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Rezensionen verfasst von
Boo

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Daughter of Smoke and Bone: Zwischen den Welten 1
Daughter of Smoke and Bone: Zwischen den Welten 1
von Laini Taylor
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

3.0 von 5 Sternen ein Leseempfinden à la Jekyll und Hyde, 7. Januar 2014
Die Rezension enthält vermutlich Spoiler, was aber nötig war, um meinen Eindruck besser schildern zu können. Ich denke, dass ich nichts wirklich Signifikantes verrate, aber hier trotzdem die Warnung für Leute, die da etwas empfindlich reagieren.

Bei Daughter of Smoke and Bone gab es Momente, die mich regelrecht begeistert haben und andere, von denen ich einfach nur genervt war. Zum Teil folgten diese Empfindungen bei mir so dicht aufeinander, dass ich stellenweise nicht mehr wusste, ob ich Laini Taylor nun feiern oder ihr das Buch frustriert an den Kopf werfen sollte.

Was ich mochte ...

Die Idee der Geschichte, der Kampf zwischen Seraphim und Chimären, die Beschreibung dieser Wesen und die Art wie Karou mit all dem verbunden ist. Die Sache mit der Magie, den Wünschen und welcher Preis dafür zu zahlen ist und was es nun mit den Zähnen auf sich hat, sowie die Bedeutung der Hamsas (Augen-'Tätowierungen') auf Karous Händen. Im Grunde Sachen, die man zum Teil so oder so ähnlich vielleicht anders wo schon gelesen hat und trotzdem wirkt nicht wie aufgewärmt, sondern wie etwas Eigenes und Innovatives, dass das Buch aus der Masse der YA Literatur hervorhebt.
Prag als Setting ist eine wunderbare Wahl für so eine Geschichte und die besondere Atmosphäre, die dadurch entsteht, gehört eindeutig zu den großen Pluspunkten der Erzählung. Und auch dass die Geschichte etwas düsterer ist, hat mir gefallen.
Manchmal sind es auch nur Kleinigkeiten oder 'Schnappschüsse', die bei mir hängen geblieben sind, was eine gute Geschichte letztendlich für mich aus macht. Etwas das Bild von Kishmish (eine Fledermauskrähe) wie er auf einem von Brimstones - übrigens einer der wenigen Akteure, die ich wirklich gemocht habe in dieser Geschichte - Widderhörnern hockt oder die Szene mit Izîl und seiner 'Last', die er zu tragen hat. Selbst so ein winziges Detail, wie die beiden Tätowierungen "True" und "Story" auf Karous Armen bzw. wie man diese Konstellation deuten kann, tragen dazu bei, mein Interesse zu wecken. Auf die Positivseite rechne ich auch die philosophischen Aspekte von Daughter of Smoke and Bone.

Was ich nicht mochte ...

Die Romanze: Natürlich ist es von Person zu Person unterschiedlich, was man als romantisch empfindet und was nicht. Wer beispielsweise Romeo und Julia (als Liebesgeschichte) mag, wird sich mit der Geschichte zwischen Karou und Akiva auch wohl fühlen. Für meinen Geschmack hatte es aber zu wenig Substanz. Es wird zwar viel von Liebe gesprochen, tatsächlich gefühlt habe ich davon allerdings nicht. Vielleicht habe ich auch schon ein wenig dicht gemacht, als die Liebe-auf-den-ersten-Blick-Karte gespielt wurde. Allerdings hat der weitere Verlauf auch nicht dazu beigetragen, mich versöhnlich zu stimmen. Was verbindet die beiden, außer dass sie sich von der unglaublichen Schönheit des jeweils anderen so angezogen fühlen? Man erfährt zwar, dass es zwischen Karou und Akiva eine Vorgeschichte gegeben hat, welche allerdings genauso uninspirierend ist und auch hier: Liebe auf den ersten Blick. Ich hatte jedenfalls den Eindruck, dass diese Romanze sehr von Oberflächlichkeiten geprägt ist und ich bin mir immer noch nicht so ganz sicher ob die vielen Bemerkungen der Art 'Schön kann unmöglich böse sein' wirklich ernst gemeint sind oder eher ironisch. Thiago könnte man zumindest als Gegenargument in Betracht ziehen.

Karou: Am Anfang mochte ich sie überhaupt nicht. Trotz der Aufträge, die sie erfüllt und der Tatsache, dass sie kämpfen und mit Waffen umgehen kann, wirkte sie auf mich sehr unreif und mitunter auch wesentlich jünger als ihre tatsächlichen 17 Jahre. Sie macht im Verlauf der Geschichte logischerweise eine gewisse Entwicklung durch, was aber lediglich dazu ausreicht, mich auf einen Waffenstillstand zu einigen, nicht aber, um sie tatsächlich zu mögen oder zumindest interessant zu finden. Aber das liegt dann an mir, weil ich mich (i.d.R.) mit Protagonisten aus dem Young Adult Bereich einfach nicht identifizieren kann.

Akiva: Es kommt wirklich selten vor, dass ich einen männlichen Protagonist nicht mag, aber Akiva hat es geschafft, vermutlich beginnend in dem Moment als er vom Boogeyman zum Teddybär mutiert, allein durch einen Blick auf Karou. Und mit der Zeit habe ich meinen Respekt vor ihm dann völlig verloren. Ich konnte mir auch ehrlich gesagt kein richtiges Bild von ihm machen, obwohl Karou dem Leser mehr als genug Möglichkeiten gibt, sich von seiner überirdischen Schönheit zu überzeugen. Ich weiß nicht einmal, wie alt ich ihn mir rein optisch vorstellen muss. Ich schätze mal irgendwo in Richtung von Karous Altersklasse, vielleicht ein bisschen älter. Bei seinen ersten Auftritten hatte ich durch die Beschreibungen - groß, bedrohlich/düster, muskulös und so weiter... - eher das Bild von Jemandem vor Augen der 10 bis 15 Jahre älter ist. Aber die Autorin scheint dieses Bild selbst noch zu unterstützen, da im Fall von Akiva immer die Rede von einem "Mann" ist und Karou hingegen ständig als "Mädchen" bezeichnet wird. Reizende Vorstellung.

Die Geschichte an sich hatte zwar keine größeren Längen - wenn mir auch manche Situationen weniger interessant vorkamen als andere - und die Einblicke in die Vergangenheit haben mir gefallen, aber die letzten hundert Seiten haben sich für mich doch sehr hingezogen. Die Szene mit dem Maskenball und dem ganzen Drumherum war natürlich sinnvoll, um Karous und Akivas gemeinsame Vergangenheit zu erklären, - und auch hier werden Romeo und Julia Fans vermutlich die Augen leuchten - aber der Stil und die Ausdrucksweise der Autorin haben mich manchmal wünschen lassen, jemand anderes hätte diese Szenen geschrieben und der Protagonisten keine Ausrufe wie "Nein, hab ich gar nicht." - geht es eigentlich noch kindischer? - in den Mund gelegt.

Neben all den Dingen, die mir positiv aufgefallen sind und Daughter of Smoke and Bone wirklich lesenswert machen, scheitert die Geschichte leider an den für mich wesentlichsten Punkten, weshalb ich jetzt auch nicht weiß, ob ich interessiert genug bin, um weiter zu lesen oder die Kritikpunkte als Signal auffassend, besser davon absehen sollte.


Bad Idea (Itch Series)
Bad Idea (Itch Series)
Preis: EUR 5,11

5.0 von 5 Sternen "I like unicorns. Unicorns are just weaponized ponies.", 15. Dezember 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Bad Idea (Itch Series) (Kindle Edition)
An diesem Buch scheiden sich ja so ein bisschen die Geister - die einen lieben es, die anderen konnten sich nicht dafür erwärmen - und die meisten Leser favorisieren Hot Head (auch von Damon Suede). Im meinem Fall ist es allerdings genau umgekehrt. Hot Head hat mir wirklich sehr gut gefallen, aber Bad Idea hat mich absolut begeistert.

Und das obwohl Damon Suede mich mit diesem Buch an meine persönliche Grenze gebracht hat, was das Verstehen von englischsprachigen Texten angeht. Zum Teil, weil ich gemerkt habe, dass mir stellenweise doch ein paar Vokabeln fehlen. Hauptsächlich aber wegen der mitunter etwas kryptisch anmutenden Dialoge, die man wohl nur dann hundertprozentig versteht, wenn man a) Muttersprachler ist, b) die Art der Sprache (Damons Stil) gewohnt ist und somit weiß, was gemeint ist oder c) die Bedeutung aus dem Kontext herauslesen kann. Trotzdem hat das meiner Begeisterung keinen Abbruch getan. Und das will was heißen. Das Wichtigste vom Inhalt habe ich zumindest soweit verstanden.

Das große Thema von Bad Idea sind natürlich Comics und alles was man so damit verbindet: Superhelden, Comic-Con, Cosplay, Comic-Verfilmungen und noch vieles mehr, was das Nerd/Geek-Herz höher schlagen lässt. Man muss natürlich etwas übrig haben für die Thematik - wer damit so überhaupt nichts anfangen kann, für den ist Bad Idea sicher nicht das richtige Buch - und ein gewisses Maß an Hintergrundwissen ist nützlich, um die ganzen Anspielungen zu verstehen und die Story im vollen Umfang genießen zu können. Dann ist es aber ein Heidenspaß zu lesen. Die Atmosphäre/Mentalität dieser Szene kommt jedenfalls sehr gut rüber. Es werden aber auch Themen aufgegriffen, mit denen sich Nicht-Comicleser identifizieren können, persönliche Dinge, Selbstfindung, Lebensweisheiten, Entscheidungen, die man treffen und zu denen man stehen muss usw.

Die Handlung beginnt damit, dass Comic-Zeichner Trip und Maskenbildner Silas aufeinander treffen, das erste Mal zu Neujahr in Verkleidung - als Arzt und Zombie. Die beiden verlieren sich zunächst aus den Augen, können nach einigem hin und her dann aber wieder Kontakt miteinander herstellen und man merkt sofort, dass die beiden einen guten Draht zueinander haben, gute Chemie sozusagen. So ist dann auch das zueinander finden eher zweitrangig. Die große Frage ist eher das Zusammen bleiben. Dass ständig irgendwelche von Silas Exen aufkreuzen - von denen es wirklich sehr viele gibt -, scheint zumindest kein gutes Omen bezüglich einer ernsthaften und längerfristigen Beziehung zu sein. Ungeachtet dessen zeigt sich aber deutlich, dass Silas was Trip angeht eine sehr fürsorgliche Seite an sich, alles Dinge, die folgendes Signal aussenden: "Du bist mir wichtig!". Und ab so einem Punkt bin ich (was Geschichten aus der Romantikabteilung betrifft) Wachs in den Händen eines Autors.
Der Sex ist explizit, hinterlässt aber nicht das Gefühl, dass diese Szenen nur dazu da sind, die Neugier des Lesers zu befriedigen. Zwischen den beiden wirkt es jedenfalls sehr natürlich. (Naja, und ich denke ja auch, es liegt ein bisschen mit daran, dass der Autor aus persönlichen Gründen weiß, wovon er spricht ;D ... Soll aber nicht heißen, dass ich weibliche m/m Autoren für "unterqualifiziert" halte.) Der Umgangston miteinander ist auch sehr direkt. Da wird kein Blatt vor den Mund genommen. Über was die sich so unterhalten ... *grins*

Der Aufhänger der Geschichte ist natürlich Trips Comic Projekt. Von seiner aktuellen Arbeit, einem Auftrag, der mehr dazu dient, seinem Editor Geld einzubringen als dazu, etwas Künstlerisches zu erschaffen und kreativ zu arbeiten geschweige denn etwas zu tun, weil man es gerne macht, ist er nämlich tierisch gefrustet. Ausgelöst durch einige Anstöße macht er sich also an etwas Eigenes, Persönliches und was nach einigem Brainstorming dabei herauskommt, ist ein homoerotischer Fantasycomic a.k.a. "a very graphic novel" ... ein gewagtes Projekt und als es gilt, damit an die Öffentlichkeit zu treten, ist Trip entsprechend nervös.

Dadurch, dass man Schritt für Schritt dabei ist, wie die Sache Gestalt annimmt, beginnend bei den ersten Ideen, der Erschaffung der Figuren und was diese antreibt, der Namensfindung, etc. hab zumindest ich mich der Sache noch näher gefühlt und werde in Zukunft die Arbeit von Comic-Zeichnern, vor allem aber von Autoren, wohl mit einem leicht veränderten Blickwinkel betrachten.

Bad Idea eine von diesen Geschichten, die ich nicht mit dem Umschlagen der letzten Seite einfach als erledigt abhake, sondern die mir noch weit darüber hinaus im Kopf rumgeistern und einen wirklich bleibenden Eindruck hinterlassen. Hinzu kommt eine Liebesgeschichte, die mich hundertprozentig überzeugen konnte, faszinierende Nebencharaktere und viele, viele Momente und Zitate, die diese Werk für mich zu einem re-read-Muss machen. Da erübrigt sich auch die Bemerkung, dass Bad Idea einer meiner klaren Lesefavoriten in diesem Jahr ist.


Bittere Sünde
Bittere Sünde
von Liselotte Roll
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 9,99

4.0 von 5 Sternen (nicht nur) für Nordic Crime Fans, 21. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Bittere Sünde (Gebundene Ausgabe)
Alles beginnt mit der Ermordung von Erik Berggren. Als dann auch dessen demente Mutter angegriffen wird, wirft das Fragen zu den Motiven des Täters auf. Durch sein Auftauchen kann Kommissar Magnus Kalo der Frau rechtzeitig zu Hilfe eilen, gerät damit aber selbst ins Visier des Mörders, und das bekommt dann auch seine Familie schmerzhaft zu spüren.

Dieses Buch hat mir mal wieder gezeigt, warum ich nordische Krimis/Thriller so gerne lese. Wer jetzt allerdings gedrückte Stimmung und graue Einöde erwartet, wird bei Bittere Sünde eine Überraschung erleben. Und normalerweise ist es ja ungeschriebenes Gesetz, dass die Kommissare solcher Bücher geschieden, depressiv, gern auch Alkoholiker, traumatisiert oder auf welche Art auch immer "tortured" sind und wer sowas nicht mag ... nunja. Liselotte Roll serviert dagegen einen Kommissar mit einem intakten Familien- und Liebesleben. Dessen Kollege Roger Ekman ist zwar Single und teilt sein Reich derzeit noch mit einem Frettchen (!), ist aber zumindest auf der Suche, und vielleicht wird ja noch was draus. Die beiden sind recht verschieden Charaktere (vor allem optisch) und jeder auf seine Art interessant. Neben den beiden sind noch eine Reihe anderer Personen an den Ermittlungen beteiligt. Neukommissarin Sofie wirkt noch etwas blas, dafür hat die Pathologin Eva mit ihrem Zimtschnecken-Angebot (vor der Leichenschau!) direkt bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. ^.^ Magnus' Lebensgefährtin Linn beansprucht ebenfalls eine gewisse Seitenzahl für sich, nicht nur was die privaten/familiären Aspekte betrifft, sondern auch Momente, in denen sie sich Gedanken zur Psychologie des Täters macht, obwohl sie offiziell gar nichts mit dem Fall zu tun hat. Die Ermittlungsarbeit spielt natürlich eine große Rolle. Wem das zu langweilig ist, kann sich immerhin mit einer Menge spannender und dramatischer Momente trösten. (Das Wörtchen 'Thriller' auf dem Cover ist aber auch hier mit Vorsicht zu genießen.)

Interessant ist, wie in Bittere Sünde verschiedene Erzählstränge und Fakten aufgegriffen werden, die auf den ersten Blick scheinbar nichts miteinander zu tun haben, dann aber doch schnell eine grobe Verbindung erkennen lassen, bis sich die losen Fäden zusammen tun und zum Ende hin ein konkretes Bild ergeben. Die Autorin hält eine gute Balance zwischen, einerseits dem Leser Informationen zum Mitraten zu liefern und andererseits soviel zurückzuhalten bzw. den Leser in die Irre zu führen, sodass die Spannung bis zum Schluss aufrecht gehalten werden kann. Wer sich die ganzen Zusammenhänge bis zum letzten Kapitel noch nicht selbst zusammengereimt hat, bekommt die Informationen nochmal mundgerecht im Epilog serviert. Zusätzlich wird dort auch eine Information zu einer früheren Szene geliefert, die bewusst im Unklaren gehalten wurde und somit wird dann auch die letzte offene Frage klärt.

Durch die durchweg sehr kurzen Kapitel liest sich das Buch sehr schnell durch weil man ständig denkt, die paar Seiten gehen noch. Es gibt viele Szenen- und Perspektivenwechsel - dabei wird hin und wieder auch ein Blick in die Vergangenheit geworfen - und ich hatte das Gefühl, dass diese Wechsel zum Ende hin in noch kürzeren Abständen aufgetreten sind. Die Autorin schafft es aber, dass man als Leser dabei nicht den Überblick verliert und verleiht dem Ganzen dadurch eine besondere Dynamik.

Abgesehen von ein paar Kleinigkeiten hier und da habe ich eigentlich nur eine größeren Kritikpunkt. Dabei handelt es sich aber um etwas, was mir einfach persönlich sauer aufstößt und somit von jedem unterschiedlich betrachtet werden kann. Denn bei solchen Geschichten mit Mehrfachmördern scheint es in schöner Regelmäßigkeit immer mal wieder irgendwelche Jungspunde zu geben, die auf die glorreiche Idee kommen, sich ohne Rückendeckung auf Spurensuche zu begeben, wo einem gesunder Menschenverstand und Lesererfahrung sagen, dass das eine ganz blöde Idee ist und der- oder diejenige das Ende der Geschichte mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr miterleben wird. Die Autorin drückt dann auch ordentlich auf die Tränendrüse. Nur zieht das dann leider nicht mehr bei mir, weil ich die ganze Zeit denke: "Wie kann man nur so blöd sein...". Aber lassen wir das. Ich will die Rezi nicht mit einem negativen Eindruck beenden. Denn der Gesamteindruck, den ich gewonnen habe, ist sehr positiv und ich bin gespannt auf die Fortsetzung, Schwarze Asche, die nächstes Jahr im Mai erscheinen wird.


Eiskalt entflammt: SGU 01
Eiskalt entflammt: SGU 01
von Lisa Gibbs
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,90

9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Qualität Made in Germany, 17. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Eiskalt entflammt: SGU 01 (Taschenbuch)
Ich habe die Eigenart, dass mir beim Lesen manchmal völlig unwillkürlich Gedanken in Richtung 'der Schreibstil erinnert mich an Autor X oder an Buch Y' kommen und so war es auch bei Eiskalt entflammt. Im vorliegenden Fall fühle ich mich an Lara Adrian erinnert. Bitte fragt nicht warum; der Gedanke ist irgendwann einfach in meinem Kopf gewesen. Auch wenn die Erzählung von Lisa Gibbs nur ganz am Rand mit paranormalen Elementen aufwartet und vermutlich eher in die Sparte Romantic Suspense gehört, während die Midnightbreed Reihe klassisches Paranormal Romance Futter ist, scheint mir doch der Stil beider Autorinnen im Kern sehr ähnlich zu sein.

Lou und die anderen Mitglieder des SGU Teams haben mir von Anfang an gefallen. Die Autorin hat hier wirklich interessante Charaktere eingeführt. Jeder von ihnen hat etwas Einzigartiges, Individuelles an sich ohne dabei den Eindruck von Musterfiguren zu erwecken. Auch weil sie trotz ihrer Besonderheiten sehr aufgeschlossen und sympathisch wirken und auch untereinander sehr schön miteinander harmonieren, stellt sich während des Lesens schnell ein Gefühl von familiärer Vertrautheit ein. Selbst Scar (der eigentlich Elias heißt) verströmt zwar eine doch sehr dunkle Aura und zeigt sich Lou gegenüber zunächst sehr abwesend, ist aber genauso ein Teil dieser Familie und leistet seinen Beitrag zur Gemeinschaft. Allein das ist für mich schon Grund genug, dass ich auf die folgenden Bände gespannt bin, um zu sehen wie es den übrigen Mitgliedern nach Lou und Elias ergeht. (Das nächste Paar wurde ja schon bestätigt.)

Beide Protas, sowohl Lou als auch Elias haben mit ihren ganz persönlichen Dämonen zu kämpfen. Lou durch ihre Gabe, durch die sie jedesmal mit Eindrücken und Empfindungen bombardiert wird, wenn sie eine andere Person anfässt und Elias durch einen Vorfall aus seiner Kindheit der ihn körperlich und seelisch gezeichnet hat. Die Annährung der beiden ist einerseits schwierig (verständlicherweise), auf der anderen Seite finden beide im jeweils anderen das, was ihnen bisher verwehrt geblieben ist. Lous übersinnlicher Empfang scheint bei Elias auf Sendepause zu gehen und Elias der im wahrsten Sinne des Wortes nichts fühlt, ist plötzlich in der Lage, Berührung zu spüren.
Mir hat sich zugegeben zwischendurch die Frage aufgedrängt, ob die beiden auch zueinander gefunden hätten, wenn nicht diese besonderen Gegebenheiten vorgelegen hätten. Aber letztlich haben sie mich doch so weit überzeugt, dass ich diesen Gedanken und den, dass sich die Romanze in Anbetracht der Ausgangslage vielleicht doch ein kleines bisschen zu schnell entwickelt (persönlicher Geschmack), für mich in den Hintergrund schieben konnte. Einzig eine Aktion von Elias zum Ende hin hat mir ein 'Typisch Mann'-Stöhnen entlockt. Der bekommt dann von Lou aber gehörig den Kopf gewaschen.
>> "Du bist ein bes.. Kämpfer, Elias, weißt du das? Du kämpfst nämlich gar nicht. Du hast gesagt, dass du mich liebst. Aber wenn du in mich verliebt wärst, dann würdest du um uns kämpfen." <<

Neben der emotionalen Seite hat Eiskalt entflammt auch eine Menge Action und einige spannende Verwicklungen zu bieten. Denn während der Aufträge, die das Team erledigt, wird immer deutlicher, dass jemand die Aktionen sabotiert, dass die Zielpersonen vorgewarnt sind, wodurch verschiedene Mitglieder der Truppe in Gefahr geraten. Am Ende decken sie mehr auf, als ihnen vermutlich lieb gewesen ist und man darf gespannt sein, wie sich das ganze in den Folgebänden entwickelt. Eine Sache, die mir an den Einsätzen, abgesehen davon, dass wirklich überzeugend geschildert werden, besonders gefallen hat, ist wie die Zusammenarbeit und Aufgabenverteilung beschrieben wird. Da bekommt man keine Einzelkämpfer vorgesetzt, sondern eine funktionierende Einheit.

Am Ende stellt sich natürlich die Frage: Warum nur 4 Sterne?
Vielleicht, weil ich erst vor kurzem ein Buch mit ähnlicher Thematik (Liebesgeschichte mit Spannung) gelesen habe, dass mir in Punkto Spannung insbesondere aber beim Romanzenenteil schlicht und ergreifend einfach besser gefallen hat und ich beide Geschichten nicht auf einem gemeinsamen Level sehen.
Vielleicht, weil 5 Sterne für mich 'Highlight' heißt und mir dazu bei Eiskalt entflammt das gewisse Etwas fehlt. Das ist dann aber Meckern auf hohem Niveau, denn was den Schreibstil und die Handlung angeht, habe ich eigentlich keinen Grund zur Klage und würde das Buch auf jeden Fall weiterempfehlen. Nur sind die aufgegriffenen Themen nicht wirklich neu (nicht grundsätzlich schlimm, es kommt schließlich auf die Umsetzung an) und ein wenig vermisse ich noch eine persönliche Note der Autorin, die ihre Geschichte gegenüber anderen (ebenfalls sehr guten) hervorhebt. Dabei will ich aber nicht unter den Tisch fallen lassen, dass Eiskalt entflammt ein wirklich beeindruckendes Debut ist, dass ich auch Lesern ans Herz legen würde, die mit deutschen Autoren noch nicht so richtig warm geworden sind. Denn den Vergleich mit der amerikanischen Konkurrenz muss Lisa Gibbs wirklich nicht scheuen.


Zero at the Bone
Zero at the Bone
Preis: EUR 3,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fast wäre es mir entgangen ..., 17. Oktober 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Zero at the Bone (Kindle Edition)
... Denn obwohl die Inhaltsangabe im ersten Moment interessant klingt, hat mich paradoxerweise genau diese Grundidee auch abgeschreckt, weil es ein nicht ganz einfaches Thema ist und hier ein gewisses Potential besteht, das ganze ein wenig zu überzuckern. Nachdem ich dann aber doch mal einen Blick auf die Leseprobe geworfen hatte, hat mir das ein wenig die Berührungsängste genommen. Ich fand das Einstieg und die Charaktere spontan überzeugend und die Autorin kommt dann auch direkt zur Sache, sodass man als Leser gleich in die Story einsteigt und sich nicht noch mit langem Vorgeplänkel rumschlagen muss.

Nachdem der Gesichtschirurg (genaue Bezeichnung: maxillofacial surgeon) Dr. Jack Francisco einen Mord beobachtet hat und daraufhin im Zeugenschutzprogramm gelandet ist, steht er eines Tages einem fremden Mann gegenüber, der ihm eine Waffe an den Kopf hält. Doch es kommt anders als erwartet. Jack merkt, das sein gegenüber Zweifel hat - der Leser weiß zu diesem Zeitpunkt bereits, dass D, wie sich der Fremde nennt, dieser Auftrag durch Erpressung aufgezwungen wurde, weil nach seinem persönlichen Ehrenkodex Zeugen wie auch einige andere Personengruppen tabu für ihn sind. Statt Jack also zu töten, verhilft D ihm zur Flucht, wohlwissend dass er damit selbst auf der Abschussliste landet. Eine erste (unfreiwillige) Ruhepause ergibt sich erst als D nach einer Schusswunde mit einer Infektion zu kämpfen hat. Und an diesen Punkt vertauschen sich die Rollen. Nun ist Jack derjenige, der die Oberhand hat und mit Blick auf das eigene Gewissen und die persönliche Berufsethik zum Beschützer wird.

Anschließend bleibt den beiden für eine Weile nicht viel mehr als die Köpfe eine Zeit lang unten zu halten, um unerwünschte Aufmerksamkeit zu vermeiden und in dieser mehr oder weniger unfreiwilligen Zweckgemeinschaft baut sich langsam aber sicher ein gewisses Vertrauensverhältnis auf. Und wie das von statten geht, hat mir unglaublich gut gefallen. Anfangs hat D eine eher abfällige Meinung über Jack, der seiner Ansicht nach zu viele Krimis gelesen hat und erst langsam entwickelt D Respekt gegenüber Jack. Wir sind also meilenweit von dem allseits beliebten Liebe-auf-den-ersten-Blick-Szenario entfernt. Vielen Dank schon mal dafür. Als dann Gefühle ins Spiel kommen, die über Respekt und Vertrauen hinausgehen und mehr in Richtung Zuneigung und Liebe tendieren, lässt das die Tatsache, dass D gemordet hat, nicht plötzlich in Vergessenheit geraten und es wird auch die Frage aufgegriffen ob die Gefühle nur aus der Extremsituation heraus entstanden sind, quasi in einer Stockholmschen Anwandlung.

Besonders gut kam meiner Meinung nach auch das sich entwickelnde Bedürfnis nach Nähe rüber. Die Autorin scheint auch viel Wert auf Berührungen zu legen.

>> "He couldn't place himself in D's position, or even begin to imagine the kinds of things he'd seen, and done, and wished he could prevent. He looked down and saw his own hand resting at his side, just a hairbreadth from D's. He took a breath and held it, then slowly stretched out his pinky finger until it just grazed the side of D's hand; a tiny stroke of tentative contact. D didn't withdraw; instead, his hand flinched a little closer. Emboldened, Jack covered D's hand with his own; D turned his palm up and their fingers slid together, interlacing and fitting against each other like they'd been waiting for nothing else but the chance to do so." <<

Da Jack weiß, dass er auf Männer steht und mit sich darüber auch völlig im Reinen ist und D Gedanken dieser Art zwar nicht ganz geheuer, aber wie sich herausstellt auch nicht vollkommen fremd sind, ist es nicht wirklich eine Coming Out/Selbsterkenntnis-Geschichte. Der Fokus liegt mehr darauf, sich Gefühlen gegenüber im Allgemeinen zu öffnen. Die Erotik die daraus resultiert, ist zwar schon recht deutlich, es wird dabei aber nicht jedes Detail genauestens unter die Lupe genommen. Doch irgendwann ist es vorbei mit der Zweisamkeit, denn Jack wird für seine Zeugenaussage vor Gericht erwartet und gewisse Leute sind nach wie vor bemüht, genau das zu verhindern. Und auch die Frage, warum ausgerechnet D eingangs mit der Ermordung von Jack beauftragt wurde, ist noch nicht vom Tisch.

Die emotionalen und actionlastigen Momente werden klar voneinander getrennt und zumindest gefühlt bekommen beide gleich viel Spielraum. (Genau will ich mich da nicht festlegen.) Langweilig wird es jedenfalls nie, denn die Autorin vermittelt Sachkenntnis durch detailierte Beschreibungen, wo manch andere Autoren sich damit begnügen, an der Oberfläche zu kratzen. So zum Beispiel wenn D Jack im Waffengebrauch unterrichtet. Da werden Grundlagen vermittelt, Typen von Schusswaffen, spezifische Bezeichnungen ... Nun kann der ein oder andere in Befürchtung von Langatmigkeit sicher auf solche Liebe zum Detail verzichten. Aber in meinen Augen verleiht das der Geschichte die nötige Substanz um ihr zum einen die nötige Glaubhaftigkeit zu verleihen und sie zum anderen gegenüber ähnlichen Werken dieser Art hervorzuheben.

Interessant ist auch zu sehen, wie sich Jack und D charakterlich entwickeln. Die meiste Zeit über hat D gewissermaßen eine Beschützerfunktion und scheint überhaupt der dominante Part zu sein. Aber es werden auch Jacks Stärken hervorgehoben, die weniger im Körperlichen liegen und mehr mit seinem Beruf zusammenhängen. Und auch was den Sex betrifft, wird weitestgehend auf steife Rollenmuster verzichtet. Und da es nur logisch ist, dass die Dinge, die die beiden erleben auch den Charakter prägen, hat man es am Ende mit zwei Menschen zu tun, die erhebliche aber nachvollziehbare Veränderungen durchgemacht haben.

Noch eine Bemerkung am Rande. Bei englischen Büchern graust es mir vor Dialekten. Mit Ds Slang hatte ich aber erfreulicherweise keine Probleme. Das scheint wohl von Leser zu Leser unterschiedlich zu sein. Aber wenn man erstmal die grundlegenden Ausdrücke verinnerlicht hat, sollte es keine allzu große Verständnishürde darstellen. In der Leseprobe kann man sich dazu einen Eindruck verschaffen.


Promises - Nur mit dir
Promises - Nur mit dir
Preis: EUR 6,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hat mein Herz erobert, 17. August 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Promises - Nur mit dir (Kindle Edition)
Egmont LYX wagt mit Marie Sexton einen ersten Vorstoß in die Richtung Gay Romance, ein Genre, das bisher hauptsächlich bei Kleinverlagen zu finden ist, und ich hoffe, dass sich die Sparte bei LYX etabliert und es möglichst bald Nachschub geben wird. Für mich war es zwar kein Sprung ins Ungewisse - schwule Paare trifft man eigentlich gar nicht so selten in der Literatur und über die ein oder andere explizite "Bettszene" bin ich dabei auch schon gestolpert -, aber Promises war für mich das erstes bewusst ausgewählte Buch, bei dem die Beziehung zwischen zwei Männern nicht nur am Rande oder als Nebengeschichte aufgegriffen wird, sondern den eigentlichen Kern der Erzählung ausmacht.

Interessant finde ich, dass die Geschichte vorwiegend aus der Ich-Perspektive, nämlich aus Jareds Sicht, erzählt wird. Normalerweise macht das für mich keinen großen Unterschied, aber hier habe ich mich dem Erzähler tatsächlich näher gefühlt, als eine Wiedergabe seiner Gedanken und Gefühle in der dritten Person erreichen könnte.

Jared ist ein absolut charmanter Sonnenschein - wie könnte man sich nicht in ihn verlieben - und er hat mich mehrmals zum Schmunzeln gebracht. Etwa als er zum ersten Mal Matts Wohnung betritt.
>> "Wow. Schöne Wohnung. Das Gefängniszellenmotiv passt wirklich gut zu dir. Sehr Feng-Shui." <<
Matt ist dagegen eher der Ruhepol und zusammen sind die zwei einfach ein Traum. Man fühlt die Liebe und Verbundenheit zwischen Matt und Jared regelrecht aus den Seiten sickern.

Die beiden werden mit unterschiedlichen Reaktionen zum Thema Schwulsein konfrontiert. Das ein oder andere Vorurteil kann abgebaut werden, etwa wenn Jared beim Mountainbiking die "echten Männern" weit hinter sich zurück lässt, andere Meinungen, wie die von Matts Vater, halten sich hartnäckig. Und manchmal ist es schon ein bisschen komisch, wenn einem die Absurdität mancher Vorstellungen vor Augen geführt wird.
>> "Unser einziger Angestellter kam misstrauisch nach vorne. [...] Ich glaube er fürchtete, dass ich ihm an die Wäsche gehen könnte. Er war siebzehn, hatte strähniges Haar, schlechte Haut und war ein ziemlich dünner Hering. Ich brachte es nicht übers Herz, ihm zu sagen, dass er nicht mein Typ war." <<

Was mir an Promises auch gefallen hat, ist, dass sich die Liebesgeschichte nicht innerhalb weniger Tage abspielt - was die Glaubwürdigkeit erheblich mindern würde -, sondern über mehrere Monate, genauer zwischen April und Januar des darauffolgenden Jahres. So laufen die Etappen von Kennenlernen über Freundschaft bis hin zu tieferen Gefühlen langsam und in nachvollziehbaren Schritten ab. Erste sexuelle Annäherungen finden dementsprechend erst sehr spät statt und Matt schreckt anfangs noch davor zurück, verständlich da er sich selbst zur Hetero-Fraktion zählt und ihn daher die Art der Gefühle, die er für Jared entwickelt, extrem verwirren, ja geradezu verstören. Denn Marie Sexton greift nicht nur die Reaktionen und Meinungen von Außenstehenden auf, sondern auch wie es für Matt selbst ist, festzustellen, dass er sich zu jemandem vom eigenen Geschlecht hingezogen fühlt. Da ist diese Angst, weniger Mann zu sein, wenn er beim Sex den "empfangenden" Part einnimmt. Und das hat nicht das Geringste mit Macho Allüren zu tun. Dieser Aspekt ist auch einer der Gründe, warum ich Promises für ideale Einsteiger-Lektüre halte, weil sich Leser, die noch keinen Kontakt mit homoerotischen Geschichten hatten, genau wie Matt langsam an die Situation herantasten können.

Und wenn es dann in intimere Gefilde geht, wird es wirklich richtig heiß. Es gibt einige erotischen Szenen, doch keine davon wirkt überflüssig oder aus verkaufstechnischen Gründen reingedrängt. Denn jeder dieser Momente stellt einen wichtigen Punkt in der Entwicklung der Beziehung auf körperlicher Ebene dar. Mir hat jedenfalls sehr gefallen, dass man als Leser an dieser Art des Vertrauensaufbau teilhaben konnte
... und ich geb's ja zu, ein bisschen voyeuristisch veranlagt bin ich natürlich auch. ;)

Am Schluss wird dann nochmal ein kleiner dramatischer Aufhänger eingeschoben - ich wage nicht mal, es als finalen Showdown zu bezeichnen - aber da mich die Geschichte zu diesem Zeitpunkt schon völlig vereinnahmt hatte, hat selbst das bisschen Aufregung ausgereicht, dass ich mit den Nerven völlig fertig war. Unter anderen Umständen hätte ich diese Situation wesentlich nüchterner betrachtet.

Fazit:
Promises ist ein gutes Beispiel für eine einfache aber feine Liebesgeschichte, die auf so wunderbar einfühlsame Art geschildert wird, dass man am liebsten gar nicht mehr aufhören möchte, zu lesen. Die Chemie zwischen Jared und Matt ist einfach klasse und selten ist mir ein simples "Ich vermisse dich" so nahe gegangen wie hier. Wer glaubt, schwul sein wäre gleichzusetzen mit "weibisch", wird eines Besseren belehrt. Überhaupt schafft die Autorin eine Normalität, dass man als Leser keinen Zweifel daran hat, dass Liebe zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern genauso viel wert und im Grunde gar nicht so verschieden von der Liebe in einer Hetero-Beziehung ist. Einsteiger werden behutsam an die Thematik herangeführt und Fortgeschrittene können sich über eine wunderschöne Liebesgeschichte freuen.

+++

Übrigens gibt es auf der Seite der Autorin eine ca. 10 seitige Kurzgeschichte, diesmal aus der Sicht von Matt erzählt, in der das Thema Heirat aufgegriffen wird. *.* Ich sag dazu nur soviel. Ich hatte Tränen der Rührung in den Augen - für mich, da es sonst weniger meine Art ist, ein denkwürdiges Ereignis, das im Kalender zu markieren ist. Aber daran merke ich nur wieder, wie sehr ich die beiden ins Herz geschlossen habe. Allein die Szene beim Juwelier macht das Ganze schon lesenswert, weil man da so viel zwischen den Zeilen lesen kann.


Das Salz der Erde: Historischer Roman
Das Salz der Erde: Historischer Roman
von Daniel Wolf
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ich bin froh, dass ich mich nicht von der hohen Seitenzahl hab abschrecken lassen, 13. August 2013
... denn dieser Roman lässt sich wirklich schnell und flüssig lesen. Und das aus verschiedenen Gründen.

Das Salz der Erde kann man sehr gut in Etappen lesen, wodurch die 1152 - von Amazon angegebenen - Seiten gleich ein ganzes Stück harmloser erscheinen. Es gliedert sich mit Prolog in 6 Teilen in denen man jeweils die verschiedenen Phasen aus Michels Leben, zunächst aus der Kindheit dann in der Zeit zwischen seinem 22 und 41 Lebensjahr, miterlebt.

Die Aufteilung einmal außer Acht gelassen, ist es aber auch ein unterhaltsames Buch mit einer spannenden Geschichte. Daniel Wolf versteht sich darauf unnötige Darstellungen zu vermeiden und beschränkt sich auf Informationen die die Handlung voran treiben bzw. solche, die es dem Leser ermöglichen, sich ein Bild von der geschilderten Umgebung und den vorhandenen Lebensumständen zu machen. Dabei ist er aber sehr gründlich und ausführlich, und ganz schnell hat man ein paar hundert Seiten zusammen. Tatsächlich hatte ich sogar das Gefühl, dass der Autor noch viele, viele Seiten mehr hätte schreiben können und die Geschichte gegen Ende hin ein wenig gerafft hat.

Inhaltlich geht um die Entwicklung der fiktiven Stadt Varenne Saint Jacques. Der Handel und die Kaufmannsleute, allen voran natürlich der Protagonist Michel, stehen dabei im Vordergrund, aber es geht vor allem auch um die politische Entwicklung bzw. dem Streben nach Selbstbestimmung der Bewohner.

Dabei begegnet man im Buch den unterschiedlichsten Themen, die das damalige Leben bestimmt haben von den alltäglichen Sorgen und Problemen - aber auch Freuden - über Pflichten, Rechte, Gesetzte und Strafen bis hin zu Naturkatastrophen und Seuchen, sowie Unruhen, Aufständen und Kriegen. Man erfährt Dinge über Moralvorstellungen, politische Ereignisse, die mehr oder weniger direkt die Stadtgeschichte beeinflussen, trifft einige historische Personen wie z.B. Kaiser Friedrich Barbarossa. Und auch die unterschiedliche gesellschaftliche/rechtliche Stellung von Mann und Frau wird deutlich gemacht, wobei dieser Punkt z.B. durch die Mitgliedschaft einer Frau in der Kaufmannsgilde oder dem zum Teil - nach meinen Vorstellungen von der Zeit - recht fortschrittlichen/aufgeklärten Gedankengut aufgelockert wird. Dies wird allerdings auf eine Art vermittelt, die erkennen lässt, dass es nicht in erster Linie von romantischen Vorstellungen des Autors geprägt ist und mehr mit dem Vorhandensein der "üblichen Vorreiter" in der Geschichte zu tun hat.

Sehr gut gefallen hat mir bei diesem Buch die Balance zwischen der "historical correctness" - ein paar Anmerkungen zum historischen Hintergrund sind im Anhang nachzulesen und auf mich (als Laien zugegeben) macht die Geschichte insgesamt einen gut recherchierten Eindruck - und leserfreundlicher Unterhaltungsliteratur - es gibt einen Grund warum ich fiktive Romane lese, ein bisschen Seifenoper-Charakter ist also durchaus genehm - und hat mich dazu angeregt, mich mal ein bisschen intensiver mit dem Thema historischer Romane zu befassen.

Bei den Charakteren hatte ich zunächst das Gefühl, dass diese zum Teil etwas eindimensional wirken. Gaspard in seiner "Gnatz Phase" - anders kann man das einfach nicht nennen - war ehrlich gesagt nur schwer zu ertragen.
Auf der anderen Seite sieht man aber, wie sie sich über die Jahre verändern und entwickeln und es ist nicht immer alles ganz so schwarz weiß, wie es auf den ersten Blick erscheint. Selbst bei Aristide de Guillory, dem Musterbeispiel eines "Fieslings" gab es manchmal Lichtmomente, bei denen zumindest ich mich gefragt habe, ob er Vergebung verdient hätte. Allerdings hat sich die metaphorische Wolkendecke immer wieder genauso schnell zugezogen, wie sie sich aufgetan hat, sodass man ihn ohne schlechtes Gewissen verabscheuen konnte.

Ein gutes Buch zeichnet sich für mich auch dadurch aus, dass ich die Gefühle der handelnden Personen miterleben kann und das war hier zu hundert Prozent der Fall. So habe ich mich gefreut über Erfolge, war frustriert bei Rückschlägen, habe mich geärgert über die Obrigkeit und welche Rechte sie sich immer wieder rausnehmen - da ist man wirklich froh, nicht in der entsprechenden Zeit geboren zu sein - habe mitgetrauert und mitgefiebert.

Zusammengefasst habe ich also folgenden Eindruck gewonnen: Das Salz der Erde ist ein Roman, der lebendig wird, durch den anschaulichen und fokussierten Erzählstil des Autors und mich als Leser an der Seite eines sympathischen und visionären Protagonisten durch eine Geschichte geführt hat, in der es eine Menge zu erleben gibt, mich das Ganze hat mitfühlen lassen und dadurch mein Interesse auch über die hohe Seitenzahl problemlos halten konnte.


Lichtwerke: Dunkle Visionen
Lichtwerke: Dunkle Visionen
Preis: EUR 4,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Lichtwerke: Dunkle Visionen, 11. Juli 2013
Rezension bezieht sich auf: Lichtwerke: Dunkle Visionen (Kindle Edition)
Die ersten Seiten von Dunkle Visionen hatten direkt mein Interesse an der Geschichte geweckt. Es gibt kein langatmiges Vorgeplänkel, die Handlung wird direkt vorangetrieben und es wird ein klares Bild von der Umgebung gezeichnet, dass man sich die Szenen gut vor Augen führen kann. Insbesondere aber Jonas, dessen Charakter sich durch einige sympathische und andere weniger schmeichelhafte Züge auszeichnet, hat meine Neugier bestärkt.

Allerdings hat sich die anfängliche Euphorie mit der Zeit etwas im Sande verlaufen, denn die Geschichte konnte mich leider nicht ganz so fesseln, wie ich mir anfangs erhofft hatte. Auch habe zu kaum einer der Personen einen Zugang gefunden.

Insgesamt hatte ich auch den Eindruck, dass die Handlung zeitweise stagniert, dass es nicht so recht voran kommt und erst zum Ende hin wieder Fahrt aufnimmt. Dann aber wird es nochmal spannend und wirklich dramatisch. Mit einem Finale, das einen erst einmal inne halten lässt, um das gerade erlebte zu verarbeiten, gelingt es dem Autor, dass sich die Geschichte, die ich bis dahin für mich eher in die Kategorie 'ganz nett' einsortiert hatte, auf der Zielgeraden doch noch in mein Gedächtnis haftet.

Das größte Problem hatte ich, wie ich zugeben muss, wohl damit, den Jonas vom Beginn der Handlung mit dem späteren Jonas in Einklang zu bringen. Er durchlebt eine charakterliche Wandlung die auf mich etwas befremdlich, weil doch irgendwie abrupt, wirkt. Anstatt dass seine Ecken abgemildert werden, scheinen diese sich plötzlich in Luft aufgelöst zu haben. Sicher ist so jemand als Protagonist zugänglicher und wohl auch sympathischer, aber ich fand gerade die Zwiespältigkeit, also den Kontrast zwischen sympathisch und unnahbar, so spannend.

Zum einen äußert sich dieser Wandel in Jonas' Privat- bzw. Liebesleben. Am Anfang, in der Szene im Lokal mit seiner Freundin (bzw. Ex in spe), wirkt er beziehungstechn isch regelrecht abweisend und kalt, seine Gefühle lässt er nicht nach außen dringen und nur der Leser erfährt, wie es in seinem Inneren wirklich aussieht. Dann aber verliebt er sich praktisch in Rekordtempo Hals über Kopf in Miriam, und wirkt wie ausgewechselt. Das ging mir dann doch ein wenig zu schnell, vor allem da die erste Begegnung der beiden wenig harmonisch - geschweige denn romantisch - abläuft: Sie beschuldigt ihn der Scharlatanerie und Jonas ist drauf und dran, Miriam, von der er eine niedrige Meinung hat, wegen ihres ihm gegenüber respektlosen Verhaltens zu melden. Wo kommt also die plötzliche Liebe (von beiden Seiten) her?

Und dann ist da noch der andere Punkt.
Jonas unterstützt mit seinen Visionen die deutsche Wehrmacht, er fühlt sich seinem Land verpflichtet, gleichzeitig leidet er aber physisch unter den Begleiterschein ungen seiner übernatürlichen Gabe, was sich in immer heftigeren körperlichen Zusammenbrüchen äußert.
Zu den eingangs erwähnten weniger schmeichelhaften Charakterzügen von Jonas, zählen meiner Meinung nach ein gewisses Maß an Ignoranz
("Als Offizier in der Schutzstaffel hatte man gewisse Privilegien, zum Beispiel eine eigene Wohnung, wobei die SS bei der Beschaffung erheblich nachgeholfen hatte. Die näheren Umstände kannte er nicht, wollte er auch nicht wissen.")
und Skrupellosigkeit (die Folgen seines Handelns müssen ihm bewusst sein, denn es sind zwar Opfer auf der gegnerischen Seite, doch wird seinerseits kein Gedanke darauf verwendet, dass er mit seinen Visionen Menschen in den Tod schickt).
Tief blicken lässt auch ein Zitat, in dem Jonas seinen Eindruck über seinen Vorgesetzten Berger schildert:
"Jonas musste unweigerlich an die andere Seite des Hauptsturmführe rs denken. Nicht die väterliche, verständnisvolle, sondern die cholerische, schikanierende Art. Wie er nur zum Spaß Rekruten im Regen hat exerzieren lassen, bis sie sich übergaben oder wie er einen ganzen Zug zusammenschrie, wenn seine Befehle nicht aufs Genaueste ausgeführt wurden. [...] Jonas kannte beide Seiten von Otto Berger und wusste nicht, welche er am meisten mochte."

Wie wird nun jemand mit so einer Persönlichkeit zu einem Kämpfer um das Wohl der Menschheit bzw. zu einem Weltenretter? Eine wirklich zufrieden stellende Antwort konnte mir die Geschichte nicht wirklich liefern, aber es ist zumindest verständlich, dass die Visionen vom Holocaust die Abkehr vom Nationalsozialismus ausgelöst haben.

Durch das Auftreten der Lichtwerke wird der Krieg (der Menschen) in den Hintergrund gedrängt - dieser spielt aber eine nicht unbedeutende Rolle für den Ausgang der Geschichte - und vom klassischen Kampf 'Licht gegen Dunkelheit' überlagert. Hier erscheinen dann auch, mit Magiern und übernatürlichen Wesen (Letztere allerdings nur ganz am Rande), die fantastischen Elemente des Romans. Wer hin und wieder mit dieser Thematik in Kontakt kommt, wird hier nichts wirklich bahnbrechend Neues erleben. Recht interessant fand ich aber, dass in einer philosophischen Anwandlung das Dilemma der Guten aufgegriffen wird. Wenn nämlich deren Aufgabe darin besteht, zu schützen, und zwar unterschiedslos sowohl gute als auch schlechte Menschen, kommen unweigerlich irgendwann Zweifel an der Richtigkeit dieser Unparteilichkeit und die Frage nach dem, wer es überhaupt verdient, gerettet zu werden.

Vielleicht hätte ich mir für die Geschichte etwas mehr Tiefe erhofft. So war es zwar unterhaltsam und flüssig zu lesen, hat aber vom Finale abgesehen keinen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen.

Das Ganze scheint auf eine Reihe ausgelegt zu sein, man kann diesen Teil meiner Meinung nach aber problemlos als Einzel Roman lesen.


Die Farbe des Todes: Ein Veronica-Sloan-Thriller
Die Farbe des Todes: Ein Veronica-Sloan-Thriller
von Leslie Parrish
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen leicht futuristischer US Thriller ... wer eine Liebesgeschichte erwartet, sucht besser weiter, 6. Mai 2013
Ein paar Jahre nach einem Terroranschlag in Washington - vergleichbar mit dem vom 11. September aber mit noch dramatischeren Auswirkungen -, hat sich einiges für die amerikanischen Bürger verändert. Abgesehen von dem allgegenwärtigen Trauma, das zu bewältigen ist, hat die USA den Kurs einer Isolationspolitik eingeschlagen und sich nach außen hin abgeschottet. Es herrschen extrem verschärfte Vorsichtsmaßnahmen und den Menschen wurden Identifikationschips implantiert, was sie, wie es im Buch so schön formuliert ist, zu "wandelnden Barcodes" macht.

In dieser Umgebung müssen Detective Veronica "Ronnie" Sloan und ihr Partner Mark Daniels den Mord an einer Frau klären, die zerstückelt im Untergeschoss des Weißen Hauses gefunden wurde. (Sehr schön. Hier wird tatsächlich auch ermittelt.)

Nach etwa einem Viertel der Geschichte, Auftritt von FBI Agent Jeremy Sykes. Und ich weiß nicht so recht, was ich von ihm halten soll. Den Beschreibungen nach muss er sowohl in optischer als auch charakterlicher Sicht ein Bildnis göttlicher Perfektion sein. Nur leider ist bei mir von der Person dahinter nichts angekommen, sodass Sykes für mich nur ein äußerst blaser Stereotyp geblieben ist.
Veronicas Charakter hat mehr Profil, man erfährt Dinge aus ihrer Vergangenheit, was sie antreibt und empfindet. Das macht es leichter sich mit ihr zu identifizieren bzw. mit ihr zu sympathisieren.

Was Ronnie und Sykes betrifft ... das ist irgendwie seltsam. Ronnie macht gleich zu Beginn mehr als deutlich, was sie von ihm hält. ("Er war FBI-Agent und noch dazu der anmaßendste, eingebildetste Mistkerl, den sie je kennengelernt hatte.") Ich hätte sie gerne mal gefragt, warum sie erstens ein dermaßen großes Problem mit ihm hat, da ich bei Sykes nichts gefunden habe, das Ronnies Meinung bestätigen würde und zweitens, ob es ihr schwer fällt, sich diesen Typ schlecht zu reden, wenn sie doch beinahe im gleichem Atemzug von seinen Qualitäten und seiner Anziehungskraft redet. Jedenfalls braucht sie ziemlich lange, um einzugestehen, was der Leser schon länger weiß - sie steht auf Sykes. Hier von einer Liebesgeschichte zu reden, wäre eine glatte Übertreibung, zwischen den beiden läuft zwar etwas, aber wirklich nur ganz am Rande der Thrillerhandlung und als romantisch würde ich dieses Buch ganz sicher nicht bezeichnen.
Insgesamt hat mir aber die (Partner-)Chemie zwischen Ronnie und Mark besser gefallen, was wohl einfach daran liegt, dass sich die beiden besser kennen und deswegen ganz anders miteinander umgehen.

Ich komme nicht umhin zu bemerken, dass dieser Thriller das ein oder andere (für mich typische US Thriller) Klischee bedient. Da sind natürlich, die unglaublich gut aussehenden Protagonisten. Dann ist der Stil auch sehr ... extrem, es gibt kein Mittelmaß, ob das Gefühle, das Anschlagstrauma , die Art der Todesfälle oder die Personen selbst sind. Dieses 'extrem' zu beschreiben ist irgendwie eine diffuse Sache, da muss sich jeder ein eigenes Bild machen, aber bei mir bewirkt das mitunter, dass mir die Sache ein wenig überzogen vorkommt - aber womöglich ist das genau das, was einem in Amerika erwarten würde, ich weiß es ehrlich gesagt nicht ...

Ein Beispiel, bei dem dieser Eindruck mein Leseempfinden wohl ein wenig beeinflusst hat, ist die Sache mit dem jungen Familienvater, der seine Frau und seine beiden Kinder abgöttisch liebt - was dem Leser ausführlich unter die Nase gerieben wird bis diese Info auch bei der letzten Schlafmütze angekommen sein dürfte. Wie gesagt - extrem. Und man weiß instinktiv, der macht`s nicht mehr lange. Vorhersehbarkeit ist eigentlich etwas, das ich bei Thrillern nicht mag, aber in diesem Fall ist es nicht weniger intensiv, zu beobachten, wie die Fliege ins Spinnennetz spaziert - und eine ähnliche Situation gibt es auch später noch einmal im Buch ...

Besonders reizvoll war für mich vor allem der leicht futuristische Touch der Geschichte, die im Jahr 2022 spielt. Die dargestellten technischen Errungenschaften wirken realistisch, und nicht wie Auswüchse einer überproduktiven Fantasie.
Zu nennen wäre da z.B. das Implantat am Sehnerv, das Bilder, die der Träger wahrnimmt, wie Fotografien festhält oder der 3D-Projektor, der einem das Gefühl gibt, mitten im Geschehen zu sein, was, wenn die Bilder so wie im Buch beschrieben aus Sicht von Mordopfern stammen zu einem sehr heftigen Erlebnis wird.
Auch das Für und Wider dieser Technik kommt zur Sprache. Der Schutz der Öffentlichkeit gegenüber dem Schutz der Privatsphäre bzw. persönlicher Datenschutz (Identifikationschips). Die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben, wenn man einen Mord aus der Opferperspektive beobachtet gegenüber der daraus resultierenden psychischen Belastung.

Insgesamt ist Die Farbe des Todes ein spannender Thriller und die Autorin weiß bedrohliche Situationen aufzubauen und macht sich teilweise dabei auch die Urangst vor der Finsternis zu nutze.
Das Ende wartet noch mit einer kleinen Gemeinheit auf. Da wird nehme ich mal an Vorbereitungsar beit für die Fortsetzung betrieben, zumal es noch einige offene Fragen gibt, auf die Ronnie, Mark und Sykes während ihren Ermittlungen gestoßen sind.

Eine letzte Bemerkung (oder Frage) vielleicht noch am Rande.
Wie ist es eigentlich möglich, dass an Ronnie ein MRT durchgeführt wurde, obwohl sie ein Implantat im Kopf hat, auf das Metalldetektoren reagieren?!


Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand: Roman
Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand: Roman
von Jonas Jonasson
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gemischte Gefühle, 19. März 2013
So richtig weiß ich ehrlichgesagt nicht, wie ich dieses Buch beurteilen soll. Einerseits war es unterhaltsam und definitiv "mal was anderes", andererseits hat mich der Stil des Autors nicht so wirklich überzeugt und "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" gehört für mich nicht zu der Sorte Bücher, die in mir das Bedürfnis nach mehrmaligen Lesen wecken. (Bin also ganz froh, dass ich es mir nur ausgeliehen habe.) Ich kann aber verstehen, dass dieses Buch ein Beststeller geworden ist (per Definition also ein Buch das sich gut verkauft, über die Qualität sagt das erstmal noch nichts aus), mich hat es ja letztendlich auch gelockt, obwohl ich Contemporary und Bestseller eher weniger lese.

"Der Hundertjährige..." kann man wohl ruhigen Gewissens als ein sehr schräges Roadmovie bezeichnen.
Da gibt es zum einen den Handlungsstrang über Allan Karlsson der an seinem hundertsten Geburtstag aus dem Altenheim ausbückst und relativ zu Beginn seiner Flucht einen Koffer an sich nimmt, der wie sich herausstellt statt Wechselkleidung 50 Millionen Kronen enthält. Unterwegs trifft er verschieden Personen - darunter auch eine Frau, die sich einen entlaufenen Zirkuselefanten als Haustier hält -, die sich ihm anschließen. Auf den Versen sind ihm dabei Suchtrupps, Stadtanwaltschaft und Polizei, sowie die ursprünglichen Besitzern des Koffers, eine kriminelle Gruppierung (bestehend aus 4 Mitgliedern) namens Never Again.
Parallel dazu verfolgt man einen zweiten Handlungsstrang, der Allans Lebensweg von seiner Kindheit und Jugend bis hin zu dem Moment, wenn der Hundertjährige im Altersheim entscheidet, sich vor seiner Geburtstagsfeier zu drücken, womit der Bogen zum Anfang der Geschichte gespannt wird.
Zwischen den beiden Zeitschienen wird jeweils von Kapitel zu Kapitel gewechselt.

Allans Lebensgeschichte dürfte den ein oder anderen an eine irrwitzige Version von Forrest Gump erinnern. Obwohl Allan von Politik (und Religion) nichts wissen will, gerät er doch regelmäßig damit in Kontakt. Über die Jahre landet er an unterschiedlichsten Orten auf der Welt, mitunter politische Krisengebiete und begegnet verschiedenen Führungspersönlichkeiten (Franco, Truman, Stalin, Mao Tse-tung, Kim Il-sung...). Allans Interesse an Sprengstoff und Bombenbau ist dabei ein wichtiges Leitthema (Stichwort Atombombe!). Man bekommt als Leser einige geschichtliche Information, wobei ich zugegebenermaßen nicht immer wusste was Fakt und was Fiktion ist (Geschichte ist nicht meine Stärke). So absurd die Umsetzung durch den Autor anmuten mag - die Szenarien sind oft recht skurril dargestellt-, sind doch einige intelligente Seitenhiebe und eine ganze Menge bissiger Humor darunter zu finden.

Der Humor in dem Buch ist allerdings nicht so ganz meiner. Tatsächlich waren da genauso viele Momente, die mich zum Schmunzeln gebracht haben, wie solche, die bei mir überhaupt nicht gezündet haben. (Ich würde sogar behaupten, dass Letzteres häufiger war.) Stellenweise war es mir auch ein bisschen zu morbide, um darüber lachen zu können wie z.B. die Situation als der junge Allan mit Dynamit experimentiert und ein Mann dabei sozusagen ins Kreuzfeuer gerät.

>> "Der Kopf des Großhändlers war kurz vor dem Wohnhaus ganz weich auf einem kleinen Rasenstückchen gelandet. Dort lag er nun und richtete seinen leeren Blick auf das Bild der Verwüstung.
"Was hatten Sie in meiner Kiesgrube zu suchen?", fragte Allan.
Der Großhändler antwortete nicht."

Bleibt mir nur zu sagen, dass ich das Gefühl hatte, auf den 400 Seiten würde relativ wenig passieren, - vor allem der Erzählstrang der Gegenwart - und dass die Auflösung der Geschichte vorrangig in Bezug auf den Geldkoffer fast schon ein bisschen zu einfach erscheint. Manche Probleme (wie die bereits erwähnte kriminelle Gruppe Never Again) lösen sich mit erstaunlicher Leichtigkeit in Wohlgefallen auf, teils durch Todesfälle, teils durch wiederbelebte/alte Freundschaften oder ähnlich praktischen Gründen.

Aber man sollte diese Buch auch nicht allzu ernst nehmen - wer wert auf tiefsinnige Erzählungen legt, wird sich für den Hundertjährigen, der aus dem Fenster stieg und verschwand vermutlich nur schwer erwärmen können. Gewichtiger ist der unterhaltungstechnische Wert, denn der eigentliche Reiz liegt doch ganz klar in der ungewöhnlichen Geschichte, die hier erzählt wird.


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