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MRuhnke

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Wagner, Richard - Die Meistersinger von Nürnberg [2 DVDs]
Wagner, Richard - Die Meistersinger von Nürnberg [2 DVDs]
DVD ~ Brian Large

32 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Es klang so alt, und war doch so neu...", 17. November 2002
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Seit Patrice Chereaus "Jahrhundertring" ist es salonfähig, Wagners Musikdramen optisch in die Zeit ihrer Entstehungs- oder Rezeptionsphase zu versetzen - da mag es schon fast verwundern, daß Götz Friedrich dies erst in den 90er Jahren mit den "Meistersingern" gemacht hat. Dabei ist doch gerade dieses Werk bestens dazu geeignet, auch vom Zeitbezug her konkrete Bedeutung anzunehmen - zum einen wg. des komödiantischen (und damit zeitlosen) Sujets der spießigen Vereinsmeier, aber auch, weil Wagner die Kunstdiskussion sicher auch als Gegenwartsdiskussion verstanden haben möchte.
Götz Friedrich zeichnet die Meistersingerzunft kritisch, aber nicht übertrieben karikaturhaft - eben eine gealterte, in ihren Konventionen erstarrte Gemeinschaft, die das Rentenalter durchschnittlich locker erreicht hat. Die in der Wagnerinterpretation verbreitete Auffassung, die Charaktere in den "Meistersingern" seien aufgrund ihrer kleinen Fehler, ihres Spießertums und ihres Hanges zum Bloßstellen der anderen so besonders glaubwürdig und menschlich, greift der Regisseur auf und verstärkt sie noch: Eine sehr glaubewürdige Personenregie kombiniert er mit ständigem pantomimischen Auffüllen der Instrumentalpassagen: Es ist "immer was los auf der Bühne". Hinter der Bühne weniger, denn die Kulissen sind nur, dabei dem formalen Gestaltungsprinzip der Induktion auf eine runde Grundform folgend, angedeutet, was der Produktion einen intimen und persönlichen Charakter verleiht.
Die Figur des Beckmesser wird dabei durchaus der Lächerlichkeit preisgegeben - der Effekt stellt sich schon nach wenigen Sekunden des ersten Auftrittes ein, weil der Stadtschreiber von seinem erträumten Schwiegervater um gut einen halben Meter überragt wird. Der eigentliche Rebell ist hingegen Sachs, unübersehbar der jüngste in der Zunft, dem Singerkonventionen wie Kleiderordnungen nicht viel bedeuten. Das Verhältnis zu seinem "Lehrbuben" ist dabei eher als eines zweier "Lehrertypen" zu sehen (mit Halbbrille, versteht sich), die ihren Mitmenschen gerne mit erhobenem Zeigefinger begegnen. Nicht ganz so drastisch wie aktuell in Hamburg Peter Konwitschny, der die nationalistische Schlußansprache auf offener Bühne durch Tumult unterbrechen läßt, versucht auch Friedrich, sich vom Inhalt der Warnung vor dem "welschen Dunst und welschem Tand" zu distanzieren - Hans Sachs singt die Zeilen in seltsames Licht getaucht, mit sichtbaren Bauchschmerzen im Anfluge eines Wahns - in derselben Gemütslage hängt sich Walther schließlich die Meisterscherpe um, und es kommt zur abschließenden Versöhnung zwischen Sachs und Beckmesser.
Der Dirigent Rafael Frühbeck de Burgos ist als Wagner-Interpret bisher eher selten in Erscheinung getreten. Das Orchester ist dennoch hervorragend und diszipliniert geleitet, mit einem Hang zu jugendlich-beschwingten und eher leichten "Meistersingern", die blechgepanzerten, lauten Passagen dabei dezent zurückgenommen. Allenfalls beim Tempo drückt der Dirigent zuweilen etwas auf die Bremse, ganz im Gegensatz zu den männlichen Protagonisten Brendel und Winbergh, die dem Orchester schonmal etwas davonlaufen. Der Chor gibt eine hervorragende Leistung ab, die zahlenmäßig oft erstaunlich geringe Besetzung paßt perfekt zur restlichen Interpretation und der Inszenierung.
Die Besetzung der Protagonisten verwundert: Hier gibt es keine großen Wagnersänger zu sehen, sondern alle Partien sind mit Solisten aus dem "leichten" Fach besetzt, teils mit "Mozart-Vergangenheit", teils aus dem italienischen Fach. Das geht bei den Meistersingern erstaunlich gut auf, Winbergh singt einen fast lyrischen, nie lauten "Stolzing", und Eva Johannsson eine wahrlich jugendliche Eva. Überzeugend vor allem Wolfgang Brendel als Sachs, dessen jugendlicher, leichter Gesang mit hervorragender Deklamation gut zur von Friedrich intendierten Charakterisierung paßt - nur in ganz wenigen Passagen fehlt es ihm an Tiefe und Durchsetzungskraft, ansonsten wünscht man sich auf keinen Fall einen Heldenbariton als Ersatz. Die Nebenrollen sind durchweg solide und hochwertig besetzt, vor allem Ute Walther als noch recht junge Magdalene und Eike Wilm Schulte als vertikal herausgeforderter, komödiantisch orientierter Beckmesser überzeugen. Allenfalls Uwe Peper als David wird seiner Rolle nicht gerecht - weniger, weil er fast älter aussieht als sein Lehrmeister, sondern mehr, weil er die hohen Töne keineswegs jugendlich vorträgt, sondern seine dort überforderte Stimme zwischen Flüstern, Falsettieren und Pressen changiert, was beim Zuschauer - in Kombination mit seinem angestrengten Gesichtsausdruck - die ständige Angst vor einem "Kickser" erzeugt.
Technisch bietet die DVD ein scharfes, kontrastreiches Widescreen-Bild und einen überzeugend abgemischten Stereo-(PCM)-Klang, der allenfalls bei einigen Sängern, die sich stark bewegen, etwas merkwürdig schwankt.
Selten hab ich eine so menschliche, dabei glaubwürdige Darstellung der "Meistersinger" gesehen und gehört, die das Politische außen vor läßt und niemals der Überzeichnung einzelner Figuren verfällt. Der 5. Stern ist greifbar, und sein Fehlen lediglich durch die Summierung von Kleinigkeiten (kein 5.1-Sound, einzelne sängerische Probleme etc.) zu begründen.


Richard Wagner - Siegfried
Richard Wagner - Siegfried
DVD ~ Brian Large
Wird angeboten von scheuss68-cd-dvd-berlin
Preis: EUR 26,99

7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Inszenierung Top, Gesang naja...., 9. November 2002
Rezension bezieht sich auf: Richard Wagner - Siegfried (DVD)
Der "Siegfried" als Symbol der Industrialisierung, des Klassenkampfes und der Anarchie? Der junge Regisseur Patrice Chereau mutete dem Bayreuther Publikum gerade mit dem Siegfried einige radikale Regieideen zu, die diese Inszenierung nicht nur zum "Jahrhundertring", sondern zu einer der umstrittensten Wagnerinterpretationen überhaupt machten.
Boulez läßt das Bayreuther Orchester einen "entschlackten" Ring spielen, ohne zuviel Pathos, aber passagenweise auch ohne die rechte Spannung. Im Siegfried geht das zweifellos sehr gut, sind doch hier die allzu massierten Klang- und Motiveruptionen wie in Walküre und Götterdämmerung eher unterrepräsentiert, das heitere Moment überwiegt, und Boulez bringt dieses ohne falsches Pathos und mit viel Orchesterdisziplin glaubwürdig zu Gehör, dabei aber durchaus mit der Tendenz, bisher Unbekanntes der Partitur zu entreißen.
Die damalige Aufregung über Chereaus Regie ist heute kaum noch nachvollziehbar - Kostüme und Kulissen in einem imaginären "Realstil des 19. Jh." sind als Provokation ebensowenig mehr geeignet wie der weitgehende Verzicht auf Lichtstimmungen, der gerade im "Siegfried" doch eher ungewöhnlich erscheint. Erst beim zweiten Hinsehen merkt man, wie durchdacht und stimmig die vielen Bühnenbilder sind, machen sie doch im "Siegfried" viel vom typischen Charme dieser Produktion aus - man denke nur an die Paralle zur Industrialisierung, die Siegfried sein Schwert mit einer industriellen Presse statt mit dem Hammer herstellen läßt. Die Personenregie von Chereau ist durchweg auf hohem Niveau.
Der Gesang ist jedoch ein Schwachpunkt gerade bei diesem Teil der Tetralogie: Besonders das Protagonistenpaar Manfred Jung und Gwyneth Jones überzeugt keineswegs, Jung singt roh und tendiert zum Brüllen, während Jones eine sehr undeutliche Aussprache und ein übertriebenes Vibrato mit deutlicher Überforderung ihrer Stimme an den Tag legt, besonders in den hohen Passagen fehlt es Ihr an Deutlichkeit - in der "Walküre" dieses Zyklus' hielt sie sich mehr zurück und gefiel mir deutlich besser. Donald McIntyre als Wanderer spielt sehr glaubwürdig, doch es fehlt ihm etwas an Tiefe und Stimmkraft. Allenfalls Heinz Zednik als Mime kann wirklich überzeugen.
Zur Technik: Daß die Aufnahme 22 Jahre alt ist, ist nicht weiter tragisch. Daß jedoch hier ins amerikanisch/japanische Videoformat NTSC konvertiert wurde, obwohl die Aufnahme in PAL gemacht wurde, ist sehr ärgerlich, hier wurde einiges an Bildqualität verschenkt - vermutlich wollten die Hersteller mit einer einzigen Version für USA/JP/Europa Kosten sparen auf Kosten der Qualität. Der Ton geht angesichts des Alters wirklich in Ordnung, auch wenn man vom remasterten 5.1 keine Wunder erwarten sollte, handelt es sich doch wohl eher um eine Stereoaufnahme mit leichten eingemischten Hallanteilen.
Fazit: Einer interessanten Inszenierung stehen sängerische Probleme gegenüber, die zwar die Produktion nicht zu einem Totalausfall machen, aber schon ärgerlich sind, insbesondere der 3. Akt macht so einfach keinen Spaß...


Wagner, Richard - Tristan und Isolde [2 DVDs]
Wagner, Richard - Tristan und Isolde [2 DVDs]
DVD ~ René Kollo

57 von 63 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Tristan - geht das auch ohne Isolde gut?, 31. Oktober 2002
Kaum beklagt man den Mangel an "Tristan"-Aufnahmen auf Video, kommt von TDK eine weitere, bisher noch unveröffentlichte Aufnahme heraus. Hohn und Spott in den Kritiken über "das älteste Liebespaar der Welt" war das einzige, was mir von dieser Produktion der Deutschen Oper Berlin bisher bekannt war, und so war diese DVD für mich zuerst einmal Neuland.
Offensichtlich war das der Tristan auch für den Dirigenten Jiri Kout: Der versucht zwar, Wagners Partitur jugendlich und schwungvoll zu spielen, legt dabei zuweilen recht hohe Tempi an den Tag (rund 10-15 Minuten kürzer als die Aufnahmen unter Mehta und Barenboim), verliert aber in einigen Passagen ordentlich den Überblick über das musikalische Geschehen. Das betrifft weniger die Führung der Solisten, als vielmehr den Zusammenhalt des Orchesters an sich, was bei einem Weltklasseorchester wie den Berlinern schon verwundert - gerade in rhythmisch schwierigen Passagen läuft es deutlich auseinander. Ansonsten ist das Dirigat eher unauffällig, einzig Kouts Hang zu extremer Dynamik und demzufolge sehr starken forte-Einsätzen wären erwähnenswert (was zu einem Mißverhältnis bei den Lautstärken zwischen Sängern und Orchester führt).
Götz Friedrich zeigt hier sich als besonnener und kluger Regisseur, dem man die Altersreife deutlich ansieht. Keine Provokationen, keine sensationell neuen Ideen, keine "Zeittunnel" mehr, dafür solide, aber gleichzeitig sehr am Personalstil orientierte Regiearbeit: Der weitgehende Verzicht auf Hintergrundbilder, das starke Arbeiten mit Licht und Schatten (Im "Tristan" ohnehin angelegt) und die überzeugende Personenregie erinnern mich - im besten Sinne - an seinen Bayreuther "Lohengrin" aus den 70er Jahren. Die Bühne hat immer den Eindruck einer leeren Spielfläche, die im unendlichen Raum ohne Bezug zur Wirklichkeit schwebt, auf Bauten wird fast völlig verzichtet. Höhepunkt ist zweifellos die Entdeckungsszene im 2. Aufzug, wo mit dem einsetzenden Scheinwerferlicht das buchstäbliche Dunkel des Duetts abrupt und beängstigend beendet wird.
René Kollo straft den Spott über sein Alter in dieser Produktion weitgehend Lügen: Zwar fehlt ihm etwas die Frische und Stimmkraft alter Zeiten, aber er singt einen überzeugenden und nicht nachlassenden Tristan mit hervorragender Deklamation. Einzig in sehr lauten Passagen kommt er gegen die fortissimo-Eruptionen des Orchesters nicht an (bzw. versucht es glücklicherweise auch nicht) und geht auch im Duett zuweilen etwas unter. Der Vergleich mit der Bayreuther Aufnahme (wg. 2 identischen Protagonisten naheliegend), die diese Detailmängel nicht kennt, führt hier allerdings in die Irre, handelt es sich doch dabei um eine Aufnahme ohne Publikum, wo die Akte einzeln aufgenommen wurden. Im Falle Hanna Schwarz (Brangäne) zeigt sie sich in der älteren Aufnahme jugendlicher und stimmschöner, überzeugt aber dennoch auch hier. Das gilt erst recht für Gerd Feldhoff, der einen Kurwenal mit etwas zu wenig Kraft, aber umso besserem Ausdruck singt, und einen Robert Lloyd als Marke, den man nur als perfekt bezeichnen kann: Kräftig, mit Tiefe und guter Aussprache, dabei vor allem immer glaubwürdig.
Da fehlt doch noch was ... Allerdings. Über Gwyneth Jones als Isolde würde ich am liebsten gar keine Worte verlieren, aber es muß wohl sein. Madame Jones malträtiert ihre Stimme, daß es einem selbst weh tut, mit überbordendem Vibrato und unverhohlenem Schreien in lauten Passagen (das Orchester ist wohl anders nicht zu übertönen). Dazu gesellt sich eine sehr schlechte Aussprache, das kaum erträgliche Jaulen und Anlaufnehmen bei hohen Tönen (Schlußgesang!) und passagenweise auch Intonationsprobleme. Einzig Konditionsprobleme scheint sie keine zu haben, aber ob das angesichts der vorliegenden Leistung positiv oder negativ ist, muß jeder selber entscheiden.
Auf der DVD findet man überall Hinweise mit "dts, Dolby Digital, 5.1 Sound" - hier kann man leider nur sagen: Glatte Mogelpackung! Es handelt sich um eine Stereoaufnahme, wo in die hinteren Lautsprecher ein bißchen künstlicher Hall eingemischt wurde, nicht um 5.1! Der Stereoklang (PCM) hingegen ist gut, gute Textverständlichkeit, überzeugende Staffelung, allenfalls die recht eingeschränkte Räumlichkeit (die nicht zum optischen Eindruck der unendlichen Bühne paßt) und die wohl eher vom Dirigenten verschuldeten Lautstärkeverhältnisse zwischen Orchester und Solisten könnte man kritisieren.
Tja, was zieht man nun für ein Fazit bei so widersprüchlichen und zerrissenen Einzelurteilen? Ergo: Es ist kein Fazit möglich. Wer eine solide Friedrich-Inszenierung oder einen Tristan mit überzeugenden Männerstimmen sehen will, dem sei die DVD dringend empfohlen. Wer eine stimmschöne Isolde oder einen audiophilen Rundumklang erwartet, der sei gewarnt! Und weil man auch aus extremen Werten einen Mittelwert bilden kann, werden es eben 3 Sterne...
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 1, 2008 11:32 AM MEST


Wagner: Der fliegender Holländer (Gesamtaufnahme) (deutsch)
Wagner: Der fliegender Holländer (Gesamtaufnahme) (deutsch)
Preis: EUR 15,32

20 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Über den Umgang mit historischen Aufnahmen..., 8. Oktober 2002
Mit den Aufnahmen gerade von Wagner-Opern aus der Frühzeit der Stereophonie ist es so eine Sache: Einerseits kann die Nostalgie wg. der "Glanzzeit des Wagnergesangs" über so manchen technischen Mangel der Aufnahmen hinwegsehen lassen, andererseits ist nicht jeder mit der historischen Interpretationspraxis einverstanden.
Antan Dorati und das Orchester der Royal Opera sind jedenfalls mit erstaunlich viel Leidenschaft bei der Sache, insbesondere die Zusammenarbeit mit dem Chor (beim "Holländer" wahrlich nicht einfach) klappt vorzüglich. Dorati arbeitet vor allem die Gegensätze der Partitur, die abrupt wechselnden Passagen von Opera-Buffa-Anklängen, traditioneller Romantik und Wagnerscher Zukunftsmusik, sehr gut heraus - in diesem Sinne eine wahrhaft moderne Interpretation. Das gilt leider nicht für Tempi, die - im negativen Sinne historisch - nur mit langsam bis schleppend zu bezeichnen sind.
Sängerisch würde ich diese Aufnahme ganz oben auf der Liste sehen: George London ist ein Holländer fast ohne Konkurrenz, dem es vor allem nicht an Tiefe fehlt. Leonie Rysanek merkt man ihr jugendliches Alter mit jedem Ton an, vom angestrengten Stemmen vieler Sopranistinnen, z.B. bei der Ballade, keine Spur - wenn sie auch in den sehr dramatischen Passagen etwas undeutlich wirkt (man höre zum Vergleich H. Behrens in der Videoaufnahme unter Segerstam). Die Besetzung des Daland mit G. Tozzi kann im Vergleich zu heutigen Aufnahmen fast als Geniestreich gelten - ein Bassist mit unüberhörbarer Herkunft aus dem italienischen Fach, der der Rolle eine besondere Buffo-Note gibt, ohne daß es ihm an Kraft fehlt (dafür etwas an Kenntnis der deutschen Sprache). Besonderes Lob verdient der disziplinierte und kraftvolle Chor.
Das war hauptsächlich die Haben-Seite der CD - zu kritisieren gibt es vor allem im technischen Bereich. Sicher muß man der Aufnahme ihr Entstehungsjahr (1960) zugute halten, auch die durchgehend ordentliche Textverständlichkeit - aber das Rauschen selbst dieser remasterten Ausgabe verdirbt den Spaß doch ordentlich, zumal dadurch die zahlreichen Schnitte auch in dramaturgisch zusammenhängenden Passagen überdeutlich hörbar werden. Der Klang des Orchesters ist unausgewogen, die Blechbläser gehen im hellen und durchdringenden Streicherklang oft unter, die tonale Balance ist merkwürdig verschoben.
Fazit: Eine Referenzaufnahme, wie an anderer Stelle gern behauptet, ist dies sicher nicht. Aber eine der besten auf jeden Fall, wenn man die technischen Mängel und die Tempi nicht störend findet. Und im Gegensatz zu anderen historischen Decca-Aufnahmen, die zu teilweise unverschämten Preisen verkauft werden, fühlt man mit 18 EUR für 2 randvolle CDs wirklich fair behandelt.


Wagner, Richard - Tristan und Isolde - 2 DVD
Wagner, Richard - Tristan und Isolde - 2 DVD
DVD ~ Zubin Mehta
Preis: EUR 27,99

47 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Achtung: Modernes Regietheater auf hohem Niveau!, 29. September 2002
Unter allen Wagneropern ist der "Tristan" bzgl. Video- und TV-Aufnahmen wohl das Stiefkind. Außer der Bayreuther Aufnahme unter Barenboim/Ponelle ist gar keine Videoaufnahme verfügbar. Ein Glück, daß sich das mit der vorliegenden DVD geändert hat, wenn auch die Inszenierung von Peter Konwitschny zu hitzigen Diskussion Anlaß geben dürfte.
Doch zur Musik: Zubin Mehta und das Orchester liefern eine solide Leistung ab und loten auch die Feinheiten der Partitur gut aus. Zuweilen kommt ein Anschein von Routine auf, der dem Tristan naturgemäß nicht gut tut, aber es gibt nur wenige Stellen, wo der emotionale Funke nicht überspringt. Lobenswert besonders das Zusammenspiel zwischen Orchester und Solisten.
Wer die DVD vom Hamburger "Freischütz" oder erst recht die aktuelle "Rosenkavalier"-Produktion von Konwitschny gesehen hat, merkt schnell, daß seine radikalen Regieideen hier gleichwohl in den Kinderschuhen stecken, sein Hang zum Umdeuten der Handlung erst gering ausgeprägt ist (auch wenn ein gewisses "Ideenrecycling", s. Auftritt der Orchestermusiker, nicht abzustreiten ist). Augenfälligstes Beispiel ist die Negierung des Liebestodes durch den Regisseur, was den Tristan zu einem lebensbejahenden und optimistischen Schluß führen soll. Ansonsten bleibt die Inszenierung etwas blaß, insbesondere durch die naiven Bühnenbilder des 1. und 2. Aufzugs (das gelbe Ikea-Sofa taugt als Liebesnest kaum), die Personenregie überzeugt jedoch, ebenso die Szenerie des 3. Aufzugs, wo Tristan in einem leeren Raum Bilder seiner Vergangenheit an die Wand projiziert. Die Grundidee von der "Bühne auf der Bühne", die Tristan und Isolde zum Schluß verlassen wie die reale Welt, erscheint zunächst als platter Einfall, birgt aber besonders in der Schlußszene eine hohe Faszination. Im Beiheft nachzulesen soll die Isolde den Schlußgesang als "jubelnden Lebensgesang, Hymnus an das Glück" singen - da muß nicht nur der konservative Wagner-Fan erstmal kräftig schlucken. Auch das Publikum der vorliegenden Liveaufnahme war offensichtlich etwas vor den Kopf gestoßen, eine solch lange "Generalpause" zwischen Schlußakkord und Applaus habe ich noch nie erlebt.
Das Niveau des Gesangs ist hoch: Waltraud Meier gibt eine glaubwürdige, stimmstarke Isolde und neigt lediglich in hohen Passagen zu übertriebenem Vibrato- und Krafteinsatz (Ihre Mezzo-Herkunft kann sie als Isolde nicht verbergen). Für J.F. West ist die Tristan-Partie offensichtlich eine kleine Nummer zu groß, aber außer einem partiell etwas gequetschten Vortrag und dem ständigen Drang zum Kraftsparen äußert sich das nicht negativ - zumal die Aufnahme eine komplette Liveaufführung repräsentiert und deshalb nicht mit quasi unter Studiobedingungen aufgenommen Konkurrenzaufnahmen (Barenboim/Bayreuth) verglichen werden darf. Nur als "perfekt" kann man Bernd Weikl als Kurwenal und Kurt Moll als Marke ansehen, lediglich C. Ahnsjo als Melot enttäuscht auf der ganzen Linie.
Technisch ist die DVD auf höchstem Niveau: Es gibt zwar nur einen PCM-Stereoton, aber der erklingt klar, räumlich gestaffelt und mit sehr überzeugenden Lautstärkeverhältnissen zwischen Bühne und Graben (und immer guter Textverständlichkeit). Die Bildqualität ist exzellent, wie man es von einer nur wenige Jahre alten Aufnahme erwarten kann.
Wer also keine Angst vor modernem Regietheater hat und einen musikalisch wie szenisch hervorragenden Tristan auch zuhause sehen will, dem sei diese DVD wärmstens empfohlen!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 25, 2013 6:05 PM CET


Wagner: Der Ring des Nibelungen (Gesamtaufnahme)
Wagner: Der Ring des Nibelungen (Gesamtaufnahme)
Preis: EUR 82,99

64 von 90 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Erstklassige Sängerbesetzung, aber ansonsten fragwürdig..., 28. September 2002
Schon immer habe ich mich gefragt, wie ausgerechnet dieser "Ring" von allen Seiten so gelobt und zur "Referenzaufnahme" hochstilisiert worden ist. Ist es die nostalgische Verklärung dieser ersten "Stereophoniesternstunde", die Sehnsucht nach den gesanglichen Qualitäten dieser vergangenen Ära? Ich weiß es nicht...
Fangen wir beim Dirigat an: Solti läßt einen rustikalen, energiegeladenen, aber in meinen Augen auch flachen Wagner spielen. Sein Hang zu dynamischen Effekten, zu Energieausbrüchen und Hervorhebung der "lauten" Passagen der Partitur tut dem Werk insgesamt nicht gut. Passagenweise ist das nicht ohne Reiz, wer läßt sich nicht gerne mal vom Walkürenritt bedröhnen oder von Siegfrieds Todesmarsch zu Tränen rühren. Aber wo bitte sind die leisen, spannungs- wie emotionsreichen Passagen der Partitur, die Verwandlungsmusik in Walküre II, das Vorspiel II des Siegfried und die Waltrautenerzählung? Die verkommen bei Solti zu Pausenfüllern auf dem Weg zum nächsten fortissimo-Ausbruch, böse gesagt.
Das wäre alles vertretbar, ginge es nicht teilweise an die musikalische Substanz des Werkes: Die Gesangsstimmen müssen buchstäblich hinter dem Orchester zurückstehen, musikalische Details wie rhythmische Feinheiten werden nicht selten niedergewalzt. Passagenweise spielt Solti mehr gegen die Sänger, als mit ihnen. Da sind andere Dirigenten, auch Zeitgenossen dieser Aufnahmen, in ihrer Ring-Erkundung deutlich weiter (Furtwängler, Böhm, Karajan!).
Dabei gibt doch gerade die Sängerbesetzung keinerlei Anlaß zur Klage: Das gilt besonders für das fulminante Paar Nilsson/Windgassen, aber auch für eigentlich alle Nebenrollen. Angesichts der stimmigen Besetzung lohnt es sich kaum, über Detailfragen nachzudenken, etwa ob der "Walküren"-Wotan mit Hans Hotter nicht eine Spur zu leicht besetzt ist oder ob es G. Stolze (Mime) mit seiner stimmlichen Charakterisierung (Karikaturisierung) nicht übertreibt.
Was mich jedoch an diesem Ring immer gestört hat, war die Aufnahmetechnik. Über die Einspielung diverser Effekte und Sounds mag man ja noch schmunzeln, aber die Musikaufnahme an sich ist IMHO mißlungen: Das Orchester ist in 2 Teile gespalten, an den äußersten Rand der Stereobasis gedrängt, dabei immer dominant, wuchtig und sehr präsent vom Klangbild her. Die Sänger sind fast ausnahmslos weit in der Tiefe abgebildet, zumeist mittig im "leeren Raum", klingen dabei oft wenig differenziert und schlecht verständlich. Neben diesem räumlichen Effekt, der noch zu tolerieren wäre, stimmen die Lautstärkeverhältnisse nicht, sowohl innerhalb des Orchesters, noch tragischer aber im Zusammenklang mit den Sängern, wobei letztere fast immer den kürzeren ziehen. Irgendwie klingt das Ganze sehr bewußt gestaltet und gemahnt an viele Pop-Produktionen jener Zeit, wo man mit "Pingpong-Stereo" zufrieden war. Trotz aller objektiven Mängel erscheint der Bayreuther Böhm-Ring da in jeder (tontechnischen) Hinsicht überlegen, was erstaunlich ist angesichts der idealen Studiobedingungen der Decca. Von aktuellen Produktionen (Sawallisch, Haitink etc.) oder der Karajan-Einspielung gar nicht zu reden.
Fazit: Uneingeschränkte Bewunderung für die Sängerbesetzung, aber von der Orchesterarbeit wie von der Aufnahmetechnik her ist dieser "Ring" nur ein historisches Überbleibsel, was heute seltsam antiquiert wirkt. Vielleicht wird er deshalb von einigen so geliebt.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 4, 2014 10:43 PM CET


Wagner, Richard - Die Walküre
Wagner, Richard - Die Walküre
DVD ~ Hildegard Behrens

22 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Einzelne Glanzpunkte, aber indiskutable Inszenierung, 24. Juni 2002
Rezension bezieht sich auf: Wagner, Richard - Die Walküre (DVD)
Immerhin, diese DVD war der erste Teil eines "Rings" der auf DVD veröffentlicht wurde, was schonmal ein gewisses Lob verdient. Doch hält er auch, was er verspricht?
Ich meine, nein. James Levine und das New Yorker Met-Orchester spielen eine abgedroschene, wenig interessante "Walküre". Allzusehr auf effektvolle Tutti abgesehen (Walkürenritt), werden die leisen, spannungsreichen Passagen der Partitur mit Routine heruntergespielt (Verwandlungsmusik 2. Akt). Die ungewöhnliche Sitzordnung des Orchesters trägt zu einem Eindruck eines zerrissenen, nicht harmonierenden Klangkörpers bei, Levines Vorzüge für ungewöhnliche Tempi in beide Extreme verwirren mehr, und viele interessante Details der Partitur fallen unter den Teppich.
Mehr ärgert jedoch die Inszenierung von Schenk: Altbackene Ideen, germanisch-rustikale Kulissen und Kostüme wie aus schlimmsten "Flügelhelm"-Zeiten. Dazu eine statische und äußerst langweilige Personenregie mit dem Hang zur unfreiwilligen Komik (J. Morris teilnahmslos im 2. Akt, J. Norman und G. Lakes als Wälsungenpaar taugen optisch teilweise nur als Karikatur). Zwar bleiben dem Zuschauer in der "Walküre" die verspotteten "Warzenfroschmann"-Kostüme aus dem "Rheingold"/"Siegfried" naturgemäß erspart, trotzdem bleibt das ständige Verlangen, das Bild abzuschalten.
Sängerisch gibt es einzelne Glanzpunkte: Hildegard Behrens überzeugt als Brünnhilde, Christa Ludwig singt zwar etwas angestrengt, aber als Fricka durchaus glaubwürdig, James Morris ist ein stimmschöner, wenn auch sprachlich ungenauer und inhaltlich uninformierter Wotan. Jessie Norman bringt zwar passagenweise ihre hervorragende Stimme zum Einsatz, singt aber lustlos und mit sehr schlechter Aussprache. Gary Lakes als Siegmund ist leider ein Totalausfall, stimmlich wie darstellerisch und sprachlich ("Aail maakt mi' dan nahn").
Technisch ist die DVD sehr gut: Die NTSC-Bildqualität ist für eine Aufnahme aus den 80ern überzeugend, der Ton zwar nur Stereo, aber gut. Kaufen würde ich mir diese DVD dennoch nicht noch einmal - die Levine-Aufführung ist auch als CD erhältlich, und auf DVD ist die Inszenierung unter Boulez/Chereau allemal überzeugender. Und da gibt es ja auch noch die Hoffnung, daß die Videoaufnahmen unter Sawallisch/Lehnhoff oder auch Barenboim/Kupfer irgendwann auf DVD erscheinen, die ich in jedem Fall vorziehen würde.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 14, 2013 1:55 AM MEST


Richard Wagner - Der Ring des Nibelungen (NTSC) [7 DVDs]
Richard Wagner - Der Ring des Nibelungen (NTSC) [7 DVDs]
DVD ~ Gwyneth Jones

27 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Licht und Schatten, 24. Juni 2002
Daß der "Jahrhundertring" eine der spektakulärsten und auch regietechnisch interessantesten Wagnerinterpretationen war, steht außer Frage. Doch was bleibt nach 25 Jahren von diesem Glanz?
Boulez läßt das Bayreuther Orchester einen "entschlackten" Ring spielen, ohne zuviel Pathos, aber passagenweise auch ohne die rechte Spannung. Der oft geäußerte Vergleich zu Karajan ist nicht haltbar, Boulez nimmt sich und das Orchester viel stärker zurück als der Österreicher, arbeitet aber auch viele Details der Partitur heraus, die bei anderen Aufnahmen untergehen.
Die damalige Aufregung über Chereaus Regie ist heute kaum noch nachvollziehbar - Kostüme und Kulissen in einem imaginären "Realstil des 19. Jh." sind als Provokation heute ebensowenig mehr geeignet wie der weitgehende Verzicht auf Lichtstimmungen, der immer den optischen Eindruck eines "kleinen Sprechtheaters" erzeugt. Erst beim zweiten Hinsehen merkt man, wie durchdacht und stimmig die vielen Bühnenbilder sind, von der Nibelungenhöhle über das "Rheinwehr" bis zum Walkürenfelsen (Und wieviel spätere Regisseure sich davon haben beeinflussen lassen). Was dafür sofort auffällt, ist die exzellente Personenregie Chereaus, bei fast jedem Sänger hat man das Gefühl, daß er "seine Rolle lebt".
Sängerisch gibt es Licht und Schatten: Die "Walküre" ist durchweg hochwertig besetzt (Vor allem Salminen/Hofmann/Altmeyer im 1. Akt), ebenso das "Rheingold". Das Götterehepaar Wotan/Fricka ist mit Donald McIntyre und Hanna Schwarz eher "leicht" besetzt, aber nicht unpassend - wobei letztere die "Walküren"-Fricka nicht wirklich glaubwürdig verkörpert. Ärgerliche Besetzung gibt im spätestens im "Siegfried" mit einer überforderten G. Jones als Brünnhilde und einem stimmlich rohen Manfred Jung, der seine Tendenz zum Brüllen nie ganz verbergen kann. Auch die Protagonisten der "Götterdämmerung", Mazura, Hübner, Becht als Gunther, Hagen und Alberich erscheinen nie wirklich passend besetzt. Lichtblicke gibt es allenfalls mit Heinz Zednik als Loge/Mime.
Zur Technik: Daß die Aufnahme 22 Jahre alt ist, ist nicht weiter tragisch. Daß jedoch hier ins amerikanisch/japanische Videoformat NTSC konvertiert wurde, obwohl die Aufnahme in PAL gemacht wurde, ist sehr ärgerlich, hier wurde einiges an Bildqualität verschenkt - vermutlich wollten die Hersteller mit einer einzigen Version für USA/JP/Europa Kosten sparen auf Kosten der Qualität. Der Ton geht angesichts des Alters wirklich in Ordnung, auch wenn man vom remasterten 5.1 keine Wunder erwarten sollte.
Fazit: Besitzen muß man diese DVD wohl, denn z.Zt. ist es der einzige vollständige "Ring" auf DVD, und der wenigstens teilweise erschienene und vollständig angekündigte New Yorker "Ring" unter Levine/Schenk ist keine Alternative (stimmlich vielleicht, aber spätestens die ärgerlich schlechte Inszenierung verleitet immer wieder zum Abschalten des Bildes). Optimisten hingegen werden beide Aufnahmen verschmähen und hoffen, daß die legendäre Videoaufnahme unter Sawallisch/Lehnhoff endlich auf DVD erscheint, oder wenigstens der Bayreuther Ring unter Barenboim/Kupfer (wobei letzterer auch mit Besetzungsproblemen zu kämpfen hat...).


Wagner: Der Ring der Nibelungen (Gesamtaufnahme)
Wagner: Der Ring der Nibelungen (Gesamtaufnahme)

32 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die am meisten unterschätzte Ring-Aufnahme, 24. Juni 2002
Warum diese Gesamtaufnahme des "Rings" so wenig positive Resonanz bekam, ist mir bis heute ein Rätsel. Liegt es an Haitinks Bescheidenheit? Oder am Hang vieler "Ring"-Fans zur nostalgischen Verklärung älterer Aufnahmen (Böhm, Solti, Furtwängler)? Am Fehlen eines "optischen Pendants" i.F. einer Inszenierung? Für mich ist sie schlicht die beste Aufnahme des Digitalzeitalters.
Haitink und das RSO München spielen einen entschlackten und sehr partiturtreuen "Ring", der sowohl wagnertypische Fortissimi als auch die "ruhigen" Passagen dieses Werkes in keinster Weise vernachlässigt. Dabei fällt insbesondere die hohe Disziplin und Präzision des Orchester auf, Haitink arbeitet geradezu ansonsten verborgene Details heraus, ohne die Musik zu sezieren - der IMHO beste Kompromiß aus "rustikalem" (Solti) und "kammermusikalischen" (Karajan, Boulez) Wagner!
Insbesondere die Besetzung der Solisten verdient großes Lob. Im positiven am meisten überraschen Peter Haage als Mime, Theo Adam als Alberich, Marjana Lipovsek als Fricka/Waltraute und John Tomlinson als Hagen (man vergleiche letzteren völlig fehlbesetzt als Wotan bei Barenboim). Die Hauptfiguren sind sehr solide besetzt, wenn auch nicht perfekt - der stimmlich in Höchstform singende Morris als Wotan kämpft ebenso wie die zu gewaltige Eva Marton mit der deutschen Sprache, S. Jerusalem als Siegfried mit seinem Hang zum sehr kraftvollen Singen. Einen stimmlichen Totalausfall, wie sonst auf eigentlich allen Aufnahmen, gibt es überhaupt nicht zu beklagen!
Im Vergleich zu anderen Aufnahmen neueren Datums (Barenboim, Levine, Neuhof) überzeugt dieser Ring gänzlich und ohne Abstriche. Besonderes Lob verdient die Aufnahmetechnik: Hier wurde akustisch offensichtlich der "Bayreuther Graben" nachgebildet, mit einem leicht diffusen, als Einheit erklingendem Orchester und darüber ortungsscharf und klar sich abhebenden Solisten, die niemals untergehen. Das alles bei technisch perfektem Digitalklang - zumindest die Aufnahmen unter Furtwängler und Böhm haben im Vergleich eigentlich mehr Dokumentationscharakter als Charakter eines "Kunstwerks Aufnahme".
Einen Ring, den man runherum empfehlen kann!


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