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Rezensionen verfasst von
Mables Cleaner (heartmountain)

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The King of Rock 'n' Roll
The King of Rock 'n' Roll
Wird angeboten von pahubhen
Preis: EUR 5,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Daniel Lioneye - The King of Rock'n Roll" (2001), 19. April 2010
Rezension bezieht sich auf: The King of Rock 'n' Roll (Audio CD)
Eine verrauchte Rocker-Bar kurz vor der mexikanischen Grenze, düstere Gestalten sitzen am Tresen, ein paar Tänzerinnen verdienen sich im schummernden Licht ihre Miete. Plötzlich ertönt Musik:

I was born in Mexico / Tequila Rock'n roll / Chicks and coke is all I need / Hard erection guaranteed.

Daniel Lioneye, fünf Typen, die selbst die Hölle wieder ausgespuckt hat, betreten die Bühne und hämmern mit aller Riff-Brutalität den Putz so dermaßen von den Wänden, dass kein Gips der Welt hier Abhilfe schaffen könnte. Rock'n Roll lebt!

So und nicht anders könnte die Geschichte von Lily Lazer, Bad Migé Amour, Rakohammas, Ike und Dr. Skrepper erzählt werden. Doch die Wirklichkeit ist hiervon so weit entfernt, wie das Titty Twister" vom finnischen Helsinki. Die Mannen, die sich hinter dem Löwenauge verbergen, sind keine geringeren, als drei Mitglieder der Love Metal Band HIM", darunter Ville Valo an den Drums und Mikko Paananen am Bass, ergänzt durch die ebenfalls finnischen Musiker und Produzenten Hiili Hiilesmaa an den Tasten sowie Ikka an den Soundeffekten. Den kreativen Kopf der Gruppierung bildet Linde (Daniel Lioneye / Lily Lazer), seines Zeichens Gitarrist von HIM und treuer Iggy Pop Fan.

Auch wenn diese fünf Herren nicht aus dem Süden der U.S.A stammen, so hat doch aber die wichtigste Komponente den weiten Weg ins kalte Finnland unbeschwert überstanden:

Dröhnender, stampfender, dreckiger Motörhead meets Elvis" - Rock'n Roll bis die Boxen vom Schrank fallen.

Schon der Opener The King of Rock'n Roll", welcher standesgemäß durch Motorengeräusche eingeleitet wird, trifft genau ins Schwarze. Laut knallende Drums, treibende Gitarren, ein brummender Bass, dazu Polizeisirenen und eine geballte Menge Bad Ass"-Attitüde - fertig ist die Suppe, BAM Margera freut sich. Auch Roller" und Dope Danny" überzeugen durch Black Sabbath inspirierte Gitarrensounds, gepaart mit grober Sex, Drugs and Rock'n Roll" - Lyrik, die von einem tief grummelnden Lily Lazer vorgetragen wird. Beim drauf folgenden Never Been in Love Till the Day I Die" wird wieder ordentlich aufs Gaspedal gelatscht, bevor Eldorado Baby" als sguigely wigely snake-a-didley seven boogie forty woogie blues" in bester Elvis-Manier hüftkreisend um die Ecke getanzt kommt. Auch die zweite Hälfte dieses innerhalb von nur fünf Tagen produzierten Longplayers weiß zu überzeugen, indem sie dem Albumkonzept treu bleibt, ohne dabei den Reiz zu verlieren. Dafür sorgen zunächst Lonely Road" - der stiltypische, treibende, freiheitssuchende Song über einen Mann und die Straße sowie International P(ussy)-Lover, dessen Thema sich erschließen dürfte. Kurzum das Standard-Programm eines jeden Bikertreffens von hier bis L.A.: Frauen, Motoren, und Alkohol. Das 8:28 min lange, energiegeladene We Gonna Rockin Tonight" gleitet nach der ersten Minuten in eine psychedelische Gitarrenekstase mit schönen Soli über, bevor das wohl härteste und überdrehteste Bob Dylan Cover aller Zeiten (Knockin` On Heaven`s Door") das Ende dieses Monsters von einem Album beschließt.

Im Endeffekt ist The King of Rock'n Roll" eine Platte, die man gernhaben, ja zutiefst verehren kann aber dieses hohe Ansehen wiederum auch nicht die Regel sein muss. Für Kritiker ist es leicht, den Texten mangelnden lyrischen Tiefgang vorzuwerfen, den Sound als überdreht und nervig abzutun und den an Elvis ähnlichen Gesang von Daniel Lioneye schlichtweg nicht zu mögen. Allerdings sollten man nicht vergessen, dass es sich hier in erster Linie um eine Partyplatte der außergewöhnlichen Art handelt. Die Band selbst klagt nichts an und will auch nicht die Welt verändern. Was die Herren um Linde Lindström aber wollen, ist ein Gefühl der Freiheit vermitteln, sich amüsieren und vor allem Rocken bis der Sicherungskasten knallt. Man könnte die LP auch als ein Art Befreiungsschlag aus dem eng gestrickten Produktionskorset ihrer Hauptband HIM verstehen. Einfach man drauf los spielen, nicht lange fackeln, auf Details verzichten, spontan sein, übertreiben und gucken, was passieren kann. Durch die Überspitzung von Sound und Texten werden eine Menge Klischees bedient, herausgefordert und dadurch gleichzeitig auch ein wenig auf die Schippe genommen. Also auf das Augenzwinkern zwischen dem Geschramme" achten! Sämtliche mögliche Kritikpunkte ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass The King of Rock'n Roll" durchweg gelungen ist. Es ist doch gar nicht essentiell für diese Art von Musik, dass der Frontman über tiefgreifende Gefühle singt. Es muss laut sein, es muss erbarmungslos grooven und es muss vor allem Spaß machen. Punkt. Und wie heißt es doch so schön im ersten Song des Albums: I'm gonna give you what you need / I'm gonna make your ears bleed". Solange man das ganz beruhigt für bare Münze nehmen kann, ist das Konzept doch aufgegangen.


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