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Beiträge von Straightman
Top-Rezensenten Rang: 108.872
Hilfreiche Bewertungen: 41
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Rezensionen verfasst von Straightman
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19 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Was Wahres dran, 29. Oktober 2011
Ich selbst bin grundsätzlich ein Anhänger von mehr direkter Demokratie, von mehr Mitgestaltung und Verantwortung der Bürger in der Politik. Damit bin ich nicht allein. Die Forderung nach mehr politischen Mitbestimmungsmöglichkeiten kommt aus allen Lagern - neuerdings sogar aus dem Wahlprogramm der ansonsten konservativ-antiislamistischen Partei "Die Freiheit" aus Berlin. Dieses Buch aber stellt einige provokante Gegenthesen auf: - Mehr direkte Demokratie würde nur lähmen, Politiker würden noch kurzfristiger agieren, könnten noch weniger gestalten, Meinungsmacher bekämen noch größeren Einfluss. - Wir, die Bürger, seien in Wahrheit gar nicht an mehr Mitbestimmung und Verantwortung interessiert - wie man auch an der geringen Wahlbeteiligung zu Volksentscheiden sehen könne. Sondern wir gefielen uns lieber in dem bequemen Feindbild "Politiker", "die da oben", "die Machtelite", "die keine Ahnung vom wirklichen Leben haben". - Außerdem fehle uns, den Normalbürgern, in den meisten Fällen das Wissen und das Verständnis für die komplexen Zusammenhänge. Das ist starker Tobak, basiert auf einem eher pessimistischen Menschenbild, geht gegen den Zeitgeist, wird vielen nicht schmecken - aber es ist was Wahres dran. Erfrischend zu lesen. Das Buch ist für mich politisch nicht klar einordenbar. Zum einen kritisiert der Autor das eher von linken Idealen geprägte deutsche "Gutmenschentum" und die "Politische Korrektheit". Zum anderen zeigt er aber auch die unfairen Diffamierungskampagnen der Rechten in den USA gegen Obama auf, insbesondere durch Tea Party sowie Nachrichtensender Fox. Auf die Dauer ist die Lektüre von "Weniger Demokratie wagen" aufgrund häufiger Wiederholung der Argumente etwas ermüdend. Und zum Schluss hätte ich mir gewünscht, hätte der Autor konkretere Szenarien für einen eingeschränkten Gebrauch von direkter Demokratie - die er nicht per se ablehnt, nur eben nicht als Allheilmittel ansieht - ausgearbeitet. Insbesondere wäre die Frage wichtig zu klären, welche Themen sich überhaupt für Volksentscheide eignen und ob man das a priori klar genug definieren kann. Z.B.: Volksentscheid, ob ein Bahnhof gebaut werden soll? JA; Volksentscheid zur Einführung der Todesstrafe? NEIN. Insofern keine Bestnote, aber lesenswert ist das Buch allemal. Und wer es als "antidemokratisch" oder "totalitär" bezeichnet, hat es nicht richtig gelesen. Der Autor will unsere Demokratie stärken, nicht schwächen.
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5.0 von 5 Sternen
Das beste Buch, 7. Juni 2011
In meinem Leben habe ich schon so einige Schachbücher und -tests ausprobiert. Dieses hier ist das Beste von allen. Und zwar nicht nur als Test, wo man schachlich steht, sondern vor allem als Training zur Verbesserung. Es werden 200 Aufgaben, mit 1000 zu vergebenden Punkten, gestellt. Jedesmal wird eine Stellung aus einer tatsächlich gespielten Turnierpartie (zumeist auf GM-Niveau) gezeigt, verbunden mit der Aufforderung, die Stellung zu bewerten und den besten Zug zu finden. Was nach anerkannter Lehrmeinung untrennbar miteinander verbunden ist. Z.B.: "(1) Wie steht Weiß? (a) schlechter, (b) besser, (c) auf Gewinn? (2) Wie lautet der beste Zug für Weiß?" Die Stellungen und Aufgaben sind wunderbar ausgewählt - anspruchsvoll, realistisch, fundiert ausanalysiert, nie nebenlösig, man kann sich drauf verlassen. (Was bei weitem nicht selbstverständlich ist für ein Buch mit 200 Aufgaben). Die meisten Partiebeispiele wurden von Hort gespielt, der sich und seinen Zügen bei der Gelegenheit diverse Ausrufezeichen zugesteht - nun ja, Ehre wem Ehre gebührt. Ich bin noch am Anfang und versuche immer, die Aufgaben am Brett ohne Bewegen der Figuren zu lösen. Dabei gestehe ich mir 20min Bedenkzeit zu. Realistischer geht es kaum, geht es doch auch in Turnierpartien immer um Stellungsbeurteilung, Zugauswahl und Variantenberechnung, und das alles unter Zeitdruck. Einziger Wermutstropfen: Meine Grenzen werden mir deutlich aufgezeigt. Im Vorwort heißt es, "die durchschnittlichen Vereinsspieler schaffen nach unserer Erfahrung ca. 850" (der 1000 Punkte), und "alle Schachfreunde, die unter 850 bleiben, haben noch viele Möglichkeiten zur Verbesserung". Nun, dann ist bei mir noch sehr viel Luft nach oben, anscheinend reicht es nicht zum durchschnittlichen Vereinsspieler - ich nehme das mal sportlich.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Authentisch, dicht, überzeugend, 30. April 2011
Ich habe kein besonderes Interesse an Fantasy-Romanen und Rittergeschichten. Dieses Buch ist mir einmal auf einem Flohmarkt in die Hände gefallen, für einen Euro, und ich dachte: Gut, zumindest gibt es hier ordentlich Seiten fürs Geld, versuchen wir das mal. Und dann habe ich angefangen zu lesen und bin nicht mehr davon losgekommen. Bereits nach wenigen Seiten merkt man: Da kann jemand richtig schreiben, das ist eine richtige Geschichte, das ist Literatur. Man muss selbst nichts mit Mythen, Zauberei und Magie am Hut haben - ich bin ein relativ rational veranlagter Mensch - um sich in diese Geschichte hineinfallen zu lassen, da sie so überzeugend und authentisch entwickelt wird. Klar, es geht um Könige, Ritter, Hexenkünste, Visionen, übernatürliche Ereignisse - aber genauso, eigentlich noch viel mehr, um Menschen, ihre Ziele, Sehnsüchte, Ängste, Hass, Liebe, ihre Selbstzweifel, ihre innere Zerissenheit. Der Roman beschreibt die großen Ereignisse genauso wie die banalen, skurrilen Details des täglichen Lebens, wie z.B. die Bittsteller vor König Artus mit ihren alltäglichen Problemen, wem denn nun der Apfelbaum gehört, oder wie abends an der Tafel alle nacheinander betrunken werden und lallen. Der Zauber spielt eine wichtige Rolle, aber genauso treffen Menschen Entscheidungen, die die Geschicke beeinflussen. Niemand ist nur gut und niemand ist nur böse - es sind Menschen, es ist realistisch, so könnte es tatsächlich gewesen sein. Ich GLAUBE diese Geschichte, trotz all der Übersinnlichkeit darin, und das ist die große Leistung dieses Buchs.
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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Voll krass mutisch, ey, 20. Januar 2011
Ein solches Buch in dieser Zeit, wenige Monate nach Sarrazin ? Ohjeohjeohje. Da muss man aber ganz gründlich nachdenken, was man als türkischer MiHiGru da schreibt, man hat VOLL DIE KRASS WICHTIGE FUNKTION jetzt. Da will jedes Wort genau abgewogen werden. Und was macht Kaya Yanar daraus ? Er macht genau das richtige, er politisiert gar nicht. Sondern zieht einfach alles durch den Kakao, die "Kanak-Sprak" genauso wie den ewigen deutschen Autoaufkleber "Laura/Leon/Mia/etc an Bord", die Türken, die Deutschen, die Italiener, die Holländer, die Inder, einfach alle. Das muss man sich heutzutage erst mal trauen. Aber Kaya Yanar kriegt es hin, die Balance zu halten, ist derb, aber nie verletzend. Man erfährt auch einiges interessante, wie Bürger türkischer Abstamung bei uns aufwachsen, wie sie uns sehen. Und seine Achtung für Deutschland, so seltsam er manches hier auch findet, kommt immer wieder durch. Einfach erfrischend easy, ey. Witzig ist es - ich habe oft schallend gelacht. Allerdings ist manches dann doch etwas sehr platt, daher nur 4 Sterne. Trotzdem: Absolut kaufenswert !
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Darf man lachen ?, 18. Januar 2011
Ein Serbe und ein Bosnier sitzen im Schützengraben, im Niemandsland, und streiten sich, wer denn schuld am Krieg ist. Beide sind von ihne Armeen abgeschnitten, müssten sich zusammenraufen, aber stattdessen streiten sie sich, wer den Krieg angefangen hat. Der Bosnier sagt, die Serben haben angefangen. Der Serbe sagt, die Bosnier haben angefangen. Da nimmt der Bosnier wutentbrannt seine MP, richtet sie auf den Serben und schreit: "Wer hat angefangen?" Sagt der Serbe ganz leise und zitternd: "Wir natürlich." Darf man darüber lachen ? Sollte man ? Sollte man nicht ? Ich finde, man soll lachen. Ich habe es jedenfalls versucht (auch wenn es mir etwas im Halse steckengeblieben ist). Denn ich lache nicht über die beiden Soldaten, eigentlich lache ich mit ihnen, über die Absurdität des Krieges, über das Chaos auf alle beteiligten Seiten: Serben, Bosnier, UN (Franzosen, Engländer, ein Deutscher), das amerikanische Filmteam...alle haben sie irgendeinen Plan, irgendein Ziel, eine Strategie, aber alles endet im Chaos. Mich hat diese brilliante tiefschwarze Komödie, die zugleich gnadenlos ernst ist, sehr an Tolstois Meisterwerk "Krieg und Frieden" erinnert. Dort beschreibt Tolstoi ausführlich das Chaos und die skurrilen Verästelungen des Krieges zwischen den Russen und Franzosen zu Napoleons Zeiten. Die großen Generäle geben vor, sie hätten eine Strategie, um den Krieg zu gewinnen, doch in Wirklichkeit ist das meiste Zufall. Damals wie heute. Ich habe keine Ahnung, ob dieser Film eine realistische Beschreibung des Krieges zwischen Serbien und Bosnien ist oder nicht. Ich sitze hier in meinem sicheren Wohnzimmer, während ich diese Rezension schreibe, und habe gut reden. Und doch bin ich überzeugt, dass es in Ordnung ist, mitzulachen. Auch über das Grauen. Denn wenn ich nicht lache über eine Situation, obwohl sie skurril und komisch ist, wem helfe ich damit ? Und würden die beiden Soldaten nicht auch lachen, wenn sie sich so sehen würden ? Damit kein falscher Eindruck entsteht: Die meiste Zeit lacht man nicht bei diesem Film, sondern sitzt gebannt vor dem Fernseher und kann das alles nicht fassen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Maßstab, 14. Januar 2011
Paul Scheffer hat durch seinen Aufsatz "Das multikulturelle Drama" in 2000 mit den Trend ausgelöst, der zur grundsätzlichen Infragestellung des Multikulturalismus in Europa führte. Den Trend, der aktuell in extremen Populisten wie Wilders, Blocher, Ulfkotte und ähnlichen gipfelt. Aber das kann man ihm einfach nicht vorwerfen. Jeder Versuch, eine Thematik präzise zu beschreiben, kann in die eine oder andere Richtung führen. Auch wenn Scheffers Buch genügend Problembeschreibungen enthält, die Nahrung für Populismus bieten - sein "Die Eingewanderten..." ist für mich einer der Maßstäbe zum Thema Migration, an dem sich alle Bücher zum Thema messen müssen. Was mich an diesem Buch - neben den vielen fundierten Informationen über Geschichte und aktueller Situation von Migranten wie aufnehmenden Staaten in aller Welt - am meisten gefreut hat, ist die Verbindung von nüchterner Zustands- und Problembeschreibung mit ehrlicher Empathie. - Zustandsbeschreibung: Scheffer beschönigt überhaupt nichts, nennt die Dinge beim Namen. - Empathie: Er versetzt sich in die Situation der betroffenen Menschen: Der Migranten, wie auch der Bürger des aufnehmenden Staates. Wer kann erwarten, dass Migration per se eine win-win Situation für alle Beteiligten sein soll ? Die Migranten sind entwurzelt und finden oft keine neue Heimat; die Aufnehmenden müssen - neben ihren ohnehin schon vorhandenen Problemen - mit neuen, fremdartigen, sich vielfach negativ auswirkenden Einflüssen und Situationen klarkommen und sollen dabei auch noch maximal tolerant sein. Kein Wunder, dass daraus oft genug eine lose-lose-Situation entsteht, und der Staat, der Migration zulässt und fördert, muss etwas dafür tun, damit aus dem lose-lose wieder ein win-win wird. Aber insbesondere auch der Migrant selbst muss etwas dafür tun, zurechtzukommen, und darf sich nicht in die "Opfer-Rolle" zurückziehen. Es ist alles andere als ein Selbstgänger. Und wenn man dafür nichts tut, dann entstehen Situationen wie wir sie heute haben, im Jahre 2011. Scheffers Buch ist weder migrantenfreundlich, noch migrantenfeindlich. Weder ist es herzzerreissend noch kalt - es ist nüchtern. Und hält allen Beteiligten den Spiegel vor. Und ist zugleich voller Mitgefühl. Ein kleines Wunder. Ich empfehle dieses Buch all denen, die sich im Rahmen des aktuellen Hypes zum Thema "Migration" etwas mehr Zeit nehmen wollen, um sich eine eigene Meinung zum Thema zu bilden, und nicht blindlings dieser oder jener populistisch vertretenen These zu vertrauen. Einen besseren Beitrag dazu als Scheffers Buch kann ich mir kaum vorstellen.
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Limit: Roman
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von Frank Schätzing Gebundene Ausgabe |
| Preis: EUR 26,00 |
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5 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Hohe Erwartung, kaum enttäuscht, 9. Januar 2010
Habe die 1300 Seiten gerade durch und bin doch etwas überrascht über die vielen negativen Rezensionen hier. Aber gut, jedem seine Meinung, hier ist meine: Habe das meiste von S. gelesen und fand es fast ausnahmslos gut. Mit entsprechend hohen Erwartungen bin ich an "Limit" herangegangen und habe es sehr gerne bis zu letzten Seite durchgelesen. Was mir besonders gut gefallen hat: - Die Fähigkeit des Autors, fiktive künftige Welten überzeugend zu erschaffen. Klar, daß ein Experte zu seinem Spezialgebiet vermutlich Haare in der Suppe finden wird, aber für mich als "durchschnittlich zukunftsinteressierten" Leser (aus der IT-Branche kommend) war das alles sehr überzeugend und stimmig. Bemerkenswert, wenn man bedenkt, wie viele Themen S. streift, fast alle Themen en vogue (neben Raumfahrt noch Politik, Dritte Welt, Internet, Energie, Popmusik etc.) werden behandelt und es ist fast ein Wunder, wie das alles so halbwegs zusammenpasst - mindestens ein Stern daher für den Mut, sowas überhaupt zu versuchen. Das braucht natürlich alles seinen Platz und geht nicht in ein paar Seiten. - Die Fähigkeit des Autors, Athmosphäre zu erschaffen. Man ist dort wo er einen hinhaben will, sei es bei einer Fahrt durch die raue Mondlandschaft oder in einer chinesischen Spielothek. - Ich fand es unglaublich spannend und habe alles in 1 1/2 Tagen durchgelesen. Was ich nicht so perfekt fand (dafür halt nur 4 Sterne und nicht 5) - Manchmal ist es zu viel Action, insbesondere die nicht enden wollenden Verfolgungsjagden in Berlin. - Manche Charaktere sind etwas holzschnittartig geraten, und es fällt auf, dass am Ende vor allem die Unsymphatischen sterben. Das ist aber vielleicht auch Schuld des Verlegers und nicht von S. Einige Personen werden phasenweise interessant beschrieben, aber dann nicht weiter ausgearbeitet, es geht halt hauptsächlich um Technik und Spannung und weniger um Menschen. Was ich ziemlich verrückt fand: - Eine lebende Rock-/Poplegende (Bowie) auftreten zu lassen, mit einigen persönlichen Äusserungen über sein Leben. Ist glaube ich ziemlich unüblich.
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