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Proxymedon "Proxymedon"

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Musik bitte!: Der sichere Weg zu guter Turniermusik
Musik bitte!: Der sichere Weg zu guter Turniermusik
von Michael Steinborn
  Gebundene Ausgabe

1.0 von 5 Sternen KEINE "Tanzmusik", BITTE!, 23. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der Autor kolportiert folgende Lüge: "Jedes Tanzpaar, egal welchen Alters und welcher Turnierklasse, egal ob im Gruppenunterricht oder auf einem Einladungsturnier, hat das Recht auf erstklassige Musik!" (S.9) – ein solches Recht existiert nicht, weder in der Turniertanzsportordnung noch in der Realität, weil sich die Musikmachenden einen feuchten Staub um die musikalischen Interessen der Tanzpaare scheren, egal ob im Trainingsunterricht oder während eines Turniers. Er selbst beweist in kontraproduktivster Weise bei seinen Liveeinsätzen als Musikmacher, dass diese Kolportage eine Lüge ist, weil er >>Stücke von Hugo Strasser und Günter Noris, Musik von Edmundo Ros und Giants of Latin, aber auch (eigentlich) bekannte Titel wie "Pata pata" [Miriam Makeba, 1967] oder "Guantanamera" [1930er Jahre]<< spielt (aus seinem Leserbrief im Tanzspiegel 3/14 auf Seite 13 der Beilage "Tanz mit uns").

M. Steinborn konnte zum Erscheinungszeitpunkt seines Buches 2001 freilich nicht ahnen, dass die Cassette, die er schon damals allen Ernstes noch als Audiomedium für einen DJ (!) thematisiert, heutzutage vom europäischen bzw. deutschen Markt verschwunden sein würde. Diejenigen DJs, die jemals von Cassetten gearbeitet hatten, waren die der DDR und des sonstigen Ostblocks, weil es wegen des Kalten Krieges keine Schallplatten zu kaufen gab. Aber er hätte wissen müssen, dass schon damals während Tanzturnieren längst schon keine Schallplatten mehr aufgelegt wurden und dass kein einziger routinierter DJ mit einer Fernbedienung (!) oder Haushalts-CD-Spielern seine Arbeit macht (S.12-27), tut aber, als wäre dem so.

Besonders feige ist es, im gesamten Buch (bis auf eine altmodische Ausnahme) keinen einzigen Musiktitel als Beispiel zu nennen, sondern nur von der potenziellen Existenz irgendwelcher (un)geeigneter Titel herumzuschwafeln und sich so jeder Verbindlichkeit und Verantwortung zu entziehen. So eine Frechheit leistet sich jemand, der jahrelange Erfahrung im Musikabspielen bei Tanzturnieren und entsprechend große Repertoirekenntnisse hat? Seine wohlmeinenden Darstellungen, wie idyllisch der Tanzcharakter sein soll, um sich vor Musiktitelnennungen zu drücken, an denen das wirklich einmal überprüfbar oder zumindest nachvollziehbar wäre, was er überhaupt damit meint, strotzen vor Klischees, Vorurteilen und bohemienhafter Entfremdung von der Realität eines Tanzturniers, wo es um Sport, Wettkampf und Leistung geht (S.35 ff.). So versucht er eben auch mit konservativem Nachdruck der Leserschaft weis zu machen, dass "Blues" ein Paartanz sei und ein aktueller Song im 6/8-Takt "nichts mit einem Wiener Walzer zu tun hat" (S.37), obwohl die Paartanzpraxis uns eines besseren belehrt. Da er für seine Ironien und deplazierten Späße gegen die von ihm geschmähte Musik keine Beispiele, sondern nur unspezifische, kitschige Umschreibungen für die Paartänze liefert, sind diese wertlos und unbrauchbar für eine Transferleistung, was das für Konsequenzen bei der Titelauswahl haben müsste.

Der Autor geht in seiner Argumentation sehr doktrinär vor und tarnt dabei seine persönlichen Geschmacksabneigungen als apophantische Empfehlungen wie etwa diese: "Titel mit unpassenden deutschen Texten, die mit Tanzen nichts zu tun haben, sollten ebenfalls vermieden werden; sie vermitteln meistens eine falsche Atmosphäre." (S. 59, so als hätten deutsche Texte nichts besseres zu tun als vom Tanzen zu handeln, oder was?) oder diese hier: "Deswegen sind langsame bluesartige Stücke nur bedingt geeignet, denn man sollte auch der Rumba stets anhören, dass sie aus Lateinamerika stammt […]." (S.40) oder diese: "Paso Doble ist Paso Doble, Disco ist Disco, Cha Cha Cha ist Cha Cha Cha!!!! Kein Tanz ist gegen den anderen austauschbar." (ebenda). So etwas kann mit 4 Ausrufezeichen auch nur ein völlig unmusikalischer, archaisch verwurzelter, spießiger Pseudo-DJ der Turniertanzwelt behaupten, dem jegliche Fantasie und Auslegung für (mitunter polyrhythmische) Originalmusik fehlt und der nicht die geringste Ahnung von den musikalischen sowie emotionalen Bedürfnissen der Tanzpaare hat, die eben nicht mehr die ewigen Schnulzen und Turniertanzschlager hören wollen. Ihm fehlt obendrein im Jive die Kenntnis um das Zauberwort ternäre Phrasierung. Er kennt den Unterschied überhaupt nicht und behauptet deshalb falsch, dass es egal sei, "ob nun ein Jive leise oder laut, swingend leicht oder rockig hart klingt. Es gibt auch hier unterschiedliche Stilrichtungen, die aber alle einen fetzigen Jive ergeben können." (S.41f.)

Dann vergeudet der Autor ganze 8 Buchseiten völlig unnötigerweise damit, minutiös zu erklären, wie das Songtempo mit zu umständlichen, veralteten, ungenauen und digitalen Methoden gemessen werden kann und Lösungsvorschläge zu machen. Die Messung des Tempos mit einer Stoppuhr über 10 Takte ist für LaWa, Tg, Sf, Ru, CCC und Jv aber nur dann brauchbar, wenn die Stoppuhr mindestens 10 mS Genauigkeit hat (er weiß das nicht). Dann erhält man eine Präzision besser als 1% Toleranz. Bei den anderen Tänzen WiWa, Quickstep und Samba ist eine Messdauer von 20 Takten erforderlich, um eine entsprechende Genauigkeit zu erreichen – nichts davon schreibt der Autor.

Der Autor hält es für die Aufgabe der Musikmachperson, einen gar nicht definierbaren Schwierigkeitsgrad von Musik willkürlich festzulegen, drückt sich dann aber wie in allen solchen haltlosen Behauptungen vor der Verantwortung, mal beispielhafte Musiktitel zu nennen, an denen man sich möglicherweise orientieren könnte. Darum bietet dieses Buch diesbezüglich nicht die geringste Hilfestellung. Das ist aber sowieso gar nicht die Aufgabe der Musikmachperson, sondern des Trainingsunterrichts, für eine turniertaugliche Musikalisierung der Tanzpaare zu sorgen. Denn wenn es wirklich erst einmal darauf ankommt – bei einem Tanzturnier nämlich – darf die Musikmachperson nicht mehr überlegen, wie schwierig Musiktitel vielleicht sind, sondern muss blindlings auf beliebige Titel zurückgreifen können. Sonst hat ein Tanzpaar, egal in welcher Leistungsklasse, beim Turniertanzsport wirklich nichts verloren.

Das lobenswerteste in diesem Buch ist ab S.73 die rein organisatorische Turniervorbereitung für jemanden, der dort Musik spielen soll, weil hier die Praxiserfahrung im Umgang mit Technik, Aufstellung, Ablauf und Personal vermittelt wird und keine vorurteilsbeladene Traumweltidylle. Das ist leider weniger als die Hälfte der Gesamtseitenzahl.


The Forgotten Chords: Die vergessenen Akkorde. Lehrbuch.
The Forgotten Chords: Die vergessenen Akkorde. Lehrbuch.
von Peter Herborn
  Taschenbuch
Preis: EUR 25,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen nur für Jaazprofis, 1. Juli 2013
Es ist immer gut, wenn nicht nur für Anfänger und erste Fortgeschrittene neue Bücher auf den Markt kommen, sondern auch für diejenigen, die schon sehr viel wissen, aber immer noch nicht genug haben. Dieses Buch ist ein solches, eben nicht für Anfänger oder Fortgeschrittene, sondern Semiprofis bis Profis im Jazz, die mit der gesamten Jazzharmonik und Harmonielehre gut vertraut sind.

Es lenkt die Aufmerksamkeit auf die seltenen Skalen und Modi von Harmonisch Dur, Harmonisch Moll sowie Melodisch Moll, wenn diese nicht nur in ihren populären und allgemein bekannten Verwendungsweisen in der Improvisation und Komposition verwendet werden sollen, sondern auf allen Skalentönen als Grundtönen für Modi einschließlich ihrer damit bildbaren Akkorde. Das Buch ist wissenschaftlich korrekt und zweisprachig (dt/engl) geschrieben, für die Lehre in Jazzstudiengängen geeignet und debattiert gründlich Ton für Ton die Möglichkeiten und Konsequenzen, die diese Skalen für die Musizierpraxis und defizitäre Musiktheorie haben.

Der Autor leistet Pionierarbeit im Bemühen, sämtlichen erzeugbaren Vierklangsakkorden auf sämtlichen Tönen der Modi eindeutige Namen und Bezeichnungen zu geben, die Modi differenziert zu benennen, sich eindeutige Akkordsymbole zu überlegen, wenn sich Skalen nur um einen einzigen Ton unterscheiden, klassifiziert und kategorisiert diese und stellt sie in gut klingenden Notenbildern dar. Auf der Webseite des Autors kann man sich sogar alle beispielhaften Kompositionen auszugsweise (thematischer Teil) anhören, die im praktischen Teil des Buches abgedruckt sind.

Was nicht gelöst wird ist das strukturelle Problem der Akkordnotation, dass nämlich die Symbole, die das Auge z.T. sehr schnell erfassen muss, immer komplizierter werden, weil die Skalen es auch werden, so dass dann zunehmend mehr Akkord- und Optionstöne als Ziffern genannt und modifiziert werden müssen (Kreuz, Be, Auflösezeichen),um Verwechselungen mit anderen Skalen auszuschließen.

Der reale Klang dieser neuen Umgehensweise mit diesen Skalen und Akkorden ist - freilich nur in diesen Beispielkompositionen des Autors, andere gibt es ja noch gar nicht! - derart gewöhnungsbedürftig und befremdlich, dass sich die Musik quasi atonal anhört, obwohl sie es nachweislich nicht ist (ich fühle mich an Bélà Bartòk und Olivier Messiaen erinnert!). So gesehen ist dieses Buch absolut bewusstseinserweiternd für den Umgang mit skalarem Tonmaterial für den zeitgenössischen Jazz und nur begrenzt eine Inspiration für traditionelle Jazzstandards, weil jene zahlreiche Akkorde gar nicht kennen, die in diesem Buch systematisch erfasst werden und zur Sprache kommen. Der kreative Umgang mit diesen Skalen steht im Vordergrund, also die Komposition.


Tanzen ist Musik: Musiktheorie und Tanztheorie für Turniertänzer, Hobbytänzer, Tanzlehrer und Tanzsporttrainer
Tanzen ist Musik: Musiktheorie und Tanztheorie für Turniertänzer, Hobbytänzer, Tanzlehrer und Tanzsporttrainer
von Udo Schmidt
  Gebundene Ausgabe

5 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Pfuschwerk, dilettantisch, inkompetente Stümperei, 27. Juni 2013
Der Vermittlungsversuch zwischen Musiktheorie und Paartanz einerseits als auch zwischen unmusikalisierten Lesern andererseits ist wegen didaktischer und musischer Inkompetenz komplett gescheitert. Das Buch müsste von einem akademisch ausgebildeten Musiker bzw. Fachmann komplett neu geschrieben werden. Es ist im Eigenverlag erschienen, hat also nie ein Lektorat durchlaufen und wurde auch nie von einem Berufsmusiker Korrektur gelesen, nur deshalb ist dieses Pfuschwerk, das referenzielle Seriosität beansprucht, überhaupt erschienen, es müsste vom Markt genommen werden!

Der Buchautor hat von Musiktheorie und praktischem Musizieren absolut keine Ahnung und nicht die geringste fachliche Musikausbildung, weil er noch nicht einmal Hobbymusiker ist! Dennoch täuscht er fachliche Kompetenz vor. Sein gesamtes ruinöses Musikwissen hat er sich aus dem Schülerduden und DTV-Atlas zur Musik lediglich angelesen (Quellenangabe Seite 157f) und das noch nicht einmal begriffen. Er versteht überhaupt nichts von dem, wovon er schreibt und auf welches Glatteis er sich begeben hat. Man kann unmusikalisierte HobbypaartänzerInnen, an die sich sein Buch richtet, grundsätzlich niemals abstrakt über ein Buch mit vielen Texterklärungen und Notenbilder musikalisieren, was ausgebildete Musikpädagogen auch wissen, er aber nicht.

Der Autor beherrscht die musikalische Fachsprache nicht und macht sich permanent mit grotesken Falschaussagen und dilettantischen Behauptungen unglaubwürdig, die sich durch das ganze Buch ziehen. Beispiele:

>>Schließlich wünsche ich mir einen Wiener Walzer im 3/4-Takt und nicht im 2/4-Takt [...]<< S.8 - so was ist musikalischer Schwachsinn. Da er das gar nicht heraushören kann, weiß er nicht, dass ein Walzer - egal ob langsamer oder Wiener - ebenso auch in 6/8, 6/4,9/8, 12/8 und weiteren ternären Taktarten komponiert sein kann als angeblich nur im 3/4-Takt. So ist es dann auch mit der Taktzählung vorbei, wenn er immer nur vom 3/4-Takt schreibt.

>>Das Ticken des Metronoms ist ein recht einfacher Rhythmus.<< S.44 - Falsch! Das Ticken ist nichts anderes als ein primitives Metrum und kein Rhythmus. Deshalb heißt das Taktell eben auch METROnom und nicht etwa Rhythmonom oder so.

>>Völlig unmöglich ist es dagegen, eine Rumba oder eine Samba zu tanzen, wenn nur gesungen wird, weil der Rhythmus dann fehlt.<< S.47 - für IHN ist das als Nichtmusiker freilich unmöglich. Außerdem hat Gesang, wie er ihn meint, ebenfalls immer Rhythmus.

>>Tanzen ist immer musikalisch; wenn nicht, ist es kein Tanzen.<< S.49 - deplazierter Seitenhieb auf das Solotanzen in der Disco sowie alle rein choreografischen Tanzformen, die bisweilen überhaupt keine Musik benötigen.

>>Bei den Blasinstrumenten werden die Töne durch schwingende Luft erzeugt.<< S.57 - falsch, stimmt nur bei Flöten und einigen Orgelpfeifentypen, nicht aber bei Holz- und Blechblasinstrumenten.

>>Die Cow Bell wird in der Hand gehalten und mit einem dickeren Stab, z.B. Claves-Stab, angeschlagen.<< S.60 - kein (professioneller) Perkussionist schlägt mit einem Claves-Stab die Cowbell, die ebenso nie in der Hand gehalten, sondern fest am Set montiert wird. Ein Clavesstab ist selbst ein Musikinstrument (Klangholz)

Restriktive Musiktitel:
Die musikalische Wahrnehmung des Autors wurde nach all den Lebensjahren resistent gegen ganz normale Alltags- oder Radiomusik, wie sie in Tanzschulen rundweg üblich ist, denn er maßt sich an darüber zu richten, dass ausschließlich die um jeden künstlerischen Wert und Anspruch sterilisierte Plastik-Turniertanzmusik die zum Paartanzen einzig mögliche sei, weil er in seinen Instrumentationsbeschreibungen ausschließlich klischeehafte Normvorschriften macht, wie diese zu klingen habe: >>Da die charakteristischen Musikinstrumente für den Tango nicht die Rhythmus-Instrumente sind, sondern Melodie-Instrumente, wie Bandoneon, Violine und Klavier, sind alle typischen Tango-Rhythmen in der Melodie bzw. in weiteren Stimmen zu finden<< (S.101) oder hier: >>Ich wünsche mir Musik, bei der man hört, dass die Samba aus Brasilien kommt und nicht aus dem Computer.<< (S.8). Was anderes als polkamäßiger Hum-Ta-Ta-Walzer existiert für ihn nicht. Welche Rhythmen wie instrumentiert werden, ist ja nun wirklich keine Frage der Tanzbarkeit, sondern des Komponisten und Stils. Falschbehauptungen wie diese sind dann das Ergebnis: >>In der Samba beispielsweise ist der jeweils erste Taktteil mit hochklingenden rhythmischen Schlägen versehen, der zweite Taktteil hat tiefe Schläge.<< (S.52) Ebenso sind seine als vorbildlich präsentierten Musikbeispiele ausschließlich Turniertanzmusikschlager, die man nur in dieser Szene überhaupt spielt und deshalb allen anderen überhaupt nichts nützen, weil sie nie im Radio kommen, nicht allgemein bekannt und nicht im Internet als Klangdatei zu finden sind. Das ist unpädagogisch.

Paartanzfehler:
Der Autor behauptet S.46, Quickstep werde "zur Melodie im Takt" getanzt, was für ihn als ehemaliger Turniertänzer der S-Klasse der beschämendste Fehler auf tänzerischem Gebiet ist, weil bereits der Grundschritt des Quicksteps in 2x3 halben Taktschlägen = 12 Viertelschlägen getanzt wird und je nach Figur unterschiedliche Schrittphrasenlängen hat (meist 3er- bzw. 6er-Einheiten)!

Musikirrtümer:
Der Autor hält durchgeschlagene regelmäßige Achtel für einen "Rhythmus" (S.71 & 101), was falsch ist. Er kennt nicht das Wort "Auftakt", weiß nicht, was Synkopen sind und gibt dafür falsche Notenbeispiele an (S.15). Er verwechselt ternäre Taktarten mit ternärer Phrasierung, weil er den Unterschied nicht kennt (S.31). Deshalb hält er die ternäre Phrasierung der Musik, die für den Jive absolut obligatorisch ist, für einen Rhythmus (S.79). Er behauptet: "Metrum beschreibt das Verhältnis zwischen schweren und leichten Betonungen in der Melodie" (S.45) und kennt nicht den Unterschied zwischen Konfliktrhythmus und Polyrhythmik (S.36). Er spricht permanent von einem "Taktteil" (was kein musisches Fachwort ist), wenn Zählzeiten und Schläge gemeint sind. Er weist mit legislativem Anspruch Notenbilder mit Rhythmen nur einem einzigen Instrument zu, das diesen unzweifelhaft immer in der Turniertanzmusik spielen würde, obwohl das auf die Instrumentation und das Arrangement ankommt und Zufall sein kann. Zitat S. 89 zum Langsamen Walzer: >>Auf den Taktschlägen 2 und 3 wird die höherklingende Snare Drum geschlagen, jedoch sehr sanft, z.B. mit den Besen.<< oder S.97 zum Quickstep: >>Auf den Taktschlägen 2 und 4 wird die Snare Drum gespielt [...]<<

Das katastrophale Notenbild:
ist gepixelt und vermutlich mit einem alten Commodore 64 und antikem Nadeldrucker geschrieben. Der Autor hat von Notentypografie ebenfalls keine Ahnung, weil alle Akzente mit der Spitze nach links zeigen! Solche Akzente existieren in der Musik überhaupt nicht. Er weiß nicht, dass einstimmiger Rhythmus grundsätzlich nur auf einer einzigen Notenlinie geschrieben wird (selbst diese könnte sogar weggelassen werden) und nicht auf 5. Er weiß nicht, dass Rhythmen nicht mit dem Violinschlüssel notiert werden, die Tonhöhen voraussetzen, sondern einen eigenen Schlagzeugschlüssel haben. Er weiß nicht, dass Swingphrasierung grundsätzlich nicht notiert, sondern mit einer Grooveangabe vorgeschrieben wird - er schreibt erbarmungslos Triolen (S. 81-83 zum Jive sowie S.95-100 zum Slowfox und Quickstep), was typischerweise alle Laien falsch machen, die mit den Gepflogenheiten des Jazz und der Notenschrift erst recht nicht vertraut sind. Triolen und Quintolen notiert er mit Bögen, obwohl eckige Klammern der Standard sind, Haltebögen sind unten, wenn sie oben sein müssen (S.103) und enharmoische Notationsfehler macht er natürlich auch (S.89 Cis mit Des verwechselt).

Das Verdikt:
Es wird vorurteilsbeladen verallgemeinert und mit stereotypen Klischees um sich geworfen, was das Zeug hält und das Buch entbehrt jeder Präzision und Fachlichkeit in musischen Angelegenheiten. Dem Autor fehlt jegliche musikalische Grundlage, um so ein stark musiktheorielastiges Buch zu fabrizieren. Deswegen wählt er auch immer Brüche statt Notenbilder, wenn er rhythmische Aufteilungen im Fließtext beschreibt. Selbst diese sind noch falsch, weil sie mit Mathematik und nicht mit Musik zu tun haben.

Ständig streut der Autor direkte oder unterschwellige Wertungen ein bezüglich einer imaginären Norm, was als "typisch" zu gelten habe und was er für richtig hält, was aber mit der Realität des Musikmachens oder der Musik, die uns allen aus dem Radio oder allgemein bekannt ist, gar nichts zu tun hat. Er hat ja nie selber Musik gemacht und schreibt mit einer ultra orthodoxen Konservativität, wie sie nur religiöse Fanatiker durchsetzen wollen. Er ist nicht im geringsten musiktheoretisch geschweige denn musizierpraktisch gebildet, um ganz allgemein auf die Zusammenhänge zwischen Paartanz und Musik hinzuweisen und er schließt Alltagsmusik kategorisch durch Unterschlagung aus, weil er offensichtlich nie etwas anderes zu Ohren bekommen hat als Turniertanzmusik. Man stelle sich vor, ein Hohepriester oder Voodoomeister gibt sich als Arzt aus oder ein Klempner als Rechtsanwalt! Der unsportliche Freizeittanz taucht in seinem Buch überhaupt nicht auf. Schließlich werden dann auch noch die Turniertänze Rock'n Roll und Discofox unterschlagen, weil er R'nR gar nicht tanzen kann und DiFo wohl für unwertig hält. Das Thema hat er rigoros verfehlt.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 16, 2013 11:54 PM MEST


Harmonik und Tonalität: Grundlagen einer neuen Musiktheorie
Harmonik und Tonalität: Grundlagen einer neuen Musiktheorie
von Wilhelm Paul Becker
  Taschenbuch

2.0 von 5 Sternen geniale Pionierleistung, misslungene Darstellung, 20. Juni 2013
Dieses Buch geht einen ganz neuartigen, längst überfälligen Weg, Musik amusikalisch zu beschreiben. Es ist das erste, das eine numerologische Musiktheorie begründet, die alle Akkorde, die man überhaupt bilden kann, statistisch erfasst und zusammenstellt. Mit Techniken der Informatik wird, beginnend beim Einzelton bis zum Total aller zwölf Töne, afunktional und tabellarisch das gesamte uns zur Verfüngung stehende Tonmaterial sortiert, klassifiziert und in verschiedenen Übersichten nach logischen und nicht musikalischen Kriterien angeordnet.

Eine extreme Vereinfachung zur Erzeugung von Übersichtlichkeit ist das "Kürzen" der statistischen Gesamtmasse von Tönen, Skalen und Akkorden um ihre Transpositionen und Komplementärstrukturen, so dass schließlich nur noch absolut reduziertes Grundmaterial übrig bleibt, mit dem dann Komponisten und Musikwissenschaftler hantieren können. Beispiel: ein Dreiklang wird in seiner engsten Tonballung als Ziffernfolge dargestellt (dur = 43, sprich "vier drei" und nicht "dreiundvierzig", moll = 34, sprich "drei vier" und nich "vierunddreißig") und es ist völlig egal, in welcher Oktavlage die drei (und mehr) Töne benutzt werden, die Tonauswahl an sich ist entscheidend. Enharmonik spielt eine große Rolle, die Notation gar keine.

Ganz unabhängig von Epochen, Zeitgeisterscheinungen oder Stilen ist es nun also möglich, beliebige Kompositionen (Alte Musik, Jazz, Pop, experimentelle Avantgarde, Techno, Wiener Klassik usw.) mit Ziffern zu analysieren und alle musiktheoretischen Aspekte davon zu trennen, weil sie eine Deutung oder Interpretation darstellen. Musikstücke bekommen auf diese Weise ganz gelöst von der eigentlichen musiktheoretischen Analyse eine Materialdisposition und Übersicht, die mit keiner bisherigen sonstigen Analyse möglich ist. Wie auch immer Akkorde notiert wurden oder intervallisch aufgebaut sind, sie sehen bei enharmonisch gleicher Tonauswahl als Zahl immer gleich aus. Der Autor gibt Anwendungsbeispiele durch enige Notenzitate und später rein tabellarische Werkübersichten von Bach über Mozart, Haydn, Wolf, Brahms, Schönberg und Hindemith - dann endet sein musikalischer Horizont.

Die Grundidee ist genial, das marketing aber miserabel, denn ein innovatives Einführungswerk darf für niemanden so geschrieben werden, als sei man nach kurzer Definition automatisch fürs Weiterlesen mit den neuen Begriffen und Methoden vertraut. Mit 122 Seiten bekommt man eigentlich keine pädagogisch brauchbare Einführung in das neueste Gebiet der Musiktheorie, sondern ein Datenbuch voller Tabellen mit langen Zahlenblöcken, in dem kaum Noten stehen, sondern nur sehr trocken und lapidar kommentierte Zahlenmassen. Man muss sich in die Darstellung als Ziffernfolge längere Zeit gut einlesen, um die typischen tonalen Akkorde bis zum Vierklang alle als dreistellige Zahl wiederzufinden. Der Autor hätte mal alle diese typischen tonalen Akkorde in einer eigenen Übersicht mit Noten und Zahlen darstellen sollen. Das hat er aber nur mit den gebräuchlichsten Skalen und ihren Modi getan. Immerhin hat er uns die ganze Mathematik hinter den Ergebnissen erspart, die wirklich niemanden interessiert. Obwol das numerisch-statistische Verfahren wert- und stilneutral ist, werden ausschließlich klassische Musikbeispiele verwendet und keinerlei Anleitung gegeben, wie man ganz von vorne anfangen muss, wenn jemand dieses Verfahren konkret bei einer Komposition - nur über das Notenbild durch Auszählen der Töne möglich! - anwenden will, um die von ihm propagierte "engste Darstellung von Akkorden" zielsicher herauszubekommen.

Der Verlag hat eine hohe Mitschuld an dieser sehr trockenen, blutleeren und sprachlich sehr steril gehaltenen Sprache, weil er ein unter Fachkollegen sehr bekannter rein wissenschaftlicher Verlag ist, der umgangssprachliche Ausdrucksweisen und einen stark verdünnten Schreibstil nicht dulden kann - weil das dann ja angeblich nicht mehr wissenschaftlich ist. Das wäre aber bitter nötig gewesen, um die geniale Idee, unser gesamtes Musiksystem mit Zahlen statistisch vollständig zu beschreiben und darzustellen, wenigstens für MusikerInnen mit fortgeschrittenen Kenntnissen der musikalischen Elementarlehre schmackhaft aufzubereiten. So wie jetzt ist die Sprache und das Hantieren mit seitenweisen Zahlenreihen sehr schwerfällig, aber immer noch die einzige derzeitige vollständige Zusammenstellung wirklich aller mathematisch berechenbaren Akkorde und Mehrklänge.

Zeitgenössische Komponisten, die gründlich und gewissenhaft ausschließen wollen, sich bei ihren Akkorden zu wiederholen, werden dieses Buch brauchen, weil sie an die Zahlenreihen dann Häkchen und Kreuzchen machen können, wenn sie einen Akkord schon mal benutzt haben.


Mbalax Mi: Musikszene Senegal
Mbalax Mi: Musikszene Senegal
von Cornelia Panzacchi
  Broschiert

5.0 von 5 Sternen Erstes Fachbuch zu diesem Thema auf deutsch, 17. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: Mbalax Mi: Musikszene Senegal (Broschiert)
Mbalax wird gesprochen "Malach", das ist die im Senegal vorherrschende musikalische Stilbezeichnung, die landestypisch und international unbekannt ist. Dieser Stil und viele andere werden von der Autorin, die Wissenschaftlerin ist und Jahre lang in Senegal gelebt und Feldforschung betrieben hat, für europäische bzw. deutsche Leser nachvollziehbar dargestellt. Prominentester Musiker, der im Buch vorkommt, ist Youssou N'Dour (Hit "7 Seconds" mit Neneh Cherry).

Es gibt zahlreiche Schwarzweißfotos und die Autorin ist bemüht, zwischen wissenschaftlichem und umgangssprachlichem Ausdruck die Balance zu halten, damit nicht nur Musik- und Kulturwissenschaftler als Leserschaft gewonnen werden, sondern alle, die sich für die Musik im Senegal interessieren. Zudem gibt es nicht nur stilistische, sondern auch regionale, sprachliche und ethnische Differenzierungen innerhalb der Musikszene Senegals, wichtige Sprachen (Wolof, Malinké, Soninké etc.) und Musikinstrumente werden in ihrer Relevanz für die Musik und das Land ebenso dargestellt wie die Bedeutung der musischen Kaste der so genannten "Griots" im sozialen Umfeld der musikalischen Landeskultur. Wie es sich für eine wissenschaftliche Fachveröffentlichung gehört, fehlen keine Literaturangaben und weiterführende Querverweise.

Was nicht das Ziel des Buches ist: Journalismus, Personenkult, Musiktheorie, Tourismus oder Notentranskriptionen.

Dieses Buch ist für alle diejenigen eine lohnende Anschaffung, die aus musikalischen Gründen einen langen Aufenthalt im Senegal planen und haben werden oder zu diesem Thema seriöse Bücher suchen, die es kaum gibt.


Wilfried Wieck : Absender Dein Sohn - Briefe an den Vater - Männer auf der Suche nach sich selbst
Wilfried Wieck : Absender Dein Sohn - Briefe an den Vater - Männer auf der Suche nach sich selbst

5.0 von 5 Sternen Veröffentlichte Lebensgeschichten, 17. Juni 2013
Der Herausgeber ist Psychologe bzw. Psychotherapeut und hat mit diesem Buch die Hassgeschichten diverser Männer einschließlich seiner eigenen Geschichte bezüglich des eigenen Vaters veröffentlicht. Das Buch ist das zur kritischen Auseinandersetzung gedachte Ergebnis zahlloser Gesprächssitzungen, in denen Männer ihre Traumata aufarbeiteten, die sie durch ihre Väter erlitten hatten. Das liest sich wie Tagebuchaufzeichnungen.

Die Therapiesitzungen werden zusammengefasst bzw. beendet, indem die einzelnen Männer einen imaginären Brief, der nie abgesendet wurde, an ihre (längst verstorbenen) Väter schreiben. Die Betroffenen dürfen frei ohne literarische Ambitionen schreiben, wie sie es für richtig halten. Inwieweit der Verlag auf die Texte möglicherweise Zensur ausgeübt hat, ist nicht festzustellen, aber auch nicht wesentlich für das, was die einzelnen Männer loszuwerden haben.

Die Briefe sind zeitlose Lebensgeschichten unterschiedlicher Länge und können interessierten Lesern wichtige Hinweise vermitteln, was unbedingt unterlassen und verhindert werden sollte, wenn/bevor man(n) selber Vater wird oder schon einer ist und unter Kindererziehung möglicherweie nur die Existenzsicherung und Gewalt versteht und alles andere der Umwelt überlässt.


Emotion
Emotion
Wird angeboten von scotty46
Preis: EUR 28,50

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen nur für Trompeter zu empfehlen, 6. September 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Emotion (Audio CD)
Diese CD ist vom regulären Klassikmarkt verschwunden und nur noch gebraucht zu bekommen, weil der Kundenkreis zu klein ist, der sich dafür interessiert. Sie enthält nur zeitgenössische Solotrompetenwerke des 20. Jh. ohne jegliche Begleitung, weshalb sie für die allgemeinen KlassikliebhaberInnen nicht zugänglich ist. Dies gelingt nur denjenigen, die spezielle Voraussetzungen erfüllen: sie sind mit zeitgenössischer (=atonaler, experimenteller) Klassik vertraut und spiel(t)en selber Trompete oder mögen zumindest dieses Instrument besonders.

Um eine Ahnung davon zu haben, welches Weltvirtuosentum hinter den Einspielungen steckt, für die sich der CD-Kauf lohnt, möge man sich auch nur ein einziges Werk in Noten zum Mitlesen beschaffen (meine Empfehlung: Antoine Tisné: Emotion). Es handelt sich insgesamt um sehr selten oder überhaupt zum ersten Mal eingespielte Solokompositionen, die teilweise extra für den Solisten Hardenberger komponiert wurden. Professionellen TrompeterInnen möge sie eine ehrfürchtige Orientierung sein, wo der derzeitige technische Stand der trompeterischen Leistbarkeit angekommen ist, selbst wenn die Aufnahmen kaum alle am Stück eingespielt worden sein dürften (wie das für Aufnahmen üblich ist: Schnitttechnik, die freilich bei digitaler Produktion nicht mehr zu hören ist).

Schlussendlich hat diese CD als Rarität archivarischen Wert, um überhaupt eine Einspielung jener Werke zu haben, an die sich höchstens ein Weltsolist heranwagt (vielleicht Wynton Marsalis oder Reinhold Friedrich). Ob die Kompositionen geschmacklich gefallen, steht hier nicht zur Frage.


Out There
Out There
Wird angeboten von Bessere_Musik
Preis: EUR 16,38

5.0 von 5 Sternen Keine Erben von Take 6, 6. September 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Out There (Audio CD)
Wer kennt sie noch (nicht?), die Jazzsänger Take Six, homogen aus Männern besetzt und in Anlehnung an den Jazzstandard Take 5 benannt? Sie setzten Maßstäbe für exaktes Singen, noch dazu a capella, live genauso professionell wie von Schallplatte. Damals war jedoch das Beatboxing noch unbekannt bzw. nicht in diesem Genre etabliert.

Mit Vox One haben wir eine gemischte A Capella-Band aus 3 Männern und 2 Frauen, die fast ausschließlich Originalkompositionen singen und dank dieser Mischung auf ganz andere sangliche Klangfarben zurückgreifen können. Sie sind ebenso wie Take 6 absolut professionell und haben unglaublich raffinierte Arrangements, die starken Gebrauch von parallel geführten, scharfen Dissonanzen machen (höllisch schwer zu singen!), die zum Akkordvoicing gehören, was aber im Verlauf der Songs dermaßen homogen verschmilzt, dass das ungeübte Ohr sich unmerklich daran gewöhnt. Das mit Jazz vertraute Ohr bekommt Ohrenschmaus und Virtuosität geboten, wie wir sie sonst nur vom Solojazzgesang der Altmeister kennen.

Die Songs sind als Albumkonzept ferner sehr abwechslungsreich zusammengestellt (Balladen, Blues, Funk) und dank der Fähigkeit aller, Frontgesang zu singen, entsprechend wohl tuend. Jazzgesang a capella ist an sich schon selten (aufgrund der erforderlichen Ausbildung in diesem Genre viel zu schwer für konventionelle, etablierte, immer auf Pop ausgerichtete andere a capella-Bands), kaum jemand wagt sich da ran. So eben Vox One. Der Name ist Konzept, die Band klingt auch so. Sie sind außer Konkurrenz und somit im wahrsten Sinne des Wortes unvergleichlich.


Praxis im Musikbusiness
Praxis im Musikbusiness
von Robert Lyng
  Gebundene Ausgabe

4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Konstruierte Idealtypisierung fern der Realität der Musiker, 13. März 2010
Rezension bezieht sich auf: Praxis im Musikbusiness (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch kann nur geschmäht werden, weil es sich nicht an Musiker richtet, sondern an Menschen, die von sich schon wissen, dass sie unmusikalisch oder mit zu wenig Talent gesegnet worden sind, um Musik zu machen. Die Zielgruppe ist eher der Student mit Medienschwerpunkt oder Studiengang Kulturmanagement und BWL, denn auch in diesem Buch werden nur die einzelnen Berufsfelder der Musikindustrie der Reihe nach abgegrast (dies allerdings erheblich seriöser als bei Marlis Jahnke), ohne dass den ausübenden Musiker das interessiert oder er was davon hat, denn um sich in solchen Strukturen frei bewegen zu können, muss man eine BWL-, VWL-, Jura- oder Medienausbildung in ihnen absolviert haben, nicht aber eine Musikausbildung.

Der Autor macht ebenso wie Marlis Jahnke den fatalen Fehler, idealtypische, völlig realitätsferne und für Amateurmusiker unerreichbare Beispiele mit Gagen, Verträgen und Konzertbedingungen aufzulisten, ohne Tipps zu geben, wie man erst mal da hinkommen soll. Der strebsame Hobbymusiker und eine ganze Ama-teurband hat nun mal kein Kapital, keine Werbeagentur, kein (großes) Label, keinen Manager und bekommt keine Künstlerverträge, dennoch wird all dies als selbstverständlich vorausgesetzt, um die ganzen darin enthaltenen konstruierten Erklärungsfälle zu untermauern.

Dass dieses Buch ebenso wie das von Marlis Jahnke nur dazu dient, mit den Hoffnungen der Käufer auf Erfolg Profite einzufahren, ist daran erkennbar, dass der Autor nirgendwo miese Touren, abzockerische Machenschaften, hinterlistige Vertragsbedingungen und sonstige Warnungen ausspricht, auf keine regelmäßig von Anfängern gemachte Fehler aufmerksam macht und nichts kritisch beurteilt.

Der Autor hat es als Geschäftsmann und Psychologe weit gebracht, nicht aber als Musiker. Er ist auch keiner und das merkt man seinem Schreibstil an, wo der bodenständige Rock- und Bandmusiker im Probenraum gar keine Rolle spielt, welcher wiederum grundlegend andere Sorgen hat als hier im Buch im Zentrum zu stehen. Der Autor kennt diese Probleme von Musikern überhaupt nicht und musste den Weg nach oben nicht gehen, sondern fing direkt im wirtschaftlichen Mittelbau an, wo diese Themengebiete nicht existieren.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 3, 2010 9:26 AM MEST


Der Weg zum Popstar: Vom Demo bis in die Top 10. Handbuch für Musiker, Bands und Produzenten
Der Weg zum Popstar: Vom Demo bis in die Top 10. Handbuch für Musiker, Bands und Produzenten
von Marlis Jahnke
  Taschenbuch

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Thema komplett verfehlt, Etikettenschwindel, Ausblendung der Wirklichkeit, 13. März 2010
Die Autorin schreibt im gesamten Buch völlig oberflächlich von oben herab an der Musikerrealität vorbei als eine Person, die selber niemals musizierte und einen Arbeitsplatz als Managerin mit perfekt vorgefertigten Musikindustriestrukturen hat, die sie selber ebensowenig aufbauen musste wie eine eigene Musikerkarriere. Sie beschreibt ausschließlich die unterschiedlichen Berufsfelder und Berufsgruppen, mit denen der ausübende Künstler überhaupt nichts zu tun haben braucht, wenn er sich auf das Musikmachen konzentriert und die ihn auch letztendlich nicht interessieren, weil das eben der Job von anderen ist (z.B. Verlegern, Managern, A&R-Agenten, Werbeagenturen usw.).

Auf keiner einzigen Seite geht sie auf reale Belange und Bedürfnisse von Rock- und Popbands ein und sagt nie, was ganz am Anfang getan werden muss, um überhaupt erst mal da hin zu kommen, wo Kapital eine Rolle Spielt. Sie geht ferner vom idealtypischen, reifen Phantom-Solokünstler (den es doch so gar nicht gibt) à la Küblböck ohne Band aus, der singen, Songs schreiben und Gitarre spielen kann, dessen Musikalisierung abgeschlossen und künstlerisch unzweifelhaft ist, der weder Geldmangel hat noch ein zu meisterndes Privatleben neben der Musik führt oder sich in einer Berufsausbildung bzw. einem Studium befindet und nur nebenbei Musik machen kann. Das alles existiert für diese Managerin nicht. Sie begreift einfach nicht, dass eine jede Band eine diffuse Sozialgemeinschaft ist, die internen Spannungen ausgesetzt ist und ständig vor biografisch bedingten oder ideologischen Zerreißproben steht. Sie hat keine Ahnung von der psychophysischen Belastbarkeit von Hobbymusikern auf Tour unter ausbeuterischen Auftrittsbedingungen (= pay to play).

Sie schreibt vollkommen an der Zielgruppe des Buches vorbei und betrügt auf diese Weise die LeserInnen um Informationen, die sie gar nicht hat, jedoch per Buchtitel erwarten lässt, obwohl sie gar keine Ahnung davon hat, mit was für Alltagsproblemen und Nöten innerhalb der Musikwelt sich ein Hobbymusiker herumschlagen muss, um endlich aus diesem Hobbystadium heraus zu kommen. Sie ist mit ihrem Buch einer DDR-Bürgerin vergleichbar, die einen Reiseführer über Südeuropa und Amerika schreibt, die DDR aber nie verlassen darf und ihr Wissen aus den idyllischen Reiseberichten von Westbesuchern zusammenstellt. Sie ist einen Weg zum Popstar selber ja nie gegangen oder hat eine Künstlerkarriere von Anfang an mit Aufgebaut. Es gibt keinen lehrbaren "Weg zum Popstar" (sonst könnte ja jeder einer werden) und niemand wird ihn mittels dieses Buches jemals gehen. Jegliche Problematisierung der musikalisch-sozialen Wirklichkeit wird idealtypisch ausgeklammert, so als gäbe es gar keine.

Wer auf dem Boden der Realität ein Buch zu diesem Thema lesen will und vielleicht gar nicht den Anspruch hat, "POPSTAR" zu werden, sondern an den Charts vorbei individuelle, eigene Musik machen will, lese besser das Buch von Elke Fleing >>Live is life<<.


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