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Rezensionen verfasst von
Ralf Deckers "RDeckers" (Köln)
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Nur keine Sentimentalitäten!: Wie Dr. Erika Fuchs Entenhausen nach Deutschland verlegte
Nur keine Sentimentalitäten!: Wie Dr. Erika Fuchs Entenhausen nach Deutschland verlegte
von Ernst Horst
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,95

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Streifzüge durch Entenhausen, 26. April 2011
1951 hat Erika Fuchs mit der Übersetzung der Mickey Mouse-Hefte begonnen. Bis ins hohe Alter hinein hat sie ihre Tätigkeit als Chefredakteurin und Übersetzerin ausgeübt. Über Jahrzehnte hinweg hat sie damit den Kosmos Entenhausen dem deutschen Leser vermittelt.

Dabei hat sie sich nicht aufs werktreue Übersetzen beschränkt. Erika Fuchs hat ein eigenes, deutsches Entenhausen geschaffen. Dem geht Ernst Horst, Feuilletonredeakteur der FAZ, in seinem Buch nach.

Die Streifzüge durch Entenhausen sind thematisch gegliedert. Horst befasst sich mit dem Stadtplan von Entenhausen, mit Fauna und Flora, mit den Namen und dem Geschlechterverhältnis der Einwohner, mit Essen und Trinken, Literatur und Musik, Ideologien und fremden Kulturen. Zum Abschluss skizziert Horst die Subkultur der Donaldisten.

Horst Ausführungen sind kurzweilig, meist amüsant zu lesen. (Wenngleich die eine oder andere Geschichte aus dem Autorenleben nicht unbedingt erzählt werden musste). Dazu tragen auch die farbigen Bildbeispiele aus Mickey Mouse-Heften bei, die auf fast jeder Seite des Buches abgedruckt sind.

Für Nicht-Donaldisten finden sich überraschende Einsichten. Hierzu zählt die Herkunft des Zitats 'Dem Ingenieur ist nichts zu schwör' oder Anleihen der Entenhausener Bevölkerung beim Nationalsozialismus (Donalds Neffen grüßen mit 'Heil', die Panzerknacker singen Lieder der Hitler-Jugend, Dagobert faselt über den 'Untermenschen').


Ich habe den englischen König bedient: Roman (suhrkamp taschenbuch)
Ich habe den englischen König bedient: Roman (suhrkamp taschenbuch)
von Bohumil Hrabal
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,00

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Vom Hilfskellner zum Philosophen, 20. April 2011
Das Buch beginnt als Schelmenroman. Der Ich-Erzähler beginnt seine berufliche Laufbahn als Hilfskellner, als Pikkolo in einem Prager Hotel. Er lernt die Welt der Reichen und Etablierten kennen, denen er nacheifern will. Er stammt aus bescheidenen Verhältnissen, hat aber den Drang nach Höherem. Sein sehnlichster Wunsch ist es, in ihren Kreis als Gleichberechtigter oder zumindest Respektierter aufgenommen zu werden.

Er ist wissbegierig und lernfreudig. Das Verhalten der Hotelgäste, alles, was man nicht sehen und hören soll, beobachtet er intensiv. Tipps und Lebensweisheiten von Handelsvertretern und Oberkellnern nimmt er dankbar an. Er stolziert mit fremden teuren Krawatten durch die Stadt, übt sich in der Rolle des Hochstehenden. Hier, in der Schilderung des Hotel- und Nachtlebens, ist das Buch voller Lebensfreude, Sinnlichkeit und Humor.

In seinem Bestreben, anerkannt und respektiert zu werden, schließt der Pikkolo jedoch den Bund mit dem Teufel. Er verliebt sich in eine Deutsche, eine Vorzeigefigur des nationalsozialistischen Deutschland. Er lässt sich für Zwecke der Rassenideologie und von Arier-Zuchtprogrammen einspannen. Seine Frau eignet sich Vermögen von abtransportierten und getöteten Juden an, das er später einsetzt, um seinen Traum zu verwirklichen, ein eigenes Hotel zu besitzen und anerkannt im Kreise der Hoteliers sich zu bewegen.

Aber das Geld bringt ihm kein Glück. Der nach Naziideologie gezeugte Sohn erweist sich als schwachsinnig. Er verfügt lediglich über einen kräftigen Bizeps, mit dem er pausenlos Nägel in Holzböden hämmert. Die kommunistischen Machthaber enteignen ihn. Sein Traumhotel verkommt.

Nach und nach nimmt das Buch einen anderen Ton an, wird melancholischer. Der Pikkolo erkennt, dass sich das Glück nicht im Traum von Reichtum und Anerkennung findet, erst recht nicht in Ideologien. Mehr und mehr zieht er sich aus dem gesellschaftlichen Leben zurück, bis er nach mehreren Stationen in die Einöde und Wildnis zieht. Hier lebt er, begleitet von Katze, Pony und Ziege, ein zurückgezogenes Leben, der Arbeit, dem Selbstgespräch und Nachdenken über metaphysische Themen und dem Schreiben gewidmet.

Die Beschreibung des Rückzugs weist etwas Längen auf. Gleichwohl ist dies insgesamt eine bewegende rundum lohnende Lektüre.


Glückliche Umstände, leihweise: Das Lesebuch (suhrkamp taschenbuch)
Glückliche Umstände, leihweise: Das Lesebuch (suhrkamp taschenbuch)
von Thomas Combrink
  Taschenbuch
Preis: EUR 4,99

11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Mensch als Projektemacher und Glückssucher, 18. April 2011
Das vorliegende Werk bietet eine Einführung in das literarische Werk von Alexander Kluge. Kluge erzählt Kurz- und Kürzestgeschichten. Die große programmatische Komposition ist sein Prinzip nicht. Für ihn werden der Mensch und die Welt in den vielen bunten, teils absonderlichen Facetten erfahrbar und verstehbar.

Der Mensch ist einem vielgestaltigen vernetzten Kräftefeld ausgesetzt. Wer hier ansetzt, muss Grenzen überschreiten. Das tut Kluge. Verschiedenste Disziplinen, von Naturwissenschaft und Technik, über Soziologie und Psychologie bis hin zur Literatur, finden sich bei ihm wider. Auch verschiedenste literarische Genres werden genutzt, die alte Chronik, das Interview, autobiografische Skizzen, Dokumentationen.

Der Mensch erscheint bei Kluge als Glückssucher. Eingehüllt in einen Kokon aus Vertrauen, der es ihm ermöglicht, täglich aufs Neue hoffnungsfroh in sein Leben zu starten, beginnt er Projekte und versucht dabei sein Glück.

Ein gute Einführung in ein großartiges Werk.


Switch
Switch
von Chip Heath
  Taschenbuch

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Veränderungen erfolgreich auf den Weg bringen, 11. April 2011
Rezension bezieht sich auf: Switch (Taschenbuch)
Wie lassen sich Veränderungen bewirken, wenn Veränderungen schwer zu bewirken sind? Dieser Frage gehen die Brüder Chip und Dan Heath in ihrem Buch nach.

Einleitend greifen sie dazu auf die Metapher vom Reiter und dem Elefanten zurück. Der Reiter bezeichnet die rationale Seite des Menschen. Der Reiter ist der strategische Planer mit Zukunftsorientierung, aber auch mit der Tendenz zum Überanalysieren und zur Nabelschau. Der Reiter kann die Zügel straffen und damit eine Richtungsänderung herbeiführen. Der Wille zur Selbstbeherrschung ist aber begrenzt. Der Reiter ist schnell erschöpft.

Der Elefant steht für unsere emotionale Seite. Der Elefant ist oft irrational, auf kurzfristige Vorteile orientiert, aber er bringt auch die notwendige Energie und Motivation, um Veränderungen tatsächlich herbeizuführen.

Beide, Reiter und Elefant, müssen angesprochen werden und im Gleichklang agieren. Letztlich kann Veränderung aber immer noch scheitern, wenn die Umfeldbedingungen nicht passen. Der Pfad muss geebnet sein.

Wie bereits im Vorgängerbuch 'Made to Stick' beweisen die Autoren auch hier viel didaktisches Geschick. Grundlegende Mechanismen werden nachvollziehbar erläutert und dann anhand von vielen Fallbeispielen plastisch gemacht. Die Fallbeispiele reichen von Diäten bis hin zu unternehmerischen Change-Prozessen. Zusätzlich haben sie Übungsbeispiele, sogenannte Clinics, entwickelt, um das bereits Gelernte anwenden und durchdenken zu können.

Eine rundum lohnende Lektüre.


Gezählte Zeit - Wie die mechanische Uhr das Leben veränderte
Gezählte Zeit - Wie die mechanische Uhr das Leben veränderte
von Carlo M. Cipolla
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,90

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Kleinod, 5. April 2011
Ein schönes Buch! Carlo Cipolla, im Jahr 2000 verstorbener Wirtschaftshistoriker, hat sich mit der Entstehung und Verbreitung der mechanischen Uhr beschäftigt. Dabei steht weniger die Technik im Vordergrund. Cipolla betrachtet technische Neuerungen und deren Diffusion im größeren Kontext, eingebettet in wirtschaftliche, soziale und mentale Zusammenhänge.

Gekonnt, mit wenigen, gezielt gesetzten Strichen zeichnet Cipolla die Entwicklungsgeschichte der mechanischen Uhr nach. Er analysiert Konstellationen, die für technische Innovationen förderlich sind, Wanderungsbewegungen von Handwerkern und das Aufkommen von regelrechten Uhrmacherzentren, die Furcht einheimischer Uhrmacher vor ausländischer Konkurrenz, schließlich die Verbreitung von Uhren, angefangen von öffentlichen Uhren bis hin zu Taschenuhren, und die Rezeption der mechanischen Uhren in Asien. Er spürt Ursachen für die unterschiedliche Aufnahme der Uhr in China und Japan nach.

Damit hat seine Geschichte der mechanischen Uhr weit über das unmittelbare Thema hinaus Relevanz. Viele Fragestellungen bewegen uns heute immer noch: Was muss getan werden, damit technische Innovationen gefördert werden? Wie gehen wir mit ausländischer Konkurrenz um? Gibt es einen Aufstieg und Niedergang von Nationen, was technische Entwicklung und wirtschaftliche Prosperität anbelangt?

Cipolla kann erzählen. Das Thema wird in schlichter, aber kunstvoller Prosa entwickelt. Das Buch ist wie eine jener dort abgebildeten fein gearbeiteten Taschenuhren: Ein Kleinod!


Generation Mietwagen: Die neue Lust an einer anderen Mobilität
Generation Mietwagen: Die neue Lust an einer anderen Mobilität
von Michael Adler
  Broschiert
Preis: EUR 12,95

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wichtiger Beitrag zu einer notwendigen Zukunftsdiskussion, 31. März 2011
Die Kerze brennt von zwei Enden, so Michael Adler, Geschäftsführer der Service GmbH des Verkehrsclubs Deutschlands (VCD) in seinem Buch 'Generation Mietwagen'.

Das eine Ende der Kerze sind fossile Brennstoffe, die kurz- bis mittelfristig zur Neige gehen. Ob der Höhepunkt der Ölförderung (Peak Oil) bereits jetzt oder erst in Kürze erreich ist, irgendwann gibt es kein Öl für unsere Fahrzeuge mehr.

Das andere Ende der Kerze sind die Auswirkungen unserer Automobilität auf die Umwelt. Noch sind das Erreichen von Klimazielen und damit das Abwenden von Klimakatastrophen möglich. Bald nicht mehr, so Adler.

Ein Weiter-so unserer Automobilität ist daher unmöglich. Alternativen müssen her. Adler geht alle praktizierten, getesteten und denkbaren alternativen Antriebsformen durch, von Kohle über Strom und Raps bis hin zum Wasserstoff. Er diskutiert die Machbarkeit, Kosten und Kundenakzeptanz. Sein Schluss lautet: Überzeugende, das heißt zu vertretbaren Kosten machbare und die Umwelt schonende alternative Antriebe gibt es derzeit nicht. Den Benzinmotor einfach durch die Batterie zu ersetzen, ist zu kurz gedacht.

Adlers Lösung lautet zunächst und vor allem: Das Auto zurückdrängen. Ein Großteil der Autofahrten wird sowieso im Nahbereich unternommen, die insbesondere in Großstädten mühelos zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt werden können. Seine Hoffnung setzt Adler dabei auf die kommenden Generationen, bei denen das Auto als Statussymbol ausgedient, seinen Sex-Appeal verloren hat.

Die neue Mobilität, für die Adler einen Wendepunkt um 2020 sieht, ist vielfältig. Fußgänger und Radfahrer haben mehr Raum, Bahn und Bus sind gestärkt, verbinden großflächig und länderübergreifend ganze Regionen. Verleihsysteme sind an der Tagesordnung, vom Car Sharing bis hin zum Verleihe von Elektrofahrrädern.

Adlers Buch leistet einen wichtigen Beitrag zu einer notwendigen Zukunftsdiskussion. Alternative Szenarien werden kompakt und anschaulich geschildert. Und natürlich auch mit einer politischen Intention. Adler möchte für seine Alternative, die aus seiner Sicht die unsere sein muss, mobilisieren.


Das Prinzip Dringlichkeit: Schnell und konsequent handeln im Management
Das Prinzip Dringlichkeit: Schnell und konsequent handeln im Management
von John P. Kotter
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,90

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Dringlichkeit in Zeiten des permanenten Wandels, 28. März 2011
Wir leben in einer Zeit ständiger Veränderungen. Es gilt ständig wachsam zu sein, Risiken und Chancen im Umfeld zu erkennen und entschlossen zu nutzen. Dazu muss im Unternehmen und bei jedem Mitarbeiter ein Gefühl für die Dringlichkeit vorhanden sein, Risiken abzuwenden und Chancen zu ergreifen.

Feinde der Dringlichkeit sind Selbstgefälligkeit und blinder Aktionismus. Selbstgefälligkeit resultiert aus vergangenen Erfolgen und führt zu Untätigkeit. Aktionismus resultiert aus vergangenen Misserfolgen, ist angstgetrieben, verbraucht Ressourcen und verschleißt die Mitarbeiter, ohne zu produktiven Ergebnissen zu führen.

Das ist die Kernthese von John P. Kotters Buch 'Das Prinzip Dringlichkeit'. Und sehr viel mehr hat Kotter auf knapp 200 Seiten auch nicht zu bieten. Es folgt der Hinweis auf Taktiken, um ein Gefühl für Dringlichkeit überhaupt erst einmal zu erzeugen. Taktik 1 etwa rät, das Unternehmen mit der Realität im Markt und im Umfeld zu konfrontieren, indem man Kunden zu Veranstaltungen einlädt oder Videos mit Kundenstatements dreht.

Das ist alles vernünftig und richtig. Positiv zu vermerken ist auch, dass sich Kotter eines wichtigen Themas annimmt. Gleichwohl ist vieles eher banal, der Gewinn für die Praxis eher begrenzt, auch wenn Kotter ankündigt, Dutzende praktische Tipps zu geben, und gegen Ende davor warnt, zu viele seiner Tipps auf einmal zu befolgen.


Thomas Harlan. Hitler war meine Mitgift. Ein Gespräch mit Jean-Pierre Stephan: Gesammelte Werke in Einzelausgaben. Band 1
Thomas Harlan. Hitler war meine Mitgift. Ein Gespräch mit Jean-Pierre Stephan: Gesammelte Werke in Einzelausgaben. Band 1
von Thomas Harlan
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kämpfer und Wahrheitssucher, 24. März 2011
Thomas Harlan ist im Herbst 2010 verstorben. Der Rowohlt-Verlag hat aktuell eine Ausgabe der Romane und Erzählungen Harlans besorgt. Eingeleitet wird die Werkausgabe durch ein Interviewbuch.

Geführt wird das Gespräch von Jean-Pierre Stephan. Letzterer war Redakteur für die Talkshow 'Boulevard Bio' und auf der Suche nach Gesprächspartnern, möglichst neuen, bisher nicht gesehenen. Bei seiner Suche ist er auf Thomas Harlan gestoßen, war sofort von der Persönlichkeit und Wortmächtigkeit Harlans beeindruckt.

Das Interviewbuch durchstreift die Stationen eines bewegten Lebens. Harlan ist Sohn der Schauspielerin Hilde Körber und des Schauspielers und Regisseurs Veit Harlan. Beide waren feste Größen im Regime der Nationalsozialisten, verkehrten mit Goebbels. Sein Vater war Regisseur des berühmt-berüchtigten antisemitischen Hetzfilms 'Jud Süß' und wurde als einziger Künstler bei den Nürnberger Prozessen angeklagt.

Von dem Ausgangspunkt ist das weitere Leben Harlans zu verstehen. 'Ich bin der Sohn meiner Eltern. Das ist eine Katastrophe. Die hat mich bestimmt', so Harlan.

Thomas Harlans Leben ist bewegt, unstet, stets auf der Suche nach Wahrheit und im Kampf für die als gerecht und richtig empfundene Sache. Harlan arbeitet sich in Warschau durch Dokumente und Archive hindurch, um Organisation und Verantwortliche von nationalsozialistischen Verbrechen ausfindig und dingfest zu machen. Die Dokumente leitet er an deutsche Justizbehörden. Er betätigt sich in Amerika als Geldeintreiber und Finanzier für Aufständische. Er ist im Auftrag von Untergrundbewegungen mit Aufträgen und Missionen unterwegs. Er unterstützt deutsche Terroristen beim Abtauchen. Er filmt die Nelkenrevolution in Portugal.

Dabei gerät er zwischen alle Fronten. Der Eiserne Vorhang ist für ihn durchlässig. Er wohnt in Warschau, in der DDR, pendelt dabei ständig in den Westen. Er fühlt sich den Genossen, der Partei zugehörig, ohne Mitglied zu sein. Er trifft auf Misstrauen, Ablehnung, verursacht Aufruhr und Skandale, gerät in teils lebensbedrohliche Konflikte. Ein schillerndes Leben wird für den Leser erkennbar, stets seinen 'Absichten' verpflichtet.


Meine Jahre mit Hamburg-Heiner: Logbücher
Meine Jahre mit Hamburg-Heiner: Logbücher
von Sven Regener
  Broschiert
Preis: EUR 19,95

24 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bloggen in Absurdistan, 21. März 2011
Sven Regener bloggt, für die taz, für den Spiegel, zu Promotion-Zwecken für die neue Platte und die Tour. Das neue Buch, 'Meine Jahre mit Hamburg-Heiner', sammelt diese Blogs. Entstanden ist eine Art Internet-Tagebuch sowie eine fortlaufende Auseinandersetzung mit Hamburg-Heiner.

Regener steht dem Internet und der Blog-Kultur mit ironischer Distanz gegenüber. Er sieht im Blog offensiv vorgetragene Selbstbezüglichkeit. Konsequente Themenorientierung und stringente Argumentation findet im Internet nicht statt. Recherche übrigens auch nicht. Das Internet ist für Regener ein Medium für Behauptungen.

Auch die Kommentare zum jeweiligen Posting werden nicht eingefügt, um eine Debatte in Gang zu bringen. Jeder sucht nur die für ihn relevanten Stichworte, um nur für ihn relevante Behauptungen zum Besten zu geben. So spricht jeder für sich und alle aneinander vorbei.

Gleichwohl benötigt der Blogger Regener einen Ansprechpartner, einen Bezugspunkt. Den sucht und findet er in Hamburg-Heiner. Hamburg-Heiner ist meist per Telefon zugeschaltet. Bei der Reise der Band Element of Crime in die USA sitzt Hamburg-Heiner im Hotel-eigenen Starbucks auf Beobachtungsposten. Hamburg-Heiner schimpft, grantelt, weist auf sachliche und sprachliche Fehler hin, auf unlogische Argumentationen und fehlgeleitete Zielsetzungen. Diese Dialoge geben dem Buch die Würze.

Über äußere Ereignisse erfährt man wenig. Der Tour-Blog der Band Element of Crime berichtet kaum über die Tour und die Konzerte. Die Bandmitglieder wollen im ersten Tour-Blog auch gar nicht genannt werden. Und Hamburg-Heiner ist zur Stelle und fordert endlich Inhalt. Aber wer Spaß an absurden Blödeleien und Witzen hat, an Wortspielen, an ironischen Personen- und Situationsbeschreibungen, der ist mit Regeners Blogs bestens bedient. Im guten alten Medium Buch zusammengestellt, ergeben sie eine leichte und vergnügliche Lektüre.


Die kleine Stadt: Roman (Fischer Klassik)
Die kleine Stadt: Roman (Fischer Klassik)
von Heinrich Mann
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,00

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Stimmengewirr, 16. März 2011
Um es gleich vorweg zu sagen: den rechten Zugang zum Buch habe ich nicht gefunden.

Eine kleine Stadt in Italien wird durch die Ankunft einer Theatertruppe in Aufruhr versetzt. Auftreten und Erscheinung der Theaterleute fallen aus dem kleinstädtischen Rahmen, wecken Neugier und Spottlust, heimliche Begierden und heftige Ablehnung.

Die Proben und die Aufführung werden von intensiver Anteilnahme begleitet. Zwei Parteien formieren sich: Die Fortschrittlichen, angeführt von dem Advokaten, die das Stück befürworten, und die Reaktionären, die sich um den Dorfpriester versammeln, die das Stück als Teufelswerk ablehnen.

Das Stück löst viel in den Dorfbewohnern aus. Heimlich gehegte Liebessehnsüchte werden offen ausgelebt. Die Spannungen zwischen den Fortschrittlichen und den Reaktionären spitzen sich zu und entladen sich in einem gewaltsamen Konflikt. Die Arbeiter werden sich ihrer Benachteiligung durch die Honoratioren des Dorfes bewusst und lehnen sich auf. Dies mag als Folge von Kunstrezeption interpretiert werden.

Dutzende Personen treten im Verlauf des Buches auf. Das ganze Buch ist ein Stimmengewirr, ein Durcheinanderrufen. Diese Erzählanlage macht die Lektüre etwas sperrig und beeinträchtigt die Lesefreude.


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