sofort viel einfachere Varianten ein...

Fazit: E. George kann spannend schreiben. Aber die Story... enttäuschte schon manchmal. Viel Gedöns bei wenig Substanz. Nein, da helfen auch die Eheprobleme Lynley-Helena und St. Simon - Deborah nix! Damit wirds nicht gehaltvoller. Nur VOLLER!


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