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Rezensionen verfasst von
Werner G. (Innsbruck)

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Anomalia
Anomalia
Preis: EUR 19,30

4.0 von 5 Sternen Symphonischer BM meets Industrial meets Mainstream? - darkscene.at, 26. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Anomalia (Audio CD)
Hinter dem Beinahe-Einmann-Projekt Khonsu steckt ein gewisser. S. Grombech, seines Zeichen Bruder von Keep Of Kalessin Gitarrist Obsidian Claw. Der aus Trondheim stammende Six-Stringer schrieb, produzierte und spielte alle sieben vorliegenden Songs auf "Anomalia" selbst ein und überließ lediglich Keep Of Kalessin Frontman Thebon den Job am Mikro, der sein Organ bei Khonsu breiter gefächert als bei seiner Stammcombo zum Einsatz bringt.

Wer zunächst an die üblichen Verdächtigen, nämlich Dimmu Borgir, Dark Fortress, und an – Überraschung – Keep Of Kalessin selbst denkt, liegt zwar nicht weit daneben, doch das alleine wäre zu wenig, um das verchromte Riesenbaby Khonsu zu beschreiben. Der flinke Meisterkoch dürfte demnach die Intention verfolgt haben, neben der Verarbeitung von klassischen, symphonischen und schwarzverwurzelten Basiszutaten über den Tellerrand hinaus zu schauen: das gelungene Experiment, untypische Metal Elemente fast über die komplette Spielzeit zu integrieren, macht "Anomalia" gewissermaßen sonderbar und verlangt daher Aufmerksamkeit. Da darf man schon mal die Augenbraue ordentlich hoch ziehen, wenn Grombech ein von Samples gestütztes Industrial-Stück wie "Inhuman States" in der Mitte der Langrille platziert und mit ähnlichen Mitteln bei "The Malady" die Landsleute The Kovenant herauf beschwört. Oder wenn Frontkrätze Thebon die rockige Seite seiner sonst so abgrundtiefen, bösen Stimme entkleidet. Wer es nicht glauben will, sollte in das Hit-taugliche "Darker Days Coming" rein hören, das Lied erinnert mich ansonsten an die "The Quiet Offspring" Phase von Green Carnation.

Völlig weich und sentimental präsentiert sich im weiteren Verlauf "So Cold", bevor ein simples Stakkato-Riff das Kommando übernimmt, um danach in ein nicht enden wollendes Szenario voller Ambivalenz zu gipfeln. Doch keine Sorge, Virtuose und Tausendsassa Grombech hat weder auf pfeffrige Blastbeats ("In Otherness") vergessen, noch auf elegisch dahin schwelgende Melodien, wie es im jäh hypnotischen, fünfzehn minütigen "Va Shia" zelebriert wird. Letzteres führt uns wieder zum Ausgangspunkt bzw. zum Bandnamen von Khonsu: es handelt sich um den Ägyptischen Mondgott. Die kleine Schwester von Mutter Erde wiederum steht in fast allen frühzeitlichen Kulturen für die Gefühlswelt der Menschheit.

Scheuklappen ablegen und hinein fallen lassen sind bei einem Output wie "Anomalia" die obersten Prinzipien. Wer vom Mainstream zwischendurch abtauschen will in eine dunkle Welt voller mystischer Schönheit und symphonischer Klänge, ist bei diesem imposant arrangierten Werk gut beraten. Eine Acht darf man da schon mal rausrücken.


Into Enternity
Into Enternity

4.0 von 5 Sternen Unterschätztes DM - Debüt! - darkscene.at, 26. Februar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Into Enternity (Audio CD)
Zwei Jahre zu spät! Das ist der primäre Gedanke, der einem zum ewigen Geheimtipp namens Desultory durch die weich geklopfte Birne rauscht. Dismember, Entombed, Grave und Unleashed hatten gewissermaßen das Glück der Vorherrschaft und gelten bis heute gemeinhin als Initiatoren der ersten, großen Welle der Ikea Todesblei Szene. Doch wie entwickelten sich die Dinge um die zig anderen Kapellen aus der zweiten und dritten Startreihe? Sie hatten bis auf wenige Ausnahmen wie zum Beispiel Hypocrisy meist das kapitale Nachsehen! Doch allen finsteren Trendentwicklungen entgegen gibt es noch diese unerbittlich kämpfenden Bruderschaften à la Vomitory, die ihre Oldschool Schiene mehr wie konsequent durchziehen.

Trotz seiner zwanzig Lenze am Buckel hat sich "Into Eternity" innerhalb meiner bescheidenen Death Metal Kollektion bis heute unter den vordersten Top-Scheiben etabliert. Der mit den ersten beiden Alben von Dismember und Entombed am ehesten vergleichbare Höllenlärm atmet wie so viele andere diesen wilden, jugendlichen Charme, dem man eigentlich nur freudig erliegen kann. Ich spreche hier von jenem ungestümen Draufgängertum, das erst durch zunehmende Kontrolle und Studio-Perfektionierung in den Folgejahren allmählich eine Art Zähmung erlebt hat, ehe auf der internen Überholspur die New Wave of Swedish Death Metal gegen Ende der Neunziger zum Durchmarsch ansetzen würde. Indes: Desultory tendierten via "Bitterness" (1994) und "Swallow The Snake" (1996) wie Entombed später in die Death'n Roll Ecke, bevor mit Zebulon ein neues Kapitel aufschlagen werden sollte. Jenes semiperfekte Charakteristikum - speziell einige unrund geratene Breaks betreffend - macht das berüchtigte Salz in der deftig brodelnden Suppe namens "Into Eternity" aus. Wie in gut 80% aller damaligen, lokalen Genrefälle war es auch hier Meister-Knöpfchen-Dreher Tomas Skogsberg, der jene geballte Kraft und diese ganz bestimmte, Hau-drauf-Attitüde 1:1 bis zum finalen Mastering Prozess säuberlich auf's Band transferieren konnte und wie Scott Burns (Produzent u. a. von Obituary, Malevolent Creation und Sepultura) etwa zur gleichen Zeit in den USA vorab zum Kultproduzenten avanciert.

Simple und gleichermaßen durchzündende Kracher der Sorte "Into Eternity", "Depression", "Twisted Emotions" oder "Passed Away" bürgen aber nicht nur für konsequente Brutalität in Noten, Skalen und Versen, sondern halten zudem einen Melodieanteil inne, der darüber hinaus für das nötige Maß an Wiedererkennungswert sorgt. Zumeist im hohen Tempo herum wildernd und kompositorisch äußerst spartanisch gehalten, fügte Fronter Klas Morberg mit seiner symptomatisch fiesen Kehlkopftortur das entscheidende Element hinzu, wonach der klassische Elchtod erst seine Vollkommenheit bzw. Identität erlangt. Der enge Zusammenhalt der Bands wurde übrigens durch den Gastbeitrag von Matti Kärki (ex-Dismember) im zweiten Song "Depression" zusätzlich unterstrichen.

Wer auf der Suche nach Hochglanz, Detailverliebtheit und Variantenreichtum ist, befindet sich hier definitiv an der falschen Adresse. "Into Eternity" repräsentiert viel mehr ein schönes Zeitdokument, das den hungrigen Spirit der dazumal explodierenden, skandinavischen bzw. schwedischen Szene völlig authentisch wiederspiegelt und neben solch Krachern wie "Like An Everflowing Stream", "Left Hand Path", "Into The Grave", "Penetralia"und vielen anderen Death Metal Perlen im Regal nicht fehlen sollte.


A Blueprint of the World
A Blueprint of the World
Wird angeboten von empire-music
Preis: EUR 16,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Brillantes US-Prog-Debüt - darkscene.at, 26. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: A Blueprint of the World (Audio CD)
Dream Theater konnten 1992 mit ihrem Jahrhundertwerk "Images And Words" (Classic) den Progressive Rock/Metal für härtere Hörerschichten so richtig salonfähig machen, was zur Folge hatte, dass Horden junger Bands aller Herren Länder nicht nur in deren Erfolgssporen treten wollten, sondern auch, dass jene im blinden Glauben, fortan schneller – höher – weiter – als die Konkurrenz fiedeln zu müssen, den eigentlichen Kern, nämlich einen gut funktionierenden Song zu kreieren, in vielen Fällen einfach übersahen. Doch da gab es ja die berüchtigten Ausnahmen.

Nur ein Jahr nach dem Durchbruch der New Yorker Prog-Kings wollten Enchant aus der, für den Thrash weit mehr bekannteren Bay Area zwar auch international Aufmerksamkeit auf sich ziehen, nur mit dem Unterschied, dass es das dazumal blutjunge Quintett vorzog, die musikalische Richtung zu den weniger komplexen Achtziger Neo-Prog-Rock Helden – im Speziellen zu den Engländern Marillion – künstlerisch aufzugreifen: vor emotionalen, weichen, ja fast schon poppigen Klängen hatte das Quintett keinerlei Berührungsängste. Die anfangs bescheidene Präsenz von Enchant wurde zwar von Album zu Album dank Inside Out dezimiert, zumal man im Vorprogramm von Dream Theater Mitte 1997 eine ausgedehnte Europatour mit zocken durfte. Der totale Durchbruch sollte allerdings nie gelingen.

Filigrane Gitarrenmelodien, akzentuiert gespielte Drums, blumige, jedoch nie zu aufdringliche Keyboards, sowie eine enorm treibende Bass-Arbeit bilden das Fundament von Enchant, die 1989 als große Marillion/Kansas/Rush Fans musikalisch dementsprechend begabt das Baby aus der Taufe hoben, ehe 2004 sämtliche Aktivitäten auf Eis gelegt wurden. Man könnte gut die Hälfte der sieben Studio Fabelwerke ("Wounded" und "Blink Of An Eye" wären so geneigte Kandidaten!) des Fünfers raus picken, um sie im Klassikerhimmel zu würdigen, doch die so taufrischen, vor allem aber direkt aus dem Herzen kommenden Songs des Debüts "A Blueprint Of The World" gehören sicher zu den Sternstunden von Wunderstimme Ted Leonhard & Co., derer ich mich hier näher widmen will.

Für die Produktion konnten die Jungs Marillion Saitenkoryphäe Steve Rothery - er dürfte wohl die erste Wahl gewesen sein - rekrutieren. Allerdings war diese Entscheidung nicht der Weisheit letzter Schluss, markiert bedauerlicherweise das Zutun des Mister Rothery den einzigen, erwähnenswerten Schwachpunkt dieses Erstwerks: die Snaredrum tönt zu laut, während die Klampfen ruhig mehr Dominanz vertragen hätten. Sieht man über diesen kosmetischen Schönheitsfehler jedoch hinweg, kann man nur noch von prickelndem Genuss sprechen, der einem bei "A Blueprint In The World" durch Mark und Bein und sonst wo fährt. Ob nun das leichtflüssige, dezent zu den besagten Marillion lugende "The Thirst" gleich zu Beginn, das balladesk startende "Catharsis", das überwältigende, durch Mörder-Hooks versehene "Oasis", oder das verträumte "Acquaintance": die betörende Magie, die Enchant von der ersten bis zur letzten Minute auf "A.B.O.T.W." ausstrahlen, wurde hernach nur mehr selten erreicht. Kompositorisch abfallende Stücke sind ohnehin keine zu orten, doch die zwei Highlights neben "Oasis" weilen ausgerechnet am Ende dieser wundervollen Silberscheibe: zunächst der sensationelle Epik-Bombast-Reigen in Form von "Nighttime Sky", sowie der aufwühlende Signature-Song "Enchant". Hierfür gibt’s nur eine passende Rubrik, nämlich „wahre Gustostückerl, die man kennen sollte“.

Kopfkino für die Romantiker unter den Metalheads, das wie ein, an Ästhetik, Leuchtkraft und Schwung kaum zu übertreffender Klimt, dessen Erhabenheit sich nur mit Hingabe und tiefer Einwirkzeit ganzheitlich begreifen lässt, aus allen Poren funkelt. Was sollten wir wieder einmal daraus lernen? Man muss nicht immer proggen, was das Zeug hält. Die wahren Meister verpacken ihre Virtuosität ausschließlich in songdienlichen Arrangements. Alleine die ergreifende und Gänsehaut zeugende Stimme von Ted Leonhard (der im Übrigen noch den Gruppen Affector, Thought Chamber oder Xen sein Timbre verleiht) stünde dafür, doch darf man die restlichen Akteure, die gleichfalls einen Löwenanteil für dieses Masterpiece geleistet haben, nicht vergessen: den Herrschaften Doug Ott an der Sechssaitigen, Ed Platt am Tieftöner, Paul Craddick an den Drums und Mike "Benigmus" Geimer am Keyboard, wollen wir bitteschön nicht weniger unsere Ehre erweisen. Ach ja: nach dem 2012 die Reunion ausgerufen wurde, warten wir schon ganz heiß auf das Comebackalbum!


More Than One Way Home (Ltd.Digipak)
More Than One Way Home (Ltd.Digipak)
Preis: EUR 18,24

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Seelen-reinigender Classic Rock - darkscene.at, 26. Februar 2013
Der Titel könnte es kaum schöner beschreiben: "More Than One Way Home" ist nach "Voodoo Circle" (Review) und "Broken Heart Syndrome" (Review) bereits das dritte Notenbündel des Deutsch/Englischen Classic Rock Konsortiums um Gitarrist Alex Beyrodt (Silent Force, ex-Thy Sygnet), das als weitere Hommage an Deep Purple, Rainbow, Uriah Heep und Whitesnake samt deren kreativen Sternstunden speziell in die offenen Arme der Gattung Traditionsromantiker überlaufen wird. Was könnte schon eine solche, mit allen Wässerchen gewaschene Profi-Konstellation, der unter anderem Pink Cream 69‘s Goldkehlchen David Readman angehört, schon sonderlich falsch machen?

Demnach bräuchte man dieser Supergroup so etwas wie mangelndes Eigenprofil nicht ankreiden, denn von Anfang war es im Lager des Voodoo Circle die glasklare Mission, den Spirit und das Feeling oben genannter Hardrock-Dinosaurier mit Demut und Bedacht aufzugreifen, um lediglich individuelle Nuancen seiner selbst und einen Hauch Moderne hinzu zu fügen. Das Repertoire und die klitzekleinen Details können sich abermals hören lassen. Neben kraftvollen Epik-Songs ("Heart Of Babylon"), gediegenen Blues-Stücken ("Tears In The Rain") und treibenden Rockern ("Home Graveyard", "The Killer In You") sind es vor allem diese sensationellen Balladen, die mich in ungeahnte Sehnsuchtsgefühle hinein ziehen: das unglaublich schmeichelnde Titelstück ist zum Beispiel eine derartige Whitesnake Huldigung, dass man mit einem gewaltigen Ruck ins Jahr 1987 (Classic) zurück befördert wird. Es dürfte Leute geben, die so einen Track als lauen Aufguss von "Is This Love" bezeichnen, ich persönlich finde ihn einfach nur Gänsehaut stimulierend, vor allem deshalb, weil es Readman so richtig auf den Punkt bringt. Egal, was der blonde Exil-Karlsruher singt, man fühlt sich von seiner edlen und warmen Stimme stets angezogen.

Die Hauptinspiration scheint auf "More Than One Way Home" der schon angesprochene, klassische Achtziger Whitesnake Stoff zu, alleine die Titelgebungen sprechen eine deutliche Sprache. Es sind nicht nur die opulent angelegten Harmonien Marke Sykes/Vandenberg und Readman’s durchgehend erstklassige Gesangsperformance, weshalb ich dieses kleine Kunstwerk des fünfköpfigen Projekts gegenüber den letzten beiden Studiotaten von Coverdale und Co. vorziehe: der Ohrwurmfaktor ist auf "More Than One Way Home" mindestens gleichwertig, wenn nicht sogar dichter!


Powertrippin'
Powertrippin'
Wird angeboten von EliteDigital DE
Preis: EUR 22,95

5.0 von 5 Sternen Vergessene Perle aus Schottland! - darkscene.at, 26. Februar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Powertrippin' (Audio CD)
Natürlich wurden die Schotten bald mit Hype-Vorwürfen konfrontiert, da Vanessa Warwick, dazumal Moderatorin der einzig vernünftigen TV-Rock Sendung „Headbangers Ball“ und Ehefrau von Sänger/Gitarrist Ricky Warwick, keine einzige Gelegenheit ausließ, Publicity für dessen Band zu veranstalten - der Clip zu "Free n' Easy" dürfte Zeitzeugen nur zu gut in Erinnerung geblieben sein. Gerade die ersten beiden The Almighty Alben "Blood, Fire And Love" (1989) und "Soul Destruction" (1991), zwei erdige Rock n' Roll Scheiben mit deutlichen Motörhead und The Cult Einflüssen, profitierten vor allem in Großbritannien davon, wogegen ich mich zunächst nicht sonderlich beeindrucken ließ. Viel mehr fraß mich und wohl vielen anderen Jung & Altmetallern der Neid, abgesehen von allen möglichen erotischen Fantasien, wann diese Hammerblondine samt ihren anatomisch perfekt geformten Mund in die Kamera für den MTV Kanal blinzelte.

Allerdings: Hätte ich mich von der penetranten Promotion-Maschinerie nicht derart blenden lassen bzw. mich mehr auf die Musik konzentriert, wäre ich wohl schneller zur erhellenden Einsicht gekommen, dass The Almighty nicht nur Nutznießer einer Dauerkampagne sind, sondern ebenso exzellente Songwriter, die leider stets unter ihrem Wert geschlagen blieben. Zumindest habe ich diese Tugend auf dem dritten Studioalbum "Powertrippin‘" gänzlich entdeckt, für welche der hoch angesehene Knöpfchendreher Mark Dodson (Anthrax, Suicidal Tendencies, Metal Church, Prong, u. v. a.) engagiert werden konnte. Die typischen Charakteristika blieben immer noch im Vordergrund, sprich: das erdige, das rotzige, das punkige, gleichzeitig aber dem modernen Zeitgeist der frühen Neunziger angepasst. Da kitzelte Dodson fürwahr das letzte und mehr aus den vier Glasgow Lausbuben heraus. Anders ist es kaum erklärbar, dass die zwölf top arrangierten Songs bis heute nichts an Reiz eingebüßt haben.

Obschon manche Wichtigtuer Warwick und seinen damaligen Spießgesellen die Benützung einiger Grunge Einsprengsel vorgeworfen haben mögen, sind selbige genau die, die durch ihre dezent angewandte Dosis den Sound auf "Powertrippin‘" zusätzlich belebt und das Repertoire erweitert haben. "Addiction", "Possession", "Sick And Wired", oder "Instinct" – übrigens vier reinrassige Hits mit Kick-ass Faktor – sind deshalb noch lange keine Stimmungstöter, wie man im ersten Moment mutmaßen könnte, ganz im Gegenteil: viel mehr sind sie dreckige Powerrocker, die das grenzenlose Selbstbewußtsein der Herrschaften London, Munroe, Friesen & Warwick zu jener Phase eindrucksvoll widerspiegeln. Und auch die erwähnte Motörhead Prägung (Ricky ist selbstverständlich bekennender Lemmy Verehrer!) trifft man an - speziell beim flotten Titeltrack inklusive Punk-Anstrich und beim obergeilen "Over The Edge", zudem das Quartett mit einer Megaballade à la "Jesus Loves You, But I Don‘t" es eigentlich locker schaffen hätte müssen, sämtliche Charts zu knacken, wäre da nicht dieser, sagen wir mal, stichelnde Unterton inbegriffen. Übrigens: ein gewisser Mister Blaze Bailey (anno dazumal noch bei Wolsbane am Mikro) hat hierzu die Backgroundvocals mit eingesungen. Ähnliches gilt für die zweite Ballade "Out Of Season", die mit ihren Blues und Southern Rock Vibes so richtig heimelnde Gefühle erweckt.

Wie könnte man also solch einer überragenden Gesangsperformance, und der jäh nach Adrenalin, Benzin und Leder miefenden Attitüde der Allmächtigen aus dem Mutterland des Whiskey widerstehen? Ich persönlich habe kein wirkungsvolles Rezept. Dass The Almighty sich in den Folgejahren mit noch moderneren Experimenten etwas verzettelt hatten und zwischenzeitlich aufgelöst wurden, steht auf einem anderen Blatt, sowie, dass Rock n' Roll Wildsau Warwick mit seiner Thin Lizzy Quasi-Tributeband Black Star Riders zwischenteitlich ein weiteres Standbein ins Leben rief. Jedenfalls ist es eine Art wieder entdeckte Liebe, die bei diesem 1993 Dreher aufgeflackert ist, denn seit Wochen wird jener mit großer Begeisterung rauf und runter "genudelt"!


Heroes of Origin
Heroes of Origin
Preis: EUR 13,76

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zetro strikes back - darkscene.at, 26. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Heroes of Origin (Audio CD)
(3,5 points)
Ex-Exodus Shouter Steve „Zetro“ Souza tritt mit Hatriot nun voll und ganz ins Rampenlicht zurück. Nicht, dass man ihm das andere Standbein namens Tenet (Review) absprechen möchte, doch haftet dieser Truppe eher ein Allstar/Projekt- als ein richtiger Band- Charakter an. Und abgesehen davon ist es um selbige recht ruhig geworden. Bei Hatriot ist sowas nahezu ausgeschlossen. Mit an Bord sind nämlich seine beiden Söhne Cody und Nick, welche das Rhythmusbollwerk bilden, sowie die Mannen Miguel Esparza Zetro & Kosta "V" an den sechssaitigen Arbeitsgeräten. Also, ein Drei Fünftel Familienunternehmen mit Stammsitz Kalifornien, das frischen Wind zwischen der jungen und alten Härtnerszene bringen will.

Zunächst ist man sicher erfreut, mal wieder von diesem charismatischen Urgestein, das von 1987 - 1992 den Exodus Sound wesentlich geprägt hat, zu hören, denn die letzte Scheibe der Kult-Thrasher, die Mister Souza eingerotzt hat, liegt fast schon eine Dekade zurück (Review). Wer bei Hatriot eine von Exodus stark abweichende Mission erwartet, darf je nachdem, entweder beruhigt aufatmen, oder sich schöneren Dingen des Lebens widmen: "Heroes Of Origin" verkörpert und atmet den Bay Area Old School Thrash Spirit, wie er reiner und unbeugsamer nicht sein könnte - lediglich ein paar Blastbeats nehmen sich davon aus. Jedes Riff, jedes Break, und jeder Beat ist einem so was von vertraut, dass man glaubt, ins schöne Jahr 1989 zurück gebeamt, eine brandneu erworbene LP aus der hiesigen US Westbucht in den Händen zu halten, zudem auch das unverkennbare Organ von Zetro, der kraftvoll wie eh und je röhrt, sich in Null Komma Josef erschließt.

Doch genau hier liegt der Hund begraben. Obwohl in Sachen Härte keine Wünsche offen bleiben, das Klampfensegment von coolen Stakkato-Riffs dominiert ist, und sämtliche Speed-Attacken durch Wände marschieren, bleibt keiner der zehn Tracks ausreichend hängen, um hernach sabbernd die Repeat-Taste drücken zu wollen. Durch die Bank solide eingeholzt und top produziert ist nach heutigen Maßstäben und auch für meine Auffassung, so sehr ich dem sympathischen Zetro und seinen Jungs den Erfolg gönne, ein bisschen zu wenig, um ganz vorne mitzumischen, oder einen abgestumpften Alt-Thrasher, der die Originale nach wie vor liebt, zum herzvollen Bangen zu bringen.

Die leicht ignorierten Tempovariationen repräsentieren den Schwachpunkt auf diesem Debüt, wenngleich man die Kompromisslosigkeit und den Enthusiasmus des Souza-Clans (indes: Gitarrist Kosta ist der Hauptsongwriter) auf der Habenseite verbuchen muss. Kurz zusammen gefasst: herzeigbarer Einstand von Rückkehrer Steve und seiner blutjungen Mannschaft, doch für den zweiten Streich darf es gern mehr Risiko in der Kreativabteilung sein! Reinhören empfiehlt sich - speziell für die Nostalgikerfraktion - dennoch!


Axiom
Axiom
Preis: EUR 19,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Modern Rock/Metal aus Dänemark - darkscene.at, 26. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Axiom (Audio CD)
Die Modern/New-Metaller aus dem Dänischen Städtchen Aarhus sind wohl mehr oder minder ein Insidertipp - zumindest mir sagte bis dato der junge Fünfer so gut wie nichts, welcher dieser Tage immerhin sein drittes Studioalbum via Soundpollution publiziert. Aus dem üppigen Promotext will ich lediglich ein paar Eckdaten raus pflücken. Zunächst die Produktion, für die man keine Mühe und Kosten gescheut hat, denn niemand geringerer als Soundhexer Jens Bogren (u. a. In Flames, Katatonia, Soilwork) besorgte den erstklassigen Mix für "aXiom", während das düstere Cover sich Art-Koryphäe Travis Smith aus den Fingern saugte. Und es ist ein Konzeptalbum, welches sich um die Gefühlswelt psychisch kranker Menschen, die persönlich hierfür befragt wurden, dreht. Also eine heikle Story, die automatisch darauf schließen lässt, dass Boil auch musikalisch von Eingängigkeit und Glückseligkeit - zumindest im künstlerischen Kontext - nicht viel wissen wollen.

Die zwölf, durchwegs aufwendig performten Songs von "aXiom" offenbaren eine breite Palette, die abgesehen von kalten, harten Groove Metal über modernen Progressive Rock bis zu minimalistisch gehaltenen Metalcore Ausflügen hin, ein paar kleinere Überraschungsmomente bereit hält. Doch so viel sei gesagt: Nebenbeikonsumation ist kontraindiziert, weil man mit einem Seelenstrip der nicht alltäglichen Sorte konfrontiert wird. Da und dort kommen mir ein paar Riffs der Megaseller Disturbed in den Sinn, wogegen die wuchtig pointierten Beats und die tristen bis bedrückenden Kulissen die nahezu göttlichen Klangzauberer Tool durchblicken lassen. Maynard James Keenan und Co. dürften überhaupt eine der Vorbilder von Boil sein, wie man speziell auf der ersten Album Hälfte öfters fest stellt. Zusätzlich wurden dem Potpourri Electronic-Elemente und – heute kaum weg zu denkende – Vocals in verzerrter Form drüber gestreut. Am meisten gefällt mir jedoch, wenn Fronter Jacob Løbner völlig natürlich, also effektfrei ins Mikro zwitschert, obschon aggressives Shouting dem Kerl genauso gut liegt.

Die Fusion aus partieller Polyrhythmik, mächtig runter geschraubten Riffs, plötzlichen Wutanfällen und tonaler Zurückgezogenheit ist seit den Erstwerken von Deftones, Korn und Tool ja längst nimmer der letzte Schrei, doch irgendwie schaffen es die ambitionierten Dänen auf ihrem dritten Output, eine durchaus individuelle Duftmarke hervor zu kitzeln, bei der es sich lohnt, genauer hin zu lauschen. Einen kleinen Hit haben sie neben den größtenteils komplex arrangierten Stücken mit rein geschmuggelt: "Moth To The Flame" wäre der leicht gemachte Einstieg in diese zunächst zäh annehmbare, morbid getünchte Welt von "aXiom".


Rise Up (Digipak)
Rise Up (Digipak)
Preis: EUR 20,67

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein erwartet starkes Nachfolgewerk der Supergroup - darkscene.at, 26. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Rise Up (Digipak) (Audio CD)
Ende 2009 durfte die AOR/Melodic Rock Fraktion buchstäblich einen Freudentanz hinlegen, derart schlug dieses herzerfrischende Debütwerk (Review) dieser amerikanisch/schwedischen Formation in der seit Jahren aufblühenden Weichspüler Szene ein. Angetrieben durch jene fantastischen Reaktionen innerhalb der Presse und Fans, war es nur mehr eine Frage der Zeit, bis Stimmwunder Jeff Scott Soto und seine Mitstreiter trotz ihrer Haupt- bzw. Solobands den zweiten Rundling aus dem Köcher ziehen würden. Zwar haben Artworks im Internetzeitalter längst nicht mehr die Bedeutung wie einst, doch ein bißchen mehr Inspiration als lediglich einen vorgefertigten 08/15 Gummiadler vorn drauf zu platzieren, hätte man schon erwarten dürfen - um gleich mal meine einzige, wirkliche Kritik für "Rise Up" loszuwerden.

Musikalisch hingegen ist so ziemlich alles beim Alten geblieben: Komponist und Keyboarder Robert Sall hat abermals überzeugende Arbeit geleistet und die zwölf Stücke perfekt auf Mister JSS zu geschnitten. Fast zu perfekt könnte man meinen, denn der Überraschungseffekt des superben Erstlings bleibt (fast wie zu erwarten) aus. Auch 2013 wird der Melodic Rock des Trios wie aus dem Bilderbuch gepflückt zelebriert, also durch die Bank von üppigen und kommerzverdächtigen Harmonien verziert und von straffen Strukturen geprägt. Dass dies fast immer an der imaginären Linie der Kitsch- und des Sentimentalzone passiert, braucht wohl nicht groß ausgeschmückt werden. Ihr ahnt es schon: viel muss man zu diesem glasklar produzierten Kontinentalfabrikat nicht sagen. Potentielle Hitkanditaten wie beispielsweise "Learn To Live", "Rise Up", "The Moment" oder "Still Believe In Us" stehen im angenehmen Kontrast zu balladesken Beiträgen der Marke "Love Heals" oder "What You Want", was zwar als stets fein konsumierbar durch geht, aber noch lange keine Wellen schlägt. Doch wenn man sich solch einen Kracher à la "On The Run" zu Gemüte führt, der dann vergleichsweise deutlich mehr Ecken und Kanten erkennen lässt, hätte man sich einfach mehr von dieser kräftigen Sorte gewünscht - leider ein Einzelfall.

W.E.T. haben im Grunde alles richtig gemacht und werden der treuen AOR Seele dementsprechend Glückshormone bescheren. Unverändert bleibt auch die Tatsache, dass Jeff Scott Soto, der ja seit jeher eine brillante Performance (unter anderem bei Axel Rudi Pell, Eyes, Talisman, Yngwie Malmsteen etc.) abliefert, auch hier zu glänzen weiß. Bevorzugen tue ich allerdings das exquisite Einstandswerk, weil für meine, nicht immer leicht nachvollziehbaren Geschmacksknospen trotz aller vertrauten Genre-Attribute "Rise Up" letztlich ein Eitzerl zu routiniert klingt.


Poison in Black
Poison in Black
Preis: EUR 21,40

4.0 von 5 Sternen Gelungene Mischung aus Rock, Metal & Bombast! - darkscene.at, 12. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Poison in Black (Audio CD)
Wie oft hat die italienische Szene schon das Dogma aufgedrückt bekommen, lediglich Refugium für abertausende, zappelige, sich selbst kopierende Pomp-Symphonic-Pavarotti-Metal-Bands zu sein? Natürlich: Ende der Neunziger haben Rhapsody, Labyrinth, Thy Majesty, und wie sie alle heißen mögen, den lästig anhaftenden Boom ausgelöst, aber dass es weit mehr an heraus ragenden Stahl-Unionen innerhalb des kartographierten Stiefels gibt, die sich ausnahmsweise nicht über dieses Metier definieren, muss man längst schon anerkennen, ohne jetzt eine Lawine von Kapellen von Hardrock bis Black Metal aufzählen zu müssen.

Hollow Daze, die diese Tage ihr viertes Werk kredenzen, suhlen sich in gepflegten Power Metal Gefilden, ohne dabei auf endlose Doublebass-Attacken zurück greifen zu müssen. Der angenehme, man könnte präzisieren, skandinavische Einschlag macht das blendend und keinewegs überladen produzierte Scheibchen zusätzlich reizvoll. Das fängt bei den kraftvollen, variabel komponierten Arrangements an, und schließt zu guter Letzt die tolle, aber nie zu aufdringliche Vokal-Performance von Sänger Ramon Sonato (ein prädestinierter Name, könnte man jetzt behaupten) mit ein. Keine Sorge, sein Timbre verliert sich nie in der Stratosphäre oder ähnlichem, sondern wirkt weit mehr geerdet und darf als sehr ausdrucksstark bezeichnet werden.

Das erst 2003 gegründete Quintett überlässt nichts dem Zufall, und man hat auch nie das Gefühl, an irgendeiner Stelle des Albums einem Lückenfüller beizuwohnen. Die galant dosierten, bombastischen Elemente und akustischen Einsprengsel verleihen zusätzlich Würze, und dank einiger rockiger Vibes, also den Riffsektor betreffend, wirkt das Endprodukt aufgelockerter, als es zunächst scheint. Dass die Jungs guten Geschmack haben, beweisen sie mit einer würdigen Coverversion des Black Sabbath Klassikers "Headless Cross", wenngleich das Original unerreicht bleibt. Verwöhnte Lauscher, die sich bei Größen wie Kamelot, Sonata Arctica, Supreme Majesty, oder bei unseren Vorzeige-Landsleuten von Serenity pudelwohl fühlen, sollten Hollow Daze bzw. "Poison In Black" eine faire Chance geben!


The Essence Of Everything
The Essence Of Everything
Preis: EUR 9,89

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Cooles, modernes Rockalbum! - darkscene.at, 12. November 2012
Rezension bezieht sich auf: The Essence Of Everything (MP3-Download)
Insgeheim habe ich es schon erwartet, dass die neue Boon ein bißchen kommerzieller ausfallen wird. Doch das in engen Metallerkreisen als Schimpfwort geltende darf zwischendurch mal wertfrei bzw. im Falle "The Essence of Everything" positiv interpretiert werden: einen dichteren Hitfaktor im glaubwürdig bis authentischen Kontext des gefälligen Sounds wie hier lassen wir uns gern gefallen.

Findet man sich damit ab, dass eben einige Kanten und Ecken im Songrwriting der Wiener unwiderruflich abgehobelt wurden bzw. der Fokus auf Eingängigkeit mehr denn je gerichtet ist, macht "The Essence Of Everything" recht schnell gute Laune. Aber keine Sorge: gerockt, gestampft und gegroovt wird nach wie vor. Und auch wenn ich mal ganz vorsichtig Namen wie Nickelback ("Wash It Clean") oder die weniger bekannten Schotten von Gun ("Falling") nenne, ist dies ausschließlich als positive Referenz zu Hand haben.

Oder drehen wir doch einfach den Spieß zur Gänze um: es sind die latente Schlüssigkeit und der geschmeidige Charakter, die seinerzeit in früheren Tagen der Band nicht allzu stark ausgeprägt waren und dafür heute flockiger und deutlich selbstsicherer im Haus Boon präsentiert werden. Passend dazu hat man eine transparente und differenzierte Soundlandschaft ringsum erschaffen und liebäugelt zwischendurch auch mit sehr warmen bzw. balladesken Klängen: "Minutes" klingt fast wie eine Mischung aus Bon Jovi und Duran Duran. Einzelne Songs im weiteren heraus zu picken, fällt wegen der Dichte nicht besonders leicht, doch als amtliche Crowdpleaser werden sich, und da bin ich mir ziemlich sicher, solch galante und knackige Ohrwürmer wie "We All Breath As One", "Sweet Times", "Gold And Grief" und "What I Am Living For", durchsetzen. Was soll ich noch groß sagen? Wirklich gute Arbeit, Jungs!


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