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Rezensionen verfasst von
Werner G. (Innsbruck)

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Rendered Waters
Rendered Waters
Preis: EUR 11,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Classics in neuem Soundgewand! - darkscene.at, 7. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Rendered Waters (Audio CD)
Neu aufgenommene Versionen alter Lieder sind ein zweischneidiges Schwert. Einerseits hat der Künstler ' wie im vorliegenden Fall ein gewisser Lenny Wolf ' sehr wohl das Anrecht drauf, damit zu machen was er will, andererseits muss sich der in der Regel übersättigte Konsument ernsthaft fragen, ob er gewillt ist, solche Aktionen mit seinen sauer verdienten Kröten zu unterstützen, wenn es eh schon ein kaum verbesserbares Original gibt. Bei den ersten drei Kingdom Come Alben "KC", "In Your Face" & "Hands Of Time" (zum Classic) muss man in der Tat von drei souverän klingenden Werken sprechen, die dazumal mit ihrem Major-Budget alle Kriterien locker erfüllten. Nur am Rande: die erste KC Scheibe aus dem Jahre 1988 mischte kein geringerer als Bob Rock (dazumal noch mit gut gespülten Löffeln am Arbeitsplatz).

Zumindest muss man dem in den auslaufenden Achtzigern äußerst erfolgreichen Lenny Wolf attestieren, dass er einige Gesangsmelodien (vor allem die Strophen betreffend) von Grund auf überarbeitet hat, sowie, dass manche Soundschattierung (z. B. mittels Samples) die jeweilige Atmosphäre in einem neuen Licht erstrahlen lässt ' sehr auffällig ist diese Modifizierung bei "I've Been Trying", "Pushing Hard" oder "Living Out Of Touch". Diese Klassiker haben laut Lenny im Laufe der Zeit infolge der Live Performance ihre Gestalt ohnehin verwandelt. Wenn man diese herrlich charmanten Rocker als Originale jedoch oft genug gehört hat, bedarf es einer dementsprechenden Eingewöhnungsphase, um mit selbigen warm zu werden. Aber um ganz ehrlich zu sein: obschon der aktuelle Sound rauer und deutlich wuchtiger ist - das Original bleibt in allen Fällen klar unerreicht. Macht weiter nichts, denn auf "Rendered Waters" gibt es neben diesen acht Neueinspielungen auch drei nagelneue Songs. "Blues Trees" kann dabei als simples Riff-Geschrubbe weniger überzeugen als die obligatorisch Moll-gefärbte Halbballade "Don't Remember" und der jäh Riff betonte Rausschmeißer "Break Down The Wall".

Diese drei Tracks beweisen abermals, dass Oberromantiker Lenny nach wie vor mit viel Ernst und Herzblut bei der Sache ist und seiner Linie treu bleibt, wenngleich die großen Zeiten seiner Truppe seit einer halben Ewigkeit passe sind. Weitere Fakten: Der Mastermind hat bis auf Schlagzeug und Gitarrensoli (Eric Förster übernahm diesen Job) alles selbst eingespielt und die Produktion geht ebenso auf sein Konto zurück. Lediglich das Mastering übernahm der in Berlin lebende Amerikaner Hanan Rubinstein.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 9, 2012 3:30 PM MEST


Ain't Crying for the Moon
Ain't Crying for the Moon

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Leider nicht so mehr stark wie einst! - darkscene.at, 7. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Ain't Crying for the Moon (Audio CD)
(Review aus dem Jahre 2006)

Kingdom Come gehören mehr oder weniger zu der Spezies, deren Werdegang ich schon längere Zeit nicht mehr verfolgt habe. Dass die letzten Alben "Independent" und "Perpetual" ziemlich modern geworden sind und in ein paar einschlägigen Blättern durchwegs gute Referenzen erhielten, war mir zwar bekannt, ein gepflegtes Rendevouz mit Nachwirkung hatte sich dennoch nie ergeben wollen.

Diese Moderne setzt sich auf "Ain't Crying For The Moon" spürbar fort, da hat man erneut Pro Tools und andere synthetische Mittel am Start, vermengt dies mit dem typischen KC Sound und lassen den Hörer des öfteren eintauchen, in diese Tristesse, in diese stets melancholische Welt des Herrn Wolf. Da kommt die trockene Produktion vom Cheffe eigentlich recht entgegen. Typische Trademarks weist das aktuelle Teil wie gesagt auf, aber diese Dichte, diese Leidenschaft und letztlich dieses gewisse Etwas, wie man es von den frühen Alben nur zu gut in Erinnerung trägt, kommt bedauerlicherweise nur selten zum Vorschein. Die stärkste Phase auf "Ain't Crying For The Moon" behaupte ich mal, ist gleich zu Beginn, wobei speziell im achtminütigen Titeltrack viel Herzblut (ein wahres Wechselbad an Gefühlen!) geflossen sein dürfte. Sicher, das am Promozettel gedruckte "die Gitarren krachen wieder vermehrt" (O-Ton Lenny) - außer "Darkroom" ist dies eben nur der (... und da sind wir wieder ->) starken Erstphase vorbehalten - mag schon stimmen, als Ganzes betrachtet ist's halt doch nur das Zünglein an der Waage. Daran vermag die ehrwürdige Hommage an Bon Scott, das gelungene Beatles Cover "Across The Universe" oder die Neueinspielung des 1988 Klassikers "Get It On" am Ende nur wenig zu rütteln.


Ride the Lightning
Ride the Lightning
Preis: EUR 9,99

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gehört zu den TOP- 3 Scheiben der Kalifornier - darkscene.at, 7. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Ride the Lightning (Audio CD)
Während für viele Headbanger das alles überstrahlende 1986er Masterpiece "Master Of Puppets" rückblickend als die Einstiegsdroge zum "richtig harten Sound" gilt und mein älterer Bruder jene sogar in den Jahren 1986/87 endlos am Plattenteller rotieren ließ, begann ich erst mit leichter Verspätung allmählich zu begreifen, welch enorme Energie und Wucht sich hinter solchen Klängen verbirgt. Obwohl Ac/dc und Iron Maiden noch hoch im Kurs standen, würde der Thrash Metal samt seinen wichtigen und weniger bekannten Namen in meiner audiophilen Welt fast alles verdrängen, was nicht schnell und heavy genug war, zumindest für eine bestimmte Zeit. Auch wenn die Initialzündung erst im unvergesslichen Frühjahr 1988 folgte: das eben erworbene "Ride The Lightning" Album öffnete mir unwiderruflich die Pforten zum Speed & Thrash Metal.

Wie mag es wohl gewesen sein, als die jenigen, die "Kill'em all" bereits in ihr Herz geschlossen hatten, die Tage bis zum Release - es soll der 30. Juli 1984 gewesen sein - von "Ride The Lightning" zählten? Wenn man mit Zeitzeugen darüber plaudert, gehen die Meinungen teils auseinander. Die ersten Reaktionen reichten damals von Vorwürfen der Kommerz Anbiederung (!) bis hin zu den höchsten Glorifizierungen eines künftigen Meilensteins. Nach mittlerweile 27 Jahren darf man jedoch mit Fug und Recht behaupten: diese Veröffentlichung gehört zu den essentiellsten der gesamten Rock & Metal Historie überhaupt.

Tatsache ist, dass Metallica für "Ride The Lightning" die raue Attitüde des Debüts zwar nahezu eliminiert hatten, in Sachen Songwriting dafür einen enormen Reifeprozess durchliefen. Retrospektive meint die Band, dass Bassist Cliff Burton, der während der "Kill'em All" Sessions sich nur bescheiden einbringen konnte, der Gruppe plötzlich völlig neue Türen öffnete. Immerhin waren es sechs Stücke, die er mit den Hauptsongwritern Hetfield/Ulrich komponiert hat. Bemerkenswert: die zwei von der Band wohl am wenigsten beachteten Songs "Trapped Under Ice" und "Escape", weisen keine Burton Credits auf. Ebenso vermochte Lead Gitarrist Kirk Hammett, der den mit Megadeth später durchstartenden Dave Mustaine ersetzte, sich deutlich besser einzufügen als noch ein Jahr zuvor. "Fade To Black", die erste Ballade in Metallica's Repertoire, dürfte wohl der einzige Auslöser für die Herren Kritiker gewesen sein, der Band diese Verweichlichung (!) anzukreiden. Doch sind wir uns ehrlich: was, außer Slayer oder Venom, war in jenen Tagen wirklich härter?

Der Besuch auf dem alten Kontinent. Das Quartett hatte aufgrund des dazumal günstigen Wechselkurses entschieden, "Ride The Lightning" in Lars' Heimat Dänemark aufzunehmen, um gleich bei einem gewissen Herrn Flemming Rasmussen (Sweet Silence Studios) anzuklopfen. Ausschlaggebend für diese Entscheidung soll der glanzvolle Sound von Rainbow's "Difficult To Cure" (VÖ: 1981) gewesen sein. Auch wenn man die widrigen Umständen (Recordings aus Kostengründen nur nachts, das Schlafgemach direkt im Studio) bedenkt, dürfte dies eine der weisesten Entscheidungen der gesamten Karriere gewesen sein, denn so druckvoll wie "Ride The Lightning" klang keine andere Heavy Metal Scheibe, zumindest im Jahre 1984. Der inzwischen zur Legende gekürte Toningenieur (später auch für Artillery, Blind Guardian, Pretty Maids u. v. a. Mentor) puschte die Quadriga mit seinen Arbeiten bekanntermaßen von 1984 ' 1988 in derartige Erfolgssphären, von denen das Gros der Genremitbegründer trotz größtem Ehrgeiz nur träumen durfte.

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, welch heftige Eruption das eröffnende Speed Spektakel "Fight Fire With Fire" nach dem scheinheiligen Akustikintro auf unserer bescheidenen HiFi Anlage auslöste (genau genommen stammt das Stück noch aus den früheren Tagen, Dave Mustaine wird bei den Credits ebenso genannt). Während meine Lauscher Milchschäumergleich vibrierten, folgte auch schon der abschließende Bombenabwurf und nahtlos dieser sensationelle, von herrlichen Breaks gesäumte Titeltrack, welcher mich nicht nur beim Anblick des Coverartworks mit gut 50000 Volt versorgte ' was für eine Intensität!!! Hetfield's Lyrics verjagten bald darauf sämtliche Alltagsgedanken und irgend "etwas" föhnte mir meine Haarpracht regelmäßig gen Süden ... irgendwann später erfuhr ich, dass man dieses "etwas" auch Stakkatoriff zu nennen pflegt.

"For Whom The Bell Tolls" bietet nach jenem furiosen Starterdoppelpack die erste Gelegenheit, wieder etwas mehr Sauerstoff in die Birne zu kriegen: obwohl einer der langsameren, gehört er aber zugleich zu den gewaltigsten Tracks der kompletten Metallica Discograhie, dessen eingängige Bridge/Refrain Parts wahrscheinlich jeder, der irgendwann mit Metallica oder Heavy Metal generell in Berührung kam, selbst im Tiefschlaf auswendig kennt. Aber was muss ich euch schon groß erzählen? Und auch das angesprochene "Fade To Black" gehört in die Riege der beliebtesten Metallica Songs. Die Halbballade, die aus der Sicht eines aus dem Leben scheidenden Menschen erzählt, bietet ein dementsprechend ein dramatisches Finale. Via "Welcome Home" (auf "Master Of Puppets") und "One" (auf "' And Justice For All") wurde jene kluge Strategie, eine gen Ende härter werdende Ballade an die vierte Position zu setzen, konsequent fortgeführt '

Auch die zweite Seite von "Ride The Lightning" hält das "Metal-Stangel-Fieber" im roten Bereich. Das fetzige "Trapped Under Ice" leitet den herrlichen Reigen sattelfest ein, ehe "Escape" sich als solides, aber nicht ganz so betörendes Midtempo Stück beweist. Und bei "Creeping Death" handelt es sich schliesslich - wie wir alle nur zu gut wissen - um ein Schnitzel von einer Mitsinghymne, denn neben "For Whom The Bell Tolls" ist dies einer der meist gespielten LIVE Songs der kompletten Metallica Diskographie ever. Da gibt's nix zu rütteln. Was vielleicht nicht jeder weiß: die Songbasics hierzu hatte Flitzefinger Hammett von seiner Ex-Combo Exodus (Originaltitel: "Die By The Sword") mitgenommen. Die Maxi Auskoppelung von "Creeping Death" enthält darüber hinaus zwei fantastische Coverversionen aus der NWoBHM Ära: zum Einen "Am I Evil?" von Diamond Head und zum anderen Blitzkrieg's gleichnamigen Track. Doch zurück zu "Ride The Lightning". Abgeschlossen wird dieses Prachtstück von "The Call Of Ctulu" (der Titel deutet an, dass H. P. Lovecraft's Werke James Hetfield noch öfter inspirieren werden). Hier zeigte das Quartett eine ganz andere Seite, die mit "Orion" zwei Jahre später Nachschub erhält: ein ruhig beginnendes und lang gezogenes Instrumental, das sich von Minute zu Minute steigert und am Ende in ein pures Bombast Szenario mündet.

Es dürfte kein Zufall sein, dass solche Hits wie "For The Whom the Bell Tolls", "Creeping Death" oder "Fade To Black" bis zum heutigen Tage zu den beliebtesten Songs von Metallica gehören. Echte Evergreens halt. Mit dem Betreten eines größeren Terrains, was mit angedeuteten Tempovariationen, markigeren Melodiebögen als auch mehr Sounddetails einherging, verstanden es die Jungs schon sehr früh und vor allem äußerst geschickt, wie wichtig es eigentlich ist, sein eigenes Profil zu bewahren und sich von niemanden rein pfuschen zu lassen ' das passierte bereits zu einer Phase, wo der Speed/Thrash Metal rein chronologisch betrachtet noch in seinen Kinderschuhen steckte. Diese Beharrlichkeit hat sich jedenfalls ausgezahlt: alleine in den USA konnten Metallica für "Ride The Lightning" bis heute nämlich Fünffachplatin einheimsen!

Was den zum Ende kommenden Rezensenten betrifft: für selbigen gab's von da an kein Zurück mehr. "Master Of Puppets" und "Kill'em All" wurden binnen kürzester Zeit ebenso (noch auf Vinyl) nahezu vergöttert. Dabei ging ohne "Headbangen" oder "mit der Luftgitarre posen" fast nichts mehr. Der Rest ist Geschichte: mit der ersten selbst verdienten Kohle wurden die ersten vier Alben auf CD erworben, denen solch Granaten wie Slayer's "South Of Heaven", Testament's "The New Order", Kreator's "Extreme Aggression" und später weitere gefühlte 500 Thrash Alben folgen sollten ... da kann ich nur mehr sagen ... was für eine geile Zeit!


Shy
Shy
Preis: EUR 20,13

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Hervorragendes "Quasi-Comeback" - darkscene.at, 7. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Shy (Audio CD)
Auch die Briten von Shy haben die Freude am Musizieren nicht verloren. Selbst im Bewusstsein, dass man von den goldenen Achzigern im Jahre 2011 wahrlich nichts mehr abbeißen kann und nur mehr eine bescheidene, aber umso treuere Randgruppe bedienen darf, lassen sich Shy von ihrer Vision namens Melodic Rock/AOR nicht abdrängen. Hier sind Idealisten am Werk. Sogar der Weggang von Tony Mills zu den Norwegern von Tnt konnte die Truppe, die schon im Jahre 1983 ihr Debüt "Once Bitten ... Twice" veröffentlichte, nicht daran hindern, frohen Mutes weiter zu machen. Als wichtigste Referenzalben gelten übrigens "Excess All Areas" aus dem Jahre 1987 und "Misspent Youth" (1990), welche Shy zumindest eine Zeit lang Airplay bescherten.

Doch zurück in die Gegenwart. Mit Lee Small (ex- Phenomena) wurde ein mehr als adäquater Mills Nachfolger ins Bandcamp geholt, der zwar nicht über eine so hohe Tonlage wie sein langjähriger Vorgänger verfügt, dafür aber umso kraftvoller ans Mikro geht.

Und siehe da ... überraschend hart und Bombast beladen klingt das Gros der neuen zwölf Songs. Wichtiger noch: auch das Songwriting lässt kaum Wünsche offen und erhielt dank Simon Hanhart (Asia, Brian Adams, David Bowie, Marillion, Saxon) obendrein einen zeitgemäßen, satt-modernen Anstrich. Ähnlich wie beim grandiosen Comeback von Treat vor einem Jahr gelang dem Quintett um Gitarrist Steve Harris (der Typ heißt wirklich so!) die richtige Mischung aus gepflegter Tradition und aktuellem Zeitgeist. Eine vernünftige Balance aus treibenden Rockern, Midtempo Tracks sowie seichteren Schmusesongs kriegt bekanntermaßen nicht jede AOR/Melodic Rock Truppe tight hin, ja oft genug stehen einem die Haare bald zu Berge, wenn der Weichspüleranteil klar dominiert - jedoch trifft dies bei diesem Quasi-Comeback der Engländer nicht zu. Sämtliche instrumentale Feinheiten konnten nahtlos in alle Tracks integriert werden und daneben gibt es auch eine üppige Fülle an schönen, richtig gehend ausschweifenden Melodien. Ebenso verleihen die, vor allem zu Beginn der CD vordergründig abgemischten Keyboardmelodien von Tastenchef Joe Basketts dem Liedgut einen ungewohnt frischen Touch - sprich, die Übergänge zum Symphonic Rock/Metal à la Royal Hunt sind fließend.

Fazit: Shy präsentieren sich auf ihrem elften, selbst betitelten Studiowerk überraschend stark und erfüllen locker alle Parameter eines todgeglaubten Genre, das in den letzten Jahren nicht zuletzt dank einiger großartiger Reunions sogar einen tollen Aufschwung erlebt. Anspieltipps sind wegen der allgemein hohen Hitdichte schwer auszumachen, dennoch möchte ich das treibend-dramatische "So Many Tears", das mit Bon Jovi Affinitäten aufwartende "Ran Out Of Time", das an Gary Moore (remember "Run For Cover"?) angelehnte "Pray" sowie das balladeske "Sanctuary" als Kostprobe empfehlen. Auch wenn Shy inzwischen zum alten Eisen gezählt werden: von (kreativer) Oxidation kann hier nicht die Rede sein. Melodic Rock Fans dürfen sich für den 7. Oktober 2011 jedenfalls schon mal die Hände kräftig reiben!


Communication Lost
Communication Lost
Preis: EUR 8,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wow ... wie schön und traurig! - darkscene.at, 7. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Communication Lost (Audio CD)
Die Schweden von Wolverine sind eines von vielen interessanten Exemplaren, das mir reichlich spät zu Ohren gekommen ist. Einst 1995 gegründet als Death Metal Kapelle, wurde im Laufe der sechszehn Jahre und drei Full-Length Alben, der Stil, wie man es bei Genregrößen à la Tiamat oder Paradise Lost reichlich feststellen durfte, deutlich modifiziert, wenn nicht sogar des Todesblei's entzogen. Als Progressive wird die Schublade Wolverine's inzwischen etikettiert, jedoch spielt nach den ersten Beschnüffelungseinheiten von "Communication Lost", dem bislang vierten Streich, dies ebenso nicht mehr so eine tragende Rolle.

Macht nix, denn als unvoreingenommener Schreibhansel kann der Quereinstieg wie im vorliegenden Falle gleichfalls eine gewisse Spannung hervor rufen, was mit dem beklemmenden Intro "Downfall" sodann seinen Ehrfurcht erregenden Anfang nimmt '

Wolverine entsprechen weder einer Nerv tötenden Zappel Philipp Truppe, noch einer alles erdrückenden Bombast Metal Allianz. Viel mehr präsentieren sie sich als geheimnisvolle Könige des gehobenen und zugleich trostlosen Düsterrocks, bei dem sie auch imstande sind, durchaus Hitqualitäten heraus zu schürfen. Das trifft zwar auf die bedächtig-schwermütig-langgezogenen Songs wie z. B. "Into The Great Nothing", der übrigens (wie einige andere "Kandidaten") bei aller kühlen Schönheit mit seiner zutiefst melancholischen Grundstimmung jeglichen Funken Hoffnung zu zerquetschen bereit ist, weniger zu, als auf einen Track wie "Pulse", bei dem man zu Beginn noch Chroma Key Reminiszenzen vernimmt, ehe der Sechsminüter drauf los rockt und im Chorus dann förmlich explodiert. Auch ist "Embrace" ein Hammer vor dem Allmächtigen geworden, eine (fast) kitschfreie Ballade, die man niemals zerbrechlicher schreiben hätte können.

Und ein Song wie "What Remains" lässt den Hörer ebenso schnell verstummen (Communication Lost ...?). Wem die US Christen Metaller Saviour Machine die Sinne seit jeher ordentlich durcheinander wirbeln, wird auch hier mit feuchten Augen zu kämpfen haben, nicht zuletzt deshalb, weil der Song nur auf bittersüßen Pianoklängen basiert ... schluchz! Doch prinzipiell erinnert das teils echt zum Heulen animierende Timbre Stefan Zell's an jenes von Eric Clayton, um mal jenen talentierten Shouter, der das ganze Repertoire eines glaubwürdigen Sängers beherrscht, nebenbei Komplimente zu machen. Und speziell die mehrstimmigen Passagen wie in "In The Quiet Of Dawn" oder im grandiosen Titletrack (Dream Theater meets Doom?), verlangen eine Extra Dosis Respekt ab, weil sie im Kontext der Detail verliebten, aber nie zum Selbstzweck dienenden Instrumentalarbeit ein ganz besonderes Gänsehaut Feeling erzeugen, wie man es höchstens bei Anathema oder den letzten Fabelwerken von den Landsleuten Katatonia voller Andacht wahr nimmt - das kommt von ganz tief drinnen. Nun, alles Weltuntergang im Hause Wolverine? Nein, es gibt doch ein bißchen Zuversicht, ein Licht am Ende des Tunnels, wie es das finale "A New Beginning" zumindest erahnen lässt.

Auf der Bandhomepage beziehen übrigens die Members Stellung zu den Texten dieser jüngst veröffentlichten Scheibe - nur so viel: hier hat man nichts dem Zufall überlassen, hier geht es ins Eingemachte, sprich: tief hinein, in die verwundbare Seele. Im Grunde sollte "Communication Lost" als Ganzes gelauscht bzw. genossen werden, weil nur dann die gesamte Pracht solcher Emotionen voll zur Geltung kommt. 70 Minuten ein Fest für die Sinne, sozusagen. Liebhaber des niveauvollen, atmosphärischen Düsterrocks haben den Geheimtipp (?) vermutlich schon zu Hause, alle anderen dürfen sich schon mal knieend anpirschen, es lohnt sich. Produziert wurde "Communication Lost" übrigens von Oliver Philipps (Sänger von Everon), gemischt von Jakob Hansen (Mercenary, Pyramaze, Volbeat u. v. a.), das Mastering geht auf Eroc zurück.


The Wheel
The Wheel
Preis: EUR 15,50

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zeitlos und gut! - darkscene.at, 16. September 2011
Rezension bezieht sich auf: The Wheel (Audio CD)
The Wheel? Nun, da handelt es sich um ein Viergespann aus dem tiefsten Oslo'ler Underground, das sich seit über eine Dekade mit Herz und Seele dem klassischen Rock der frühen Siebziger (sprich die Schlaghosenfraktion von Free bis Led Zeppelin) und dem Melodie betonten Achtziger US Hardrock (also als Matten wirklich noch Matten waren!) verschrieben hat. Wie der Titel unschwer vermuten lässt, schicken The Wheel dieser Tage ihren Debütrundling über das eigens gegründete Label Wheel Music ins Rennen. Und ja verehrte Rockgemeinde, der hat einiges zu bieten.

Nicht nur die vorwiegend kraftvoll inszenierten Gitarren und die mehr als sattelfeste Rhythmussektion wissen auf "The Wheel" gänzlich zu überzeugen, auch dürfen das schier gelungene Songwriting und insbesondere die Performance des Sängers ' der Mann besitzt eine Powerröhre wie aus dem Lehrbuch gepflückt ' ausnahmslos bejubelt werden. Mit gelegentlichen und verzeihbaren Schlenkern zum Grunge Genre wird hier die einfache aber nicht weniger treffsichere Rezeptur letztlich fein abgeschmeckt. Diese Vibes treten unter anderem deshalb hervor, weil man den jungen Chris Cornell von den kürzlich reaktivierten Soundgarden immer wieder heraus zu hören glaubt. Jedoch besitzen die Tracks im Allgemeinen eine sehr positive Aura, der man sich nur zu gerne hingibt. Revolutionär geschweige bahnbrechend ist hier natürlich gar nichts, man muss The Wheel weit mehr das Geschick attestieren, sich die besseren Rosinen aus zweieinhalb Dekaden Rockmusik heraus gepflückt zu haben. Aber wem außer der Zwangsbehafteten 'höher-weiter-schneller' Sektion mag dies wirklich stören? Man kann es nicht oft genug erwähnen: das Feeling entscheidet. Und das stimmt bei "The Wheel" definitiv.

Anspieltipps wären das glasklare Pearl Jam Tribute namens "Love", bei dem lediglich die Vocals exorbitant an Robert Plant erinnern, das mit einem Dokken (bzw. Georg Lynch) Gedächtnisriff ausgestattete "Tell No Lies", das leicht melancholische "Sparks" (Journey's "Wheel In The Sky" lässt zu Beginn grüßen), das bluesige "Lost Souls", der Furz trockene Slow Motion Rocker "Walk On Out", sowie der coole Riffschrubber "Cry Of The Night". Bitte antesten!


Marching on Timeless Tales
Marching on Timeless Tales
Preis: EUR 16,76

4.0 von 5 Sternen Überraschend starkes Ausrufezeichen - darkscene.at, 16. September 2011
Rezension bezieht sich auf: Marching on Timeless Tales (Audio CD)
Kollege Maggo hat ja bereits beim Vorgängerwerk "Uncharted Souls" die wichtigsten Fakten zu dieser Schweden Combo aufgezählt, die sich seit jeher zwischen der klassischen Rockschule, Melodic Metal und Neoclassical Klängen eingesch(l)ossen hat. Natürlich könnte man Maggo's Review aufgrund der ähnlichen Charakteristika hier rein kopieren und die Songtitel einfach austauschen, doch verdient es das aktuelle Liedgut meiner Meinung nach auch im Jahre 2011, etwas genauer unter die Lupe genommen zu werden, nicht zuletzt deshalb, weil es mehr zu hören gibt, als eine billige Selbstkopie.

Und auch auf ihrem fünften, regulären Longplayer gehen die Herrschaften Akesson/Gründström/Westberg/Johannsson/Lindell den altbewährten Pfad, unbeirrt weiter. ABER langsam: es wurde samt Traditionseitelkeiten ebenso die nötige Dosis Modernität gleichsam generiert. Und ich lehne mich sicher nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich jetzt behaupte, dass dieser wichtige Spagat aus alt und neu, um nicht vorzeitig als 'anachronistisch' abgestempelt zu werden, Stone Lake nahezu perfekt gelungen ist.

Auch wenn man jetzt von keinem 'Smasher' Album oder künftigen Klassiker sprechen kann, bietet "Marching On Timeless Tales" dennoch hervorragende Melodic/Power Metal Kost, deren akribisch-durchdachtes Songwriting sich wie ein roter Faden durch die Spielzeit von fünfundvierzig Minuten zieht und obendrein vorbildlich kontrastreich ausgefallen ist. Der sphärisch gekleidete Eröffnungsreigen "Red Canyon" geht da schon mal durch Mark und Knochen und das folgende, deutlich flottere "Liar" lässt dann einen dezent zur imaginären Luftgitarre greifen. Der erste Höhepunkt folgt allerdings mit dem dramatisch-hektischen "Sound Of A Whisper", dessen (Post) Refrain die ganze Stimmung so richtig ans Ende der Fahnenstange treibt ' Gänsehaut deluxe ist angesagt! Bei "Snakechild" spürt man hingegen schon eine willkommene Entspannung, ist es doch ein reinrassiger Rocker, bei dem der Chorus eine Spur zu cheesy ausgefallen ist. Auch sollte man ein Stück wie das mit Malmsteen Einschlag versehene "Fool With No Denial" oder das per wahnwitzigem Refrain fordernde "Winds Of Fire" (Beyond Twilight lassen grüßen!) erwähnen.

Das zweite Highlight der Scheibe ist zweifelsohne das rhythmisch betonte, mit kurzen Akustikparts beschlagene "Rain". Auch hier ist es Stone Lake exzellent gelungen, eine immens dichte Atmosphäre zu erzeugen, wie man sie beim Gros der Mitbewerber zu oft vermisst - eine Art "Seelenverwandtschaft" zu Coldspell's "Eye Of The Storm" ist nicht von der Hand zu weisen. Da fügt sich "Lay Down The War", seines Zeichen ein gänzlich im "skandinavischen Hymnenfahrwasser" daher treibender Ohrwurm, bestens hinzu. Die angesprochene Moderne trifft dann speziell auf das deutlich härtere "Give It Up" zu. Die markant tiefer gelegten Saiten und 'Quietsch-Akkorde' dieses Stampfers zerren einen gewissen Zakk Wylde vor das geistige Auge. Wer nun glaubt, dass der Track im Kontext des restlichen Materials etwa nicht funktioniert, der irrt!

Stone Lake machen auf "Walking On Timeless Tales" prinzipiell alles richtig, da die Balance aus Aggressivität und Zurückhaltung sowie das Songwriting mit seinem hohen, jedoch Kitsch-verschonten Melodie Anteilen stimmt. Wer die Kapelle schon länger kennt und schätzt, kann hier sowieso nix falsch machen, alle neugierig gewordenen, die sich bei Kapellen wie Masterplan, Stratovarius, Thunderstone und Co. pudelwohl fühlen, sollten zumindest einmal die MyspaceSite der alten Routiniers checken.


Mandylion
Mandylion
Preis: EUR 24,11

5.0 von 5 Sternen So klang das Jahr 1995 - darksce'ne.at, 5. September 2011
Rezension bezieht sich auf: Mandylion (Audio CD)
1995 - was für ein bewegtes Jahr! Es war der vorläufige Höhepunkt der musikalischen Verschmelzung von Darkwave bzw. Gothic zu den Halden des Metals und umgekehrt, man denke hier nur an Moonspell ("Wolfheart"), dem Erstwerk von Theater Of Tragedy oder "Illusions" von Crematory, um nur ein paar davon zu nennen. The Gathering, die bis dato schon auf zwei eher teils Death Metal lastige, dennoch tendezielle Wegbereiter namens "Almost A Dance" und "Always ..." zurück blicken konnten, belohnten sich selbst um '94/'95 mit einer Sängerin, die dank ihres überproportionierten Talents - heraus ragende Stimme, positive Ausstrahlung und süße Optik ergänzen sich in der Regel ganz gut - ihnen künftig noch sehr, sehr viele Erfolge einbringen würde. Ihr Name: Anneke Van Giersbergen. Als Draufgabe kam dann noch der Vertragsabschluß mit Century Media zustande, der das Sextett vom früheren Underground Dasein endgültig zu den vordersten Rängen der florierenden Szene katapultierten sollte.

Aber der Kern, um nicht zu sehr abzuschweifen ist das prunkvolle Interieur: dieses unbeschreiblich schöne, mystisch und mitunter friedvolle, wie aus einem Guss ertönende "Mandylion", das, um jetzt nochmals kurz abzuschweifen, neben dem Turiner Grabtuch als eines der umstrittensten (christlichen) Artefakte innerhalb der Archäologie gilt - und im Falle der Niederländer in Form eines meditativ zelebrierten Instrumentals (gewidmet war/ist der Song auch einem der Gruppe sehr nahe stehenden, der im August '94 verstarb; so dem Booklet zu entnehmen) zum Zuge kommt, sonst allerdings in den restlichen, stets tiefgründigen (und persönlichen) Texten keinerlei Verwendung mehr fand. Eigentlich ist es ein kleines, aber von unschätzbarem Wert gesegnetes Stück Musikgeschichte, dieses "Mandylion", bei dem es sich weder um Härte, Geschwindigkeit, Komplexität oder Parametern verwandter Natur dreht, nein, viel mehr vermittelt es einen, in sich stimmigen, beinahe stoisch ruhenden Vulkan aus allerlei Gefühlswelten, einem optimalen Soundtrack, um sich - unter anderem - selbst erfahren zu dürfen. Wer schon immer das Fliegen in der Zeitmaschine erleben wollte (ein Funkkopfhörer empfähle sich hierbei sich gut), ist schon mal beim Opener "Strange Machines" bestens beraten, eine sechsminütige, bis zum St. Nimmerleinstag aufwühlende Audiorgasmusflugschau, dem das bombastisch verzückende, dezent Doublebass unterlegte "Elènor" oder ein "Leaves" in Sachen Ausdruckskraft aber schon in gar nichts nachstehen. Und ebenso die beiden "In Motion" Tracks, "Fear The Sea" und "Sand And Mercury" dürfen da keinesfalls unerwähnt bleiben: immenser Pathos, sanfte wie prägnant geformte Phonskulpturen, zwanglose Verführungen ins Zeit und Raum lose in Begleitung eines Engels, dich stets im Auge behaltend, Wärme und Geborgenheit schenkend ...

In ähnlichem Stil folgte zwei Jahre später das ebenso empfehlenswerte "Nighttime Birds", bevor The Gathering mit "How To Measure A Planet?" dann im Jahre 1998 ein experimentelleres Kapitel aufschlagen würden, von da an aber die Fans in zwei Lager spaltete - tja, inzwischen muss selbst ich mich zu den Interessenten der 'neu' definierten The Gathering zählen, so sehr hat sich mein Geschmack gedehnt. Und trotzdem: nach so einer langjährigen Abstinenz und tausenden Stunden Knüppelsounds tut es wieder mal verdammt gut, sich von solch harmonischen Klängen eines "Mandylion" einfach nur hinfort tragen zu lassen. Tut euch den Gefallen und holt dies schmucke Teil wieder hervor!


Pandemonium
Pandemonium

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was für eine Granate!!! - darkscene.at, 5. September 2011
Rezension bezieht sich auf: Pandemonium (Audio CD)
Um es gleich klar zu stellen: Killing Joke sind keine halbherzige Randerscheinung der Rock History, die etwa aus demoskopischen Alibigründen in dieser Rubrik zu Ehren kommt, sondern eine der Dienst ältesten Combos aus einem Genreverbund, welcher aus der auslaufenden '70er Punk Ära, sowie aus der Indipendent Rock und der New Wave Szene empor stieg.

Zugegeben, Killing Joke zählen zu meinen späteren Entdeckungen. Erst Mitte der Neunziger, als sich die Londoner wieder einmal nach einem Split zusammen rauften und dieses fantastsiche Album sowie den Nachfolger "Democrazy" (1996) ausbrüteten, wurde mir allmählich bewusst, wie fruchtbar Killing Joke's Beitrag zur musikalischen Landschaft zwischen Punk, Industrial und Metal wirklich war. Nur am Rande: hört euch mal die Single "Eighties" (1984) an und ihr wisst sofort, woher das "Come as you are" Hauptriff tatsächlich stammt. Überhaupt darf man die prägenden, frühen Achtziger nicht so unter den Teppich kehren, denn mit dem gleichnamigen Debüt gelang dem Quartett ein wichtiger Wurf, dessen Fülle schon damals spätere Durchstarter (unter anderem Metallica oder Prong) maßgeblich inspirierte.

Nachdem die beiden Intimfeinde Coleman und Bassist Youth das Kriegsbeil nach längerer Auszeit beigelegt hatten und neue Ideen für das zweite Killing Joke Comeback ankarrten, hatten sie vermutlich noch keine Ahnung davon, dass in künstlerischer als auch in Verkaufstechnischer Hinsicht ein Volltreffer bevor steht. Was war im Vorfeld geschehen? Revoluzzer Coleman hatte seit dem Split 1991 die Liebe zu klassischer Musik wieder entdeckt und seine ersten Symphonien komponiert, die sogar in London und Prag von den jeweiligen Orchestern aufgeführt wurden, während Original/und jetzt wieder Bassist Youth bei Godflesh zockte und nebenbei ein Goa Label gegründet hat ' es braucht nicht verwundern, dass diese Ereignisse auf "Pandemonium" abfärbten - solch ein opulentes Sortiment an selektierten Gewürzen gibt's nicht oft. Auch erhielten Geordies' Gitarren eine satte Frischzellenkur, die mit ihrer schonungslosen Heavyness den Puls gleich auf 200 jagen. Tieftöner Youth hatte hier einen absoluten Mördersound gebastelt.

Somit wurde ein wutentbrannter Bastard aus Post Punk, Metal, Industrial, orientalischen Sounds und gelegentlichen Dance Elementen Mitte 1994 geboren. Verziehen waren wohl die kommerziell verseuchten Anläufe der mittleren/späteren Achtziger ("Nighttime", "Brighter Than A Thousand Suns") bei den Fans und die an Gehässigkeit kaum zu überbietenden Intrigen innerhalb der vier Zankhähne: immerhin handelte es sich um das erste Album seit zwölf Jahren, das wieder von der Original Besatzung eingespielt, oder besser: zelebriert wurde. Wer einmal in diese finsteren und von Ohnmacht dominierten Welten von "Pandemonium" tief eingetaucht ist, wird in einen hypnotischen Bann gezogen, in dem das Chaos unentwegt seinen Lauf nimmt. Der charismatische (und seinerzeit nicht stets zurechnungsfähige) Exzentriker Coleman lässt dabei keine Gelegenheit aus, seinen geballten Frust einer halb verrotteten Welt in zynischer Brachialität mitzuteilen. Politische und religiöse Machtsysteme werden am geistigen Seziertisch mit chirurgischer Präzision von Dr. Coleman zerlegt, um deren "Idealismen" zu entblösen.

Dem steht das musikalisch dargebotene nichts nach: Glanzmomente sind auf "Pandemonium" nämlich zuhauf vor Ort. Das Titelstück gleich zu Beginn besticht mit seinen mörderischen Grooves und ist für mich so etwas wie der Inbegriff eines hochklassigen, atmosphärischen Songs. Ein Attribut, was ebenso auf die brillante Videoauskoppelung "Millenium" (vor wenigen Jahren von Fear Factory gecovert), "Pleasures Of The Flesh" und ganz speziell auf "Communion" zutrifft - ein Track bestehend aus Trance Elementen und indischen Melodien (Coleman hat halb indisches Blut in seinen Adern!), das ganze wiederum ungemein episch umhüllt. Bei "Labyrinth" hatten Killing Joke zwar forciert Synthesizer eingepflanzt, jedoch handelt es sich um den einzigen Song, der nicht ganz die Intensität und vor allem den unglaublichen Drive der restlichen Tracks erreicht. Das deutliche härtere, zu Nine Inch Nails tendierende "Exorcism" soll laut mehreren Quellen in der Cheops Pyramide eingetrümmert worden sein, was wohl nicht ganz legitim vonstatten ging. "Whiteout" schlägt in die selbe (heftige) Kerbe und lässt darüber hinaus erkennen, dass Killing Joke den entscheidenden Sprung in die deutlich düsteren/kühleren Neunziger ganz souverän meisterten ' im selben Jahr veröffentlichten Stabbing Westward übrigens das wenig beachtete Debüt "Ungod" und Nin ihr Referenzwerk "The Down Spiral", welches eine Art Seelenverwandtschaft mit "Pandemonium" zu haben scheint.

Dass Killing Joke auch etwas differenzierter zu Werke gehen können, hatten sie eigentlich auch schon in der Vergangenheit bewiesen. Diese Entspanntheit ließ man besonders in "Jana" einfließen. Fans von Ocean Machine werden diese, nennen wir es 'besinnliche Eigenschaft' auf dem Folgewerk "Democracy" von 1996 noch mehr zu schätzen wissen.


Parasites And Worms
Parasites And Worms

4.0 von 5 Sternen Fantasische Songs auf int. Level - darkscene.at, 31. August 2011
Rezension bezieht sich auf: Parasites And Worms (Audio CD)
"Use 10 grams of Led Zeppelin, 20 grams of Alice In Chains, 30 grams of Black Label Society and 40 grams of Soundgarden, well-shaken and mixed and there goes the explosion called Pure Inc.! '"

So der einleitende Tenor des Promoblattes. Weiß der Kuckuck weshalb dem Schreiber dieser Zeilen die Schweizer derart sympathisch seit Anbeginn sind, aber ob dieser Worte steckt nebst beneidenswertem Talent in der Tat ein gesundes Selbstbewußtsein und knochenharte Arbeit made in Switzerland dahinter. Und dass das Quartett im selben Atemzug dabei völlig relaxed, unbekümmert und souverän zu rocken versteht, darf nur mehr als Formsache abgesegnet werden. Kein einziger schwacher Track säumt das insgesamt dritte Album, vielmehr ist es eine fantastische Zeitreise durch 30 Jahre Hardrock, die mit nötigen Schmatz und Grips durch die Boxen knallt. Die einzelnen Sound-Merkmale Pure Inc.'s darf der werte Leser gerne den früheren Reviews entnehmen, doch sind jene auf "Parasites And Worms" in ihrer Machart noch markanter und treffsicherer als in der Vergangenheit. Na gut, machen wir's kurz: Erneut sind es die diese dynamischen Lause/Leise Sequenzen, allerhand explosive Grooves und ausnahmslos starke Vocals die mitnichten nach künstlerischer Evolution riechen, doch braucht sich ein Werk solcher Coleur vor den internationalen Größen keineswegs verstecken, im Gegenteil. Dem schließt sich wie beim Vorgänger "A New Day's Dawn" (zur Review) eine enorm fette Produktion an.

Und zum Abschluß die klassische Eurothese: Hätten die Jungs eine amerikanische Staatsbürgerschaft, dann, ja dann hätten Alterbridge und Co. wohl ernstzunehmende Konkurrenz ;-))). Anspieltipps: "The End", "Evenmore", "Serenade Of Aggression", "The Last Remaining Song" und auch der "Immigrant Song" von Led Zeppelin machen saugute Figur!


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