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Rezensionen verfasst von
Jürgen vom Scheidt "JvS" (München Deutschland)

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Rise
Rise
Preis: EUR 10,98

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bedeutende Tochter eines großen Vaters, 17. November 2011
Rezension bezieht sich auf: Rise (Audio CD)
Anoushka muss sich hinter ihrem Vater Ravi Shankar nicht verstecken. Dessen Werk schätze ich seit fast fünf Jahrzehnten - bei seiner Tochter gefällt mir, wie sie die alten Traditionen des Sitarspielens weiterführt (vor allem die musikalische Qualität hochhält) - und zugleich völlig neue Wege geht. Ihre Stücke sind wesentlich kürzer als die klassischen Ragas - aber die Emotionalität, die sie damit transportiert, ist überzeugend. Dazu kommen die Crossovers zum Flamenco etc.
Ich freue mich schon auf die erste DVD oder Blu-ray eines Konzert-Mitschnitts (vor einem Jahrm 2010, konnte ich sie in persona in der Elmau bei Garmisch erleben - ein großer Genuss).
Ganz großartig auf dieser CD finde ich auch das Lied "Beloved", gesungen von Swarnima Gusain.
Nur nebenbei: Mir gefällt, dass Anoushka Shankar offenbar keine störende Rivalität zu ihrer Stiefschwester Norah Jones empfindet, immerhin haben die beiden schon miteinander musiziert.


Endstation Belalp: Historischer Bergkrimi
Endstation Belalp: Historischer Bergkrimi
von Mirjam Cécile Britsch Lehmann
  Broschiert
Preis: EUR 19,00

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Historischer Bergkrimi um Frauen-Elend - nicht nur damals, 6. Januar 2010
Gut erzählt. Das Ambiente (Aletsch-Gletscher und Umgebung), das Zeitkolorit (Bergsteigerei um 1862 beginnt in der Schweiz) und die Figuren stimmen, sind gut sichtbar (die britischen Bergsteiger und ihre Entourage sowie die einheimischen Walliser). Auch das sozialkritische Engagement der Autorin hat mir gefallen.
Interessanter Plot: Wer hat warum den bekannten Bergsteiger Professor McGregor aus Schottland vergiftet?
Die Auflösung überrascht und ist doch zwingend. Sie hat mich sehr berührt, weil da plötzlich das Elend der Frauen in jener Zeit (nachzumal bei den armen Leuten) auf sehr deutliche, ja brutale Weise sichtbar wird.
Es drängt sich allerdings die Frage auf, ob die "Mörderin aus verschmähter Liebe" wirklich zu der Mordtat fähig wäre.
Ähnlich anschaulich wird auch die Ausbeutung der Bergführer präsentiert, bis hin zu ihrer Opferung für den egoistischen Ehrgeiz der wohlhabenden ausländischen Bergsteiger mit ihrem Erstbesteigungsbesessenheit (Matterhorn! Montblanc!) - sehr makaber auf die Spitze getrieben in der musealen Präsentierung von Leichenresten, die der Gletscher freigibt - weil man auf diese Weise wenigstens im Nachhinein noch einen "Zustupf" für die verelendeten Familien der umgekommenen Bergführer erzwingen will.
Wenn man die Gegend um den Aletsch-Gletscher und das Oberwallis aus eigener Anschauung kennt - wie der Rezensent - wird der Roman natürlich noch viel lebendiger. Aber was Mirjam Britsch hinschreibt, beschwört das alles sehr gut auch ohne Lokalkenntnisse herauf.
Das Ganze kommt zunächst ein wenig betulich daher - aber genau das passt bestens in die damalige Zeit vor anderthalb Jahrhunderten, in welche die Autorin sich sehr gut einfühlt und in die sie den Leser überzeugend hineinführt. Schließlich handelt es sich ja um einen "historischen Bergkrimi".
Guter Einfall auch, das Opfer des Mordanschlags erst langsam dahinsiechen und erst ganz am Schluss wirklich sterben zu lassen.
Kritische Anmerkung:
Was mich gestört hat, war die Gegenwartsform, in welcher die Autorin den Roman erzählt (das stört mich auch bei jedem anderen Roman). Das Präsens zwingt mir als Leser eine Nähe auf, die mich irritiert. Aber das ist auch Geschmackssache.
Sprachlich hätte man das eine oder andere etwas genauer fassen können: Was ist eine "charakteristische Nase" (S. 111) Die Autorin "sieht" da etwas - aber sie schreibt es für den Leser nicht genau genug hin.


30 Minuten für den überzeugenden Elevator Pitch
30 Minuten für den überzeugenden Elevator Pitch
von Joachim Skambraks
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sie haben 30 Sekunden Zeit, 21. November 2009
Wenn Sie ein wichtiges Anliegen haben und treffen zufällig die Person im Fahrstuhl, die dieses Anliegen positiv fördern kann -
- dann sollten Sie dieses Büchlein mit gerade mal 79 Seiten gelesen haben. Darin beschreibt nämlich der Autor, Marketingexperte und Werbefachmann, genau dies: Wie man einen "Elevator Pitch" (sinngemäß: "Fahrstuhl-Botschaft") formuliert und erfolgreich an den zuständigen Adressaten bringt. So eine Fahrt im Lift dauert nur wenige Sekunden. Man sollte also genau wissen, was und wie man in diesen [30] Sekunden seine Botschaft Žrüberbringt und so starken Eindruck macht, dass der oder die Angesprochene eine Visitenkarte zückt und sagt: "Rufen Sie mich an - ich möchte mehr darüber wissen."
Anhand prägnanter Beispiele wird gezeigt, wie man diesen EP optimiert. Kluger Ratschalg des Autors: Man sollte das wie ein kleinen Theaterstück inszenieren und proben. Es lohnt sich - vor allem, wenn ein großer Auftrag daraus entstehen kann.
Geschrieben ist dieses prägnant verfasste Juwel zwar vor allem für Vertriebsleute. Aber der Drehbuchautor, der beim Filmfestival den Produzenten abpasst, profitiert davon ebenso wie der Start-Up-Unternehmer beim Treffen mit einem Business Angel oder Investor. Oder der Zehnjährige, der seinem Vater beibringen will, warum er unbedingt schon diesen Sommer mit seiner Clique zum Zelten in die Berge muss.


Ukrainski Blues: Streifzüge durch die Ukraine
Ukrainski Blues: Streifzüge durch die Ukraine
von Dietmar Schultke
  Taschenbuch

4.0 von 5 Sternen Spiegelkabinett und ein Déjà-vu, 1. November 2009
"Streifzüge durch die Ukraine" nennt Dietmar Schultke seinen Reisebericht. Es ist eine Reise zu den gemeinsamen slawischen Wurzeln, die seine Heimat in der Spreewaldregion mit dem Land am Schwarzen Meer verbinden. Das war zunächst eigentlich kein Thema, das mich sonderlich interessiert. Aber ich kenne den Autor ein wenig und war von seinen früheren Publikationen sehr angetan, vor allem von seiner Dokumentation über den Bau der Mauer zwischen Ost- und Westdeutschland (die er als junger Zeitsoldat in der DDR-Armee aus nächster Nähe miterlebt hat): "Keiner kommt durch". Eine Art Fortsetzung war dann Schultkes zweites Buch über die Folgen dieses monströsen Bauwerks ("Die Grenze, die uns teilte"), ebenso lesenswert.

So langsam las ich mich in dem anregend bebilderten und erzählten Ukraine-Büchlein fest. Gewöhnte mich daran, dass seine Schwärmereien für hübsche junge Frauen auch symbolisch zu verstehen sein könnte: als Begeisterung für die Ukraine. Und dann, auf S. 47, eine zusätzliche Belohnung zum Lesevergnügen:
"Nach der Gondelfahrt [in Charkow] spazierten wir durch den Gorki-Park; hier gab es Vergnügungen aller Art: Karussell, Schießbude und Spiegelkabinett... "
Na, das freut einen denn auch, wenn man so ein Labyrinth-Fan ist wie ich. Mit einer zufälligen Begegnung mit dem Labyrinth-Thema hätte ich in diesem Umfeld nun wirklich nicht gerechnet; aber man entkommt dem eben nicht. Der Labyrinth-Fan weiß jedenfalls, dass ein Spiegelkabinett nicht anderes ist als eine moderne Variante dessen, was man sonst als Irrgarten bezeichnet.
Ich wollte diese Rezension schon abschicken, als mir beim nochmaligen Durchlesen plötzlich ein Kindheitserlebnis (vermutlich aus dem Jahr 1943) wieder einfiel, an das ich mich bereits bei der Lektüre von Dietmar Schultkes Ukraine-Bericht erinnert hatte - nämlich als ich dort auf S. 40 auf den "Dnepr-Strom" stieß. Ich muss etwa drei Jahre alt gewesen sein, als mein Großvater mir einige neue Wörter beibrachte. Das erste lautete "Konstantinopel"; das konnte ich rasch fehlerfrei nachsprechen. Aber dann wurde es schwieriger:
"Dnjepr, Dnjestr, Dnjepropetrowsk..."
Da musste ich einige Male stotternd herumprobieren, bis mir das - als Nicht-Slawen - fehlerfrei gelang. Ich weiß sogar noch genau diese Reihenfolge der drei fremdartigen Begriffe.
Wie kam mein Großvater auf diese Wörter? Er war zwar schon beim Ersten Weltkrieg dabeigewesen, mitten im Grauen von Verdun. Er hatte sich aber in den Zweiten Weltkrieg nochmals freiwillig gemeldet und war nach Russland bzw. in die Ukraine geschickt worden. Dort konnte man solche Leute wie ihn, den Architekten und Bauunternehmer und Major im Ruhestand, bei den Pionieren gut gebrauchen. Er half wohl, Pontonbrücken über den Dnjepr oder Dnjestr zu bauen. 1943 auf Heimaturlaub, brachte er dann mir, seinem Enkel, auf diese Weise ein Stück Fremde und zugleich Krieg nah.
DANKE, Dietmar Schultke, dass Du mich auf diese Spur gebracht hast! Was ja sicher nicht in Deiner Absicht als Autor lag. Aber man findet ja als Leser oft etwas, das man gar nicht gesucht hat.
Die Grenze, die uns teilte"Keiner kommt durch": Die Geschichte der innerdeutschen Grenze und der Berliner Mauer 1945-1990Meine Brandenburger Jugend... einmal Spreewald, bitte!


"Aus dem Jungen wird nie was ...": Vom Mechaniker zum Millionär: Warum in Deutschland jeder eine Chance braucht
"Aus dem Jungen wird nie was ...": Vom Mechaniker zum Millionär: Warum in Deutschland jeder eine Chance braucht
von Hans Wall
  Gebundene Ausgabe

11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Aus diesem Jungen ist eine Menge geworden, 1. November 2009
Ein sehr aufschlussreiches Buch: Es macht - autobiographisch - verständlich, warum und wie jemand zum erfolgreichen Unternehmer wird und was er vor allem brauchte, um erfolgreich zu bleiben.
Zugleich handelt es sich um eine Abrechnung mit jeglicher Bürokratie, die für einen zielstrebigen und umtriebigen Mann wie Hans Wall natürlich der Bremsklotz schlechthin ist. Umso eindrucksvoller, dass der Autor auch die Ausnahmen sieht und würdigt: zum Beispiel Direktor Piefke von den Berliner Verkehrsbetrieben.
Erstaunlich auch - und durch Walls eigenen Lebensweg jedoch gut nachvollziehbar - ist sein dickes Lob, das er Deutschland als Ursache seines Erfolgs spendet. Nur hier bekomme jemand wie er immer wieder eine neue Chance, sich fortzubilden und sich mit seinen Begabungen zu beweisen. Das erstaunt umso mehr, als man bei uns eigentlich immer die USA als dieses "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" feiert.
Es ist sehr überzeugend, wie Wall das mit seinen eigenen Erlebnissen und Erfahrungen begründet. Er bezeichnet sich selbst als Spätentwickler und versäumt nicht, den Mentor zu benennen, der ihm dabei ganz wesentlich half, vom "kleinen" Techniker zum Unternehmer zu werden: sein früherer Seniorchef bei der Firma Lechner (S. 80).
Solche Bücher werden oft von Ghostwritern geschrieben. Aber Wall ist so präsent in seiner Art und seinem Erzählstil, dass man diese Vermutung rasch fallen lässt. Vor allem verwendet er einige Formulierungen, die ein Ghost sicher "geglättet" hätte. Beispiel auf S. 20:
"Er [der Vater] war der Kommandant, und wir alle waren Nichtsnutze. Und ich der größte von allen." Ein Ghost hätte hier vermutlich korrigierend ergänzt: "Und ich war der größte Nichtsnutz von allen", schon um die Bedeutung dieser Erfahrung, bezogen auf den Buchtitel, noch mehr herauszustreichen.
Denn diese Erfahrung hat Hans Wall zutiefst geprägt und ihm sogar den Titel für die Autobiographie geliefert: "Aus dem Jungen wird nie was..."
Diesen Satz schleuderte ihm der eigene Vater im Beisein des Lehrers ins Gesicht, als es darum ging, ob der Bub Hans trotz seiner schlechten Schulnoten nicht doch noch aufs Gymnasium wechseln könne. Der Vater setzte sich mit diesem vernichtenden Urteil durch. Dass es den Zehnjährigen NICHT zerstört hat, ist das Wunder dieses Lebens und sicher in hohem Maße der Mutter zu verdanken. Aber das sollte man besser selbst lesen.
Die Lektüre lohnt sich auch sonst sehr. Denn hier beweihräuchert jemand nicht nur seine eigene Erfolgs-Story (wie das amerikanische Manager gerne machen, oder eben stellvertretend die Ghostwriter für ihre Klienten), sondern er macht sie auf sympathische Weise verständlich und nachvollziehbar.
Es hilft, dass Wall nicht verhehlt, was für ein schwieriger Charakter er ist. Wenn mir (JvS) als Psychologen und Hochbegabungsforscher die Ferndiagnose aus vielen Jahren Erfahrung mit solchen Menschen erlaubt ist: Wall scheint der typische hochbegabte Spätzünder zu sein, der aus folgendem Grund wirklich erst spät auf die Erfolgsspur und in die eigentliche Karriere (in seinem Fall: als Unternehmer) findet:
In der Schule sah er offenbar keinen Grund, sein Hochbegabungungs-Potential zu entfalten, schon aus Renitenz gegen den tyrannischen "preussischen" Vater. Er machte lieber Blödsinn (der ihn einmal sogar in Jugendarrest brachte) und musste sich erst mühsam zu seinem eigentlichen Unternehmer-Talent hinrobben. Die Schule in ihrer ganzen Art (und wohl auch die Lehrer) waren nicht in der Lage, seine eigentlichen Talente zu mobilisieren. Schule resp. Lehrer legen das Hauptgewicht ja gerne auf ihre eigene Art von bürgerlicher Bildung und Intelligenz. Wer da nichts ins Raster passt (weil z.B. Unternehmer- und Techniker-Talente etwas anders aussehen als die von lesehungrigen Intellektuellen), der ist rasch verloren.
Das ist übrigens auch das zentrale Problem aller Intelligenztests, die in hohem Maße mitteleuropäisches Bildungsgut "abfragen". Wobei ich mir jedoch sicher bin, dass ein Intelligenz-Test damals, 1952, bei Hans Wall einen eindrucksvoll hohen IQ zutage gefördert hätte, der den pessimistischen Vater vielleicht eines Besseren belehrt hätte, nämlich dass "aus dem Jungen doch noch was wird". Aber an so etwas wie Intelligenz-Tests dachte man zu Beginn des Wirtschaftswunders noch nicht.
Und ob so ein positives Testergebnis wirklich etwas bewirkt hätte, ist zu bezweifeln. Der Vater war zu sehr auf "gute Noten" fixiert. Und so rasch polt sich ein intelligenter Schulverweigerer (als den ich Wall einstufen würde) auch bei einem bewiesenen hohen IQ nicht um und macht ab da Schul-Karriere. Dazu bedurfte es eines langen "krummen" Weges außerhalb der Schule und durch die Praxis mit vielen Schlenkern und Aufs und Abs, die für Spät-Erfolgreiche typisch sind.
Seine Rolle als Spätzünder bestätigt der Autor übrigens wortwörtlich, wenn er auf S. 241 notiert: "Als Schulversager wäre ich in vielen Ländern der Welt früh abgeschrieben gewesen. Doch in Deutschland habe ich immer wieder Gelegenheit bekommen, einzusteigen Ich hatte Lehrmeister, die sich Zeit für mich genommen haben, ich hatte Abendschulen, die mir Fortbildung in dem Moment ermöglichten, als ich, der Spätentwickler, endlich bereit war."
Bleibt noch zu ergänzen, dass diese Vita nicht um eine so schicke Geschäftsidee aus der Computer- oder Internet-Welt kreist, wie sie Bill Gates von Microsoft oder Google-Boss Larry Page zu milliardenschweren Entrepreneuren gemacht haben, sondern um etwas, an dem wir alle tagtäglich vorbeilaufen oder es benützen, dessen Fehlen (oder negatives Erscheinungsbild) uns jedoch sehr irritiert:
Buswartehäuschen, Werbetafeln und öffentliche Toiletten.
Hans Wall gelingt es mit seiner echten Begeisterung für diese angeblichen Trivialitäten des Alltags, mit seinem ständig weiter Tüfteln und Verbessern dem Leser diese "Stadtmöblierung" näherzubringen, wodurch man sie besser zu wertschätzen lernt.Das Drama der Hochbegabten: Zwischen Genie und LeistungsverweigerungJenseits der Norm - hochbegabt und hoch sensibel? (Leben Lernen 180)


... einmal Spreewald, bitte!
... einmal Spreewald, bitte!
von Dietmar Schultke
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Liebevoll gemachte Einladung in den Spreewald, 10. Januar 2009
Rezension bezieht sich auf: ... einmal Spreewald, bitte! (Taschenbuch)
Ein liebevoll gemachtes Büchlein, das als kleiner Reiseführer durch eine vielfältige Landschaft mit vielen reizvollen "Ecken" und einer abenteuerlichen Geschichte (der Sorben) auftritt.
Aber es ist viel mehr ist als nur eine Huldigung an die Heimat "Spreewald" und eine Einladung dorthin. Es ist zugleich die Dokumentation des gemeinsamen Erkundungs- und Schreib-Wegs einer Gruppe junger Menschen, die der Herausgeber und Leiter dieses Schreib-Projekts, Dietmar Schultke, geschickt nicht nur durch den Spreewald gelotst hat, sondern auch durch die Entfaltung ihrer eigenene Schreibtalente.
Das Ganze ist voll in Vierfabendruck und einem sehr professionellen Layout gestaltet - samt detaillierten Karten und vielen vertiefenden Hinweisen. Eine Zeittafel rundet den Eindruck des gelungenen Ganzen ab - ein Detail, das man bei den meisten Büchern dieser Art sehr vermisst. Hier ist daran gedacht worden.
Ich hab das gerne gelesen und dabei eine mir unbekannt Welt entdeckt.
Danke!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 26, 2009 7:43 PM CET


Kafka in München: Zwischen Leuchten und Finsternis
Kafka in München: Zwischen Leuchten und Finsternis
von Alfons Schweiggert
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,90

5.0 von 5 Sternen Unterhaltsame "Münchner Zeit" des schwierigen Autors, 10. März 2008
Dreimal hielt sich Franz Kafka, der Prager Schriftsteller deutscher Sprache, zwischen 1903 und 1916 in München auf. Legendär geworden ist seine Lesung der Geschichte "In der Strafkolonie" 1916 in der Buchhandlung Goltz. Außerdem traf er sich zu letzerem Anlass in der bayrischen Hauptsadt mit seiner Verlobten Felice Bauer, die aus Berlin anreiste. Max Brod, der Gönner und Förderer des frühverstorbenen Kafka (1983-1924) war auch dabei.
Sehr viel mehr ist eigentlich von jenen drei Gelegenheiten nicht zu berichten - außer dass sie in der Wahrnehmung und Erinnerung des Dichters "zwischen Leuchten und Finsternis" schwankten (wie es der Untertitel von Schweiggerts Buch spiegelt).
Das Buch liest sich unterhaltsam, versorgt den Leser mit den nötigen speziellen "Münchner" Informationen und erhellenden Photos zur Vita Kafkas und gibt, so ganz nebenbei, im Schnelldurchgang die wesentlichen biographischen Details des Pragers mit.
Interessant sind auch die Parallelen, die zwischen den beiden "Hungerkünstlern" Kafka (der eine seiner bekanntesten Geschichten so nannte) und dem Münchner Original Karl Valentin hergestellt werden; wobei betont wird, dass die beiden sich nie persönlich begegnet sind, aber auf jeden Fall "Brüder im Geiste" waren.
Alfons Schweiggert, der diese Monographie im Rahmen der "edition monancensia" der Münchner Spezialbibliothek Monacensia veröffentlicht, räumt zudem verdienstvollerweise mit zwei seit langem weitergetratschten Gerüchten auf:
° Bei der Lesung der "Strafkolonie" waren die Zuhörer zwar fraglos sehr überwältigt vom grausamen Inhalt, den Kafka selbst vortrug - aber dass zwei Frauen in Ohnmacht fielen und andere Hörer den Raum fluchtartig verließen, das hat wohl nur der ebenfalls im Publikum anwesende Schweizer Schriftsteller und Graphologe Max Pulver mit seiner überhitzten, Kafka verehrenden Phantasie wahrgenommen - sonst hat es niemand berichtet, auch keine der darüber referierenden Zeitungen.
° Dass eine gewisse Grete Bloch in jener Zeit von Kafka geschwängert worden sei und dieser gemeinsame angebliche Kafka-Sohn siebenjährig verstarb, entstammte wohl nur der Phantasie dieser Frau - abgesehen davon, dass es überhaupt nicht in des schüchternen Kafka Biographie passen würde, so einen kühnen Akt gewagt zu haben.


Labyrinthe
Labyrinthe
von Hermann Kern
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Buch schlechthin über "Labyrinthe", 24. Januar 2008
Rezension bezieht sich auf: Labyrinthe (Taschenbuch)
Ich kenne nur das Original, nicht das hier beworbene Taschenbuch. Wenn die Inhalte übereinstimmen, ist es das Buch schlechthin über "Labyrinthe". Es hat mir schon viele gute Dienste für meinem Labyrinth-Blog geleistet.
Ein persönliches Erlebnis war, mit Hermann Kern (dem leider viel zu früh Verstorbenen), 1984 an einer Tagung über Labyrinthe an der Evangelischen Akademie Tutzing mitarbeiten zu können.


Lexikon der deutschsprachigen Krimi-Autoren
Lexikon der deutschsprachigen Krimi-Autoren
von Angelika Jockers
  Taschenbuch
Preis: EUR 26,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gute Hilfe für Krimi-Fans und -Autoren, 22. Januar 2008
Ein zuverlässiges Lexikon - das offenbar einzige seiner Art im deutschen Sprachraum, entstanden unter Mitarbeit der aufgeführten Autorinnen und Autoren, von denen viele der Vereinigung "die criminale" und / oder "sisters in crime" angehören.
Stichproben (Friedrich Ani, Olver Bottini, Annette Döbrich, Jörg Fauser, Wolfgang Menge, Ulf Miehe, Stefan Murr*, Frank Schätzing) sprechen für Ausführlichkeit und Zuverlässigkeit der sehr differenziert aufgeschlüsselten Daten.
Als fehlend entdeckte ich bislang nur:
° den Schweizer Psychotherapeuten Hansruedi Gehring, der mit seinem Debüt "Rätselhafter Tod in Zähringen" (orte Verlag, CH-9413 Oberegg) eindrucksvoll gestartet ist und gerade in den "letzten Zügen" liegt mit einem völlig anders gelagerten Fall an Bord eines französischen Dampfers.
° Karl Herbert Scheer (1928-1991), der in den 1960-er Jahren etliche utopische Krimis bzw. Agentenromane** schrieb ("Oktavian III", die "ZBV"-Serie) und Begründer der Heftserie Perry-Rhodan" war (mit Walter Ernsting alias Clark Darlton - der übrigens mit Ulf Miehe als Ko-Autor SF publiziert hat).
Bei C.V. Rock hätte man noch erwähnen können, dass er auch (schlechte) Science Fiction schrieb.
In die nächste Überarbeitung sollte man Mitra Devi mit aufnehmen, eine vielversprechende Schweizer Newcomerin in der deutschsprachigen Krimiszene (die bibliophile Kostbarkeit "Der Spinner von Leipzig"; ihre Anthologie eigener Kurz-Krimis "Die Bienenzüchterin").
Und für Andrea Maria Schenkel lag der Redaktionsschluss dieser Ausgabe zu früh; sie macht gerade (2007/2008) Furore mit ihren Krimis im niederbayrischen Lokalkolorit ("Tannöd", "Kalteis").
- - -
* Das Pseudonym von "Stefan Murr" wurde übrigens längst geknackt: Es ist der Anwalt Dr. Bernhard Horstmann (Weigand: "Pseudonyme - ein Lexikon", S. 109)
** Scheer sollte man eher als abschreckendes Beispiel anführen - seine gewalttätigen, blutrünstigen Geschichten würden selbst Mickey Spillane erblassen lassen; aber ein Lexikon soll und darf nicht bewerten, sondern nur "registrieren".


Die Zukunft in der Tasche: Science Fiction und SF-Fandom in der Bundesrepublik. Die Pionierjahre 1955-1960
Die Zukunft in der Tasche: Science Fiction und SF-Fandom in der Bundesrepublik. Die Pionierjahre 1955-1960
von Rainer Eisfeld
  Taschenbuch

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Solid recherchiertes deutsches SF-Fandom der späten 1950-er Jahre, 31. Dezember 2007
Rainer Eisfeld (Jahrgang 1941) war einer der deutschen Science-Fiction-Fans der ersten Stunde. Später wurde er Professor für Politik-Wissenschaften in Osnabrück. Sein akademischer Hintergrund kam ihm beim Schreiben dieser Dokumentation sehr zupass - konnte er so doch die eigene Erfahrung mit dem geschulten Blick des Wissenschaftlers kombinieren.
Seine Exkursion stellt nicht nur die Gründer des ersten Deutschen SF-Clubs (SFCD) und dessen Konkurrenten resp. Ableger vor, sondern auch viele Fans der frühen Stunde und ihre FanZines.
Zentrale Figur jener Zeit des Aufbruchs der deutschen SF-Szene aus dem deutschen Zukunftsroman à la Hans Dominik zu einer moderneren, sehr von den USA geprägten "Science Fiction" war Walter Ernsting (1920-2005, viel bekannter unter der Pseudonym "Clark Darlton" und als einer der Schöpfer der sagenhaft erfolgreichen Heftserie "Perry Rhodan"). Rainer Eisfeld nähert sich diesem Urgestein der deutschen Nachkriegs-Utopie (der ja nicht nur für ihn ein Anreger, Förderer und Mentor war) mit einer wohltuenden Mischung aus Respekt und kritischer Distanz. Auf diese Weise können auch jüngere SF-Leser sich ein sehr differenziertes Bild von W.E. (wie er kurz genannt wurde) machen, das auch seine Grenzen (im Literarischen) und seine Schattenseiten (autoritäres Verhalten als Club-Präsident) nicht ausspart - sondern verständlich macht.
(Mehr zu W.E. findet man in einem gut recherchierten Artikel der Wikipedia.)
Das Buch ist ein MUSS für jeden Leser, der ein wenig hinter die Kulissen der deutschen SF und vor allem deren Pionierzeit schauen will.
Es geht zwar primär um die Jahre 1955-1960 - aber andere prägende Figuren der folgenden Jahre und Jahrzehnte werden bereits in Konturen und nicht zuletzt in ihrem Werdegang sichtbar: Herbert W. Franke und Wolfgang Jeschke.
Die reichhaltige, zu einem Gutteil farbige Bebilderung macht das Buch zusätzlich zu einer sehr lesenswerten Einführung in die Geschichte der deutschen SF der Nachkriegszeit mit ihren heute kaum mehr vorstellbaren Schwierigkeiten und Einschränkungen im Bereich des Buchmarkts, wobei SF, als Literarisches Genre am Rande - oder oft mittendrin - von "Schmutz und Schund" harte Kämpfe und heftige Geburtswehen überstehen mußte.
Was die Darstellung besonders sympathisch macht, ist die Präsenz des Autors als "teilnehmender Beobachter" (wie das die Sozialwissenschaftler nennen), der seinen eigenen Werdegang als Fan wie einen roten Faden durch das doch immer wieder auch verwirrende Puzzle dieser ganz speziellen Literaturgattung sichtbar macht.
(Den Rezensenten freut natürlich zusätzlich, daß er - eine Weile selbst Teil jenes frühen Fandoms - im Buch auch erwähnt wird. Danke!)


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