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Beiträge von Lothar Schroeder
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Rezensionen verfasst von
Lothar Schroeder "lfschroeder" (Trier)
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« C'est comme s'il y avait plusieurs personnes en moi ! » Identitätssuche im Werk Jacques Poulins
« C'est comme s'il y avait plusieurs personnes en moi ! » Identitätssuche im Werk Jacques Poulins
von Daniel Pierrot
  Taschenbuch
Preis: EUR 21,95

5.0 von 5 Sternen Wie wird man, wer man (nicht) sein möchte?, 24. März 2016
Wer sich mittels der Sekundärliteratur einen gut verständlichen Zugang zu den Romanen eines der wichtigsten frankokanadischen Schriftsteller der Gegenwart verschaffen möchte, sollte unbedingt zu Daniel Pierrots Studie über die Identitätssuche im Werk von Jacques Poulin greifen!
Unter Bezug auf das sozialpsychologische Entwicklungsmodell von Erickson analysiert Pierrot zunächst die inneren Konflikte der Protagonisten von vier Romanen (Chat sauvage, Les yeux bleus de Mistassini, La traduction est une histoire d'amour sowie L'anglais n'est pas une langue magique) aus dem Spätwerk des Schriftstellers. Wie wird man in einem bestimmten sozialen und kulturellen Kontext, wer man ist? Und warum finden manche Menschen nicht zu sich selbst? Jack, der Protagonist aus Chat sauvage scheitert, weil es ihm in seiner Beziehung zu Kim nicht gelingt, die Rolle des Lebensgefährten adäquat einzunehmen. Pierrots Analyse zeigt weiterhin, warum die Hauptfiguren der anderen Romane es aus unterschiedlichen Dispositionen heraus hingegen schaffen, die für ihre Altersstufe typische Kluft zwischen Isolierung und Intimität zugunsten letzterer zu überwinden.
Die Studie verdeutlicht ebenfalls, dass Identität nicht nur aus einer adäquaten Rollenübernahme bzw. -findung hervorgeht, sondern auch in unterschiedlicher Intensität durch ein kulturelles Bewusstsein determiniert wird. Besonders Francis, der Protagonist aus L'anglais..., sieht sich in der Tradition seiner frankophonen Vorfahren und hat daher besonderes Interesse, das Französische gegen den Einfluss des Englischen zu verteidigen. Hierdurch gelangt der Leser über die Romanfiguren direkt in das Herz des innerkanadischen Konflikts zwischen dem frankophonen Québec und den anglophonen Provinzen.
Anhand der Beschäftigung mit Poulins Romanen gewinnt der Leser nicht nur dank der akribischen und sehr transparenten Untersuchungsweise des Autors der Studie einen hilfreichen und äußerst interessanten Zugang zum Werk dieses im deutschsprachigen Raum noch eher unbekannten Schriftstellers. Poulin hat sich und seinen Lesern durch die Verflechtung der einzelnen Romane untereinander ein eigenes Universum geschaffen, wie auch der Ausblick auf den Folgeroman L'homme de la Saskatchewan belegt.
Ein erhellendes, empfehlenswertes und zudem sehr gut lesbares Buch für alle an der frankophonen Kultur Interessierten!!


Das Rachespiel: Psychothriller
Das Rachespiel: Psychothriller
Preis: EUR 9,99

4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Das Rachespiel: vorhersehbar und uninspiriert, 5. März 2014
Vier ehemalige Jugendfreunde, die ein gemeinsames Geheimnis verbindet, werden von einem Unbekannten zu einem stillgelegten Atombunker gerufen. Dort beginnt das 'Rachespiel', dessen Ziel die Vergeltung für den dramatischen Ausgang einer lange zurückliegenden Mutprobe ist.
Was sich spannend anhört und an einem realen Schauplatz spielt, ist leider nur ein uninspirierter Aufguss bekannter Thriller-Zutaten: ein geschlossener Raum in beinahe permanenter Dunkelheit, das 10-kleine-Negerlein-Prinzip und ein ausgebuffter Mörder unter den Spielteilnehmern. Hieraus ergibt sich ein langweiliges, weil vorhersehbares Katz- und Mausspiel holzschnittartig konstruierter Romanfiguren. Wer nur über einen Hauch von Krimi- oder Thrillererfahrung verfügt, kennt den den Täter schon gut 150 Seiten vor dem Ende der Geschichte.
Grusel- oder Ekeleffekte sollen vornehmlich durch die Schilderung umherstreunender, hungriger Ratten erzeugt werden. Doch auch das gelingt nur mäßig, da der autodidaktische, eher an Trivialliteratur erinnernde Stil des Autors den Leser nur an sehr, sehr wenigen Stellen in seinen Bann zieht. Zu detaillierte Beschreibungen und klischeehaft dargestellte Empfindungen und Dialoge wirken eher ermüdend als fesselnd.
Sie möchten wissen, warum ich den Roman etwas gequält doch bis zum Schluss gelesen habe? Ganz optimistisch dachte ich, dass sich sicher noch eine überraschende Wendung ergeben würde. Doch weit gefehlt.
Wer also gut unterhalten werden möchte, sollte lieber zu einem anderen Buch greifen!


Karl May: Untertan, Hochstapler, Übermensch
Karl May: Untertan, Hochstapler, Übermensch
von Rüdiger Schaper
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Karl Mays Einfluss auf unsere Gegenwart, 15. April 2012
Auch 100 Jahre nach seinem Tod ist Karl May nicht in Vergessenheit geraten - und die Helden seiner Bücher ohnehin nicht. Wer kennt nicht Old Shatterhand? Wer hat nicht beim Ansehen des Films oder der Lektüre des Buches um Winnetou getrauert? Und wer hat noch nie etwas von Kara Ben Nemsis und Hadschi Halef Omars Wüstenabenteuern gehört? Wahrscheinlich nur wenige.
Rüdiger Schaper hat eine gegenwartsorientierte May-Biographie geschrieben. Er begnügt sich nicht damit, den Schriftsteller als Kleinganoven und Hochstapler darzustellen, der nur vorgab, weite Reisen unternommen zu haben und in Wirklichkeit ein Leben führte, das ganz und gar nicht zu seinem literarischen Alter-Ego passte. Einerseits wird das Interesse an Karl May durch offensichtliche Kontraste geweckt. Wie kommt es, dass der Bestsellerautor, dem es um "Frieden auf Erden" ging, einer der Lieblingsautoren der Nazis wurde? Und wie ist jemand psychisch disponiert, dem der Schein wichtiger als das Sein ist?
Andererseits arbeitet Schaper auch Gründe für die ungebrochene Popularität des Sachsen heraus. Dies ist unter anderem auf die bekannten Verfilmungen mit Pierre Brice und Lex Barker zurückzuführen. Man kennt die Mayschen Helden, auch ohne die Bücher gelesen zu haben. Und wer sie tatsächlich gelesen hat, war eher ein Jugendlicher als Erwachsener - und damit in einem Alter, in dem erste komplexere Leseerfahrungen eine prägende Wirkung haben können. Schaper zeigt weiterhin auf, dass Mays Werke auch für heutige Leser aktuelle Themen behandeln. Sei es, dass sich der Radebeuler Autor als Wanderer zwischen der christlich-westlichen und der arabisch-östlichen Welt präsentiert und in seinem Büchern die Botschaft vom Frieden zwischen den Völkern propagiert; sei es, dass Winnetou als interkulturell geschulter Prototyp auftritt und den Schriftsteller in seinem Dominizil bei Dresden aufsucht. Zudem benutzt May literarische Konzepte, die auch heute alles andere als verstaubt sind. Sein Oeuvre basiert auf dem Gesetz der Serie, beleuchtet geschaffene Mythen in Rückblenden (so taucht Winnetou auch nach seinem literarischen Tod wieder auf!) und erschafft stellenweise sehr früh ein Szenario, dass wir mit dem heutigen Großstadtleben assoziieren.
Schaper hat also eine Biographie der etwas anderen Art geschrieben. So intelligent das Buch auch verfasst wurde - manches scheint doch eher auf Spekulation zu beruhen, was Schaper auch zugibt. Wenngleich manche intertextuellen Anspielungen (z. B. Karl Mays Einfluss auf den "Schuh des Manitou") sofort einleuchten, wirkt die spekulative Beeinflussung von Franz Kafka (z.B. Namensgebung seiner Romanfiguren) durch May bei allem Respekt weniger überzeugend.
Dennoch gelingt es der Biographie, ein überraschend modernes Bild von Winnetou & Co zu zeichnen, das fasziniert, neugierig macht und den Leser in seinen Bann zieht.


Wo Grafen schlafen: Was ist wo im Schloß und warum?
Wo Grafen schlafen: Was ist wo im Schloß und warum?
von Eduard von Habsburg-Lothringen
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,95

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dort, "[w]o Grafen schlafen"..., 31. März 2011
... möchte manch Normalsterblichlicher vielleicht ebenfalls einmal sein Haupt zur Ruhe betten. Eduard von Habsburg-Lothringen gibt dem Leser mit unterhaltsamen Anekdoten hilfreiche Tipps, um sich im noblen Ex- und Interieur eines Schlosses zurechtzufinden.
Zur besseren Anschaulichkeit besichtigen wir mit dem Verfasser den Prototypen eines Schlosses, das idealtypische Einblicke in die herrschaftliche Lebenswelt gewährt. Wussten Sie, warum es gar nicht so leicht ist, überhaupt die Eingangstür eines Schlosses zu finden, dass im Schlossgraben manch makabre Entdeckung auf den ahnungslosen Besucher warten kann und welchen Einfluss der Country-Style auf das Schlossambiente hatte? Unter Einbezug aller Sinne steigen wir langsam die Treppe zur Beletage hinauf, drehen das Licht in den Gängen an und erfahren dabei Grundlegendes über die Folgen der permanenten pekuniären Nöte der Schlossbesitzer, die Einrichtungen der diversen Salons, die Funktion der zahlreichen Gemälde im Hinblick auf den dekorativen Nutzen und das adlige Selbstverständnis der Schlossbewohner sowie Wissenswertes über die Bedeutung des Personals. Ein Blick auf den Speicher uns ins Archiv runden den kurzweiligen und informativen Rundgang ab, bevor wir vor dem Einschlafen mit Fledermäusen rechnen müssen, die den Ahnungslosen leichte Schauer über den Rücken laufen lassen.
Eduard von Habsburg-Lothringen trägt in seinem unhaltsamen Büchlein Generalia zur Schlosskultur zusammen, von denen einige wohl niemandem unbekannt sein dürften, die in ihrer Gesamtheit aber augenzwinkernd Ein- und Rückblick in eine eigentlich untergegangene Welt bieten und durchaus Empathie mit den Eigentümern entstehen lassen.
Bleibt am Ende die Frage, ob man dort, "[w]o Grafen schlafen", immer noch ab und an ein Nickerchen halten möchte.


Familie Salzmann: Erzählung aus unserer Mitte
Familie Salzmann: Erzählung aus unserer Mitte
von Erich Hackl
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

23 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schatten der Vergangenheit in 'unserer Mitte', 29. August 2010
Erich Hackls Chronik der Salzmanns beginnt am vorläufigen Ende der deutsch-österreichischen Familiengeschichte, als der Enkel gemobbt wird, weil er beiläufig erwähnt hat, dass seine Großmutter Juliana im KZ gestorben sei. Die spontane Entrüstung des Lesers bekommt Form durch die Schilderung des Schicksals der beiden vorhergehenden Generationen. Zunächst sieht alles nach stereotyper Tragik aus: Hugo Salzmann sen., überzeugter Kommunist aus Bad Kreuznach, heiratet kurz vor der nationalsozialistischen Machtergreifung die Österreicherin Juliana, bekommt mit ihr einen Sohn, Hugo jun., und muss mit seiner Familie als Regimegegner das Deutsche Reich verlassen. Während das Kind schließlich bei seiner österreichischen Familie aufwächst und dort die Nachricht vom Tod der Mutter erhält, hat der Vater den Krieg überlebt und bald eine neue Familie gegründet. Doch die Zusammenführung von Junior und Senior bringt nicht das gewünschte Happy End. Durch die lange Trennung bleiben sich Vater und Sohn fremd; und als der ebenfalls kommunistisch gesinnte Hugo jun. in der DDR von der Realität des Arbeiter- und Bauernstaates enttäuscht und zum Republikflüchtling wird, endet die nie intakt gewesene Beziehung der beiden Hugos endgültig. Angesichts des Leids und des persönlichen Schicksals dieser Familie wird die Dummheit und Inakzeptanz des antisemitischen Mobbings, das dem Enkel in den 1990er Jahren widerfährt und das keine Konsequenzen für die Verursacher nach sich zieht, besonders deutlich.
Die Stärke dieses Buches liegt aber auch darin, diverse Facetten einer Persönlichkeit aufzuzeigen. Man fragt sich, wie es möglich ist, dass Hugo sen. einerseits für seinen Mut zum Widerstand gegen das NS-Regime ausgezeichnet wurde und andererseits nicht in der Lage ist, zu seinem Sohn nach alle den Wirren ein gesundes Verhältnis aufzubauen.
Zudem ist man sprachlos über die sich durch die geschilderten 100 Jahre ziehenden Parallelen: Nur die, an denen Unrecht verübt wurde, haben mit Konsequenzen zu rechnen, die wahren Übeltäter kommen davon.
Erich Hackl gelingt es, in einer sachlich-schmucklosen Sprache vor dem inneren Auge des Lesers Bilder entstehen zu lassen, die das Schicksal der Salzmanns anschaulich machen und nachdenklich stimmen.


Ike Godsey of Walton's Mountain
Ike Godsey of Walton's Mountain
von Joe Conley
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,86

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Der Weg zu Ikes Gemischwarenladen in Walton's Mountain als Höhepunkt einer allenfalls durchschnittlichen Schauspielerkarriere, 10. Juli 2010
Rezension bezieht sich auf: Ike Godsey of Walton's Mountain (Taschenbuch)
Wer in den 1970er und frühen 1980er Jahren die Fernsehserie "Die Waltons" gesehen hat, erinnert sich sicher an den Gemischtwarenhändler Ike Godsey, bei dem Elizabeth regelmäßig Lakritz und die Baldwin-Schwestern Zutaten für ihr 'Rezept' kauften.
Wenn man gut 30 Jahre nach dem Ende der Serie auf die Biographie des Ike-Darstellers Joe Conley trifft, dann liest man sie aus nostalgischer Neugierde, um ein paar Hintergründe über den Fernseholdie und seinen bekannten Nebendarsteller zu erfahren. Conleys Lebensbericht gestaltet sich ähnlich unschuldig-unterhaltsam und anrührend-sentimental wie "Die Waltons": ein mittelmäßiger Nebenrollenanwärter auf der Leinwand mit größerem Erfolg in Werbespots hält sich zunächst wegen permanenter Geldnot mit zahlreichen Nebenjobs über Wasser und verdient schließlich seinen Lebensunterhalt als erfolgreicher Makler. Über seine Glanzzeit bei den Waltons, die den Korea-Krieg-Veteranen über die US-Grenzen hinaus bekannt machte, erfährt man außer den bekannten Serien-Fakten (z. B. Tod des Großvater-Schauspielers, Schlaganfall der Oma-Darstellerin, Unlust anderer Ensemblemitglieder, den Serien-Vertrag zu verlängern) nur wenig Überraschendes, wann man über die Details der Freundschaft mit Ben-Walton-Darsteller Eric Scott mal absieht.
Der weitgehend chronologisch und einfach geschriebene Bericht gestaltet sich additiv; man wird mit vielen unbekannten Namen und Theaterstücken, längst eingestellten Sendungen und zweitklassigen Filmtiteln konfrontiert, die im Verlauf der Darstellung nicht wieder auftauchen und deren Bedeutung (für einen Nicht-Amerikaner) allenfalls situativ zu erfassen ist. Conleys Aufstieg zu bescheidenem Ruhm und privatem Glück mit seiner zweiten Frau hat etwas typisch Amerikanisches, was dem Autor bewusst und auf das er stolz ist. So ist "Ike Godsey of Walton's Mountain" ein Buch, das man sicher nicht lesen muss, da es handwerklich eindeutig keine Meisterleistung darstellt, das aber durchaus Erinnerungen auslöst und deshalb den/die ein oder andere(n) Abnehmer(in) finden dürfte.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 26, 2010 11:11 PM MEST


Und dann gab's keinen mehr: Roman
Und dann gab's keinen mehr: Roman
von Gilbert Adair
  Gebundene Ausgabe

13 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fatwa und postmoderne Scherze, 29. September 2008
Am 10.09.2011 feiert das Sherlock-Holmes Museum im schweizerischen Meiringen, unweit der Reichenbachfälle, wo Conan Doyles berühmter Detektiv im Kampf mit Prof. Moriarty sein scheinbares Ende fand, das 20jährige Bestehen mit einem Festival. Neben Gilbert Adair, der als Schöpfer der Evadne-Mount-Krimis autobiographisch von den Ereignissen berichtet, und einigen anderen Schriftstellern ist auch ein Überraschungsgast angekündigt: Gustav Slavorigin, auf den ein texanischer Millionär wegen äußerst unsensibler Äußerungen zum Anschlag auf die Twin-Towers und zur Bush-Regierung ein Kopfgeld ausgesetzt hat. Am 10. Jahrestag der Katastrophe wird Slavorigin tot im Sherlock-Holmes-Museum aufgefunden. Wenngleich natürlich die Spur zum Täter gefunden werden muss (und wird), handelt es sich bei "Und dann gab's keinen mehr" doch um mehr als nur um einen gewöhnlichen Whodunit-Krimi!
Es gelingt dem Autor vor allem, seine Leser durch intertextuelle Verweise auf andere Werke und ein bewusstes Spiel mit den Ebenen von Fiktion und Pseudo-Realität intelligent zu unterhalten. Wie ist zu erklären, dass Adair Evadne Mount, seine erfundene Detektivin, tatsächlich trifft und mit ihr auf Mördersuche geht? Fragen wir dazu Evadne - und nicht Evans! Kann man daher sicher sein, dass eine Romanfigur ihren Platz zwischen den Buchdeckeln tatsächlich nie verlässt? Und erkennen Sie den Grund für die belgische Nationalität des Interpol-Beamten? Gilbert Adair schafft eine ganz eigene, innovativ angehauchte und intellektuelle Parodie auf den Krimi des Goldenen Zeitalters ... und wenn uns die Lösung (mit eingebautem Showdown an den Reichenbachfällen) auch an einen ganz bekannten Agatha-Christie-Krimi erinnert, muss man doch zugeben, dass die Aufdeckung delikater Details, die den Täter entlarven, die allgemeine Neugierde des Lesers mehr als befriedigt.
Doch Achtung: Das sprachlich nicht immer ganz leichte Lesevergnügen ist höher, wenn man auch die beiden vorhergehenden Romane gelesen hat!


Luise von Toscana: Skandal am Königshof
Luise von Toscana: Skandal am Königshof
von Erika Bestenreiner
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,99

32 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Motive und Konsequenzen der Flucht vom sächsischen Thron, 8. Mai 2007
Jede Familie hat ihre schwarzen Schafe, und wenn sie in einer der bekanntesten Herrscherdynastien wie den Habsburgern auftauchen, ziehen sie besondere Aufmerksamkeit auf sich. Zu diesen gehörte die impulsive Luise von Toscana, die schon als Jugendliche gegen die konservative und unzeitgemäße Erziehung zur Kaiserlichen Hoheit rebellierte und dann das Pech hatte, als Kronprinzessin in die nicht minder rückwärtsgewandte Wettiner Königsfamilie nach Dresden verheiratet zu werden. Wenngleich aus der anfangs harmonischen Ehe mit Friedrich August (offiziell) sechs Kinder hervorgingen, konnte sich Luise den Rest ihrer Familie - und besonders ihren Schwiegervater Prinz Georg - nicht aussuchen. Sie bricht aus der frömmelnden Atmosphäre des Taschenbergpalais aus und gibt sich skandalös volksnah. Eine Prinzessin zum Anfassen - die Untertanen lieben sie, der Hof ist entsetzt. Die große Katastrophe bahnt sich an, als Prinz Georg die Königswürde annimmt und André Giron als Privatlehrer von Luises Söhnen an den Hof kommt. Die Kronprinzessin und der neun Jahre jüngere Pädagoge nähern sich schnell an. Und als Giron im Dezember 1902 plötzlich entlassen wird, überschlagen sich die Ereignisse, denn die von wem auch immer wieder schwangere Luise bricht aus dem Palast aus und folgt ihrem Liebhaber nach Genf. Es folgt beinahe umgehend die Scheidung von Friedrich August, Luises Verzicht auf ihre Würden und sogar der Ausschluss aus dem Erzhaus. Luise befindet sich in einer schwierigen Situation: Die Beziehung zu Giron zerbricht, und jegliche Kontaktaufnahme mit ihren Kindern wird verhindert. 1906 scheint sich das Blatt zu wenden, als der viel jüngere Enrico Toselli, der Komponist der Toselli-Serenade, in Luises Leben auftaucht. Die Heirat mit ihm macht die ehemalige Kronprinzessin zu einer Bürgerlichen. Doch auch diese Beziehung scheitert nach der Geburt des gemeinsamen Sohnes. Lag es dieses Mal an der italienischen Schwiegermutter oder an den unterschiedlichen Lebensauffassungen der Eheleute? Luise schreibt ihre Memoiren und zieht sich in ihre Wohnung nach Brüssel zurück, wo sie 1947 verarmt stirbt. 1965 macht sie zum letzten Mal Schlagzeilen, da ihr Leichnam nicht korrekt einbalsamiert wurde und die stinkenden Reste ihres Körpers verbrannt werden müssen.

Erika Bestenreiner hat auf der Basis der überlieferten Quellen eine kenntnisreiche und kritische Biographie über Luise von Toscana geschrieben, die einerseits sehr wohl Motive und Bedürfnisse der Kronprinzessin herausstellt, andererseits jedoch auch das Verhalten und mangelnde Verantwortungsbewusstsein der Mutter Luise im Kontext der Epoche vor dem Ersten Weltkrieg thematisiert. Querverweise auf 'problematische' Familienmitglieder runden die Biographie ab. Die sehr gut lesbare Darstellung ist zudem so unterhaltsam und spannend gestaltet, dass es nicht leicht fällt, das Buch aus der Hand zu legen. Wirklich empfehlenswert!


Die Chemie des Todes
Die Chemie des Todes
von Simon Beckett
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

116 von 130 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Verwesende Leichen auf dem Lande, 26. Mai 2006
Rezension bezieht sich auf: Die Chemie des Todes (Gebundene Ausgabe)
Es ist Simon Beckett zweifelsfrei gelungen, mit seinem Thriller ein hochgradig spannendes Buch zu präsentieren, das man kaum aus der Hand legen kann. Dabei bedient sich der Autor jedoch lediglich klassischer Spannungstechniken. Der Einbruch des Grauens in eine scheinbar heile Welt, die Verwandlung von sympathischen Charakteren in stinkende Leichen und letztlich auch das private Schicksal des introvertierten Arztes treiben den Leser von Seite zu Seite. Auch die Erzähltechnik aus der Rückschau heraus steigert die Spannung weiter, da David Hunter im Gegensatz zum Leser die Momente kennt und benennt, in denen jemand falsche Entscheidungen trifft, aber nicht den Grund dafür benennt. Etwas konstruiert wirkt einerseits die angehäufte Zahl äußerst drastischer Schicksalsschläge, die die einzelnen Hauptpersonen schon vor dem Einsetzen der Handlung erleiden mussten; andererseits fördert dies die Empathie bei uns Lesern und lässt uns mitfiebern.
Wer also einmal unausgeschlafen an seinem Arbeitsplatz erscheinen möchte, weil er / sie ein Buch nicht aus der Hand legen konnte, dem / der sei Simon Becketts "Die Chemie des Todes" unbedingt empfohlen. Es ist wirklich spannend bis zur letzten Seite!!


Alexandra Romanowa: Die letzte Zarin
Alexandra Romanowa: Die letzte Zarin
von Carolly Erickson
  Gebundene Ausgabe

11 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "ernstestes Streben und Gebet" - die verkannte letzte Zarin, 22. Oktober 2005
Während das traurige Schicksal der letzten Zarenfamilie, nämlich ihre Ermordung im Ipatjew-Haus in Jekaterinburg am frühen Morgen des 17. Juli 1918, den endgültigen Schlussstrich unter die Monarchie in Russland setzte, hat die Bewertung der Person des Zaren und seiner zu Lebzeiten höchst unpopulären Frau in den letzten Jahren eine grundlegende Änderung erfahren.
Wer war diese kränkelnde Deutsche an der Seite von Nikolaus II., deren Hang zum Okkulten das russische Kaiserreich mit in die Krise stürzte? Carolly Erickson hat versucht, in ihrer äußerst lesbaren Biographie einige Antworten zu geben.
So präsentiert sie die geborene Prinzessin von Hessen-Darmstadt als eigensinnige junge Frau, die sich am Hof ihrer Großmutter, Königin Victoria von England, in den späteren Zaren Nikolaus verliebt und deshalb alle anderen für sie geplanten Heiratsprojekte zum Scheitern verurteilt.
Doch das Happy End der Romanze in St. Petersburg 1894 zieht neue Probleme nach sich, da Alexandras Versuche, sich für ihre neue Heimat einzusetzen, dort nicht so wahrgenommen werden. Das liegt einerseits an ihrem teilweise ungeschickten Auftreten, andererseits am Ausbleiben des ersehnten Thronfolgers, der erst nach der Geburt von vier Töchtern als Bluter zur Welt kommt. Die fragile Gesundheit des Zarewitsch, ein Erbe seiner Mutter, fördert den Einfluss von Wunderheilern wie Rasputin, der durch seine Fähigkeit, die Blutungen des kleinen Sergej zu stoppen, starken Einfluss auf Alexandra gewinnt und hierdurch - wie auch durch sein höchst zweifelhaftes Verhalten - zur Verbreitung dubioser und falscher Gerüchte bezüglich eines Verhältnisses zwischen ihm und der Zarin beiträgt.
Hinzu kommt, dass sich die Zarin politischen Reformen widersetzt und das bestehende System der Autoktatie weiterhin befürwortet. Angesichts des sozialen Notstandes im Zarenreich vergrößert sie hierdurch die Kluft zwischen der Bevölkerung und ihren Herrschern immer mehr, was auch ihre caritativen Projekte nicht ändern können.
Zudem wuchs Alexandras politischer Einfluss angesichts der Unfähigkeit ihres Mannes zunehmend und war nicht selten von Rasputins Empfehlungen bestimmt.
Wenngleich sie stets betont, auf der Seite der Russen zu stehen, macht man ihr im 1. Weltkrieg ihre hessische Herkunft zum Vorwurf und verdächtigt sie des Paktierens mit dem deutschen Feind.
Carolly Erickson zeichnet das Bild einer Frau, die sich einerseits ganz ihrer Familie in der neuen Heimat hingeben will und durch die Verkettung unglücklicher Umstände in zunehmenden Misskredit gerät, andererseits jedoch auch die Zeichen der Zeit nicht versteht und deshalb scheitern muss. Obwohl man das Ende schon vor der Lektüre kennt, besticht Ericksons Portrait von Alexandra Romanowa durch eine kuzweilige und spannende Vermittlung der Fakten unter ausreichender Berücksichtigung des historischen Hintergrunds. Sehr zu empfehlen!!


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