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Rezensionen verfasst von
Ute Seiberth

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Der Himmel ist kein Ort: Roman
Der Himmel ist kein Ort: Roman
von Dieter Wellershoff
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

26 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bestandsaufnahme religiöser Befindlichkeit, 13. Oktober 2009
Mich hat die Geschichte über die existentielle Krise eines jungen evangelischen Pfarrers, der eine Pfarrstelle in der Provinz angetreten hat, sehr angerührt. Mit sich allein und verlassen von seiner Freundin, die sich ein Leben als Pfarrfrau nicht vorstellen kann, versucht er, seinem Beruf so gut wie möglich nachzukommen. Als er aber als Notfall-Seelsorger zu einem schweren Autounfall gerufen wird, beginnen seine Zweifel an sich und an seiner Religion. Wellershoff hat dieses persönliche Dilemma sehr einfühlsam dargestellt, samt den Fragen und Unsicherheiten moderner Christen heute. Es wird kein Kriminalfall gezeichnet, sondern eine Art Bestandsaufnahme von religiösen Befindlichkeiten in unserer modernen Zeit. Das kann einen sehr nachdenklich stimmen!


Der Turm: Geschichte aus einem versunkenen Land. Roman
Der Turm: Geschichte aus einem versunkenen Land. Roman
von Uwe Tellkamp
  Gebundene Ausgabe

4 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Roman über Bourgeoisie im Sozialismus, 1. März 2009
Der Familienverband um das Ehepaar Anne und Richard Hoffmann steht im Mittelpunkt dieses DDR-Romans, der in einem der wenigen Villenviertel von Dresden angesiedelt ist. Es handelt sich offenbar um typische Vertreter der nicht erwünschten Bourgeosie im Sozialismus, die sich in einer Nische eingerichtet haben. Man spielt Hausmusik, schätzt Literatur und pflegt intellektuellen Austausch mit anderen Gleichgesinnten. Richard ist Arzt, seine Frau Anne Krankenschwester. Beide sind immer kurz davor aufzubegehren gegen die Schwierigkeiten des DDR-Alltags. Der ältere der beiden Söhne ist sehr eigenwillig und manchmal auch aufmüpfig. Er möchte ebenfalls Medizin studieren. Das wird ihm aber nach einem "Fehlverhalten" fast unmöglich gemacht. Er wird mir einer besonders harten Ausbildung bei der NVA bestraft. Selbst wenn diese Briefe aus den Trainingslagern der NVA von dem jugendlichen Schreiber übertrieben worden sein sollten, so bleibt immer noch ein haarsträubender Rest übrig. Mt der Figur des Christian kann der Leser mitfühlen. Sein ruhiger Onkel Meno, der ebenso beruflich ausweichen musste und nun als Lektor bei einem Wissenschaftsverlag arbeitet, wird einem ebenso ans Herz wachsen.
Tellkamp schildert sehr liebevoll und manchmal auch recht humorvoll seine Protagonisten, in deren Situation man sich sehr gut hineinversetzen kann. Die vielen Alltagssituationen schildern den manchmal grotesken Alltag, z.B. das Belohnungssystem, das Anstellen an Schlangen und den Erhalt von Westwaren über Beziehungen sehr anschaulich. Allerdings wird dadurch manchmal der Lesefluss etwas unterbrochen. Bei allen Schilderungen steht immer die Sorge der System-Außenseiter im Raum, wegen ihres Andersseins bespitzelt zu werden.
Am Ende spürt man das Brodeln unter der Decke sehr deutlich, auch in dieser Familie, das dann in der Maueröffnung im Herbst 1989 mündet.
Tellkamps Sprache und seine Figuren haben mir sehr gut gefallen und ich glaube, dass diese Familiengeschichte eine gute Diskussionsgrundlage zum 20. Jahrestag des Mauerfalls 2009 darstellt.


Beerensommer
Beerensommer
von Inge Barth-Grözinger
  Gebundene Ausgabe

29 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Warmherziger Familienroman, 11. Mai 2007
Rezension bezieht sich auf: Beerensommer (Gebundene Ausgabe)
Ich möchte diesen Jugendroman - in dem die Autorin überzeugend und realitätsnahe eine Freundschaft zwischen zwei äußerst unterschiedlichen Jungen schildert - sowohl Jugendlichen als deren Eltern anempfehlen!

Die Familiengeschichte spielt in einem kleinen Dorf im Schwarzwald zu Beginn unseres Jahrhunderts, als soziale Unterschiede in der Dorfgemeinschaft noch ein sehr große Rolle spielten. Auf der einen Seite steht der Junge Johannes, ein künstlerisch begabtes uneheliches Kind, das nach frühen Tod seiner Mutter bei der Großmutter im sogenannten "Armenhaus" aufwächst. Auf der Gegenseite steht der Junge Friedrich, der mit seiner Mutter und seinen Geschwistern ebenfalls unvermittelt in das Armenhaus ziehen muss, nachdem der angesehene Vater - angesichts des Bankrotts seiner Firma - Selbstmord begangen hat. Der halbwüchsige Friedrich reagiert auf die abrupte Veränderung des sozialen Umfelds trotzig und verbittert. Er moblilisiert alle sein Kräfte, um aus der prekär empfundenen Situation wieder herauszukommen. Johannes begreift die schlimme Lage von Friedrich und kommt ihm freundlich entgegen. So beginnt eine seltsame Freundschaft.

Der Weltkrieg und der aufziehende Nationalsozialismus treibt die Freunde schließlich in gegesätzliche politische Positionen. Als sie sich zudem später wegen einer Frau gegenseitig in die Quere kommen, schlägt die Freundschaft in Feindschaft um.

Den Bezug zur heutigen Zeit stellt eine Unrenkelin von Johannes dar,

die mit ihrer Mutter im heutigen Berlin lebt. Nach dem Krebs-Tod der Mutter versucht diese Frau, bei ihren Verwandten im Schwarzwald mehr über ihre eigene Familiengeschichte zu erfahren.

Die Geschichte vermittelt sehr eindrücklich und lebensnah die schwierigen Verhältnisse der Zeit, als Armenhaus-Kinder durch den Verkauf von Beeren und Kräutern an Apotheken und Sanatorien versuchen mussten, ihr kärgliches Leben etwas aufzubessern.

Beerensommer ist ein sehr warmherziger Familienroman, den möglichst viele Leute lesen sollten!
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 19, 2014 11:47 AM CET


Von der Schönheit: Roman
Von der Schönheit: Roman
von Zadie Smith
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,90

4 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lesenswerter Familienroman, 11. Dezember 2006
Rezension bezieht sich auf: Von der Schönheit: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ich habe mich mit großer Freude auf den neuen Roman von Zadie Smith gestürzt in der Hoffnung, ein ähnlich spritzig-witziges Buch vorzufinden wie ihren ersten Roman "Zähne zeigen". In diesem Punkt wurde ich allerdings leider ein bisschen enttäuscht. In diesem Familienroman, der vorwiegend in Amerika spielt, ist Zadie Smith zwar ihrem Thema treu geblieben - nämlich der gemischten Familie aus "black and white", die sie besonders liebevoll und verständnisvoll schildert -, das witzige Formulierungsfeuerwerk zündet aber weniger, als in ihrem letzten Buch. Es ist aber durchaus amüsant, die beiden konträren Familiensituationen zu verfolgen: Hier der liberale Engländer Howard Belsey, der mit einer früheren farbigen Schönheit verheiratet ist und mit ihr 3 Kinder hat, dort der super konservative Monty Kipps aus Haiti mit Familie, der sehr charismatisch ist und die christlichen Werte wiederbeleben möchte. Diese unterschiedlichen Charaktere werden ausgerechnet an dieselbe Universität in einem beschaulichen Universitätssädtchen berufen und die familiären Verwicklungen nehmen ihren Lauf... Alles in allem ist das Buch ein wirklich sehr lesenswerter Familienroman, der sich besonders gut für Frauen eignet.


Erbin des verlorenen Landes
Erbin des verlorenen Landes
von Kiran Desai
  Gebundene Ausgabe

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Anrührender Sprung zwischen Erlebniswelten, 10. November 2006
Es ist kein Wunder, dass die junge Inderin Kiran Desai für diesen Roman, ihr zweiter, eine Auszeichnung bekommen hat!

Das Buch spielt während des Ghurka-Aufstandes in den 80er Jahren in einem im Umbruch befindlichen Indien. Er zeigt deutlich die Leere nach dem Abzug des ungeliebten britischen Empires und die Schmerzen einer "Kolonialneurose", die offenbar das ganze Land erfaßt hatte. Im Mittelpunkt der Geschichte steht ein alter skurrile indischer Richter, natürlich britisch ausgebildet, der seinem Hund mehr zugetan ist als den Menschen, sowie sein indischer Koch samt dessen Sohn Biju und seine, ihm unerwünschte, Enkelin Sai. Mit leichter Feder, ironisch und lapidar springt die Autorin zwischen den Erlebniswelten in Indien und den leider nicht sehr aufregenden Erlebnissen des Sohnes Biju als illegaler Einwanderer in Amerika hin und her. Es ist manchmal so köstlich beschrieben, dass man nur schmunzeln kann, denn die Autorin nimmt ihre Figuren nicht ganz so bitter ernst. Hinter dieser Leichtigkeit verbirgt sich manchmal die Melancholie der vom Leben geschundenen Personen diesseits und jenseits des Atlantiks. Das ist einfach anrührend.

Ich kann nur empfehlen, dieses Buch so schnell wie möglich zu lesen!


Eine ganz normale Familie
Eine ganz normale Familie
von Werner Köhler
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,95

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Verständnisvolles Gesellschaftsbild, 27. Oktober 2006
Rezension bezieht sich auf: Eine ganz normale Familie (Taschenbuch)
Mir gefällt dieser aktuelle Familienroman besonders gut, weil er eine Momentaufnahme unserer momentanen gesellschaftlichen Situatiuon ist. Diese ganz normale Familie hat es zu etwas gebracht, weil Vater es geschafft hat, sich in einem Konzern hochzuarbeiten. Das entsprechende Haus ist gekauft und fast abbezahlt, die beiden Kinder sind Teenies mit den entsprechenden Problemen. Allerdings hat es den Jungen besonders hart getroffen, weil er durch eine idiotische Wette einen Unfall verursacht, der ihn in den Rollstuhl bringt. Werner Köhler beschreibt alle Figuren so verständnisvoll, wie ich es schon lange nicht mehr erlebt habe. Selbst als der gestresste Vater einen Zusammenbruch hat und seine Arbeit verliert, gibt er seinen Figuren einen gangbaren Ausweg, mit dem sie leben können, auch wenn es gesellschaftlich ein Abstieg ist. Ich kann diesen Roman nur empfehlen, denn er scheint mir sehr realistisch zu sein!


Vindings Spiel: Roman
Vindings Spiel: Roman
von Ketil Bjørnstad
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 10,99

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Liebeserklärung an die klassische Musik, 30. August 2006
Rezension bezieht sich auf: Vindings Spiel: Roman (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch spielt in den 60-ger Jahren in Norwegen und handelt von einem jungen Mann, der sich in den Kopf gesetzt hat, Pianist zu werden. Im Mittelpunkt steht der etwa 15-jährige Aksel Vinding, der glaubt, am frühen Tod seiner geliebten Mutter mitschuldig zu sein, die bei einem Badeunfall ums Leben kam. Er bricht heimlich die Schule ab und konzentriert sich nur noch auf das Klavierspielen, weil er meint seine Mutter hätte das so gewollt. Er verliebt sich in ein für ihn unerreichbares Mädchen, das von seinem Vater sehr von der Außenwelt abgeschirmt wird. Seine ersten erotischen Versuche und seine unerfüllte erste große Jugendliebe werden sehr verständnisvoll erzählt. In diesem Roman sieht man auch, wie mühsam und anstrengend eine Pianisten-Karriere sein kann. Das ist wohl deshalb so glaubwürdig dargestellt, weil der Autor unter anderem selbst ein Pianist ist. Das Erwachsenwerden des Jungen ist psychologisch interessant dargestellt. Aber vor allem ist das Buch eine Liebeserklärung an die klassische Musik. Ich kann es nur empfehlen, vor allem Musikfreunden!


Ausnahme: Roman
Ausnahme: Roman
von Christian Jungersen
  Gebundene Ausgabe

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Überzeugendes Erstlingswerk, 7. August 2006
Rezension bezieht sich auf: Ausnahme: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ich fand es verblüffend, dass sich hinter diesem harmlosen Titel ein handfester Psychothriller verbirgt! Jungersen schildert in seinem Erstlingsroman die Arbeitssituation von vier Frauen, die an einem kleinen dänischen Institut an der Dokumentation von Völkermorden in aller Welt arbeiten.

Jungersen läßt diese Frauen sachlich und unsentimental ihre Lebenssituation und ihre Sicht auf die Inhalte ihrer Tätigkeit erzählen. Dabei kommen auch diejenigen Sorgen und Wünsche zu Tage, die aus Angst vor beruflicher Disqualifizierung vor den anderen Kolleginnen verborgen bleiben sollen. Nur zwei der Damen sind miteinander befreundet und sie versuchen, die beiden anderen in einer klassischen Mobbing-Situation auszuschließen. Die privaten Ängste und Phantasien der Frauen eskalieren, als zwei der Kolleginnen eine anonyme Morddrohung per Mail bekommen. Das Wissen um das Böse in den Tätern der Genozide und um die psychische Antastbarkeit des Menschen vermischen sich und treiben groteske Blüten. Trotz aller Absurdität sind die Ereignisse nicht weit weg von der heutigen Realität. Das hat mich erschüttert und ich hoffe, dass sich noch mehr Leser diesen Roman vornehmen und ein bisschen nachdenklich werden. Für ein Erstlingswerk ist der Roman außerordentlich spannend geschrieben.


Das Leben ein Fest: Roman
Das Leben ein Fest: Roman
von Elsie Johansson
  Gebundene Ausgabe

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Poetisch und kompromisslos, 7. August 2006
Rezension bezieht sich auf: Das Leben ein Fest: Roman (Gebundene Ausgabe)
Man sollte sich von dem optimistischen Titel nicht täuschen lassen. Hier werden Lebensgeschichten erzählt, die es in sich haben. Der Roman spielt im Schweden der 40er Jahre. Im Mittelpunkt steht die junge Nancy, die mit ihrer bäuerlichen Familie im ärmlichen Teil Schwedens lebt. Der frühe und plötzliche Tod des Vaters, der als Arbeiter in einem Sägewerk schuftet, bringt das Leben von Mutter und Tochter völlig aus dem Gleis. Die Beiden müssen sehen, wie sie sich mit den damals wenigen Verdienstmöglichkeiten über Wasser halten: Die Mutter arbeitet als Heimarbeiterin und Nancy kann als Postbotin ihren Wunsch nach Ausbildung und Studium vergessen. Der Krieg in Europa wirft zudem noch seine Schatten auf Schweden. Es ist erstaunlich, wie abwechselnd poetisch und kompromisslos die Situation von Mutter, Tochter und den Geschwistern erzählt wird - ganz unsentimental und ohne Schnörkel. Kein Wunder, dass die Autorin für ihre 3 Bücher über die Figur "Nancy" - die früheren Bände heißen: "Licht im Winter" und "Mittsommertanz", die man der Vollständigkeit halber auch lesen sollte - bereits eine literarische Auszeichnung bekommen hat.


Die Liebermann-Papiere: Roman
Die Liebermann-Papiere: Roman
von Frank Tallis
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,00

10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Krimi und Kulturstudie, 20. Juli 2006
Rezension bezieht sich auf: Die Liebermann-Papiere: Roman (Taschenbuch)
Wer in eine andere Kultur-Epoche eintauchen will, der sollte diesen Kriminalroman lesen. Er spielt um die Jahrhundertwende in Wien und schildert in athmosphärischer Dichte die Lebensumstände der damaligen Gesellschaft. Im Mittelpunkt steht der junge Arzt Max Liebermann, der mit dem Polizisten Reinhardt befreundet ist. Dieser wird mit einem Fall konfrontiert, vor dem die Polizei wie vor einem Rätsel steht: eine junge, attraktive Frau, die ihren Lebensunterhalt mit Geisterbeschwörung verdiente, wurde unter mysteriösen Umständen ermordet. Der Polizist Reinhardt bittet seinen Freund Liebermann um Rat. Tatsächlich kann dieser mit den neuen Methoden Siegmund Freuds erstaunliches über die Psyche des Menschen zu Tage förden und damit entscheidend in die Lösung des Falles eingreifen.

Der Autor nimmt den Leser mit in die Welt Siegmund Freuds und beleuchtet dabei die Zeitumstände der Entstehung der Psychoanalyse. Die Aufklärung des Mordes wird von dieser Kulturstudie leider etwas in den Hintergrund gedrängt.

Da dieser Band der erste Band einer Trilogie um den jungen Arzt Liebermann ist, freue ich mich aber schon sehr auf die Fortsetzung!


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