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MRuhnke

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Cantates pour Alto Bwv 82,35,53
Cantates pour Alto Bwv 82,35,53
Preis: EUR 6,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Nicht mehr zeitgemäßer Countergesang, 7. Dezember 2004
Rezension bezieht sich auf: Cantates pour Alto Bwv 82,35,53 (Audio CD)
Unter dem Titel "La mort libératrice" (Der Tod als Befreier) wurden 3 Bach-Kantaten thematisch zusammengestellt, die alle eine positive, hoffnungsvolle Sicht auf den Tod zum Inhalt haben, allen voran die bekannte BWV 82 ("Ich habe genug"), die umrahmt wird von der eher selten eingespielten BWV 35 ("Geist und Seele wird verwirret") und der BWV 53 ("Schlage doch, gewünschte Stunde", bei der bekanntermaßen die Urheberschaft Bachs zweifelhaft erscheint - nicht etwa der BWV 5, wie im Amazon-Verzeichnis fälschlicherweise vermerkt).
Das Ensemble 415 findet eine recht gelungene Mischung aus historischer und moderner Spielpraxis, betont dabei die rhythmischen, leichten, ja fast beschwingten Töne der Kantaten, was über weite Strecken recht gut gelingt - der große Bogen, das klagende Legato vermißt man nur schmerzlich in der Titelarie "Ich habe genug". Die Tempi sind eher hoch, das Zusammenspiel zwischen den Musikern klappt hervorragend, hier gibt es Bach auf höchstem Niveau.
Daß René Jacobs in jener Zeit (Aufnahme 1988) einer der am meisten gefeierten Countertenöre gewesen ist, mag man heute kaum noch glauben. Richtig begeistern kann er nur in technisch schwierigen Passagen, wenn er etwa die Koloraturen von "Ich freue mich auf meinen Tod" oder "Gott hat alles wohlgemacht" ausdrucksstark und präzise zugleich ausmalt. Seine Stimme hingegen weist genau die Eigenschaften auf, die man Countern gemeinhin negativ vorhält: In der Tiefe brüchig und mit kaschierter Bruststimme, in der Höhe gequält, mit einer Tendenz zum kreischenden, metallischen. Gerade die fast meditativen Arien der 82, "Ich habe genug" und "Schlummert ein..." bekommen so etwas unangenehmes, aufdringliches. Da kann man fast verstehen, daß der Trend wieder zur Besetzung mit Frauen geht, gäbe es nicht überzeugende Konkurrenz wie z.B. Jochen Kowalski.
Technisch überzeugt die CD, die Klangverhältnisse sind ausgewogen, die Raumakustik nicht zu hallig und nicht zu trocken. Allerdings gibt es 2 Wermutstropfen: Die Ventile der verwendeten Orgel sorgen für merkwürdige Nebengeräusche, und einige Schnitte in der CD kann man nur als dilettantisch bezeichnen (1. Gesangseinsatz von "Schlage doch, gewünschte Stunde" z.B.).
Insgesamt würde ich von der CD eher abraten, es sei denn, man möchte die nicht so verbreitete BWV 35 unbedingt mit einem Countertenor hören - bei der 82. gibt es bessere Alternativen als René Jacobs.


Johann Sebastian Bach: Matthäuspassion (Gesamtaufnahme)
Johann Sebastian Bach: Matthäuspassion (Gesamtaufnahme)
Preis: EUR 11,50

10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ungewöhnliche Interpretation, 16. Januar 2004
Nachdem Farao mit Zubin Mehta und der Bayrischen Staatsoper ("Die Walküre") eine fulminante und auch dem Namen nach hochkarätig besetzte DVD-Audio als Erstling herausgebracht hat, mag die Wahl von Enoch zu Guttenberg und dem "Orchester der KlangVerwaltung" ein wenig provinziell anmuten (nein, das Orchester ist trotz des seltsam anmutenden Namen kein lahmer Beamtenklangkörper). Trotzdem lohnt die ungewöhnliche Betrachtungsweise des Dirigenten einen Blick auf die Einspielung. Enoch zu Guttenberg diskutiert im Booklet selbst den Vorwurf, er sei ein religiöser Sektierer und Romantiker. Daß er beides nicht explizit abstreitet, mag verwundern, aber seine Sicht auf Bach und die Interpretation sind dennoch nicht uninteressant - insofern kann man auch die Plattenfirma nur eindringlich dafür loben, daß sie neben der Passion auch ein längeres Interview mit dem Dirigenten inkl. div. Musikbeispielen auf die DVDs gepackt hat.
Mit der Interpretation werde ich trotzdem nicht so recht glücklich. Gleich die ersten Takte des Eingangschores ("Kommt Ihr Töchter helft mir klagen") zeigen die Stoßrichtung deutlich: ein übermäßig beschwingter, sehr schneller und zackiger Bach ist hier zu hören, jegliches Legato und "Geschmiere" verbannt, aber auch jegliche ruhig-meditativen Ansätze. Überhaupt ist die Tempiwahl ungewöhnlich: Insbesondere einige Choräle und Arien werden nur so heruntergehetzt, daß selbst einige Protagonisten kaum hinterherkommen, während die Evangelistenszenen langsam und breitgelatscht daherkommen - in meinen Augen nicht sehr gelungen. Besonders schief geht das im Eingangs- und Finalchor ("Oh Mensch bewein Dein Sünde nicht") des ersten Teiles und im Duett/Chor ("So ist mein Jesus nun gefangen"), während im zweiten Teil die extremen Tempi ein wenig zurückgenommen werden, insbesondere im gemischten Rezitativ ("Nun ist der Herr zur Ruh gebracht") findet man zu einer langsam-leisen Interpretation zurück, die auch anderen Teilen besser zu Gesicht gestanden hätten.
Großen Wert legt der Dirigent darauf, den 5mal vorhandenen Choral ("O Haupt voll Blut und Wunden" etc.) immer sehr eigenständig und texbezogen zu interpretieren - ein guter Ansatz, der allerdings etwas übertrieben wird. Überhaupt wirkt der Chor, die Chorgemeinschaft Neubeuern, sehr diszpliniert, aber irgendwie "antrainiert" und nicht locker, an einigen Stellen fehlt es einfach an Stimmmaterial, während die Textverständlichkeit durchweg zu gefallen vermag.
Die Solisten sind wirklich hochkarätig und auch mit Bedacht besetzt. Insbesondere Marcus Ullmann weiß als Evangelist zu gefallen, der mühelos und ohne Übergang in die hohen Register zu gleiten vermag, dabei niemals stemmt, den Text sehr überzeugend und deutlich deklamiert (was vermutlich zum Vorwurf des "Romantisierenden" beiträgt). Die beiden Baßpartien besetzt Guttenberg nicht mit typischen tiefen Bässen, was insbesondere dem Jesus sehr zugutekommt, H.C. Begemann als Arienbaß läßt manchmal ein bißchen sonore Tiefe vermissen. Die Frauenstimmen fallen positiv durch ihre jugendliche Natürlichkeit und das Fehlen jeglicher Unsitten wie Pressen und übertriebenem Vibrato auf, zeigen eine im Vergleich zu den Männern aber eher emotional zurückhaltendere Interpretation.
Wie im Erstling ist es Farao auch diesmal gelungen, eine beeindruckende, zugleich aber sehr musikdienliche Aufnahmetechnik in 5.1 zu erreichen. Die Textverständlichkeit und Durchhörbarkeit ist superb, der Aufnahmeraum trotzdem gut zu hören. Enttäuscht wird allerdings sein, wer bei der Konstellation der Matthäuspassion mit den 2 Chören eine experimentelle Abmischung (z.B. mit Chören links/rechts/hinter dem Hörer) erwartet - hier geht es sehr traditionell zu, in Form einer Frontalaufführung (nur Judas steht in einigen Szenen buchstäblich abseits). Wie bei Farao üblich kann man den 5.1 als unkomprimierte DVD-Audio-Spur (nur auf ebensolchen Playern) sowie als dts auf einem normalen Player hören, den Stereomix der CD gibt es als Bonus obendrein.
Mit einem Gesamturteil tue ich mich schwer, vor allem weil die Interpretation so sehr gewöhnungsbedürftig ist. Angesichts der vokalen und aufnahmetechnischen Bestleistungen gebe ich hier trotzdem 4 Sterne, verbunden mit der Einschränkung, daß die Aufnahme sicher nicht jedem gefallen wird.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 21, 2013 2:10 PM MEST


Wagner For Orchestra (Ouvertüren und Vorspiele)
Wagner For Orchestra (Ouvertüren und Vorspiele)
Preis: EUR 13,16

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Lieben Sie Wagner? Oder doch eher Ihre Hifi-Anlage?, 26. September 2003
Beim Label telarc fällt sofort das Stichwort von "audiophilen Aufnahmen" - von den einen geliebt, weil sie angeblich authentischen Klang aus der heimischen Hifi-Anlage zaubern können, von den anderen verachtet, weil eine Aufnahme, die sich nur dem Klang, aber nicht der Musik verpflichtet fühlt, doch gar nichts sein kann. Doch wie sieht die Wirklichkeit in diesem Falle aus? Der geneigte Wagnerfreund wird diese CD ob der Tatsache, daß hier eine Einspielung der (viel zu selten gespielten) "Faust-Ouverture" enthalten ist, wohl auch ohne klangtechnische Erwägungen in die engere Wahl ziehen.
Nach 10 Takten hat man schon eine relativ gesicherte Erkenntnis über den Umgang des Cincinatti Symphony Orchestras und Lopez-Cobos mit der Wagnerschen Musik: Wir hören das Meistersinger-Vorspiel in extrem langsamem Tempo, breitgelatscht in Dauer-Legato, von Leichtigkeit keine Spur, allenfalls die dröhnende Bläser- und Schlagwerkbatterie im Finale vermag noch ein bißchen zu beeindrucken. Disparate Tempi und ungenaue Phrasierung gibt es auch in "Rienzi"- und "Faust"-Ouverture, doch obwohl hier zuweilen Langeweile aufkommt, ist das Ergebnis nicht so ärgerlich wie bei den "Meistersingern".
Überzeugend hingegen das Vorspiel zum "fliegenden Holländer" - der brachiale Umgang mit der Dynamik und den Klangmassierungen kann hier durchaus überzeugen, auch wenn im Gegenzug die leisen Passagen des "Erlösungsmotivs" allzu fahrlässig-langweilig heruntergefidelt werden. Beim "Tristan" geht die Sache dann wieder völlig schief, eine so langweilige Einspielung habe ich trotz der verkrampft wirkenden Lautstärkeänderungen selten gehört. Den Schlag ins Gesicht jedes Wagnerianers gibt es mit dem (ansatzlos an das Vorspiel angehängten, Aua) "Liebestod" - mangels einer Sopranistin läßt man die Isolde einfach weg und spielt die Begleitung als Instrumentalstück. Als Karaoke-Version für Nachwuchs-Hochdramatische oder zum Studieren der genialen Instrumentierung ginge das ja in Ordnung, aber ansonsten schmerzt daß so sehr daß man die finale "Tannhäuser"-Ouverture gar nicht mehr hören mag. Schade eigentlich, denn hier geht die Rechnung nochmal ganz gut auf mit einer rustikalen, lauten Wagner-Interpretation.
Aufnahmetechnisch gibt es wenig zu kritisieren: Obwohl spürbar auf den Geschmack von "audiophilen" Hörern abgestimmt mit einem übertrieben im Raum verteilten Orchester, kann die Gestaltung dennoch überzeugen, zumal beim Umschalten auf Surround-Sound (Die CD kann sowohl Stereo wie auch Dolby Surround abgehört werden) tatsächlich zumindest ein bißchen Konzertsaalathmosphäre aufkommt. Aber tut mir leid, ein solches Konzert hätte ich spätestens beim "Liebestod" auch verlassen, deshalb kann ich diese CD wirklich nur Leuten empfehlen, die sich nicht für Wagner, sondern höchstens für die Fähigkeiten ihrer Hifi-Anlage interessieren.


Wagner, Richard - Lohengrin (2 DVDs)
Wagner, Richard - Lohengrin (2 DVDs)
DVD ~ Cheryl Studer

37 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Viel Mittelmaß, wenig Athmosphäre, 17. Juni 2003
Rezension bezieht sich auf: Wagner, Richard - Lohengrin (2 DVDs) (DVD)
Nun wird dem "Lohengrin" die in jeder Beziehung heterogene "Reihe" von Wagnerschen Werken auf DVD fast komplettiert (nur ein "Holländer", von den Jugendwerken abgesehen, fehlt noch). Die Liveaufnahme aus Wien stammt aus dem Jahr 1991. Nun ist es für eine Rezension keine gute Idee, allzuviele Vergleiche zu anderen, zudem nicht auf DVD erhältlichen, Aufnahmen zu ziehen, aber im vorliegenden Fall halte ich das für sinnvoll.
Schon Wagner sagte sinngemäß über seine romantische Oper: "Wer darin eine ausschließlich mittelalterlich-romantisierende Frage sieht, der hat den Lohengrin nicht verstanden". Das muß man natürlich auch einem Regisseur zu Bedenken geben, der vor allem viel Wert auf das spezifisch Mittelalterliche dieses Werkes legt: Die Kostüme sind so gestaltet, als solle der "Lohengrin" zu einer Historienoper umgedeutet werden, die Bühnenbilder sind zwar ebenfalls historisch, aber doch nur angedeutet und wenig glaubwürdig - eine in meinen Augen nicht gerade gelungene Mischung. Daß es auch anders geht, beweisen die beiden Bayreuther Konkurrenzaufnahmen, wo Götz Friedrich mit geradezu genialen Lichtstimmungen und Stilzitaten von Wieland Wagner arbeitet, und Werner Herzog mit Laser, Wellen-, Nebel- und Schneemaschine eine neue Art von fast cineastisch anmutender Athmosphäre auf die Bühne zaubert. Und das ist es auch genau, was der vorliegenden Aufführung fehlt: Athmosphäre. Alles wirkt statisch, grau in grau, das Licht langweilig und nicht der Situation angemessen (sogar die Tag-Nacht-Gegensätze werden nivelliert). Dazu eine äußerst langweilige Personenregie: Man steht nutzlos herum, singt und macht ab und an eine übertriebene Geste - das taugt höchstens als szenisch gewordene Wagner-Karikatur.
Claudio Abbado am Pult steht da naturgemäß auf etwas verlorenem Posten. Das Orchester der Wiener Staatsoper spielt zwar präzise, aber nicht mitreißend, mit brachialer Dynamik, aber ohne Spannung. Ein gewaltig besetzter Chor überrascht zunächst positiv, läßt aber gerade bei schwierigen Passagen rhythmische Präzision vermissen.
Von den Solisten überzeugt vor allem Hartmut Welker als Telramund in jeder Beziehung: er setzt seine recht hell timbrierte Baritonstimme mit bester Deklamation und schauspielerischer Höchstleistung ein - kurz, er ist glaubwürdig. Vokale Höchstleistungen vollbringen auch Robert Lloyd (König Heinrich) mit recht leichter, niemals dröhnender Baßstimme, und eine ungewöhnlich lyrisch-leichte Cheryl Studer (Elsa), die ihre Stimme, mit wenigen Ausnahmen, ungewöhnlich stark zurückhält. Leider stehen beide ansonsten nur herum.
Placido Domingo hinterläßt keinen sonderlich positiven Eindruck: zwar hört man nichts spezifisch italienisches mehr heraus, aber seine Stimme klingt hier deplaziert, dünn und sehr angestrengt - besonders lange Töne preßt er hörbar nach, bei der Anklage in III verläßt ihn die Kraft. Dazu eine allenfalls ausreichende Aussprache mit deutlichem Akzent, und im Schwanengruß (I) sogar Intonationsprobleme! Dunja Vejzovic als Ortrud hinterläßt da keinen besseren Eindruck, wirkt gerade in der Schlußszene zu schwach und im 2. Aufzug uninformiert.
Die Technik der DVD geht in Ordnung, das Bild ist von befriedigender Schärfe, der Ton sauber mit guter Textverständlichkeit, vermittelt sogar einen Eindruck vom typischen "Wiener Staatsopernklang" mit dominanten Streichern. Wie üblich ist der 5.1 Sound kein echter, sondern ein aus der originären Stereoaufnahme zusammengemischter Notnagel.
Wer unbedingt einen "Lohengrin" auf DVD besitzen möchte, kann dennoch zugreifen, wenn er etwas Mittelmaß erträgt. Ansonsten sollte man sich nach den noch auf VHS erhältlichen Aufnahmen unter Nelsson/Friedrich und Schneider/Herzog (beide Bayreuth) umsehen oder der von der Inszenierung ähnliche angelegte, doch erheblich hochwertigere New Yorker Aufnahme unter Levine und Everding (mit P. Hofmann und L. Rysanek).


Bolshoi presents: Modest Mussorgsky - Boris Godunov
Bolshoi presents: Modest Mussorgsky - Boris Godunov
DVD ~ Jewgeni Nesterenko
Preis: EUR 28,37

59 von 61 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Nicht kaufen! Leider miserable technische Qualität..., 12. Juni 2003
Ganz im Gegensatz zur anderen auf DVD vorliegenden Aufnahme der wohl klassischsten russischen Nationaloper stammt die Aufnahme des Bolschoi Theaters noch aus der goldenen Zeit des Sowjetreiches, nämlich 1978. Das Theater war Aushängeschild des Moskauwer Kulturlebens und dementsprechend gut ausgestattet, was sich in einer aufwändigen und prunkvollen Aufführung zeigt. Historische Kostüme und aufwändige Bauten wirken - gerade im Zusammenhang mit der etwas klischierten und unbeholfenen Personenregie - ein wenig altbacken und ideenlos, vermitteln aber durchaus einen gewissen Charme vom realsozialistischen Theater, wo radikale Regieideen ohnehin nicht erwünscht waren. Teilweise zunichte gemacht wird dies jedoch wieder durch das immer zu dunkle Licht und die recht eigenwillige Kameraführung.
Doch zunächst zur DVD selber: So ganz klar ist mir da nicht, wer hier bei der Herstellung der DVD am Werke war, aber das technische und redaktionelle Niveau liegt weit unter dem heutigen Standard. Über die Tatsache, daß es unmöglich ist, den Dirigenten der Aufführung herauszubekommen (es sei denn, man kann Russisch in kyrillischer Schrift lesen) oder über die (englische) Inhaltsangabe der revidierten Mussorgsky-Fassung (obwohl auf der DVD die im Handlungsablauf geänderte Rimsky-Korsakoff-Fassung gespielt wird) kann man noch lächeln. Spätestens beim Anschauen und Anhören der DVD vergeht einem jedoch der Spaß: Die Bildqualität liegt allerhöchstens auf VHS-Niveau, immer unscharf, dazu sehr dunkel. Hauptmanko jedoch ist der Ton - schon oft muß man sich ja über DVD-Hersteller beklagen, die einen vorliegenden Stereoton mit ein wenig künstlichem Hall von hinten flugs zum "5.1 Surround" erklären; jedoch die Frechheit, einen Mono-Ton (!) auf diese Weise zu 5.1 zu machen, verschlägt einem die Sprache. Zumal das Ergebnis eine Zumutung ist: Die höchsten Höhen fehlen völlig, die Bässe dröhnen laut, alles klingt dumpf, leicht verzerrt und "historisch", zuweilen sind sehr komische "Doppelstimmen" im Baß bei unbegleiteten Vokalpassagen zu hören.
Angesichts dessen ist es kein Vergnügen, die DVD am Stück durchzuschauen, und dementsprechend schwer tue ich mich mit einer detaillierten Kritik am musikalischen Geschehen. Das Orchester erscheint mir, soweit das überhaupt zu hören ist, sehr kompetent und engagiert geführt zu sein, mit einem leichten Hang zu etwas beschwingten Tanzrhythmen in den volksmusikalischen Passagen. Auch höre ich zuweilen den Versuch heraus, die glatte Instrumentierung Rimsky-Korsakoffs wieder etwas herber und urtümlicher klingen zu lassen. Lob verdient auf jeden Fall der zahlenmäßig sehr stark besetzte und immer präzise Chor.
Bei den Solisten fällt durch die Bank weg auf, wieviel Kraft und Stimmmaterial hier gegeben wird, als sänge man um sein Leben. Besonders gefällt mir das bei E. Nesterenko, der in der Titelrolle ohnehin in jener Zeit als konkurrenzlos galt, und beim Sänger des Pimen, der mit einer sehr wohlklingenden wie dominanten Baßstimme gefällt. V. Piavko als Dimitrij hingegen forciert viel zu stark und hat einen IMHO unpassenden, fast italienischen Schmelz in der Stimme, auch mit der Darstellerin der Marina, die leiernd und etwas matronenhaft wirkt, werde ich nicht recht glücklich. Der Rest des Ensemble bietet hohes Niveau.
Trotdem der klare Rat: Nicht kaufen, die technische Qualität ist so schlecht, daß man an der DVD keine lange Freude haben wird. Das ist besonders ärgerlich, zumal von derselben Inszenierung eine technisch hervorragende Videoaufnahme unter Lazarew aus dem Jahr 1987 existiert, mit teilweise identischen Protagonisten, die jedoch - wen wundert es - auf DVD nicht erschienen ist. Bis diese erscheint, muß man sich mit der St. Petersburger DVD zufrieden geben.


Jazz Suiten Nr.1+2 [DVD-AUDIO]
Jazz Suiten Nr.1+2 [DVD-AUDIO]
Preis: EUR 20,16

15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Experimente in Repertoire und Klang - gelungen!, 17. Mai 2003
Rezension bezieht sich auf: Jazz Suiten Nr.1+2 [DVD-AUDIO] (DVD-Audio)
Das Label Naxos, im CD-Bereich hauptsächlich bei preiswerten Veröffentlichungen aktiv, veröffentlicht in unregelmäßigen Abständen nun auch DVD-Audios mit 5.1 Surround Sound. Obwohl im Programm mit Vivaldis "4 Jahreszeiten" und Holsts "Planeten" auch zwei nicht gerade selten eingespielte Werke zu finden sind, liegt der Schwerpunkt doch erkennbar auf der Entdeckung von gemeinhin unbekannten, ja teilweise kaum als Tonträger verfügbaren Stücken. Der musikalische Spagat könnte dabei nicht größer sein: Von Vivaldis "Doppelorchesterkonzerten für Violine" über den amerikanischen Komponisten Grofe bis zu einer nicht unumstrittenen Rekonstruktion Elgards 3. Sinfonie reicht das Repertoire. Mit der vorliegenden Zusammenstellung verschiedener Werke Dimitri Schostakowitschs setzt man nun endgültig einen Schwerpunkt mit Musik des 20. Jahrhunderts - eine sicher gewagte Strategie, wo doch andere Labels das noch relativ unbekannte Format eher mit Beethovens und Dvoraks 9. zum Durchbruch verhelfen wollen. Wer Schostakowitsch als etwas vergeistigten, avantgardistischen und einerseits typisch wie untypisch russischen Komponisten kennt, wird hier noch mehr in Erstaunen versetzt: Die Werke stammen alle aus seiner frühen Schaffensperiode und stehen alle im Spannungsfeld zwischen "E-Musik" und Jazz/Unterhaltungsmusik.
Der Vergleich mit der Philosophie Leonard Bernsteins drängt sich auf, aber Schostakowitsch machte seine diesbezüglichen Experimente schon in den 20er und 30er Jahren, und unterscheidet sich dabei grundsätzlich von den Amerikaner, die Stücke dokumentieren eher eine Sinnsuche zwischen verschiedenen Musikstilen als eine Überwindung derselben, wie Bernstein es immer propagierte.
Mit der Ballettsuite "Der Bolzen" beginnt die DVD durchaus noch typisch für den Komponisten, mit deutlichen Anklängen an Tschaikowsky und Prokoffiew, aber auch seine eigenen frühen Sinfonien - erstaunlich dabei immer wieder die Durchmischung der Balletmusik mit Volkstanzelementen und Stilzitaten (Der Tango als Symbol der kapitalistischen Dekadenz schlechthin). Es folgen die beiden "Jazz-Suiten", die mit Jazz im eigentlichen Sinne jedoch nur mittelbar etwas zu tun haben: Hier arbeitet der Komponist im wahrsten Sinne mit Salonmusik und einem Salonorchester, durchaus nicht ohne damit implizierte Plattitüden, aber auch sehr interessante Anklänge an spezifisch russische Volksmusik. Zum Abschluß gibt es Schostakowitschs Arrangement des Salon- und Tanzschulenklassikers "Tea for Two".
Dimitry Yablonsky und das Russische Staatsorchester treffen dabei die Elemente der Volksmusik und der russischen (Nach-)Romantik deutlich besser als den Jazz: Das Ganze bekommt für meinen Geschmack eine doch etwas zu getragene Grundstimmung, die teilweise in Melancholie umschlägt, wo diese nicht unbedingt richtig plaziert erscheint. Gerade bei den Blechbläser-Soli vermißt man etwas Spielfreude wie Spannung. In der Balletsuite hingegen hören wir engagiertes und mitreißendes Musizieren auf hohem Niveau, wie überhaupt die handwerkliche Qualität der gesamten Einspielung durchaus zu gefallen weiß - ebenso der etwas übertriebene, aber reizvolle Umgang mit der Dynamik.
Naxos bringt auf diese DVD-Audio wieder 3 Tonspuren in 5.1 Surround auf, womit ausnahmslos jeder DVD-Player (Video oder Audio) den Tonträger abspielen kann (MLP, DTS und Dolby Digital), auf einen getrennten Stereomix verzichtet man bewußt. Die Aufnahmetechnik ist nicht so spektakulär, wie es Hifi-Fans erwarten mögen, wir haben hier eine klassische Frontalaufführung ohne große Soundeffekte. Die Raumakustik erscheint eher gedämpft, dem musikalischen Charakter der Stücke hervorragend angepaßt, damit vermittelt eine Surroundanlage aber durchaus einen sehr plausiblen und faszinierenden Eindruck des Raumes bei sehr hoher Dynmik.
Wer Experimente in musikalischer Hinsicht nicht scheut und das Spannungsfeld zwischen E- und U-Musik im Blicke der 20er und 30er Jahren ausleuchten will, dem sei diese DVD wärmstens empfohlen - ebenso natürlich demjenigen, der die klanglichen Aspekte des neuen Mediums DVD ausloten will - angesichts des günstigen Preises kann es da kein langes Überlegen geben!


Richard Wagner: Die Walküre (Gesamtaufnahme) (live München 2002)
Richard Wagner: Die Walküre (Gesamtaufnahme) (live München 2002)
Preis: EUR 49,99

12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Walküre" auf Weltklasseniveau..., 15. Mai 2003
Ein kleines, aber feines Münchner Label namens Farao produziert mitten in der erklärten Flaute der klassischen Tonträgerindustrie eine komplette "Walküre". Das verwundert schon ein wenig, zumal offenbar das Budget für eine massive Werbekampagne nicht gereicht hat und sich das Vorhandensein dieser Aufnahme erst langsam herumspricht.
Dabei ist die vorliegende Aufnahme musikalisch auf Weltklasseniveau. Zubin Mehta leitet ein schon fast berauscht wirkendes, sehr engagiert wie emotional aufspielendes Bayrisches Staatsorchester. Hier gibt es keine "intellektuelle" oder "kammermusikalische" Wagner-Deutung, hier wird das Drama gelebt und in Klang umgesetzt, insbesondere in den sehr emotionalen Passagen drückt Mehta auf Dynamik und Tempo (Finale I, Vorspiel II und natürlich die Abschiedsszene in III), ohne die "leisen" Passagen zu vergessen, wie die Todesverkündigung oder den Rest des 1. Aufzugs. Der Walkürenritt selber erscheint da gerade anfänglich sehr zurückgenommen, ja schon fast zaghaft zu sein, Mehta setzt mehr auf dynamische Steigerung denn auf Dauerfortissimo (was ihn besonders von der Solti-Einspielung sehr unterscheidet), hat aber das Orchester perfekt im Griff.
Bei der Sängerbesetzung überraschte mich vor allem John Tomlinson als Wotan positiv: Fehlte es ihm in der 12 Jahre älteren Bayreuther Einspielung noch an sonorem Stimmmaterial, hören wir ihn hier als gereiften und immer souveränen Bariton - seine Defizite in er Höhe weiß er besser zu kaschieren (wenn man auch das Stemmen immer deutlich hört), der leicht metallische Klang seiner Stimme hat nichts tonloses, unangenehmes mehr. Seine Gestaltungskraft und der individuelle Charakter seiner Stimme sind jedoch geblieben. Eine ganz besondere Entdeckung ist Mihoko Fujimara als Fricka, die angesichts ihrer musikalischen "Vorgeschichte" (Brangäne, Venus, Donna Elvira) als doch sehr dunkel klingender Mezzo überrascht, schon fast eine Altstimme an den Tag legt. Dies aber mit unglaublicher Souveränität, Deklamation und Ausdrucksvermögen, wirkt dabei in keinem Takt angestrengt.
Ein fulminantes Geschwisterpaar geben Waltraud Meier und Peter Seiffert: letzterer ist deutlich gereift, weg vom leichten hin zum heldischen Tenor, auch konditionstechnisch hat er die Partie gut im Griff, seine Stimme scheint ihre Bestform erreicht zu haben. Wundern kann man sich nur über seine schlechte Textkenntnis, laufend werden Pronomina verwechselt und Wagners Text versehentlich umgedeutet - und daß, obwohl er sich jeden Halbsatz von der Souffleuse ansagen läßt (s.u.). Waltraud Meier ist mit "perfekt" fair beurteilt, obwohl ihre Stimme gegen Mehtas Dynamikausbrüche fast etwas zierlich wirkt (3. Aufz.), überzeugt sie mit einer überragenden Deklamation und Rollengestaltung und einer im wahrsten Sinne des Wortes auch schönen Stimme.
Gabriele Schnaut als Brünnhilde fällt da besonders im direkten Vergleich etwas ab: Ihre Stimme klingt alt, zeigt schon leichte Abnutzungstendenzen, das Vibrato zu stark und zu gleichförmig. Gerade im 3. Aufzug wirkt sie etwas undeutlich, liefert unterm Strich aber immer noch eine solide Leistung ohne störende Patzer ab, was sicherlich auch dadurch bewirkt wird, daß sie ihre imposant laute Stimme stark zurückhält und niemals an die Grenzen geht.
Das Orchester ist mit unglaublicher Dynamik und Durchhörbarkeit aufgezeichnet, die Solisten dabei aber sehr dominant und mit superber Textverständlichkeit noch darübergemischt. Das Niveau an Störgeräuschen ist erfreulich gering, mit Ausnahme der viel zu lauten Souffleuse im 1. Aufzug. Insgesamt klingt die Aufnahme für live erstaunlich trocken, man kann die Akustik der Bayrischen Staatsoper nur erahnen.
Das fällt insbesondere beim direkten Vergleich zur parallel erschienenen DVD-Audio auf, wo - entsprechende Anlage vorausgesetzt - das Klangbild um einiges räumlicher und weiter ist. Da die DVD-Audio zum selben Preis erhältlich ist wie die CD-Ausgabe, zudem auf allen DVD-Playern abspielbar ist und zusätzlich noch die Stereomischung der CD selbst enthält, kann ich eigentlich nur jedem raten, eher die DVD zu erwerben und die beiden Abmischungen selbst zu vergleichen.


Mussorgsky, Modest - Boris Godunow (Kirov Opera) [2 DVDs]
Mussorgsky, Modest - Boris Godunow (Kirov Opera) [2 DVDs]
DVD ~ Robert Lloyd
Preis: EUR 28,99

39 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Empfehlenswerte Aufnahme, 9. April 2003
Wie das Werk selber - Mussorgskys Oper wurde mehrmals umgearbeitet, ergänzt, neu instrumentiert und gekürzt - ist auch die Entstehung dieser auf DVD vorliegenden Produktion alles andere als linear. Die Inszenierung des (Film-)Regisseurs Andrej Tarkowsky wurde schon 1983 an der Londoner Royal Opera produziert, unter der musikalischen Leitung von C. Abbado, in den 90ern dann, nach dem Tod des Regisseurs, vom St. Petersburger Kirow Theater adaptiert und hier unter Valery Gergiew live aufgezeichnet, wohlgemerkt mit Robert Lloyd in der Hauptrolle.
So bleibt denn auch die Inszenierung streckenweise etwas blaß, wer prunkvolle Dekorationen und aufwendige Umbauten erwartet, wird hier sicher enttäuscht - oft bleibt die Bühne leer und der Hintergrund dunkel, was den Fokus jedoch völlig zurecht auf die hervorragend durchdachte Personenregie Tarkowskys lenkt, dessen Konzept auch schlüssig in Richtung einer menschlich-emotionalen "Boris"-Deutung geht, besonders starke Aufmerksamkeit der Vater-Sohn-Beziehung zu Fjodor widmend. Tarkowsky entwickelte hier einen ganz eigenen Stil, die Schauspieler zu führen, man fühlt sich des öfteren im positiven Sinne eher an Filmschauspieler erinnert als an Opernsänger.
Obwohl hier die Originalinstrumentierung von Mussorgsky in der langen Fassung (Mit "Polenakt" und dem "Kromy-Schlußbild") zu hören ist, bemüht sich der Dirigent doch sichtlich, zumindest in den gewaltigen Tutti die typisch herben, reibungsvollen und groben Zusammenklänge spürbar zu glätten (wenn auch nicht so massiv wie in der Rimsky-Korsakoff-Instrumentierung). Das macht es dem Hörer zunächst zwar einfacher, nimmt aber doch einiges vom Charme des "Boris". Das Orchester liefert ansonsten eine gute, aber unspektakuläre Leistung ab, während es im für einen "Boris" ungewöhnlich leicht klingenden Chor die eine oder andere Unsicherheit gibt.
Bei den Solisten ist es erwartungsgemäß Robert Lloyd in der Titelrolle, der den Reiz der Produktion ausmacht - nicht nur sängerisch, er ist hier in hervorragender Verfassung, auch die schauspielerische Leistung verdient Anerkennung, in der Todesszene stockt dem Zuschauer kurz der Atem. Alexei Steblianko als Grigori/Dimitri hält da zumindest sängerisch durchaus mit, überzeugt mit einer baritonal eingefärbten, aber immer sicheren und vor allem natürlich klingenden Stimme, verkörpert jedoch seine Rolle weniger glaubwürdig als die anderen Protagonisten. Im Kontrast dazu zeigt Yewgeni Boitsow eine etwas verbrauchte, brüchige Tenorstimme, die jedoch zur Rolle des Schuiski durchaus paßt. Die anderen Sänger halten das hohe Niveau, insbesondere der kraftvolle Pimen von Alexander Morosow und Olga Borodina als Marina stechen aus dem Ensemble heraus.
Mit der Technik kann man nicht so ganz zufrieden sein: Das Bild (4:3) hat zwar ordentlichen Kontrast und zeigt sich fast rauschfrei, die Schärfe läßt jedoch für eine moderne Produktion etwas zu wünschen übrig. Der 5.1-Sound in dts überzeugt nicht, offensichtlich handelt es sich nur um einen umgemischten Stereoton, der zudem deutlich verfärbt und künstlich verhallt klingt. Zum Glück liegt jedoch der originäre Stereoton noch als PCM vor, den ich jederzeit vorziehen würde, auch wenn das Klangbild ungewöhnlich schmal und unräumlich klingt.


Wagner: Götterdämmerung (Gesamtaufnahme) (Aufnahme Dresden 1983)
Wagner: Götterdämmerung (Gesamtaufnahme) (Aufnahme Dresden 1983)
Wird angeboten von goodtasterecords
Preis: EUR 13,37

8 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen 20 Jahre nach einer "digitalen Pioniertat" - was bleibt?, 5. April 2003
Die Bekanntheit des "Janowski"-Ringes gründet sich weniger auf die Musik oder Interpretation selbiger, sondern es sind eher außermusikalische Gründe, man möchte schon fast sagen Kuriosa, die die außergewöhnliche Stellung dieses Projektes ausmachen. Da ist zum einen die politische Dimension, eine "deutsch-deutsche" Co-Produktion diesen Ausmaßes, mit "West-" wie "Ost"-Stars, der Dresdner Staatskapelle und einem "gemischten" Aufnahmeteam waren Anfang der 80er Jahre alles andere als gewöhnlich. Zum anderen ist es das Kürzel "DDD", also die vollkommen digitale Aufnahmetechnik, die die Erwartungen an diese Aufnahmen sehr hoch schraubten.
Dabei sorgt insbesondere die Aufnahmetechnik mit 20-jährigem Abstand durch für eine gewisse Ernüchterung: Manchmal wundert man sich ein wenig, was sich das "VEB"-Team da zusammengemischt hat(auch wenn die absolute Rauschfreiheit damals vielleicht beeindruckt hat). Wobei man die ungünstige Akustik der Lukaskirche kaum den Technikern anlasten kann, dieser Raum klingt einfach unendlich hallig und macht eine Opernaufnahme extrem problematisch (wie schon Kleibers "Freischütz" bewiesen hat). So klingt denn auch das Orchester sehr "zerrissen", mit sehr nah und direkt erklingenden Streichern und einer oftmals in unendliche Ferne gerückten und entsprechend leisen Bläserbatterie - quasi Fernorchestereffekte, die gar nicht in der Partitur stehen, mit dem dummen Nebeneffekt, daß rhythmische Feinheiten zumeist völlig im Hall versinken. Dazu aber noch die seltsame Tendenz, einzelne führende Stimmen nur taktweise sehr stark aus dem akustischen Gesehen herauszuheben, was sehr unpassend wirkt (z.B. die Pauken im Todesmarsch).
Die Gesangssolisten sind per Mikrofon im Klangbild dabei sprichwörtlich "künstlich eingemischt", man hat zuweilen den akustischen Eindruck einer Pop-Produktion, wo die Sänger nicht im selben Raum musizieren wie die restlichen Musiker. Zugunsten einer guten Textverständlichkeit mag das grundsätzlich in Ordnung gehen, aber bei dieser Aufnahme wirkt es doch sehr unplausibel.
Bei diesen widrigen akustischen Umständen hat es auch Marek Janowski spürbar schwer, seine Staatskapelle zusammenzuhalten. Zum einen fällt die sehr ungewöhnliche Wahl seiner Tempi auf: Zumeist hat er einen Hang zum langsam-zerdehnten (noch schlimmer im "Siegfried" dieses Zyklus'), um dann in wenigen Szenen viel zu stark aufs Gas zu drücken. Das Orchester wirkt im Ganzen etwas nervös und unsicher, für eine Studioaufnahme gibt es doch eine Unzahl an rhythmischen Unsicherheiten. Besonders in den Gesangspassagen bescheidet sich der Klangkörper auf das Abspielen von richtigen Tönen, lediglich in einigen Instrumentalpassagen (Todesmarsch, Finale III) spielen sich die Dresdner in einen gewissen Rausch und lassen kurz erkennen, warum man sie "Wunderharfe" nennt.
Bei den Solisten ist es vor allem René Kollo als Siegfried, der sich glänzend aus der Affäre zieht, gegenüber der einige Jahre jüngeren Aufnahme unter Sawallisch klingt er jugendlicher und stimmstärker, vermeidet das Anpressen der Töne, verleiht der Rolle aber eine ähnliche Glaubwürdigkeit. Matti Salminen gibt einen gewohnt dämonischen Hagen, allerdings fehlt seiner Stimme wg. der Aufnahmetechnik der große Raum, den sie sonst zu füllen vermag - hier hat man den Eindruck, er singt nur mit halber Kraft, um das Orchester nicht zu übertönen. Siegmund Nimsgern und Hans Günter Nöcker als Alberich und Gunter können da gestalterisch nicht ganz mithalten, bieten jedoch vokal auch überzeugende Leistungen.
Enttäuschung verursachen vor allem die weiblichen Solisten. Allen voran eine überforderte Jeannine Altmeyer als Brünnhilde, die weder vom Stimmvolumen her noch von der Gestaltungskraft der Rolle gewachsen zu sein scheint: Selbst in mäßig laut begleiteten Passagen wird sie vom Orchester oder wahlweise Salminen oder Kollo übertönt, macht nur durch allzu forcierte Spitzentöne aus sich aufmerksam, während tiefere Passagen nur erahnbar sind - und das trotz der "sängerfreundlichen" Aufnahmetechnik. Auch Norma Sharp als Gutrune ist deutlich zu leicht besetzt, wirkt mit ihrer schmalen und spielerischen Stimme zumeist deplaziert. Ortrun Wenkel als Waltraute ist da vokal besser disponiert, läßt allerdings Glaubwürdigkeit und Rollenkenntnis vermissen. Warum große Namen mit großen Stimmen (wie Lucia Popp und Hanna Schwarz) sich hier lediglich als Rheintöchter beweisen dürfen, bleibt auch ein Rätsel.
Bleibt unterm Strich Licht und Schatten. Ob des günstigen Preises und der Deutlichkeit der Solisten sicher für Einsteiger geeignet, kann ich die Aufnahme trotzdem nur eingeschränkt empfehlen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 29, 2011 10:29 PM MEST


Mozart, Wolfgang Amadeus - Don Giovanni
Mozart, Wolfgang Amadeus - Don Giovanni
DVD ~ Gürzenich Orchester Köln
Preis: EUR 27,99

11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Solide Aufnahme mit technischen Mängeln, 24. März 2003
Rezension bezieht sich auf: Mozart, Wolfgang Amadeus - Don Giovanni (DVD)
Rein zahlenmäßig dürfte der "Don Giovanni" zur Zeit die auf DVD am besten dokumentierte Oper sein, das Angebot ist zwar noch überschaubar, aber bietet schon einige Alternativen - wenn auch die Inhomogenität vom 50 Jahre alten Furtwängler-Film bis zur modernen Inszenierung aus Glyndebourne etwas verwundern mag. Auch die üblichen Veröffentlichungsquerelen ist man ja mittlerweile schon fast gewohnt (so ist die exzellente Verfilmung unter Maazel/Losey/Raimondi/Te Kanawa/van Dam mal wieder nur über den Import erhältlich, die grandios-radikale Verfilmung unter Smith/Sellars gar nicht). Die vorliegende Kölner Aufnahme reiht sich da eher ins solide, unauffällige Mittelfeld ein, hat auch schon einige Jahre auf dem Buckel.
Michael Hampe inszenierte das Stück in historischen Kostümen und Bühnenbildern, wenn auch eher zurückhaltend, nicht mit großen Pomp aufgeblasen, aber auch nicht übermäßig einfallsreich. Die Personenregie wechselt zwischen übertrieben-komödiantisch und statisch-langweilig, einige recht nette Beleuchtungsideen stehen neben doch arg strapazierten und unglaubwürdigen Szenerien.
James Conlon treibt das Gürzenich Orchester Köln spürbar an - und schießt dabei doch deutlich übers Ziel hinaus. Das betrifft einerseits die Tempi, die passagenweise sehr schnell sind (fanden übrigens auch die Sänger, s.u.), andererseits aber auch Phrasierung und das Zusammenspiel des Orchesters. Von Mozartscher Leichtigkeit ist da passagenweise wenig zu spüren, schon in der Ouverture legt das Orchester eine laute, manchmal plumpe, fast romantisierende Spielweise an den Tag - also viel dramma und wenig giocoso.
Unter den Solisten sticht vor allem Ferrucio Furlanetto als buffonesk-übertriebener, aber glänzend gespielter wie gesungener Leporello positiv hervor. Thomas Allen als Giovanni fällt da ein wenig ab, seine Stimme klingt etwas angestrengt und läßt Leichtigkeit vermissen, zumal er manchmal auch richtig böse aus dem Takt kommt - woran Conlons hohe Tempi vermutlich deutliche Mitschuld tragen. K.M. Sandve versucht den Charakter des Don Ottavio von allen karikaturistischen Anklängen zu befreien, scheitert jedoch vor allem an den Koloraturen. Matthias Hölles Komtur ist von gewohnter Souveränität, aber seinen besten Tag hatte er hier offensichtlich dann doch nicht.
Bei den Frauen ist Andrea Rost als herrlich jugendliche Zerlina die Entdeckung. Carolyn James' Donna Anna bleibt unauffällig, lediglich in einigen Passagen wie der Entdeckungsszene läuft sie zu dramatischer wie vokaler Hochform auf. Carol Vaness als Donna Elvira legt die Partie viel zu dramatisch an, klingt deshalb nicht nur alt und überanstrengt, sondern auch irgendwie völlig deplaziert - gerade bei dieser Rolle vermißt man schmerzlich Kiri Te Kanawa von der Maazel-DVD oder Cecilia Bartoli von der ansonsten belanglosen Züricher Aufnahme.
Die Technik ist noch ein gravierender Schwachpunkt der DVD. Man könnte zwar die Ehrlichkeit der Produzenten loben, nur einen Stereoton anzubieten und keinen "Pseudo-5.1" zu mischen, aber zufrieden kann man mit dem Ergebnis nicht so ganz sein. Der Versuch, die Sänger und die Textverständlichkeit zum einzigen Maßstab zu machen, kann nicht voll überzeugen, ein penetrantes hochfrequentes Pfeifen stört zudem fast die ganze DVD. Beim Bild sieht es kaum besser aus, die Schärfe ist für anno 1991 nicht zeitgemäß, die Kontraste mau und besonders im 2. Akt trübt ein starkes Bildrauschen die Freude doch ganz erheblich.
Eine solide Aufnahme, zweifelsohne, wer mit den kleinen vokalen und den nicht so kleinen technischen Schwächen leben kann, aber unbedingt eine "klassische" Inszenierung bevorzugt, der kann hier bedenkenlos zugreifen. Allen anderen empfehlen ich dringend, sich nach dem Maazel/Losey-Film umzusehen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 17, 2013 9:38 PM CET


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