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Rezensionen verfasst von
Werner G. (Innsbruck)

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Unbroken (Deluxe Digibook)
Unbroken (Deluxe Digibook)
Preis: EUR 22,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Tolle, klassische HR-Scheibe - darkscene.at, 12. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Unbroken (Deluxe Digibook) (Audio CD)
Wann eine Beinahe-Rentner-Truppe nach ganzen sieben Jahren es zustande bringt, ein Studioalbum raus zu hämmern, weiß man irgendwie nicht so recht, welche Erwartungshaltung man an den Tag legen soll. "Better The Devil You Know", so der Titel des letzten, regulären Demon Albums, überraschte nicht zuletzt anhand seiner straighten Vibes (im Gegensatz zum experimentellen "Spaced Out Monkey") und ist nicht unbedingt in die Riege der Referenzscheiben "Night Of The Demon", "The Unexpected Guest" (Review) oder "Taking The World By Storm" (Review) einzureihen, was aber nicht heißen soll, dass Dave Hill und Co. hiermit schlechte Arbeit abgeliefert haben, im Gegenteil.

"Unbroken", das inzwischen elfte Studiowerk der NWoBHM Legende, orientiert sich wiederum an den Wurzeln, am klassischen Hardrock. Dies darf gern als Bekenntnis der Endachtzigerphase von "TTWBS" verstanden werden. Die unbeirrbaren Veteranen offenbaren zwar nichts, was man als neu oder ähnliches bezeichnen könnte, überzeugen dafür umso mehr mit beherztem Songwriting und ungebrochener Spiellaune: das Motto "Unbroken" kann als bare Münze genommen werden. Der erfreulich hohe Wiederkennungswert sowie die konstant anziehende Aura der elf Tracks lassen keinen Zweifel erkennen, wonach Demon nicht mit gehörig Enthusiasmus und Zielstrebigkeit an die Sache gegangen wären.

Manche mögen die Nase rümpfen, weil ausgerechnet "I Still Believe" - eine etwas schmalzig geratene Ballade – als Appetizer ins Netz gestellt wurde. Sieht man über diesen winzigen Schönheitsfehler hinweg, kommt man an den vollen Genuss solch herrlicher Rocker wie "Prey", Shine A Light" oder wie "Fill Your Head With Rock", die mit einer dezenten Prise Rainbow liebäugeln, kaum vorbei. Der fantastische, lässig dahin treibende Titeltrack lässt dann noch die oder andere Ozzy Referenz durchblicken und gehört für mich zweifelsfrei zu den coolsten Ohrwürmern des langsam auslaufenden Jahres, während die epischen Momente à la "Take Me To Your Leader" sich um keinen Hauch weniger reizvoll präsentieren. Wer Black Sabbath mit Dio am liebsten mochte, sollte hier Schmetterlinge im Bauch bekommen. "Wings Of Steel" ist die zweite Ballade auf "Unbroken", und ja, mit der hätten die fünf gealterten Gentleman mitten in den Achtzigern wohl sämtliche Charts mit links in den Sack gesteckt. Ähnliches gilt auch für das verzückende "We Can Make It". Und bei "What About The Night+ lassen zu guter Letzt die Herrschaften Saxon freundlich grüßen.

Auf diesen Kracher können Demon mächtig stolz sein. Man hat es vorzüglich verstanden, den alten Rock-Spirit in ein durchwegs modernes, angenehm glitzerndes Soundkleid einzuhüllen, ohne peinlich oder gar altbacken zu wirken. Dass die Essenz, sprich das Liedgut an sich, obendrein so wundervoll aus dem Handgelenk gerutscht ist, kann man nur mehr als das gern zitierte i-Tüpfchen bezeichnen. Ob es hiermit gelingen wird, ein wenig aus dem ewigen Mauerblümchendasein hervor zutreten? Wer weiß, gönnen würde ich es dem Insel-Fünfer aus tiefstem Herzen. Die limitierte Version gibt es übrigens als schmuckes Digibook, 3000 Stück weltweit!


The Seventh Degree of Separation CD Digi + Bonus DVD
The Seventh Degree of Separation CD Digi + Bonus DVD
Wird angeboten von cdursabineschnaut
Preis: EUR 20,00

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Weniger magisch, dafür rockiger! - darkscene.at, 21. Oktober 2012
Knapp sieben Jahre mussten sich Arena Fans in Geduld üben. Fast glaubte man, die Band habe sich im Stillen aufgelöst. Doch die Hiobsbotschaft Ende 2010, Sänger Rob Sowden habe Arena verlassen, ließ zumindest Gewissheit einkehren, dass die Neo-Proggies um Ex- Marillion Drummer Mick Pointer nach wie vor unter den Lebenden weilen.

Somit heißt es für verwöhnte Progressive Anhänger in diesen Tagen, sich einer neuen Stimme annehmen zu müssen. Kein leichter Stand, da Sowden einen großartigen Job abgeliefert hat. Nun, ein unbeschriebenes Blatt ist dieser aktuell im Line-Up aufscheinende Frontmann auch nicht. Paul Manzi dürfte einigen Lesern von The Oliver Wakemen Band sowie von Raw Glory bekannt sein.

Ob und wie diese Konstellation harmoniert, war wohl die berechtigte Frage. Eines vorweg: Sie harmoniert. Um eine bestimmte, längere Eingewöhnungsphase wird man als Alteingesessener jedoch kaum herum kommen. Paul klingt weniger theatralisch als Rob, dafür umso kraftvoller … oder: einfach rockiger.

Die dreizehn dargebotenen Songs auf "The Seventh Dregree of Separation" sprühen abermals diese typischen Arena Vibes (die wiederum quasi als geistiges Erbe der frühen Marillion gelten), wobei das eigentliche Neo-Prog-Element nicht mehr diese tragende Rolle wie früher spielt. Die düster-melancholische Aura von "The Visitor" (1998) und "Immortal?" (2000) kommt hierfür forciert zum Vorschein, was auf "Pepper's Ghost" (Review) ja kaum der Fall war. Genauso muss gesagt werden, dass etwaige Experimente, die sich in sieben Jahren gerne einschleichen hätten dürfen, ebenso außen vor bleiben. Arena bieten genau genommen ein kompaktes und nahezu Risikofreies Songwriting, welches durch partielle Spannungsbögen immer wieder aufhorchen lässt. Die Keyboards sind im Vergleich zu "Pepper’s Ghost" zwar etwas in den Hintergrund gerückt, das virtuose, aber stets songdienliche Gitarrenspiel von John Mitchell zeigt sich dafür dominanter. Und natürlich: Die grazilen Harmonien dieses Fiedlers gibts in Hülle und Fülle. Zurück zu Neuerwerbung Paul Manzi: seine Vocals gehen für einen Einstand wie diesen absolut in Ordnung, das prickelnd-charmante Etwas seines besagten Vorgängers sucht man jedoch mit der Lupe.

Heißt in letzter Konsequenz: Arena haben ihre Hausaufgaben brav gemacht. Nicht mehr, nicht weniger. Ausfälle sucht man vergebens, einen heraus ragenden Burner mit Ausnahme von ähem ... "Burning Down" (Killer!) gleichfalls. Positiv anzumerken sei noch die glasklare Hammerproduktion (Mitchell/Nolan bzw. Mix: Karl Groom), die in allen Belangen perfekt ist, wie auch die stilvoll gestylte Digipack Version samt dem 28-seitigen Booklet. "The Seventh Dregree of Separation" ist übrigens wieder ein Konzeptalbum, das der geistigen Feder von Keyboarder Clive Nolan entsprungen ist. Wie gerne würde ich ein Höchstnote für diese elegant agierende Kapelle zücken, doch man sollte den Ball flach halten: Arena haben schon ganz andere Klangmonumente kreiert.

Anspieltipps: "The Great Escape", "The Ghost Walks", "Thief Of Souls", "Burning Down".
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 14, 2012 11:52 PM CET


Flying Colors
Flying Colors
Preis: EUR 19,98

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zeitreise durch die Pop und Rockhistory - darkscene.at, 13. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Flying Colors (Audio CD)
Besser spät als nie, werden sich jetzt manche denken. Die nicht mehr ganz neue Supergroup um ex- Dream Theater Octopus Mike Portnoy, Deep Purple Guitaro Steve Morse und ex- Spocks Beard Sänger Neal Morse hat ja bereits im März ihr Einstandswerk veröffentlicht, ehe kurz danach die zweite/dritte Truppe von Portnoy (sagen wir mal, Transatlantic sind im Moment quasi Hauptband), nämlich Adrenaline Mob, ihr grandioses Debüt "Omertà" (Review) ins Rennen geschickt hat.

Auch die anderen beiden Members wollen wir euch nicht vorenthalten: da hätten wir Dave LaRue (Dixie Dregs) am Viersaiter, und an der zweiten Klampfe bzw. an den Leadvocals einen gewissen Mister Casey McPherson, der bei Alpha Rev in Lohn und Brot steht.

Das Kollektiv von Flying Colors hat sich ob der namhaften Kapellen ihre eigene Nische geschaffen und so nebenbei gesagt sehr überzeugende Arbeit geleistet. Nein, auf "Flying Colors" wird nicht geproggt/gebreakt/gekopft, was das Zeug hält, sondern leicht verdauliche Rockmusik zelebriert - und das sogar mit reichlich Popappeal im Schritt. Eine indirekte Verbeugung der (einstigen) Dinosaurier könnte man frei Schnauz behaupten, denn die ein oder andere Affinität zu den Beatles, Electric Light Orchestra, Kansas, Queen, Supertramp oder Toto schwingt auf erfrischende Art immer wieder durch. Kein einziger Refrain der elf Tracks kommt langatmig rüber und selbst die dazwischen gestreuten Jamparts wirken homogen und überaus cool. Im Zuge dessen auch ein dickes Kompliment an Sänger Casey McPherson, der Mann hat wahrlich eine angenehme, warme Stimme und auch nicht unwesentlich: er weiß im richtigen Moment die Klappe zu halten. Spätestens im Duett mit dem charismatischen Neal Morse werden ohnehin einige Herzen höher schwingen, dessen bin ich mir ziemlich sicher. Durchzogen ist der Longplayer von einer äußerst positiven und flockigen Aura, die lediglich im finalen, zwölfminütigen "Infinte Fire" - übrigens ein Monumentalhammer vor dem Herrn - einer düsteren Aura weicht.

Nach gut fünfzehn Durchläufen ist mir kein Schwachpunkt aufgefallen, und einen Song gesondert hervor zu heben, fällt ebenso schwer. Ob flott, ob groovig oder balladesk, beinahe alle Audiobedürfnisse werden erfüllt und machen jede weitere Diskussion überflüssig. Die Herrschaften von Flying Colors sind echte Spürnasen, weil sie ihre formadiblen Fähigkeiten im Hintergrund ruhen lassen und indes forciert Wert auf Eingängigkeit und vor allem auf Feeling legen. Wer (noch) die physische Form gegenüber dem Download vorzieht, sollte sich das edel gestaltete Digipack zulegen.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 14, 2013 4:42 PM MEST


Silent Waters
Silent Waters

5.0 von 5 Sternen Weitere Pflichtübung aus Finnland! - darkscene.at, 10. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Silent Waters (Audio CD)
(Review aus dem Jahre 2007)

Finnlands Düsterheimer No. 1 haben einen enormen Zahn zu gelegt ... erst im Frühjahr 2006 erschien "Eclipse" – quasi der Neubeginn mit Sänger Tomi Joutsen in Bündnis wieder entdeckter Härte sowie die Rückkehr zu Nuclear Blast nach einem kurzen Major Ausflug. Jenes "Eclipse" orientierte sich zweifelsohne mehr an Referenzwerke wie "Elegy" und "Tuonela" und hatte bzw. hat im selben Atemzug genauso viele Reize zu bieten, was selbstverständlich gleichfalls auf den aktuellen Longplayer "Silent Waters" zutrifft.

Die Wissbegier wird somit auch hier bestens befriedigt, denn eine massive, kaum fassbare Atmosphäre, verzaubernde Mystik sowie eine hohe, verführerische Komponierkunst säumen die 51 Minuten dieses Meisterwerks - vollends. Auch wenn mich der Abgang von Ex- Sänger Pasi noch lange schmerzte, muss man Tomi Joutsen zu seiner Leistung, die von äußerst gefühlvollen bis zu ziemlich aggressiven (die sind nur mehr vereinzelt anzureffen) Sequenzen fast alles abdeckt, gratulieren – der Mann versteht einfach im richtigen Moment das richtige zu tun. So bietet das erstklassig produzierte Scheiberl nebst des garstigen Openers "Weaving The Incantation" meist elegische und Seelen berührende Kost, welcher man ab dem dritten Durchlauf nicht mehr widerstehen kann. Highlights sind am laufenden Band zugegen: das wunderschön inszenierte Titelstück oder die um nichts weniger großartigen mit haufenweise Pathos versehenen "Towards And Against" und "I Of Crimson Blood" sowie das an alte Amorphis erinnernde "A Servant“" für erste. Es ist schon ein Phänomen, wie diese Truppe Pink Floyd artige Elemente in ihr eigenes metallisches Muster integriert, wie volkstümliche Instrumente nahtlos im Einklang mit Starkstrom und hartem Beat stehen. Das Qualitätslevel wird bis zum bitteren Ende gehalten, der reiche Fundus an Ästhetik im Kontext verlockender Klangschaften – sei es der Ohrenschmaus "Her Alone", das stimmungsvolle, zu Skyclad schielende Folkstück "Enigma" oder das Abschluss Double "The White Swan" & "Black River" – entzückt, wie bereits erläutert – vollends! Eines ist amtlich: dieser Zungenschnalzer wird niemanden enttäuschen, der sich bis dato mit dieser Truppe ernsthaft auseinander gesetzt hat!


Revelry and Resilience
Revelry and Resilience
Preis: EUR 7,99

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gefälliges Retro-Scheibchen ... - darkscene.at, 10. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Revelry and Resilience (Audio CD)
Gypsyhawk ist eine weitere Truppe, die uns den Stempel der farbenfrohen Siebzigerjahre möglichst authentisch aufdrücken will. Ja, da hat sich binnen kurzer Zeit regelrecht ein liebenswerter Trend entwickelt, der mehr und mehr Einzug bei den konventionellen Heavy Metal Labels bzw. Konsumenten bekommt. Das Quartett aus Kalifornien hat nun das zweite Retro-Dessert am Start, eines, welches als Quasidebüt den europäischen Markt bereichern soll: wer den Erstling "Patience & Perseverance" zuhause haben will, muss sich das Ding nämlich als Import ordern.

Neben den schon groß aufgeigenden Rival Sons, Graveyard oder Witchcraft also die nächste Gute-Laune-Langzottel-Speckjeans-Combo, die zwar weniger psychedelisch agiert, dafür jedoch weit mehr erdige Vibes versprüht. Prominenzen à la Thin Lizzy und Deep Purple werden da als Hauptinspiratoren zu Protokoll gegeben, die man meiner Meinung nach auch so stehen lassen kann, doch sind für mein Hörverständnis ebenso einige Zitate aus der goldenen NWoBHM (Diamond Head, Jaguar und Co.) charmant verpackt worden. Wie bei ob genannten Kapellen darf man den Jungs aus Passadena zu Gute halten, mit einer warmen und lebendigen Produktion den angenehmen Gegenpol zu den überproportionierten, seelenlosen Hochglanzfabrikaten der heutigen Zunft zu veranstalten. DER ultimative Hit lässt sich auf "Reverlry And Resilience" (vielleicht mit Ausnahme von "Hedgeking") nicht leicht finden, doch die spürbare Spiellaune, die symptomatische Unbeschwertheit und die rotzcoolen Arrangements über die ganze Album-Distanz sollte man problemlos auf der Habenseite verbuchen können. Anspeiltipps: "Overloaded", Frostwyrm", "The Red Wedding", "Silverqueen+.


Fighting for the Earth (Digita
Fighting for the Earth (Digita
Preis: EUR 19,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das war ....das Metaljahr 1985!!! - darkscene.at, 10. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Fighting for the Earth (Digita (Audio CD)
"Fighting For The Earth" ist ganz klar eine DER US-Metal-Referenzscheiben. 1985 war ja bekanntlich das Jahr, in welchem Savatage "Power Of The Night", Wasp "The Last Command", Omen "Warning Of Danger" und Malice "In The Beginning" veröffentlicht und somit den greifbaren Siegeszug der gesamten US Metal Szene mustergültig vorbereitet hatten. Und es war auch jenes, in dem der kalte Krieg seinem vorläufigen Höhepunkt entgegen steuerte. Symptomatisch möchte man fast glauben, hatten die fünf Warriors aus dem sonnigen Kalifornien den Puls dieser Epoche wie kaum eine andere Band gefühlt und in ihre Kompositionen einfließen lassen. Dies und auch der optische Aufputz in maßgeschneiderten Lederkostümen waren für 10 Records (Atlantic) vermutlich Anlass genug, dem Fünfer neben Größen wie Gary Moore oder Manowar einen Major Deal unter die Nase zu halten, der allerdings nie in die Verlängerung ging.

In Gegenwart solch eines Wonnepropens muss man sich einmal mehr ernsthaft fragen: wieso und weshalb? Wie Dokken oder Ratt hätten ebenso Bandleader/Gitarrist Joe Floyd und seine sattelfesten Krieger nämlich das Werkzeug dazu gehabt, mächtig durchzustarten, zumindest bis zum Grunge-Zeitalter Anfang der Neunziger. Wie auch immer: es hat nicht sollen sein. Warrior vermochten damals nicht nur meisterliche Kompositionen aus ihrer Feder zu kitzeln. Mit einem der ausdrucksstärksten Sänger jener Zeit, einem gewissen Parramore MyCarty (der später noch dem Saitenakrobaten Steve Stevens/Atomic Playboys zur Seite stehen wird), hätte ohnehin nicht viel schief gehen können. Wenn spielerische Kompetenz und außergewöhnliches Gespür in sich komplett verschmelzen, kommen im Normalfall (fast immer) Songs mit Langzeit- und Tiefenwirkung raus. Diese Fusion trat bei "Fighting For The Earth" hochgradig ein.

Retrospektive werden Kaliber wie Judas Priest, Keel und Malice als Spiegel für den Warrior Sound in den Mund genommen, was man schon so stehen lassen kann, jedoch hatten die fünf eine mehr wie wegweisende Visitenkarte hinterlassen, die man nicht leichtfertig verwechseln darf. Auch die für damalige Verhältnisse satte Produktion, welche die Gruppe in Kooperation mit Doug Rider ausgebrütet hat, bietet – wie soll es auch anders sein - Achtzigerflair bis zum kollektiven Abwinken.

Die komplette Scheibe ist wahrlich ein dicht gebündeltes Konglomerat aus Killerriffs, einprägsamen Hooklines und einer umwerfenden Vocal-Performance (die nicht selten an den Mountainking Jon Oliva von Savatage erinnert!). Kracher wie der sich tief in die Hirnrinde ein fräsende Titeltrack, das nicht weniger verzückende "Only The Strong The Survive", das eingängig-drückende "Ruler" und das flotte "Mind Over Matter" machen alleine die erste Seite von "Fighting For The Earth" zur vorzeitigen US Metal Pflichtübung. Doch will man die Tracks der zweiten Seite, unter anderem das düstere und äußerst harte "Day Of The Evil (Beware)" oder das rockige "Welcome Aboard" am Ende genauso wenig unter den berühmten Tisch kehren. Und ebenso die Halbballade "Cold Fire", die später einem Projekt von Floyd und ex-Megadeth Drummer Nick Menza den Namen geben wird, kann sich 27 Lenze später absolut hören lassen. Auch wenn ihr es nicht mehr hören bzw. lesen könnt: das ist einmal mehr jener prickelnder Stoff, von dem Nostalgieschwärmer in zehn oder zwanzig Jahren noch zehren werden.

Selbst wenn ganze 13 Jahre ins Land zogen, bis Warrior endlich einen Zweitling aus den Kohlen holen konnten: das inzwischen schon vergriffene "Ancient Future" Album – übrigens das letzte mit Shouter MyCarty – ist, wenn auch dementsprechend moderner gekleidet, keinen Deut schlechter als "Fighting For The Earth", was angesichts der damaligen Reunionflut als wohltuende Ausnahme zu werten ist.

“We Aaaarrrreee .......Fighting for The Earth“


The Plague That Makes Your Booty Move
The Plague That Makes Your Booty Move
Preis: EUR 13,15

5.0 von 5 Sternen Die Freaks um Mike Muir machen Funk, und wie! darkscene.at, 10. Oktober 2012
Als sich der internationale Durchbruch von Suicidal Tendencies Anfang der Neunziger Jahre deutlich abzeichnete, war es an der Zeit, einen Erreger namens Infectious Grooves aus einem bis dato geheim gehaltenen Mikrobiologischen Labor an der US Westcoast flitzen zu lassen. Nein, das war kein x-beliebiger Nebenjob eines x-beliebigen Zauberlehrlings. Kein geringerer als Mike „Cyco Miko“ Muir hatte die Intention, den berüchtigten Skatepunk Ambitionen der Suicidal Tendencies eine gesunde Portion Funk und einen hochansteckenden Groove einzuimpfen. Ein Stoff mit unaufhaltsamer epidemischer Langzeitwirkung, sollte sich bald heraus stellen. Ebenso mit von der Partie: Metallica Bass-Monster Robert Trujillo (damals noch bei Suicidal Tendencies tätig), Adam Siegel (guitar/Excel), Steven Perkins (drums, Jane’s Addiction) und einige andere illustre Gäste, unter anderem ST Riffmeister Rocky George.

Zur Veröffentlichung dieser Debütsensation schreiben wir 1991. Ein Jahr, in welchem sich markante Umbrüche innerhalb der Rock/Metal-Szene zeigen: Metallica schaffen es im Spätsommer, mit dem "Black Album" (Review) den Mainstream zu knacken, Nirvana veröffentlichen via "Nevermind" (Review) die Grunge-Referenz-Scheibe schlechthin, und Acts à la Mind Funk (Review), Mordred (Review) oder Saigon Kick (Review) pumpen dank "Genrefremder" Vibes frisches Blut in die harte Stromgitarrenkunst, welche geradezu nach Reformation schrie.

Dem Ganzen setzen allerdings Infectious Grooves im Herbst 1991 buchstäblich das Krönchen auf. Die Kalifornische Supergroup (damals war der Begriff noch weniger abgelutscht als heute) zieht nicht nur spielerisch sämtliche Register, sondern wirft darüber hinaus mit derart viel Humor um sich, dass sich nicht nur die Balken biegen. Es gab wohl nur eine Handvoll Kapellen, die damals ein vergleichbar aberwitziges Potpourri aus sich heraus kitzelten.

Die Basiszutaten Funk, Metal, Rap und Punk stehen hier auf ziemlich gleicher Augenhöhe. Entscheidender ist jedoch diese quicklebendige und völlig abgedrehte Art dieser übergreifenden Mixtur, die keine Sekunde Langweile aufkommen lässt. Andersrum gesagt: eine dicke CROSSOVER Wundertüte mit laufenden Überraschungen. Und nicht zu vergessen der Funk ohne K. Nach dem Motto, sich und das Leben nicht allzu ernst zu nehmen, pflügen Infectious Grooves durch die exotischsten aller Gemüsegärten, um sämtliche Limits zu durchbrechen. Da bangen die Lachmuskeln gleich mit. Künstlerische Referenzen? Na ja ... zu den Red Hot Chilli Peppers oder Jane's Addiction seien sie vorsichtig Daumen mal Pi angebracht. Am ehesten noch könnte man die mehr im Rap verwurzelten 24-7 Spyz zu Vergleiche ziehen. Die Produzentenwahl hätte zudem nicht besser sein können: Mark Dodson, der schon "Lights, Camera, Revolution" (Review) ein Jahr davor für Suicidal Tendencies veredelt hatte, würzte das hochexplosive Gebräu dieser gut geölten Venice-Groove-Power-Maschine punktgenau: Trujillo’s Bass Slaps und Perkins‘ harter Beat landen stets unsanft in der Mitte, so dass sich das Gitarrensägewerk Pleasants/Siegel immer wieder kraftvoll dagegen stemmen muss – so soll es sein. Darüber hinaus ist es natürlich terrible entfant Muir, der pausenlos aus seiner kunterbunten Verbalpalette zockt. Dass sein eigenwilliger, glockenheller (Sprech-) Gesang als DAS Merkmal gilt, muss wohl nicht weiter erläutert werden.

In den zwischenzeitlichen Kurzdialogen muss er sich jedoch für allerlei Dinge, die er so angestellt oder noch vor hat, rechtfertigen. Zumeist weist "Aladdin Sarsippius Sulemenagic Jackson The Third" den armen Mike auf's Schärfste zu recht. Aladdin ... wer? Nun, das ist das Maskottchen dieser pfiffigen Funk Clique, ein eher launiges Krokodil, das wohl ebenso einem nicht weit entfernten Labor entkommen sein muss. Es soll einige Leute geben, die diese zugegeben lapidaren Konversationen als Nerv tötend bezeichnen … na ja, so schlimm empfand es meine Wenigkeit nie wirklich.

Die Initialzündung, "The Plague That Makes Your Booty Move ... It's The Infectious Grooves" schleunigst zu erwerben, lag an der, sagen wir mal "leicht schrillen" Videoauskopplung von "Punk It Up", dazumal auf MTV‘s Headbangers Ball. Das coole Bassintro von Trujillo, welches hernach in eine wieselflinke Speed-Kanone mündet, traf – zumindest bei mir – sofort ins Schwarze. Dazumal ein Dauerbrenner am flimmernden Bildschirm. Da ließ sich der gute alte Ozzy Osbourne nicht lange betteln, bei den Recording Sessions mitzumachen: den Refrain zu "Therapy" steuerte der Prince of Darkness höchstpersönlich bei. Es war das zweite Video, was man nur wenige Monate später auf MTV beäugen konnte. Mit "Monster Skank" haben Infectious Grooves die Reinkarnation des schwersten Gitarrensound seit Black Sabbath's Debüt parat, bevor ein unglaublicher "turn" zu munter-flockigen funky Rhytmen folgt, und bei "Back To To People" wird der Hörer durch eine pralle Sound-Melange aus Percussions und deftigen Gangshouts dann endgültig aus seinem ausrangierten TV Sessel gedrückt. Und mit ähnlich gefährlichen Biowaffen warten auch die Schenkelklopfer "You Lie … And Yo Breath Stank" oder "Infecto Groovalistic" auf: pfiffige Axt-Akkorde treffen auf Blechbläser, virtuose Bassläufe auf geschmeidige Loops, bissige Beats auf Distortion Synthesizer. Oder so ähnlich.

Was bleibt zu diesem zappeligen Supervirus noch zu sagen? Lang lebe das Schräge!


Bloody Blasphemy
Bloody Blasphemy
Preis: EUR 8,17

5.0 von 5 Sternen Alles in Deckung, God Dethroned holen aus! - darkscene.at, 10. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Bloody Blasphemy (Audio CD)
Ende der Neunziger Jahre, als die Szenepioniere Pestilence längst von der Bildfläche verschwunden waren, Asphyx zwischenzeitlich als Soulburn firmierten und die nicht weniger bedeutenden Gorefest nach dem Release von "Chapter 13" das Handtuch frustriert schmissen, waren es die Jungs von God Dethroned, welche als eine der Speerspitzen die Flagge des holländischen Todesblei Verbunds gegen den Massenansturm aus Skandinavien (NWoSHM und Co.) dagegen hielten.

Ursprünglich 1990 von Frontman/Gitarrist/Songwriter Henri Sattler gegründet und nach dem halbgaren Debüt "The Christhunt" (1992) vorzeitig begraben, kam es fünf Jahre zum furiosen Comeback - "The Grand Grimoire" ließ bekanntlich 'zig Kinnläden runterkippen. Die Leute von Metal Blade Records nahmen im Zuge der Rückkehr Henri Sattler und Co. gleich für acht Alben, also bis zur Bandauflösung 2011 unter Vertrag, wobei von allen, durch die Bank mehr wie herzeigbaren Veröffentlichungen der direkte Nachfolger "Bloody Blashpemy" für mich persönlich das repräsentativste Langholz der Oranjes zur Schau stellt. Die damalige Besatzung wurde übrigens von Gitarrist Jens van der Valk, Bassist Beef und Drummer Roel Sanders vervollständigt.

Zwar kommt diese gnadenlose Death/Black Wundscheuerorgie über die Distanz von 40 Minuten nicht hinaus, spielt dies jedoch bei solch einer herzerfrischend-überzeugenden Attacke keine entscheidende Rolle. Die exakte Schnittstelle jener beiden Genre‘ und all die drüber gezuckerten Feinheiten sind es, die selbst dreizehn Jahre später in ihrer Vehemenz und kompositorischen Dynamik die Birne noch heftig in Rotation bringen. Es ist die tight austarierte Kombination aus polternden Blastbeats und Fast-Forward-Attacken in jedem Song, bei der die Adaptionen der Drosselparts und sogar die dezenten Choreinlagen niemals aufgesetzt wirken. Am Ende von "The Execution Protocol" ist – man lese und staune – ein ausladendes Piano-Thema zu hören, der eigentliche Song ist jedoch ein echter Zungenschnalzer, der dieses stimmungsvolle Outro nicht um jeden Preis gebraucht hätte. Und ja, bei "Boiling Blood" schrammte das Quartett an einem Slayer Rip-Off nur knapp vorbei. Aber sind wir uns doch ehrlich: Anleihen der Kings of Thrash finden sich genau genommen in gut 75% aller Thrash/Death Releases. Das wars auch wieder mit den leisen Kritkpunkten an "Bloody Blasphemy".

Mit "Soul Capture 1562", einem drückend-tristen Slow-Motion-Song, der erst gen Ende in bester Iron Maiden (bzw. in "Hallowed Be Thy Name" ähnlicher) Manier zu Mammutgleicher Größe aufläuft, ist den Holländern eines der absoluten Karriere-Highlights gelungen. Genau genommen handelt es sich um einen Death Metal Epic Hammer, an den sie danach nie wieder heran gekommen sind. Auch haben sich das hymnische und gleichermaßen räudige "Under The Golden Wings Of Death", das straight durch preschende "Firebreath" (für mich das europäische Pendant zu Slayer's "Black Magic"), das atmosphärisch-majestätische "Nocturnal" und das sensationelle Herzstück am Ende als kleine Heldentaten entpuppt, die den Test-of-time souverän bestanden haben.

Diese Kapelle hat trotz aller vorherrschenden Härteparameter innerhalb jenes Schlachtfeldes generell drauf geachtet, effektive Kontraste mit Memoryeffekt im Songwriting einzupflanzen, obschon bei den späteren Outputs dies nicht mehr derart hochkarätig gelingen wollte. Noch was: wer die streng limitierte Digipack Version von "Bloody Blasphemy" sein Eigen nennen darf, ist gleichzeitig stolzer Besitzer der sensationellen Neueinspielung von "The Christhunt". Wenngleich diese sympathische Vorzeigetruppe erst seit kurzem zu den Akten gehört und der Schreiber sich lediglich Teilzeit-Todesmetaller schimpfen darf: dieses Kleinod sollte man alleine seiner charmant verpackten FIESHEIT wegen kennen.


Black Science
Black Science
Preis: EUR 20,65

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fantastico ... ! darkscene.at, 10. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Black Science (Audio CD)
Als Fear Factory ihr Jahrhundertwerk "Demanufacture" (zum Classic Review) auf die zunehmend Neo-Thrash-hungrige Hörerschaft mitten in den Neunzigern los ließen, hatte ein gewisser Mister Terence Michael Joseph Butler sein erstes Modern Metal Baby im Brutkasten, zu dessen Recording Session der legendäre Black Sabbath Viersaiter den Sänger der ob genannten Industrial/Thrash Institution - namentlich Burton C. Bell - postwendend hierfür gewinnen sollte. Ein genialer Zeitpunkt, denn Fear Factory waren gerade in Begriff, den weltweiten Durchbruch anzutreten. Das Geezer Debüt "Plastic Planet" sollte ebenso zu einem glatten Durchschuss – wenn auch mit kleineren Verkaufszahlen – avancieren, weil das taufrische Songwriting zur großen Überraschung aller, lediglich in Nuancen an den klassischen Black Sabbath Sound erinnerte und im Sinne der neuen, gerade fulminant aufmischenden Sound Verströmungen sämtliche (Härte-) Parameter souverän erfüllte.

Nicht allen Althelden sollte der Sprung ins kalte Wasser bzw. in die musikalische Neuzeit mit den dazu gehörigen Experimenten gelingen. Allein wenn man an Paul Di’Anno bzw. an die vermeintliche Pantera Adaption namens "Menace To Society" denkt, kommt einem das Unverdaute gleich wieder hoch, derart daneben klingt das Endresultat. So aber nicht beim stolzen Schnauzbartträger und seiner dazumal deutlich jüngeren Herrenrunde aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Im direkten Vergleich zum "Plastic Planet" Erstling ziehe ich das Zweitwerk "Black Science" jedoch vor, weil die dreizehn Songs neben einer abermals wuchtigen Produktion ein noch breiteres Spektrum an Ingredienzien bieten und sich vielleicht gerade deshalb im Laufe der Jahre so gut wie nicht abgenützt haben.

Während der bis dato unbekannte Clarke Brown anstelle von FF‘s Burton (der aus Zeitmangel abgesprungen war) angeheuert wurde, blieben die Positionen an der Saitenfront mit Pedro Howse und an den Drums via Deen Castronovo (Journey, ex-Hardline, ex- Bad English) stabil. Eine exzellente Konstellation würde ich meinen, denn es entsteht während dieser knappen Stunde nie der Eindruck, als hätte der in Jahre gekommene Leitwolf, der hier auch noch sämtliche Keyboard-Sounds aus seinen Ärmel schüttelte, ganz strenge Vorgaben für seine drei Mitstreiter gehabt. Im Gegenteil, hier durfte bzw. konnte wohl jedes einzelne Geezer Mitglied sein kreatives Potential zur Gänze ausschöpfen, wodurch die Scheibe viele interessante Details offenbart.

Erwähnenswerten Schwachpunkt gibt es mit Ausnahme des etwas langatmig geratenen "Has To Be" nach fünfzehn Jahren keinen zu beklagen. Der zumeist aggressiv getunte Groove Metal wurde anhand zeitweiliger Industrial Vibes, sowie gelegentlicher Chill-Parts (!) prächtig aufgemotzt. Nimmer satte Riffspürhunde müssten speziell bei der ersten Albumhälfte in Ekstase geraten, derart heftig sägt sich Pedro durch das bemitleidenswerte Dickicht. Dieser Brutalinsky-Hybrid packt einen herbe an die Kronjuwelen, wie es das blendende Doppel "Man In The Suitcase"/"Box Of Six" gleich zu Beginn völlig ungeniert tut. Dass Brüllorgan Brown bei seinem Einstand Vorgänger Bell qualitativ in Nichts nachstand und stimmlich durchaus ähnlich war (und natürlich ist), kommt bei solch düsteren und eher Tempo gedrosselten Tracks a la "Mysterons", "Area Code 51", "Number 5" und "Among The Cybermen" aufgrund der forciert melodischen Schattierungen signifikant zum Tragen. Keine Frage, der Mann wusste sein markantes Timbre so brillant und variantenreich auf "Black Science" einzusetzen, dass es sich im Kontext des futuristisch gestylten Songmaterials zügig in den Gehörgängen fest saugt.

Speziell dieses "Among The Cybermen" hat wie besagtes "Man In The Suitcase" am Beginn einen sagenhaften Refrain in petto, der einen trotz aller kühler Charakteristika niemals kalt lassen kann. Ein ganz besonderes Juwel wartet gegen Ende der CD mit dem skurrilen Titel "Unspeakable Elvis". Das betörende Pendeln zwischen chilligen Sequenzen und brettharten Hau-drauf-Parts verleiht dem Song nämlich ein bizarres Flair, das seinesgleichen sucht. Was gibt’s sonst noch auf "Black Science" zu erhaschen? Beim durch und durch auf Industrial-Basis getrimmten Stück "Xodiak" wurde Meister Butler zweifelsohne von Nine Inch Nails inspiriert, während "Northern Wisdom" als angenehm relaxte Trip-Hop-Nummer den Hörer plötzlich in ganz konträre Klangsphären lockt. Generell bleibt jedoch zu sagen: es ist der unwiderstehliche Drive und die intensive Grundstimmung, die "Black Science" letztlich so auszeichnen!

Selbst wenn sich das Bandprojekt Geezer (oder auch G/Z/R geschrieben) am tiefgefrorenen Kuchen der Modern/New/Industrial/was auch immer Szene der Neunziger Jahre kein allzu großes Stück abschneiden konnte, sind die Beiträge "Plastic Planet" und "Black Science" nach wie vor äußerst empfehlenswerte, die vorzeitig wie etliche andere in den Sog der Vergessenheit geraten sind. Sollte man sich daher wieder in Erinnerung rufen.


Psalms for the Dead (CD + Dvd)
Psalms for the Dead (CD + Dvd)
Preis: EUR 22,99

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schöne Abschiedsgrüße aus Schweden! - darkscene.at, 10. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Psalms for the Dead (CD + Dvd) (Audio CD)
Candlemass gaben schon vor längerem bekannt, dass "Psalms Of The Dead" zwar das Abschiedsalbum markieren werde, jedoch nicht das endgültige Aus der Band. Man gedenke, "sich in Zukunft ausschliesslich auf den Live Sektor zu konzentrieren!" ... so aus dem Lager der chronisch trauernden Schweden, die ihr aktuelles Werk - man lese und staune - über das steirische Napalm Label promoten lassen.

Der wohl letzte Totenschmaus dürfte keinen Fan enttäuschen. Zumindest gilt das für jene Klientel, welche die beiden, ebenso von Solitude Aeturnus' Robert Lowe gesanglich veredelten Longplayer "King Of Grey Island" und "Death Magic Doom" seit deren Veröffentlichung regelmäßig in den CD Schacht einführt, was die nicht selbstverständliche Toleranz des Marcolin Nachfolgers automatisch miteinschließt.

Beim überraschend fetzigen Eröffnungsreigen "Prophet" werden gleich mal alle Zweifel, Candlemass würden etwa nur mehr eine lästige Pflicht erfüllen, gleich mal platt gemacht - die tolle Bridge samt Chorus muss man gehört haben. Das darauf folgende, schwer dahin kreuchende "The Sound Of Dying Demons" ist dann (selbstredend) eine richtig zähe Doom-Visitenkarte erster Klasse, welche klar an die eigene Frühphase erinnert. Und weil wir gerade von "zäh" faseln ... stilistisch schliesst sich die herrlich perfide "Waterwitch" an vierter Position gleich an. Das mit prickelnden Leadgitarren aufgemotzte "Dancing In The Temple" (Of The Mad Queen Bee) stellt den – Achtung Ironie – zweiten Speed-Knaller auf "Psalms For The Dead" zur Schau, während der von dominanten Hammondorgelsounds gekleidete Titelsong, so widersprüchlich es auch klingen mag, durchaus positive Vibes reflektiert. Vergessen wurden auch diesmal nicht die britischen Urväter: mehr wie deutliche Black Sabbath (also die ganz alten!) Riff und Groove Reminiszenzen sind bei "The Killing Of The Sun" zu beschnuppern. Soweit alles im erfreulich-sattgrünen Bereich, aber beim finalen, hart voran treibenden "Black As Time" haben Bandmotor/Bassist Leif Edling und Co. nochmals alle Register ihres Könnens gezogen. Speziell deshalb, weil der sensationelle Refrain nach einem plötzlichen Break wie Lava aus den Boxen strömt um anschliessend eine derart bedrohliche Kulisse zu hinterlassen, die einfach alles, was nur irgendwie nach Leben riecht, gnadenlos erstickt – echt krass, könnte man da sagen.

Das offizielle Abschiedsalbum der legendären Epic-Doom-Metal Truppe kann sich absolut hören lassen. Im Repertoire hält man sämtliche Bandattribute der ganzen Karriere bereit, die drückend-triste Atmosphäre verschlingt so gut wie jeden Funken Hoffnung, die Songs selbst – und das ist halt doch noch am wichtigsten – bleiben zügig an den Lauschern kleben und warten ergo auf eine baldige Live-Präsenz. Auch wenn dies laut letzten Meldungen ohne den charismatischen US Sänger (Ersatz: Mats Leven) statt finden wird, darf man hier getrost zugreifen.


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