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Rezensionen verfasst von
Marcus Tesch
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Über allem die Liebe: Ein John Wesley Brevier
Über allem die Liebe: Ein John Wesley Brevier
von John Wesley
  Taschenbuch

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Überraschendes und Anregendes - Weite des Herzens und tiefer Glaube, 22. Mai 2011
Ich kann mich nicht erinnern, dass John Wesley in meinem Studium oder sonst irgendwo besonders vorgekommen wäre. Für mich war er der "Gründer" der Methodisten, ein Erweckungsprediger aus England, der mehr oder weniger zufällig zum Kirchengründer wurde.
Durch dieses kleine Brevier hat sich meine Sicht auf John Wesley grundlegend verändert: Plötzlich entdecke ich in den ausgewählten Zitaten und Worten einen Mann, dem viele Anliegen wichtig sind, die auch mich beschäftigen: Ein tiefer Glaube, eine Weite des Herzens und ein geschärfter Verstand. Ich habe einen Autor, einen Kirchenmann, entdeckt, der zwar im 18. Jahrhundert lebte, dessen Aussagen aber erstaunlich aktuell sind.
Mich beeindruckt besonders, wie dieser tief fromme Mann gleichzeitig mit einer Weite des Herzens gesegnet war: Sein Einsatz für sozial Entrechtete, seine Predigten vor den Arbeitern und seine Ausführungen zur Ökumene sind auch heute noch eine gute Orientierung.

Dieses kleine Buch jedenfalls hat mich, der ich kein Methodist bin, dazu gebracht, mich mit dieser wichtigen Persönlichkeit der Kirchengeschichte neu zu befassen und mich von ihm im Glauben und Leben inspirieren zu lassen. Natürlich genieße ich erst Mal viele seiner Gedanken und lasse sie auf mich wirken. Es ist jedenfalls eine sehr gute Idee gewesen, Gedanken Wesleys in diesem Buch zusammenzustellen - und ich hoffe, dass damit auch andere Nicht-Methodisten so wie ich zu einem Nachdenken angeregt werden.


Liturgik (de Gruyter Lehrbuch)
Liturgik (de Gruyter Lehrbuch)
von Karl-Heinrich Bieritz
  Taschenbuch
Preis: EUR 39,95

10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zu viel und zu wenig, 17. Mai 2011
Rezension bezieht sich auf: Liturgik (de Gruyter Lehrbuch) (Taschenbuch)
Als Kind hatte ich, als es noch kein Internet und kein Wikipedia gab, Bücher zu Hause, die nannten sich: "Alles Wissen dieser Welt" oder ähnlich. Natürlich konnte in diesen Büchern nicht das komplette Wissen der ganzen Welt Platz finden. Trotzdem war ich irgendwie schon der Meinung, dass da was dran sein müsse.
In Wirklichkeit waren diese Bücher aber eigentlich mehr ein Sammelsurium von Nützlichem und Unnützlichem aus allen möglichen Wissensgebieten: z.B. das chemische Periodensystem, die Auflistung der Veranstaltungsorte früherer Olympiaden oder deutscher Fußballmeister. Vieles stand dort mehr oder weniger zusammenhanglos, wurde nur angerissen und war leider am Ende auch wenig verwertbar trotz des mächtigen Titels.
So ähnlich ging es mir auch mit dem hier zu rezensierenden Buch von Karl-Heinz Bieritz. "Liturgik" deckt wirklich eine fast unüberschaubare Menge von Feldern ab (Baustile von Kirchen, Abendmahlspraxis, Gewänder, (liturgische) Kalender u.v.v.m.). In der Regel beginnt er seine Darstellung jeweils mit dem urchristlichen Hintergrund, geht ein auf die Entwicklung in der Alten Kirche, fährt fort mit der Differenzierung in Ost- und Westkirche, um schließlich auf die Praxis in den reformatorischen Kirchen zu sprechen zu kommen. Seine Darstellung zeugt von großer Expertise, die einzelnen Abschnitte sind sehr konzis, strotzen aber gleichzeitig von Fachbegriffen aus der jeweiligen Zeit in lateinischer, griechischer, syrischer oder sonstiger Sprache. Das ist sehr beeindruckend und auf über 650 Seiten fasst Bieritz zusammen, was man so über Liturgik alles wissen kann und vielleicht wissen sollte.
Allerdings erschlägt den Leser auch die Fülle der Information. Zwar lässt sich durchaus ein roter Faden in der Darstellung erkennen. Trotzdem wünscht man sich an vielen Stellen entweder eine tiefergehende Diskussion des Themas oder eine Konzentration auf Wesentliches. Immer wieder stellt sich bei mir beim Lesen der Eindruck ein: Von allem zu viel und gleichzeitig zu wenig.
Die Gefahr scheint Bieritz selbst geahnt zu haben. Sein Buch besteht in der Grundlage aus so genannten Hand-Outs, die er an seine Studierenden anlässlich seiner Seminare und Vorlesungen verteilt hat. Diese hat er verbunden, überarbeitet und - so seine Hoffnung - auch zusammenhängend lesbar gemacht. Herausgekommen ist dabei ein Kompendium, eine Fundgrube des Wissens, die - zumindest mich - am Ende ein wenig ratlos zurücklässt. Was soll ich mit diesem Buch anfangen? Um ein Überblickswissen über das gesamte Gebiet der Liturgik zu bekommen, sind mir die Ausführungen an vielen Stellen zu detailliert. Viele der dargestellten Probleme stellen sich im Alltag und der Praxis nicht. Wenn sich für mich am Ende der Lektüre über Gesang als Ergebnis einstellt, dass die reformatorischen Kirchen wieder den Gemeindegesang entdeckt haben, ist mir das nach all den Seiten zu wenig. Aber die vielen genannten Details bleiben eben nicht hängen, sind vielleicht auch nicht "anschlussfähig".
Auf der anderen Seite: Würde mich das Thema "Gesang im Gottesdienst" tatsächlich vertieft interessieren, gäbe es da nicht bessere Einführungen speziell zu diesem Thema?
Hochachtung vor dem Wissen von Karl-Heinz Bieritz, großes Lob für die Breite seines Wissens und die Kunst, dieses Wissen in den fast 700 Seiten dieses Buches zusammenzufassen. Trotzdem bleibt für mich am Ende ein zwiespältiges Gefühl: Alles Wissen der Liturgik - ja, aber eben zu viel und gleichzeitig zu wenig. Am Ende ist ein Nachschlagewerk herausgekommen, in das man zu bestimmten Themen schauen und einen ersten Eindruck gewinnen kann, sozusagen der Brockhaus der Liturgik, ohne allerdings einer alphabetischen Gliederung zu folgen.
Zum Thema zu viel bliebe am Ende noch anzumerken, dass Bücher aus dem Verlag Walter de Gruyter immer schon ein bisschen teurer waren. So bleibt tatsächlich zu überlegen, ob man die Unkosten für dieses Buch wirklich aufbringen will, wenn es für den Einsteiger zu viel und für den Experten zu wenig bietet. Ich werde jedenfalls schauen, ob ich es nach Abbruch der Lektüre in Zukunft als ein solches Nachschlagewerk nutzen kann und werde. Aber das bleibt abzuwarten.


Wunderbarer Hirt
Wunderbarer Hirt
Preis: EUR 20,44

2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Moderne geistliche Musik auf höchstem Niveau, 9. Mai 2011
Rezension bezieht sich auf: Wunderbarer Hirt (Audio CD)
Ich möchte die Lieder von Lothar Kosse auf dieser Doppel-CD eigentlich nicht "Worship" nennen. Denn von dem, was üblicherweise darunter verstanden wird, hebt sich diese Sammlung, wie mein Vorrezensent zu Recht betont, sowohl musikalisch als auch inhaltlich weit ab.
Kosse gehört neben Albert Frey zu den herausragenden Musikern, Komponisten und Produzenten der christlichen Szene und der Hörer darf hier eine erstklassig produzierte Sammlung von neuer geistlicher Musik hören, die teilweise schon Einzug in Gottesdienste, Liederbücher und Chorliteratur gefunden hat.
Sehr angenehm fällt auf, dass Lothar Kosses Texte nicht nur um die typischen Worship-Themen (Reinigung von Sündenschuld, Majestätsbekundungen u.ä.) kreisen, sondern sehr persönlich auch Zweifel und Ängste thematisieren. Viel mehr beeindruckt aber noch die musikalische Vielfalt seiner Kompositionen und Arrangements. Die Lieder wechseln im Stil, vor allem in der Rhythmik, stark ab. Insgesamt hält sich durchweg ein gitarrenorientierter Rocksound. Ich finde jedenfalls, dass Lothar Kosses Aufnahmen nicht den Vergleich mit nationalen Größen wie Latih Al-Deen, Ich und Ich, Söhne Mannheims u.a. zu scheuen brauchen.

Seit einiger Zeit begleiten mich die Lieder von diesem Doppelalbum und ich kann mich nicht müde daran hören. Jedem, der modern arrangierte, eingängige und mitsingbare christliche Lieder gefallen mit vorrangig deutschen Texten(!), sei diese Doppel-CD von Herzen empfohlen.


Kagawa Toyohiko (1888-1960): Sein soziales und politisches Wirken
Kagawa Toyohiko (1888-1960): Sein soziales und politisches Wirken
von Karl H Schell
  Taschenbuch

5.0 von 5 Sternen Einführung in das Werk Kagawas auf Deutsch, 1. Mai 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Tohoyiko Kagawa, japanischer Christ, Sozialreformer und Theologe ist eine der besonderen Gestalten der Kirchengeschichte des vergangenen Jahrhunderts. Leider ist sein Erbe weithin vergessen, obwohl er sehr viel bewirkt hat in seiner Heimat Japan und auch in Europa und den USA gereist ist.

Nach einer kurzen Kagawa-Euphorie in der Nachkriegszeit ist es still geworden um ihn, obwohl die heutige Kirche noch viel von ihm lernen kann, auch aus seinen Fehlern.

Diese Arbeit, ursprünglich eine Dissertation in Missionswissenschaft, führt grundlegend in das Werk und Leben Kagawas und gibt einen kritischen Überblick über sein Schaffen und seine Bedeutung. Das Schriftbild mit vielen japanischen Schriftzeichen ist scheinbar original von der möglicherweise aus MS-DOS-Zeiten stammenden Promotion übernommen worden. Einen Schönheitspreis gewinnt das Buch daher sicher nicht.

5 Punkte gibt es aber trotzdem: Schlicht und einfach für die Tatsache, dass dieses Buch eine gut lesbare und nüchterne Einführung das Leben und Werk Kagawas bietet. Ich bin jedenfalls sehr froh, dass es über Amazon bestellbar ist.


Kirchendämmerung: Wie die Kirchen unser Vertrauen verspielen
Kirchendämmerung: Wie die Kirchen unser Vertrauen verspielen
von Friedrich Wilhelm Graf
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,95

36 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Stark in Polemik - schwach in Theologie, 23. April 2011
Ich gebe zu: Es ist ein absoluter Genuss, diese Polemik des Münchener Systematischen Theologen zu lesen. Provokant, mit spitzer Feder und mit immer wieder neuen Wortwendungen und Sprachschöpfungen gelingt es Friedrich Wilhelm Graf gekonnt, die Schwachstellen der "offiziellen" und halboffiziellen kirchlichen Theologie und ihrer Vertreter offenzulegen. Wie mit einem Maschinengewehr schießt er auf alles, was sich bewegt und nicht schnell genug in Deckung geht. Scheinbar verfügt der Professor auch über genügend Erfahrungen vor allem mit seiner bayerischen Landeskirche und zwischen den Zeilen liest man tatsächlich über manchen ausgetragenen Konflikt. Natürlich bekommt auch die katholische Kirche, wenn auch in weit geringerem Umfang, ihr Fett weg. Aber das stört auch gar nicht sonderlich. Kritik an der römischen Kirche ist ja gegenwärtig sowieso en vogue. Viel spannender ist der Nestbeschmutz innerhalb der eigenen evangelischen Kirche. Wie gesagt: Es wird scharf geschossen...

Was aber bleibt, wenn der Pulverdampf sich legt? Nicht viel, so lässt sich schon mal vorausschauend sagen. Denn hier bekommen wirklich alle ihre Portion Blei (oder ist es nicht doch eher Schrot(t)?) ab. Linke Protestanten genauso wie rechte Evangelikale. Landesbischöfe und fünftklassige Theologieprofessoren aus den kirchlichen Hochschulen. Auf der einen Seite stellt Graf Frauen im Pfarramt als herausragendes Merkmal gegenüber der katholischen Kirche heraus, um nur wenige Seiten später die Feminisierung des Pfarramts zu beklagen (wird zum "Frauenberauf"). Einerseits sieht er in den nach wie vor beliebten Pfarrern und Pfarrerinnen an der Basis der Kirche eine Funktionselite, die nach Möglichkeit noch besser zu fördern und zu besolden wäre. Andererseits hält er die real existierende Pfarrerschaft in der global gewordenen Welt mit ihren vielfältigen Erwartungen für überfordert und vermutet, dass sie sich am liebsten in die Kuschelzone einer Bekenntniskirche zurückziehen würden. Gegen eine Entintellektualisierung der Theologie zieht er zu Felde und bedauert doch, dass es zu wenig Herzensfrömmigkeit gebe. Karl Barth, Dietrich Bonhoeffer und die zurückgetretende Landesbischöfin Margot Käßmann, deren Hauptmakel scheinbar ihre Herkunft aus dem Kleinbürgertum ist, stellt er ebensowenig ein gutes Zeugnis aus, wie amtierenden Landesbischöfen, die angeblich gemäß der Einschätzung ihrer eigenen Macht, ein entsprechend großes Kreuz tragen.

Natürlich hat Graf in vielen Punkten durchaus recht. Eine Theologie der sanften Ökologie und des Feminismus, eine Homiletik des "Seid nett miteinander" und die oft sehr besserwisserisch gutmenschelnde kirchliche Rhetorik von Kanzeln und Kathedern (und Synoden!) kann einem schon gehörig auf den Zeiger gehen. Der immer noch allgegenwärtige Antiamerikanismus der evangelischen Theologie und ihrer Vertreter und die damit verbundene Provinzialität der deutschen Theologie sind leider bedauerlich. Die Stellungskriege gegen die so böse neoliberale Wirtschaft und die verquaste Moral, wenn es um wirtschaftspolitische Themen geht, kann einem schon mal Haare kosten.
Nur - welches Heilmittel gibt es dagegen? Einen positiven Hinweis gibt der Münchner Theologe allerdings: Die Kirche muss sich der intellektuellen Herausforderung stellen und darf sich nicht ins fromme Ghetto zurückziehen. Sie muss ihren Platz in einer veränderten Gesellschaft finden und darf sich nicht auf den Privilegien miefiger deutscher Nachkriegskultur ausruhen. Recht hat er ebenfalls mit der Aussage: die Krise der Kirche ist eine Krise ihrer Theologie. Sie hat, so scheint es jedenfalls, zur Zeit mehr über Atomkraft zu sagen, als über die Osterbotschaft. Sie verfällt mehr ins Moralische als über das freimachende Evangelium zu berichten.
Problematisch bleibt allerdings in Grafs Buch, dass es selbst letztlich keine inhaltlich theologische Antwort auf die theologische Krise gibt, sondern eine funktional soziologische. Bei aller glühenden Rhetorik bleibt allerdings das Bild der erhofften Kirche relativ schemenhaft.
Noch ein Hinweis aus der Praxis. Zwar berührt es natürlich äußerst positiv, wenn ausnahmsweise mal die Pfarrer und Pfarrerinnen wohltuend herausgehoben werden als Schlüsselfiguren und ihr Beruf durch Besoldungserhöhung attraktiver gemacht werden soll. Trotzdem fällt mir beim Lesen des Buches eine doketische Grundtendenz auf. Das Pfarrbild, das hier gezeichnet wird, hat mit der Wirklichkeit heute nur noch wenig zu tun. In München oder in anderen Großstädten mag man ja vom Pfarrer als Universalgelehrten, vom großbürgerlich Gebildeten, der sich auch in höchsten Kreisen selbstverständlich bewegen kann, schwadronieren. Aber wo gibt es denn auf dem flachen Land solche Gemeinden, wo abgesehen von mancher unverständlich verquaster Predigt, die meisten Gottesdienstbesucher schon mit einfachsten theologischen Gedankengängen überfordert sind oder sich der gedanklichen Auseinandersetzung mit Theologie schlichtweg verweigern. Auch kirchliche Frauenkreise treffen sich lieber und vollzähliger zum Austausch von Rezepten als zu einer anspruchsvollen Bibelarbeit.

Es ist Friedrich Wilhelm Graf für sein aufrüttelndes Buch zu danken (das allerdings in Ton und Tenor an vielen Stellen an die von ihm ebenfalls angegriffen Evangelikalen erinnert). Als Wegweiser zur Besserung eignet es sich allerdings nur sehr bedingt und ist darum insgesamt eher hinderlich als hilfreich.


Irre - Wir behandeln die Falschen: Unser Problem sind die Normalen - Eine heitere Seelenkunde
Irre - Wir behandeln die Falschen: Unser Problem sind die Normalen - Eine heitere Seelenkunde
von Manfred Lütz
  Gebundene Ausgabe

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Aufklärung mit Augenzwinkern, 20. April 2011
Manfred Lütz gelingt es in seinem aktuellen Buch "Irre - wir behandeln die Falschen" auf humorvolle Weise, über den Bereich der Psychiatrie und der Psychologie zu informieren und Vorurteile gegen psychisch Erkrankte auszuräumen. Ein durchgehender Zug dieses Buches ist die Feststellung: Psychisch kranke Menschen sind mit mehr Problemen beladen als andere und manche gefährden sich selbst, aber eine Gefahr für die Gesellschaft, entgegen vieler populärer Meinungen, bilden sie nicht. Im Gegenteil, der ganz normale Wahnsinn, der sich in der Medien- und Glamourwelt zeigt und von Auto- und Kleptokraten betrieben wird, richtet wirklichen gesellschaftlichen Schaden an. Aber der muss nicht behandelt werden, weil sich dahinter keine Krankheit, sondern das bewusst gewählte Böse oder Triviale verbirgt.

Vor dem Auge des Lesers erscheinen stattdessen, anhand von Fallbeispielen aus der Behandlungspraxis von Professor Lütz und sachlichen Erläuterungen, zerbrechliche Individuen mit manchmal ganz außergewöhnlicher Begabung: Süchtige, Depressive, Verwirrte. Den meisten von ihnen geht aber, so Lütz, die Fähigkeit ab, sich zu verstellen und damit zu täuschen und zu betrügen, wie es ein "Normaler" kann. Insofern sind daher tatsächlich die "Normalen" das Problem.

Nebenbei erfährt der Leser auch noch allerhand über verschiedene psychotherapeutische Behandlungsmethoden und über Medikationen. Dabei stellt sich Lütz klar auf den Standpunkt, dass bei bestimmten Indikationen, z.B. schwerer Depressionen, die Gabe von Medikamenten das angezeigte Mittel ist. Eine grundsätzliche Medikamentenskepsis führt Lütz auf eine falsche Leib-Seele-Dichotomie zurück, die die "Seele" eines Menschen gegenüber der Leiblichkeit als das Eigentliche betrachtet. Für Lütz geht es dagegen darum, möglichst die Autonomie des Patienten wiederherzustellen. Insgesamt scheint dabei ein sehr pragmatischer Ansatz durch. Immer wieder lassen sich solche unideologischen Sätze lesen wie: Es wirkt - aber wir wissen nicht warum." Alle Therapien sind für Lütz ein Instrumentarium zur Verbesserung der Lebenssituation der Menschen, bergen aber keine Heilsversprechen.

Ich finde, dass Lütz eine ganz ausgezeichnete Einführung in das Thema gelungen ist, die sich besonders als Ersteinstieg in die Thematik anbietet und die auf Grund ihrer flotten Schreibweise auch für Laien verständlich ist.


Sony Ericsson Elm Handy (UMTS, aGPS, Bluetooth, WiFi, 5MP) Silver
Sony Ericsson Elm Handy (UMTS, aGPS, Bluetooth, WiFi, 5MP) Silver
Wird angeboten von shopgold

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Endlich wieder Tasten, 14. April 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Nach einem einjährigen Flirt mit einem Touchscreen-Smartphone hatte ich die Faxen dick. Das ewige Finger reiben auf dem Display, das versehentliche Berühren einer Anzeige, die Unübersichtlichkeit der "Apps" und der total flott geleerte Akku. Alles das hat es für meine Begriffe nicht gebracht. Viel Schein statt Sein. Irgendwie erinnert mich das ganze daran, wie meine Oma die Finger leckte, bevor sie die Seiten ihrer Zeitschrift umblätterte.

Und jetzt wieder ein "normales" Handy, das vor allem zum Telefonieren geeignet ist, mit dem man auch ein paar Schnappschüsse machen und vielleicht auch mal Musik hören kann. Solche Handys werden seltener, aber es gibt sie noch. Und das "Elm" von Sony Ericsson - meine Frau besitzt es schon in Rosa ein Jahr länger - hat mir eigentlich immer gut gefallen bis auf die Farbe. Vielleicht hätte ich das direkt auch nehmen sollen, dann wäre mir der sinnlose Ausflug ins Reich des Touchscreens (Mein Güte, wie dieses Wort schon klingt) erspart geblieben.

Was spricht für das Elm von Sony Ericsson:
- ausgezeichnete Telefoniereigenschaften
- 5 Megapixel Kamera
- ausdauernder Akku
- guter Musikplayer
- übersichtliche Menüstruktur
- UMTS-fähig (falls vorhanden): Man sollte sich aber Opera Mini (die aktuelle Version 6 läuft) installieren
- ein formschönes Design
- Handlichkeit
- ein ausgezeichneter Wecker (den man nicht erst als App installieren muss)
- "grüne" Eigenschaften (vielleicht nur ein "Feigenblatt" - aber besser wenig als nichts)
- W-Lan- Fähigkeit

Abseits des Hypes um Apps und das mobile Internet ist das Elm wirklich eine sehr solide, technisch sehr gut ausgestattete Alternative, deren Schwächen noch darauf warten von mir entdeckt zu werden.

UPDATE++++++UPDATE++++++++UPDATE
Leider ist nun der Fall eingetreten, den ich im letzten Satz der Rezension beschrieben habe: Ich habe einer Schwäche des ELM ins Auge geblickt. Seit 14 Tagen gibt es in meinem Netz quasi keinen Empfang mehr, aber bei allen anderen Geräten des Haushalts. Merkwürdig desweiteren: In einem anderen Netz zeigt das ELM quasi vollen Empfang an. Bei Ortswechsel, z.B. in der nächsten Stadt wiederum, funktioniert das ELM im üblichen Netz und zwar sowohl in GSM als auch UMTS. Schade, dieses Verhalten machte es nötig, das Gerät gegen ein anderes auszutauschen, obwohl ich es eigentlich sehr geschätzt hatte.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 17, 2012 9:27 AM CET


Evolution und Schöpfung in neuer Sicht
Evolution und Schöpfung in neuer Sicht
von Hans Kessler
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,95

18 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kein Feldzug á la Dawkins und auch kein Kreuzzug im Namen der Bibel, 4. April 2011
Hans Kesslers Buch "Evolution und Schöpfung in neuer Sicht" gehört zweifellos zu den besten, die es auf dem Markt zum Thema überhaupt gibt. Kessler ist römisch-katholischer Fundamentaltheologe und durch seine Lehrtätigkeit an der Universität Frankfurt/ Main in diversen Dialogen mit Naturwissenschaftlern aller Fachrichtungen involviert.

Inhaltlich geht es bei ihm um vier Themenbereiche:
- Auseinandersetzung mit dem atheistischen Marterialismus
- Auseinandersetzung mit einem fundamentalistischen Kreationismus
- Interpretation der biblischen Schöpfungsgeschichten
- Entwicklung einer Theologie der Schöpfung

Diese vier Themenkreise versteht Hans Kessler gekonnt darzubieten. Dass eine fundamentalistische Bibelauslegung, die vermeintlich wörtlich ist, am Aussagegehalt der Schöpfungsgeschichten (nicht -berichte!) vorbeigeht, stellt Kessler ebenso fest wie die Tatsache, dass die Lehre vom "Intelligent Design" zu abstrusen Thesen führt.
Auch die atheistisch und materialistische Überhöhung der Naturwissenschaft zu einer Weltanschauung führt Kessler ad absurdum. Wiewohl er der Forschung und der Wissenschaft selbst den methodischen Atheismus als Prinzip lässt, weist er konsequent darauf hin, dass der ontologische Atheismus zu schweren Aporien führt (z.B. welchen Sinn macht Forschung überhaupt, wenn alles nur das zufällige Ergebnis einer sinnlosen und ungelenkten Evolution ist?)

Neuer Atheismus und fundamentalistischer Kreationismus argumentieren auf der selben Ebenen, ja bedingen sich im Grund gegenseitig. Der Kreationismus kämpft gegen ein Zerrbild der Naturwissenschaft - der "neue Atheismus" gegen ein Zerrbild von Theologie. Nur so können beide bestehen und sich legitimieren.

In Auslegung der Schöpfungsgeschichten ist für Kessler ein Gedanke besonders wichtig. Was traditionell mit der Vorstellung der "Creation ex nihilo" gemeint ist, trifft gerade nicht den Kern der biblischen Texte. Für sie geht es nicht um einen chronologischen Anfang, der Gott in diesem Modell zum ersten Beweger machen würde. Für ihn lassen sie eher erkennen, dass Gott der kategorisch geschiedene und gleichzeitig die Schöpfung umfangende und durchdringende Grund der Welt ist. Damit sei nicht einmal die Vorstellung eines zeitlichen Beginns der Materie zwingend.

So kommt Kessler zum Schluss zu einer Theologie, die viele Impulse von Teilhard de Chardin, Jürgen Moltmann, aber auch der alten klassischen Kirchenväter aufnimmt, die gegenüber der Vorstellung einer Evolution, wenn auch noch nicht im Darwinschen Sinne, sehr aufgeschlossen waren. Mit Luther kann Kessler von der Evolution sogar vom "uneigentlichen Werk" Gottes sprechen. Das eigentliche dagegen ist der Weg Jesu Christi unter uns Menschen, in dem sich Gott als der Liebende offenbart hat.

Die Stärke dieses Buches liegt in seiner Unaufgeregtheit. Anders als Dawkins oder viele der Kreationisten muss er nicht brüllen, sondern kann sachlich argumentieren. Er führt keinen Feld- und keinen Kreuzzug gegen Andersdenkende, sondern lädt zur sachlichen Durchdringung und Auseinandersetzung ein.

Dabei vermag ich nicht allen seinen Schlussfolgerungen zum vermeintlichen Neuentwurf zu teilen. Insgesamt ist es aber eine sehr lesenswerte und über weite Teile hervorragend verständliche Synthese zu einem wichtigen Thema unserer Tage.


Glaube - und dann?: von der Transformation des Charakters
Glaube - und dann?: von der Transformation des Charakters
von N.T. Wright
  Broschiert
Preis: EUR 14,95

15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Interessante Ideen - zunehmend ermüdend zu lesen, 30. März 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ein spannendes Buch - auf der einen Seite zumindest. N.T. Wright, der anglikanische Theologe, Neutestamentler und Bischof, ist einer der führenden christlichen Autoren unserer Zeit. Seine Bücher über die Auferstehung sind längst Standardwerke und Klassiker. Seine in der Entstehung befindliche Theologie des NT ist wohl die umfassendste der letzten 100 Jahre. Außerdem versteht es Wright, so zu schreiben und zu sprechen, dass er außerhalb der Hörsäle zumindest in der englischsprachigen Welt wahrgenommen wird.
So ist auch das vorliegende Buch, die deutsche Übersetzung des 2010 veröffentlichten "After you believe: Why Christian Character Matters", ein sehr interessanter Versuch, eine christliche Tugendethik zu entwickeln. Wright sieht diese von ihm entwickelte Tugendethik als ein entscheidendes Erbe des Apostel Paulus, dessen Ausleger er hier und auch in den meisten seiner anderen Schriften vorrangig ist.
Auf der einen Seite gebe es eine christliche Gesinnungsethik, die im Wesentlichen daraus bestehe, bestimmten Regeln zu folgen. Auf der anderen Seite gebe es eine christliche Situationsethik, die im wesentlichen darin bestehe, authentisch zu sein und von Regeln nichts halten zu wollen. Für beide findet Wright Beispiele, die er auch bestimmten christlichen Richtungen zuordnet.
Dagegen stellt Wright nun aber eine Tugendethik, die er bei Paulus entdeckt haben will: Es geht dieser Art von Ethik um die Bildung des Charakters durch die Einübung fester Verhaltensweisen. Als Illustration nennt N.T. Wright jenen Piloten, der in New York eine abstürzende Maschine vor der Katastrophe bewahrt habe, weil er auf Grund seiner langen Erfahrung und Übung das Richtige getan habe. So sei auch ein Christ ein Mensch, der durch sein christliches Handeln einen Charakter herausbilde, so dass er durch das richtige Tun eine zweite Natur in Form einer besonderen Tugendhaftigkeit anziehe. Ziel der christlichen Ethik sei es, authentisches Menschsein zu gestalten.
Paulus gründe diese Ethik auf der Vorstellung seiner Story von der endgültigen Erlösung der Welt. Bei ihr ginge es nicht um die Rettung von Seelen für den Himmel, sondern um die Errichtung des Königreichs Gottes auf der Erde. Auferstehung, so hat es Wright sehr eindrücklich in seinem Buch "Surprised by Hope" (dt. "Von Hoffnung überrascht") dargelegt, meint die Erweckung der Toten zu einem neuen ewigen Leben auf der Erde unter der guten Herrschaft Gottes. Die Kirche, also die Gemeinschaft der Christen, sei bereits vor der Auferstehung in einer Art "Trainingslager" für diese neue Welt, die uns bevorsteht.
Wright gelingt es auf diese Weise, die "Jenseits-"Hoffnung des christlichen Glaubens mit der Weltgestaltungsaufgabe zusammenzuhalten. Individuelle Verantwortlichkeit und Erlösung sowie gemeinschaftliche Verpflichtung und Wirken für das Wohlergehen der Welt sind für ihn zwei Seiten einer Medaille. Diese Verklammerung ist mit Sicherheit paulinisch und neutestamentlich. Vor allem Wrights Ausführungen zur Auferstehung in seinen vorherigen Werken fasziniert - auch mich.
Trotzdem bleibt bei mir immer der Eindruck, dass das, was uns Wright präsentiert, so neu gar nicht ist, wie er es selbst darstellt. Jedoch stellt er es mit so viel Überzeugungskraft dar, dass man auf jeden Fall von seinen Ausführungen profitieren kann.
Die Thesen des hier besprochenen Buches müssen sich allerdings auch an Paulus und vor allem am reformatorischen Erbe bewahrheiten. Auch wenn Wright letztlich dagegen argumentiert, so scheint es mir doch, dass sich durch die Hintertür eine Leistungsethik einschleicht. Am auffälligsten erscheint mir dies in seinen Ausführungen zum Wort "Frucht" (Galater 5,22), wo er darauf hinweist, dass selbstverständlich damit nicht wie in landläufiger Interpretation gemeint sei, diese wachse von selbst. Aber ist es nicht gerade das, was das Bild selbst aussagt, genauso wie etliche Reich-Gottes-Gleichnisse Jesu, die von der Saat sprechen? Zumindest wird man noch mal darüber diskutieren müssen, ob Paulus an dieser Stelle richtig verstanden wurde. Mir scheint wenigstens, dass Paulus viel höhere Erwartungen an die Kraft des Geistes als souveräner Herr und Wandler der Persönlichkeit hatte als Wright.
Insgesamt also ein sehr interessantes und zum Nachdenken anregendes Buch, wenn nicht gerade der zweite Teil zunehmend mühselig zu lesen wäre. Mein Verdacht: Es liegt zu einem großen Teil an der Übersetzung. Ich habe englische Originale von Bischof Wright gelesen und denke, man müsste, um seinen Duktus besser zu übersetzen, freier formulieren. Insbesondere die Stellen, hinter denen ein ironischer Seitenhieb steckt, wirken im Deutschen oft sehr unverständlich. Auf jeden Fall ist es schade, dass dadurch dem Buch ein Teil seiner Originalität verloren geht. Ich kann also nur empfehlen: Wer englische Texte lesen kann, greife unbedingt zum Original. Die sind in der Regel auch noch ein bisschen billiger.
Wrights bedeutendstes Buch bleibt für mich aber sein Werk: "Surprised by Hope"
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 25, 2011 11:23 AM MEST


Sonnensturm/Weiße Nacht: Zwei Romane in einem Band
Sonnensturm/Weiße Nacht: Zwei Romane in einem Band
von Åsa Larsson
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,00

7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der erste Top - der zweite geht so, 27. März 2011
Zwei Bände zu einem Band zusammengebunden sind grundsätzlich eine tolle Sache. Man spart Geld und kann, wenn einem der erste Band gut gefallen hat, direkt mit dem zweiten fortsetzen.
In diesem Fall war für mich der erste Band auf Anhieb ein Volltreffer: ungewöhnliche Charaktere, spannender und guter Schreibstil, ein interessanter Fall im evangelikal-freikirchlichen Millieu und Spannung bis zum Ende. Insgesamt eine sehr gute und packende Mischung, die uns da aus Nordschweden angeboten wird.
Die Vorfreude auf den zweiten Teil dieses Buches, die zweite Geschichte also, wurde allerdings beim Lesen getrübt. Vieles, was den ersten Band so spannend machte, wurde auch hier wieder versucht, leider mit deutlich weniger Erfolg. Auch die Geschichte um die tote Pastorin Mildred Nilsson spielt im kirchlichen Millieu, verrät aber viel weniger Detailkenntnisse als die erste. Außerdem gerät die Auflösung am Ende doch etwas banal, obwohl die Geschichte viel Raum für überraschende Wendungen beinhaltet hätte. Während ich vom ersten Band regelrecht gefesselt war, musste ich mich am Ende durch den zweiten quälen und habe auch danach nicht das Gefühl, es habe sich gelohnt. Persönlich würde ich daher nur zum Einzeltitel "Sonnensturm" raten. Der ist wirklich gut und billiger als zwei Bücher in einem Band.


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