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Rezensionen verfasst von
Baumfreund

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Cut
Cut
von Amanda Kyle Williams
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1.0 von 5 Sternen Uninspiriertes Stümperstück, 1. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Cut (Taschenbuch)
Eine junge Profilerin auf der Jagd nach einem sadistischen Serienkiller gerät zusehends selbst in das Visier des sadistischen Serienkillers: der sadistische Serienkiller schreibt der jungen Profilerin bedrohliche Mails. Nebenbei entwickeln sich zwischen der jungen Profilerin und dem leitenden Ermittler der örtlichen Polizei amouröse Gefühle. Dann verdichtet sich der Verdacht, dass der sadistische Serienkiller aus dem persönlichen Umfeld der jungen Profilerin kommt. Und schließlich gerät die junge Profilerin auch noch in die Fänge des sadistischen Serienkillers. So weit, so gähn.

Genauso uninspiriert wie der Serienkiller in diesem Slasher-Krimi ist das Schreiben der Autorin Amanda Kyle Williams (diesen Namen bitte gleich wieder vergessen!) Die Autorin hat weder Ahnung von Figurenentwicklung noch von Dramaturgie, und von Sprachkunst schon mal gar nicht. Was den renomierten Rowohlt-Verlag geritten hat, dieses Stümperstück zwischen zwei Pappdeckel zu packen und als Buch zu verkaufen, das will man gar nicht wissen. Normalerweise soll man keine Bücher wegwerfen – mit diesem kann man aber eine Ausnahme machen.


Beifang: Roman
Beifang: Roman
von Ulrich Ritzel
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Rückkehr des Hans Berndorf, 8. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Beifang: Roman (Taschenbuch)
Nach dem eher mittelmäßigen Kriminalroman “Forellenquintett” mit einer kruden Story um einen abgehackten Kopf in einem Kattowitzer Beichtstuhl und rachedürstigen Neonazis am Bodensee, erreicht Ulrich Ritzel 2009 mit seinem siebten Roman “Beifang” wieder seine alte Form. Vielleicht liegt es es daran, dass sein (Ex-)Kommissar Berndorf wieder ermittelt.

Am Landgericht in Ulm wird der Mord an einer Fremdenführerin verhandelt. Angeklagt ist der Ehemann der Toten, ein Bundeswehroffizier. Der Anwalt des Angeklagten hat den mittlerweile als Privatdetektiv in Berlin niedergelassenen Berndorf engagiert um in Ulm zu ermitteln. Doch als Berndorf am Ulmer Hauptbahnhof eintrifft, findet er den Anwalt tot auf den Gleisen liegend, von einem Zug überrollt und möglicherweise aufs Gleis gestoßen. Berndorf hat nun zusammen mit der jungen Anwaltskollegin des toten Strafverteidigers zwei Todesfälle zu klären. Gleichzeitig ermittelt auch Kommissar Kuttler, der ehemalige Mitarbeiter von Berndorf bei der Ulmer Kripo.

Die Ermittlungen führen in verschiedene Richtungen. Berndorf und die Anwältin finden heraus, dass die ermordete Frau die Fremden nicht nur zu kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten geführt hat, sondern auch zu sexuellen Befriedigungen – gegen eine entsprechende Honorierung natürlich. Bei Letzterem war die junge Frau unter anderem für ein großes baden-württembergisches Energieunternehmen tätig – auch noch am Vortag ihres Todes. Gemeinsam mit Kuttler entdeckt Berndorf, dass der Richter des Mordprozesses nicht nur eine gemeinsame Vergangenheit mit dem toten Strafverteidiger hat, sondern auch noch zu einer anderen Person des Falles in Beziehung stand. Dass sich dann sogar noch das baden-württembergische Innenministerium in den Fall einmischt, macht die Geschichte noch komplizierter.

Und schließlich geht es noch um einen jüdischen Hochzeitsring, der der ermordeten Offiziersgattin gehörte und der verschwunden ist. Anhand dieses Ringes wird in dem Kriminalroman ein Stück deutscher Geschichte des 20. Jahrhunderts erzählt.

Mit “Beifang” zeigt Ulrich Ritzel erneut, dass er ein großer Erzähler ist. Souverän behält er alle Handlungsfäden in der Hand und schreibt dabei in einer unprätentiösen, stilsicheren und angenehm temperierten Sprache. Dieser Roman ist zu Recht mit dem Deutschen Krimi-Preis 2010 ausgezeichnet worden.


Hannah Arendt - Ihr Denken veränderte die Welt
Hannah Arendt - Ihr Denken veränderte die Welt
DVD ~ Barbara Sukowa
Preis: EUR 13,98

21 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Politische Theorie im Kino, 6. Juni 2013
Hannah Arendt, eine der großen Politikdenkerinnen des 20. Jahrhunderts, ist die Heldin in Margarethe von Trottas neuestem Film. Und Margarethe von Trotta traut sich was. Einen Kinofilm zu drehen – nein, nicht über das Leben von Hannah Arendt – sondern über die politische Theorie von Hannah Arendt, das ist zumindest wirtschaftlich mehr als mutig.

Hannah Arendt, die vor den Nazis aus Deutschland in die USA Geflüchtete, berichtete 1961 für den New Yorker über den Eichmann-Prozess in Jerusalem und gelangte beim Betrachten und Hören der Einlassungen des Angeklagten Adolf Eichmann zu der Auffassung bei dem Cheforganisator der Transporte in die nationalsozialistischen Vernichtungslager habe es sich nicht um einen Dämon gehandelt, sondern um einen ganz normalen Menschen, der noch nicht einmal übermäßig antisemitisch gesinnt wäre, sondern einfach ein Bürokrat, der nach seinem eigenen Verständnis lediglich die Gesetze des Deutschen Reiches umgesetzt habe. Hannah Arendt prägte dabei den Begriff “Banalität des Bösen”.

Von Trottas Film zeigt Hannah Arendt (gespielt von Barbara Sukowa) in New York im Kreise ihrer Freunde, mit denen sie über ihre Gedanken über den Nationalsozialismus diskutiert. Besonders nahe stehen ihr dabei ihr Ehemann Heinrich Blücher (gespielt von Axel Milberg) und ihr wissenschaftlicher Partner Hans Jonas (gespielt von Ulrich Noethen). In Jerusalem trifft sie einen weiteren engen Freund, den zionistischen Politiker Kurt Blumenfeld (gespielt von Michael Degen). Hannah Arendt tauscht sich mit ihren Freunden aus, diskutiert, debattiert und streitet mit ihnen.

Auch die Kontroverse über die Rolle der Judenräte im Rahmen der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik wird in Hannah Arendts Freundeskreis ausgetragen; hier vertritt Hannah Arendt die These, die Judenräte hätten am Massenmord mitgewirkt. Und nicht nur diese These, sondern auch ihre Einschätzung des “Hanswurst” Eichmann erzürnt ihre Freunde und lässt diese sich von Hannah Arendt abwenden. Nur ihr Ehemann Heinrich Blücher (ein alter Kampfgefährte von Rosa Luxemburg, wie wir im Film erfahren) stärkt Hannah Arendt unverdrossen den Rücken.

Ein klein wenig aus der Spur gerät der Film in der rückblickartigen Schilderung der Liebesbeziehung der jungen Studentin Hannah Arendt zu ihrem Hochschullehrer Martin Heidegger. Hier wird für einen Moment ohne Grund die Konzentration auf Hannah Arendt und die Eichmann-Debatte aufgegeben. Ob die Affäre mit dem späteren Nazi Heidegger irgendeinen Einfluss auf Arendts Theorie der “Banalität des Bösen” hatte, das vermag der Film nicht zu erklären.

Ein Film, der einer Denkerin nicht nur beim Reden zuschaut, sondern in einzelnen Szenen sogar beim Denken selbst – kann das funktionieren? Die Antwort ist: ja, es funktioniert. “Hannah Arendt – Ihr Denken veränderte die Welt” ist ein äußerst spannender Film, ein Denkmal für Hannah Arendt, ein reifes Kunstwerk von Margarethe von Trotta und ein ein Film über Intellektualität, die furchtlos ist und sich nicht korrumpieren lässt.


Liebe
Liebe
DVD ~ Jean-Louis Trintignant
Preis: EUR 5,97

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Düsterer Ausblick, 6. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: Liebe (DVD)
Wenn man nach dem Sehen dieses Films das Kino verlässt, dann kann man erst mal nicht sprechen. Zu stark wirkt das nach, was man in den vergangenen zwei Stunden erlebt hat. Der Film heißt “Liebe”, aber er handelt vom Sterben.

Die, die stirbt, ist Anne (gespielt von Emmanuelle Riva), eine Pariser Professorin für Musik, jenseits des 80. Lebensjahres. Anne erleidet zwei Schlaganfälle und verfällt zusehends körperlich und später auch geistig. Der Mann, den sie liebt und der sie liebt, ist ihr Ehemann, der etwa gleichaltrige Georges (gespielt von Jean-Louis Trintignant), auch ein kulturell gebildeter Mensch.

Georges pflegt Anne – zuhause in der Altbauwohnung der beiden. Die Kamera beobachtet die beiden in ruhigen Bildern, ohne störende Musik aus dem Off und auch ohne abzublenden, wenn es für den Zuschauer zu anstregend zu werden droht. Eine Methode, mit der der Regisseur Michael Haneke auch schon in seinem kongenialen Werk “Funny Games” seine Zuschauer gequält hat.

Ja, der Film quält. Und wie! Haneke zeigt das Sterben ohne Sentimentalitäten und bietet auch keinen Trost – auch die Liebe zwischen Georges und Anna kann diesen Trost letztlich nicht bieten. Der Film liefert uns einen düsteren Ausblick auf unsere eigene Zukunft und viele werden genau aus diesem Grund den Film nicht sehen wollen.

Man würde allerdings einen großen Fehler machen, würde man sich diesem Film verweigern. Der Film ist einfach zu gut. Was Emmanuelle Riva und Jean-Louis Trintignant schauspielerisch leisten, ist absolut herausragend. Und der Österreicher Michael Haneke ist sicherlich der beste Regisseur, der zur Zeit auf unserem Planeten lebt. “Liebe” ist ein Titan von einem Film.


Was bleibt
Was bleibt
DVD ~ Lars Eidinger
Preis: EUR 9,99

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Familienaufstellung, 6. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: Was bleibt (DVD)
Eine Familienzusammenkunft in einem Bungalow am Mittelrhein. Die Verlegergattin Gitte Heidtmann (Corinna Harfouch) hat ihre beiden erwachsenen Söhne, den Schriftsteller Marco (Lars Eidinger) und den Zahnarzt Jakob (Sebastian Zimmler) inklusive deren Partnerinnen fürs Wochenende eingeladen, sie möchte etwas Wichtiges verkünden. Das ist das Setting des Films “Was bleibt” von Regisseur Hans-Christian Schmid und Drehbuchautor Bernd Lange.

Marco reist allein an, seine Ehe liegt in Trümmern. Auch bei Jakob ist das Leben durcheinander geraten, seine Zahnarztpraxis steht vor dem Konkurs. Die Probleme werden von der Mutter Gitte ferngehalten, weil diese manisch-depressiv ist und ihre fragile, nur durch Medikamente hergestellte psychische Stabilität nicht gefährdet werden soll. Auch der Vater Günter (Ernst Stötzner) hütet ein Geheimnis vor seiner Frau.

Jetzt also das Wochenende: Gitte gibt bekannt, dass sie schon seit einiger Zeit ihre Psycho-Medikamente abgesetzt hat, und löst damit bei ihrer Familie Entsetzen aus. Die unter Mühen entwickelte, auf Verschweigen aufgebaute Familienaufstellung gerät ins Wanken. Die Geheimnisse kommen auf den Wohnzimmertisch des Familienbungalows und lassen bisher weggesperrte Gefühle ausbrechen. Und irgendwann ist dann Gitte verschwunden.

Regisseur Hans-Christian Schmid seziert in “Was bleibt” mit unheimlicher Präzision die Aufstellung einer westdeutschen Bürgerfamilie. Diese Präzision ist auch seinem hervorragenden Schauspiel-Ensemble zu verdanken. Lars Eidinger, Corinna Harfouch, Sebastian Zimmler und Ernst Stötzner lassen es in dem Bungalow-Kammerspiel knistern. Ein intensiver und spannender Film.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 3, 2013 2:41 AM CET


We Need to Talk About Kevin (MediaBook)
We Need to Talk About Kevin (MediaBook)
DVD ~ John C. Reilly
Wird angeboten von media-merlin
Preis: EUR 13,49

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wir müssen über Tilda Swinton reden, 6. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: We Need to Talk About Kevin (MediaBook) (DVD)
Tilda Swinton spielt die Reisejournalistin und Mutter Eva Khatchadourian, die sich bemüht, es aber nicht schafft, ihren Sohn zu lieben.

Der Zuschauer erfährt schon zu Beginn, dass ein Verbrechen passiert ist. Evas jugendlicher Sohn Kevin ist inhaftiert, auch Eva war angeklagt. Eva wird von ihrer Umgebung angefeindet: sie wird auf der Straße geohrfeigt, ihr Haus wird mit roter Farbe beschmiert.

In Rückblenden wird erzählt, wie es dazu gekommen ist. Wie Eva schon seit der Geburt des kleinen Kevin von diesem irgendwie dämonischen Kind terrorisiert wird. Der Vater (gespielt von John C. Reilly) nimmt die Psychopathie seines Sohnes nicht wahr und gibt sich der Illusion eines normalen Familienlebens hin. Als Kevin zum Teenager herangewachsen ist, wird es eher noch schlimmer. Auch die kleine Schwester hat unter Kevins Bösartigkeiten zu leiden. Alle Taten von Kevin scheinen aber letztlich auf seine Mutter zu zielen, sie will er offenbar quälen, das deuten seine boshaften Blicke an, die er ihr zuwirft.

“We Need to Talk About Kevin” ist eine Verfilmung des gleichnamigen Briefromans der US-Amerikanerin Lionel Shriver. Die britische Regisseurin Lynne Ramsay erzählt die Geschichte von Kevin und seiner Mutter in ruhigen Bildern, aber mit harten Schnitten zu unterschiedlichen Zeitebenen und zu Alptraumsequenzen der Mutter. Vom Zuschauer wird etwas Konzentration verlangt, um zu realisieren, auf welcher Erzählebene, sich der Film gerade befindet. Und auch das Ende verlangt dem Zuschauer einiges ab. “We Need to Talk About Kevin” ist kein leichter Film - allerdings ein Film, der auch jede Anstrengung wert ist.

Aber wir müssen noch über Tilda Swinton reden. Ihr feines Spiel ist es, was diesen Film ausmacht. Wie Tilda Swinton die Zerissenheit von Kevins Mutter zwischen Schmerz, Versagensangst und unterdrückter Wut darstellt – nicht durch Exaltiertheit, wie es so manche Filmdiva tun würde, sondern durch ein zurückgenommenes und dadurch viel intensiveres Schauspiel – das ist absolute Weltklasse. Es bleibt zu hoffen, dass Tilda Swinton dafür mit Filmpreisen überhäuft wird.


Small Town Murder Songs (OmU)
Small Town Murder Songs (OmU)
DVD ~ Peter Stormare
Preis: EUR 18,99

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tödliche Tristesse, 6. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: Small Town Murder Songs (OmU) (DVD)
Sheriff Walter Ruden aus einem kleinen Kaff in der kanadischen Provinz Ontario hat keine leichte Zeit hinter sich. Er wurde aufgrund eines Gewaltausbruchs im Dienst vom selbigen suspendiert, seine junge attraktive Frau Rita hat ihn verlassen. Nun versucht er einen Neuanfang. Er darf zurück auf seinen Sheriff-Posten, hat eine neue Beziehung zur Serviererin Sam und findet seelsorgerischen Beistand bei dem Pfarrer seiner Mennonitengemeinde.

Dann wird eine weibliche Leiche gefunden – die unbekannte Frau wurde ermordet. Für Walter sein erster Mordfall. Er darf hier aber nur Zuarbeiten übernehmen; die Leitung der Mordaufklärung übernehmen Kriminalpolizisten aus der Stadt. Walter versucht durch eine falsche Zeugenaussage den Mord dem neuen Lover seiner Ex-Frau anzuhängen. Die Kriminalpolizisten aus der Stadt kommen bald dahinter, dass Walter sein eigenes Spiel spielt und ziehen ihn von dem Fall ab. Doch Walter macht weiter.

Das ist die Ausgangslage von Ed Gass-Donnellys kleinem Film “Small Town Murder Songs”. Wer hier allerdings einen rasanten Thriller erwartet, der muss enttäuscht werden. Gass-Donnelly zelebriert die Langsamkeit. Im ländlichen Ontario geht alles seinen gemächlichen Gang, die Menschen sind erd- und gottverbunden, daran ändert auch ein Mord nichts. Die Filmerzählung teilt sich in mehrere Kapitel, denen jeweils ein Bibelzitat vorangestellt ist, die Kamera bleibt oft statisch, filmt auch schon mal in Zeitlupe und nimmt sich Zeit für Landschaftsbilder. Und über allem schweben die erdigen Americana-Sounds der Band Bruce Peninsula.

Im Mittelpunkt des Filmes steht nicht so sehr der Kriminalfall, sondern eindeutig die seelischen Qualen der Hauptfigur Walter Ruden und die Frage, ob er erlöst werden kann. Der schwedische Schauspieler Peter Stormare (bekannt als Albino-Killer in “Fargo“) spielt den Walter Ruden mimisch und körperlich zurückhaltend und überzeugt dadurch; die vielen Nah- und Großaufnahmen von Walter Ruden unterstreichen dieses. Und so wird aus einem kleinen Film ein kleines cineastisches Meisterwerk.


Totengleich: Kriminalroman
Totengleich: Kriminalroman
von Tana French
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

5.0 von 5 Sternen Gefährlich ähnlich, 2. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: Totengleich: Kriminalroman (Taschenbuch)
“Totengleich” (im Original ‘The Likeness’) ist der zweite von bisher vier Kriminalromanen der Dubliner Autorin Tana French. Protagonistin und Erzählerin des Romans ist die junge Polizistin Cassie Maddox, die bereits im ersten Tana-French-Roman “Grabesgrün” die nach dem dort männlichen Ich-Erzähler zweitwichtigste Figur ist. Damit ist auch bereits das Muster der Tana-French-Krimi-Reihe um die Dubliner Kriminalpolizei vorgezeichnet. Es gibt in jedem Roman einen anderen Ich-Erzähler, jeweils ein Dubliner Polizeiermittler, der sich in der Aufklärung seines Falls an einem Kollegen reibt. Und dieser Kollege wird dann zur ich-erzählenden Hauptfigur des nächsten Romans.

Hier also Cassie Maddox, eine ehemalige Undercover-Polizistin, die vom etwas rauhbeinigen Detective Frank Mackey als verdeckte Ermittlerin reaktiviert wird und als Bewohnerin in eine Land-WG eingeschleust wird. Anlass dafür ist, dass eine junge Frau, die in dieser Wohngemeinschaft lebte, ermordet wurde. Diese Frau sah Cassie Maddox so ähnlich wie eine eineiige Zwillingsschwester. Frank Mackey als leitender Ermittler macht sich dieses zunutze, verheimlicht den Tod der WG-Bewohnerin und lässt Cassie Maddox deren Rolle einnehmen, um das Verbrechens aufzuklären.

Das Setting erscheint auf den ersten Blick etwas unwahrscheinlich. Wie kann es denn sein, dass die WG-Mitbewohner sich derart täuschen lassen, so ähnlich können doch keine zwei Personen sein, so fragt man sich. Lässt man sich als Leser aber auf diesen Zufall ein, dann bekommt man von Tana French eine ungewöhnlich fesselnde Geschichte erzählt. Eine Geschichte, in der die junge Cassie Maddox in einen Konflikt zwischen ihrer Polizistenrolle und der Rolle ihrer falschen Identität gerät.

Cassie Maddox entwickelt eine zunehmende Sympathie für ihre vier Mitbewohner, die in keiner normalen WG zusammen wohnen, sondern mehr ein gemeinsames Lebensprojekt verfolgen, in einem etwas mysteriösen Haus. Angefeindet von der Dorfbevölkerung und verdächtigt von der Polizei bauen die vier eine Wagenburg um sich herum. Und Cassie Maddox schlägt sich nicht nur ihrer Rolle gemäß äußerlich, sondern auch immer mehr innerlich auf die Seite ihrer Mitbewohner und enthält ihrem vorgesetzten Frank Mackey wichtige Informationen vor. Und dann kommt jemand Cassie Maddox auf die Schliche.

784 Seiten dick ist “Totengleich”. Eine erzählerische Opulenz, die in der Krimiszene ihresgleichen sucht. Doch keine Seite ist zu viel. Tana French versteht es, die Gedanken, die Gefühle und das Interagieren seiner Hauptfigur intensiv auszuleuchten ohne dabei ihren spannenden Plot aus den Augen zu verlieren. “Totengleich” ist ein Buch, in das man als Leser ganz tief eintauchen kann und mit dem man wegen seines Umfangs eine langandauernde Freude hat - und das ist auch was wert.


Psychedelic Pill
Psychedelic Pill
Preis: EUR 10,02

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wow!, 5. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Psychedelic Pill (Audio CD)
Dass es das in dieser Zeit noch mal gibt. Ein Rockalbum, das man einlegt und alle Termine des Tages sind passé. Man kommt nicht mehr los von diesem Werk. Neil Young musste zurückkommen aus seinem erfolgreich absolvierten Drogen- und Alkoholentzug, seine Männer von Crazy Horse um sich versammeln und uns zeigen, wie es geht.

Schon der erste Song “Driftin’ Back” – das war noch nie da: ein Opener eines Rock-Album mit einer Spieldauer von über 27(!) Minuten. Und mit “Ramada Inn” (16:48 min.) und “Walk Like a Giant” (16:26 min.) folgen im Laufe des Albums noch zwei ähnliche Riemen. Und alle Songs dazwischen keineswegs nur Füllsel, sondern jeder für sich ein Kracher.

Neil Young erfindet die Rockmusik nicht neu. Er macht das, was er kann – und das kann niemand so gut wie er. Über dem präzisen Spiel seine Crazy-Horse-Band mäandert er mit seiner E-Gitarre durch zerklüftete Folkrock-Landschaften. Ja, wenn es ein Verb gibt, dass dieses Album am besten beschreibt, dann ist es “mäandern”. Mäandernde Gitarrensoli sind für gewöhnlich Masturbationsakte, von denen außer dem Gitarrenspieler niemand etwas hat, nicht so bei Neil Young. Neil Young darf ruhig seine Gitarrensoli bis in alle Ewigkeit spielen.

“Psychedelic Pill” ist das beste Neil-Young-Werk aller Zeiten. Für dieses Album wurde die Repeat-Funktion erfunden.

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Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 12, 2012 11:50 PM CET


Blutsommer
Blutsommer
von Rainer Löffler
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

18 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Ein Buch, das gefällt, 17. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Blutsommer (Taschenbuch)
Der beliebte Serienkillerkrimi geht so: Der Mörder hatte eine schwere Kindheit, die ihn zu einem verrückten Sadisten hat werden lassen, und nun mordet er sich durch die Gegend. Die Morde zeichnen sich durch eine nie dagewesene Brutalität aus, der Mörder setzt seine Opfer fürchterlichen Qualen aus und hinterlässt bizarre Tatorte. Die Ermittler sind auch nicht ohne, auch sie haben dunkle Punkte in ihrer Vergangenheit, die noch nicht verarbeitet sind und sie in der Konfrontation mit dem Serienkiller aus dem verdrängten Hintergrund nach vorne drängen. Der männliche Ermittler und die weibliche Ermittlerin sind einander zunächst in herzliche Abneigung zugetan. Dann jedoch im Laufe des Falls entdecken sie Sympathie und Zuneigung füreinander, die Zuneigung kulminiert schließlich in gegenseitigen Liebesgefühlen, die man sich aber nur schwer eingestehen kann, denn man ist ja etwas gestört, wegen der beiderseitigen dunklen Vergangenheit. Und für das Ausleben der Liebe bleibt auch wenig Zeit, denn der schlimme Serienkiller mordet immer weiter, immer brutaler und erfordert vom Ermittler und von der Ermittlerin den vollen Einsatz. Dann wird es persönlich, der Ermittler und die Ermittlerin selbst geraten in den Fokus des Killers, dem Killer gelingt es sogar die beiden in seine Gewalt zu bringen und er will sie zu Tode foltern, so wie seine Opfer zuvor, aber noch viel sadistischer. Wird dem Serienkiller das gelingen oder werden der Ermittler und die Ermittlerin doch noch im letzten Moment gerettet – das darf hier nicht verraten werden.

Du liebst Serienkillerkrimis. Du willst dich beim Lesen etwas Gruseln, aber auf bewährte Art. Zu starke Überraschungen liebst du nicht und zu viel Nachdenken magst du beim Krimilesen auch nicht. Die Sprache soll einfach sein, am besten keine umständlichen Beschreibungen, sondern viele dir bekannte Adjektive enthalten, und die Leute in dem Krimi sollen reden wie du und ich, beziehungsweise so wie du dir vorstellst, dass du und ich so reden. Dick darf der Krimi aber gerne sein, denn du willst ganz tief drin eintauchen, deinen Alltag mal vergessen. Letzteres geschieht am besten, indem die Morde richtig saftig beschrieben werden, also mit viel Blut und so. Und der Mörder ist ein Geisteskranker, er kommt aus einer anderen Welt und wird am Schluss totgemacht, damit wieder Frieden ist.

Echte Verbrechen, wie sie in der Welt wirklich passieren, das magst du im Krimi nicht lesen. Das lässt dich nicht gruseln, das würde dir nur Angst machen. Du liest den Krimi “Blutsommer” von Rainer Löffler – das ist ein Buch, das dir gefällt. Viel Spaß damit!
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 27, 2014 6:40 PM CET


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