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Rezensionen verfasst von
Joe Music

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The Endless River
The Endless River
Preis: EUR 12,99

6 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Die Unvollendete oder The Final Cut, Part 2, 10. November 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Endless River (Audio CD)
Nun ist sie da, die „Neue“ und lässt mich ein wenig ratlos zurück. Nach der zunächst überraschenden Ankündigung eines „neuen“ Albums von Pink Floyd nach 20 Jahren (!) war mit den anschliessenden Diskussionen und Vorveröffentlichungen relativ schnell klar, dass es keine gewöhnliche Scheibe sein würde. Von einem „Instrumental-Meisterwerk“ war die Rede, nur für einen Song hatte David Gilmour’s Frau, die Schriftstellerin Polly Samson, Lyrics geschrieben und David das Ganze posthum im Studio eingesungen. Denn alles andere war von den Sessions für die 1994er „Division Bell“ bereits vorhanden.
Nun, auch wenn anders behauptet wird, auch nach mehrmaligem Anhören ändert sich mein erster Eindruck nicht. Es sind Klang-Collagen, hauptsächlich vom 2008 verstorbenen Keyboarder Richard Wright, vor dem sich David Gilmour ausdrücklich nochmal verbeugen wollte. Diese Klang-Collagen sind zu „Sinfonien“ verwoben worden, die zwar im typischen Pink Floyd Sound daherkommen, jedoch keinen Drang versprühen, irgendwann einmal zum Song werden zu wollen. Und spätestens da kommt man in der Lounge an und es fehlt einem etwas. PF haben nie Hits produziert, ihre gigantischen Meisterwerke wurden ganz von allein zu welchen. Aber, auch wenn noch so elegisch ausgeholt wurde, der Zuhörer regelrecht auf die Folter gespannt wurde, wann denn nun der Song endlich losgeht, irgendwann ging er eben los, auch wenn er vorher schon unterschwellig eine Botschaft transportiert hatte („Careful with that Axe, Eugene“, „Echoes“, Shine on You Crazy Diamond“). Und genau das fehlt auf dem neuen Album, eben weil es eine „Resteverwertung“ ist, wenn auch auf hohem Niveau. Und weil Rick Wright bei der Produktion nicht mehr dabei war, und Gilmour und Mason das Projekt mit Respekt angepackt haben und nichts verfälschen wollten.
Es ist eine Hommage an Rick Wright’s einmaliges Können an den Keyboards, ebenso wie vor etwa 20 Jahren auch „Made in Heaven“ von Queen nach dem Tod von Freddy Mercury. Aber leider ebenso misslungen wie jenes, obwohl Queen das Projekt viel früher angepackt hat. In jedem noch so langen, instrumentell ausufernden Stück von Pink Floyd ist eine klare Struktur vorhanden und das Ziel eine Aussage zu machen (letzteres besonders stark während der „intellektuellen Phase“, wo Roger Waters dominierte). Diesen Willen vermisse ich, und er kann auch gar nicht da sein, weil man mit einer Ideen-Sammlung allein kein Buch schreiben kann. In der 3. Sinfonie (die Stücke haben nach wie vor eigene Namen) wird die klangliche Aussage etwas klarer, prägnanter, aber bis dahin dauert es viel zu lange. Die Länge allein ist noch nicht einmal das Problem, sondern die Tatsache von fehlenden Höhen und Tiefen (ich meine jetzt keine Töne), von nicht vorhandenen Spannungsbögen. So etwas arbeitet man später hinein, wenn es der Song Richtung Album schafft. Der beste Teil ist die 4. Sinfonie, nicht nur wegen des einzigen Songs mit Text („Louder than Words“), sondern bereits davor. Diese 4. Sinfonie wird es denn auch in meine Pink Floyd Playlist schaffen, aber ich bin über diesen blassen Abschied ein wenig traurig. Meine persönliche Erinnerung an Rick Wright wird das einzigartige Konzert in Danzig bleiben (Aug. 2006), wo er nochmal alle Register seines Könnens gezogen und sogar auf Weingläsern gespielt hat. Diese phantastische Version von „Shine on You Crazy Diamond“ ist auf der CD drauf, nicht aber auf der DVD. Ich habe davon jedoch eine Video-Konserve und werde sie mir demnächst wieder mal ansehen. Diesen Song, eine „Spezial-Version von „The Great Gig in the Sky“, sowie kompakt aufgearbeitetes Material der 1993er Sessions, und unter Mitwirkung von Roger Waters hätte ich mir zeitnah zu Richard Wright’s Tod, also so etwa 2010 gewünscht. Angesichts des Todes müssen alle Differenzen verschwinden und man wäre diesem stillen, aber grossen Künstler gerecht geworden. Das hat bei aller Hochachtung vor seiner Lebens-Leistung David Gilmour m.E. leider versäumt.
So bleibt „The Endless River“ leider so etwas wie eine „Unvollendete“ zum Schluss, denn nach eigener Aussage kommt von den restlichen Floyds nichts mehr, und das Gefühl eines zweiten „Final Cut“…..
Joe.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 18, 2014 8:42 PM CET


Celebrating Jon Lord [2 DVDs]
Celebrating Jon Lord [2 DVDs]
DVD ~ Jon Lord
Preis: EUR 13,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ehrung für grossen Meister der Gegenwart, 5. Oktober 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Celebrating Jon Lord [2 DVDs] (DVD)
Eine tolle Idee an sich, diese Charity-Veranstaltung des Sunflower Jam, und etwas ganz besonderes dieses Jahr im April, als man diese Veranstaltung ganz dem Geist und den Werken des im Sommer 2012 verstorbenen Deep Purple Keyboarders Jon(athan) Lord widmete. Aber diese Bezeichnung greift viel zu kurz, war er doch viel mehr als ein Keyboarder und eben auch Deep Purple. Und dort war er in Bezug aufs Schreiben gar nicht so dominant wie ich früher einmal dachte. Nein, über viele Jahre war eigentlich Ritchie Blackmore, sein Gegenpol in der Band, der Hauptschreiber und Riff-Lieferant.
Genau dieser Ritchie B. fehlt mir in der ansonsten grossartigen Besetzungsliste dieser Veranstaltung, aber auch David Coverdale. Was das Fehlen dieser beiden betrifft, kann man natürlich nur spekulieren, aber viele der anderen Weggefährten von Jon Lord auf seiner musikalischen Reise durchs Leben sind an diesem Abend in der altehrwürdigen Royal Albert Hall versammelt, wo einst das erste "Grenzgänger-Konzert" zwischen Rock und Klassik mit dem Concerto for Group and Orchestra mit Deep Purple und dem Royal Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Sir Malcolm Arnold 1969 stattfand. War das damals noch eine Sensation und speziell von der Klassik-Seite z.T. stark kritisiert, so ist das heute schon etwas ganz normales, getragen von einem gegenseitigen Toleranzgeist. So ist denn auch neben den beiden Lord- und Paice-Ehefrauen (von "Töchtern" nach Kommentar korrigiert) Vicky Lord und Jacky Paice, einer der Hauptorganisatoren des Abends der Dirigent Paul Mann, der für die musikalische Gestaltung des Abends die Verantwortung trägt und "nebenbei" auch noch das 83-köpfige Orion-Orchester dirigiert. Sehr gelungen und in sich stimmig, dabei abwechslungsreich und doch strukturiert ist das Programm quer über Jon's Lebens-Werk. Richtig war dabei, sich nicht nur auf Stücke zu konzentrieren, die er geschrieben hatte, sondern auch Werke einzubauen, die einfach ihm zu Ehren gespielt wurden, wie z.B. "Soldier of Fortune" (Komponisten: Blackmore, Coverdale) oder 2 neuere Stücke von Deep Purple von deren letztem Album Now What ?! (Uncommon Man, Above and Beyond). Das wird dem Gedanken gerecht, dass Jon Lord nicht nur durch Komponieren und Spielen gewirkt hat, sondern auch eine grosse Persönlichkeit war, die oft durch blosse Anwesenheit etwas (integrierend) bewirkt hat (Deep Purple Mark III und IV, Whitesnake in den frühen Jahren).
Durch den Abend führt in charmanten und warmen Worten Bob Harris, immer wieder hat auch ein Musiker oder geladener Gast etwas zu sagen. Diese Unterbrechungen schaden nicht an so einem Tag, aber wer möchte, kann sich die Show auch ohne die "Speeches" anschauen. Der Sound ist super gut und warm ausgewogen. Wie immer schaue/höre ich mir das parallel im Fernseher und über die Stereo-Anlage an. Es gibt keine extremen Lautstärkeunterschiede, aber trotzdem ist genügend Dynamik im Sinne von künstlerischem Ausdruck vorhanden. Der oftmalige Wechsel der Künstler auf der Bühne vor dem Orchester ist gut organisiert und geht flüssig vonstatten. Alle spielen mit drahtloser Übertragung, die Keyboards, Piano und Schlagzeug sind natürlich fix verkabelt. Jeder Künstler ist in einem Soundcheck vorab ausgesteuert und auf einen für ihn reservierten Kanal gelegt worden. Das erspart unsaubere Zwischenaussteuerungen, und jeder kommt so rüber wie es vorher geplant war. Da ist halt die Technik heute Lichtjahre weiter als 1969 zum besagten Group-Orchestra-Werk, als der Sound doch recht roh war. Und ganz besonders einer dürfte wohl seine "magischen Momente" gehabt haben: Ian Paice, Deep Purple Drummer bis heute (die hatten NIE einen anderen) und als einer der besten Schlagzeuger der Welt anerkannt. Damals war er "der langhaarige Hippie, der keine Noten lesen konnte" (Zitat Ian Paice) und deshalb von den "erhabenen" Mitgliedern des Royal Orchestra geschmäht worden. Ja, so haben sich die Zeiten geändert, sicher auch dem Wirken Jon Lord's zu verdanken, der als Grenzgänger zwischen beiden musikalischen Welten auch an gegenseitigem Respekt und Toleranz mitgewirkt hat.
Aber nun zur Musik: Der Abend (und die beiden DVDs) ist thematisch unterteilt in "The Composer" (mit den klassisch angehauchten Werken) plus eine Dokumentation und "The Rock Legend". Dieser letztere Teil ist recht umfangreich und meines Erachtens noch etwas feiner zu unterteilen. Die Titelliste ist oben beim Produkt aufgeführt, deshalb unterlasse ich es, dies nochmal zu machen. Auf die weitere Unterteilung gehe ich bei dem jeweiligen Block ein.
Höhepunkte des Teils 1 sind m.E. "All Those Years Ago" mit Steve Balsamo (Anna Phoebe, Geige und Micky Moody, Gitarre), der ebenso wie Paul Mann bei Jon Lord's Neuaufnahme des Concerto's 2012 mitgewirkt hatte, "Pictured Within" mit Miller Anderson, vom gleichnamigen Album (1998) und der "Klassik-Hit" "Sarabande" vom gleichnamigen Album (1975), im anspruchsvoll beschwingten 6/8-Rhythmus. Die Ballade "Pictured Within", die von seiner Familie handelt, und das den Klassik-Teil beschliessende Gedicht "Afterwards", vorgetragen vom Schauspieler Jeremy Irons zu Pianoklängen von Paul Mann, scheinen wohl für Jon Lord eine grössere Bedeutung gehabt zu haben, wie dazu gemachte Bemerkungen vermuten lassen. Auf der DVD folgt dann die Dokumentation, das Konzert geht aber auf der DVD 2 mit Teil 2, "The Rock Legend" weiter.
Hier behandeln dann die ersten beiden Stücke (Track 9 u. 10) Jon Lord's Pre-Deep Purple Zeit bei den "Artwoods", den zweiten Song, "I Take What I Want", habe ich sogar im Original. An diesem Abend übernimmt Paul Weller die Aufgabe, den Sound aus den 60er-Jahren originalgetreu rüberzubringen, unterstützt von Micky Moody und einem Bläsersatz.
Letzterer kann dann gleich auf der Bühne bleiben, wenn es zu Jon Lord's Funk-Ausflug nach der Auflösung von Deep Purple 1975 kommt, Paice, Ashton, Lord. Da Tony Ashton schon vor Jon Lord verstorben war, müssen andere Künstler die entsprechenden Parts übernehmen. Insbesondere der mir unbekannte Phil Campbell von "Temperance Movement" kann als Tony Ashton-Ersatz mehr als überzeugen. Von der Original-Besetzung - ich besitze von denen das Sammlerstück des BBC-Konzerts - sind noch der rundlich gewordene Bernie Marsden und natürlich Ian Paice dabei. Der besetzt von jetzt an das extra für ihn als Linkshänder aufgebaute 2. Schlagzeug. "Silas and Jerome" und "I'm Gonna Stop Drinking" zeigen in unterschiedlichem Temperament die Bandbreite der damaligen kurzzeitigen Besetzung dieser Band, bevor sie sich wieder auflöste und die meisten ihrer Mitglieder nach und nach zu Whitesnake gingen (Marsden, Lord, Paice). Wie schon eingangs bemerkt, fehlt mir in diesem Programm Whitesnake oder auch nur David Coverdale während seiner kurzen Deep Purple Zeit.
Diese als Mark III und IV bezeichnete Phase zwischen 1973 und 1975 wird anschliessend jedoch sehr gut von Glenn Hughes vertreten. Aber zunächst wird wieder sanft eröffnet, mit "Soldier of Fortune" von der DP Mark III-Besetzung. Dieser Song von der "Stormbringer" (1974) dokumentiert das Ende der kurzen kompositorischen Zusammenarbeit von Ritchie Blackmore (den ich auch vermisse) und David Coverdale. Zwischen den beiden, das hätte m.E. wirklich etwas grosses werden können, es hat aber nur für die "Burn" und "Stormbringer" gereicht, schade. Die hier dargebotene Version mit Steve Balsamo und Sandi Thom, sowie Micky Moody an der Gitarre, ist aber Gänsehaut pur. Dann stürmt Glenn Hughes auf die Bühne, voller Energie, und gibt zusammen mit Bruce Dickinson (Sänger von Iron Maiden als Coverdale-Ersatz), Ian Paice an den Drums, Don Airey, Orgel und Micky Moody, Gitarre "You Keep On Moving" zum besten. Damals der Deep Purple Abgesang, hier und heute eine Version, die man sich merken sollte. In gleicher Besetzung, ohne Micky Moody, aber mit Rick Wakeman am Synthy folgt "Burn", und schliesslich als Schlusspunkt des DP Mark III/IV-Blocks "This Time Around", ohnehin damals ein Solostück für Jon Lord und Glen Hughes. Abgesehen von ein paar "Schrei-Eskapaden" von Glenn Hughes, die ich halt einfach nicht abkann, ist es aber eine mehr als eindrucksvolle Vorstellung und Darbietung des in der DP-Historie doch recht einmaligen Repertoires der Mark III/IV-Besetzung. Ian Gillan weigert sich ja bis heute beharrlich, auch nur einen Titel davon zu singen. Vermutlich hat er damit sogar recht, denn es passt einfach nicht mit ihm zusammen, während er ja z.B. "Hush" aus der Mark I-Zeit inzwischen längst adaptiert hat.
Deep Purple in ihrer jetzigen "Altherren-Besetzung" betreten schliesslich zum Schluss die Bühne, obwohl natürlich Don Airey und Ian Paice schon vorher ihre Beiträge geleistet haben (s.o.). Jetzt kommen noch Ian Gillan, der "Gitarrenhexer" Steve Morse und Oldie Roger Glover, Bass, dazu. Zunächst steigen sie mit zwei Stücken von ihrem neuesten Album Now What ?! ein, "Uncommon Man" und "Above and Beyond", beides in Bezug und zu Ehren Jon Lord's. Es folgt eine Maxi-Version von "Lazy" vom 1972er Erfolgsalbum "Machine Head", mit Stephen Bentley-Klein an der Violine als Gast, dann eine von Steve Morse eigenwillig interpretierte Version von "When A Blind Man Cries", sowie "Perfect Strangers" vom gleichnamigen 1984er Reunion-Album mit einer regelrechten "Overtüre" des Orchesters. Schliesslich eine Rückkehr zu den "rohen und wilden" Ursprüngen mit "Black Night" und als All Star Zugabe "Hush" in einer Maxi-Version mit Soli von vielen Beteiligten.
Das Konzert/der Abend ist lang; man braucht viel Geduld und am Anfang auch Ruhe. Ein paar Besucher bei mir hatten beides nicht. Aber mit "Lazy" oder "Black Night" ist Jon's Lebenswerk eben NICHT abgearbeitet. Da muss man sich halt schon hinsetzen und höchstens mal in den durchaus vorhandenen Pausen auf die Toilette gehen. Man wird m.E. belohnt mit einem kompakten Überblick über sein Lebenswerk, und der Abend hat durchaus Steigerungs-Potential, was man schliesslich am Ende über Mark III/IV und Deep Purple (aktuell) erlebt. Geehrt wird damit ein Meister der Gegenwart, der als Grenzgänger zwischen den beiden Musikwelten unterwegs war, und versucht hat, deren Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten und für jeden erlebbar zu machen. Dass ihm das nicht bei jedem gelingen kann, liegt auf der Hand, den Versuch war es ihm auf jeden Fall wert. Die Zukunft wird zeigen, inwieweit Teile seines Lebenswerkes unsterblich werden, wie z.B. bei den Beatles. Aber sein Ansatz war etwas höher, weniger populär, deswegen wird es vielleicht länger dauern. Ich bin aber überzeugt, dass E- und U-Musik immer weiter zusammenwachsen werden, ohne jemals gleich zu werden. Nichts mehr und nichts weniger war der Ansatz von Jon Lord, einem modernen Meister der Gegenwart. Deshalb natürlich nichts anderes als satte 5 Sterne, Joe.
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 23, 2014 11:53 PM MEST


Tod eines Kritikers
Tod eines Kritikers
von Martin Walser
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

3.0 von 5 Sternen Schwer verständliche Literatur-Fehde, 25. September 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Tod eines Kritikers (Taschenbuch)
Zunächst muss ich anmerken, dass ich das Buch erst jetzt, 12 Jahre nach seinem Erscheinen, gelesen habe, und zweitens muss ich erkennen, dass ich mir offensichtlich schwer tue mit den Werken der gehobenen Literatur. Nicht das erste Mal, dass ich mich durch solch ein Buch regelrecht durchquäle, um am Schluss ziemlich ratlos zurückzubleiben. Obwohl selbst einer Muse zugeneigt (der Musik) bleibt mir wohl die Sprache der Literaten als Naturwissenschaftler verschlossen. Aber ich frage mich natürlich auch, wenn mir schon nicht verständlich, wie will solch eine Sprache die breite Masse erreichen.
Nun in diesem Fall wurde das Buch wohl eher deshalb ein Bestseller, weil sich dahinter mehr verbarg als einfach ein Roman. Es war ein Teil einer Fehde zwischen dem Autor Martin Walser und dem bekannten Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki, und die wurde, auch mit Hilfe der Medien, sehr öffentlich ausgetragen. Wie ich finde auch zu Recht, und das erzeugte natürlich eine Neugier, auch bei mir, die zum Kaufen anregte. Wahrscheinlich sind letzten Endes viele wie ich enttäuscht zurückgeblieben, ja ich behaupte sogar, die Mehrzahl hat das Buch gar nicht zu Ende gelesen. Zu gross sind die darin enthaltenen Hürden.
Aber zunächst einmal zu den beiden Protagonisten, die sich als Figuren auch in dem Roman wiederfinden, Martin Walser als Hans Lach und Marcel Reich-Ranicki als André Ehrl-König.
Bei Marcel Reich-Ranicki ist das ganze etwas schwierig, da er inzwischen verstorben ist; trotzdem muss es gestattet sein, kritisch, sehr kritisch Stellung zu ihm zu nehmen. Und unsere politisch überkorrekte Presse mag da auch nicht hinter allem gleich wieder Antisemitismus vermuten. Tatsächlich hat ihm Nazi-Deutschland Fürchterliches angetan, vermutlich ist er nur mit viel Glück oder Geschick dem Holocaust entkommen. Er hat nach dem Krieg allerdings auch für den polnischen Geheimdienst und damit gegen den Westen gearbeitet. Zurück in Deutschland hat er sich dann jedoch der Literatur gewidmet, wo er mit der Zeit immer bekannter, aber auch polarisierender wurde. Schliesslich auf der öffentlichen Karriere-Leiter ganz oben angekommen, nämlich im Fernsehen, gab es nur noch seine Meinung (im Literarischen Quartett, ZDF) und sonst gar nichts, wie z.B. Elke Heidenreich schmerzlich erfahren musste. Marcel Reich-Ranicki, wurde so etwas von unerträglich in seiner Selbstdarstellung und einseitigen Meinung, was denn gute Literatur ausmache, dass er für mich zu einer persona non grata wurde. Fürchterlich seine Sprache, wie sie auch in dem Buch von Walser karikiert wird, seine Gestik und seine zunehmende Alters-Verbohrtheit. Das ganze gipfelte schliesslich 2008 in der Ablehnung des Deutschen Fernsehpreises, einfach absurd. Aber der „Kanon seiner Chorknaben“ (Zitat aus dem Buch) stimmte ihm immer zu, worunter dann z.B. auch ein anerkannter Schriftsteller wie Martin Walser, der sich auch noch politisch einmischte, leiden musste. Schon früh, also als beide noch recht jung waren, kanzelte Reich-Ranicki Walser unverschämt ab. Dass man sich das als Autor, zumal wenn andauernd wiederholt, und trotz grossen, von anderen durchaus anerkannten Erfolgen, nicht gefallen lässt, ist doch mehr wie recht. Und so reifte die Idee zu diesem Buch bei Walser schon über viele Jahre. Aber es ist in meinen Augen nicht 100%ig gelungen; natürlich erkennt man Reich-Ranicki, ist er bis aufs Äusserste überzeichnet, ja karikiert, aber wo in diesem Roman die von vielen Kritikern angesprochene Ironie ist, vermag ich nicht zu erkennen, zumal mir Sarkasmus, die ins Bösartige übersteigerte Form, zutiefst zuwider ist. Mit solchen Zeitgenossen bekomme ich regelmässig Streit.
Also die Ironie kann ich nicht erkennen, für mich ist das „Realismus pur“, wie es in dem Buch mehrfach genannt wird. Und warum braucht es 2 Erzähler, erst der Unbeteiligte Michael Landolf in Teil 1 und 2, und schliesslich in Teil 3 Hans Lach, der Getroffene selbst? Ist mir schon klar, das ist ein Stilmittel, aber es hat mich bei Beginn des Teils 3 fürchterlich verwirrt. Ermüdend und überflüssig die geistig verwirrten Ergüsse des wahnsinnigen Mani Mani. Und ständig diese unlesbare indirekte Rede. Gut, ein Martin Walser muss wohl so schreiben, damit er sich immer wieder neu als begnadeter Schriftsteller beweist (das war jetzt auch Ironie), aber für mich ist das keine Unterhaltung oder Erbauung. Dann muss ich das halt bleiben lassen, gebe dem Werk 3 Sterne und warne damit gleichzeitig andere, die kein ausgesprochenes Faible für hohe Literatur haben, von so etwas lieber die Finger zu lassen.
Joe, mal wieder aus dem Urlaub von den Kanaren.


Man on the Rocks [Vinyl LP]
Man on the Rocks [Vinyl LP]
Preis: EUR 20,99

12 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Rückmeldung mit Wohlklang, aber kein klassischer Oldfield, 9. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Man on the Rocks [Vinyl LP] (Vinyl)
Nach 1-wöchiger Verschiebung ist das Vinyl-Doppelalbum pünktlich am Freitag, 07.03.2014 angekommen. Manch andere waren da anscheinend etwas „gleicher“ als ich und haben zu diesem Zeitpunkt das Album schon eine Woche auf ihrem Player/Plattenspieler gehabt. Nachdem ich mich am Wochenende ein paarmal durchgehört habe, konnte ich mir nun auch ein Bild machen.
Nun, der Gesamteindruck ist durchaus positiv, es gibt einige Stücke mit Wohlklang und Hitpotential, aber es ist kein „klassischer“ Oldfield dabei. Den gab es aber schon lange nicht mehr, ob man das jetzt bedauern mag oder nicht. In den 70ern hat er seine epischen Werke mit Stücken von halber Plattenlänge herausgebracht, in den 80ern kam immer mehr Rock-Pop dazu, anfangs waren noch lange Instrumentals dabei. Damit war aber Ende der 80er auch Schluss. Das vorliegende Doppelalbum schliesst m.E. stark an Crisis (1983) und Earth Moving (1990) an, mit Songs, die durchaus Hitpotential wie Moonlight Shadow haben. Insgesamt ist Oldfield im fortgeschrittenen Alter ziemlich auf der akkustischen Gitarre angekommen, hier und dort kommen noch seine typischen mehrstimmigen Solo-Gitarrenparts, aber der Oldfield-Synthysound, den wir Ende der 90er sogar noch selbst in der Band eingesetzt haben, ist weitgehend verschwunden. Insgesamt hat er auch sein Gitarrenspiel weiterentwickelt, mehr in Richtung der klassischen Rockgitarristen, weg von seinem typischen Sound. Viele Songs sind Steigerungssongs, die sehr sanft beginnen und dann allmählich zulegen. Das ist zwar prinzipiell ein durchaus gängiges Stilmittel, wird aber nach meinem Empfinden etwas zu oft eingesetzt
Die beiden Platten kommen in 180g-Vinyl und in einer ansehnlichen Doppelhülle daher. Anfangs an manchen Stellen stark knisternd bzw. knackend, hat sich das nach dem 2. oder 3. Durchlauf gelegt, eine für mich neue Erfahrung. Der Sound ist angenehm und warm, mit ausreichend Bass. Als Zugabe liegt den Platten ein Code bei, mit dem man sich die Tracks als MP3s downloaden kann. Oldfield, der derzeit in Nassau auf den Bahamas wohnt, hat ein sehr ungewöhnliches Aufnahmeverfahren verwendet, indem er die Teilaufnahmen per Internet an andere Studios geschickt hat. Das musste dann wohl oder übel digital sein. Beim Abmischen bestand er aber auf einem analogen Tonband, danach ist in meinem Fall eine Platte daraus geworden. Das Verfahren ist demgemäss mit DAA zu beschreiben, sehr ungewöhnlich. Aber der Sound ist auf einem Kopfhörer sehr voll und spacig, damit das Endergebniss durchaus überzeugend. Die Produktion ist (ziemlich) perfekt, aber in keinem Fall überproduziert, wie an anderer Stelle hier behauptet.
Für den Gesang hat Oldfield durchgehend Luke Spiller eingesetzt, für mich ein unbeschriebenes Blatt, aber durchaus überzeugend, bis auf wenige Ausnahmen. Da Oldfield insgesamt „erdiger“ im Klang geworden ist, passt ein Mann auch besser, trotzdem hätte man vielleicht bei ein, zwei Stücken eine Frauenstimme einsetzen können. Neben Luke Spiller, wären noch John Robinson (dr), sowie Lee (eigentlich Leland) Sklar (bg) und Matt Rollings (piano, B3 organ) zu erwähnen. Die restlichen Synthies bedient der Meister himself.
Die erste Platte macht auf mich den etwas besseren Eindruck, ist flotter, hitmässiger, die zweite fällt da etwas ab.
Der Opener „Sailing“ kommt als „Moonlight Shadow“ Verschnitt daher, hat durchaus Hitpotential, wenn man akzeptiert, das Oldfield insgesamt etwas seichter geworden ist.
„Moonshine“, das zweite Stück auf der 1. Seite, entwickelt sich langsamer, klingt ein wenig keltisch (ist ja auch über Irland) und hat für mich seinen Höhepunkt im Doppelsolo von Gitarre (Oldfield) und Violine (Dooley), was man auf Kopfhörer sehr schön detailliert hört. Damit ist dann Seite 1 schon beendet.
Seite 2 eröffnet mit dem Titelsong „Man on the Rocks“, der als Steigerungssong à la „Forevermore“ (Whitesnake) ausgelegt ist, allerdings ohne deren Brachialsound, trotzdem mit viel Gitarren zum Ende hin, wenn auch nicht im klassischen Oldfield-Stil.
Interessant bei „Castaway“ ist anfangs die lange, sparsame Begleitung durch eine B3-Orgel, bevor man von einem „Phil Collins“-Schlagzeug geweckt wird.
„Minutes“ ist dann ein weiterer Ohrwurm mit typischer Oldfield-Gitarre und schliesst nahtlos an die Earth Moving von 1990 an. Damit ist die erste Vinylscheibe abgeschlossen.
Seite 3 beginnt mit „Dreaming in the Wind“, dem nächsten Ohrwurm im Space Sound und verträumtem Gesang.
„Nuclear“ wiederum kommt im Gewand von „Shadow on the Wall“ von der Crisis daher, aber Chapman war damals wesentlich druckvoller, das kann Spiller hier nicht leisten.
Das funkige „Chariots“ zum Abschluss der Seite 3 kann mich wiederum nicht vom Hocker reissen, weil ich generell mit dieser Art von Musik nicht viel am Hut habe.
Die 4. Seite eröffnet mit „Following the Angels“, Oldfields Beitrag zur Eröffnungsfeier der Olympischen Sommerspiele 2012 in London. Es ist sehr, fast zu ruhig gehalten.
Der Wachmacher im Rolling Stones Sound kommt dann mit „Irene“, das Stück über den von Oldfield selbst erlebten gleichnamigen Hurrican der Kategorie 3, der 2011 Nassau überquerte.
Den Abschluss bildet eine Fremdkomposition, „I give myself away“ von William McDowell, irgendwie ein Fremdkörper auf diesem Album, das man sich hätte sparen können, aber da war wohl noch Platz zu füllen....
Fazit: Alterswerk Fehlanzeige, ist wohl auch noch zu früh, aber wohlklingende Rückmeldung in die Hitparaden, was offensichtlich auch Ziel war. Oldfield ist sehr poppig geworden, was dazu führt, dass meine Frau beim Hören mitsummt und mitwippt. Aber es ist natürlich auch eine Referenz an den Zeitgeist, der verkopfte Stücke wie Tubular Bells, Hergest Ridge oder Ommadawn nicht mehr zulässt. Trotzdem hätte ich mir ein bischen gesangliche Abwechslung gewünscht, hier und da den Einsatz des Oldfield-Synthys (Fairlight CMI) und wenigstens ein, wenn nicht zwei Instrumentals im Stil von „QE2“, der Taurus-Trilogie oder „The Lake“. Gerade auf einem Doppelalbum wäre dafür eigentlich Raum gewesen, aber das war offensichtlich nicht das Ziel, vielleicht war auch die Idee nicht da. Daher nur 4 Sterne, für 5 müsste schon eine Portion Genialität oder Aussergewöhnliches her, was nun definitiv nicht der Fall ist.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 13, 2014 10:18 PM CET


Perfect Strangers Live [2LP+2CD+DVD]
Perfect Strangers Live [2LP+2CD+DVD]
Preis: EUR 33,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen einerseits, andererseits…….., 3. März 2014
Ich habe das Boxset zu meinem 60. Geburtstag bekommen, weiss also einerseits von was ich rede, wenn ich über DIE Hardrock-Band meiner Jugendzeit schreibe. Andererseits habe ich seit nun fast 3 Monaten das gesamte Material noch nicht durch, denn man hat ja noch etwas anderes zu tun. Insbesondere fehlt mir immer noch der Eindruck der DVD, aber die Vinylplatten habe ich schon mehrfach rauf und runter gehört.
Das Ganze ist sehr schön aufgemacht, mit zwei 180g Vinylplatten, 2 CDs mit (fast) gleichem Inhalt und einer DVD, von einem Konzert in Australien in der Vorweihnachtszeit 1984. Dort lief sich die wiedervereinigte Band „warm“, bevor es im Frühjahr/Sommer 1985 in die grossen Arenen nach Europa ging, wo ich die Band dann beim Open-Air auf dem Mannheimer Maimarktgelände selbst gehört habe, allerdings von draussen und nicht das ganze Set; ich habe aber den Teil – insbesondere mit Beethoven‘s Neunter und Jon Lord’s Keyboard-Solo - im Material hier wiedergefunden. Nun, die Slide it in von Whitesnake (1984) war kaum verklungen, Ritchie war im Frühjahr noch mit seinen Rainbow im Budokan in Japan aufgetreten und Gillan hatte sein Black Sabbath-Abenteuer auch noch recht frisch hinter sich, und das merkt man. Purple selbst hatte ein wenig vergessen wie sie früher klangen, wollten vielleicht auch gar nicht mehr wie in den 70ern klingen. Jon Lord hatte seine frühere Rolle noch nicht so wirklich wiedergefunden und agiert ein bischen im Hintergrund, so wie bei Whitesnake, Ritchie wiederum strotzt vor Selbstbewusssein, hat seinen „fetten“ Gitarrensound der 80er ausgepackt und transportiert sein „Difficult to Cure/Beethovens Neunte“ von Rainbow in den Live-Set von Deep Purple, wo wiederum Ian Gillan hier und da seine Probleme hat, Text und Melodie richtig zu plazieren. Das wurde später auf der Tour deutlich besser, insofern versetzt uns dieser Mitschnitt natürlich in eines der „Probekonzerte“, wo die Band, bei aller Spielfreude, noch Probleme hatte, in der gewohnten Professionalität zu agieren.
Wenn ich nun aber diesen Auftritt mit dem Konzert in der SAP-Arena im vergangenen November vergleiche, dann ist er natürlich allerbeste Sahne. Welche Spielfreude und auch Aggressivität da rüber kommt, andererseits war das im letzten Herbst natürlich die „Altherren-Besetzung“, und 1984 stand die Band voll im Saft. Scheinbar war die Vergangenheit überwunden und der Weg frei für einen grossen Neustart. Dass es doch nicht ganz so war, haben uns die Ereignisse der nachfolgenden Jahre gezeigt. Aber es zeigt auch, dass es immer auf den Blickwinkel ankommt, aus dem man ein (Konzert-)Ereignis betrachtet. Der damalige lautete: eine Kultband der 70er hatte sich wiedergefunden und sollte liefern, nicht mehr und nicht weniger. Also was blieb anderes übrig als zu liefern.
Jetzt noch zu ein paar Details. Die Vinylplatten klingen sehr warm und voll, und haben eindeutig den besseren Sound/Klang, die CDs wirken etwas kalt und hohl dagegen. An einer Stelle muss man allerdings zur CD greifen: „Child in Time“ ist auf der 2. Platte nicht vollständig enthalten, da hat mit den Solis von Ritchie und Jon, sowie dem ausgedehnten „Space Truckin‘“ schlicht der Platz nicht gereicht. Das Songmaterial stammt ausschliesslich von 3 Alben, was eine Besonderheit ist, denn das hat DP später nicht gemacht, nämlich von der In Rock, der Machine Head und der damals neuen Perfect Strangers, von der immerhin 5 Stücke zum Besten gegeben werden. Abgerundet wird das Ganze mit den beiden grossen Single-Hits „Black Night“ und „Strange Kind of Woman“. Der Song-Zusammenstellung kann man durchaus etwas abgewinnen. Wie schon angedeutet, liegt Gillan nicht immer richtig (aber „Child in Time“ konnte er damals noch singen) und Ritchie nudelt mit seinem fetten Sound manchmal zu viel und zu sehr im Vordergrund herum. Man sollte aber nicht vergessen, dass er auch in der Studioeinspielung des Perfect Strangers Albums manch seltsames Solo abgelassen hat; die er übrigens bei Mondschein VOR dem Mobilen Studio in einem kleinen Ort in Vermont sitzend eingespielt hat. Was da so seltsam klingt, ist eine gewisse Atonalität bzw. „Tonart-Ignoranz“ bei seinen Soli, die man sonst von ihm nicht gewohnt ist. Das hat er später auch wieder sein lassen bzw. diese Ausflüge kurz gehalten. Zur DVD kann ich nichts sagen, da noch nicht gesehen.
Unter Umständen hätte es später auf der Tour bessere Konzerte für einen Mitschnitt gegeben, aber wahrscheinlich war das damals gar nicht zum Veröffentlichen gedacht, sondern als „Lernmaterial“ für die Band, und das gesamte Aufnahme-Equipment, welches damals noch recht umfangreich war, hat man nicht die gesamte Tour mitgeschleppt. Wenn ich jetzt noch zusätzlich mit dem aktuellen Konzert vergleiche (ich weiss, da sind 30 Jahre dazwischen), und letzteres noch gut finde, dann darf ich das 1984er-Konzert nicht verreissen. Es ist eben ein „einerseits, andererseits“. Eigentlich tendiere ich zu 3 Sternen, weil es aber ein Zeitdokument ist und zudem als Gesamtprodukt gut aufgemacht (und damit sein Geld wert), vergebe ich 4 Sterne. Es ist ganz klar KEIN Einsteigermaterial sondern eher etwas für den ambitionierten DP-Sammler, in diesem Kontext dann aber o.K.


Live in Gdansk
Live in Gdansk
Preis: EUR 29,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Beeindruckendes Zeitdokument mit kleinen Schönheitsfehlern, 4. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Live in Gdansk (Audio CD)
Erst lange nach Veröffentlichung 2008 bin ich überhaupt auf das Box-Set aufmerksam geworden, noch länger liegt dieses inzwischen denkwürdige Konzert zurück. Im August 2006 war David Gilmour auf seiner Europatournee zu Gast an diesem geschichtsträchtigen Ort, wo einst die Gewerkschaftsbewegung der Solidarnosc ihren Anfang nahm. Nun sollte es in anderer Hinsicht noch ein besonderes Datum und Ereignis werden: es war nämlich einer der letzten gemeinsamen Auftritte der einstigen Pink Floyd-Grössen David Gilmour (Gitarre, Gesang) und Richard Wright (Keyboards, Gesang). Begleitet werden sie neben vielen anderen Musikern u.a. vom Baltic Philharmonic Symphony Orchestra und am Bass von Guy Pratt, der schon seit den 90ern den Platz des ausgeschiedenen Roger Waters bei Pink Floyd-Auftritten übernommen hatte. Ursprünglich hatte auch PF-Drummer Nick Mason noch für die Tour mit geprobt, ist dann aber aus unerfindlichen Gründen nicht mitgefahren.
Was uns auf den Ton- und Bildkonserven und dem Publikum auf der Werft geboten wurde, ist eine vollständige Live-Performance des damals aktuellen Solo-Albums von David Gilmour und im 2. Teil (CD 2) ein Querschnitt aus dem Pink Floyd Gesamtwerk, durchaus repräsentativ, wenn auch natürlich bei weitem nicht vollständig. Das Box-Set enthält 2 CDs und eine DVD; die CDs enthalten das gesamte Konzert in eindrucksvoller Qualität, dafür müsste es eigentlich 6 Sterne geben. Aber da sieht man eben auch die technischen Möglichkeiten von modernen Produktionen, zumal sich die Pink Floyd Musik vom Sound her bestens eignet für eine Wiedergabe auf CD. Leider sind die CDs so in die gefaltete Papphülle hineingewürgt, dass man diese beim Herausnehmen beschädigt, was mir passiert ist. Die DVD hingegen fällt einem entgegen und enthält nicht das gesamte Konzert. Das sind zwei kleine Schönheitsfehler, die einen Stern Abzug – aber von 6 – geben, also in Summe 5. Denn alles andere würde diesem monumentalen Konzert mit hingebungsvoller Performance nicht gerecht werden.
Das Konzert wird eröffnet mit dem Anfang der Dark Side of the Moon, „Intro/Speak To Me“, „Breathe“, „Time“ und „Breathe (Reprise)“. Dieser Teil fehlt auf der DVD, ich habe aber eine VHS-Cassette, die ich einst beim 3SAT-Thementag mitgeschnitten habe. Glücklicherweise ergänzen sich diese 1-stündige Videoaufnahme und die DVD weitgehend, nur „Fat Old Sun“ fehlt auf beiden, so dass ich eine nahezu vollständige Film-Dokumentation des Konzertes habe. Nach dem Tod von Rick Wright haben sich ja nun alle Spekulationen über eine Alters-Reunion der berühmten Psychedelic- und Art-Rockband zerschlagen, und der Abend von Danzig bleibt wie ein letztes Vermächtnis, verfeinert noch durch die Mitwirkung des Baltic Philharmonic Symphony Orchestra, welches vor allem die dann folgende Darbietung von Gilmour‘s Solo-Album begleitet, die auf der DVD vollständig dokumentiert ist (auf VHS habe ich hier nur „Castellorizon“ und „On An Island“). Ausser den beiden erstgenannten Titeln war das Solo-Material für mich neu, aber überraschend gut. Der 1. Teil ist nach knapp 70min zu Ende, ob die Künstler hier eine Pause gemacht haben, ist zumindest mir nicht bekannt.
Aber dann geht es erst noch einmal richtig los, jetzt ausnahmslos mit Pink Floyd Material, fast 80 weitere Minuten. Etwas anders als gewohnt beginnt „Shine On You Crazy Diamond“, um dann halb-akkustisch weiterzugehen. Die fremden „Keyboard-Sounds“ zu Beginn des Stückes erschliessen sich einem nur, wenn man sieht, dass drei der Musiker auf Weingläsern spielen (!). Ein Super-Showeffekt, nur leider nicht auf der DVD festgehalten !? Ich kenne es jedoch von meiner Video-Aufzeichnung, dort ist es drauf, jedoch leider nicht „Astronomy Domine“ vom allerersten PF-Album, damals noch mit Syd Barrett, der das Stück auch komponiert hat. Hier beginnt dann die DVD mit dem Teil 2 des Konzertes. Man braucht also schon ein bischen den Durchblick über den Ablauf, der aber von den CDs gegeben wird. Danach folgt „Fat Old Sun“, David Gilmours Kompositionsbeitrag von der frühen Atom Heart Mother (1970), aber um Grössenklassen besser als damals, dann „High Hopes“ vom letzten Studio-Album The Division Bell, mit einem tollen Slide- und einem einfühlsamen Akkustik-Part am Schluss. Entgegen dem mutig veränderten „Shine On …“, wird dann, nur leicht aufgepeppt und nahe am Original 24min lang der Klassiker „Echoes“ zelebriert. Allein schon deswegen lohnt sich der Kauf des Albums, ausserdem ist es meines Wissens nach auch die letzte Live-Aufführung dieses Stückes durch ehemalige Pink Floyd Mitglieder.
„Wish You Were Here“ darf natürlich auch nicht fehlen, etwas weniger bekannt hingegen ist „A Great Day For Freedom“ mit Lyrics von Gilmour‘s zweiter Ehefrau Polly Samson über die Öffnung des Eisernen Vorhangs; der Text ist im Inneren des Box-Sets abgedruckt. Der übliche Closing Act ist „Comfortably Numb“ vom Album The Wall, wie immer mit einem ausgedehnten Gitarren-Solo zum Schluss. Nach 2.5 Stunden bleibt man unwillkürlich mit fast offenem Mund zurück und muss erstmal durchpusten. Daher die volle Punktzahl, sprich 5 Sterne, in diesem Fall auch, ohne dass etwas Neues geboten wurde. Aber die genialen Momente, die sind auf jeden Fall da, und schliesslich bleibt dieses Konzert unwiederbringlich das geniale Vermächtnis des grossen Pink Floyd Keyboarders Rick Wright, der immer ein wenig im Schatten der anderen Bandmitglieder stand, zu Unrecht, wie ich meine.
Für jeden Pink Floyd Fan ist dieses Werftkonzert jedenfalls ein wichtiges Zeitdokument und daher ein unverzichtbares Muss.


Re-Machined:a Tribute to Deep Purple
Re-Machined:a Tribute to Deep Purple
Wird angeboten von collectorsheaven
Preis: EUR 7,44

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4.0 von 5 Sternen Maschine in neuem Glanz – eine Verbeugung vor dem Urgestein des Hard Rock, 28. Januar 2014
Rund um meinen eigenen 60. Geburtstag ballt sich irgendwie Deep Purple: Zunächst in Form eines neuen Albums letztes Frühjahr, dann bei einem Konzert in der Heimatstadt und nicht zuletzt mit diversen Geschenken. Wie z.B. die Dokumentation ihrer Reunion 1984 (Rezension des Box-Sets mit 2 LPs, 2 CDs und 1 DVD folgt demnächst) und schliesslich der Re-Machined, einem Tribut-Album diverser aktueller Rock-Bands an Deep Purple und ihr vielleicht berühmtestes Werk, die 1971 im Schweizerischen Montreux eingespielte und 1972 veröffentlichte Machine Head, welche die Band auf dem damaligen Höhepunkt ihres Schaffens zeigt. Eine Tatsache übrigens, die heute unumstritten ist, aber damals noch gar nicht so sichtbar war. So wurde z.B. der Überhit „Smoke on the Water“ erst während der Reunion-Tour Mitte der 80er zu dem, was er heute ist. Damals war er zunächst ein Song von 7, im Mittelpunkt standen eigentlich „Highway Star“, „Never Before“ und „Space Trucking“ (letzteres durch die nachfolgende Made in Japan).
Ich habe mir zum Vergleichen zunächst einmal das Original-Album von damals angehört; dort fehlt allerdings die Parallel-Single „When A Blind Man Cries“, aber die hat man natürlich in anderen Kompilationen; auch die hat übrigens erst später ihre Bedeutung bekommen. Wenn man dann anschliessend die neue Produktion hört, klingen Deep Purple auf dem Original-Werk richtig brav, was sich dann übrigens 13 Jahre später bei der Reunion auch grundlegend geändert hat, als man 4-5 der Songs ins Live-Repertoire aufgenommen hat.
Generell lässt sich sagen, dass das Tribute-Album sehr gut gelungen ist, vor allem unter 2 Aspekten: die Songs sind modern interpretiert, bleiben aber trotzdem authentisch. Mit 2 Ausnahmen: Song 4 und 6, später dazu mehr.
Das Album wird vom Altmeister Carlos Santana mit einer druckvollen Version von „Smoke on the Water“ eröffnet, da wird man gleich mal richtig eingestimmt. Warum man das Album damit eröffnet (wo es doch normalerweise mit Highway Star losgeht), wird einem später klar, wenn man die absolute Negativ-Nummer dieser CD zu Gehör bekommt; es gibt nämlich 2 Versionen dieses Titels.
Aber zunächst geht es mit einer Live-Version von „Highway Star“ weiter, dargeboten von Chickenfoot, der neuen „Supergroup“ von Joe Satriani. Der hatte einst selbst nach Ritchies zweiter Demission Ende 1993 bei DP als Gitarrist ausgeholfen, in Japan und anschliessend bei der 1994er Europa-Tournee. Ritchie hatte ja an jenem denkwürdigen Abend im Herbst 1993 in Birmingham sein Japan-Visum demonstrativ zerrissen und geglaubt, dass so kurzfristig kein Ersatz für ihn gefunden werden könne. Darin hatte er sich aber getäuscht; Satriani, von dem ich auch einige Solo-Alben besitze, hat sich mehr als achtbar geschlagen und wurde sogar gefragt, ob er ganz bei DP bleiben wolle. Das wurde aber durch Vertragsverpflichtungen seinerseits damals verhindert. Es gibt eigentlich keine offiziellen Aufnahmen von DP mit ihm, ich besitze jedoch ein halboffizielles Bootleg-Doppelalbum vom Esbjerg-Festival, sündhaft teuer und in fürchterlicher Sound-Qualität, aber es zeigt, wie gut Satriani damals mit dem Rest der Band harmonierte. Wer weiss, welchen Weg die Jungs eingeschlagen hätten, wenn damals daraus mehr geworden wäre. Zurück zur Re-Machined: ich war zunächst skeptisch, weil dieser Song, mit einem starken Jon Lord in der Original-Aufnahme, ohne Keyboarder gespielt wird. Aber Gitarren-Hexer Satriani findet tatsächlich einen Sound-Effekt für die Gitarre (live!), der fast originalgetreu nach Lord’s Orgel damals klingt, einfach super! Und ein „richtiges“ Gitarrensolo kommt auch noch hinterher.
Ähnliches gilt für Song Nr. 3, „Maybe I‘m a Leo“, der vom ehemaligen Deep Purple Mitstreiter Glenn Hughes interpretiert wird. Hughes war Bassist und Sänger in der Mark III/IV-Besetzung, bringt aber diesen Song der legendären Mark II - Besetzung sehr authentisch rüber, unterstützt von Chad Smith (Red Hot Chili Peppers), der auch bei der o.g. Chickenfoot-Aufnahme an den Drums sitzt.
Genau daran – nämlich an der Authentizität – mangelt es Song Nr. 4, „Pictures of Home“, damals beim Original 1972 mein persönlicher Favorit, dargeboten von Zakk Wylde’s Black Label Society, dem Solo-Projekt der Ozzy Osbourne Begleitband. Das Ganze hat (nicht nur vom Äusseren her) einen starken ZZ-Top-Touch, der diesem im Original dahin fliessenden, sehnsuchtsvollen Song nicht gerecht wird. Zudem sind im Original jeweils ein kurzes Bass- und Drum-Solo eingearbeitet; die fehlen einfach. Auch wenn Songs heute knackig und kompakt sein müssen, soweit muss man sich nicht vom Original entfernen.
Zurück auf dem Pfad der Tugend ist dann allerdings wieder Song Nr. 5, „Never Before“, der damals als ausgekoppelter Hit geplante und dann weitgehend vergessene letzte Song der ersten Plattenseite, womöglich sogar besser als das Original. Die Kings of Chaos (Joe Elliott, Steve Stevens, Duff McKagan & Matt Sorum), verstärkt durch Keyboarder Arlan Schierbaum aus L.A. nähern sich dem Original mit Respekt und trotzdem genügend Eigenständigkeit moderner Rock Performer, durchaus hörenswert.
Was man nun von Song 6 nicht behaupten kann, der zweiten Version von „Smoke on the Water“ von den Flaming Lips, einer amerikanischen Alternative Rockband. Von Rock kann hier allerdings keine Rede sein. Passend zu ihrem sonstigen avantgardistischen Auftreten erinnert diese Interpretation eher an die Vergewaltigung eines Atari-Computers durch Keith Emerson als an einen Klassiker der Rockmusik. Diese Art von „Musik“ hat einfach auf einem solchen Album nichts verloren. Diese Tatsache und die schwache Ausführung von „Pictures of Home“ führen dann auch zu dem einen Stern Abzug.
„Lazy“, der folgende 7. Song glänzt dann aber wieder durch authentische Deep Purple Interpretation, insbesondere durch die famose Orgelarbeit von Arlan Schierbaum, der auch auf diesem Track für hervorragendes Jon Lord Feeling sorgt. Ein Jimmy Barnes, der sich gut in Form zeigt, aber natürlich auch der aktuelle Meister des Blues-Rock, Joe Bonamassa, der wieder ein paar Kostproben seines aussergewöhnlichen Könnens gibt, runden das Ganze ab.
Von der Besetzung her die beiden Knaller zum Schluss: Iron Maiden mit Frontmann Bruce Dickinson (der Jon Lord auch für sein Lebens-Abschlusswerk, das Concerto 2012 zur Verfügung stand) versuchen sich an „Space Trucking“ (Song 8). Zwar insgesamt erfolgreich, aber hier fehlt eindeutig die Orgel, und 3 (!) Gitarren können nicht den Druck aufbauen, den Ritchie Blackmore einst ganz allein erzeugt hat. Daran kann man sehen, was für ein Grosser seines Faches der Ur-Deep Purple Gitarrist war/ist, egal wie man sonst zu ihm steht.
Ein Super-Finale dann mit Metallica und „When A Blind Man Cries“, zunächst ganz sanft und mit einem Hetfield, der fast wie Gillan klingt, dann aber mit einem Metallica-typischen Gitarren-Gewitter in einem „Finale furioso“, ein würdiger Schluss.
Insgesamt ein dem Anspruch angemessenes Werk (Tribute) und sicher eine Empfehlung für alle Deep Purple Fans, so sie denn „Neuem“ aufgeschlossen sind. Das Neue hat allerdings Grenzen des guten Geschmacks, die mit den Flaming Lips erreicht werden, deshalb nur 4 Sterne.


The Australian Pink Floyd Show - Exposed in the Light
The Australian Pink Floyd Show - Exposed in the Light
DVD ~ The Australian Pink Floyd Show
Preis: EUR 10,97

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Tolle Musik - Schlechtes DVD-Konzept, 24. September 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich habe die Truppe vor einiger Zeit live erlebt und war begeistert, wie originalgetreu - teilweise sogar besser wie das Original - alles rüberkam. Also habe ich mir die DVD mit grossen Erwartungen bestellt. Nach dem Urlaub habe ich erst jetzt Zeit gefunden, sie zumindest teilweise anzusehen/anzuhören und bin wie die meisten Vorrezensenten sehr enttäuscht, gleichzeitig auch tief gespalten. Denn selbstverständlich ist die Bühnenshow vom Feinsten, übrigens mit Original Pink Floyd Material, denn die Australian Pink Floyd Show ist offiziell autorisiert und wird vom PF-Management teilweise unterstützt bzw. mit Material versorgt, wie z.B. Videos oder auch das riesige aufblasbare Schwein. Die Musik ist auch super, die Bühne ist allerdings voll, ähnlich wie bei den grossen Auftritten des Originals, die auch 3 Background Sängerinnen, einen 2. Gitarristen (Ray Fenwick), Guy Pratt am Bass als Roger Waters Ersatz, einen Saxophonisten und sogar zweite Keyboarder und Percussionisten dabei hatten. Einzig der separate Sänger, den es so bei PF nie gab, fällt hier etwas aus dem Rahmen. Der Sound auf der DVD ist o.K., ich habe wieder die Kombi mit reduziertem Fernsehton und Stereo-Anlage gewählt, mit dem ich eigentlich gute Erfahrungen gemacht habe. Dolby Digital 5.1 kann ich mangels Anlage nicht überprüfen, offensichtlich stimmt aber laut Vorrezensenten diese Angabe nicht.
Was aber viel schwerer wiegt und extrem nervt, ist der ständige Wechsel zwischen Interviews (in s/w) und Songs. Stimmt schon, da kommt kein Konzert-Feeling auf, obwohl Songs wie Set the Controls for the Heart of the Sun, High Hopes und Sheep (welches ich auch live gehört habe) exzellent dargeboten werden. Was interessiert mich das Gequatsche über die Tour und die Bandmitglieder, zumal in Englisch, obwohl ich das gut verstehe und selbst spreche. Aber das interessiert allenfalls beim Original, nicht bei den relativ unbekannten Musikern dieser zugegeben besten PF-Coverband der Welt. Und selbst beim Original möchte man da die Auswahl zur Abwahl haben. Dass man regelrecht gezwungen wird, sich das anzuhören, ist eine Art stalinistische PR (und hörst Du mir nicht zu, zwinge ich Dich zu Deinem Glück), und absolut indiskutabel! Auch das Überspringen oder Anspringen der Titel über das Menü funktioniert nicht 100%ig, weil teilweise die Schnitte falsch gesetzt sind. Also kommt erstmal noch 10sec Gequatsche bevor der eigentliche Song losgeht. Ganz richtig, wie viele schon bemerkt haben, da kommt kein Konzert-Feeling auf. Aber etwas anderes interessiert mich nicht von dieser Band.
Es greift leider immer mehr um sich, dass junge Leute, die natürlich in den Produktionsfirmen langsam in der deutlichen Überzahl sind, die Produktionen "alter Musik" (Pink Floyd, Led Zeppelin, Paul McCartney, Deep Purple) mit Ihren "neuen Ideen" überfrachten und sogar kaputt machen. Ein ähnliches Unding waren die nervigen "Lady Gaga Umschnitte" beim 2008er Led Zeppelin Konzert. Umgekehrt finden die heutigen jungen Leute unsere Art von Musik, sie zu hören und anzusehen als total langweilig. Aber da wäre es an den Produktionsfirmen, sich mal Gedanken um das Zielpublikum zu machen und entsprechende Produzenten einzusetzen; das ursprüngliche Material ist nämlich meistens vorhanden, man muss es nur anders zusammenstellen (länger auf einer Kamera bleiben, Interviews als Bonusmateral anbieten etc.). So wie es jetzt bei der vorliegenden DVD ist, kann ich trotz toller Musik und Bühnenshow der Band leider nur 2 Sterne vergeben. Anders als beim Led Zep Konzert, wo ich trotzdem noch 5 Sterne vergeben habe, ist hier nämlich das ganze Produkt kaputt gemacht worden, und man sollte seitens der Produktionsfirma vielleicht mal über eine verbesserte Neuauflage nachdenken. Sehr hilfreich ist dabei natürlich, dass doch einige die erworbene DVD/Blue Ray zurückgeschickt haben. Ich behalte sie zwar, kann aber auch vom Kauf nur abraten.


Ritchie Blackmore's Rainbow - Black Masquerade
Ritchie Blackmore's Rainbow - Black Masquerade
DVD ~ Ritchie Blackmore
Preis: EUR 7,97

35 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein letzter Höhepunkt in Ritchies Lebens-Werk, 29. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die DVD von diesem Konzert im Rahmen der WDR-Rockpalast-Reihe kam erst jetzt heraus (24.08.2013), also nahezu 18 Jahre nach Aufzeichnung am 09.10.1995. Vieles hat sich seitdem verändert, in der Rock-Szene allgemein und im Deep Purple-Umfeld im speziellen. Ich hab' sie mir noch schnell vor dem Urlaub angesehen/angehört (es war nur ein Abend Zeit dazu) und muss sagen, dass dieses Konzert ein Juwel ist, vor allem, wenn man es 18 Jahre später und "geläutert" ansieht. Das liegt nicht nur am "Meister" himself, sondern auch an den anderen beteiligten Protagonisten, die allesamt eine Leistung vom Feinsten abliefern.

Das fängt schon mit der Sound- und Bildtechnik der Rockpalast-Crew an, die bekanntermassen ihr Handwerk verstand und eine ganze Reihe hochwertiger Konzerte produziert hat, lange bevor es die heutigen digitalen Möglichkeiten gab. Da können sich die Macher von aktuellen Produktionen eine Scheibe abschneiden, wenn man z.B. an die hektischen "Lady-Gaga-Umschnitte" aus dem 2008er Led Zeppelin-Konzert denkt. Die Kamera bleibt einfach in Grossaufnahme drauf und man kann Ritchie in Ruhe bei seiner "Arbeit" zusehen. Der Sound ist super gut und warm. Ich habe mir die DVD mit reduziertem TV-Ton und parallel über die HiFi-Anlage angehört, weit heruntergeregelt und trotzdem noch laut und mit voller Bandbreite (nichts herausgeregelt); das gibt schon mal maximale Punkte.

Dazu ein dankbares Publikum und eine Setlist quer über das Schaffen von Rainbow und sogar Deep Purple. Hierfür musste vor allem Doogie White in grosse Fussstapfen treten, u.a. von Ronnie J. Dio, Graham Bonnet (nur kurz), Joe Lynn Turner, aber auch Gillan und Coverdale (Hughes übernimmt Bassist Greg Smith als 2. Sänger). Aber das schafft er überzeugend und grossartig, dazu natürlich auch, sich selbst als eigenständige Persönlichkeit einzubringen. Da ich Doogie White schon vorher kannte (Great Brits) und erst kürzlich bei einem Michael Schenker Group Konzert gehört habe, gab es daran auch keinerlei Zweifel. Allein die Performance war dann noch stärker, weil er sich richtig abarbeitet. Die Überraschung an sich war aber Keyboarder Paul Morris, zumindest für mich ein unbeschriebenes Blatt, damals vor seiner Rainbow-Verpflichtung in der Begleitband von Joe Lynn Turner unterwegs. Seine Performance im Zusammenspiel mit Blackmore und auch bei seinem Solo, wo er u.a. Beethoven interpretiert, sind schlicht das (unerwartete) Highlight dieses Auftritts. Chuck Burgi aus alten Rainbow-Zeiten (Bent out of Shape 1983) wurde für die Tournee an der Schiessbude verpflichtet. Auch er kann überzeugen und hat Erfahrung mit der Live-Performance von Beethovens 9. Sinfonie (Difficult to Cure, Live at the Budokan 1984), ist insofern ein alter Rainbow-Hase. Greg Smith liefert neben einer soliden, füllenden Bassarbeit auch einen überzeugenden Job als 2. Sänger ab, wo er z.B. bei Burn den Part von Glenn Hughes übernimmt, und das nicht schlecht. Etwas überzogen hingegen ist die Darstellung der Rolle von Blackmore's Frau Candice Night, die zwar damals noch nicht mit ihm verheiratet war, einige der Songs mitgeschrieben hatte, aber nur einen blassen kurzen Auftritt als Engel Ariel im gleichnamigen Stück hat. Normalerweise schafft man es da nicht auf die Besetzungsliste unter der Rubrik "Vocals", aber da haben wohl die privaten Beziehungen ein bischen mitgeholfen......

Nach dem inzwischen legendären „we must be over the Rainbow, Rainbow, Rainbow“ Intro, gefolgt vom klassischen Opener Spotlight Kid, brennt die Band unter der Leitung des „Chefs“ ein Feuerwerk aus aktuellen und alten Rainbow Songs, oder soll man sagen, Klassikern, ab. Too Late for Tears ist der erste (damals) aktuelle Song von der letzten Rainbow CD „Stranger in us all“, die man damals mit dieser Tour bewarb. Dio’s Long Live Rock ‚n‘ Roll wird anschliessend in epischer Breite dargeboten, unter Einbeziehung des Publikums und einiger Takte aus Deep Purple’s Black Night. Ein erster Anspieltip ist für mich Hunting Humans (aktuelle CD) gefolgt von Wolf to the Moon (aktuelle CD), welches dann in Difficult to Cure (gleichnamiges Album 1981) übergeht, mit Slide-Einsatz von Ritchie; und dieses wiederum wird gefolgt von Paul Morris‘ Keyboard-Solo. Allein dieser Block ist sozusagen schon den Eintritt wert. Die alte Yardbirds Nummer Still I’m Sad, ebenfalls auf der aktuellen Scheibe zu finden (es gibt eine alte Version von 1975), bietet dann Raum für ein hörenswertes, kompaktes Schlagzeug-Solo von Chuck Burgi, bevor es in den alten Rainbow-Klassiker aus Dio’s Zeiten geht: Man on the Silver Mountain, für manche DER Rainbow Song schlechthin. Im Beifall/Übergang in das nächste Stück dann ein Fehler in der DVD oder schlechter Schnitt des Filmmaterials, bevor Temple of the King in einer neuen Version intoniert wird. Das Stück war ursprünglich ebenso wie Man on the Silver Mountain auf der ersten Rainbow-Scheibe 1975 enthalten. Beide Stücke verkörpern das damalige Songwriting von Dio, aus der Welt der Mythen und Ritter, die neue (Doogie White) Version halte ich jedoch für einen Anspieltip. Zwei weitere Titel von der aktuellen CD folgen, Black Masquerade (der titelgebende Song für die DVD) und Ariel, mit dem Kurzauftritt von „Frau Blackmore“, wie oben erwähnt. Nichtsdestotrotz halte ich dieses Stück für einen weiteren starken Anspieltip. Es folgt eine Kurzreferenz an Graham Bonnet, mit Since You’ve Been Gone, um dann in einer starken Version von Deep Purple’s Perfect Strangers zu landen, die ich für einen weiteren Anspieltip halte. An dem folgenden Traditional Greensleeves, nahezu unplugged dargeboten, arbeiten sich heutzutage viele ab, weil der Text in Richtung Alkohol umgeschrieben wurde. Dazu sage ich nur, dass die Zeiten vor 18 Jahren noch anders waren (früher wurde in Firmen Alkohol an Kiosken verkauft) und noch nicht diese von „grünen Gutmenschen“ praktizierte Anklagementalität herrschte.......

Eine Edward Grieg Interpretation von der aktuellen CD (Hall of the Mountain King) und zwei Deep Purple Kracher (Burn und Smoke on the Water), die Ritchie im wesentlichen mit zu verantworten hatte, runden das Konzert schliesslich ab. Warum so etwas, wie übrigens auch viele andere derartige „Werke“, erst 2 Jahrzehnte später erscheint, entzieht sich meiner Kenntnis. Allerdings ist es jetzt natürlich ein schönes Promotion-Stück, um das wieder erwachte Retro-Interesse an alten Rockgrössen zu befriedigen. Ritchie selbst, inzwischen 68 J. und noch 2 Mal Vater geworden, hat ganz klar keine Ambitionen mehr darauf und bleibt uns wohl noch eine Weile mit seinem Blackmore’s Night Getingel erhalten. Mir gefällt es nicht, aber ich habe - selbst Gitarrist - grossen Respekt vor seinem Gesamtlebenswerk und betrachte das hier besprochene Konzert als einen letzten Höhepunkt in seinem rockmusikalischen Schaffen. Daher die volle Punktzahl und 5 Sterne.
Joe, aus dem Urlaub auf den Kanaren.


Emotional Fire
Emotional Fire
Preis: EUR 21,79

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen JLT back to Rock, 13. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Emotional Fire (Audio CD)
Da hat der gute alte Joe Lynn Turner (60 J.) aber mal ein paar Stücke aus der Mottenkiste der 80er geholt. Richtig ist, dass es ein bischen nach Bolton, Foreigner oder Journey klingt, wegen der Gitarren vielleicht auch an Whitesnake der Endachtziger erinnert, zwar nicht ganz auf dem Niveau. Aber eine Produktion vom Feinsten, wenn auch mit viel Studio-Hilfe, und wenn's stimmt, ohne dass sich Band und Sänger je gesehen haben.
Ich habe mir mal 3 Werke mit JLT als Sänger zusammengestellt und nacheinander angehört, und man ist verblüfft über die Entwicklung. Hier zum Nachvollziehen:

1) Rainbow: Difficult to Cure (1981, mit Ritchie Blackmore und Roger Glover)
2) Deep Purple: Slaves and Masters (1990, wieder mit Ritchie und Glover, aber auch mit Lord und Paice)
3) Sunstorm: Emotional Fire (2012, AOR mit Studio Band)

- Eine Zeitreise!

JLT war eigentlich nie so ganz der harte Rocksänger, dafür aber sehr melodisch, was bei den späten Rainbow geradezu erwünscht war (eigene Aussage Ritchie Blackmore, der weg wollte vom Dio-Image). Der frühe JLT war aber etwas kantiger, was sicher auch an den Mitspielern lag. Bei Deep Purple war seine Stimme einfach nicht zu Hause, er kämpfte auch aus Sicht der Fans vergeblich gegen den grossen Schatten von Gillan an, der letztlich auf Druck der restlichen Band gegen den erklärten Willen von Ritchie Blackmore zurückgeholt wurde, was schliesslich nur mit dem 1 Million Dollar Rainbow-Revival Deal ging (nachzulesen im DP-Kompendium) und zu Ritchies endgültigem Bruch mit den alten Kumpanen führte. JLT hat durch das missglückte DP-Abenteuer einen kleinen Karriereknick erfahren, sich aber mental nie unterkriegen lassen und redet über alle Beteiligten immer noch sehr positiv. Er träumte bis vor kurzem immer noch von einem Rainbow-Revival mit ihm als Frontmann. Aber dieses Kapitel ist wohl für immer geschlossen (Blackmore's Night). Deshalb ist sein Sunstorm-Projekt durchaus eine dankbare Aufgabe, die auch vom selbst ergrauten AOR-Publikum dankend zur Kenntnis genommen wird. Anspieltips auf der neuen Scheibe sind "Never Give up", der Titelsong "Emotional Fire", "Gina" und "You wouldn't Know Love". Der deutsche Schlagzeuger ("Schmidtie") ist nicht schlecht, und Gitarrist Dennis Ward (der auch Bass spielt und die Backing Vocals singt) legt ein richtig fettes Brett hin. So wie es halt jetzt üblich und modern ist (siehe Whitesnake Forevermore 2012). Daher gute 4 Sterne; für 5 (die vergebe ich prinzipiell nicht so leicht, siehe meine anderen Rezensionen) fehlen einfach die genialen Momente. Aber es ist schöne, melodische Rockmusik, die man sich auch mit seiner Frau zum Sonntags-Frühstück gerne anhört.


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