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Rezensionen verfasst von
A. Rieble
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Bernadette Soubirous: Visionen und Wunderheilungen
Bernadette Soubirous: Visionen und Wunderheilungen
von Patrick Dondelinger
  Broschiert
Preis: EUR 9,95

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Themaverfehlung, 28. August 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Patrick Dondelingers "Bernadette Soubirous" ist in zwei Teile untergliedert, in einen kürzeren, der knapp und informativ Bernadettes Lebensumstände und 18 Visionen beschreibt, und einen längeren deutenden Teil, der dem eigentlichen Anliegen des Autors entspricht. Sein offensichtlicher Ehrgeiz besteht darin, sich von allen früheren Darstellungsmustern zu trennen und in allem einer anthropologischen Sichtweise nachzuspüren, der er sich in seinem Nachwort durch diesbezügliche Überlegungen Joseph Ratzingers versichern möchte. Dondelinger verliert sich jedoch in mythische Welten des Volksglaubens und des kollektiven Unbewußten, gesellschaftlich und zeitgeschichtlich bedingter Haltungen, Vorstellungen, Erwartungen und Wertungen, beschränkt sich also auf eine rein innerweltliche Denkebene. Die eigentliche theologische Perspektiven gehen dabei völlig unter. Diese würden lauten: Wie handelt Gott am Menschen in seiner geschichtlich verfaßten Kirche? Welchen Bezug haben die Geschehnisse von Lourdes zur Botschaft Jesu? Es müßte klar werden, daß religionsgeschichtliche Ergebnisse der Anthropologie und des Unbewußten nicht außerhalb des heilsgeschichtlichen Horizonts stehen. Diesen Bereich jedoch vermag der Universitätsprofessor nicht in seine wissenschaftliche Denkprinzipien zu integrieren. Es fragt sich freilich, ob er nicht den Nebenschauplatz pyrenäischer Vorstellungswelt zu einem Hauptschauplatz aufgebauscht hat.

Natürlich weiß der Verfasser, daß den Visionen Bernadettes die der Kinder von La Salette (1846) und der Nonne Catherine Labouré (1830) vorangegangen sind, da er aber kirchengeschichtliche Denkkategorien ausklammert, kümmert er sich nicht um die inneren Zusammenhänge dieser drei Erscheinungen.

Die Lektüre des Buches wirft einmal mehr die Frage auf, welchen Wert theologische Wissenschaft ohne Erleuchtung und Führung durch den Glauben hat. Relativierende innerweltliche Rationalität wird ihr nicht gerecht.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 9, 2010 11:03 PM CET


Der dunkle Spiegel: Roman
Der dunkle Spiegel: Roman
von Andrea Schacht
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,50

14 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Literarische Glaubwürdigkeit auf dem Prüfstand, 31. August 2007
Rezension bezieht sich auf: Der dunkle Spiegel: Roman (Taschenbuch)
Ich kann mich früheren Rezensionen fast uneingeschränkt anschließen: Andrea Schacht schreibt gewandt und entwirft sympathische Figuren, weswegen man literarische Schwächen nachzusehen geneigt ist. Der Leser erwartet auch eine gewisse historische Authentizität und Stimmigkeit der Charaktere. Drei Dinge sind mir dabei weniger angenehm aufgefallen: Pater Ivo klärt Almut auf, daß ihre bronzene Marienstatue eigentlich die Göttin ISIS darstellt. Almut könne vor dieser Statue weiter zu Maria beten, doch wenn sie in großer Not sei, dann solle sie sie mit ihrem alten Namen ISIS anrufen. Hier geht es weniger um einen historisch unglaubwürdigen Ausrutscher, sondern um die Einführung eines esoterischen bzw. Mystery-Elements, dem die Verfasserin - aus welchen Gründen auch immer - nicht widerstanden hat. Damit werden Erzählelemente christlicher Frömmigkeit mit einem Schlag entwertet.
Auch die Einbeziehung von Homosexualität ist heutzutage schick. Deshalb verwundert es zunächst, wie Almut darüber zu Maria spricht: "Wie konnte sich de Lipa so an einem jungen Mann vergehen, der seinem Schutz anvertraut wurde?" Und Pater Ivo spricht von einer rätselhaften Veränderung des jungen Mannes. Am Schluß des Buches aber scheint sich die Verfasserin zu besinnen, daß man sich über Homosexualität nur positiv äußeren dürfe. Daher läßt sie Almut behaupten, zwischen beiden habe gegenseitige Liebe bestanden: "De Lipa liebte Jean und wurde von ihm wiedergeliebt".
Seit auf dem 4. Laterankonzil 1215 Gottesurteile verboten wurden, schwanden diese aus dem Rechtsleben. Ein Gottesurteil an der Bahre eines Toten ist daher im 14. Jh. nicht mehr denkbar. Da die Autorin auf eine solche Zutat nicht verzichten wollte, garnierte sie diese zusätzlich mit dem angeblichen Erfordernis der Nacktheit der Probandin - eine voyeuristische Szene nicht nur für Notker den Dicken, sondern auch für den unkritischen Leser.
Der Leser sollte sich einerseits zwar an den Grundsatz halten, keine fiktionale Literatur zu genau unter die Lupe zu nehmen, andererseits möchte er sich bei allem legitimen Unterhaltungszweck noch ein Bewußtsein von eigentlicher Realität bewahren.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 5, 2012 10:05 AM CET


Das Geheminis der Drei. Kleine Kulturgeschichte der Trinität
Das Geheminis der Drei. Kleine Kulturgeschichte der Trinität
von Norbert Scholl
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 39,90

7 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Die Dreifaltigkeit als kirchengeschichtliches Konstrukt, 3. Februar 2006
Der Untertitel von Norbert Scholls neuester Buchveröffentlichung "Kleine Kulturgeschichte der Trinität" zeigt die Problematik ihres theologisch-wissenschaftlichen Charakters: Kulturgeschichte bezeichnet unter der Perspektive evolutionären Denkens das, was Menschen an Ideen und Erfindungen hervorgebracht und spätere Generationen aufgenommen und weiterentwickelt haben. Von der Perspektive christlichen Denkens jedoch ist Gott der Herr und Lenker der menschlichen Geschichte. Jede Phase menschlicher Geschichte leistet ihren unverwechselbaren und gültigen Beitrag zum Plan der Heilsgeschichte.
Der Autor gehört jener Generation von Exegeten an, die sich der historisch-kritischen Methode verschrieben haben und in der Entstehung und Entwicklung des Christentums schließlich nur Menschenwerk sehen. Menschlicher Geist bringt nicht überzeitlich Gültiges, sondern nur zeitgeschichtlich Bedingtes hervor. Dementsprechend lehnt der Verfasser die dogmatische Definition des einen Gottes in drei Personen ab (S.92f.) und möchte sie durch eine eigene Definition ersetzt wissen als "Gott-vor-uns – Gott-mit-uns – Gott-in-uns" (S.104ff.)
Scholls theologisches Anliegen geht indes weit über die Kritik an dogmatische Positionen der "römisch-katholischen Kirche" hinaus: In den Kapiteln VIII. und IX. plädiert er für einen Zusammenschluß aller Religionen zu einer Weltreligion, da "alle Religionen denselben Ursprung" haben (S.190f.). In diesem Sinne läßt er den deutsch-amerikanischen Theologen Paul F. Knitter zu Wort kommen: "Die christliche Theologie muss den jüdischen Zweifeln Rechnung tragen und zugestehen, dass Jesus in einem realen Sinn noch nicht der Messias gewesen ist. (...) Die Christen müssen den alten Anspruch aufgeben, in Christus habe sich die jüdische Messiashoffnung erfüllt." (S.183)
Was am Anfang der Lektüre nicht gleich erkennbar ist, zeigt sich am Ende in voller Deutlichkeit: Der Autor stellt seine wissenschaftliche Qualifikation ganz in den Dienst seiner religiösen Utopien.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 24, 2008 2:27 PM MEST


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