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Rezensionen verfasst von
Sabrina

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Masters of the Universe Vol. 2: Origins of Eternia (He-Man Women Hater's Club)
Masters of the Universe Vol. 2: Origins of Eternia (He-Man Women Hater's Club)
von Keith Giffen
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,90

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Beeindruckende Neu-Interpretationen!, 28. März 2014
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Das zweite TPB von DC ist leider wieder nur in englischer Originalversion erschienen - einerseits verständlich, da man den ersten Teil der neuen TPB Zusammenfassungen, der laufenden Comicheftserie bereits nicht ins Deutsche übersetzte. Andererseits spart man sich mit dieser Veröffentlichungspolitik von DC langfristig, neue Fans und somit Konsumenten im Ausland zu gewinnen. Doch das soll keine blinde Kritik am amerikanischen Verlag sein. Denn Marvels und DCs bekannteste Superhelden konnten ihre Langlebigkeit nach den 90er Jahren weltweit, gerade so mit Hilfe von Hollywoods Blockbuster-Verfilmungen ins Kinderzimmer retten. (Löblich, dass DC eine laufende Crossover-Heftserie namens "DC Universe vs. Masters of the Universe" ins Leben rief - demnächst ebenfalls als englische Sammelbänder erhältlich) Bedenkt man, dass das Masters Universum vor 25 Jahren vollkommen in Vergessenheit geriet, scheint jedes neue MotU-Release, in jeglicher Form an ein Wunder zu grenzen, da der erhoffte Hype nach wie vor ausbleibt.

Apropos "Vergessenheit": Mit "Origins of Eternia" scheint DC den etwas in Vergessenheit zu geratenen "Icons of Evil" Comics vom Image-Verlag entgegenwirken zu wollen. Letztere schilderten die Entstehungsgeschichten bestimmter Bösewichte, wie Mer-Man, Evil-lyn und Beastman. Doch sowohl Zeichnungen, wie auch die Kreativität wurde von Fans oft verhalten aufgenommen.
Objektiv kann man die Zeichenqualität von "Origins of Eternia" nicht ernsthaft kritisieren. Dazu müsste man eine ganze Bandbreite an verschiedenen Stilen und Colorierungsmethoden nicht mögen, denn die beteiligten Artists geben sich alle Mühe, die Vielfalt des ersten Bandes zu übertreffen - und dies tun sie wirklich mit Erfolg. Zeichner "Pop Mhan", der die Hintergrundgeschichte von Man-At-Arms visualisiert, bedient mit seinem Talent vielleicht zu Beginn noch die Gelüste konservativer Comicfans. Durchtrainierte Männer, wohlproportionierte Frauen, grausige Biester und das alles in satten Farben. Ähnlich handhabt es Jheremy Raapack für Battle Cat. Mike Henderson hingegen scheint eher dem Comic Noir verpflichtet, wenn er Evil-lyn in Szene setzt. Er kleidet die Protagonisten in garadezu moderne Kleidung, Lederjacken und Hosenschnitt findet man im Zweifelfalle in X-Men Comics. Farben wie Rot und Orange sucht man mit der Lupe in Kristallen und Flammen - der Rest ist Schwarzweiß gehalten. Der mal tollpatschige, mal heldenhafte Hofzauberern Orko, dessen Auftritte im neuen Masters Universum sich größtenteil auf Hintergründe beschränkt, wird von Chris Gugliotti mit fantastisch bunter Optik beehrt! Seinem Charakter entsprechend, teils "Super Deformed", teils als vermeintliche Kinderzeichnungen, dann wieder surreal, hat der kleine Magier endlich wieder einen Auftritt von Bedeutung. Weitere Highlights sind selbstverständlich Ben Oliver für He-man Background und Frazer Irvings Skeletor Entstehung - beide bedienen sich nahezu fotorealistischer Darstellung. Ken Griffen und Scott Koblish nehmen sich schlussendlich Hordak zur Brust - mit einem Hauch von "Heavy Metal".

Und was bieten die Writer an dieser Stelle? Sie bieten Gesprächsstoff und das kann nicht das Verkehrteste an einem oft unbeachteten Produkt sein. Sie bieten eigene Visionen, vielleicht oft von Zeitdruck oder Veränderungsdrang beeinflusst. Sicherlich können sie nicht etwas kreieren, das allen gleichsam gefällt - wenn dem so wäre, dann wären sie schwer reich und würden He-man zur weltweiten Beachtung verhelfen. Deswegen macht es nicht so viel Sinn zuviel Worte über die einzelnen Stories zu verlieren. Denn nächstes Jahr werden die Rechte vielleicht schon wieder an einen anderen Comicverlag gehen und deren Writer erschaffen alles wieder neu.
Trotzdem gibt es etwas zu den Geschichten im Allgemeinen zu sagen: Wie auch in Vol.1, ist der Gewaltfaktor weitaus höher angelegt, als es der Fall bei den Comics der 80er und 90er war. Und auch diesmal wird gemeinschaftlich der Fokus aus Science Fiction gelegt. Vom Sword and Sorcery Ursprung, von Conan, Robert E. Howard, Arnold Schwarzenegger und diversen Märcheneinflüssen distanziert man sich.

Weshalb erneut 5 Sterne?
-Weil auch diesmal die Werbung aus den Comicheften fehlt
-Weil das Lesen an sich wieder Spaß macht
-Weil alles noch homogener und irgendwie auch authentischer wirkt, als in Vol.1
-Weil "Origin of Eternia" zudem Lust auf den nächsten Sammelband macht
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 8, 2014 12:10 PM MEST


Meteor monsters (Masters of the universe)
Meteor monsters (Masters of the universe)
von Jack C. Harris
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen 30 Jahre alten Spuren folgen!, 13. März 2014
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Selbst einige langjährige Masters of the Universe Fans verlieren bei den vielen Masters-Comic-Publikationen aus verschiedenen Ländern den Überblick. Neueinsteiger, die erst seit Beginn des en Jahrtausends mit der MotU 200x, oder später durch die Classics Reihe dazu stießen, haben schon allerlei Recherche zu den entsprechenden jungen Comic-Releases der US-Verlage "Image", "MV-Creations" und "DC" zu betreiben.
Hat man sich an dieser Stelle erst genügend Überblick verschafft, ereilt einen schließlich mit der Suche nach Masters of the Universe Print-Medien der 80er und 90er Jahre die Erkenntnis, dass ihre Vielfalt geradezu unüberschaubar groß ist. Um sich eine Sammlung an Comicheften (Weiter Graphic Novels, Magazine, Malbücher usw.) anzueignen, bedarf es an hohem Beschaffungsaufwand und großer Geldinvestition. Aber längst birgt nicht jede Rarität auch künstlerische Finesse.

Diese Rezension soll einen Einblick in das Innere, der in Deutschland größtenteils unbekannten Golden Books sein. Sie ist, wie folgt, gegliedert:

-Hintergrund der Golden Book Reihe
-Was bekommt man für sein Geld?
-Hintergrund des Titelbild Zeichners
-Hintergrund von Writer und Illustrator
-Quälität der Story
-Qualität der Zeichnungen
-Beschaffungsaufwand und Sammlerwert
-Fazit
-Nachwort

HINTERGRUND DER GOLDEN BOOK REIHE:

Das 1907 von den Brüdern Edward und Albert Wadewitz gekaufte "Racines West Side Printing Company", war 1970, inzwischen "Western Publishing Company" getauft, einer der größten Verleger von Unterhaltungsmedien geworden. Neben beispielsweise Kochbüchern und Gesellschaftsspielen wie "Trivial Persuit", erlangte WPC zum Zweck von Comicadaptionen große Lizenzen von Walt Disney, Warner Brothers und Metro-Goldwyn-Mayer.
1920 bereits erschien die erste "Golden Book"-Reihe für Kinder. Sie umfasste Puzzle- Erzähl- und Malbücher. 1937 folgten Bestseller-Adaptionen von bspw. Micky Maus.
Für Masters of the Universe Fans wird "Western Publishing Company" ab dem Jahr 1979 interessant, als "Mattel" den Verlag kauft (und ihn etwa 5 Jahre später wieder verkauft.) Denn 1984 wurde die Riege der beliebten Comic-Helden um einen moralischen Barbaren erweitert.

WAS BEKOMMT MAN FÜR SEIN GELD?

Im Fall des vorliegenden "Meteor Monsters":
-Zuerst einmal ein gebrauchtes Exemplar, denn das Heft wurde 1985 veröffentlicht.
-Eine quadratische Form = Die Maße betragen: 20,5cm x 20,5cm.
-28 voll colorierte Seiten, ohne Werbung
(Nur die letzte Seite bewirbt andere Folgen der Masters Golden Books)
-Broschiert
-Coverumschlag mit Beschichtung, leicht abzuwischen
-Angenehm feste Innenseiten
-"Graphic Novel" vergleichbaren Erzählstil, also mit Text, ohne Sprechblasen

HINTERGRUND DES TITELBILZEICHNER GINO D'ACHILLE:

Ob es nun um geschlagene Verkaufsrekorde und Massenversammlungen von Fans ging (Nachzulesen: "Mastering the Universe" von Autor Roger Sweet) , oder Vorwürfe der Gewaltverherrlichung (Siehe: Zusatzmaterial/Interviews von Masters DVD Staffel 1 Vol. 1 von KSM):
He-man war schon immer für Sensationen prädestiniert. Ob es nun um die ganz großen Sensationen ging, oder diejenigen, die man durch Recherche für sich selbst entdeckt, weil sie an den Medien vorbei gegangen sind. Zu diesen kleinen Sensationen gehört definitiv der Maler des Covermotivs, das man als Gemälde bezeichnen möchte. Heute ist es dieses Motiv, das Aufmerksamkeit und Blicke von Menschen auf sich ziehen vermag, die nicht wissen, wer He-man ist. Und "Gino D' Achille" lautet der Name des verantwortlichen Künstlers. Aber wer ist dieser Mann überhaupt?
1935 in Rom geboren, zeichnete der junge Gino im Alter von 11 Jahren ein Bild des Papstes Pius XII – und kam zur Ehre, eben diesem sein Gemälde zu präsentieren.
Mit 13 Jahren studierte er bereits Kunst an Roms "Liceo Artistico" und mit 19 Jahren Architektur an der Universität. Nach einigen Jahren als Illustrator für das heute (Stand: März 2014) noch bestehende "Studio Favalli", zog er nach England und veröffentlichte mit 29 Jahren Illustrationen für "Bible Stories" – Bücher, in denen der Schauspieler David Kossoff Bibelgeschichten neu interpretiert und die sich dank BBC größter Beliebtheit erfreuten.
Größte Erfolgte erzielte Gino D' Achille 1973 mit seinen Motiven zu "John Carter vom Mars" bzw. "Barsoom" von Edgar Rice Borroughs (Tarzan). Also ca. 12 Jahre, bevor er für "Masters of the Universe" engagiert wurde.
In den Folgejahren fertigte er mehr als 100 Motive für verschiedene Bücher an. So wurde er dann auch in die Dienste der Masters of the Universe genommen. Ein richtiger Schritt. He-man profitierte stets von talentierten Malern und Zeichnern, und ihren eigenen Visionen und Interpretationen. Die vielen Motive unbekannter und renommierter "Sword and Sorcery"-Künstler hinterlassen beim Betrachten heute noch zarte Rückstände des Gefühls, das das Kind von Damals im Kontakt mit der genialen Darstellung von Barbarenhelden in einer hochtechnisierten Zukunftswelt spürte.

HINTERGRUND VON WRITER UND ILLUSTRATOR:

-Jack C. Harris, geboren 1947, war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung von "Meteor Monsters", 38 Jahre alt. Er schrieb die Geschichte des Cmic-Bandes.
Nach der Stationierung als Soldat in der Funktion der "Signal Force" in Deutschland, wurde er bei DC eingestellt.
Nachdem er zu Marvel wechselte und Amazing Spider-Man Stories schrieb, kehrte er zu DC zurück und schrieb 1994 die, in Comic-Kreisen bekannte Elseworlds Graphic Novel "Castle of the Bat", in der er Batman mit Marry Shelleys Frankenstein Thema fusioniert.

-Luis Eduardo Barreto, geboren 1954, war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung von "Meteor Monsters", 31 Jahre alt. Er verstarb im Dezember 2011.
Der in Montevodeo, Uruguay geborene Barreto hatte seinen zukünftigen Job bereits in Kindertagen anvisiert. Sein Wunsch soll es gewesen sein, als Zeichner von Comic-Heften in Amerika erfolgreich zu sein. Im Alter von 15 Jahren soll er bereits Zeitungsredaktionen angesteuert haben, um seine Werke zu bewerben. 1979 erhielt er seinen größten Auftrag bei Marvel, als Zeichner für "Marvel Team-Up No.88", welches Spider-Man und Invisible Girl der Fantastic 4 wieder vereinte.

QUALITÄT DER STORY:

Die Enttäuschung erwachsener Leser von "Meteor Monsters" ist vorprogrammiert. Sicherlich hatte Writer Jack Harris enge Vorgaben, die Helden moralisch handeln zu lassen, Gewaltdarstellung auf ein Minimum zu begrenzen usw. Doch in engem Raum sollte ein, von der Bedeutung seiner Arbeit überzeugter Künstler profitieren und nicht automatisch zur Schlussfolgerung kommen, dass die Handlung deshalb nur ein Minimum an Authentizität erlangen kann.
Es wird wirklich an keiner Stelle des Comics reiferen Generationen ein Anreiz zum Lesen des Textes geboten. Die Zusammenfassung des Inhalts lies sich eher bescheiden:
Ein Meteor fällt vom Himmel und der strahlt böse Energie aus. Skeletor will Teile des Meteors in Besitz nehmen. Monströse Kreaturen und Gefolgsmänner Skeletors unterstützen seinen Plan, werden aber schließlich von den Helden in die Flucht geschlagen.
Klingt langweilig? Zum Vergleich: Die Geschichte des Mini-Comics "Temple of Darkness" klingt auch nicht besonders spannend, wenn man sie nacherzählt. Doch die künstlerisch fantasievolle Erzählung ist das ungenutzte Stilmittel, welches die größte Kraft hätte, den Leser zu fesseln.
Von Jack Harris spürt man keinerlei Motivation – ganz im Gegenteil! Eine besonders unmotivierte Idee (Die man nur mit gutem Willen überhaupt als Idee bezeichnen kann!) spielt sie wie folgt ab: Beast Man hetzt eine Kreatur, die in der Nähe der Trümmerstücke des Meteors noch größer wächst, auf die Helden.
"...the wicked Beast Man was directing one of his animals right toward the mysterious fragment! As Beast Mans creature leaped at the heroes, the strange meteor radiation caused a frightening transformation. Instead of attacking the charging beast, He-man yelled an unexpected order: -Everyone run in different directions!-
-Your plan worked,- cried Teela. -The beast landed right on the meteor and crushed it to dust!-"
In deutsch: He-man befiehlt seinen Mitstreitern, in verschiedene Richtungen zu rennen, woraufhin die Kreatur wild in die Luft springt und genau auf die Meteor-Trümmer fällt, die es verwandelt haben. Unter dem Gewicht der ca. 4 Meter hohen Kreatur, werden die Meteorreste zu Staub zermalmt und die Gefahr ist gebannt.
Man kann sich nicht vorstellen, dass der Writer dafür ein Gehalt gezahlt bekommen hat.

QUALITÄT DER ZEICHNUNGEN:

Auffälligerweise lässt kaum ein Rezensent auch nur ein gutes Haar an Barretos Zeichenstil. Angeblich wären die Proportionen der Charaktere unverhältnismäßig. Die dargestellten Figuren würden merkwürig schmal ausfallen und es wären kaum Hintergründe vorhanden.
Über Geschmack lässt sich, entgegen dem bekannten Sprichwort doch streiten. Tatsächlich wirken Mensch und humanoide Dämonen aufgrund der sparsameren Verteilung ausgeprägter Muskeln deutlich realistischer. Gesichtsausdrücke vermitteln nachvollziehbare Emotionen, wobei auch dieser Punkt bei anderen Rezensenten gegenteilig bewertet wurde. Sogar in kleineren Bildausschnitten ist der Ausdruck der Protagonisten deutlich zu erkennen. Aber auch der Stil ist lobenswert zu erwähnen. Die weite Bandbreite an Mimik, die Barreto wählt, ist erfreulich, da er aus der äußerst dünnen Handlung wirklich lebendiges Geschehen erzeugt. Zumindest er weiß es zu verstehen, mit engen Vorgaben positiv umzugehen. Auch konzentriert er sich nicht allein auf He-man, um ihn ansprechend darzustellen. Beastmans durchgängig menschlich wirkender Gesichtsausdruck steht konträr zu Neuinterpretationen der aktuellen DC-Comics, in denen man stets dazu bedacht war, ihn größer, animalischer und brutaler zu kreieren.
Kobra Khan hingegen wirkt wirklich gefährlich und scheint wenig menschliche Emotionen zu verspüren – was den Snake Men besonders gut zu Gesicht steht.
He-man offenbart weniger abgebrühte Distanz und Überlegenheit. Er ist überrascht, wütend (Seite 17), wenn er Kobra Khan bedrohlich das Schwert an den Hals hält, grimmig (Seite 12) wie ihn kaum ein anderer Zeichner zeigt.
Man At Arms bekommt wenig Gelegenheit, mehr als Wut und Entsetzen zu zeigen. Seine äußere Darstellung ähnelt ein wenig "Errol Flynn" als Robin Hood in der Verfilmung von 1938.
Teela ist hübsch dargestellt, man hätte ihr jedoch mehr Frontansicht gewähren können.
Auch an Skeletor sieht man das zeichnerische Talent Barretos an: Für ein Totenkopfgesicht lässt er viel menschliche Emotion erkennen, wirkt trotz allem unerwartet bedrohlich und nicht überzogen. Es fällt leicht, sich ihn als Keldor, Adams, an die bösen Mächte verlorenen Onkel vorzustellen, auch wenn dieser Story-Zweig 1985 noch nicht entwickelt war.
Hintergrundzeichnungen hingegen sucht man wirklich vergebens – vermutlich stand der Zeichner unter Zeitdruck, da man auf den ersten Bildern, einem zweiseitigen Panoramabild, mehr Hintergrund zu sehen bekommt. Ein aufgebrachtes Trio – Prince Adam, Teela, Man At Arms, vor der Kulisse der Stadt Eternias, unter dem zerberstenden Kometen am nachtschwarzen Himmel. Doch auch hier wurden Details auf der linken Bildseite bezüglich des Waldes ausgespart und nur eine grüne Fläche füllt den Großteil aus. Sehr schade, um dieses sonst grandiose Bild. Die Türme und Kuppeln von Eternia bekommt man erst wieder auf der letzten Seite zu sehen.

BESCHAFFUNGSAUFWAND UND SAMMLERWERT:

Derzeit (2014) lässt sich keine große Nachfrage nach den Golden Books Masters of the Universe im Western Publishing Verlag erkennen. Zwar verlangen manche Händler und Privatpersonen astronomische Preise für schlecht erhaltene Exemplare, doch dies lässt sich momentan allein der Hoffnung nach dem schnellen Geld zuschreiben.
Der Sammlerwert wird in den nächsten Jahren vermutlich nicht den aktuellen Durchschnittswert von ca. 20€ überschreiten.
Die Golden Books sind in Europa am ehesten in England zu finden. Möchte man sie aus den USA beziehen, sollte man die Versandgebühren nicht unterschätzen.

FAZIT:

UNINTERESSANT für Gelegenheits-Masters-Konsumenten und Comicfans, die nur an modernem Stoff Gefallen finden.

INTERESSANT für fleißige Sammler und MotU-Experten, die selbst der kleinsten Spur des Phänomens "He-man" folgen wollen.

NACHWORT:

So viele Worte gingen an dieser Stelle über einen heute leider vollkommen unbeachteten Comicband verloren. Viele Worte, für kleine Aufmerksamkeit, für wenige Leser. Trotzdem sollte es im Sinn des großen Helden He-man sein, eine Moral in der Geschichte erkennen zu lassen: Wir moderne Menschen behaupten immerwährend, es gäbe über eine simple Sache so wenig zu sagen – oft gibt es über die einfachen Dinge unendlich viele Worte zu verlieren.

3,5 Sterne


Schutzhülle (Blister Case) speziell für Masters of the Universe Figuren
Schutzhülle (Blister Case) speziell für Masters of the Universe Figuren
Wird angeboten von X-Comics GmbH
Preis: EUR 7,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Pflichtkauf für Adult Collectors!, 12. März 2014
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
FAKTEN:

Sammlerherzen schlagen bei dieser Blisterbox (für verschiedene Verwendungsmöglichkeiten) höher. Eigentlich gedacht als Stabilisation und Schutz einer "Masters of the Universe Classics"-Figur inklusive gesamter Originalverpackung, betragen die Maße der Blisterbox:

Vertikal: 18,5cm
Diagonal: 25,5cm
Tiefe: ca. 9Cm

(Die Amazon-Produktbeschreibung gibt ein Gewicht von 499g an, was keineswegs dem Gewicht, der mir gelieferten Blister Cases entspricht. Ein Exemplar meiner Bestellung wog nicht einmal 250g.)

GENAUER BETRACHTET:

-Am Versuch dreier MotU-Verpackungen an zwei verschiedenen Blisterboxen enttäuscht das Ergebnis nicht! Mit insgesamt 8 Clip-Einbuchtungen, umschießt sie die Verpackung der Actionfigur fest, stabilisiert die Card (Kartonhintergrund) und bietet mit dem eigenen Frontblister mehr Widerstand, als der Figurenblister.
-Die Clips lassen sich trotzdem leicht öffnen, um den Inhalt wieder freizugeben.
-Befürchtungen erfüllen sich nicht, dass der feste Halt auf einer glatten Fläche nicht mehr gegeben wäre, wie durch den geraden Boden der Figurenbox. Die standfußartige Ausstülpung am Untergrund gewährleistet die Position in rechtem Winkel.
-Für Sammler auch Interessant: Die kleine, weiße Aufschrift am Boden, die Herstellerland und Produktionsjahr preisgibt.
-In der Mitte der Plastikabdeckung für die Karte prangt ein Eyecatcher in Form eines sehr ordentlich modellierten "Masters of the Universe"-Logos. Aber auch an mattycollector.com wurde gedacht: Im linken, unteren Bereich überdeckt es das Logo der Card, wenn eine Figurenverpackung eingesetzt ist.
-Und schlussendlich wurde die Blisterbox mit einem stabilen Aufhängerloch bedacht, damit der anspruchsvolle He-man Fans auch wirklich nichts zu meckern hat.

ZUSÄTZLICHES POTENZIAL:

Ungeahntes Potenzial bietet die Blisterbox zusätzlich Herstellern von Custom-Variationen (Selbst gemachte, oder bearbeitete Figuren).
Lose Figuren finden wieder einen Weg in eine professionelle Verpackung.
Sammler ausgepackter MotU-Figuren, die den "DC-Universe vs. Masters of the Universe"-Doppelboxen beilagen, wenn die DC-Figuren nicht interessieren, können mit eingesetztem Custom-Inlay einen absoluter Augenschmaus erzielen.

FAZIT:

Im gesamten kann die Blisterbox als äußerst nützlich betrachtet werden. Doch Lob allein heimst kaum ein Warengut ein. An dem Produkt selbst gibt es nicht wirklich etwas zu bemängeln, aber an ihrem Preis: 7.99€ (Stand: März 2014) für ein Exemplar, bedeutet eine nicht unerhebliche Brieftaschenbelastung des durchschnittlich verdienenden Fans. Möchte man zehn seiner geliebten Masters-Figuren schützend in Blisterboxen einlegen, muss man mit 79,90€ tief in die Tasche greifen (zusätzliche Versandkosten nicht zu vergessen).
Dass Hobbys noch nie als besonders günstiges Beschäftigungsfeld galten, ist sicherlich keine Entschuldigung. Und dass ein Prokutionsunternehmen sehen muss, wo es bleibt, empfindet nicht jeder Käufer als Trostpflaster. Doch Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis eines Produkts. Steigen keine Bestellungen, wird der Preis nicht fallen. Erregen Verkäufe kein Aufsehen, entstehen keine günstigeren Alternativen, unlizensierter Dritthersteller.

Überzeugende 5 Sterne


He-Man and the Masters of the Universe Vol. 1
He-Man and the Masters of the Universe Vol. 1
von Geoff Johns
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,90

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das neue Masters Universum - Fluch oder Segen?, 27. Februar 2014
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Handlung:

Mit "Origins of Eternia" wurde für dieses DC-Paperback ein verwirrender Titel gewählt, da die Neuinterpretation des Masters of the Universe-Stoffs durch wechselnde Autoren und verschiedene US-Verlage keine einheitliche Timeline erkennen lässt. Auch im vorliegenden, ca. 150 Seiten starken Band, kann die Handlung am ehesten, als ein Paralleluniversum verstanden werden.

Skeletor hat den Sieg über Eternia errungen und residiert im eingenommenen Schloß Grayskull. Zu seinem Leidwesen wurden seine einstigen Gegner nur ihrer Gedächtnisse beraubt, nicht aber vernichtet. Skeletors Handlanger sind damit beauftragt, die Helden von früher aufzuspüren. So wird der junge Bauernbursche Adam, der nachts von Träumen heimgesucht wird, in denen er ein großer Held auf Eternia ist, von Beastman aufgesucht und in einen Kampf verwickelt. Noch vollkommen verwundert über sein ungeahntes Kampfgeschick, überwältigt ihn im Laufe der Handlung schließlich doch ein Mann, der sich "Kronis" nennt. Im seinem Kerker gefangen, bringt Adam eine junge Frau namens Teela Wasser. Sie erkennen eine geheime Verbindung zwischen sich und flüchten. Unter Einfuss von dem Falken Zoar, stellen Adam und Teela sich ihrem Schicksal.

Zeichnung:

Alle Zeichner der sechs einzelnen, in diesem Band vereinten Comics verleihen dem Charakterdesign einen eigenen individuellenn Touch. Keiner von ihnen weist den extremen Detailreichtum der aktuellen Einzelhefte von DC (2013, 2014 – fortlaufend) auf – was aber überhaupt nicht nötig ist, da Zeichenstil zum einen Geschmackssache ist und zum anderen, die enthaltenen Zeichnungen sehr gut die Verzweiflung und Orientierungslosigkeit der Helden untermalt.

Kontroverse:

Die Auseinandersetzung mit dem Thema He-man und den Masters of the Universe (und She-ra - Princess of Power) ist unweigerlich auch eine Auseinandersetzung mit der eigenen Jugend und dem Verständnis von "Erwachsen sein".
Löste Anfang der 80er Jahre das Masters Universum einen Hype aus, der bis heute seinesgleichen sucht, und in unseren Gefilden, auch aus nicht Japan stammenden Produktionen erreicht werden konnte, war Masters damals wie heute für den Fan gleichsam Fluch und Segen.
Filmation, unter der Leitung des legendären Produzenten Lou Scheimer, sah sich in der Verantwortung, den jungen Zuschauern der Zeichentrickserie, Werte wie Respekt, Toleranz und gewaltfreies Zusammensein zu vermitteln. Dass auf Kosten der Political Correctness leider auch die kreative Entwicklung gehemmt wurde, bei einem Franchise, das geradezu phänomenal unausschöpfliches Potenzial bot, kann als tragischste Entscheidung erachtet werden.
Comicheft-Serien, die von verschiedenen Verlagen (In Deutschland: Ehapa, Condor, Interpart) am Kiosk käuflich zu erwerben waren, zielten hauptsächlich auf das Bewerben der jeweilig aktuellen Action-Figur-Welle ab. Ihre Autoren sahen sich nicht in der Verantwortung, die Geschichte wirklich voran zu treiben.
Die entstandene kreative Lücke konnten dann leider, in all ihrer Vielfalt, auch die Mini-Comics von Mattel nicht schließen, welche der Ur-Toyline beilagen. Aus zuvielen Variationen und Sichtpunkten des Masters Universums und verschiedenen Ambitionen der Schreiber, entstand in der Menge ein Sammelsurium an fantasievollen Ansätzen – die allesamt im nächsten Minicomic verworfen wurden. So ist He-man anfangs einem Barbarenstamm entsprungen – ein Individuum, nicht etwa das Alterego eines gewissen Prinz Adam zu sein (Da letzterer zum Zeitpunkt des Minicomics nicht erfunden war). Mal ist Teela ein Klon der Sorceress. Mal ist Teela die Tochter der Sorceress. Mal ist die Identität der Mutter bekannt, dann wieder ein Geheimnis. Die spannendste, unvollendete Geschichte, dürfte jedoch "Die Suche nach Keldor" sein.
Etliche Fragen blieben unbeantwortet und der echte Fan mag sich genauso oft ein eigenes Szenario ausgemalt haben, nach dem Motto: "Wenn man mir doch bloß die Chance gäbe!"

Mit dem neuen Millenium begann eine neue Masters of the Universe Ära. Anfängliche Schwierigkeiten durch wenig neugewonnene Fans, und alte Fans, die das neue Design kritisierten, trugen dazu bei, dass ein neuer Hype um He-man nicht wieder stattfand.
Dass der Reboot auch neue Comichefte, zu Beginn unter dem US Image-Verlag, beinhaltete, bot zumindest den amerikanischen Storytellern die Möglichkeit, sich mit der Entwicklung und Bedeutung von Masters of the Universe in einem neuen Jahrtausend auseinander zu setzen.
"HE-MAN IST JETZT FÜR EIN ERWACHSENES PUBLIKUM!" war die Devise.
Aber was ist daran erwachsen? Gewalt?
Recherschiert man, wieviele beteiligte Künstler von sich behaupten, Masters of the Universe Fans zu sein, fragt man sich, ob diese Statements vielleicht doch nur die Verkaufszahlen ankurbeln sollen. Denn wieder wird das Potenzial des schon erdachten He-man-Universums vollkommen außer Acht gelassen. Wo nur noch Verknüpfungen des des Offensichtlichen gefehlt hätte und neue, unverbrauchte Elemente das besondere Etwas bedeutet hätten, entschied man sich vielmehr für ein actionreiches, gewalttätiges Szenario mit bestenfalls zarten Anflügen, alte Mysterien aufzuarbeiten. Die wenigen neugewonnenen Fans werden möglicherweise zufrieden sein. Alte Hasen empfinden das Konzept schon eher als unvollkommen. Wirklich neu, im Vergleich zu früher, scheint nur die Gewalt.
Das Problem jedoch an der dargestellten Gewalt ist nicht die Gewalt an sich, sondern, weshalb es durchgängig in allen Comicausgaben der 200xer Reihe bis heute, als legitimes Stilmittel verstanden wird. Gleichzeitig bleiben die Antworten auf der Srecke, zu den meisten Fragen, die vor drei Jahrzehnten unbeantwortet waren. Denn zu beantworten, dass Keldor tatsächlich Randors Bruder ist und King Hiss der rechtmäßige König Eternias, ahnten wir schon damals.
Die kritische Auseinandersetzung der Verweigerung Randors zu weichen, in Anbetracht der Tatsachte, dass der Jahrhunderte alte, ehemalige Herrscher Eternias King Hiss noch am Leben und durch Geburtsrecht legitimer Anwärter auf den Thron ist, wird nirgends behandelt.
Auch die emotionale Auseinandersetzung mit dem verschwinden Keldors und seiner Rückkehr in Form von Skeletor, der nun Bruder, Schwägerin, Neffen (und seiner Nichte Adora!!) nach dem Leben trachtet, übersteigt dann doch den Horizont der Comics und hinterlässt den Leser dann und wann unbefriedigt zurück.
Hätte man He-man und seine Mitstreiter in ein erwachsenes Szenario setzen wollen, dann hätte man an den Punkten angesetzt, die einst vorhanden waren, aber nicht genügend aufgearbeitet und gepflegt. Dazu zählen Dinge wie:
Emotion (Die vielen Geheimnisse um Doppelidentität und Verwandtschaft),
soziokulturelle Zusammenhänge (Monarchie und Wirtschaft),
Religion (Bedeutung der Magie in einem Industrie-Land, Kirche Greyskull?, Priesterin Sorceress?) – das hätte, spannend in die Action eingewoben und im ansprechenden Format verpackt, das Potenzial, He-man wieder die Popularität zu verschaffen, die er verdient hat.
Im Grunde ist nicht besonders viel Erwachsenes an dem neuen Stoff. Viele junge Comicfans sind sowieso oft von Action und Gewalt in Maßen fasziniert. Den Anspruch haben zu wollen, einen echten Anreiz für erwachsene Leser zu bieten, ist leider eine Mogelpackung der Hersteller. (Aber das sind alles allgemeine Fragen, die nicht die Beurteilung des Einzelnen beeinflussen sollen.)

Fazit:

Gefallen finden hier eher Nostalgiker, Actionfans, Liebhaber bunter Charaktere und ausgehungerte He-man Fans, die auf der Suche nach Neuinterpretation von Masters of the Universe sind.
Nicht unerwähnt soll bleiben, dass das erste Band beim Lesen sehr viel Spaß macht, wenn man sich mit dem modernen Stil anfreunden kann und der Tatsache, dass besispielsweise ein kleiner Zauberer namens Orko keine Bedeutung mehr spielt, wie so viele andere Dinge die den Charme, naiverer MotU-Umsetzungen Mitte der 80er bis Mitte der 90er Jahre ausmachten.

"He-man and the Masters of the Universe Vol.1" verdient definitiv Anerkennung, ungeachtet mentaler Vorbelastung durch ungeklärte Fragen und ungenutzten Potenzials der letzten 30 Jahre.
Mit dem unschlagbar günstigen Preis von ca. 11€ für ein 150 Seiten starkes, voll coloriertes Paperback, wird die Legende um He-man hoffentlich noch viele Jahre am Leben erhalten und sich irgendwann entwickeln und voll entfalten können. Aber um das möglich zu machen, müssen dann auch die Masters-Produkte gekauft werden, die zurzeit erhältlich sind.

5 Sterne (Für den Comic an sich)


Der Traum des Stiers
Der Traum des Stiers
Preis: EUR 4,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Und dort, wohin du schaust, wird ein Dämon stehn, 27. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Der Traum des Stiers (Kindle Edition)
Um die Neugier derjenigen zu stillen, die sich die Fingernägel der freien Hand bereits zu Beginn der Rezension abkauen, während sie den Zeigefinger der anderen Hand nervös über die Download-Funtion ihres Kindle-Gerätes kreisen lassen: Ja, das Buch ist mehr als empfehlenswert. Download ist gestattet, Geld ist gut investiert.

Robert Odeis Bahn brechender Debut-Roman "Der Traum des Siers" braucht keinen Anlauf, um den Leser vom Talent des Autors zu überzeugen. Ein geübter Leser erkennt nach wenigen Seiten die Ambitionen Odeis: Fein ausgearbeitete Charaktere, gründlich recherschierte soziokulturelle Hintergrundinformationen von England und die fantasievolle Umschreibung von Wunderwelten ergießen sich dem Leser über sein Haupt, um selbigen in farbenprächtige Landschaften zu entführen, wie es das Wescott Manor mit den auserwählten Protagonisten des Romans tut.
Marcel Reich Ranicki pflegte zu sagen, kaum ein Buch hätte es nötig, über 300 Seiten zu beanspruchen. Nun ist es sicherlich ein gewagtes Unterfangen, die Worte des wertgeschätzten Literaturkritikers in einer Rezension über ein Buch, das vermeintlich dem Horror Genre zuzuordnen ist, zu verwenden. Widmete sich Reich Ranicki doch vornehmlich der ernsthaften Literatur, deren Grenzen die belesenen Menschen zu verstehen glauben. Und gerne betiteln diese, Bücher mit phantastischem Inhalt als Schundliteratur. Doch gleichsam verweigern sie sich dieser Gattung und können somit kein gerechtes Urteil über individuelle Publikationen abgeben. Anderseits müssen Autoren bestimmte Kriterien erfüllen, um Ansehen unter Literaturkritikern zu ernten. So kann heute beispielsweise Banana Yoshimoto unbekümmert filigrane Elemente des Übernatürlichen in ihre Werke einfließen lassen. Konsalik konnte offen einen Ausflug in die Science Fiction vornehmen. Aber Haruki Murakami muss dann und wann noch einmal Kritik einstecken, bevor ihm vergeben wird.
Zu beurteilen, ob Robert Odei trotz intensiver Horror Elemente in seinem "Der Traum des Stiers", zu den genannten Autoren gezählt werden sollte, ist sicherlich an dieser Stelle fehl am Platz. Korrekt positioniert ist jedoch eine Stellungnahme über die Länge von Odeis Roman. "Der Traum des Stiers" ist definitiv mit keiner einzigen überflüssigen Buchseite gestraft, die vermuten lassen könnte, die Verwendung von Lückenfüllern solle den Preis des Buches rechtfertigen, oder über mangelndes Talent Odeis hinwegtäuschen. Tatsächlich sind ein Dutzend kürzerer Kapitel zwischen die langen Kapitel gestreut, um einen wichtigen Handlungsstrang adäquat weiter zu spinnen, ohne unnötig ins Belanglose auszuschweifen. In den Kapiteln, die sich über 20 Seiten und mehr ausstrecken, kann ebenso wenig unnötige Schilderung von Geschehnissen ausfindig gemacht werden.
Nun mag das ganze Lobpreisen ohne eine Inhaltsangabe etwas befremdlich wirken. Andere Rezensenten empfinden es sogar als schwierig, die Handlung zusammen zu fassen, ohne zuviel der Mystik des Buches zu nehmen. An dieser Stelle darf Spoiler frei weitergelesen werden:
Cassandra Moon, Hauptprotagonistin des Romans, lebt in ihrer verschlossenen Welt aus ünterdrückten Neigungen und offensiver Selbstverteidigung. Letzteres umschließt nicht nur verbale und nonverbale Konflikte mit ihren Mitschülern, sondern auch ihre Akzeptanz über die eignene Fremdartigkeit, die sich immer wieder an ihr äußert. Mag das im ersten Moment paradox klingen, so stellt sich dies im Verlauf der Geschichte als eine tragende Säule des Romans heraus. Es ist ein immer wiederkehrendes Motiv, das nicht nur an Cassandra Moon zu beobachten ist, sondern bald auch die gesamte Existenz des menschlichen Lebens beschreibt: Verweigerung gegenüber der Hässlichkeit des alltäglichen Lebens und Akzeptanz der Schönheit jedes Individuums als Bestandteil der als naturwissenschaftlich messbaren Welt sind gleichgestellte Pole der selben Kraft, die der Transzendenz in eine unbekannte, anders erlebte Welt entgegen wirken. Und der Begriff "Entgegenwirken", ist so korrekt gewählt, wie er falsch ist, denn dieses Universum und die unbekannte Zahl anderer Universen harmonieren in Chaos. So beschreibt es Robert Odei zumindest. Sein Urknall beginnt für den Leser in zwischenmenschlichen Konflikten, die erst einmal für die Charaktere unüberwindbar scheinen, dann unmöglich, und schließlich unbedeutend, bis zur Erkenntnis, dass das eben noch als unbedeutend rrachte System, eigentlich die Regel der gesamten Existenz beschreibt. Aber dieses ganze metaphysische Prinzip erläutert Robert Odei nicht langweilend verstrickt, nicht undurchschaubar komplex, nicht quantenphysikalisch überladent, sondern im paradoxen Verhalten eines jeden Menschen (Zu beginn jedenfalls). Ein Beispiel: Cassandra Moon kreiert ihre eigene Welt in jedem Augenblick neu, indem sie sich für unsichtbar, unbedeutend und in gewissem Maße unbeachtet fühlt und somit ihre Aufmerksamkeit nur bedingt auf die interessierten Menschen in ihrer Umgebung richtet, die sich dadurch gekränkt fühlen und sie für merkwürdig erachten. Das ist nur eines von vielen Beispielen, im Kleinen, bevor der Übertritt in ein größer wahrgenommenes System stattfindet und dann der Teil beginnt, in dem die Surrealität rational erscheint, weil immer wieder neue, komplexere Strukturen der Existenz sichtbar werden. Dabei sollte der Leser das aufmerksame Lesen verfolgen, denn zu gerne entgeht ein entscheidender Hinweis zum Verständnis des Ganzen, wenn beispielsweise die nicht chronologisch geschilderten Zeitebenen missachtet werden. Ein verschollener Klassenkamerad von Cassandra sitz plötzlich am Brunnen und man wartet vergebens auf die Auflösung der übernatürlichen Geschehnisse, wenn man nicht zu Beginn des Kapitels erfasst, dass dies drei Tage vor seinem Verschwinden spielt.
Je weiter man sich ins Buch hinein liest, desto intensiver erfolgt der Einschlag ins unbekannte Reich der höheren Mächte, bis hin zu Begegnungen mit Dämonen, die keine Dämonen sind, sondern umskulpturierte Menschen, um dann Götter zu treffen, die sich getrost zu dieser Gattung zählen dürfen, aber nicht mit "Gott" gleichzusetzen sind.
Das alles schreibt Robert Odei mit besonderem Feingefühl für die Wirkweise menschlicher Empfindungen, starken, oder verborgenden Emotionen. Das Sezieren der Psyche ist unterdessen eine besondere Stärke Odeis, der sich andere, auch weltbekannte und erfolgreiche Horror-Autoren verschließen. Und genau aus diesem Grund ist "Der Traum des Stiers" ein Über-Horror-Roman und gleichzeitig vielleicht nur ein modernes, selten ausschweifend metaphorisch geschriebenes Drama.
Hat man mit Cassandra Moon in einem Katipel alle, als Monster wahrgenommene Angreifer überstanden und sich den Strömen in philosophischer Flüssen ergeben, dann lernt man ganz plötzlich im nächstem Kapitel, unter Umständen in einer Rückblende, die grausame Natur des gewöhnlichen Nachbars, Familienangehörigen oder Klassenkameraden kennen. Und dann beginnt man sich zu fragen, in welcher Welt man weiterleben möchte. Denn in jeder der unendlichen Anzahl an Welten, ist es einem verwirrten Geist erlaubt, in seiner persönlichen, auf ihn zugeschnittenen Phobie aufgehen.

Weiter lesen: Robert Odeis "Gottes Zirkus"

5 Sterne


Marrow of Sound
Marrow of Sound
Preis: EUR 17,40

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unglaublich!, 14. November 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Marrow of Sound (Audio CD)
The Bad Lights "Marror of Sound" ist dieses besondere Juwel, das man hoffnungsvoll erseht, wenn man auf Musiksuche, abseits des Mainstreams ist. Und wie selten findet man bei der Suche etwas, an dem man Gefallen findet und man den Anspruch für sich im Geiste erheben kann, der Entdecker zu sein? Die Vorfreude darüber, seinen Freunden in die Wohnung einzufallen und von dem Goldschatz zu erzählen, bevor der Beweis im Plattenspieler landet. Selten genug, dass unverbrauchte Ideen im künstlerischen Schaffen zu erkennen sind, doch genau die bieten Eduardo Cerro(Gitarre und Gesang) und Nathan Gonzales (Schlagzeug) mit ihren 6 Songs auf auf ihrer 2012er Scheibe Marrow of Sound.

Die Songs fühlen tiefschwarz an, von Teer artiger Konsistenz, und grooven doch, wie es Black Sabbath in aller Dunkelheit zu grooven vermochten. Die Gedanken die einem bei ihrem Klang kommen, reichen von Psychodelic, über Blues, zu Desert Rock und Doom, ohne irgendwelche Vorbilder erkennen zu lassen.

The Bad Light definieren ihre Musik selbst. Alle sechs Songs auf der ca. 35 min langen CD sind melodisch und eingängig, von herrlich rauchigem Gesank begleitet. Sie laden förmlich zum Wiederhören ein, bevor die CD zuende geht. Inzwischen ist ihr zweites Album "Onward Downward" erschienen.

5 Sterne
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 25, 2014 9:07 AM CET


Resident Evil-Operation Raccoon City (Ost)
Resident Evil-Operation Raccoon City (Ost)
Preis: EUR 19,97

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mit Shusaku Uchiyama die richtige Wahl getroffen!, 14. November 2013
Welch spärliche Informationen die Amazon Produktbeschreibung hier über den Resident Evil - Operation Raccoon City Original Soundtrack gewährt. Neben der "Reinhören"-Option, kann sich der potenzielle Kunde noch die Titelzahl der 2 CDs zusammenrechnen: Insgesamt 75 Tracks sind erhalten.
Daß das Resident Evil Franchise nicht mit jedem auf den Markt geworfenen Produkt Aufmerksamkeit erregen kann und zu einem Verkaufshit wird, ist verständlich. Gerade "Scores", also banal gesagt Hintergrundmusik von Filmen und Videospielen finden bestenfalls ihren Einzug ins Wohnzimmer von Sammlern und vielleicht noch einem Ambient-, oder Klassikbegeisterten Musikfreund.
Und besonders im Falle des "ungeliebten Stiefkindes" des Resident Evil Universums Raccoon City, wird sich das Interesse allgemein in Grenzen halten, musste doch das Videospiel selbst einige Kritik einstecken.

Capcom traf mit der Wahl von Shusaku Uchiyama für die Vertonung die richtige Entscheidung. Bewies er doch in der Vergangenheit sein Talent für atmosphärische Musikuntermalung bei Resident Evil 2, 4 und dem Lightgun Ableger "Darkside Chronicles" für Nintendos Wii-Konsole. Aber auch für Mega Man und Devil May Cry Ableger, war er unter etlichen anderen Produktionen verantwortlich.

Die gruselige Atmosphäre älterer Teile der Resident Evil Saga lebte von verschiedenen Komponenten, wie Tempowechsel zwischen Erforschen und plötzlichem Kampfeinsatz, gezielten Schockeffekten und erzählerischer Finesse. Besonders im wegweisenden 4. Teil, in dem sich Leon Kennedy einem Sektenkult stellen musste, oder Resident Evil Revelations, in dem Chris Redfield und Jill Valentine sich ihren Horror Adventure Ursprüngen grandios näherten, war die Soundkulisse schön, aber nur ein Bestandteil des Ganzen. Aber der (auch offline spielbare) Online-Shooter "Racoon City" benötigte vor allem den treffenden Sound, um etwas mysthische Spannung, in einem, auf pure Kampfhandlung konziperten Teamshooter zu erzeugen. Und Shusaku Uchiyama tat seinen Job korrekt.

Ein letzter Gedanke zu der Welt von Raccoon City, auf den ich vielleicht in einer Rezension des Spieles näher eingehen werde: Betrachtet man die ursprüngliche Vorstellung der Stadt "Raccoon City" an den Konzept-Zeichnungen und deren Umsetzung in "Resident Evil 3 - Nemesis" von 1999, erkennt man deutlich europäische Einflüsse in der architektonischen Bauweise. Hätte diese Idee auch 2012 in Operation Raccoon City Verwendung gefunden, wäre die adäquate Musikuntermalung des Scores vermutlich noch weitaus interessanter für Menschen, die nicht nur ihre Sammlung vervollständigen wollen, sondern auch für diejenigen, die mit Resident Evil nichts am Hut haben, sondern nach unbekannten Juwelen, exotischer Musik ausschau halten. Aber das ist nur träumerei.

5 Sterne, auch in der Version wie sie ist!


Satyricon (Special Edition im Digipack inkl. 3 Bonustracks)
Satyricon (Special Edition im Digipack inkl. 3 Bonustracks)
Preis: EUR 17,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen New Wave of true Black Metal, 15. September 2013
Wer hat schon erwartet, dass Satyr und Frost, als Stil-Ikonen des Black Metals, den musikalischem Stillstand, dem kreativen Fortschritt vorziehen würden? Vermutlich nur wenige Fans. Doch unter dem Deckmantel des "Fortschritts", versteckt sich bei so manch anderer Band oft die Altersmüdigkeit, oder entflohene Muse. Glücklicherweise bedienen sich die beiden Herren auch 2013 keiner falsch verwendeten Synonyme und legen ihr selbstbetiteltes neues Album vor.
Die Abkehr vom minimalistischen, schlecht produzierten Ur-Black Metal-Stil, der für viele Fans als "True" gilt, vollzogen Satyricon bereits zu Anfang ihrer Karriere, denn Frontmann und Bandchef Sigur Wongraven, alias "Satyr", scherte sich auch in jungen Jahren recht wenig, den primitiven Weg zu folgen, indem er 1993 auf dem Debut-Album "Dark Medieval Times" eher Szeneuntypische Instrumente verwendete. Bereits auf dem zweiten Album, welches ein Jahr später unter dem Titel "The Shadowthrone" veröffentlicht wurde, war vergleichsweise mit anderen Szene-Bands geradezu glasklar produziert. Mit dem araischen, perfekt gespielten Album "Nemesis Divina" übertrafen die Musiker schließlich so einige Erwartungen, gewannen neue Fans und festigten ihr Bedeutung im extremem Musikbereich, bevor das Folgealbum "Rebel Extravaganza", ganz dem Titel entsprechend, polarisert und Meinungen teilt, wie kaum eine andere Scheibe in diesem Genre. Die einen finden es zu elektronisch und verstehen nicht, wie Satyricon den Black Metal mit diesem Stil auf eine neue, höhere Ebene bringen wollen, während andere die brutale Gewalt, in neuen Soundgewändern feiern.

Setzt man sich also mit dem musikalischen Werdegangs von Satyricon von 1993-1999 ernsthaft auseinander, versteht man Satyricon als Band mit visionären Musikern, die zu keinem Zeitpunkt den Eindruck entstehen lassen wollten, sie gäben sich mit einem fest definierten Stil zufrieden, der auf jedem neuen Album seine Kredibilität mit Wiederholungen verteidigt. Ebenso wenig lässt es sich bestreiten, dass Satyricon mit dem 2002er-Album "Volcano" einen Weg eingeschlugen, der ihrem neu definierten Black Metal Sound mit Rock- und Doomeinflüssen, ein Fundament legte, auf dem sie in den Folgejahren Stand hielten.
Mit "Now, Diabolical" wurde die Geschwindigkeit erneut gedrosselt, bevor "Age of Nero" entgültig Satyricons neu geborenen Stil perfektionierte.

Dass die peinlichste, deutsche Metalzeitschrift Deutschlands, namens "Metal Hammer" zu Satyricons neusten Outputs eine kritische Meinung vertitt, war so klar, wie dass der alte Waltschrat "Gunnar Sauermann" sich seine Pommes mit einem umgedrehten Kruzifix aufspießt, um "Real" zu wirken. Mit der Bomberjacke auf den Buckel gebunden und Fliegenfänger vom Gesicht hängend, fühlt sich heute scheinbar jeder Dorfrocker dazu fähig, qualifizierte Urteile abzugeben. Gunnar jedenfalls äußerte, aus Satyricon sei eine "Pseudo-Black-Pop-Band" geworden.

Satyricon sind entgegen allen neuen Einflüssen das, was sie seit Anbeginn ihrer Karriere waren: Furchtlose Visionäre und über die Konkurenz erhabene Künstler. Wie auch "Burzum", erfinden sie sich mit jedem Release neu und zeigen keine Schwächen, wie beispielsweise Darkthrone, die erst einmal einige misslungene Realeases brauchten, um mit "The Underground Resistenz", wieder den richtigen Weg einzuschlagen.

"Satyricon" im Digipak schafft es inklusive der 3 Bonus Remixe auf 67 Minuten düstere Unterhaltung. Bereits der Opener "Voice of Shadows" erzeugt dem Hörer ein Gefühl der Erhabenheit, wie es Satyricon ständig und andere Bands im Glücksfall tun. Die Brust bläht sich automatisch vor Stolz auf und in Folge von "Tro og Kraft", möchte man auf die Straße marschieren und in die Menge schreien: KAUFT EUCH DAS NEUE ALBUM VON SATYRICON! Und wenn irgendeiner es wagt zu antworten: "Hää? Die sind doch nicht real...", dann wollte man ihn zusammenrollen wie eine Tapetenrolle und ihn durch die Wolkendecke, an den Vögeln vorbei und direkt in die Sonne hineinwerfen!

"Our World, it rumbles tonight" erzeugt mit den gewohnt, genial verwobenen Doomparts eine Gänsehaut, die nicht vergehen möchte - besonders wenn man seine Aufmerksamkeit auf Frosts Drumspiel richtet, das wie ein Hubschrauber im Landeanflug klingt.

"Nokturnal Flare" gewinnt an Geschwindigkeit und als einziger, meiner Meinung nach, als nicht gerade Black Metal-artiger Song, der etwas von deutschen 90er Darkwave/Gothic Flair vermittelt, überrascht "Phonix". Gesungen wird er von Sivert Høyem, seines Zeichens Frontmann der norwegischen Independent Band "Madrugada".

Aber Buchstaben erzeugen an dieser Stelle keine Klänge. Jeden einzelnen Song mit Worten zu beschreiben, macht keinen Sinn. Wer sich von Satyricons Qualitäten überzeugen will, wird Probehören müssen.

5 Sterne
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 7, 2013 2:18 PM MEST


Gottes Zirkus: Neun Kurzgeschichten
Gottes Zirkus: Neun Kurzgeschichten
Preis: EUR 0,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Lichtblick erstrahlt am Kindle-Himmel!, 20. August 2013
Man möchte meinen, das Kindle-Gerät müsste eigentlich das Mephistopheles-Gerät heißen. Doch verhält sich das elektronische Buchspeichergerät konträr zum, von Goethe geschaffenen Charakter, als Geist, der Gutes will und Böses tut. Denn die Idee, ein Gerät zu konstruieren und in Massenproduktion zu geben, das der Literatur wieder mehr Bedeutung in unserer Spaßgesellschaft einräumt, leidet an den Plattformen, die es quasi jedem X-beliebigen Hobbyautor ermöglichen, ihre Manuskripte, zum Verkauf anzubieten und somit auf das Kindle-Gerät zu speichern. Ja, übertrieben gesagt, hat es mehr Leid, als Freude, in unsere Welt gebracht... Die wenigen begabten Autoren, die die neugewonnene Chance nutzen, digital zu publizieren, werden von einer Masse an sich selbstüberschätzenden Hobbyautoren begraben - Elektronische Bücher, als Spielwiese der aufstrebenden Talentlosen.
Umso wichtiger ist es, die kleinen Juwelen der Veröffentlichung auszugraben und auf ihre Autoren aufmerksam zu machen.
Gottes Zirkus und andere Geschichten ist ein unscheinbarer Titel, der zu leicht zu übersehen ist, oder vielleicht erst gar keine große Aufmerksamkeit auf sich ziehen will. Fast möchte man meinen, hinter der Namenswahl stecke Kalkül, um wirklich nur die wenigen Leser anzuziehen, die es wert sind, in den Besitz dieses Kurzgeschichtenbandes zu kommen - und in den Genuss, es zu lesen.

GENRE:

Wollte man Gottes Zirkus in eine Schublade stecken, so müsste man diese erst mit einem Vorschlaghammer zu Kleinholz verarbeiten und das geschriebene Werk dann darunter vergraben.
Die enthaltenen Geschichten sind zu tiefgründig und vielschichtig, um sie treffend mit einem Wort, wie Horror zu beschreiben. Aber genau das tut der Autor im Vorwort selbst, wenn auch ein Hauch von Humor in dieser Aussage zu spüren ist. Das kann daran liegen, dass den durchschnittlichen, deutschsprachigen Leser der kleinste Anflug von übernatürlichen Elementen, laut HORROR! aufschreien lässt. Eine andere Erklärung wäre, dass in den vereinigten Staaten, allein diese Bezeichnung die Verkaufszahlen eines Buches (und anderer Medien) ankurbelt. So wird beispielsweise der amerikanische Schriftsteller Dan Simmons, der sich allen möglichen Genres widmet, seit drei Jahrzehnten, als Horrorautor betitelt.
Dass Robert Odei vereinzelt Horror-Elemente verwendet, ist nicht zu bestreiten. Besonders die erste Geschichte erzeugt ein wohlig gruseliges Gefühl, von dem man sich auch nach dem durchlesen eine Weile nicht mehr trennen kann. Deshalb ist es auch ratsam, sich Zeit für jede einzelne Geschichte zu nehmen und sie nicht an einem Abend, bei laufendem Fernseher und Technoparty im Kinderzimmer durchzulesen. Die Faszination liegt in der ganz eigenen Atmosphäre, die jede einzelne Geschichte erzeugt.

SCHREIBSTIL:

Robert Odei schreibt sehr flüssig, mit geradezu als gradlinig zu bezeichnenden Sprachduktus. Er verfügt zudem über die Fähigkeit, scheinbar unvereinbare Stilmittel legitim zu fusionieren. In seiner unromantischen Schilderung, von zwischenmenschlichem Zusammenleben, lässt Odei stets seine eigene Interpretation von der Leichtigkeit des Seins einfließen. Diese Leichtigkeit wägt den Leser für eine Sekunde in Sicherheit, bevor sich die Geschichte plötzlich wie ein brodelnder Pilz öffnet und giftige Sporen ausstößt, die ein depressives Milieu hinterlassen können.

DIE GESCHICHTEN:

Neun Kurzgeschichten schmücken Gottes Zirkus. Alle hätten es verdient, Erwähnung zu finden, aber das würde den Rahmen sprengen. Drei Stories sollen dennoch näher betrachtet werden:
Boheme" ist ein wunderbar gewählter Auftakt.
Andrew, der frauenverschleißende und doch etwas antrieblos wirkende Hauptcharakter, wendet sich eigentlich wegen einer Infektion im Genitalbereich an seinen Hausarzt. Dieser stellt jedoch eine Anomalie in Andrews Knochenbau fest und überweist ihn an die Radiologie. Dort angekommen, löst der radiologische Befund einen Sicherheitsmechanismus aus und Andrew verlässt wie fremdgesteuert, schlagartig das Gebäude. Er begegnet July, einer jungen Frau, die sich sich ihm willenlos anschließt. Unfähig, sich gegen die unbekannte Macht zu wehren, suchen sie außerhalb der Stadt einen Eingang zu einer unbekannten Welt auf. Ein riesiger Saal, in dem jeder Protagonist, mit Sicherheit seine Bestimmung findet...

-Boheme" ist eine großartige Geschichte, die am ehesten in die Kategorie Horror fällt. Aber selbst sie verschließt sich vor der Idee des klassischen Kampfes von Gut und Böse. Wie viele andere Geschichten, lässt sie eine gesellschaftskritische Interpretation zu. Das Ambiente ist indessen kalt wie Vincenzo Natalis Cube", pessimistisch wie Hiroya Okus Gantz" und verstörend wie ein tiefer Alptraum. BohemeŽs Surrealismus thront über allem.

-Der Gärtner in uns" ist die zweite Geschichte des Kurzgeschichtenbandes. Sie schildert den Kampf des Menschen gegen den Absurdismus und die Ablehnung der Sisyphos-Rolle. Odei braucht keine übernatürlichen Elemente, um die Situation auf den Punkt zu bringen - die Realität verrückt genug.
Das wirklich grandiose, an der Geschichte, das Odei als wahren Meister seines Fachs offenbart, ist sein Hauptcharakter als Pendant zu Sisyphos... Ein Sozialarbeiter! Ein Streetworker mit einer Thermoskanne bewaffnet, der absurde Entscheidungen automatisiert hat, um die Absurdität zu bekämpfen. Wie Erfolg versprechend kann diese Methode sein?

-"Ed" ist die sechste Geschichte und nach ihrem grotesken Hauptcharakter benannt. Ed in Worte zu fassen, fällt schwer. Er ist ein schräger Typ, dessen einziger Besitz ein Anzug und ein Müllwagen ist - doch Ed arbeitet nicht. Er besitzt diesen Wagen einfach. So ist das eben, in Frankfurt am Main. Es geschehen unerklärliche Dinge - Ed wacht in einer Müllpresse auf und sieht den Tod schon vor Augen. Aber er muss doch pünktlich zu seinem Termin mit seinen Freunden erscheinen, die ihn mit hoher Wahrscheinlichkeit vergiftet haben... Also muss er einen Fluchtweg finden.
Ein geniales Meisterwerk! Nach einer Seite, wünscht man sich, diese Geschichte würde ewig weitergehen. Nichts von dem, was man liest, möchte man dem Autor abkaufen. Und doch ahnt man, dass sie vollkommen wahr ist.

Weiter sei erwähnt, dass auch eine gelungene Kurzgeschichte namens "Sinistra" im Stile Edgar Allen Poes enthalten ist.

ÜBER DEN AUTOR:

Viele Informationen über Autor Robert Odei gibt es indes nicht im Internet zu finden. Eine Autorenseite (Stand: August 2013) ist auf Amazon leider nicht zu finden. Trotzdem kann man logische Schlüsse ziehen. Betrachtet man seinen Namen, kann man davon ausgehen, dass es sich hier um ein Pseudonym handelt. Die baskische Mythologie beschreibt den Odei als einen Geist des Donners und der Sturmwolken. (In Euskara, der Eigenbezeichnung der baskischen Sprache, ist Hodei, mit "H", die Bezeichnung für Wolke.)
Ein Hinweis auf die eigentliche Herkunft des Autors? Der Original-Text dürfte jedenfalls in deutscher Sprache verfasst worden sein, denn hier handelt es sich um eine Selbstveröffentlichung Odeis, ohne einen Verlag im Hintergrund, was eine Übersetzung aus einer anderen Sprache ins Deutsche ausschließt.

WEITERE WERKE:

Von Robert Odei ist ein ca. 500 Seiten starker Roman namens "Der Traum des Stiers" zum Download erhältlich, den dann auch ein professionelles Titelbild ziert.

FAZIT:

Nicht zu fassen, dass Robert Odei bisher nicht mehr Beachtung gefunden hat. Wer wirklich anspruchsvoll unterhalten werden möchte, sollte hier zuschlagen. Allein die Kurzgeschichte Ed" ist den Preis wert.

5 Sterne


Black Pudding
Black Pudding
Preis: EUR 13,99

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Große Talente, kleine Aufmerksamkeit..., 16. Juli 2013
Rezension bezieht sich auf: Black Pudding (Audio CD)
Mark Lanegan ist eine, in deutschland kaum beachtete Legende. Nahm er schon in den Anfangszeiten des Grunge Songs mit Mitgliedern von Nirvana und Alice in Chains auf, so war er auch der Bandleader von den Screaming Trees, denen trotz ihrer superben Alben, ein kommerzieller Erfolg nicht vergönnt war.
Er nahm Soloalben auf, wurde Teil von Queens of the Stone Age, veröffentlichte 3 düstere Folk-Alben mit Isobel Campbell, ließ sich von Queens of the Stone Age-Mitgliedern auf Alben und einer EP unterstützen, veröffentlichte erneut solo und legt nun kurze Zeit nach dem elektrisch angehauchten "Funeral Blues" eine Kolabo-Scheibe mit Multiinstrumentallist Duke Garwood nach, der 2005 mit "Holy Week" sein Debut gab.

"Black Pudding", zu deutsch "Blutwurst", nicht etwa "Schwarzer Pudding", kommt, anders als "Blues Funeral", ohne elektronisch erzeugte Soundgewänder aus und wird hauptsächlich von Lanegans Stimme getragen. Wie immer wird auch dieses Release von seinen Fans als eingängig und melodisch empfunden werden, während nicht Eingeweihte ihre Mühe haben könnten, bei den ersten Durchläufen dahinter zu kommen, wie dieser Mann seine Fans seit 30 Jahren, mit jeder neuen Platte, so fasziniert zurück lässt.

Es sind die nachdenklichen Texte, seine verrauchte Stimme und die gesamte Aura, die er erzeugt... Mit diesen Komponenten schafft es der Mann, ständig Gänsehaut-Feeling zu erzeugen, wenn man für erdigen Rock mit Blues-Einschlag empfänglich ist.

5 Sterne


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