Profil für Michael Habecker > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Michael Habecker
Top-Rezensenten Rang: 93.020
Hilfreiche Bewertungen: 210

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Michael Habecker "michaelhabecker"
(REAL NAME)   

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2
pixel
Der Tod hat keine Farbe: Erzählungen
Der Tod hat keine Farbe: Erzählungen
von Marta Brandner
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,20

5.0 von 5 Sternen Kluge Berichte über das Leben und den Tod, 13. Januar 2015
Die unterschiedlichen Erzählungen dieses Buches über Leben und Tod sind in einer sehr klaren und schönen Sprache geschrieben. Die Autorin schöpft aus ihrer großen Lebensweisheit. Die geschilderte Nahtoderfahrung hat mich am tiefsten berührt. Als Leser erfahre ich, dass der Tod keine Schrecken hat und es sich lohnt, sich mitten im Leben mit ihm auseinanderzusetzen.


Die Seele der Nationen: Evolution und Heilung
Die Seele der Nationen: Evolution und Heilung
von Wolfgang J. Aurose
  Broschiert
Preis: EUR 18,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gemeinschaftliche Entwicklung und Heilung, 11. Januar 2015
Was kennzeichnet eine Nation, wie entwickeln sich Nationen und was kann dabei schiefgehen?

Nach einer Einleitung und Einstimmung zum Thema wird in Kapitel 1 "Die Evolution der Seele" behandelt. Wolfgang Aurose entscheidet sich bewusst für den Begriff „Seele“ im Hinblick auf die kollektive Identität von Nationen, u. a. um deutlich zu machen, dass es sich dabei vor allem um etwas Gemeinschaftlich-Innerliches handelt, und auch um diesen Begriff nicht den Demagogen zu überlassen. Der Autor führt gleich zu Beginn den Entwicklungsgedanken und seine historische Dimension ein, weist auf die Problematik einer Prä/Trans-Verwechselung hin und diskutiert auch den Gedanken von Phasen und Zyklen bei Entwicklung.

Im Kapitel 2 "Politische versus Kultur-Nation" werden die Vielschichtigkeit des Nationenbegriffs erläutert, und die Schwierigkeiten seiner Bestimmung. Als ein „integral definiertes Feld der Seele einer Nation“ bietet der Autor folgende Definition an:

„Wie wir dort sehen können, ist es das Bild einer Menschengruppe, die sich jenseits von zuvor geteilten oder nicht geteilten Mythen, Sprache, Rasse, Geschichte und Geografie hinaus zu einer Gemeinschaft entwickelt hat, der Menschen unterschiedlichster Abstammung, Sprache, Religion und Hautfarbe angehören können. Was sie im Tiefsten verbindet, ist der Wille, an der Erfahrung, den Aufgaben und der Entwicklung dieser bestimmten Gruppe teilzuhaben, die durch ihr Schicksal und durch ihre Seelengeschichte einzigartige Grundwerte, Einsichten und Lebensweisen errungen hat und weiter entwickelt. Diese Seelengeschichte kann 20 oder 2000 Jahre alt sein. Die integrale Nation ist eine sich ihres seelischen Zentrums bewusst gewordene oder werdende Wertegemeinschaft.“

Dieses „integrale Nationenverständnis“ - der Autor nimmt vor allem auf Sri Aurobindo, aber auch auf Ken Wilber bezug - wird in Kapitel 3 "Die Seele einer Nation – von Bestimmung zur Selbstbestimmung" beschrieben und vertieft.

In den Kapiteln 4 und 5 "Integrale Fallstudie Deutschlands" werden am Beispiel der deutschen Nation sowohl "Der ambivalente Vorlauf" dieser Nationenentwicklung wie auch "Absturz und Läuterung" in der Zeit des Nationalsozialismus und danach analysiert und beschrieben. Dabei nimmt der Autor vorrangig Bezug auf die innere seelische Dimension der deutschen Nation, mit ihren großartigen Höhenflügen wie auch dem entsetzlichen Absturz in der Nazizeit, und klärt die Zusammenhänge von innen heraus. Darüber hinaus geht der Blick in die Nachkriegszeit bis heute, mit der „Bewältigung“ der eigenen Geschichte durch die Deutschen, der Findens einer neuen Integrität, der innerdeutschen Einigung und Integration und der Entwicklung eines neuen nationalen Selbst-Verständnisses.

Das Kapitel 6 stellt konkret "Modelle zur seelischen Integration und Heilung eines Landes" vor. Damit liefert der Autor einen ganz wesentlichen Beitrag zu dem faszinierenden Tätigkeitsfeld von Gemeinschaftsgestaltung, in diesem Fall von Nationengemeinschaften. Stichworte dazu sind Wahrheitskommissionen nach Zeiten großer Unwahrheit, Vergangenheitsbewältigungen als Ausdruck eines historischen Perspektive und Verantwortungsbereitschaft, Versöhnungsakte politischer Verantwortungsträger wie der Kniefall von Willy Brandt in Warschau 1970, die Bedeutung von nationalen Symbolen wie der Nationenflagge und dem Umgang damit, die Berücksichtigung nationaler Stärken und Potenziale wie auch Schwächen und Defizite, und das gemeinsame Feiern und Gedenken. Hierbei spielen bestimmte Kalenderereignisse jeweils eine besondere Rolle. Im Fall Deutschlands ist der 9. November dabei von herausragender Bedeutung. Der Autor führt insgesamt sechs für die deutsche Nation bedeutende historische Ereignisse auf, die alle an einem 9. November stattfanden.

Im Kapitel 7 beschäftigt sich Wolfgang Aurose, der seit vielen Jahren in den USA lebt, mit "Weltpotenzial mit Schatten – Perspektiven der USA". Und wieder, wie auch im Fall von Deutschland, ist der Ausgangspunkt die innere Identität der USA mit ihren Licht- und Schattenseiten. Als ein Beispiel für die Größe der USA wird ihr sogar verfassungsrechtlich garantiertes Recht auf individuelle Freiheit und Selbstverwirklichung aufgeführt. Als ein Schattenaspekt wird das nicht angenommen Erbe der Ureinwohner Nordamerikas durch die heutigen Bewohner der USA betrachtet.

„Diese … Abspaltung und Nichtintegration führte dazu, dass sich die meisten heutigen US-Bürger zwar mit ihrem Land und seinen natürlichen Landschaften tief verwurzelt fühlen und diese auch schützen wollen, sich dabei aber nicht ihres seelischen Erbes, das heißt des alten schamanisch-animistischen Wissens um die heilige Ökologie, die ehrende Bewahrung und Nutzung des Landes bewusst sind. Aus dieser Unverbundenheit entsteht der merkwürdige Widerspruch, dass die USA trotz ihrer als nationaltypisch beschriebenen Liebe zu ihrer Natur weltweit zu den Ländern mit dem schlimmsten Raubbau an Klima und Ressourcen zählen.“

In Kapitel 8 geht es um ein "Vor-globales Experiment – die Europäische Union". Der Autor beschäftigt sich hier mit dem zentralen Schritt (den beispielsweise auch die afrikanische Union beschreitet) des Zusammenwachsens einzelner Nationen zu einer Kontinentgemeinschaft hin, als einen wesentlichen Zwischenschritt hin zu einer Weltgemeinschaft aller Nationen und Kontinente. Dabei betont er erneut die Bedeutung eines inneren Zusammenwachsens, neben der Wichtigkeit einer strukturellen Integration, die in der allgemeinen öffentlichen Diskussion meist im Vordergrund steht. Dieses Zusammenwachsen setzt allerdings auch eine entsprechende „Schattenarbeit“ auf Seiten der beteiligten Nationen voraus, wenn es gelingen soll. Der Autor geht auf die europäische Verfassung ein und schließt das Kapitel mit einem „kritisch-integralen Ausblick“ ab. Dabei beschäftigt er sich auch mit der zentralen Frage, wieviel Differenziertheit, aber auch wieviel Einheit es geben muss in einer Welt die beides braucht. (So heißt es im dtv-Atlas Politik auf S. 221: „In den weltweit rund 190 Staaten leben Schätzungen zufolge zwischen etwa 3000 und 8000 Ethnien, d. h. meist regional lokalisierbare Volksgruppen mit einer durch Sprache, Religion, Geschichte, Sitten und Gebräuche begründeten Kollektividentität.“). Das Recht dieser Ethnien auf Eigenständigkeit wird als das „Selbstbestimmungsrecht der Völker“ bezeichnet. Demgegenüber steht das Recht von Staaten auf eine „territoriale Integrität“ als die Unverletzlichkeit ihrer Grenzen.

„Im Blick etwa auf das spanische Katalonien, belgische Flandern und britische Schottland ist noch nicht geklärt, ob deren jeweilige Separationsbewegungen Ausdruck mehrerer neu entstehender Nationenwillen in Europa sind – oder eher Rückfall und Aufsplitterung in stammesegoistisches Denken und Struktur bedeuten.“

Im Kapitel 9 schließlich geht es um "Transformatorische Praxis – die Bedeutung des Einzelnen". Hier betont und erläutert der Autor die Bedeutung des Beitrags, den jeder Einzelne für das Gelingen der Entwicklung gesunder nationaler Identitäten leisten kann, und welche Ansätze es diesbezüglich bereits gibt. Am Ende, und das ist der Ausblick, steht die Vision einer „multinaltionalen Weltgemeinschaft“, die sich jedoch nicht von alleine einstellen wird, sondern deren Schaffung eine „evolutionäre Einladung“ an jeden einzelnen Menschen ist.

Das Buch rückt die im allgemeinen Diskurs oft vernachlässigte Perspektive auf die kollektiv-gesellschaftliche „seelische“ Innerlichkeit in den Vordergrund. Dazu gehört mindestens zweierlei: Eine Verantwortungsübernahme für die eigene kollektive Geschichte und eine dazugehörige Schattenarbeit als wirkliche Vergangenheitsbewältigung auf der einen Seite, und eine Würdigung der eigenen Seelenpotenziale und Tiefe nationaler Identität. Beides zusammen erst führt zu einer nationalen Integration und Integrität, welche wiederum die Voraussetzung darstellt für eine inter-nationale Weltgemeinschaft auf der Grundlage allgemeiner Menschheitswerte, die in der Vielfalt nationaler Unterschiedlichkeit und Ausprägung ihren Ausdruck findet.


Ab in die Wüste!: Mut zur Selbsterkenntnis - den Wüstenvätern abgeschaut
Ab in die Wüste!: Mut zur Selbsterkenntnis - den Wüstenvätern abgeschaut
von Katharina Ceming
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Aus der Wüste in das Leben, 15. Oktober 2013
Vor ca. 1700 Jahren fand in den heutigen Krisenregionen von Ägypten, Syrien und dem Gebiet von Israel und Palästina eine dramatische Revolution statt, die sich jedoch nicht im Außen, sondern vorrangig im Inneren einzelner Individuen abspielte. Die Rede ist von den Wüstenvätern (und -Müttern) und von ihrem unglaublichen Aufbruch zu mehr Selbsterkenntnis, innerer Freiheit und Gott. Das Buch lässt uns teilhaben an dieser unglaublichen Zeit, die wir als historische Betrachter nachvollziehen können, die wir aber auch ganz real auf unser persönliches Leben einwirken lassen können. Neben vielen anderen Dingen erinnert uns die Autorin in unserer Wir-betonten Zeit dabei an die Größe und das Potenzial, welches in jedem von uns als Individuum steckt, und nur darauf wartet entdeckt und gelebt zu werden. Ich erlebe dieses Buch als einen sehr direkten Weckruf aus der Vergangenheit in die Gegenwart.


Integrale Ökologie
Integrale Ökologie
von Sean Esbjörn-Hargens
  Taschenbuch
Preis: EUR 29,90

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ökologie integral betrachtet, 18. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Integrale Ökologie (Taschenbuch)
Dieses Buch gibt mir eine Fülle an Anregungen und Antworten auf die Frage, wie sich die vielen unterschiedlichen und oft im Konflikt miteinander stehenden Ansichten zum Thema Ökologie, in Berücksichtigung ihrer Stärken und Einschränkungen, miteinander integrieren lassen. Darauf aufbauend kann eine ökologische Praxis entstehen, welche sowohl der Natur als auch allen mit ihr und von ihr lebenden Wesen hilft. Hier einige Aspekte welche dieses Buch für mich auszeichnen:

- die Anerkennung einer Innendimension von Bewusstsein (mit Subjektivität und Beziehung) und deren Einfluss auf Ökologie
- die Einbeziehung und Integration unterschiedlicher Perspektiven (innerlich, äußerlich, individuell, kollektiv) und deren Nicht-Reduzierbarkeit aufeinander (was u. a. den Dauerkonflikt zwischen Idealismus, Materialismus, Liberalismus und Kollektivismus versöhnt)
- die Berücksichtigung von Entwicklung (u. a. auch von - nicht nur, aber auch - ökologischen Werten)
- die wichtige Unterscheidung von Individualität und Kollektivität (die u. a. einen Öko-Totalitarismus vermeidet)
- die Hervorhebung sowohl von Immanenz wie auch von Transzendenz und deren Unterscheidung
- die Betonung von persönlichem Engagement und Praxis
- eine wissenschaftliche Begründung
- eine hohe Integrationskraft (von ca. 200 Denk- und Praxisansätzen zum Thema Ökologie)
- ein postmetaphysischer Ansatz, bei dem jede ökologische Sichtweise immer im Zusammenhang mit dem Menschen (oder der Gruppe von Menschen) gesehen wird, der oder die sie formuliert

Wie schon in einer anderen Rezension erwähnt sind die Bibliografie, Literaturhinweise, die Fußnoten, der Index und ein Appendix (mit einer Zusammenfassung der ca. 200 berücksichtigten ökologischen Ansätze) nicht übersetzt, stehen jedoch als Download in Originalsprache zur Verfügung. Das ist sicher eine Einschränkung. Dennoch mindert das für mich nicht die Freude, dieses wichtige Buch einer integralen Ökologie nun in deutscher Sprache lesen und anwenden zu können.


iBuddhismus: Kreative Bodhisattvas zwischen Facebook und Hingabe
iBuddhismus: Kreative Bodhisattvas zwischen Facebook und Hingabe
von Joachim Wetzky
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 9,90

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Buddhismus, integrale Theorie und Engagement in der Welt, 20. September 2012
Joachim Wetzky hat ein schönes Buch geschrieben, das sowohl mit Leichtigkeit als auch mit Ernsthaftigkeit drei große Themen miteinander verbindet: den ehrwürdigen und gleichzeitig ganz aktuellen Buddhismus, die integrale Theorie und Praxis, und den Impuls in einer sich verändernden Welt sinnvoll aktiv zu werden. Wer buddhistisch unterwegs ist und neue Kontexte und praktische Anregungen sucht, wird hier ebenso fündig wie diejenigen, die nach konkreten Anwendungsbeispielen der integralen Theorie suchen. Weiterhin richtet sich das Buch an all jene, die aus dem Bedürfnis heraus, für eine bessere Welt einzutreten, nach einem fundierten Rahmen und einer spirituellen Orientierung für ihr Engagement suchen.
Dass dies alles für den Autor keine graue Theorie sondern gelebte Praxis ist, macht er immer wieder an Beispielen deutlich.


Missionen: Geist bewegt - alles
Missionen: Geist bewegt - alles
von Sebastian Gronbach
  Broschiert
Preis: EUR 14,90

18 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sinnlich und Über-Sinnlich, 15. September 2008
Rezension bezieht sich auf: Missionen: Geist bewegt - alles (Broschiert)
"Rudolf Steiners Anthroposophie versteht sich nicht nur als Lehre, sondern auch als eine Methode, eigenständig Forschung auf geistigem Gebiet zu betreiben. Ziel ist ein individueller, aber dennoch systematischer Zugang zu Phänomenen der übersinnlichen Welt", so steht es bei Wikipedia. Ich weiß nicht ob das eine zutreffende Beschreibung ist, aber wenn es so ist, dann hat Sebastian Gronbach in seinem Buch genau das getan, er hat eigenständige und systematische Forschung auf geistigem Gebiet betrieben, und noch einen drauf gelegt, in dem er sich nicht nur mit Phänomenen der übersinnlichen Welt, sondern auch mit Phänomenen der sinnlichen Welt beschäftigt hat. Er stellt dabei - anthropozentrisch - den Menschen in den Mittelpunkt, und beginnt bei sich selbst und seiner persönlichen Mission - wo auch sonst könnte er beginnen -, ohne dabei jedoch anthro (oder ego) -zentrisch zu sein. Vom "Beweis" über das "Sofa" in den "Schatten" zur "Entscheidung" bis an die "Grenze" und drüber hinaus zur "Elite" und der "Sünde" weiter zur "Erleuchtung" - die Kapitelüberschriften machen deutlich, dass Gronbach kein Tabuthema auslassen möchte, mit dem vollem Risiko ins Fettnäpfchen zu treten. Doch anders als mit vollem Risiko und einer unter die Haut gehenden Offenlegung ist diese seine Mission nicht zu machen, und auch nicht zu haben, und der persönliche Mut, mit dem er diesen Weg beschreitet, ist ebenso beeindruckend wie die spannenden und immer wieder überraschenden Inspirationen seines Buches. Ich bin - auch durch dieses Buch - mehr denn je davon überzeugt, dass sich das Über-Persönliche oder auch Über-Sinnliche erst durch das Persönliche und Sinnliche offenbaren kann (und nicht daran vorbei), und eine sehr persönliche Offenbarung dessen was Menschsein bedeuten kann sind Gronbachs "Missionen".
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 3, 2008 3:53 PM CET


Gottes Eifer: Vom Kampf der drei Monotheismen
Gottes Eifer: Vom Kampf der drei Monotheismen
von Peter Sloterdijk
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,80

52 von 64 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Nichts als Eiferkollektive?, 3. August 2008
Die Größe dieses Buches besteht in einer strukturellen Innenansicht dessen, was man als die dogmatisch-absolutistische, rein traditionelle, soziozentrische oder auch ethnozentrische Bewusstseinsebene der drei Religionen Christentum, Judentum und Islam bezeichnen könnte. Sloterdijk gibt den Lesern einen tiefen Einblick, und durch die bildhafte Ausdrucksstärke seiner Sprache auch einen einfühlsamen Eindruck des Lebensgefühls und der Denkweise dieser Bewusstseinstruktur und -Ebene, insbesondere ihrer pathologischen Ausdrucksformen.

Gleichzeitig, und darin sehe ich die Grenzen dieses Buches, beschränkt sich Sloterdijk bei seiner Erörterung von Religion auf die negativen Ausprägungen von "Eiferkollektiven", so dass der (fatale) Eindruck entstehen kann, dass damit bereits alles was Judentum, Christentum und Islam ausmachen erschöpft wäre. Absolutistische Religion ist
e i n e Ebene von Religion, aber sicher nicht d i e Religion. In einem Entwicklungsspektrum von (in der Terminologie Jean Gebser) archaisch zu magisch zu mythisch zu rational zu pluralistisch zu integral gibt es auf jeder Entwicklungsebene ganz unterschiedliche Arten der innerlichen wie auch der institutionalisierten äußerlichen Praxis und Religionsausübung, und zwar in jeder der drei Weltreligionen. Diese werden jedoch bei Sloterdijk auf die mythisch-absolutistische Ebene reduziert.
Durch das Fehlen der Entwicklungsperspektive auf die drei genannten Weltreligionen bleibt die Thematik insgesamt flach, trotz der sehr bildhaften Sprache. Wenn selbst ein (Sufi) Mystiker wie Al Ghazali lediglich im Zusammenhang mit "Schwärmertum und vergeistigtem Militantismus" gesehen wird, und die mystischen Einsichten eines Meister Eckhart von Sloterdijk auf "inspirierte intellektheoretische Spekulationen" reduziert werden, dann ist das schon bedrückend reduktionistisch.
Das Buch kann daher auch, abgesehen von einem allgemeinen Hinweis auf den zivilisatorischen Weg, keine Lösungen zur Beendigung der Konflikte zwischen den drei Monotheismen aufzeigen.
Es ist eigenartig: Sloterdijk erweist sich bei der Beschreibung des Kampfes der drei Monotheismen als ein Meister der strukturellen Analyse. Doch Religionen entwickeln sich, äußerlich und innerlich, wie alles andere auch, und diese Entwicklung ist auch eine strukturelle Entwicklung mit niederen, mittleren, höheren und immer höheren Ebenen des Wissens und des Seins, und gerade in dieser Entwicklung liegt eine Lösung des Montheismus und seiner offenkundigen Schwächen.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 3, 2012 1:36 PM MEST


Integrale Psychotherapie. Ein umfassendes Therapiemodell auf der Grundlage der Integralen Philosophie nach Ken Wilber
Integrale Psychotherapie. Ein umfassendes Therapiemodell auf der Grundlage der Integralen Philosophie nach Ken Wilber
von Wulf Mirko Weinreich
  Broschiert
Preis: EUR 24,80

80 von 82 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gute Arbeit, 15. März 2006
Integrale Psychotherapie – Ein umfassendes Therapiemodell auf der Grundlage der Integralen Philosophie nach Ken Wilber - ist ein gutes Buch, das auch den theoretischen Ansprüchen genügt, die man an ein derart anspruchsvolles Vorhaben stellen darf.
Nach einer kurzen Einleitung zu Hintergrund und Entstehung des Buches kommt der Autor im ersten Teil gleich zur Sache, und erläutert die philosophischen, erkenntnistheoretischen und wissenschaftsorientierten Grundlagen von Wilber’s Ansatz. Er schreckt dabei auch nicht vor der Darstellung des Holon-Ansatzes zurück, und beschreibt ausführlich die Grundbausteine der Quadranten, Ebenen und Linien des integralen Modells (auch die Typologien und Zustände sind in dem Werk integriert, was den „AQAL-Ansatz“ – alle Quadranten, Ebene, Linien, Zustände und Typen komplettiert).
Was die grafische Darstellung angeht, wird echte Pionierarbeit geleistet, mit zahlreichen mehrfarbigen Tabellen und Diagrammen, die das Verständnis sehr leichtern.
Danach konzentriert sich der Autor auf die Beschreibung der allgemeinen Entwicklung des menschlichen Bewusstseins, die Ich- bzw. Selbstentwicklung, wobei er sich am „Drehpunktmodell“ orientiert, welches Wilber erstmals in Psychologie der Befreiung vorgestellt hat. Dieses Modell wird im Kontext der 4 Quadranten erläutert.
Im zweiten Teil des Buches entwickelt der Autor dann konkret und beispielhaft das Modell einer integralen Psychotherapie, als einen Rahmen für die bereits bestehenden unterschiedlichen therapeutischen Ansätze. Dabei geht er entwicklungsorientiert vor, diskutiert die Entwicklungsdrehpunkte nacheinander und untersucht, was auf jeder der Entwicklungsstufen jeweils schief gehen kann, und durch welche Methoden und Interventionen integrale Heilung möglich ist - eine Heilung, die sowohl die subjektiven (psychischen), intersubjektiven (d.h. beziehungsorientierten) sowie auch die objektiven Aspekte eines Menschen (körper- und systembezogen) berücksichtigt. Themen wie Traumanalyse und Meditation werden als Exkurs separat ausgeführt, und durch übersichtliche Schautafeln (S. 172 u. 173) sorgt der Autor dafür, dass bei der Fülle an Einzelinformationen der Überblick nicht verloren geht.
Ganz wichtig im Zusammenhang einer integralen Vorgehensweise ist der Therapeut selbst, und die Anforderungen an ihn in einem integralen Prozess. Diese werden in einem eigenen Kapitel beschrieben.
Wie kann ein derartiger Ansatz zur Anwendung kommen? Bei der Diskussion dieser Frage ist der Autor nicht auf Spekulationen angewiesen, sondern stellt ein bereits bestehendes Modell vor, das er aus eigener Anschauung kennt. Es handelt sich dabei um das Bad Herrenalber Modell, welches an der Klinik gleichen Namens schon seit vielen Jahren im Einsatz ist. Dieses Modell wurde nicht vor dem Hintergrund des integralen Absatzes entwickelt, enthält jedoch ein Reihe von Merkmalen und Therapie“bausteinen“, die es lohnenswert machen, es vor eine integralen Hintergrund zu diskutierten, Dies tut der Autor sehr gründlich im dritten und abschließenden Teil des Buches, wodurch die vorangegangenen Überlegungen realitätsbezogen und praktikabel hervortreten, bis hin zur Vorstellung des Wochenplanes dieser Klinik.
Aus diesem Buch werden nicht nur Psychotherapeuten und andere Menschen in „helfenden Berufen“ im weitesten Sinn ihren Nutzen ziehen können, sondern auch diejenigen, die sich für den Integralen Ansatz von Ken Wilber in seiner (psycho)therapeutischen Anwendung allgemein interessieren.
Es ist ein Buch auf dem Stand von Wilber IV (Wilber selbst teilt sein Werk in bisher fünf aufeinanderfolgende Phasen ein, I-V), d.h. die Neuerungen, die Wilber mit der Phase V einführt, sind darin (noch) nicht enthalten. Diese könnten jedoch in weiteren Auflagen, die ich dem Buch wünsche, eingearbeitet werden. Unabhängig davon bleibt die jetzt vorliegende Auflage aktuell und interessant.


Ken Wilber - Denker aus Passion. Eine Zusammenschau
Ken Wilber - Denker aus Passion. Eine Zusammenschau
von Frank Visser
  Gebundene Ausgabe

41 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Wilber verdreht, 11. Juni 2005
Das Buch ist leider kein gelungenes Buch über Ken Wilber und sein Werk, wie der Titel verspricht. Es ist für den „frühen" Wilber noch einigermaßen angemessen, wird jedoch beim „integralen" Wilber (seine Veröffentlichungen ab 1995) sehr dünn, und versagt komplett beim aktuellen Werk Wilbers.
Schon im zweiten Satz wird deutlich, wo der Autor Frank Visser Wilber gerne sieht bzw. sehen möchte: 'Er [Wilber] ist vor allem ein Exponent der transpersonalen Psychologie', und damit kommt gleich zu Beginn etwas auf's falsche Gleis. Diese Aussage ist seit 1983 nicht mehr richtig - und zwar nicht nur weil Wilber das ausdrücklich sagt, sondern weil das auch aus der Lektüre von Wilber's Büchern nach 1983 klar wird.
Aus irgendeinem Grund stellt Visser Wilber immer wieder - das ganze Buch hindurch - in die 'Entwicklungsecke'. Das passt noch gut für Wilber Phase 1-3 (Wilber hat sein Werk selbst in 5 Phasen unterteilt), beginnt bei Wilber-4 problematisch zu werden, und wird spätestens Wilber-5 dann nicht mehr gerecht. Wilber-5 erwähnt Visser auch nur generell, ohne zu beschreiben worum es da geht. Unglücklicherweise hat das letzte und siebente Kapitel die Überschrift "Ken Wilber in perspektivischer Betrachtung", wobei es sich jedoch nicht um Wilber-5 handelt (wo Perspektiven eine wichtige Rolle spielen), sondern überwiegend um eine Wiederholung alter Diskussionen, wie z.B. Wilber/Jung oder Wilber/Grof.
Was Ken Wilber selbst betrifft, so ist es keineswegs so dass er dieses Buch „autorisiert" hat. Das Gegenteil ist der Fall. So schreibt Wilber in einem kritischen Text zu einer von Visser eingerichteten Homepage: (A Suggestion for Reading the Criticism of My Work on Frank Visser's „World of Ken Wilber" Site):
„Ich habe aus vielen Gründen schwerwiegende Einwände gegenüber Frank Visser's Buch über meine Arbeit („Denker aus Passion"). Frank hat meine Arbeit monologisch studiert, aber nur sehr wenig im Dialog mit mir darüber gesprochen (und was Wilber-5 betrifft, gab es überhaupt keinen Dialog oder ein Verständnis seinerseits)...


Erinnerungen
Erinnerungen
von Jürgen Reinhold
  Gebundene Ausgabe

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lebendiges Zeugnis, 11. Juni 2001
Rezension bezieht sich auf: Erinnerungen (Gebundene Ausgabe)
Das Buch „Erinnerungen" von Jürgen Reinhold ist ein sehr persönliches und zugleich zeitgeschichtliches Buch, über eines der schwierigsten Kapitel deutscher Geschichte. Es spannt einen Bogen von 1923 bis 1999, und verknüpft auf ernsthaft-präzise und zugleich lockere erzählerische Weise privates Erleben und zeitgeschichtlichen Hintergrund. Dieses Buch hat mich als Nachgeborene des zweiten Weltkrieges (Jahrgang 1950) unmittelbar in die Ereignisse dieser Zeit versetzt, so daß diese Zeit - die meine Großeltern und Eltern erlebt und erlitten haben - in mir lebendig und nachvollziehbar wurde. Am meisten hat mich das ehrliche Bekennen zu der eigenen Vergangenheit beeindruckt, mit dem Ringen nach Wahrheit und Klarheit, die Dinge so zu sehen wie sie waren. Dieses Buch ist für mich ein lebendiges Zeugnis dafür, dass Männer und Frauen vom Format eines Jürgen Reinhold einen entscheidenden Beitrag geleistet haben für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Wohlstand in Deutschland, und daß diese Werte nicht automatisch gegeben, sondern immer wieder neu erarbeitet und bewahrt werden müssen. Das Buch ist sehr spannend zu lesen und auch äusserst informativ. Ein sehr empfehlenswertes Buch, besonders für die jüngere Generation!


Seite: 1 | 2