holidaypacklist Hier klicken Jetzt informieren BildBestseller Cloud Drive Photos Learn More designshop Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Autorip NYNY
Profil für Alexander Möllmann > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Alexander Möllmann
Top-Rezensenten Rang: 587.727
Hilfreiche Bewertungen: 573

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Alexander Möllmann (Köln, NRW)
(VINE®-PRODUKTTESTER)   

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9
pixel
Applause
Applause
Preis: EUR 14,99

4.0 von 5 Sternen Das Ziemlich-Geil-Erlebnis und ein kleines Schmunzeln, 9. November 2011
Rezension bezieht sich auf: Applause (Audio CD)
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
Auch wenn Schweden das Land der ersten Wahl für neuen und hippen Indie-Rock ist, lohnt es sich, auch mal einen Blick auf unsere Nachbarn in Belgien zu werfen. Denn was dort fabriziert wird, kann mitunter einer der heißesten Geheimtipps des Jahres werden.

Mit nichts anderem als rumpelnden Bässen kann man heute ungefähr genau so punkten, wie David Bowie, würde er dieser Tage nochmal ein Album wie "Station to Station" herausbringen - eben so gut wie gar nicht. Zieht man diesen rumpelnden Bass jedoch so konsequent durch, dass es fast schon wieder albern ist und setzt dem Ganzen ironisch beschwingte Texte und zackige Gitarren-Riffs entgegen, kann man mit einer zusätzlichen Portion Glück ein Album wie "Applause" von der belgischen Indie Band Balthazar herausbringen.

In ihrem Heimatland selbst sind die vier Jungs und das Mädel beinahe schon ein alter Hut: Machten sie nämlich bereits im Herbst 2010 dort auf sich aufmerksam und heimsten sogar den belgischen Music Industry Award für das Album des Jahres ein. Das Geheimnis dahinter ist nicht sonderlich schwer zu entschlüsseln: Intelligent gestrickte Songs, tanzbare Beats und Gesang in der gewohnt indie-mäßigen Ist-Mir-Doch-Alles-Scheiß-Egal-Manier. Wäre es das jedoch schon gewesen, dann hätten wir hier allerdings ein Was-Zur-Hölle-Brauchen-Wir-Noch-So-Eine-Indie-Band Album.

Der Clou ist hier eindeutig die Instrumentierung: Die Songs werden um die Bass-Riffs herum aufgebaut (genial: "Blood like Wine") und haben so einen inneren nicht zu stoppenden Drang nach vorne der schreit: Tanzen, tanzen, tanzen. Interessante Pointierungen wie zum Beispiel mit einem Klavier (raffiniert: "Fifteen Floors") sorgen neben dem erhebenden Ziemlich-Geil-Erlebnis für das nette Schmunzeln nebenbei.


The Stepkids
The Stepkids
Preis: EUR 13,99

4.0 von 5 Sternen Aus alt mach' neu, 5. September 2011
Rezension bezieht sich auf: The Stepkids (Audio CD)
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
Wenn ein Album so klingt, wie die Mischung aus einem Festival der 60er, einem Porno-Set der 70er und einem Underground-Konzert der 80er, dann kann eigentlich gar nicht so viel schief gehen. Geprägt von Psychedelic-Funk Größen wie "Sly And The Family Stone", wuseln sich die "Stepkids" auf ihrem selbst-betitelten Debüt durch knapp drei Dekaden Musikgeschichte.

Vor der Gründung des Trios waren alle drei Mitglieder als Konzertmusiker unterwegs. So war Jeff Gitleman viele Jahre lang der Tour-Gitarrist von Alica Keys, aber auch mit 50Cent oder Lauryn Hill teilten sich die drei Jungs bereits die Bühne. Der immense Einfluss von R&B, Soul und Funk macht sich auch unmittelbar in den Songs der "Stepkids" bemerkbar. Getrieben von Tim Walsh's energischen Beats, bauen sie komplexe Songstrukturen auf, die entweder von Kopfstimmengesang oder den waghalsigen Arpeggien von Keyboarder und Bassist Dan Edinberg getragen werden.

Manchmal gehen die leicht verspielten Reminiszenzen an die Musik der 70er Jahre allerdings etwas zu weit - und so kommt man beispielsweise bei "Santos & Ken" nicht umher, den ein oder anderen Gedanken an die Bee Gees zu verlieren. Was jedoch nicht sonderlich ins Gewicht fällt, denn schon mit "La La" folgt ein Song, hinter dessen vermeintlich banalem Titel sich ein raffiniertes Arrangement mit Kuhglocken, wirren Synthesizern und pointiertem Gitarrenspiel versteckt.

"Was uns an der Band am meisten fasziniert, ist die Band selbst. Es geht nicht um einen von uns, es geht darum, eine Einheit zu schaffen, in der die Einheit als solche wichtig ist", beschreibt Edinberg ein bisschen abgeschmackt das Selbstgefühl der Band und will damit betonen, dass es weder beim Songwriting, noch beim Gesang irgendwelche Unterschiede zwischen den Mitgliedern gab. Alle seien gleichberechtigt, um ein Höchstmaß an Kreativität erreichen zu können. Und das funktioniert bisweilen auch ganz gut: Bereits die erste Single "Shadows on Behalf" sorgte im Vorfeld für helle Aufregung und war innerhalb kürzester Zeit in der 12"-Version ausverkauft.

Die "Stepkids" schaffen es mit der richtigen Mischung als Funk, Soul, R&B und Acid-Einflüssen einen Sound zu erschaffen, der modern klingt, sicher aber der alt-bekannten Zutaten bedient - wie ein Undergroung-Festival-Porno eben.


Planet Jedward (Neue Version)
Planet Jedward (Neue Version)
Preis: EUR 13,45

6 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Irdischer Weltraum-Pop, 15. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: Planet Jedward (Neue Version) (Audio CD)
Jedward - oder auch John und Edward Grimes - sind spätestens seit ihrem schrillen Auftritt beim Eurovision Song Contest dem ein oder anderen als das skurrile Pop-Duo aus Irland bekannt. Erinnern wird man sich aber wohl eher an die perfekt sitzenden Haar-Tollen, als an den Song, den sie performten. Nichts desto trotz war "Lipstick" kurze Zeit später die Nummer 1 der Download-Charts und Jedward quasi über Nacht die neue Pop-Sensation.

Pünktlich zur Tour erscheint das Debut Album "Planet Jedward" in neuer Auflage - inklusive der Single "Lipstick" versteht sich, denn die war auf der ersten Version nicht enthalten. Dass die beiden von einem anderen Stern kommen, davon konnte man sich bei der Performance in Düsseldorf bereits überzeugen. Die Musik ist jedoch alles andere als außerirdisch: Stampfende Elektrobeats unter Synthie-Einheitsbrei holen einen schnell auf den Boden der Tatsachen zurück und lassen erkennen, dass das Album offenbar im Hauruck-Verfahren produziert wurde. Dabei vermischen sich Melodien der Backstreet Boys mit Texten wie "Wow oh wow / she got me seeing red like / bang bang pow" zu einem kratzenden 90er Jahre Geschwurbel mit dem schlichten und kompromisslosen Titel "Wow oh Wow".

Einer der unterhaltsameren Songs ist das Mashup des Queen und Bowie Hits "Under Preassure" und "Ice Ice Baby" von Vanilla Ice; letzterer ließ es sich nicht nehmen, bei dem Song selbst mitzuwirken. Und wenn man dachte, dass es eigentlich mit dem Album vorbei ist, entdeckt man doch noch den ein oder anderen Titel, der nur auf die beiden gewartet zu haben schien. In einer herrlich überdrehten Retro-Version des Blink 182 Hits "All the small Things" oder einer überraschend fetzenden Version von "Fight your Right to party" von den Beasty Boys scheinen Jedward sich wohler zu fühlen, als in den fiepsenden Synthiewelten voller Lipsticks und Wow-Wow-Wows. So amüsant einige der Songs auch sein mögen, wirkt das Album in der Länge wie ein Baukasten, bei dem die Einzelteile nicht wirklich zusammen passen.

Dass das Talent der Zwillinge nicht in der großen Kunst liegt, sondern viel mehr in der Selbstinszenierung, bestreitet wohl niemand. Und wenn wir ehrlich sind, es macht schon Spaß, den beiden Hupfdohlen auf der Bühne zuzugucken.


Catch Me If You Can
Catch Me If You Can
DVD ~ Leonardo DiCaprio
Preis: EUR 5,00

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Dorf, in dem man keine Tiefkühltorten kennt., 15. März 2011
Rezension bezieht sich auf: Catch Me If You Can (DVD)
"Zwei Mäuse fallen in einen Topf voll Sahne, schon bald gibt die erste Maus auf und ertrinkt. Die Zweite aber strampelt so feste, bis sie die Sahne in Butter verwandelt und klettert schließlich hinaus."

"Catch me if you can" ist die wahre Geschichte des ehemals meistgesuchten Kriminellen der Vereinigten Staaten von Amerika: Frank Abagnale Junior, gespielt von Leonardo DiCaprio. Zwischen 1964 und 1969 gab er sich als Pilot der Fluglinie PanAm aus, praktizierte in Georgia als Arzt und legte in Louisiana erfolgreich die Prüfung vor der Anwaltskammer ab. Das Wissen für seine Berufe schaute er sich aus Fernsehserien ab und mit Scheckbetrug in allen 50 Bundesstaaten häufte er ein Vermögen von vier Millionen Dollar an. Zwischen all der Plackerei als Berufs-Betrüger findet Abagnale immer wieder Zeit, sich mit Frauen zu vergnügen. Ob mit einer Krankenschwester oder einer Prostituierten auf dem Hotelzimmer. Doch Steven Spielberg wäre nicht Steven Spielberg, wenn sich im Hintergrund seines Filmes nicht ein zerrüttetes Familienleben abspielen würde. Vater Frank Abagnale Senior, brillant verkörpert von Christopher Walken, brachte nach dem Krieg seine Frau aus Frankreich mit und ermöglichte ihr in den USA ein schönes Leben. Allerdings nicht selten mit unlauteren Mitteln. Es kommt wie es kommen muss: Der Vater geht bankrott, die Mutter verlässt ihn für einen Geschäftspartner und der Sohn muss sich entscheiden, bei wem er in Zukunft leben will.

Es gibt Leute die sagen, Spielberg sei zum Erfolg verdammt. Egal, wie kunstvoll und tiefsinnig einer seiner Filme ist, zum Schluss lande er doch im Mainstream. Das mag auch daran liegen, dass der Regisseur einen ausgeprägten Hang zu Pathos und Patriotismus hegt. In beidem erstickte er zuletzt die Geschichte des Films "Der Soldat James Ryan". Außerdem hat Spielberg eine Vorliebe für die "Verlorener-Vater-Geschichte". Wie schon bei dem zuvor veröffentlichten "A.I. - Künstliche Intelligenz" oder dem Dauerbrenner "E.T.", geht es in "Catch me if you can" (von 2002) um eine Vater-Sohn-Beziehung - bei letzterem sogar um zwei. Die erste ist die zwischen Abagnale Junior und Senior. Der Vater zeigt seinem Sohn wie man Verkäuferinnen umwirbt, in dem man ihnen einfach ein kleines Goldkettchen zeigt und sagt: "Die muss ihnen soeben vom Hals gerutscht sein." Darüber hinaus bringt er ihm die wertvolle Lektion bei, niemals aufzugeben und umschreibt das mit der Parabel der beiden Mäuse im Sahne-Becher.

Dem gegenüber steht die Beziehung zwischen Abagnale Junior und seinem Jäger, dem verbitterten FBI-Agenten Carl Hanratty, gespielt von Tom Hanks. Abagnale versucht seine zerrütteten Familienverhältnisse damit zu kompensieren, in dem er mit dem FBI-Agenten spielt: Er gibt sich als Mitglied des Secret Service aus und ruft pünktlich zu Weihnachten in Hanrattys Büro an. Weniger um ihn zu verspotten, als in dem Gesetzeshüter eine Bezugsperson zu finden.
Der Film lebt nicht zuletzt von den ironischen Dialogen zwischen Leonardo DiCaprio, der bis dato mit diesem Film seine beste schauspielerische Leistung ablegte und einem trockenen Tom Hanks in der Rolle des zum Teil tollpatschigen Agenten. Wenn die Mutter (Nathalie Baye) gegenüber Carl Hanratty sagt: "Ich arbeite jetzt halbtags in der Kirche, wie viel schuldet mein Sohn. Ich werde es bezahlen." Und der Agent in trockenem Tonfall antwortet: "1,3 Millionen Dollar", bleibt das Schmunzeln nicht aus.

Das Zauberwort des Filmes lautet Ablenkung. Bereits Abagnale Senior brachte das seinem Sohn bei: "Die Yankees gewinnen jedes Spiel, weil sie die gegnerische Mannschaft mit ihren Nadelstreifen-Trikots ablenken." Der Sohn nimmt sich das zu Herzen und entwickelt sich im Laufe des Films zu einem Meister der Ablenkung. Zusammen mit acht Stewardessen läuft er als meistgesuchter Verbrecher an den Polizisten vorbei, ohne dass diese auch nur den Hauch einer Notiz von ihm nehmen. Hanratty legt er aufs Kreuz, in dem er sagt, er sei vom Secret Service. Er reicht dem FBI-Agenten sogar seine Brieftasche mit einem angeblichen Ausweis und erzählt dabei so viel, dass dieser darüber vergisst, nachzusehen.

Letztendlich findet Hanratty den jungen Abagnale in Frankreich. Seine Mutter hatte dem Agenten gegenüber gesagt, sie stamme aus "einem Dorf, in dem man keine Tiefkühltorten kennt". Kurze und prägnante Sätze wie dieser machen den Charme des Filmes aus und verleihen ihm Authentizität, wie man sie von Spielberg gewohnt ist. Nachdem Abagnale in Frankreich doch noch verhaftet wird, arbeitet er nach seiner Zeit im Gefängnis als Berater des FBI und allerlei Firmen und wird so auf legalem Wege zum Millionär.

Steven Spielberg schafft es mit einer hochkarätigen Besetzung ein modernes Märchen zu erzählen, in dem das Verbrechen eine schicke Pilotenuniform oder einen Arztkittel trägt. Die Ironie steckt bei diesem Streifen förmlich in jeder einzelnen Szene. Perfekt fügt sich die Geschichte in eine Hochglanzkulisse der 60er Jahre ein. Untermalt wird das Ganze durch pointierten Lichteinsatz und der Jazz-Musik des langjährigen Spielberg Freundes John Williams. Wie bei allen Spielberg-Filmen ist die Geschichte oberflächlich betrachtet zu schön, um wahr zu sein. Im Nachhinein sieht man jedoch den Regisseur vor seinem geistigen Auge. Vielleicht zwinkert er und würde sagen: "ist Verbrechen nicht schick?"


Die Straße
Die Straße
von Cormac McCarthy
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,99

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Welt ist Asche, 15. März 2011
Rezension bezieht sich auf: Die Straße (Taschenbuch)
Die Welt ist eine andere geworden. Die Sonne ist durch Wolken verdunkelt und die Luft ist stickig durch herumwirbelnde Asche. Die Nächte in dieser Welt sind länger als die Tage, sofern sie überhaupt enden. In dieser Einöde machen sich ein Mann und sein Sohn auf den Weg durch ein Amerika, wie es lebensfeindlicher nicht sein kann. Ihr Ziel: die Küste.
Mit seinem postapokalyptischen Roman "Die Straße" skizziert der amerikanische Schriftsteller Cormac McCarthy die Geschichte zwei namenloser Wanderer. Beide haben nur einen Wunsch: überleben. Durch eine globale Katastrophe, die der Autor der Phantasie des Lesers überlässt, wurde die Welt verwüstet. Die wenigen Menschen, die überlebt haben, sind in zwei Lager gespalten. McCarthy nennt sie schlicht die Guten und die Bösen. Die Guten sichern sich ihr Überleben durch die Suche nach alten Konserven und ähnlichen Lebensmitteln. Die Bösen sind dem Kannibalismus verfallen und plündern auf einem blutigen Beutezug das Land. Der Vater und sein Sohn versuchen währenddessen, die Küste zu erreichen. Beide haben die Hoffnung so den kalten Nächten im Norden zu entkommen.
McCarthy bricht in seinem Roman mit einer gewöhnlichen Struktur. Das Buch ist nicht in Kapitel unterteilt, sondern durch zwei Leerzeilen nach jeder Szene. Die Geschichte spinnt sich selbst fort, wie die Straße, auf der Vater und Sohn wandern - die Verschnaufpausen sind für die beiden Figuren und den Leser nur kurz. Er jagt seine beiden Protagonisten durch gestorbene Wälder. Er lässt sie in Ruinen alter Häuser und Bunker Zuflucht suchen, nur um sie anschließend wieder auf die Straße zu schicken, wo sie vor den Übergriffen der Kannibalen nicht sicher sind. Gnadenlos treibt McCarthy die Geschichte voran und hält nur kurz inne, um sich nochmal zu vergewissern, dass der jüngste Tag bereits vorüber ist. Die Bilder, die der 77-jährige Autor dabei erschafft, sind von erschreckender Nüchternheit: "Sie traten auf die kleine Lichtung, der Junge an seine Hand geklammert. Bis auf das schwarze Ding, das über der Glut auf einem Spieß steckte, hatten die Leute alles mitgenommen. Er stand da und schaute prüfend in die Runde, als der Junge sich zu ihm umdrehte und das Gesicht an seinem Körper vergrub. Mit raschem Blick versuchte er festzustellen, was passiert war. Was ist denn?, fragte er. Was ist denn? Der Junge schüttelte den Kopf. O Papa, sagte er. Der Mann sah genauer hin. Was der Junge gesehen hatte, war der verkohlte Leib eines Kleinkindes, ohne Kopf, ausgeweidet und auf dem Spieß langsam schwärzer werdend. Er bückte sich, nahm den Jungen auf den Arm und lief, während er ihn fest an sich drückte, in Richtung Straße los. Es tut mir leid, flüsterte er. Es tut mir leid."
Zwischen all der Verzweiflung blitzen jedoch hin und wieder Augenblicke auf, in denen McCarthy der Dunkelheit ästhetische Momente abgewinnen kann. Mit Passagen wie "Am anderen Morgen fiel ein kalter Regen. Er wehte trotz der Überführung über das Auto und tanzte auf der Straße dahinter" erschafft er eine morbide Schönheit. Das Ausmaß der Verwüstung schlägt sich ebenfalls in den Dialogen nieder, die auf das Minimum der Kommunikation zusammengeschrumpft und nicht einmal durch Anführungszeichen gekennzeichnet sind: "-Werden wir sterben? -Irgendwann schon. Aber jetzt noch nicht. -Gehen wir immer noch nach Süden? -Ja. -Damit wir es warm haben. -Ja. -Okay. -Okay was? -Nichts. Einfach nur okay." Trotz der Sprachverknappung bildet sich eine äußerst feinfühlige Vater-Sohn-Beziehung heraus, die sich im Verlauf des Buches intensiviert. Der Sohn entwickelt sich während der Reise zum Beschützer des Vaters und deren beider Mission, "das Feuer zu bewahren", was in der kalten Welt nichts anderes als die Verkörperung der Menschlichkeit ist.
Hoffnung wird in diesem Roman nur sporadisch gesät. Für den Vater manifestiert sie sich in Träumen von seiner verstorbenen Frau und der alten Welt, doch sie verschwindet letztendlich wie ein Schuss aus einer Leuchtpistole in der Dunkelheit. Das letzte was ihm bleibt ist sein Sohn: Der inkarnierte Grund seiner Existenz. Möglicherweise ist er sogar der Grund für den Fortbestand der gesamten Welt: "Wenn er nicht Gottes Wort ist, dann hat Gott niemals gesprochen."
Cormac McCarthy hat sich bereits in seinen Romanen "All die schönen Pferde" und "Kein Land für alte Männer" in eine sterbende Welt gewagt, wo Tod und Kriminalität die Oberhand hatten und der amerikanische Traum, wie ein zu Boden fallender Spiegel, in tausend Stücke zerbrach. Nie war die tatsächliche Apokalypse jedoch so greifbar wie in "Die Straße". Die Welt ist bereits gestorben und mit ihr fast alles Leben und im Zentrum dieser Dystopie entwickelt sich die Tragödie eines Vaters und eines Sohnes. McCarthy schafft es durch seinen radikalen Schreibstil eine erzählerische Dichte zu erzeugen, die der Spannung und Tragik Authentizität verleiht; ohne jedes Pathos - und das bis zum letzten Satz.


Rain Dogs
Rain Dogs
Preis: EUR 7,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bizarres Puzzlespiel, 11. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: Rain Dogs (Audio CD)
Wäre Tom Waits auf seinem Album "Swordfishtrombones" von 1983 in eine neue Stadt gezogen, hätte er sich auf "Rain Dogs" in einer Wellblechhütte am Stadtrand häuslich eingerichtet. In akribischer Kleinarbeit setzt er das Konzept des Vorgängers fort und widmet sich diesmal dem Volk der Straße.

Die Konsequenz, mit der sich Waits seit den 70ern vor dem Mainstream verschließt, fand ihren Höhepunkt zwischen 1983 und 87: Jede Menge Orgeln, Bläser und zahllose Gegenstände, die als Percussion zweckentfremdet wurden, rumpeln und walzen kompromisslos alles nieder, was sich ihnen in den Weg stellt. Waits transformiert sich auf den Alben "Swordfishtrombones", "Rain Dogs" und "Franks wild Years" in einem letzten Schritt endgültig zum musikalischen Exzentriker. Schockiert vom Sound der "Swordfishtrombones" setzt ihn sein Label Asylum prompt vor die Tür.

Gute zwei Jahre später erscheint mit "Rain Dogs" unter dem neuen Label Island Records eine Fortsetzung des Kult-Albums von 1983. Waits tobt sich in allerlei Genres aus und bildet mit Country, Irish Folk und Gospel eine Zäsur zu seinem gewohnten Klangkosmos. Er macht verstärkt Anleihen bei Kurt Weill und beschwört so den zweiten Akt einer dämonischen Drei-Groschen-Oper herauf, wie er schwärzer nicht sein kann. Der kalifornische Sänger portraitiert Menschen, die am Rand der Gesellschaft leben und täglich aufs Neue in einem Sumpf aus Gewalt, Sex und Drogen ertrinken. Seit jeher hatte der 61-Jährige auf seinen Alben mit der Stimme experimentiert - trieb sie an die Grenzen des Belastbaren: Er bellte, jaulte, schrie, grölte und ließ die Worte regelrecht in das Mikrofon explodieren. "Rain Dogs" bildet da keine Ausnahme. Ob es die Piraten-Hymne "Singapore", das säuselnde "Hang down your Head" (der erste Song, den er zusammen mit seiner Frau Kathleen Brennan schrieb) oder das vor Verzweiflung und Agonie schreiende "Anywhere I lay my Head" ist: Fast alle Songs werden von der Stimme des Songwriters getragen. Was hin und wieder auch die Belastbarkeit des Hörers auf eine harte Probe stellt, wenn Waits beispielsweise rostig und monoton "Tango till they sore" knurrt.

Im Hintergrund agieren jedoch zwei, für das Album wichtige, Komponenten, wie sie disparater nicht sein können: Avantgarde-Gitarrist Marc Ribot und Ausnahme-Drummer Michael Blair. Bereits im Opener "Singapore" fällt Ribots pointiertes Gitarrenspiel auf, das den Hörnerv wie tausend kleine Nadeln punktiert. Blair geht das Ganze unkonventioneller, aber nicht minder effektvoll an: Immer wieder drischt er auf alte Möbel und Mülltonnen ein; schlägt Türen zu oder zerdeppert Porzellan. Nur die wenigsten Songs von "Rain Dogs" gehen vorüber, ohne von Blairs skrupelloser Rhythmus-Maschinerie vorangetrieben zu werden. Eine dieser Ausnahmen ist die elegische Ballade "Time", die von einer Person erzählt, die im Leben alles verloren hat.

Um das Team der verschrobenen Musiker perfekt zu machen, lud Waits Keith Richards ein. Der zweite Mann bei den Rolling Stones steuerte neben seinem Gitarrenspiel auch die Backing-Vocals von "Blind Love" bei.

"Rain Dogs" ist Waits abwechslungsreichstes Album. Allerdings auch eins, auf dem er sich wenig experimentierfreudig zeigt. Die Songs bleiben im Rahmen und Ausreißer wie "Trouble's Braids" von "Swordfishtrombones" sucht man hier vergeblich. Allerdings hat er die Brücke zwischen Rock, Blues, Folk und Alternative-Elementen nie so gekonnt geschlagen wie hier. "Rain Dogs" ist ein bizarres Puzzle, bei dem am Ende alle Teile perfekt zusammenpassen, obwohl sie eigentlich nicht zum selbenn Bild gehören.


Seagate STAC1000200 FreeAgent GoFlex Desk 8,9 cm (3,5 Zoll) externe Festplatte 1TB (7200rpm, USB 2.0)
Seagate STAC1000200 FreeAgent GoFlex Desk 8,9 cm (3,5 Zoll) externe Festplatte 1TB (7200rpm, USB 2.0)

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen 1000 GB Daten - elegant verpackt, 12. Juli 2010
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
Externe Festplatten sind seit einiger Zeit der Renner bei Kino-Abenden, Partys oder dem einfachen, gemütlichen Beisammensein. Und wer schon immer daran interessiert war, 1 TB Daten unter dem Arm mit sich rumzutragen, wird an der 3,5 Zoll Platte von Seagate seine Freude haben.

Zum ersten Mal bringt die Firma Seagate mit der FreeAgent GoFlex Serie Festplatten auf den Markt, bei denen der Speicher von der Schnittstelle getrennt ist. Wem also der Transfer auf der der Datenautobahn mit USB 2.0 zu langsam ist, kann diese Festplatte auf USB 3.0 oder FireWire 800 upgraden. Ohne Probleme funktioniert das allerdings nicht: Die passendenden Adapter wollen selbstverständlich zusätzlich erworben werden. Deren Preise liegen allerdings zwischen 20 und 35 Euro und sind daher erschwinglich.

Die Festplatte für sich kommt in einer eleganten Retro-Aufmachung daher, die eher an ein Bauteil des Raumschiffs Voyager erinnert: Komplett in schwarz lackiert, zeugt lediglich eine kleine, pulsierende Leuchtiode vom laufenden Betrieb. Der 3,5 Zoll große Datenträger selbst ist sehr leise und macht nur geringfügig beim Start die obligatorischen Kratz-Geräusche. Dabei ist es möglich, die Festplatte sowohl vertikal, als auch horizontal zu benutzen. Da sie mit einer Breite von knapp vier Zentimetern recht wackelig auf den Beinen steht, ist allerdings zu einem liegenden Betrieb zu raten.

Der spezielle, mitgelieferte NTFS-Treiber macht es möglich, die Platte sowohl mit einem Mac, als auch mit einem PC zu nutzen, was dem dauernden Formatieren ein Ende setzen dürfte. Mitgeliefert werden Programme, mit denen man ein Backup erstellen, und die Festplatte verwalten kann. Nachdem sich "Memeo Instant Backup" und "Seagate Dashboard" ins Autostart Menü gefressen haben, offenbart sich, dass es sich bei dem Backup-Programm nur um eine Testversion handelt. Trotz Ermangelung der Vollversion läuft das Backup einwandfrei: Der Computer wird nicht verlangsamt und das normale Arbeiten ist weiterhin ohne Probleme möglich. Das Backup wird jedoch nur auf persönliche Dateien und Ordner begrenz. Ein komplettes Systembackup ist mit diesem Programm nicht möglich.
Mit einem Gewicht von etwas über einem Kilo, zählen die 1 TB-Festplatten immer noch zu den Schwergewichten in ihrer Klasse. Das hält sie jedoch nicht davon ab, mit einer Zugriffszeit von 15,9 ms und einer Transferrate mit durchschnittlich 33 MB pro Sekunde (USB 2.0) über vielen anderen Festplatten zu stehen.

Neben den anderen verfügbaren Varianten (2 TB und 3 TB) ist diese Festplatte die sinnvollste. Das Preisleistungsverhältnis stimmt und mit den verschiedenen Upgrade-Möglichkeiten bietet sich hier ein äußerst vielseitiger Datenträger, der sowohl zum Speichern von Musik und Filmen, als auch für einfache Backups bestens geeignet ist.


Songs from the Tainted Cherry Tree
Songs from the Tainted Cherry Tree
Wird angeboten von Giant Entertainment
Preis: EUR 6,64

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Kurzweiliger Zucker-Pop, 1. Juli 2010
Rezension bezieht sich auf: Songs from the Tainted Cherry Tree (Audio CD)
Die Welt erlebt seit einiger Zeit eine zweite "British-Invasion". Nur kommen dieses Mal keine Rock-Bands wie damals die Beatles oder Stones in Massen aus dem Vereinigten Königreich in die Welt, sondern junge Frauen mit leichten Pop-Melodien.

Die britische Talent-Show "The X-Factor" als Sprungbrett von Diana Vickers zu bezeichnen, wäre alles, nur nicht übertrieben. Nur eine Woche nach der Veröffentlichung ihres Debut-Albums "Songs from the tainted Cherry Tree" fand sich die blonde Schönheit von der Insel an der Spitze der Charts wieder. Ihre Single "Once" läuft in den Radiosendern rauf und runter, der Erfolg scheint perfekt. Das vergangene Jahr habe ihre wildesten Träume bei weitem übertroffen, erzählt sie in einem Interview.

Was währenddessen niemand sieht, ist die riesige Marketing-Maschinerie, die sich hinter Vickers zusammensetzt und ihr das makellose Image des zurzeit beliebten "New-Brit-Girl" verpasst. Ganz wie ihre Kolleginnen Ellie Goulding, Marina and the Diamonds, Florence + the Machine und noch einige andere, singt sie hitverdächtige Pop-Balladen mit einer ordentlichen Portion Indie- und Elektro-Einflüssen.

Für das Erstlingswerk holte man sich prominenten Beistand ins Boot: Cathy Dennis, die vor allem mit Kylie Minogues Hit "Can't get you out of my head" berühmt wurde; und Eg White, der sich für Songs wie "Warwick Avenue" von Duffy oder "Chasing Pavements" von Adele verantwortlich zeigt. Den Sound maßgeblich geprägt hat jedoch Songwriter und Produzent Guy Sigsworth, der viele Jahre lang die Alben von Björk produzierte, die mit dem Song "Hit" auch als Co-Writer vertreten ist. Sigsworth Handschrift wird besonders deutlich bei Songs wie "Remake me and You" oder "Jumping into Rivers". Vereinzelt lässt der Songwriter Reminiszenzen an "Flavors of Entanglement" von Alanis Morissette aufkommen, bei dem er selbst als Produzent und Komponist tätig war.

Auf diese Weise schleichen sich jedoch Fehler ein: Was 2008 neu und frisch wirkte, kommt 2010 daher, wie schon mal da gewesen. Die Up-Tempo Nummern (ungefähr 80% des Albums) wirken abgenutzt. Die erste Single-Auskopplung "Once" ist flüchtiger Power-Pop, der nicht so recht überzeugen kann. Die Melodien sind zu banal und die Texte zu flach. Nur selten gehen Songs in die Tiefe und sind fähig, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. "The Boy who murdered Love" ist das beste Beispiel dafür. So poetisch der Titel klingt, so banal gestaltet sich der Song auf lyrischer Ebene: "You're the boy who murdered love / cold hands and a heart of stone / you're a Midas in reverse / you're the king of pain and hurt" Diese gestelzte Larmoyanz macht es unmöglich, Songs wie diesen ernst zu nehmen.

Ein Highlight des Longplayers ist "Put it back together", die von Nerina Pallot geschriebene Ballade wartet mit einer interessanten Melodie auf und schafft Freiräume für Vickers Stimme, die nur bei diesem Song ihr volles Potential entfaltet. Ähnlich gut präsentiert sich das folkig angehauchte "Me and You", wenngleich auch hier nur die Musik gelungen ist. Bei der Aufnahme von "My Hip" kann man Vickers Trompete spielen hören, sofern diese nicht in einem Teppich aus Synthie Drums und E-Gitarren Riffs untergeht.

"Für die Leute vom Label war es von Anfang sehr wichtig, dass ich meine Texte selbst schreibe, dass ich mehr als nur ein Instrument spiele und dass ich eine Platte mache, wie nur ich sie machen kann", erklärte Vickers in einer Radiosendung. Das Plattenlabel RCA aus dem Hause Sony lies ihr zwar freie Hand bei einigen Texten, dennoch stand im Vordergrund eindeutig der Profit, den die grade mal 18-jährige Sängerin versprach.

Dem Hörer wird schnell klar, dass hinter dem Album keine Aussage steht und die vielen Köche letztendlich den Brei verderben. Vickers schafft es nicht die Songs zu einem ganzen zusammenzufügen, so bleiben am Ende bruchstückhafte Fragmente zurück, die für sich gesehen ein netter, kurzweiliger Zeitvertreib sind, aber als Album nicht überzeugen. Das Sprungbrett der Castingshow hat sie wahrgenommen, doch leider war dieses ein 1-Meter Turm.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 7, 2010 7:10 AM MEST


All Days Are Nights: Songs for Lulu
All Days Are Nights: Songs for Lulu
Preis: EUR 7,99

14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lieder für die Nacht - Rufus Wainwright und die endgültige Selbstinszenierung, 20. Mai 2010
Die Stimme und das Klavier. Auf seinem sechsten Album reduziert der amerikanisch-kanadische Singer-Songwriter Rufus Wainwright zwölf Songs auf ein puristisches Arrangement. Was bleibt, ist der blanke Größenwahn.

Wenn Wainwright am Klavier sitzt, kann man es nur selten Spielen nennen. Er trillert, lamentiert, rumpelt und stolpert. Haut Töne daneben und jagt in wildesten Modulationen über die Tasten. Rhythmuswechsel geschehen beiläufig. Das insgesamt sechste Studioalbum Wainwrights ist anders als die bisherigen und doch passt es sich perfekt in die Reihe ein - trotz wichtiger Unterschiede: Es fehlt die Band, es fehlen die Percussions, es fehlt das Orchester. Weder krächzende Gitarren, noch zischende Percussion oder gar raunende Streicher sind zu hören. Was jedoch keinesfalls fehlt, ist der schiere Bombast und die Verschwendungssucht, die allen Wainwright-Alben auf die eine oder andere Weise anhaften. In der Theorie klingt das nach einem introvertierten Album aus der Klasse "Nebraska". In Wahrheit ist es der letzte Schritt zur absoluten Selbstinszenierung.

Wainwright schrieb "All Days are Nights: Songs for Lulu" während seine Mutter im Sterben lag. "Diese Songs sind meine Trauerarbeit, mit ihnen habe ich mich auf ihren Tod vorbereitet", erklärt Wainwright in einem Interview. So wird die Trauer auf fast schon makabre Weise zur Bühne für ein Drama um Verzweiflung, Liebe und Größenwahn vor der Kulisse der schwindenden Jugend. Das Album habe ihm sehr geholfen mit seiner exzessiven Vergangenheit abzuschließen, die von Sex und Drogen bestimmt war. Es markiert einen Neustart, und somit einen Null-Punkt, in Wainwrights Schaffen. "Man könnte sagen, ich bin erwachsen geworden, aber die Sehnsucht zur Selbstzerstörung werde ich immer haben", erzählt der 36-jährige Sänger dem Musikmagazin Rolling Stone. So habe er auch schon sein nächstes großes Pop-Album im Kopf: "Ein großes, lächerliches Lady-Gaga-Adam-Lambert-silly-Scissor-Sisters-Album werde ich auf jeden Fall noch machen, solange ich noch recht schlank um die Hüften bin."

Die Songs stellen sich, so sperrig und emotionsüberladen sie auch sind, als filigrane Popmusik-Gebilde heraus, wenn Wainwright das Album schmerzlich schmachtend mit den Worten "Saw you on the corner/Saw you in the park/ Saw you on the Platform of Grand Central Station" eröffnet. Ein nicht verhallen wollender, sehnsüchtiger Schrei, der sich durch das gesamte Album zieht. Er lässt uns teilhaben an einem Telefonat mit seiner Schwester Martha Wainwright, und endet schließlich auf dem Weg vom Krankenhaus nach Hause im tragischen Finale mit dem Namen "Zebulon", in dem sich der Song in seiner endlosen Schwere dem Künstler selbst zu verschießen scheint. Denn letztendlich ist es die minimalistische Instrumentierung, die den Songs Tiefe und Ausstrahlung verleiht. "Ich reduzierte die Songs auf das Skelett meines kreativen Prozesses. Nur so konnte ich ihnen gerecht werden", erklärt Wainwright seinen musikalischen Alleingang.

Neben drei vertonten Shakespeare Sonetten hat es auch ein Stück aus Wainwrights erster Oper, "Prima Donna" mit auf das Album geschafft. Das auf Französisch gesungene Libretto, "Les Feux D'Artifice T'Appellent", handelt von einem Tag im Leben einer alternden Opern-Diva. Der aufmerksame Zuhörer mag in diesem Stück einen Funken Autobiographisches erkennen, wenn er sich daran erinnert, dass Wainwright nach seinem Drogenentzug Judy Garlands legendäres Comeback-Konzert in der Carnegie Hall aufführte und dort selbst die gefallene Diva war. Dieses Wechselspiel zwischen Höhenflügen und freiem Fall ist auf "All Days are Nights: Songs for Lulu" auf seine Essenz komprimiert und so klebt der gebannte Zuhörer an den Lippen des großen Inszenierungskünstlers, bis zum Schluss der Klavierdeckel fällt.


One Million Things
One Million Things
Wird angeboten von music_wasmyfirstlove
Preis: EUR 19,90

6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Der Berlin-Sound, 26. April 2010
Rezension bezieht sich auf: One Million Things (Audio CD)
Mit viel Getöse und Radau verkündete die Berliner Band Samavayo im Jahre 2010 das Zeitalter des Fuel-Rock. Wer jedoch gleich ein komplett neues Musik-Genre aus dem Boden stampft, sollte auch dahinter stehen und sich nicht im Gitarreneinheitsbrei verlieren.

"Was der Grunge für Seattle war, ist Fuel für Berlin!" Wenn jemand so ein Statement abgibt, muss er es sich auch gefallen lassen, dass man ihn an Selbigem misst. Das Berliner Quartett um Frontmann Behrang Alavi legte die Latte in diesem Fall erstaunlich hoch. Sowohl Fans, als auch die Musikszene waren gespannt auf das neue Album, das sich anfühlen sollte, als wäre es ein ebenbürtiger Bruder des revolutionären Seattle-Sounds aus dem Herzen der frühen 90er.

Was jedoch von dem Versprechen übrig bleibt, wenn das neue Album "One million Things" im CD-Player rotiert, ist ernüchternd: Fuel stellt sich als der Versuch heraus, soliden Stoner-Rock mit Pop, Elektro und weltmusikalischen Einflüssen zu verbinden. Die Mischung klingt überaus interessant, leider bleibt es bei Samavayo jedoch bei dem Versuch. Dass die vier Rennsport-Begeisterten Kameraden eine Vorliebe für schnelle Dinge haben, wird bereits beim ersten Song klar. Der überaus passend betitelte Opener "Go" fegt wie ein Rennwagen durch den Gehörgang und hinterlässt eher eine Wüste aus schwammigen Gitarrenriffs und unspektakulären, aber hämmernden, Drums, als einen bleibenden Eindruck.

Besonders stolz ist die Band auf ihre Zusammenarbeit: "Das ganze Projekt war eine Teamarbeit", sagte der Gitarrist Marco Wirth in einem Interview. Daran angelehnt ist auch der Bandname, der, aus dem Sanskrit entlehnt, so viel wie Einheit bedeutet. Es habe viel Zeit benötigt, um einen eigenen Stil zu finden, heißt es auf der Website der Band. Nicht weniger als neun Jahre will das Quartett gebraucht haben, um den Fuel Plattenreif zu schleifen. Was jedoch dabei entstand, wirkt unzusammenhängend und lässt das Album bereits nach dem zweiten Track auseinander fallen: Der Song "Wait" klingt wie "Go", nur lauter. Spätestens jetzt weiß der Hörer, dass Samavayo nicht nur einen Hang zu flotten Songs, sondern auch zu prägnanten und kurzen Song-Titeln hat.

Besonders verzwickt wird es bei dem in orientalische Instrumente verpackten Song "Teheran Girl". Hier zeigt sich, dass der Sänger und Bandleader Behrang Alavi in seinem Gesang sehr eingeschränkt ist und sich mehr als einmal im Ton vergreift, wenn er in Höhen rumnölt, für die seine Stimme nicht gemacht ist.

Die folgenden sechs Songs zeichnen sich allesamt durch eines aus: Auf nicht enden wollende vier Minuten ausgewalzte, sich überlappende Teppiche von Fender-Rhodes-Sounds, versehen mit simplem Synthie-Gepiepse, das Elektro-Einflüsse zu imitieren versucht. Das schmetternde Schlagzeug tut sein übriges. "Red End" deutet sogar ein Gitarren-Solo an, welches nur mit Mühe als solches zu erkennen ist. Allein der Titel-Track "One million Things" bringt eine kleine Offenbarung und lässt in Ansätzen erahnen, wie der Fuel-Sound klingen soll. Eine zurückhaltende Ballade wird mit dezentem Harfenspiel aufgepeppt und von einer eingängigen Melodie gekrönt. Ein ganzes Album von diesem Kaliber hätte weit über die Grenzen der Republik für Aufsehen gesorgt. So bleibt das Album jedoch weit hinter anderen Veröffentlichungen in 2010 zurück.

Jedoch muss man der Band zu Gute halten, dass sie sich in umfassenden Innovationen versucht. Es gestaltet sich allerdings schwierig das Rad neu zu erfinden, wenn Produktion, mittelmäßige Kompositionen sowie lapidare Texte nur ein schwaches Niveau erreichen. Und wenn Behrang Alavi quäkt: "Through the light I see you there / Your beautiful eyes, my sweet valentine / Come with me and I show you my world / My sweet valentine", schmunzelt man und denkt 'Mit der Hauptstadt geht es aber auch bergab.'


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9