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Beiträge von Stefan Erlemann
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Rezensionen verfasst von
Stefan Erlemann (Witten)
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42 - Intergalaktische Agenten: Band 2. Ari
42 - Intergalaktische Agenten: Band 2. Ari
von Stéphane Louis
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 13,80

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Chaos pur!, 2. Oktober 2014
Viele Jahrtausende sind vergangen seit dem letzten Galaxien-vernichtenden Krieg. Fernab der besiedelten Zone wagen sich Wissenschaftler daran, einen Planeten zu untersuchen, der damals zu einem der zentralen Kampfplätze gehörte. Doch es häufen sich seltsame Unfälle und Todesfälle. Der Hilferuf wird jedoch nicht nur von Diplomaten und Militärs vernommen, auch einer der 42 intergalaktischen Agenten wird hinzugezogen. Ausgerechnet Ari, einer der Gewalttätigsten seiner Art, dem der Ruf vorauseilt, gnadenlos und brutal zu agieren, trifft auf dem Planeten ein.
Es geschehen weitere Morde und der Stationsleiter ruft das Kriegsrecht aus. Da macht Ari eine Entdeckung, die das gesamte bekannte Universum verändern könnte, ja seinen Bestand sogar zu gefährden scheint.

Das Autorengespann Jean-Marc Laine und Louis betten, wie im ersten Teil der fünfbändigen Serie 42, die Geschehnisse des zweiten Abenteuers Ari in eine Rahmenhandlung ein, die die Ereignisse aus einer fernen Zukunft in einer Art musealer Rückschau betrachtet.
Leider kann der Leser weder die Zusammenhänge auch nur erahnen, noch verstehen, welchen Sinn diese Einbettung macht, denn Erklärungen werden auch im zweiten Abenteuer vergebens gesucht.
Zwar wird eine ungeheure Menge an Informationen in die Textblasen gepresst, doch Sinn machen diese ausufernden Schilderungen nicht. Es entstehen nur noch mehr Fragen, die keiner Antwort würdig sind.
So verliert sich der Leser schnell in einer komplexen Situation vieler Handlungsstränge und noch mehr anwesender Protagonisten. Leider werden deren Motive nicht klar und zu keiner Zeit blickt man wirklich durch, was hier gespielt wird. Wer hier was tut und vor allem warum bleibt nebulös.

Bleibt die Hoffnung auf ein grafisch beeindruckendes Erlebnis. Leider ist auch hier Chaos angesagt. Permanent wechseln die Handlungsorte, dutzendweise werden Personen oder Wesen abgebildet, die kurz darauf wieder abtreten. Niemand erhält Facetten, Tiefe oder gar ein Motiv. Immer hektischer eilen die Akteure hin und her, immer sinnloser wechseln die Blickwinkel, aus der diese völlig konzeptlos erscheinende Handlung betrachtet wird.
Die vorherrschenden Farben sind blass, wechseln zwischen faden Blautönen und erdigen, verwaschenen Grundfarben. Hier kann weder die Qualität des Splitter-typischen Druckes noch die exotische Ansammlung an Fabelwesen etwas retten - der Leser tappt ohne Verständnis der Zusammenhänge permanent im Dunkeln und rätselt meistens, wer hier gerade was macht und zu welchem Zweck.

Schade, die Ankündigungen zu 42 ließen ein großartiges Science-Fiction-Epos erwarten. Die teilweise vorhandenen Hoffnungen nach dem ersten Band zerstört Ari allerdings so nachhaltig, dass kaum jemand den dritten Teil herbeisehnen wird.
Wer dennoch einen Blick auf die zweifellos stellenweise beeindruckenden Zeichnungen

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Stefan Erlemann


Haie von Lagos, Die: Band 4. Die Geister des Meeres
Haie von Lagos, Die: Band 4. Die Geister des Meeres
von Matthias Schultheiss
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 13,80

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Grafisch fantastisch - aber keine Fortsetzung des Mythos!, 2. Oktober 2014
Lambert lebt. Sein Hass ist unermesslich. Sein Ziel ist Rache. Rache am Leben, Rache am Tod, Rache an allen, die ihm in die Quere kommen.
Doch zwischen ihn und seine Rache schiebt sich ein gewaltiger Orkan auf hoher See. Er und Sarah sehen dem Tod ins Auge. Einem mitleidlosen, kalten und nassen Tod inmitten gewaltiger Wellenberge und seelenloser Naturgewalten. Nur ein stiller und gnadenloser Beobachter folgt dem kleinen Schiff in seinem ausweglosen Kampf gegen die zerstörerische Macht des Meeres. Der Hai, dessen Seele in Lambert wütet.

Ein Vierteljahrhundert nach der bahnbrechenden Trilogie Die Haie von Lagos versucht Matthias Schultheiss anzuknüpfen an etwas, was fast zu einem Mythos geworden ist. Kann das gut gehen? Kann man zum Beispiel heute "Harry Potter 8" schreiben oder gar "Der Herr der Ringe" fortsetzen?
Man kann, aber die Erwartungen wären hoch, sehr hoch und der Druck gewaltig, etwas Perfektes, Großartiges abzuliefern.

Dem entzieht sich Matthias Schultheiss, indem er eigentlich gar keine Geschichte bietet. Er lässt seinen Helden einfach in Hemingway'scher Manier aufs Meer hinausfahren und gegen einen Orkan - und einen Hai - antreten. Finish, Klappe, Fortsetzung folgt.
Der Rahmen - die ersten Seiten spielen vierundvierzig Tage nach dem Orkan, was in gewisser Weise das Ende dieses Kampfes vorwegnimmt, und die letzten Seiten führen zu einem kleinen Cliffhanger, der ins Nirgendwo weist - ist kaum der Rede wert. Außer einer gruseligen Folterszene gibt es weder eine Dramaturgie noch einen roten Faden. Es sind einfach nur Bilder eines Kampfes auf hoher See - sonst nichts.

Trotzdem, oder grade wegen dieser erzählerischen Nullnummer ist der Band Die Geister des Meeres eine Sensation. Und zwar einzig und allein aufgrund der unglaublichen Illustrationen, die das Ausnahmetalent Schultheiss (grade eben 68 geworden) abgeliefert hat. Solch ein Sturm ist in Comic-Form noch nicht da gewesen. Diese Panels erzählen in atemberaubender Art und Weise eine Geschichte, die es wert ist, betrachtet zu werden. Bei aller oben geäußerter Kritik bleibt dieses Album doch wirklich einmalig. Die prachtvolle Optik des Splitter-Druckes, das große Format, die variantenreiche Panelanordnung, der Einsatz der Blautöne, die Wucht der Bilder muss ein jeder gesehen haben.
Schade nur, dass hier nicht ein wenig Story hinzugefügt wurde. Oder wenigstens die Texte, die dem Geschehen hinzugefügt wurden, weniger platt daherkommen würden. Schade, dass Folter und Gewalt Selbstzweck sind und keiner Dramaturgie folgen. Schade, dass der Mythos "Die Haie von Lagos" nicht fortgesetzt wird, sondern einem - wenn auch großartigen - Intermezzo weicht, das dem Meer und den zeichnerischen Fähigkeiten von Matthias Schultheiss eine Bühne bietet.

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Stefan Erlemann


Haie von Lagos, Die: Die Haie von Lagos 1 - 3 (Erster Zyklus, Sammelband)
Haie von Lagos, Die: Die Haie von Lagos 1 - 3 (Erster Zyklus, Sammelband)
von Matthias Schultheiss
  Gebundene Ausgabe

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bahnbrechend - auch heute noch!, 2. Oktober 2014
März 1985, Lagos - Nigeria.
Korrupte Politiker, Polizisten, Händler und Piraten erfahren von einem Transport hochbrisanter Lenkwaffensysteme. Es geht um hunderte Millionen Dollar. Höchste Kreise wollen ihren Teil des Kuchens abhaben, das heißt, die Lieferung abfangen und umleiten. Riskant aber enorm gewinnbringend.
Doch der perfekte Deal scheint plötzlich allen Beteiligten zu entgleiten. Lambert, ein wie aus dem Nichts auftauchender Unbekannter, mischt plötzlich mit und gleicht fehlende Verbindungen und Finanzmittel mit unglaublicher Brutalität aus. In kürzester Zeit versucht der Weiße alle Parteien in diesem großen Spiel auszubooten, und sich die Millionen unter den Nagel zu reißen. Seine Grausamkeit scheint maßlos, sein Ziel aber nicht allein unermesslicher Reichtum zu sein. Fast sieht es für seine Kumpane so aus, als suche dieser Mann den Tod. Hinzu kommen Fähigkeiten, die den Piraten übermenschlich erscheinen und diesen Lambert fast wie einen Dämon wirken lassen, der die Seelen seiner Untergebenen wie seiner Feinde zu vernichten in der Lage ist.
Es entwickelt sich ein mörderischer Kampf um die Vorherrschaft in Lagos, der bald nicht nur Piraten, Verbrechersyndikate und korrupte Beamte in einen Strudel um Sex, Folter und Mord zieht, sondern das gesamte politische Establishment destabilisiert. Lambert muss sterben.

1987-1990 erschienen die drei Bände "Schwarze Seelen", "Lamberts Beute" und "Die Spur" des Comic-Autors und Illustrators Matthias Schultheiss. Diese als Trilogie konzipierte Serie "Die Haie von Lagos" gilt bis heute als eine der bahnbrechendsten Comicalben in Deutschland und Frankreich. Zweifellos sind diese Alben neben "Die Wahrheit über Shelby" die besten Werke, die Matthias Schultheiss geschaffen hat.

Folgerichtig erscheint nun die Gesamtausgabe in einem Band bei Splitter, bevor sich der Verlag anschickt, die lange ersehnte Fortsetzung auf den Markt zu bringen.
Man erhält für fast vierzig Euro eine der spannendsten Geschichten, die je bei Splitter erschienen ist. Einhundertvierundvierzig Seiten atemberaubender Szenen, voller Gewalt und Grausamkeit. Menschen sind hier allein aus dem Blickwinkel der Gier zu sehen. Ob Geld, Sex, Erniedrigung, Mordlust oder Macht - allein die persönliche Befriedigung steht im Mittelpunkt. Menschen sind hier Schachfiguren, vermeintlich agierend, in Wahrheit aber wie Marionetten geführt und zu keiner freien Entscheidung fähig. Entsprechend düster und dystroph skizziert der Autor eine Welt ohne Sinn und Zweck, ohne Hoffnung und Glück.
Wer diese schwere, deprimierende Sicht erträgt, wird belohnt mit einem wahren Selbstvernichtungsfeldzug. Keiner der Handlungsträger kommt ungeschoren davon, meist ist es ein grausamer Tod, der das elende Dasein beendet. Ist die Geschichte schon düster und schwermütig, mäandrierend zwischen Sieg und Niederlage, bieten die Bilder einen gnadenlos ungeschminkten Blick auf Elend und Unterdrückung.
Nacktheit wird hier nicht um der Schönheit willen dargestellt, sondern allein, um Vergewaltigung und Folter in all ihrer Grausamkeit darzustellen. Brüste, Schwänze, Hoden sind nicht schön, sondern illustrieren im wahrsten Sinne des Wortes eine sexualisierte Welt. Es geht nur um Erniedrigung, Befriedigung und Folter, nie um Gefühle oder Liebe. Die Gesichter sind hart, die Kulissen spärlich, düster und deprimierend.
Sämtliche Farben unterliegen dieser Weltsicht, nichts ist grell und schön, alle Flächen verwaschen, dunkel oder in erdigen Tönen changierend. Selbst in vermeintlich eleganten Ansichten von Segelbooten vor Südseekulisse lauert der Tod.

Wer harte, düstere und brutale Geschichten mag, muss zugreifen. Matthias Schultheiss lässt nichts aus, um die grausame Welt des Verbrechens und des persönlichen Wahnsinns zu illustrieren. Zarte Gemüter sollten sich jedoch zweimal überlegen, ob sie diese deprimierende Weltsicht genießen können. Vielleicht sollte man sich hier einen ersten Eindruck verschaffen, ehe man die vierzig Euro ausgibt!

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Stefan Erlemann


Die Seiten der Welt: Roman
Die Seiten der Welt: Roman
von Kai Meyer
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

11 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spannender geht es kaum!, 26. September 2014
Bücher können Welten entstehen lassen oder vernichten. Furia Faerfax weiß das nur zu gut, gehört sie doch zu den wenigen Menschen, die magische Kraft aus Büchern schöpfen können. Im wahrsten Sinne des Wortes schöpft sie Kraft aus den Seiten und vermag die Grenzen der Physik zu überwinden. Sie kann Dinge bewegen, zerstören, sich in Sekunden über Tausende Meilen hinweg an fremde Orte versetzen und sogar töten.
Doch steht ihre gesamte Familie auch unter dem Fluch dieser Fähigkeiten, haben sich doch mächtige Feinde verbündet und geschworen, alle zu vernichten, die mit ihrem Vater, einem der mächtigsten Bibliomanen der Welt, verwandt sind.
Seit Jahrzehnten verstecken sich die Faerfax fern ab ihrer Heimat auf einem englischen Landgut und verbergen sich vor aller Menschen Augen. Doch ihre Feinde haben eine Spur und für Furia verändert sich in einer einzigen dramatischen Nacht alles - nicht nur ihr Leben ist in Gefahr, sondern das aller Bibliomanen.

"Die Seiten der Welt", lange angekündigter und glühend beworbener Roman aus der Feder von Kai Meyer, einem der erfolgreichsten deutschen Fantasy-Autoren, ist endlich in den Regalen der Buchläden zu finden. Schwarz-matte Grundfarbe, große, goldene Lettern und Verzierungen auf dem Schutzumschlag wie auf dem Karton des Einbandes, viele Seiten - die perfekte Anmutung eines Bestsellers. Zumal das Buch gleich dutzendfach aufeinandergestapelt in den Auslagen zu finden ist.

Da kann nichts schiefgehen. Kai Meyer steht für Qualität - und nicht wie beispielsweise Wolfgang Hohlbein für Quantität. Und dem Leser vergeht schnell der Atem, der Ruhepuls weicht hektischen Herzschlägen, der Schweiß bricht dem eher zartbesaiteten Leser aus. Was Meyer an Tempo vorlegt, ist enorm. Wenige Seiten nur und Action ist angesagt. Es herrscht Todesgefahr für die junge Protagonistin und eine spannende Szene jagt die nächste. Selten nur gibt es längere Passagen der Ruhe, Erklärungen finden sich selten, rasante Tempi bis zu den letzten Seiten beherrschen die Szenerie.

Leider bleiben viele Charaktere bei diesem Parforceritt eindimensional, es fehlt schlicht die Zeit, ihnen Facetten zu geben, sie zu mehr als Schachfiguren werden zu lassen. Die Hauptschwäche dieses Romans ist auch seine Stärke: Der Spannungsbogen ist so nervenzerfetzend hoch angesiedelt, dass einfach keine Zeit zum Luftholen bleibt. Der Autor versäumt es leider, seine zahllosen wundervollen, skurrilen und oft einmaligen Ideen ausreichend zu würdigen. Der Leser ist am Ende zwar restlos begeistert, trauert aber auch den vielen Momenten nach, die vergehen, ohne Tiefe zu erlangen.
Was in den großen Tintenherz-Romanen von Cornelia Funke vielleicht übertrieben ausführlich vor dem Leser ausgebreitet wird, weicht hier dem Zeitgeist: schnell, fast hastig, Chanel crossing statt Verweilen, Be- statt Entschleunigung. Das ist sicherlich Erfolg versprechend doch leider auch ein klein wenig enttäuschend. Immerhin ist dies ein Buch und kein IPod.

Das Fazit ist eindeutig. "Die Seiten der Welt" ist ein sehr spannender, großartiger Roman über einen toughen, starken Teenager, der viele Millionen Leser verdient und glühende Kritiken nach sich ziehen wird - doch er ist auch ein hastig durch eine Geschichte rasender Kraftakt, der allzu viele Handlungsfäden leichtfertig am Rande liegen lässt und ihnen die ihnen gebührende Zeit nicht einräumt.

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Stefan Erlemann


Saria: Band 2. Engelspforte
Saria: Band 2. Engelspforte
von Jean Dufaux
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,80

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen kein Ruhmesblatt!, 5. Mai 2014
Die Macht des Dogen wankt. Luna (alias Saria) und damit die drei machtvollen Schlüssel sind unauffindbar und ihr Diener Orlando, obwohl schwer gefoltert und bestens bewacht ist, aus dem Gefängnis entkommen. Zudem steht die Wahl des Volkes über die Herrschaft für die nächsten zwölf Jahre unmittelbar bevor. Und diesmal scheint die Dyle der Sklaven einen Märtyrer aufzubieten, der sie auch für sich gewinnen kann.
Die einzige Chance für Fürst Asanti ist es, sich der Schlüssel zu bemächtigen, die Zugang zur Hölle, zum Himmel und zum Nichts gewähren.

So kurz, so wirr. Leider aber ist die Geschichte rund um die hübsche Saria nicht schlüssig zusammenzufassen. Nachdem der erste Band der Trilogie "Die drei Schlüssel" fünf Jahre für sich alleine stand und in Vergessenheit geriet, haben Autor Dufaux und der als Illustrator neu gewonnene Riccardo Federici den Neustart im zweiten Band gründlich vermasselt.
Sämtliche Figuren bleiben flach und bar jeder Tiefe, zahlreiche Action-Szenen und hastige Szenenwechsel sorgen für den Fortgang der Geschichte. Neu hinzutretende Charaktere dienen als reine Kulisse und erhellen weder die Zielrichtung des Ganzen noch erläutern sie auch nur eins der vielen Rätsel, die der erste Band kreiert hat.
Welche Macht haben die Schlüssel? Was will der Doge mit ihnen anstellen, was will der Racheengel, der andauernd unmotiviert durchs Bild geistert – unfassbar mächtig und doch blind und hilflos wie ein Osterlamm? Was treibt Orlando an, was Saria? Was hält den Dogen an der Macht, warum dient ihm dieser plakativ dargestellte Mussolini-Gendarm? Wer ist die Dyle und was will der Märtyrer, woher hat er seine Macht, warum setzt er sie nicht ein? Wer installierte das Wahlverfahren und zu welchem Zweck? Warum ist das fragile und jeglicher Willkür unterworfene Machtgefüge scheinbar so langlebig, was ist der Doge und was hält ihn am Leben?
Endlos lassen sich Fragen stellen, keine wird beantwortet. Immer neue Rätsel tun sich auf (welchen Zweck erfüllen die plötzlich auftauchenden Monster, die wie Schwarzenegger mit abgezogener Haut aussehen?) und verschwinden wieder im Nebel Venedigs.
Nein, die Story taugt nichts, Dufaux verliert sich in Andeutungen und permanenten, sinnlosen Szenenwechseln – zumal einige Textstellen mehr als nur unfreiwillig komisch wirken, sie sind schlicht miserabel.

Bleiben die Illustrationen von Federici. Betrachtet man seine Bilder, kommen dem Leser die Tränen ob der fotorealistischen Qualität. Wunderschöne Gesichtszüge, albtraumhafte Monster, beeindruckende Kulissen. Die Nahansichten von Saria/Luna sind wirklich atemberaubend.
Leider lebt ein Comic nicht allein von Einzelbildern, seien sie noch so perfekt, sondern von ihrer dynamischen Verknüpfung, der Panelstruktur und der atmosphärischen Hintergrundstimmung, die sie erzeugen. Und hier bekommt der Zeichner eine glatte Sechs: Thema verfehlt!
Die Gesichter sind schön, aber seelenlos, die Dynamik friert zu blitzlichtartig erhellten Einzelszenen, die trotz überwältigender Schönheit keinen Film im Kopf ablaufen lassen. Im Gegensatz zu Serpieri, dessen Schraffuren den Personen im ersten Band Leben einhauchten, ihnen Tiefe verlieh und ihre Beweggründe – sei es Hass, Liebe oder Verzweiflung – sichtbar werden lies, erkennt man im Band "Engelspforte" die Charaktere kaum wieder. Sie scheinen bloße Kopien zu sein, die unberührt von den Geschehnissen um sie herum in die imaginäre Kamera blicken.

Schade. Saria, als Trilogie konzipiert, verliert im zweiten Band jede Kontur. Die Story ist wirr, die Bilder gleichen einem Gang durch ein Museum – schöne Bilder ohne inneren Zusammenhang. So verliert der Leser jegliche Lust, auf den Abschluss der Serie zu warten und auf ein grandioses Finale zu hoffen.

Wer sich die einmalig schönen Bilder vorab ansehen will, sollte bei Splitter nachschlagen.

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Stefan Erlemann


Mein Weg aus dem Burnout: Der Stress-Falle entkommen, Lebenskunst entwickeln
Mein Weg aus dem Burnout: Der Stress-Falle entkommen, Lebenskunst entwickeln
von Jens Brehl
  Broschiert
Preis: EUR 14,80

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Erhellender Bericht der unter die Haut geht!, 29. April 2014
Burnout. Für Jens Brehl ein Synonym für Versager. Für einen Menschen, der für seine Arbeit lebt, durch seine Arbeit lebt, sich jahrelang nur als Leistungsmaschine wahrnimmt und Zeitdruck und Stress als natürliche und nahezu einzige Bestandteile seiner Existenz ansieht, bedeutet dieser Zustand eine herbe Niederlage. Eine Niederlage, die endgültig ist, Selbstmord nahelegt und keine Zukunft mehr zulässt.
Therapie ist etwas für Weicheier, Hilfe von anderen peinlich, sich outen und über Gefühle sprechen, ja, überhaupt welche zulassen, zutiefst verstörend und ängstigend.
Dennoch begibt sich der Journalist und PR-Berater auf diesen Weg in seine eigene Seele, versucht sich zu öffnen, zu ändern, sich neu zu erfinden oder durch die Hilfe und die Fähigkeiten anderer erfinden zu lassen. Vom Alleskönner zum Empfänger kostenloser Speise der Fuldaer Tafel.
Ein Abstieg, endloser Tunnel und ein Aufstieg ohne Schminke, ohne Maske und ohne Scham. Ein Bericht ohne Wenn und Aber, ohne sich selbst zu schonen und mit dem Eingeständnis oder besser der Erkenntnis, das Burnout keine Versager-Krankheit ist, sondern ein Warnsignal, dem die Chance innewohnt, das eigene Leben so zu gestalten, dass nicht Erfolg und Geld, Besitz und Konsum, sondern Glück und Erfüllung zum Maßstab werden.

Jens Brehl mutet dem Leser viel zu. Einfach ist diese Schilderung nicht, Brüche im Text, Gedankensprünge und Lücken tun sich immer wieder auf, ganze Kapitel scheinen in der Luft zu schweben und ohne Zusammenhang dazustehen. Weder der Zusammenbruch noch der Weg zu einem neuen Leben sind leicht nachzuvollziehen. Vieles muss sich der Leser denken, erahnen oder hinzudichten, manches wird nicht erhellt oder bleibt bewusst im Dunklen. Einiges ist auch unverständlich und so bruchstückhaft, dass man kaum in der Lage ist, den neuen Jens Brehl einzuordnen. Ist er wirklich fundamental ein anderer geworden oder kocht er nur noch auf Sparflamme? Ist er einfach nur noch zu halber Leistung fähig oder hat er wirklich eine innere Balance gefunden, die über seine eigene Person hinaus dem Leser eine Art Hilfestellung geben kann, sein eigenes Leben zu überdenken? Hat dieser Bericht einen exemplarischen Sinn oder ist es "nur" der Lebensweg eines in der Leistungsgesellschaft gescheiterten? Ist dieses Buch eine Art Therapie für Jens Brehl – das wäre ja bereits viel und für ihn extrem wichtig – oder kann es auch anderen helfen?

Es kann. Burnout ist zwar als Begriff in jeder Zeitung jeden Tag vertreten, beherrscht Chefetagen ebenso wie Gewerkschaftsvertreter, lässt Ärzte Nachtschichten schieben und die Rentenkasse zittern, doch was sich wirklich hinter diesem "Ausgebrannt sein" verbirgt, ist gar nicht so leicht zu definieren. Zu viele Symptome lassen sich zu einem viel zu komplexen Krankheitsbild zusammenfassen, als dass der einfache Zeitungsleser, Arbeitgeber oder Arbeitnehmer etwas damit anfangen könnte.
Jens Brehl gelingt es diesem Klischee des Leistungsverweigerers unendlich viele Facetten zu geben, dieser nebelhaften Gestalt der modernen Arbeitswelt ein Gesicht zu geben, das erkennen lässt, wie sehr ein Mensch, der mit dieser Diagnose aus der Arzt-Praxis kommt, zu kämpfen hat. Mit sich seiner Umwelt und seinem ganzen restlichen Leben. Dieser Bericht macht Betroffenen und Angehörigen Mut, gibt Halt und lässt hoffen – was will man mehr?

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Stefan Erlemann


Saria: Band 1. Die drei Schlüssel
Saria: Band 1. Die drei Schlüssel
von Jean Dufaux
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,80

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Zweitauflage" - mit Forsetzung!, 28. März 2014
Ewige Schmerzen sollen Asanti verzehren. Abgrundtiefer Hass lodert in Galadriel. Die schreckenerregende Chimäre aus Mann, Frau und Engel ist zu spät gekommen. Fürst Asanti liegt im Sterben und hat die Schlüssel zur Engelspforte nicht mehr. Er hat sie seiner unehelichen Tochter Saria übergeben. Die ahnt nichts von der ungeheuerlichen Macht der drei Schlüssel, die denjenigen, der die Engelspforte findet, in die Hölle, ins Nichts, aber auch in den Himmel führen können.
Auch sechs Jahre später hat Galadriel noch keine Spur der Schlüssel gefunden. Er hält sich immer noch in Venedig auf, hofft er doch, dass der Doge oder seine Priesterschaft die Schlüssel ebenfalls an sich bringen wollen. Immerhin ist der Herrscher Venedigs der Bruder des verstorbenen Fürsten Asanti.
Hoffnung keimt in Galadriel auf, als sich eine junge Frau gegen den Dogen und seine willkürlichen Hinrichtungen auflehnt. Denn die hübsche Rothaarige könnte die verschollene Tochter Asantis sein.

September 2007 erschien bei Robert Laffont "Les Enfers : Les trois clés". Der Fantasy-Comic wurde vor allem dank der herausragenden Zeichnungen von Serpieri hochgelobt. Leider wurde aus der als Trilogie angekündigten Serie nichts. Keine einzige Seite des zweiten Teils entstand.
Bis zum November 2012. Da erschien überraschend Teil eins (unter dem Titel "Saria: Les trois clés") mit neuem, von Riccardo Federici gezeichnetem Cover und Band 2 ("Saria: La porte de l'ange").
Der Splitter-Verlag zog nach, nahm sich der Serie von Autor Dufaux an und ließ "Saria: Die drei Schlüssel" neu verlegen – natürlich in gewohnt prachtvollem Outfit und perfekter Qualität.

Der unveränderte Inhalt glänzt immer noch mit wundervoll detaillierten, teils morbiden, teils faszinierend schönen Bildern des begnadeten Serpieri. Seine fast dreidimensional wirkenden Frauenkörper sind einfach hinreißend. Gemischt mit furchterregenden Bildern einer Fantasy-Welt, die Mittelalter mit Steampunk, Historiendrama mit einer Metropolis-artigen Maschinenwesen-Welt mischt.
Rohre, Leitungen, Drähte, lebendig anmutende Maschinen, gepaart mit Folter, Hinrichtungen und Mord wie in besten Hexenjäger-Zeiten lassen eine unnachahmliche Stimmung aufkommen.

Bild

Wäre nicht die Story, man könnte dahinschmelzen vor Wonne – zumal Band zwei Ende März erscheint und die Geschichte endlich eine Fortsetzung erfährt. Dufaux aber verdirbt viel von der Wirkung der Bilder. Viel zu viele Handlungsstränge, wirre Wendungen, Aktionen, die nicht erklärt werden, eine Welt, die zwar fasziniert, sich aber in keinster Weise selbst erklärt. Das lässt zwar viel Raum für Vermutungen und macht Lust auf Band zwei, wirkt aber zu wüst und durcheinander, um zu begeistern.

Bleibt die Frage, ob Federicis Illustrationen, gepaart mit dem Szenario von Dufaux, die Geschichte würdig fortsetzen können. Nimmt man das Coverbild als Hinweis, wird dem Betrachter jedoch angst und bange. Die Illustration wirkt im Vergleich zu Serpieres Bildern zwar moderner aber auch seichter und belangloser.

Aber bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt.

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Stefan Erlemann


Quästor: Band 3. Der Prinz und die goldenen Krabben
Quästor: Band 3. Der Prinz und die goldenen Krabben
von Jean-Luc Sala
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 13,80

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Grafikpracht, Zoten und Geschichte - tolle Mischung!, 25. März 2014
Die griechischen Quästoren Idomeneus und Aeson haben kaum mit ihren Ermittlungen begonnen, da sind sie auch schon Ziel mehrerer Anschläge auf ihr Leben. Prinzessin und Hohepriesterin Alcyone, von Aeson bei verbotenen kultischen Handlungen im heiligsten Zentrum von Atlantis erwischt, versucht alles, um die Fremden zum Schweigen zu bringen.
Und während Aeseon um sein Leben rennt, hat auch Idomeneus schwierigste Aufgaben zu meistern. Er muss zeitgleich eine Faunin, eine Gorgo, eine Nymphin und eine Najade befriedigen - kein leichtes Unterfangen, selbst für den in dieser Hinsicht äußerst kampferprobten Helden.
Es kommt, wie es kommen muss, alle der Verschwörung verdächtigten, die Königin und die beiden Quästoren sowie der gesamte atlantische Adel werden im Senat vor den obersten Richter gezerrt, um in einem Rededuell die Wahrheit zu finden.

"Was gibt's Besseres, als ein paar Titten zur Ablenkung" - der erste Satz des Aesons weist den Weg. Hier wird ein Ton eingeschlagen - und mit entsprechenden Bildern illustriert - der mehr als nur locker ist. Da wird fröhlich der Unzucht mit Fabelwesen gehuldigt, werden wunderschöne Frauenkörper geradezu hingebungsvoll entblättert (und zwar komplett, weit über jede Schamgrenze hinaus) und Scherze getrieben, die man eigentlich eher in Filmen wie "Eis am Stiel 6" erwartet hätte - inklusive witziger Bemerkungen, die zwölf bis vierzehnjährige männliche Jugendliche in der Bravo nachlesen können - oder wahlweise bei Youtube unter den Stichworten "peinlich", "Sex" und "pubertär" finden können.

Sieht man aber von den flachen Stellen des Textes ab - die Bilder sind von männlichen Augen vermutlich sowieso nicht zu beanstanden - erweist sich der dritte Teil der leider auf vier Bände angewachsenen Trilogie "Quästor" von Autor Jean-Luc Sala und Illustrator Nicola Saviori als äußerst unterhaltsam.
Die beiden griechischen Quästoren stolpern durch traumhaft schöne Kulissen, entlarven finsterste Machenschaften, treffen wunderschöne Frauen, edle Helden und herrlich skurrile Fabelwesen. Wie schon in Band eins "Menage à Troja" und Album zwei "Operation Atlantis" ist die Grafik atemberaubend. Getaucht in glänzende, bunte Farben, die diesmal Hélène Lenoble zu verantworten hat, entfaltet Nicola Saviori eine bis ins kleinste Detail perfekt ausgearbeitete Welt, die anzuschauen niemals langweilt und meistens gar begeistert. Dazu kommt eine Panel-Architektur, die extremes Tempo suggeriert, ständigen Variationen unterworfen ist und immer wieder in wundervolle Panoramen gipfelt.

Da auch Jean-Luc Sala immer wieder ernste Zwischentöne einstreut, kleine Dramen ablaufen lässt und der ganzen Geschichte fast schon einen tragischen Unterton angedeihen lässt, nimmt man die Ausfälle in die Zotenkiste billigend hin, sie sorgen immerhin für die nötige Lockerheit, das Gemetzel und die Düsternis der zugrunde liegenden Rahmenhandlung zu ertragen. Gerade am Ende von Band drei würde man sonst vor Verzweiflung in Tränen ausbrechen ob der Unerbittlichkeit des Schicksals.
So aber, trotz kleinerer Ungereimtheiten und Abstriche, hofft man auf ein großes, würdiges und vor allem auch humorvolles Finale - gewürzt mit schönen Frauen, edlen Helden und einer kleinen Portion Historie.

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Stefan Erlemann


Elric: Band 1. Rubinthron
Elric: Band 1. Rubinthron
von Julien Blondel
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,80

6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Grandioser Weltenentwurf!, 8. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Elric: Band 1. Rubinthron (Gebundene Ausgabe)
Yyrkoon schäumt vor Wut. Statt Tod und Verderben, Hass und Gewalt verbreitet der Herrscher von Melniboné Langeweile und Sichtum. Sein Cousin Elric, mächtigster Herrscher der Welt, Gebieter über die Dämonen der Unterwelt, Spross einer seit vielen Jahrtausenden unangreifbaren Rasse blutdürstiger, menschenverachtender Tyrannen, ist in seinen Augen schwach und des Thrones unwürdig. Yyrkoon hasst den Albino. Verachtet den schwächlich wirkenden "Weißen Wolf" und sehtn sich nach einstiger Stärke und der gottgleichen Macht des Rubinthrons.
Doch seine Schwester Cymoril, Gefährtin Elrics und machtvolle Hexerin gelingt es immer wieder das schwache Blut des Herrschers zu erneuern, im Kraft zu spenden und die Schwäche des kranken Körpers aufzuheben. Gelangweilt, des eigenen Körpers müde, dem Volk von Melniboné entrückt und die eigene Macht verachtend, lässt Elric Yyrkoon gewähren und weisst den Ursupator nicht in seine Schranken.
Da erschüttert eine Nachricht das so unangreifbare, mächtige Reich Melniboné. Barbarenhorden wagen es, die unangreifbare Insel der Drachen, den Hort der Götter und Dämonen, den unpassierbaren Irrgarten inmitten der kochenden See mit ihrer nichtswürdigen Flotte zu besudeln. Elric, von Yyrkoon bis aufs Blut provoziert, sieht sich gezwungen, den Angreifern persönlich gegenüber zu treten und einen Splitter seiner gewaltigen Macht zu präsentieren. Er ahnt nicht, dass er damit Yyrkoon die lange herbeigesehnte Chance gibt, ihn zu stürzen.

In fahrigen, hastig gemalt wirkenden Bildern lassen Didier Poli, Robin Recht und Jean Bastide eine Welt entstehen, die abscheulicher nicht sein kann. Vergewaltigung, Folter, das Ausbluten zahlloser junger Frauen, die Zerstückelung von makellosen Körpern allein um der Langeweile zu entgehen sind die Kulisse für die Protagonisten Yyrkoon und Elric, die sich belauern, umkreisen und doch auch einander brauchen. Da ist der hasserfüllte Yyrkoon, der sich einen grausamen Herrscher wünscht und nur aus seiner Enttäuschung über den kraftlosen Elric selbst die Macht zu ergreifen versucht. Ihm gegenüber der Albino, dessen schwacher Körper und gelangweilter Geist den Sinn seines Daseins an der Spitze einer Jahrtausende alten, unangreifbaren Dynastie nicht mehr erkennen kann. Was bringt ihm diese Macht, die endlose Aneinanderreihung von Grausamkeiten und Niedertracht? Was hat das Schicksal mit ihm vor, dem Dahinsiechenden, dem Kranken und Schwachen?

Julien Blondel erweckt ein Szenario zum Leben, das seit Jahrzehnten Vorbild zahlloser Bücher, Spiele und Filme wurde. Dem Szenario des düsteren, schwachen Helden, der sich seiner Welt entfremdet hat und auf Sinnsuche gehen muss. Ich habe diesen genialen Weltenentwurf - quasi das absolute Gegenstück zu Tolkiens "Herr der Ringe" - vor dreißig (!) Jahren gelesen (den damals sechs Bücher umfassenden Sammelband) und nie mehr vergessen. Entsprechend groß waren meine Erwartungen, Befürchtungen und eine fast allergische Abwehr-Reaktion auf die mögliche Umsetzung als typischen Hochglanz-Splitter-Comic. Wie könnte man auch nur ansatzweise diesem melancholischen, grausamen, traurigen, heldenhaften und undurchschaubaren Epos in wenigen Seiten mit bunten Illustrationen, versehen mit wenigen Textpassagen gerecht werden?

Man kann! Von der ersten Seite an fühlt man sich in die Welt Melnibonés versetzt. Spürt man die Abneigung von Elric, den scheinbar vorherbestimmten Bahnen seines Schicksals zu folgen, ahnt man, welch üble Taten Yyrkoon zu vollbringen in der Lage ist.
Und auch wenn man voller Abscheu die Hintergrundillustrationen betrachtet, die menschenverachtend Details enthüllen, die man nicht sehen möchte und doch gezwungen ist, in sich aufzunehmen, will man diesen Epos verstehen.

Der Auftaktband spart nicht mit ekligen Details und ist doch ein genialer Entwurf einer fast schon vergessenen Welt - der Welt von Michael Moorcock, dem Schöpfer einer der unsterblichen, tragischen Helden der Fantasy-Literatur. Dieser Elric ist für Fans ein Muss, für Neueinsteiger eine große Herausforderung und befriedigende Erfahrung: [b]So muss Fantasy! [/b]
Ebenfalls grandios sind die acht Sonderseiten mit Studien zur Entwicklung der Hauptcharaktere dieses Auftaktbandes.

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Stefan Erlemann


Atalante: Band 5. Kalais und Zetes
Atalante: Band 5. Kalais und Zetes
von Didier Crisse
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,80

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen ... bleibt die Hoffnung auf einen versöhnlichen Schluss?!!, 23. Dezember 2013
Achtung: "Kalais und Zetes", Band fünf der Serie Atalante, schließt inhaltlich unmittelbar an "Der Flug der Boreaden" an. Der folgende Absatz sollte, will man sich die Spannung erhalten, übersprungen werden.

"Bei den Klöten des Poseidon!" - Jasons Ausruf zeigt deutlich, wie überrascht er ist. Atalante hat es tatsächlich geschafft und kehrt mit den geflügelten Pferden des Zeus zurück nach Salmydessos.
Nun können sie die Harpyien in ihrer Himmelsfestung angreifen und Kalais und Zetes aus ihrer Gefangenschaft befreien. Die kleine Heldenschar rund um Jason, Herakles, Orpheus, Castor, Pollux, Meleagros, Phineus, Atalante und Akastos ahnen nicht, wie gewaltig die Streitmacht der Harpyien ist und in welch dramatischen Zweikampf sie gerade noch rechtzeitig hineinplatzen.

Wieder gelingt es Crisse eine einfache Geschichte durch zahllose Rückblenden, Nebenschauplätze und Exkurse zu verkomplizieren. Der Leser weis vor lauter Göttinnen, Königen und Fabelwesen bald kaum mehr, wo ihm der Kopf steht. "Ihm", weil die teilweise erotischen Zeichnungen von Crisse wohl meist von einer männlichen Leserschaft goutiert werden. Zumal Helden hier sehr männlich und Frauen - ja, auch Atalante - nur eine hübsche Dreingabe sind.
Selbst Göttinnen stellt der Autor uns nur als faule, lasziv daliegende und meist untätige Dekorationselemente vor. Nein, die Story überzeugt nicht und erreicht im fünften Teil dieses Mythologie-Breis einen neuen Tiefpunkt. Es passiert eigentlich nichts, seitenweise werden Witze gerissen und Dialoge gewälzt.
Und damit kommt man zum zweiten Kritikpunkt an "Atalante". Der Humor erstreckt sich in weiten Teilen auf dem Niveau der eingangs zitierten Bemerkung (der mit den Klöten, also Hoden des Poseidon). Hier werden nicht feinsinnige Humorperlen erzeugt, sondern platte Zoten ausgebreitet - und das seitenweise.

Bleibt der dritte, wichtigste Aspekt, der diese Serie zum Kaufobjekt macht. Die Zeichnungen von Crisse. Leider ist dieser Band bar jeder Überraschung. Die Fabelwesen sind bekannt, die Perspektiven wiederholen sich und die dauernde Hervorhebung von Brüsten an jedem Wesen, das auch nur über einen Ansatz eines menschlichen Oberkörpers verfügt, lässt tatsächlich so etwas wie Langeweile aufkommen. Jede einzelne Figur ist in dieser Hinsicht exakt gleich ausgestattet. Es mutet an, wie ein Baukastensystem. Körbchengröße neun mit Silikonunterstützung.

Worauf wir zum Urteil über den fünften Teil dieser Doppeltrilogie kommen. Und das fällt vernichtend aus. Story: Pfui, Humor: Bäh, Illustrationen: Gut, aber nach der siebenhundertzweiundzwanzigsten Umdrehung des Perpetuum mobile nicht mehr wirklich interessant.
Bleibt die Hoffnung, dass im letzten Band endlich der Kreis geschlossen wird, die Vergangenheit Atalante und ihren bornierten Vater einholt und Nägel mit Köpfen gemacht werden - sprich Göttinnen, Papa und Helden von Atalante eins auf die Nase kriegen.

Wer Bilder und den "speziellen" Humor dieses Bandes näher in Augenschein nehmen will, kann dies hier gerne tun.

Vielleicht sollte man den Anhang erwähnen: sechzehn Seiten "Charakterdesign" von Crisse und Kolorist Besson. Leider werden hier nur einige wenige Frauen dargestellt, die Crisse in der Vergangenheit kreiert hat. Und die im Übrigen genauso aussehen, wie alle Frauen bei Didier Crisse. Sehr lange Beine, großer Hintern, große ..., - geschenkt. Einige wenige Tierbilder überraschen jedoch. Und die beweisen, dass Crisse auch anders kann - leider jedoch nicht in Atalante.

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Stefan Erlemann


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