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Werner G. (Innsbruck)

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Sense the Darkness (Ltd.Digipak)
Sense the Darkness (Ltd.Digipak)
Preis: EUR 16,70

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zurück zur Tradition in modernem Soundgewand - darkscene.at, 5. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Sense the Darkness (Ltd.Digipak) (Audio CD)
Die schwulen und Eierlosen Dänen um den pikanten Fronter Bo Summer schneiden sich in gewohnt-knappem Zweijahresrhythmus ein Album aus den Rippen, inzwischen steht mit "Sense The Darkness" das zwölfte Studiowerk in den Startlöchern - bzw. das dritte auf Massacra Records. Die Liebe zu Noise-Samples und Elektro-Sounds haben Illdisposed bei ihrem letzten, ironisch betitelten Longplayer "There Is A Light (But It's Not For Me)" bekanntlich wieder entdeckt und war möglichweise Anlass für die Plattenfirma, den Stil als Neo Thrash Metal zu titulieren. Doch alleine Bo's Stimme ist derart im Todesblei-Sektor verankert, dass dieses Etikett etwas Irritation auslösen könnte.

Diese modernen Farbtupfer gibt es auf der aktuellen Sprengladung nur mehr sehr rar anzutreffen. Im Mittelpunkt stehen klar alle möglichen Arten der Groove und Highspeed Brachialität, die dank einiger Slowmotion-Parts erst so richtig wuchtig zur Geltung kommen. Der Knalleffekt, der vor acht Jahren via "1-800 Vindication" gelungen war, darf natürlich nicht mehr erwartet werden. Dafür machen Illdisposed in ihrer bedrohlichen Hau-drauf-Nische keine Gefangenen und geben ihren Fans, was sie wollen: nämlich die unverkennbare Riffkultur Marke Illdisposed, ganz egal ob schleppend, Midtempo-lastig oder mit durch getretenem Gaspedal. Und selbstverständlich einen lebendigen Subwoofer in Form eines Mister Bo Summer.

Es ihnen auf's Neue gelungen ist, ein paar Songs mit hochgradigem Memoryeffekt aus der Feder zu kitzeln, als da wäre das von einprägsamen Leads gekleidete "Eyes Popping Out" oder das mit herrlichen Hooks versehene "Stopp Running". Ansonsten gibt es gelegentliche Referenzen ("Never Compromise", "Another Kingdom Dead", We Do Is Alone+) zu den letzten vier/fünf Werken, welche kompositorisch absolut in Ordnung gehen und mit gepflegtem Punch aufwarten sowie einige coole Soli bieten, ansonsten jedoch kaum herausragender Natur sind.

Ganz klare Angelegenheit: "business as ususal" heißt die Devise im Jahre 2012 bei den fünf Buntspechten aus Kopenhagen. Das betrifft ebenso die tadellose Produktion, die saftig und hart aus den Speakern klopft (Soundtüftler Tue Madsen war wieder die erste Wahl!), sowie alle Songgerüste, die wie massive Felsformationen 53 Minuten lang der Brandung trotzen. Wer die Digipak-Version vorzieht, darf sich obendrein über zwei weitere Tracks freuen.


Gnosis (Limited Edition)
Gnosis (Limited Edition)
Preis: EUR 8,97

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Hat "schon was", diese Scheibe - darkscene.at, 5. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Gnosis (Limited Edition) (Audio CD)
Als alles, nur nicht als Fachmann für das Djent Genre würde ich mich bezeichnen. Dennoch gibt's gelegentliche Phasen, in denen ich für die Randspielarten des Heavy Metal wie im vorliegenden Fall aufgeschlossen bin. Und meine Wenigkeit würde dabei lügen, wenn es da und dort nicht eine gewisse Anziehung zu diesen eigenbrötlerischen Klangarchitekten - namentlich Meshuggah, Periphery, Textures - gäbe. Die Band Monuments ist übrigens das Baby von Ex- Periphery Klampfer John Browne und der möchte samt seiner zappeligen Crew aus dem mächtigen Schatten obiger Protagonisten hervor treten, nach dem er bei seiner ex- Combo angeblich nur in vorgekauten Schemas walten durfte. Ob es gelingt, wird sich zeigen.

Erwähnenswert ist auch sicher die Tatsache, dass Monuments lange auf Sängersuche waren und mit dem stimmlich virtuos agierenden Matt Rose, einem bis dato ziemlich unbeschriebenen Blatt der britischen Lokalszene, fündig wurden. Wie auch auf den Veröffentlichungen der Referenzbands erschließt sich das Songmaterial (zumindest für die reiferen, Tradition vorziehenden Semester der Hartwurstkonsumenten) durch die Bank nur sehr zögerlich. Extrem tief liegende und mitunter äußerst hektische Saitenanschläge, typisch komplexe Polyrhythmik, penetrante Basszupfer, und Metalcore gestylter Gesang sind zunächst das obligatorische Standardprogramm des Metiers. Doch die feinen Facetten wie kristallklare Mol-Akustikparts und hochmelodiöse Vocal-Einsprengsel sind dann jene entscheidenden Farbtupfer, die den Hörer ein ums andere mal durch den jähen Kontrast auf "Gnosis" ins Staunen versetzen, ansonsten muss er mit einigen bis vielen, sagen wir mal, "dissonanten Begegnungen" vorlieb nehmen.

Der Wiedererkennungswert ist kaum greifbar, selbiger möchte fast durchgehend erobert und eingefangen werden, ehe sich die überfällige Entspannung zeigt, aber beim Opener "Admit Defeat" und beim dritten Track "Doxa" ist jeweils ein Refrain gelungen, der es bzg. Memoryeffekt in sich hat. Weiters zu erwähnen: Beim finalen, ebenso hörenswerten "Denial" wurde Periphery Fronter Spencer Sotelo als special guest rekrutiert. Ansonsten? Härtetechnisch lassen Monuments wahrlich nix anbrennen und können das partielle Geschredder durchaus songdienlich einflechten, wie man speziell bei den ersten Songs der CD fest stellt.

Ob "Gnosis" in die Riege der künftigen Klassiker empor schlüpfen wird, wage ich als Genrelaie nicht zu prophezeien. Dass der 51 minütige Rundling der Londoner dank seiner heftigen Grooves im Kontext düsterer Passagen und der daraus resultierenden, teils extrem beklemmenden Atmosphäre (die im richtigen Moment wieder etwas Licht eindringen lässt) seine Reize offenbart, kann ich allerdings guten Gewissens unterschreiben. Aus meiner Warte eine recht interessante Mischung irgendwo zwischen Djent, Prog und Postcore.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 3, 2013 10:38 PM MEST


Driving Towards the Daylight (Ltd.ed.)
Driving Towards the Daylight (Ltd.ed.)

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ganz feines Teil des Kaliforniers! - darkscene.at, 5. Oktober 2012
Desöfteren ließ der amerikanische Bluesrock Star (Jahrgang 77) in diversen Interviews durch klingeln, dass er eigentlich keinen blassen Schimmer habe, weshalb sich viele Heavy Metal Fans für seine stressfreie Mucke begeistern. Wie dem auch sei: Mister JB zieht seine Sache seit etlichen Jahren konsequent durch und der stets wachsende Erfolg gibt ihm absolut recht. Das wird sich wahrscheinlich auch mit dem neuesten Output "Driving Towards The Daylight" im Gepäck kaum ändern, weil es an dieser nicht wirklich was meckern gibt, voraus gesetzt, man nimmt sich solch relaxter und beschwingender Klänge gerne an.

Natürlich sind Einflüsse einiger Größen wie Eric Clapton ("Dislocated Boy"), Led Zeppelin (Stones In My Passway") heraus zu schmecken, doch überwiegt längst schon das elegante Eigenprofil des charismatischen Sängers, der in weiterer Folge bei der Ballade "Driving Towards The Daylight", beim fetzcoolen "Who`s Been Talking" und beim swingbetonten "I Got All You Need" seine wahre Klasse grell aufblitzen lässt. Das fast siebenminütige "A Place In My Heart" könnte indes als glatte Hommage an den bereits erwähnten Eric Clapton durchgehen, wogegen das leicht funkige "Lonely Town Lonely Street" den Spirit der alten ZZ Top atmet. Schwächen? Fehlanzeige! Langweile? Ach wo!

Denn auch der hintere Block entpuppt sich via "Heavenly Soul", "New Coat Of Paint" und "Somewhere Trouble Don`t Go" als kleine Wundertüte: Unglaubliches Feeling, tightes Songwriting, und maximaler Wiedererkennungswert gehen derart Hand in Hand, als hätte Bonamassa und seine Crew den Blues bereits über die Muttermilch in hohen Potenzen bekommen - phänomenal! Doch das Beste kommt ganz zum Schluss: bei "Too Much Ain`t Enough Love+ gibt es gar die australische Semilegende Jimmy Barnes, die seinerzeit das Original auf dem "Freight Train Heart" Album von 1988 einsang, zu hören ... bitte, was will man mehr?

Die elf dargebotenen Songs haben den Schreiber binnen weniger Rotationen derart in den Bann gezogen, dass der deutlich härtere, abzuarbeitende Stoff jetzt mal länger warten muss. Solch eine authentische und anschmiegsame Scheibe wie "Driving Towards The Daylight" ist schon deshalb eine unvergleichliche Wohltat, weil mit wenigen, (vermeintlich) einfachen Griffen prickelnde Emotionen und pure Leidenschaft vermittelt werden. Für mich eines der meist berührenden Alben des heurigen Jahres und ein idealer Vorgeschmack für die kommende Black Country Communion Scheibe! Joe Bonamassa - he absolutely rules ... oder: der Mann, der mich zur richtigen Zeit am richtigen Ort erwischt hat!


Inwards (Remastered+Bonus Tracks)
Inwards (Remastered+Bonus Tracks)
Preis: EUR 18,92

4.0 von 5 Sternen DIE Dew-Scented CD schlechthin! - darkscene.at, 5. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Inwards (Remastered+Bonus Tracks) (Audio CD)
Thrash Bands haben es in der Regel nicht mehr leicht, nach einer bestimmten Anzahl veröffentlichter Alben, welche im Großen und Ganzen denselben Inhalt zur Schau stellen, noch weitere Fanschichten zu erreichen. Die seit den mittleren Neunzigern herum lärmenden Dew-Scented aus Fulda müssen dieses undankbare Schicksal seit Jahren mit einigen anderen idealistisch denkenden Mitbewerbern teilen, obwohl es immer wieder gelingt, durch kleine, glaubwürdige Frischzellenkuren zumindest die Treuschaft bei Laune zu halten.

Als im Jahre 2002 jedoch das vierte Werk um Sänger Leif Jensen in die entscheidende Schlacht geschickt wurde, glaubte vielleicht nicht einmal die Band selbst daran, binnen kurzer Zeit derartige Begeisterungsstürme bei der Presse auszulösen. Das Genre, das wenige Jahre zuvor noch im tiefsten Winterschlaf schlummerte, schlug erbarmungslos zurück - und wie! Teil davon waren neben The Haunted sicher auch Dew-Scented, die bis zum Nuclear Blast Deal noch im Underground kleinere Brötchen backen ("Immortelle", "Innoscent", "Ill-Natured") mussten. Diese von Meisterproduzent Andy Classen höllisch scharf produzierte Thrash-Diavolo konnte zwar nicht als revolutionär, geschweige als innovativ bezeichnet werden, überzeugte dafür aber umso mehr durch anspruchsvolles Songwriting, sprich, durch zündende, geschickt eingeflochtene Ideen, was letzten Endes diese Durchschlagskraft von "Impact" erklärt. Hier hat man jederzeit deutlich das Gefühl, als hätten die Jungs mit dem heillos überschüssigen Adrenalin in den Venen die große Flucht nach vorn ergriffen, und unwissend die besten Tracks ihrer Karriere heraus geschüttelt.

Slayer waren und sind für viele die Referenztruppe schlechthin, auch bei Dew-Scented haben die Kalifornier ihre Spuren gerade im Gitarrensektor hörbar hinterlassen. Wenn allerdings die Qualität passt und das Hörvergnügen tatsächlich ein solches ist, verzeiht man bestimmte Affinitäten ohne mit der Wimper zu zucken. Weil hier sitzt jedes Break wie ein Plattschuss, jedes einzelne, dieser unbarmherzig sägenden Riff marschiert durch Mark und Bein, und Oberröchler Jensen schenkt seinen Stimmbändern absolut ... nichts. Die wenigen Blastbeats bilden wie bei den früheren Werken neben den gelegentlichen Halftimeparts darüber hinaus die nötige Prise Zeitgeist, denn schließlich wollten die Deutschen dazumal auch nicht als Oldschool Truppe schubladisiert werden. Und genau das ist die eigentliche Kunst: nämlich bei fast durchgedrückter Tube immer noch solche Nischen an Spannungsmomenten zu erschaffen, die solch immense Energien freisetzen.

Wer bei Karacho-Bolzen wie "Bitter Conflict", "Unconditional", Inwards" oder "Terminal Mindstrip+ keine Regung im Nackenbereich oder sonst wo verspürt, sollte sich den Gehörgang wieder einmal vernünftig durchspülen lassen, wenn das auch nichts nützt, ist der Betroffene wahrscheinlich nie ein ernstzunehmender Thrasher gewesen. Was gibt's sonst noch zu sagen? Auch wenn chronologisch betrachtet "Inwards" lange nach der Hochphase des Thrash Metal erschienen ist, muss der Rundling als einer der essentiellsten der Nachgenerationen wieder ins Gedächtnis gerufen werden!


Cuatro
Cuatro
Preis: EUR 20,99

4.0 von 5 Sternen Anders, aber bei genauerem Hinhören reizend - darkscene.at, 5. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Cuatro (Audio CD)
Keine Frage, man begibt sich auf dünnes Eis, wenn man ein Scheibchen wie "Cuatro" in die Klassikerrubrik rein schmuggeln will. Dabei liegt dieses Wagnis nicht unwesentlich an diejenigen Besserwisser, die gemeinhin als ewig gestrige gelten. Denn genau sie wollten den Arizona Boys nie mehr eine richtige Chance geben, wo sie sich auf die ersten beiden Alben "Doomsday For The Deceiver" und "No Place For Disgrace" (Classic), die zurecht als Evergreens gelten, so eingeschworen haben. Natürlich war der (Karriere-) entscheidende, dritte Rundling "When The Storm Comes Down" alles andere als eine Offenbarung, lag dies jedoch nicht zuletzt an der massiv verhunzten Produktion eines Alex Periales, den man 22 Jahre später immer noch zur Rechenschaft ziehen sollte.

Dabei hatten die einfach nicht tot zu kriegenden Veteranen aus dem sonnigen Phoenix lediglich versucht, neue künstlerische Pfade zu beschreiten und waren trotz allem Engagement irgendwie gescheitert. Zumindest vorerst. Aber anstatt sich blind und gehorsam den Einsagern zu beugen, die allen Ernstes meinten, Flotsam And Jetsam müssten auf den gefloppten Major Einstand wieder schnell und aggressiv wie früher klingen, zog es die Band vor, nun erst recht in moderne und differenzierte Territorien vorzudringen. Es sollte fast 18 Jahre dauern, bis den ewigen Underdogs eine mindestens ebenbürtige Partie gelingt: mit "The Cold" (Review) war der Bann endlich gebrochen.

Doch zurück zu "Cuatro": In Kooperation mit Wunschproduzent Neil Kernon (Dokken, Kansas, Queensryche) an den Reglern wurde dieses Ziel vorbildlich umgesetzt, ohne an Kraft und Feuer einzubüßen. Viel mehr haben es die Flots" geschickt verstanden, den Speed ökonomisch mit fast schon rockigen Rhythmen in Einklang zu bringen, um dadurch die Palette brillant zu erweitern. Die herrlich drückenden Klampfen des Edelgespanns Michael Gilbert/Edward Carlson sowie das dynamische Drumming eines Scott Kelly zum Einen, und die höchst charismatische Performance des Gesangsgottes E. A. Knutson zum Anderen, ergeben auf "Cuatro" diesen gewissen Synergie Effekt, der auch heute noch über weite Strecken entzückt.

Mit dem flotten und im Refrain regelrecht aufblühenden "Natural Enemies", dem bedrohlich anschleichenden "Swatting Like Flies" und dem nicht minder düster gestylten "The Message" ist dem Quintett gleich ein Starter-Triplepack par excellence gelungen. Gerade der forcierte, ja fast schon als mutig zu bezeichnende Einsatz von Akustikparts kommt bei letzterem und beim drauf folgenden "Cradle Me Now" äußerst treffsicher rüber und findet in der stimmungsvollen Ballade "Wading Through The Darkness" den vorzeitigen Höhepunkt, hierzu wurde auch ein Video ausgekoppelt. Ganz genau: Von Thrash weit und breit keine Spur, selbst wenn das siebte Stück "NeverTo Reveal" wie der erwähnte Opener im stolzen Uptempo auf einen zu rauscht. Aber sogar hier wurden stromlose Akkorde - wenn auch nur dezent - verbraten. Bei "Forget About Heaven" werden Reminiszenzen zum "Black Album" von Metallica wach, was speziell in den ersten, simpel gehaltenen Riffs und im Chorus offenkundig wird. Aber wer weiß, ob nicht Hetfield Co. genau diejenigen waren, die den meisten Speed/Thrash Kapellen erst die Augen und Ohren geöffnet hatten, um einfach mal was Neues zu riskieren? Nur eine These. Das bissigere Gesicht auf "Cuatro" zeigt schon eher der hintere Block: vor allem dank des hektischen "Hypothermic Midnight Snack" und dem punkig angehauchten "Are You Willing" gibt es noch einige Ecken und Kanten, die dem Longplayer einen satten Kick verleihen. Überdies ist "Cuatro" textlich auf sehr persönlicher und sozialkritscher Ebene angesiedelt, diese Wende wurde eigentlich schon auf "When The Storm Comes Down" eingeleitet.

Meinetwegen behauptet jetzt, ich sei wimpy, untrue, oder gar taub. Doch auch zwanzig Jahre nach dem Release ist es die Flotsam And Jetsam CD, die ich nach den ersten zwei Alben am liebsten höre und immer wieder was interessantes entdecke. Ähnlich wie Megadeth ("Countdown To Extinction") oder Suicidal Tendencies ("The Art Of Rebellion") wurde auch auf "Cuatro" drastisch Tempo heraus genommen und gleichzeitig das bekannte Repertoire erweitert, mit dem Endergebnis reiferer, und teils überragender Songs. Dass der Erfolg sich nicht so eingestellt hat, wie bei den anderen Referenzwerken des Jahres 1992, steht natürlich auf einem anderen Blatt Papier.


Unexpected Guest
Unexpected Guest

5.0 von 5 Sternen Großartige NWoBHM Perle - darkscene.at, 5. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Unexpected Guest (Audio CD)
Mag sein, dass Demon nach den ersten beiden (Referenz-) Werken bis zum '89er Opus "Taking The World By Storm" (zum Classic) dem Gros der Fans zu experimentell waren. Trotzdem haben die von Fortuna nicht stets verwöhnten Herrschaften neben Angelwitch, Diamond Head, Iron Maiden und Saxon die New Wave of British Heavy Metal in ihrer Blüte entscheidend mitgeprägt. Im Jahre 1979, als die NWoBHM auf dem Inselreich erst richtig ins Rollen kam, wurde die Truppe von Frontröhre Dave Hill und Gitarrist Malcolm Spooner gegründet, und schon 1981 legte man mit "Night Of The Demon" ein Debüt vor, welches vom Stand weg als Klassiker in die damals, sagen wir mal "noch fast unbefleckte Hartwurst Historie" eingehen wird. Dementsprechend hoch war nun die Latte gelegt, jedoch wurde die Mission, einen ebenbürtigen Nachfolger hinterher zu schieben, nur ein Jahr später meisterlich erfüllt.

Während sich auf dem Debüt neben einigen okkulten Texten ein paar flockige Partyzeilen einschlichen, widmete sich die Kapelle auf "The Unexpected Guest" thematisch ausschließlich den dunklen Mächten. Musikalisch? Da gingen Demon auf dem hochgelobten Erstling schon eine Schippe melodischer (aber deshalb nicht weicher) zu Werke als die meisten ihrer hungrigen Szenemitstreiter. Diese Strategie wurde für den Zweitling lediglich verfeinert. "The Unexpected Guest" ist lupenreiner, kraftvoller, und vor allem galant inszenierter Heavy Metal wie aus dem Lehrbuch gepflückt! Die charismatische und raue Stimme Hill's alleine wäre es eigentlich schon wert, dieser Truppe Gehör zu schenken, doch sind es die durch die Bank nicht minder großartig komponierten Songs, welche auch heute noch restlos überzeugen können. Einen Löwenanteil hatten die beiden Saitenkitzler Spooner und Hunt geleistet, deren spritzige Licks und Leads neben den astreinen Riffs puren Genuss entfalten. Auch gehören die häufig präsenten, mehrstimmigen Gesangspassagen zum Besten, was das vereinigte Königreich dazumal zu bieten hatte.

Nun, all diese glänzenden Attribute lassen keinen Zweifel daran, dass den Jungs mit ein bisschen mehr Glück im Gepäck eine ganz große Karriere zu Füßen gelegen wäre. Der Tod von Gründer und Hauptsongwriter Mal Spooner im Jahre 1984 dürfte wohl der Knackpunkt für die späteren Schwankungen gewesen sein.

Die für damalige Verhältnisse erstklassig produzierte Scheibe hält ausschließlich Heavy Metal Perlen in ihren Reihen. Egal, ob der, ein Dekade später von Blind Guardian (doppelt so schnell) gecoverte Opener "Don't Break The Cicle", das eingängig-rockige "The Spell", das von typischen Siebziger Vibes ausgeschmückte "Total Possession", das nicht weniger Hitverdächtige "Sign Of A Madman", das episch getragene "Strange Institution" (ein kleines Indiz für die späteren Pink Floyd Anwandlungen), der Riffhammer "The Grand Illusion", oder der kurzweilige Rausschmeißer "Deliver Us From Evil": da lacht die Sonne aus dem Popscherl. Darüber hinaus sind es diese ungezügelte Energie, der hypnotische Touch und gleichermaßen der wilde Charme, die den Traditionsbewussten Gourmet mit der Zunge schnalzen lassen.

Immerhin stießen Demon mit dem Longplayer für drei Wochen in die britischen Charts (beste Platzierung: 47). Dieser Erfolg sollte den sympathischen Briten leider nicht mehr ansatzweise gelingen, obschon sie Ende der Achtziger speziell in Deutschland wieder mehr Interesse erwecken konnten. Vor sechs Jahren wurde "The Unexpected Guest" über das Bandeigene Label Spaced Out Records als remasterte Version wieder veröffentlicht. Genre Interessierte und ebenso Spätberufene, denen diese Scheibe irgendwie durch die Lappen gegangen ist, können sich "The Unexpected Guest" (und natürlich "Night Of The Demon") blind reinstellen, diese Songs haben sich bis heute kein bisschen abgenützt und dürfen neben solch Götterspeisen wie "Angelwitch", "Denim And Leather", "Power Games", "Spellbound" u. v. a. ohnehin nicht fehlen!


In Absentia
In Absentia
Preis: EUR 17,99

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Porcupine Tree at the top! - darkscene.at, 5. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: In Absentia (Audio CD)
Man kann zu Porcupine Tree stehen wie man will, Fakt jedoch ist, dass sich die Briten über etliche Jahre ihren heutigen Status hart erarbeitet haben. War das Fundament bis in die späten Neunziger mit den wegweisenden Outputs "Stupid Dream" (1999) und "Lightbulb Sun" (2000) (auch diese beiden CDs gelten unter Insidern als Klassiker) längst errichtet, war der Major Deal für das hier vorgestellte "In Absentia" Werk geradezu überfällig. Es ließe sich bei den verspäteten Progressive Rock Helden rund um Mastermind Steven Wilson vorzüglich darüber streiten, welches das stärkste, oder sagen wir mal das meist repräsentative" Album ist, doch in der engeren Wahl blieb ich beim siebten Masterpiece hängen.

Für mich persönlich steht "In Absentia" deshalb in der internen Pole Position, weil es zum Einen meinen Zugang in diesen wundervollen Klangkosmos der Briten einläutete, und zum Anderen, weil es trotz der hohen qualitativen Dichte früherer und späterer Outputs genau jene Silberscheibe ist, die ich am liebsten aus dem gedehnten und gequälten Regal raus zupfe. Zugegeben: das bizarr anmutende Artwork sowie die kapitale Lobeshymne im Rock Hard von Michael Rensen waren dazumal Ausschlag gebend, der Sache tiefer auf den Grund zu gehen.

Es scheint dem schmächtigen Tüftler Wilson, der neben Gesang und Gitarre auch alle Arrangements aus seiner überschäumenden Kreativität hervor zaubert, wie in die Wiege gelegt, den Spirit von den Siebziger Progressive Rock Legenden à la Pink Floyd mit dem kühleren Sound jüngerer Phonarchitekten wie z. B. Tool in Einklang zu bringen, um damit eine völlig eigene Nische zu bedienen, in die man sich nur zu gerne rein fallen lässt. Weshalb der Silberrundling recht heavy aus den Boxen donnert, kommt nicht von ungefähr: Steven hatte zuvor die beiden Opeth Scheiben "Blackwater Park" und "Deliverance" produziert - in späteren Interviews gab der Majestro zu, dass diese Kooperation deutlich auf den PT Sound abgefärbt habe. Welch enge Freundschaft die Herren Wilson und Akerfeld bis heute verbindet, muss wohl nicht groß ausgeschmückt werden.

Die satte Gitarrenwand und der geschmeidige Chorus bei "Blackend Eyes" waren jedenfalls die Initialzündung, "In Absentia" nach gefühlten 95 Sekunden aus dem Player zu nehmen, um das Ding der Begierde käuflich zu erwerben. Das war gut so, denn abgeschottet von störenden Faktoren konnte ich bald entdecken, für was der Name Porcupine Tree nämlich wirklich steht. So typisch progressiv, geschweige kopflastig ist das Songwriting nämlich gar nicht, nein, geht es bei der Wilson'schen Vision doch viel mehr darum, tiefen und verworrenen Gefühlswelten Ausdruck zu verleihen. Die technischen Feinheiten lauern bei Porcupine Tree eher im Hintergrund, was im Gesamtkontext jedoch ein Feeling zur Folge hat, das für so viele Rockbands unerreichbar bleibt. Wesentliche Rolle spielt hier jedenfalls Wilson's nachdenkliche und introvertierte Erzählweise, sowie die Dynamik zeugende Laut/Leise-Wechselstrategie. Melancholisch ist der allgemeine Grundton, stets filigran die Ausführung. Leidenschaft die Essenz.

Hier berührt jeder einzelne Ton empfängliche Seelen, insbesondere gilt das für akustische Streicheleinheiten der Kategorie "Lips Of Ashes" (!!!), "Trains" und "The Sound Of Muzak", handelt es sich hier um drei garantiert Kitsch-freie Balladen, bei denen das Quartett weit über die gemeinhin bekannten Komfortzonen in schreiberischer Hinsicht hinaus gegangen ist. Nicht weniger tiefschürfend und beeindruckend das dezent zum Industrial-Sektor schielende, latent drückende "Gravidy Eyelids", sowie das von dichtester Kulisse gesäumte "3" - ein Lied, das anhand der drüber garnierten Streicher den letzten Rest an morbider Gänsehautstimmung besorgt. Das ist Isolation pur, und dennoch so was von schön und ergreifend, dass man davon am liebsten absorbiert werden möchte. Mit "The Creator Has a Mastertape" hat sich zwar ein weniger attraktiver Song ins Repertoire eingeschlichen, was bei diesem imposanten Gesamtkunstwerk aber keine besondere Rolle spielt. Denn mit "Heartattack In A Layby" und "Strip The Soul" gibt es noch zuhauf starke Momente, die "In Absentia" (wenn auch bedächtig ruhig bei ersterem), wundervoll abrunden.

Jetzt hätte meiner Einer bei aller imaginärer Verbeugung vor diesem Tausendsassa Steven Wilson beinahe die anderen Members vergessen: Ja auch die Herren Richard Barbieri (keyboards), Colin Edwin (bass) und Gavin Harrison (drums) hatten natürlich ihres dazu beigetragen, dass Porcupine Tree mit dieser Veröffentlichung den entscheidenden Sprung nach vorne schufen, der später ein ums andere mal übertrumpft wurde. Sozusagen die Schlüsselstelle dieser fast makellosen Karriere, die abgesehen von den zahlreichen Nebenspielwiesen Blackfield, No-Man, Steven Wilson (solo) u. a. hoffentlich noch einiges zum Vorschein bringt!
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 17, 2013 9:21 PM MEST


Worst Enemy
Worst Enemy
Wird angeboten von Kuhlmann
Preis: EUR 7,57

5.0 von 5 Sternen Brachialität meets Zerbrechlichkeit! - darkscene.at, 5. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Worst Enemy (Audio CD)
Treffender hätten Disbelief ihren dritten Audio-Koloss nicht titulieren können. Mit dem Wechsel zum dazumal sehr stark positionierten Label Massacre Records und der vertrauten Produzenten Auswahl in Form von ex- Holy Moses Gitarrist Andy Classen (u. a. Soundtüftler für Dew-Scented, Tankard und Krisiun) hatten die fünf Hessen obendrein ein verdammt gutes Händchen bewiesen, wodurch auch die breitere Masse endlich Notiz davon nehmen konnte, für was der Name Disbelief steht: nämlich für extrem wuchtigen und nicht minder groovigen Death Metal der Königsklasse.

Natürlich neigt man in der Regel dazu, die großen Meister dieses Genre als Referenz heran zu ziehen, aber zumindest in meinen Ohren klangen Disbelief bislang düsterer und sogar eine Schippe intensiver als die ansonsten unangefochtene Britische Todesblei Walze Bolt Thrower. Diesen kleinen, aber entscheidenden Unterschied machen zunächst die dezenten Industrial Vibes aus, sowie das deutlicher kontrollierte Tempo - eine Nische, in der Disbelief alle ihre spielerischen Trümpfe zu zücken wissen und dabei unglaubliche Adrenalinmengen lostreten. Und wenn man mal wirklich von einer monströsen Gitarrenwand ins Schwärmen gerät, dann mit absoluter Sicherheit hier. Auch ziehe ich Karsten "Jagger" Jägers Vokalperformance jener seines Quasi-Pendants Karl Willets vor, bohrt sich erstere doch wesentlich heftiger in den Hörschacht. Weshalb das so ist, könnte mit dieser Art von Aggressivität begründet werden, die zugleich eine gewisse Verletzlichkeit durchsickern lässt.

Institutionen wie Killing Joke und Neurosis haben ihre Spuren im effektiven, stets auf den Punkt kommenden Songwriting der Deutschen hinterlassen, jedoch steht auf "Worst Enemy" der Todesmörtel Anteil deutlicher im Vordergrund, als bei einigen der späteren Releases (wie z. B. auf dem sechsten Streich "66 Sick"). Dafür hatte das von Oliver Lenz und Jan Dirk Löffler präzise geleitete Gitarrensägewerk speziell auf der ersten Hälfte ("Misery", "Believer", "Survive", "All Or Nothing", "Denial") schon großzügig gesorgt - reinigend wie ein heftiges Gewitter. Doch ohne Beisein einer gut geölten Rhythmus Sektion wie hier hätte dies recht wenig genützt. In geistig-manueller Verbindung mit den Herrschaften Jochen Trunk (bass) und Kai Bergerin (drums) wurde exakt diese spürbare Dichte erzeugt, die man bei den meisten, hypertechnisierten und leblosen Produktionen der heutigen Zeit bedauerlicherweise gänzlich vermisst. Ja, richtig: bei Disbelief dreht es sich ausschließlich um das Erschaffen einer drückenden und morbiden Kulisse. Blastbeats und Splatterlyrics wären lediglich Fremdkörper.

Einzelne der zehn Tracks hervorzuheben, fällt bei "Worst Enemy" nicht gerade leicht. Als die ganz heißen Favoriten gehen nach wie vor der mächtige, gerade durch marschierende Opener "Misery", das höllisch treibende "Believer", das schleppende, in pure Verzweiflung mündene "Denial" und das ebenso zähe, ein wenig zu Depressive Age schielende "Livin' Wreck" durch, bei welchem "Jagger" seine malträtierten Stimmbänder etwas gemächlicher einsetzt. Doch genau genommen zählen alle dargebotenen Songs gut eine Dekade später immer noch zu den Sternstunden im Hause Disbelief. Selbst wenn man die Tendenz zur Gleichförmigkeit gegen Ende dieses Werkes bemängeln könnte, überwiegt letztlich ein überschäumender "Genuß" eines solchen Granateneinschlages. Generell: Nur wenige Brachial-Truppen vermögen anhand so wenig Fragmente ein derartig energisches Klangwunder zu kreieren, welches in höchsten Potenzen Bedrohlichkeit, Qual, Schmerz und Angst in sich trägt. Mit einem Wort: FESSELND!


Titan Force
Titan Force
Wird angeboten von EliteDigital DE
Preis: EUR 54,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Keineswegs im Schatten von Jag Panzer - darkscene.at, 5. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Titan Force (Audio CD)
Alleine schon wegen des Engagement' eines gewissen Harry Conklin durften Titan Force speziell in Europa einen Gott nahen Status genießen, dessen Schwingungen bis heute nach wirken. Dabei waren die drei (!) Flores Brüder Mario, John & Stefan unter dem früheren Banner Titan genau diejenigen, die einst selbst zum "Tyrant" mit offenen Mündern auf geschaut hatten und vermutlich nicht einmal zu träumen wagten, später mal mit diesem Charismatiker zwei exzellente Alben zu realisieren. Als langjährige Vorband für die großartigen Jag Panzer hatte man mitten in den Achtzigern jedenfalls beiläufig begonnen, Coverversionen derer ins Live Repertoire zu nehmen, was insgeheim die Zusammenkunft Ende der Achtziger zwischen diesen beiden Parteien andeutete. Dabei war das Titan Eigenmaterial - einige tolle Demotapes gingen dem Erstlingswerk natürlich voraus - keinen Deut schwächer als jenes von Jag Panzer`s Hammerdebüt "Ample Destruction" (zum Classic).

Weshalb es zu dieser elitären Konstellation kam, lässt sich ganz einfach erklären: Jag Panzer waren zu dieser Zeit Geschichte, ehe im Jahre 1993 die Reunion (bislang noch ohne Harry "Tyrant" Conklin, der 1996 zurück kehrte) vonstatten ging. Da lag es selbstverständlich auf der Hand, dass die namentlich inzwischen zu Titan Force avancierten Jungs sich den begehrten Sänger schnappten, der auch zwischenzeitlich von solch Kaperzundern wie Riot oder Satans Host verpflichtet wurde. Generell sei gesagt, dass dieser Hammervokalist samt seinem unverwechselbaren Organ schon seit den ersten Jag Panzer Tagen zu den wahren Ikonen der US Metal Szene zählt.

Zwar melodischer und straighter als die inzwischen zu Grabe getragenen Jag Panzer, aber um nichts weniger erhaben, zeigten die fünf Titan Force Musiker der weltweiten, knapp vor einem kapitalen Umbruch stehenden Rock und Metal Szene, wie viel Stunden Schweiß und Herzblut man für dieses Debüt geopfert hat. Um nicht zusagen: Eine Lehrstunde in Sachen Heavy Metal amerikanischer Prägung, die vermutlich auch wegen ihrer Klischee-armen Erscheinung nie einem größeren Publikum zugänglich wurde. Die blau-roten Röhren als Hintergrund für die Musikerportraits hatten wohl ihres dazu beigetragen. Was solls, Harry soll später dazu gemeint haben, dass diese so genannten "springs" zur Herkunft, nämlich Colorado Springs, passen. Doch der Kern, als da wäre die exzellente Musik, die überstrahlt alles! Die filigrane, songorientierte Gitarrenarbeit der Herren Bill Richardson und Mario Flores, die ausnahmslos souverän pointierten Hooklines sowie Harrys', einer anderen Liga zuzuordnenden Gesangsleistung, ziehen sich geschmeidig und wie ein roter Faden durch die neun Stücke und finden in "Fool On The Run" obendrein ein atemberaubendes Finale, das den Hörer nur noch mit der Zunge schnalzen lasssen kann, sofern der irgendwann einmal die ganz tiefe Zuneigung für diese Art von Musik entdeckt hat.

Was soll man großartig über solche fantastische, hymnisch gekleidete Ohrenschmeichler wie "Chase Your Dreams", "Master Of Disguise, "Toll Of Pain" oder "Wings Of Rage+, um nur die wichtigsten zu nennen, noch schreiben? Hier trifft hohe Songwriting-Kunst auf Charme, und spielerisches Können auf ungeschminkte Leidenschaft. Stets an der Schnittstelle zwischen Hardrock und Metal zelebrierend, haben diese, vor Melodiereichtum und Drive nur so strotzenden Phonperlen ihren Reiz über zwei Jahrzehnte nicht verloren. Schade halt nur, dass dem Quintett damit niemals einen größere Aufmerksamkeit geschenkt wurde und somit dem ewigen Insidertipp verflucht war. Insbesondere für passionierte Gitarristen mit Hang zu den glorreichen Achtzigern dürfte es ein angenehmes Vergnügen sein, jene prächtigen Harmonien und edlen Soli aufzusaugen. Das ebenso empfehlenswerte Nachfolgewerk "Winner/Loser" (1991) wurde wie "Titan Force" übrigens wieder neu aufgelegt!


A Sense of Change
A Sense of Change
Preis: EUR 11,04

5.0 von 5 Sternen Das absolute Masterpiece der Bayern - darkscene.at, 5. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: A Sense of Change (Audio CD)
Die 1986 gegründeten (und zwischenzeitlich 1999 bzw. 2008 fix aufgelösten) Sieges Even gehörten zu jenen frickelfreudigen Exemplaren, welches die europäische Prog-Landschaft Anfang der Neunziger so richtig erfrischen konnte. 1988 mit dem Debütalbum "Life Cycle" noch als Progressive/Thrash Kapelle inklusive dem Beinamen bajuwarische Ausgabe von Watchtower" herum wildernd, folgte 1990 für den Zweitling "Steps" eine stilistische Wende, die man in solchem Ausmaß äußerst selten antrifft. Zu psychedelischen bzw. jazzigen Klängen wurde nämlich eine Kurskorrektur vorgenommen, die als fast logische Konsequenz beim intellektuellen Hörerzirkel wesentlich mehr Anklang fand, als bei den unaufhörlich headbangenen Heavy Metal Fans, denen diese experimentelle Scheibe wie ein Schlag ins Gesicht vorkommen musste, aber denen Dream Theater mit "Images And Words" (zum Classic Review) wenige Monate später dieses Metier schlagartig öffneten.

Jedes der ersten drei Sieges Even Werke steht künstlerisch für sich. Denn für das Anfang 1992 erschienene "A Sense Of Change" Opus wurde Franz Herde am Mikro abgesetzt, um den stimmlich variableren Jogi Kaiser den SE-Sound künftig mitgestalten zu lassen. Natürlich beflügelt eine neue Stimme die Ausrichtung einer Truppe im Regelfall, doch die Holzwarth Brüder Alex (Drums) und Oliver (Bass) haben sich wie Gitarrist Markus Steffen im Zuge dessen ebenso neu erfunden. Die Unbequemlichkeit von "Steps" zeigt sich auf "A Sense Of Change" nur mehr in wenigen Nuancen. Und auch die Songstrukturen sind - im Sinne des nicht musizierenden Konsumenten - klarer wahrnehmbar. Eine beachtliche Gratwanderung zwischen Ohrwurmtauglichkeit und Komplexität also, die man zuvor bei allem perfektionistischen Streben etwas vermisst hatte. Gelegentliche Rush Zitate gehörten plötzlich zum guten Ton, wobei von bloßer Abkupferei niemals die Rede sein kann.

Gewohnt akribisch, virtuos, vor allem weich und fragil wie nie zuvor präsentierten sich die einstigen Uni-Absolventen auf "A Sense Of Change". Nicht zuletzt der glasklaren Produktion vom damals noch etwas unbekannten Charlie Bauernfeind (später Produzent für Blind Guardian, Helloween, Kamelot u. v. a.) wegen, wo jedes Instrument seinen verdienten Freiraum hat, entsteht ein zeitloser Charakter innerhalb der neun, Detail verliebten Tracks. Aus dem herkömmlichen Rahmen fällt jedoch das Titelstück an vierter Position: akustische Gitarren, Violinen Gefiedel und ein lieblicher Gesang - nicht mehr, nicht weniger. Dennoch ist es viel zu gut, um es (als hauptberuflicher Rocker) nicht zu mögen. Mit den ausladenden Stücken "Dimensions" (8:12) und "These Empty Places" (9:42) gibt's auf der zweiten Hälfte ohnehin noch zig Stimmungswechsel und Breakhalden für Menschen mit Zappel-Phillip-Disposition vor Ort, wobei immer noch der Song an sich klar im Fokus steht.

Wie gesagt, der omnipräsente und leicht verdauliche Hang zum Jazz Genre verleiht dieser Silberscheibe ein außergewöhnliches Attribut, und erzeugt insbesondere beim wach rüttelnden Opener "The Waking Hours" und bei "Prime" (Mike Oldfield und sein Klassiker "Tubular Bells" lassen am Beginn grüßen) neben der sonst vorherrschenden Individualität eine Dynamik, die selbst für Spätentdecker Suchtpotential beherbergt. Mit dem charmant-verführerischen "Behind Closed Eyes" gibt es obendrauf einen kleinen Hit zu besabbern und die mit Fortlauf mehr und mehr in Mol getünchte Ballade "Epigram For The Last Straw" ist sowieso ein unbeschreiblich-unverzichtbares Abenteuer für den wahren Audiogourmet.

Selbst wenn die sympathische Münchner Ausnahmecombo trotz weiterer superber Alben (insgesamt zählt die Diskographie sieben Studio-LPs) dem ewigen Fluch des Insidertipps ausgesetzt war, vermochte sie wie kaum eine andere, Musikbegeisterte aus den diversesten Geschmacksrichtungen auf einen Nenner zu vereinen. Dass ein Juwel wie das repräsentative "A Sense Of Change" möglicherweise zur falschen Zeit am falschen Ort an die Peripherie geschlüpft ist, kann nachträglich wohl nur als schwacher Trost bezeichnet werden. Anders bzw. hoffnungsvoller scheint sich Markus Steffen's neue Band Subsignal zu entwickeln, die schon mit ihrem zweiten Longplayer "Touchstones" (zum Review) speziell in Deutschland einen ganz großen Wurf landete.


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