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Rezensionen verfasst von
Robert Fischer (Muenchen, Germany)
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Time
Time
Preis: EUR 17,98

5.0 von 5 Sternen Joy …, 23. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Time (Audio CD)
… releases you from the prison of your mind: Sinnsprüche wie diesen wirft uns Anthony Joseph auf dieser großartigen Einspielung gleich im Dutzendpack an den Kopf, und das Erstaunliche dabei – es "stört" nicht im Mindesten. Obwohl: So erstaunlich ist das vielleicht auch wieder nicht, denn erstens hat der Mann eine supercool-volltönende Stimme, die er durchaus literarisch-hochtönend einzusetzen vermag, und zweitens hat er sich hier das Musik- und Soundpaket von der genialkapriziösen Meshell Ndegeocello (selbst gerade mit einer ziemlich gelungenen "Comet, Come to me"-Novität am Start) auf den zweifellos aparten Leib schneidern lassen. Entstand ist dabei ein offenbar süchtig machendes Soundgebräu, das sich klein Robert jetzt mal als "tief schwarz" vorstellt (wenn eine solche Vorstellung denn politisch korrekt wäre), das aber in jedem Fall mehr Soul im kleinen Finger hat als die meisten Möchtegern- oder Tatsächlich-Rapper in ihren Ärschen. Ähem. Will heißen: Der Mann könnte eigentlich auf suahelisch rezitieren – so lange das alles nur mit SOLCHEN GROOVEs, so laidback und hochkonzentriert daherkommt wie hier. Was nicht heißt, dass der Mann nichts zu sagen hätte – aber wenn DAS aus den Lautsprechern kommt, möchte man, möchte ich, erst einmal tanzen und sich mit der Welt zu einem kreisenden Etwas vereinen. Das könnte dann von mir aus ewig so gehen, und wenn die erste Ewigkeit vorbei ist, kann man ja auch mal wieder auf die Worte achten, sich gar an gänzlich unbegleiteten Passagen erfreuen. "Alice of the River" erzählt beispielsweise von Anthonys Schwester: Die hat sich umgebracht, und wie man daraus ein "Stück" machen kann, das eine Lebensgeschichte zum Funkeln bringt (ohne peinlich zu sein) – das muss ihm erst mal einer nachmachen. Sieht so aus, als lohnte es sich doch, genauer auf die Worte zu achten, denkt man (spätestens) da. Und, ja: it does. Anthony Joseph macht Soundtracks, die auch ohne Bilder funktionieren – aber für die jemand wie Tarantino wohl liebend gerne Filme machen würden (nur um im Kinosaal die Musik zu hören). Und was mich betrifft, so halte ich es in diesem Fall mal mit Prince: Der hatte es nämlich auch mit der JOY. Und zwar mit: Joy in repetition.


Draußen: Mit der Kamera um die Welt
Draußen: Mit der Kamera um die Welt
von Udo Bernhart
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Ereignis, 4. Juli 2014
Wer wissen will, was einen guten Fotografen von einem sehr guten unterscheidet, der schaue sich am besten mal dieses Buch hier genauer an: Der südtiroler Weltbürger Udo Bernhart, den es wie viele seiner Landsmänner schon früh aus dem engen Tal hinaus in die große Weite zog, hat einen ganz eigenen Weg gefunden, sich eben diese Welt anzueignen. Das führt zum einen dazu, dass man selbst sattsam bekannte Motive wie neu entdeckt. Und das führt zum anderen dazu, dass man auf anderes aufmerksam wird, das man ohne Bernhards fotografischen Blick – jedenfalls so – kaum je gesehen hätte. Wirklich etwas Besonderes, ja, zum Ereignis wird dieses Buch aber nicht allein durch die exzellente Fotografie, sondern erst als Ganzes, also durch Text und Bild. Wer darin nur blättert, dem entgeht die Hälfte. Wer es auch liest, dem wird vielleicht deutlich, was das Besondere an diesen Bildern ist – dass Udo Bernhart wirklich eine eigene BildSPRACHE entwickelt hat. Manchmal sagen diese Bilder mehr als alle Worte, manchmal möchte man doch noch etwas mehr darüber erfahren. Zum Glück kann Bernhart nicht nur fotografieren, sondern auch schreiben, und so rundet sich dieses Buch in Text und Bild zu einem lesens- und sehenswerten Selbst- und Weltporträt, das ich jedem empfehlen möchte, der sich für unsere Welt, für die Menschen unterschiedlichster Kulturen, und nicht zuletzt auch für die Arbeit eines "Reisefotografen" interessiert. Wobei Udo Bernhart natürlich doch viel mehr ist, als "nur das". Auch davon erzählt dieses wunderbare Buch.


Depart
Depart
Preis: EUR 20,19

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Powertrio, 28. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Depart (Audio CD)
Warum diese Produktion nicht auch bei act erschienen ist? Siggi M. Loch wird es schon wissen – aber es spricht nicht für ihn als Label-Genius, dass er sich nicht mit all seinen verbliebenen Kräften dafür eingesetzt hat. (Okay, für Manu Katche setzt er sich gleich in den Flieger nach Paris – aber wird der jemals eine so geniale Musik einspielen wie Depart?) Doch das nur am Rande: Depart, nun mit einem neuen Schlagzeuger, Martin Valihora, ist das aufregendste, spannendste europäische, wenn nicht internationale Bandprojekt der letzten Jahre. Was die drei etwa aus dem Erzherzog-Johann-Jodler machen: Man muss es einfach gehört haben! Da hilft es natürlich, dass jeder für sich ein absoluter Meister – mathias rüegg vom Vienna Art Orchestra würde sagen: ein Killer! – auf seinem Instrument ist. Was Heiri Känzig auf dem Kontrabass hinlegt, sucht seinesgleichen; Harry Sokal ist einer der ganz wenigen Postcoltrane-Saxophonisten, die sich mit dem "Post" nicht lange aufhalten, sondern auf der coltraneschen Basis eigene Spuren legen, in die andere dereinst, wenn sie es denn können, mal wandeln werden. Martin Valihora fügt sich an den Drums nahtlos ein – kein "Streichler" an den Becken, sondern ein Mann, der seiner Snare gehörig Saures gibt. Richtig interessant wird es aber erst, wenn das Ganze dann mehr ist als die Summe der einzelnen Teile. Und genau das ist DEPART: Power pur – Jazz(rock) auf der Höhe der Zeit – mit lyrischen Höhepunkten wie dem (im Duo Bass-Saxophon eingespielten) Guggisberglied. Ein Hör-Erlebnis!


Trios Live
Trios Live
Preis: EUR 16,99

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen You've got the power!, 28. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Trios Live (Audio CD)
Das letzte Mal, dass ich so energetisch-kraftvolle Triomusik gehört habe, war Depart, das österreichisch-schweizerische Kraftpaket um den Ausnahmesaxophonisten Harry Sokal und den nicht minder virtuos-einfallsreich-volltönend-flageolettverliebten Heiri Känzig am Bass. Hier ist nun Joshua Redman die treibende Kraft, und statt der – durch den bluenoteschwangeren Jazzwolf gequirlten – alpenländischen Töne sind es hier Brecht/Weill sowie, man höre und staune, Led Zeppelin (also: Jimmy Page), die uns mit Verve um die Ohren geblasen werden. "The Ocean", live aufgenommen wie alle übrigen Stücke, würde für sich allein den Kauf dieser Produktion rechtfertigen. Da zeigt sich mal wieder, was Jazz, in seinen besten Momenten, auch, kann: altbekannte Nummern erst mal bis aufs Skelett abfieseln, dann eine Prise eigene Genialität hinzugeben, und das Ding neu zum Funkeln bringen. Grandiose Musik, grandios gespielt. MUSS man haben!
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 21, 2014 4:25 PM MEST


Last Dance
Last Dance
Preis: EUR 12,95

56 von 58 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Vermächtnis, 13. Juni 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Last Dance (Audio CD)
Wer schon "Jasmine" liebte, die Vorläufer-CD dieses kongenialen Duos, die aus denselben im März 2007 in Keith Jarretts Heimstudio aufgenommenen Sessions wie hier zu hören hervorgegangen ist, der MUSS diesen "Letzten Tanz" ohnehin haben. Wer "Jasmine" (noch) nicht kennt, der hat hier nun neu die Gelegenheit, zu hören, was Jazz, immer noch und immer wieder, in seiner vielleicht schönsten, auf jeden Fall intimsten kammermusikalischen Form sein kann: ein Zwiegespräch zweier Instrumentalisten (nicht: Instrumente), das die Seele der beteiligten Charaktere zum Klingen bringt. Jarrett spielt in diesem Duo konzentrierter, mitreißender, "zwingender" als in allen anderen Inkarnationen (ob solo oder im Trio); man hat das Gefühl, er HÖRT genauso intensiv, wie er SPIELT. Und Charlie Haden, der am 11. Juli 2014 in Los Angeles gestorben ist, zeigt hier noch einmal seine wahre Meisterschaft: des richtigen Tons zur richtigen Zeit. Das kommt so unangestrengt kunstlos daher, so bar jeder Virtuoseneitelkeit, dass man leicht überhören könnte, was das eigentlich bedeutet: SOOO souverän zu sein, überhaupt gar niemandem mehr etwas beweisen zu müssen ... Auch Charlie Haden war ein (sehr) guter Zuhörer, und beide zusammen machen sie den den Zuhörer als in diesem Fall dritten im Bunde, auf dieser Aufnahme schlicht und ergreifend: glücklich. (Jedenfalls mich.) Das ist Musik, bei der man Bücher schreiben, Kinder zeugen, leben und lieben kann. Oder auch einfach nur (aber eben gar nicht "nur"): sein. So schön also kann das Leben sein, so unaufgeregt gegenwärtig im Hier und Jetzt. In einem Moment, den man sich ewig während wünscht. Wirklich schade, dass das nun der letzte Tanz der beiden war, jedenfalls in diesem Leben. Schön, dass Charlie Haden diese Veröffentlichung noch erleben durfte. Schade, dass sie nun auch zu einem Vermächtnis wurde. Aber, immerhin: das bleibt!
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 12, 2014 10:10 PM MEST


Stravinsky, The rite of spring, Sacre du Printemps. Scriabin, The poem of extasy, Le poeme de l'extase
Stravinsky, The rite of spring, Sacre du Printemps. Scriabin, The poem of extasy, Le poeme de l'extase
Preis: EUR 20,19

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Gergievs Strawinski, 26. Mai 2014
Als Erscheinungstermin dieser CD wird 2001 angegeben, die Aufnahme dürfte jedoch deutlich älteren Datums sein, denn schon seit 1992 heißt das Große Opernhaus in St. Petersburg wieder Mariinskij, statt Kirov, und das Gleiche gilt für dessen von Gergiev geleitetes Orchester. Zum Vergleich dieser Aufnahme empfehle ich die 2013 veröffentlichte Einspielung von Sir Simon Rattle mit den Berliner Philharmonikern "Stravinsky. Le Sacre du Printemps/Apollon)", die mir wesentlich mehr Dynamik, Kraft und Transparenz als Gergievs Einspielung zu haben scheint. Aber vielleicht interessiert den einen oder anderen ja auch, wie Gergiev das gleiche Stück mit "seinem" Orchester aktuell, live 2014, zur Aufführung bringt. Wer ihn nämlich am 23. Mai 2014 etwa in der Münchner Philharmonie erlebte, der konnte sich nur verblüfft die Ohren reiben. Kann es wirklich sein, dass das nervöse Fingerflimmern, das er als Dirigat ausgibt, schon alles ist, was Teile seines Publikum für "Aura" halten? So hohl und ausdrucksarm wie an diesem Abend muss man Strawinskis viel gespielten Gassenhauer in den Konzerthallen dieser Welt jedenfalls erst mal verhunzen. Und dabei war das noch das beste Stück des Abends! "Gergievs Strawinski" verwechselte Lautstärke mit Dynamik, Pathos mit analytischer Struktur – und erging sich in Langeweile auf durchaus mediokrem Niveau. Leid tun konnte einem an diesem – insgesamt der Musik Strawinskis gewidmeten Abend – nicht nur das Publikum, sondern auch der junge Pianist Daniil Trifonov, der Dirigent wie Orchester offenbar davonlaufen wollte (mindestens, was die Tempi betraf). Am schlimmsten aber: Gergievs negative Ausstrahlung. Die war in diesem Konzert bis hinauf in die obersten Sitzreihen zu spüren. Keine Leidenschaft, nirgends. Nur schlechte Laune – und schlecht(gespielt)e Musik. (Das hatte übrigens auch Strawinski nicht verdient!)


A Wop Bopaloo Bop Alop Bam Boom. Pop- History.
A Wop Bopaloo Bop Alop Bam Boom. Pop- History.
von Nik Cohn
  Broschiert

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen "Nett", 22. Mai 2014
Es gibt ein paar Bücher, über deren herausragende Qualität sich alle einig zu sein scheinen. Das führt dann dazu, dass sich ihr Ruf verselbstständigt: einer schreibt vom anderen ab, dass das doch wirklich ein tolles Buch sei, und weil ja "alle" (Insider) das finden, von Karl Bruckmaier bis Jens-Christian Rabe, um mal zwei Beispiele zu nennen, kann man den Titel des Buches auch gern mal etwa in einer Rezi fallenlassen, um sich als Kenner auszuweisen. Gut ist es zudem, wenn es sich um ein schon länger vergriffenes Buch handelt, das höchstens noch in ein paar angegilbten, im Einband eingerissenen Exemplaren verfügbar ist, die hier auf amazon übrigens als "gute Qualität" angepriesen werden. Noch besser aber, wenn auch diese angegilbten Exemplare niemand liest, denn sonst könnte der Ruf des Buches doch etwas ins Wanken geraten. Wie in diesem Fall: Wer Nik Cohn nicht bloß als Name und Titel fallen lassen, sondern tatsächlich auch einmal lesen möchte, der wird hier sein blaues Wunder erleben. Natürlich ist es ungerecht, ein in der deutschen Ausgabe vor mehr als 40 Jahren erschienenes Buch so zu lesen, als wäre es erst gestern veröffentlicht worden. Natürlich glaube ich einem Karl Bruckmaier gern, dass ihn das Buch damals beeindruckt hat. Aber wenn er es heute wieder läse – würde er es dann wirklich noch so gern als Referenz für das eigene Schreiben anpreisen? Ein Buch, das mit der Attitüde des allumfassend Bescheidwissers geschrieben ist, in dem Sätze stehen wie: "Man verehrte ihn. Nun, schließlich war er ja schwarz. Und nicht einfach braunschwarz, nordschwarz, sondern richtig vollschwarz, georgiaschwarz." Von einem Autor, der in der herablassenden Art des (zu recht) von allen gehassten Klassenstrebers Sätze von oben herab formuliert wie: "Er machte gute Platten und sang nett und war vollkommen in Ordnung." Und dessen Fehlurteile einem doch heute die Haare zu Berge stehen lassen, wenn er etwa Elton John als "hohlgeistig und banal" abtut, über Crosby, Stills, Nash and Young" schreibt, ihre Spezialität seien "empfindsame Balladen voller Tempi-Wechsel und komplizierter Harmonien, die sie konstant falsch vortragen." Jemand, der Led Zeppelin "Primitivität und Grobschlächtigkeit" vorwirft und für den Creedence Cleerwater Revival sowie Bob Dylans "Backing Group" (The Band) das Maß aller Dinge zu sein scheinen. In einem Genre, wohlgemerkt, das er "Rock" nennt (obwohl es eine "Pop History" sein soll) und das für ihn, schon 1971, "seine besten Tage hinter sich hat". Tja. Ein guter (Musik-)Journalist sollte eben nicht immer nur den Vorlieben seiner Teeniejahre nachtrauern, sondern die Ohren offenhalten. Neugierig bleiben. – Und auch mal die Klappe halten, wenn er etwas nicht (oder nicht gleich) versteht.


Feuer und Glas - Die Verschwörung: Roman (Heyne fliegt)
Feuer und Glas - Die Verschwörung: Roman (Heyne fliegt)
von Brigitte Riebe
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vollendet, 16. Mai 2014
Wer das erste Buch von Brigitte Riebes Feuer-und-Glas-Saga – der Pakt – gelesen hat, MUSS natürlich auch dieses lesen. Und wer es noch nicht gelesen hat, sollte damit beginnen, denn erst zusammen ist die für Jugendliche jeden Alters geschriebene Saga vollendet. Ich selbst bin vor allem im Geiste jung (und an den Haaren schon ein bisschen grau) – aber mit Brigitte Riebes spannenden Romanen von Venedig nach Konstantinopel zu reisen, war einfach fantastisch. Ich liebe beide Städte, und Liebenden sagt man ja nach, dass sie besonders kritisch sind. Aber bei diesen beiden Büchern versagt mir die Kritik. Die sind einfach toll. LESEN!


Driftwood
Driftwood
Preis: EUR 18,98

11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Unter den Möglichkeiten, 16. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Driftwood (Audio CD)
Nein, das ist keine wirklich schlechte Produktion: Dafür sind Wolfgang Muthspiel, Larry Grenadier und Brian Blade einfach zu gute Musiker – denen hört man wohl in jedem Kontext gern zu. Trotzdem hätte ich dem österreichischen Ausnahmegitarristen für sein ecm-Debüt als Leader mehr Glück gewünscht: Wozu der Mann in der Lage ist, sollte man sich noch einmal auf seiner 1993 eingespielten Produktion "Black and Blue" anhören. Ein Meisterwerk! Das hier klingt, als hätte Muthspiel eine Produktion "für" Manfred Eicher gemacht (statt genauso auch für sich) – also so, wie er sich wohl vorstellt, dass Eicher es gern mag. Der aber hat offenbar einen schlechten Tag gehabt – mindestens, als er die zu leise, zu wenig transparent, eigentlich ecm-unwürdig schlecht abgemischte Produktion freigab. (Die zeitgleich erschienene CD von Jacob Young klingt deutlich besser – und lauter ...) Auch Muthspiel als Stückeschreiber hatte schon bessere Tage: Was das seinem verstorbenen Landsmann Joe Zawinul gewidmete Soundgefrickel als Eingangsstück mit eben diesem "Joseph" zu tun haben soll, wird wohl sein Geheimnis bleiben. Zawinul war vor allem ein Mann des treibenden Grooves (und der Balladen) – das hier hätte er allenfalls als Auftakt zum "wirklichen Stück" durchgehen lassen. Anderes gelingt Muthspiel deutlich besser, und alle drei Musiker sind auf Ihren Instrumenten (Grenadier überzeugt hier auch mit seinem Bogenspiel) natürlich superb. Aber insgesamt stellt sich dann leider doch der Eindruck ein, dass dieses Projekt unter seinen Möglichkeiten blieb. Und das ist dann doch sehr schade.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 22, 2014 2:59 AM MEST


Solo Piano Portraits
Solo Piano Portraits
Preis: EUR 14,57

10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fiesta, 7. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Solo Piano Portraits (Audio CD)
Diese (Live-)Einspielung ist ein Fest für alle Freunde der schwarzweißen Tasten: Schade einzig, dass das Ganze nicht auch als DVD veröffentlicht wurde – man hätte Chick Corea beim Spielen wie beim Erzählen gern zugesehen. Aber auch so, beim reinen, konzentrierten Mithören, wird die Musik zur Offenbarung: Chick Corea weiß wie jeder großartige Musiker, auf welchen Schultern er steht, und einige dieser "Riesen" – Bill Evans, Thelonious Monk und Bud Powell genauso wie Paco de Lucia oder Stevie Wonder – porträtiert er hier musikalisch auf eine so unverkennbar eigene Weise, dass kenntlich wird, wo die Inspiration "herkommt" und wie sie von Corea eben nicht nur aufgenommen und nachinterpretiert, sondern "spielerisch" weiterentwickelt wird. Dass auch Bartok und Scriabin in diesem Reigen nicht fehlen dürfen, sagt einiges über Chick Corea, dessen eigene Kompositionen für Soloklavier sich hier nahtlos einfügen. Alles in allem summiert sich das Ganze zu einem in jeder Sekunde ergreifenden, mitreißenden (auch: Selbst-)Porträt, zu einem Fest für alle Freunde der schwarzweißen Tasten. Oder sagte ich das etwa schon?


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