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Beiträge von Tobias Nazemi
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Rezensionen verfasst von
Tobias Nazemi
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Am Ende schmeißen wir mit Gold: Roman
Am Ende schmeißen wir mit Gold: Roman
von Fabian Hischmann
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,99

6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Halb fertig - halb gut, 11. März 2014
Deutschland erinnert sich. An die eigene Jugend, an all das, was man erlebt, erlitten hat. Was einen zu dem gemacht hat, was man ist. Weswegen man nicht das geworden ist, was man hätte werden können, hätte werden wollen. Wie viele Bücher habe ich eigentlich in letzter Zeit mit dieser Thematik gelesen? Weiß nicht genau, aber jetzt ist es jedenfalls eines mehr. Denn auch Fabian Hirschmann erinnert sich und lässt uns teilhaben. So weit, so populär.

Und natürlich ist das Grundthema ja auch interessant. Natürlich ist es auch immer wieder anders. Denn jeder Mensch hat eine andere Geschichte zu erzählen, andere Gründe fürs Scheitern, für die Angst, die Resignation. Auch der Held dieses kleinen Romans hat seine Gründe: für ein halbfertiges Leben, für seine Perspektivlosigkeit, Antriebsarmut, Beziehungsunfähigkeit.

In dieses halbfertige Leben dürfen wir Leser ein wenig hineinschauen, vielleicht sollte ich auch sagen: hineinschnuppern. Leider nicht viel mehr. Denn der Autor fasst sich kurz, verfällt nicht in Geschwätzigkeit. Die komplexe Persönlichkeitsstruktur des Romanhelden Max wird angerissen, aus einem oder zwei Blickwinkel beleuchtet und dann war es das. Mit den Fragen, die sich beim Lesen ergeben, bleibt man über weite Strecken allein und wird am Ende auch nicht erlöst. Ich hätte gerne noch erfahren, ob Max sich noch entscheidet, zwischen schwul, bisexuell und hetero. Und was es mit dem PENG auf sich hat, wer schmeißt da eigentlich mit Gold und warum? Aber auf einmal ist das Buch zu Ende.

Zum Schluss bekommt man auf zwei Seiten noch ein eilig zusammengeschriebenes Happy-End präsentiert, das ein paar Antworten gibt aber einen nicht wirklich zufrieden stellt. Das ist nicht nur schade, sondern auch etwas ärgerlich. Denn die Geschichte hätte mehr Potenzial gehabt und hundert zusätzliche Seiten, hätten dem Buch sicherlich gut getan. Auf mich wirkt dieser Roman nach Marketingkonzept konstruiert, auf ein ganz bestimmtes Publikum zugeschrieben. Ein populärer Titel, ein netter Einband, nicht zu dick und leicht bekömmlich für die Fans von Büchern wie Tschik und Nilowski.


Die Sonnenposition: Roman
Die Sonnenposition: Roman
von Marion Poschmann
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wenn Lyriker Romane schreiben..., 28. Februar 2014
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Sonnenposition: Roman (Gebundene Ausgabe)
Es ist schon komisch mit diesem Buch. Direkt nach dem Auslesen hätte ich es noch als gut, wertvoll und lesenswert bezeichnet. Heute, eine Woche danach, kann ich mich kaum noch an die Handlung erinnern. Und nicht, weil ich ein schlechtes Gedächtnis habe oder es nur überflogen habe. Nein, weil die Handlung bei diesem Roman wohl eher nebensächlich ist.

Was diesen Roman vielmehr auszeichnet ist die Sprache. Hier bewegt sich die Autorin auf einem beeindruckend hohen Niveau. Marion Poschmann kann mit Ihren Sätzen wunderbare Stimmungen erzeugen. Ich habe mir manche Passagen mehrmals hintereinander laut vorgelesen, weil sie einfach so wunderschön waren.

Inhaltlich allerdings wirkt alles irgendwie konstruiert, unausgegoren, an den Haaren herbeigezogen. Die Protagonisten bleiben für mich merkwürdig konturlos, die Liebesbeziehung zwischen der Schwester und dem Freund Odilo ist in meinen Augen unglaubwürdig. Das Hobby der Hauptfigur Altfried, die Jagd nach Erlkönigen, ist nicht nur albern, sondern passt auch nicht zur Figur. Ich ahne natürlich den tieferen Sinn, sehe auch was allegorisch hinter Odilos Profession und Altfrieds Hobby stehen könnte: das Gewöhnliche, das von Innen leuchtet und das Außergewöhnliche, was sich der Umgebung anpasst und tarnt. Toll! Und was soll ich damit jetzt anfangen?

Im Klappentext steht, dass Marion Poschmann eigentlich Lyrikerin ist. Das erklärt so einiges. Eine Lyrikerin hat einen Roman geschrieben. Das Ergebnis ist ein lyrischer Roman. Was sollte auch sonst dabei herauskommen?

Mein Fazit: Nicht geeignet für den schnellen Konsum. Eher etwas für Genießer, die Spaß an gefühlvollen Sätzen und am Auffinden versteckter Tiefgründigkeiten haben. Sicher auch ein Buch, das beim zweiten Lesen noch gewinnt.


Die Murau Identität
Die Murau Identität
von Alexander Schimmelbusch
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,00

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Macht neugierig, 26. Februar 2014
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Murau Identität (Gebundene Ausgabe)
Die Idee ist ganz witzig aber auch nicht gerade neu. Ein Toter, der gar nicht tot ist. Eigentlich ein Klassiker für den Boulevard, für das Ohnsorg-Theater und turbulente Verwechslungskomödien bei ARD und ZDF. Der tot geglaubte Stiefsohn, Erbonkel, die Ex-Frau, die verstoßene Geliebte - wer auch immer - taucht plötzlich wieder auf und sorgt für jede Menge Aufregung.

Wenn man dem Ganzen ein wenig mehr Anspruch geben will, lässt man einen Intellektuellen wie den östererischen Schriftsteller Thomas Bernhard wieder auferstehen. Also wie gesagt, nicht ganz neu, aber irgendwie witzig und lesenswert. Lesenswert, weil ich neugierig geworden bin. Nicht unbedingt auf Schimmelbusch, sondern eher auf Thomas Bernhard. Der war für mich bisher nur ein Name aus den Achtzigern. Einer der Autoren, die man kennt, aber nie gelesen hat. Langweilige Pflicht-Lektüre aus dem Deutsch-Leistungskurs, verstaubtes Kulturgut wie Peter Handke, Arno Schmidt, Ingeborg Bachmann. Die Murau-Identität hat mein Interesse geweckt und ich hab mir jetzt mal einen Werk von Bernhard bestellt.

Generell freue ich mich immer, wenn mich ein Buch auf neue Bücher bringt. Das allein ist schon eine Empfehlung für die Murau-Identität. Ansonsten ist der Roman leichte Kost. Erinnert vom Stil ein wenig an Bret Easton Ellis, ein wenig an Christian Kracht und auch ein wenig an Houellebecq. Da ich all diese Autoren gerne mag, hat mir auch Schimmelbusch gefallen. Er ist ein sehr cooler Vertreter der jungen, intellektuellen Avantgarde.

Gefallen tut mir auch der Verlag dieses Buches. Bei Metrolit finden sich jede Menge wirklich interessante Autoren abseits des Mainstreams, die es für mich noch zu entdecken gilt.


Der wahre Sohn
Der wahre Sohn
von Olaf Kühl
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,95

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kafkaesk, 13. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Der wahre Sohn (Gebundene Ausgabe)
Es war der erste Geschäftstag nach Weihnachten. Das Belletristik-Regal meiner Buchhandlung war ziemlich ausgedünnt und daher schön übersichtlich. Die Titel, die mich interessierten, waren alle nicht da. Also mal schauen. Da fiel mir der niveauvoll gestaltete Einband von „Der wahre Sohn“ in die Hände. Olaf Kühl? Nie gehört. Auf dem Umschlagklapper keine Pressestimmen, sondern eine Leseprobe. Nicht schlecht. Dazu noch Longlist-Titel 2013 – gekauft.

Zuhause dann, nach den ersten hundert Seiten – Enttäuschung, Ärger, Wut! Was ist das denn? Eine Kriminalstory auf Jerry Cotton-Niveau! Nein, noch nicht mal. Da will mir doch der Autor einreden, dass der Vorstand eines großen Konzerns seinen Job riskiert, in dem er seinen Firmenwagen klauen lässt, nur damit er sechs Monate früher das neue Modell bekommt. Für wie blöd...? Dazu präsentiert sich der Protagonist als der unprofessionellste Ermittler der Welt. Stolpert in der Nachwende-Ukraine von einem Fettnäpfchen ins nächste.

Ungnädiges Augenrollen beim Leser. Aufhören? Weiterlesen? Mal schauen – fünfzig Seiten wollte ich dem Roman noch geben. Und dann auf einmal hatte er mich. Plötzlich war klar, dass es hier nicht um den Diebstahl eines Autos geht.

Das ist kein drittklassiger Kriminalroman, sondern ein erstklassiger Familienroman! Mit skurrilen Charakteren wie Svetlana, die auch mit 86 Jahren noch mit ihren weiblichen Reizen kokettiert. Oder dem falschen Sohn Arkadij, der seit Jahren in der Psychiatrie vor sich hindämmert. Mit Olha, dem verschwundenen Kindermädchen und mit Konrad, dem fast schon tollpatschigen Ermittler, mittendrin. Das alles hatte etwas schräges, morbides, je fast schon kafkaeskes.

Also nicht aufhören. Weiterlesen - es lohnt sich. Und positiv erwähnt werden sollte auch, dass der Titel des Buches tatsächlich Sinn macht. Das scheint in letzter Zeit ein wenig unmodern geworden zu sein. Nein, in Olaf Kühls Roman taucht tatsächlich „der wahre Sohn“ noch auf. Und verhilft der Story zu einem fulminanten Showdown. Fast schon wie einem echten Kriminalroman - aber einen, den Kafka hätte schreiben können.


Die Ordnung der Sterne über Como: Roman
Die Ordnung der Sterne über Como: Roman
von Monika Zeiner
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fünf Sterne plus, 31. Dezember 2013
Den Anfang machte ein Bild. Ein Foto von der Autorin mit dem Hinweis, dass sie aus ihrem Debutroman liest und zwar im Hotel Adlon. Ich betrachtete das Foto, die Pose, die Frisur und sagte mir: ja klar, wo sonst?

Dann kaufte ich mir das Buch, verbrachte eine intensive Lesewoche und wusste warum es das Adlon sein musste. Weil dieses Buch ein echter Fünf-Sterne-Roman ist. Weil es einfach erstklassigen Lesegenuss bietet. Weil man mit ausgesuchten Sätzen verwöhnt wird und mit liebevoll eingeführten Protagonisten zu erlesenen Schauplätzen geführt wird. Weil dieser Roman für mich einfach zu den besten Büchern des Jahres gehört.

Der Plot an sich ist wie immer nicht kriegsentscheidend. Eine Dreiecksgeschichte in Künstlerkreisen. Diesmal Musiker. Die große Liebe, die enttäuschte Liebe, die unerfüllte Liebe. Und natürlich Berlin. So weit, so gewöhnlich. Doch das Wie! Das ist wirklich außergewöhnlich. Sprache, Stimmung, Spannung - alles top.

Monika Zeiner baut die Geschichte gekonnt auf. Als wenn sie nie etwas anderes gemacht hätte, als Romane zu schreiben. Sie konstruiert eine einzigartige Lesestimmung, leitet uns Leser mühelos durch unterschiedliche Zeitstränge und Erzählperspektiven. Dabei lässt sie einem genügend Zeit, um mit den Romanfiguren warm zu werden.

Alles in allem ein sehr empfehlenswertes Buch, das noch dazu wie alle Blumenbar-Bücher liebevoll editiert ist und wunderbar in der Hand liegt.


Im Stein: Roman
Im Stein: Roman
von Clemens Meyer
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,99

7 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Sehr lang und weilig, 28. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Im Stein: Roman (Gebundene Ausgabe)
Das muss man erst mal schaffen: ein Buch über Prostitution, Nutten, Zuhälter und Freier zu schreiben und einen Mann damit zu langweilen. Clemens Meyer bekommt das hin. Mit einem sehr bemüht wirkenden literarischen Anspruch. Mit Weitschweifigkeiten, verwirrenden Assoziationsströmen, Zeitsprüngen und allerlei sonstigen literarischen Spielereien. Auf über 500 Seiten präsentiert Meyer eine durchaus anspruchsvolle Prosa, schafft es aber nicht, den Leser zu fesseln.

Einen Handlungsstrang muss man sich suchen. Nichts baut aufeinander auf. Nach jedem Kapitel beginnt man wieder von vorne. Weit und breit kein echter Protagonist zu sehen. Immer wieder denkt man, diese Person könnte es sein, die merk dir mal – da taucht sie ab und die nächsten 100 Seiten nicht mehr auf.

Das ist alles einfach nur ärgerlich. Besonders weil man merkt, hier kann einer schreiben, mit Sprache zaubern, Stimmungen erzeugen. Aber ein guter Autor muss eine Stimmung auch halten, aufbauen, weiterentwickeln können. Als Leser erwarte ich, dass man sich um mich bemüht. Oder zumindest, dass mein Bemühen um den Autor nicht größer ist als umgekehrt.

Mein Fazit: Zeitverschwendung.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 1, 2013 11:57 AM CET


Quasikristalle: Roman
Quasikristalle: Roman
von Eva Menasse
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wie Frauen denken, 5. August 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Quasikristalle: Roman (Gebundene Ausgabe)
„Was liest Du denn da? Ein Frauenbuch?“ fragte ausgerechnet meine Frau, als sie mich zum ersten mal mit diesem pink-rot gemusterten Buch auf dem Sofa sitzen sah. Und wenn das nicht auch mein erster Gedanke gewesen wäre, als ich Titel, Autorennamen und Bucheinband vor einigen Monaten im Handel erblickte, hätte ich bestimmt widersprochen. Aber sie hat nicht Unrecht. Das Buch zielt schon eindeutig auf die weibliche Leserin. Der Titel hat etwas von der verträumten Esoterik eines „Glasperlenspiels“. Und Kristalle - ob nun quasi oder in ihrer wertvollsten Form – sind ja bekannterweise nun einmal „Girl's - und nicht Boy's - best friends“.

Das sind alles subjektive, oberflächliche Eindrücke. Ich erwähne das aber, weil mich dieser wunderbare Roman aufgrund von Aufmachung und Titel beinahe nicht erreicht hätte. Denn wie alle Menschen sortiere ich Produkte unwillkürlich aus. Es gibt bestimmte Buchcover, da sehe ich schon von weitem, dass es sich um trivialen Unterhaltungsschund, Fantasyromane, Krimis oder eben Frauenbücher handelt. Alles Topics, die mich normalerweise nicht interessieren. Aber genug davon. Kommen wir zum Inhalt.

Da kann ich voll in die allgemeinen Lobeshymnen mit einstimmen. Quasikristalle ist ein wunderbar konstruierter, spannender und literarisch anspruchsvoller Roman. Die verschiedenen Erzählperspektiven auf die weibliche Heldin geben dem Buch seinen ganz eigenen Charme. Es hat mir insgesamt sehr viel Freude gemacht, es zu lesen.

Und trotzdem - mein erster Eindruck hat mich nicht getäuscht. Es ist ein Frauenbuch. Aber eines, das jeder Mann mit Interesse lesen sollte. Denn wenn Männer auch nicht immer interessiert, was Frauen denken, so kann es von unschätzbaren Vorteil sein zu wissen, wie Frauen denken. Eva Menasse weiß es. Und ich jetzt auch. Zumindest ein ganz klein wenig.


Die Liebe in groben Zügen
Die Liebe in groben Zügen
von Bodo Kirchhoff
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 28,00

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Viel zu schade, um es leise zu lesen, 25. Juni 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Es hat etwas gedauert, bis mich dieses Werk gepackt hat. Knapp hundert Seiten hab ich gehadert, gefremdelt mit der Lesestimmung, der Sprache, den Protagonisten. Ich hab mich gefragt, was diese Nebenhandlung mit Franz von Assisi soll. Warum Kirchhoff nicht mal einen Punkt machen kann. Oder auch mal Anführungszeichen bei wörtlicher Rede.

Aufgesetzt und krampfhaft um einen literarischen Anspruch bemüht – so lautete schon mein vorschnelles Urteil. Irgendwie hab ich trotzdem weitergelesen, teils aus Langeweile, teils weil sich grad nichts anderes anbot, vielleicht auch um mein vernichtendes Urteil zu festigen. Und dann - urplötzlich war ich drin. Auf einmal machte alles Sinn.

Wer braucht schon Anführungszeichen? Niemand! Und ja, warum eigentlich nicht mal wieder Bandwurmsätze? Wenn sie so grandios konstruiert sind wie Kirchhoff es tut, macht es beinahe Spaß, sich darin zu verlieren. Und natürlich - ohne die Nebenhandlung mit dem heiligen Franz würde dem Buch etwas fehlen. Eine angenehme Lesestimmung stellt sich ein, man liest und liest und will gar nicht mehr aufhören. Was einem eben noch sperrig und bemüht erschien, ist auf einmal voller Leichtigkeit. Man taucht ein in die Handlung und gleitet dahin. Man ist mit dabei in Frankfurt, am Gardasee, in Kuba und Lucca. Man friert und hungert mit dem heiligen Franz. Und es stört überhaupt nicht, dass das, was Kirchhoff über die Liebe in den besten Jahren erzählt, über alte Paare, die nicht miteinander aber auch nicht ohne einander können, schon tausendmal beschrieben wurde.

Denn was dieses Buch auszeichnet ist seine Sprachmelodie. Beinahe jeder Satz ein Kunstwerk. Eigentlich viel zu schade, um es leise für sich allein zu lesen. Die Liebe in groben Zügen ist ein Vorlesebuch. Eine große literarische Komposition, die einen in Sprache schwelgen lässt und am Ende traurig und nachdenklich zurücklässt. Weil die Lektüre so schön war und weil das Phänomen der Liebe letztlich auch auf über 650 Seiten wohl nur in groben Zügen beschrieben werden kann.


Leben
Leben
von David Wagner
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Literaturgenuss zum Niederknien, 19. Mai 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Leben (Gebundene Ausgabe)
Wer viel liest und sich für Literatur interessiert, hat bestimmt schon mal davon geträumt, selber ein Buch zu schreiben. Keinen belanglosen Unterhaltungsschinken, sondern ein richtiges literarisches Meisterwerk. Ein Buch, das nicht nach einem Jahr auf dem Grabbeltisch landet und nach zwei Jahren schon ausgemustert ist. Etwas für kommende Generationen, was noch da ist, wenn man selbst schon nicht mehr ist. So ein Buch wie David Wagners „Leben“.

Ja, genau so muss es sein. Ein wahrer Literaturgenuss. Bei dem jedes Wort, jeder Satz perfekt sitzt. Mit einem wunderbaren Spannungsbogen, der von der ersten bis zur letzten Seite nicht abreißt. Obwohl eigentlich gar nicht viel passiert. Krankenhausalltag: „Morgens, mittags, abends, nachts. Tagschwester, Nachschwester. Visite, Bereitschaftsarzt. Frühstück, Mittagessen, Abendessen, sonnabends Eintopf, sonntags keine Visite.“

Dazwischen tausend Gedanken. Das, was Menschen durch den Kopf geht, wenn ihnen langweilig ist. Wenn sie an einem trostlosen Ort gefesselt sind. Wenn sie stundenlang auf eine bestimmte Stelle Krankenhaus-Linoleum starren. Wenn der Körper Probleme macht, das eigene Leben seine Selbstverständlichkeit verliert. Ich kenne nur wenige Autoren, die den berühmten „stream of consciousness“ so gekonnt, spannend und zugleich so poetisch zu einem Handlungsstrang formen können. Und dabei auch noch uneitel und authentisch rüberkommen. Und trotz der Thematik nicht mitleidsheischend ins dramatisch Kitschige abdriften. Und alle Fakten gut recherchiert haben. Und sich bei allem eine gewisse Coolness bewahren. Und überhaupt...

Ich bin einfach begeistert. Fünf Sterne für dieses Meisterwerk.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 24, 2013 7:06 PM MEST


Gruber geht
Gruber geht
von Doris Knecht
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Typisch deutsch!, 1. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Gruber geht (Taschenbuch)
Ja, ich weiß. Doris Knecht ist Österreicherin. Trotzdem oder gerade deswegen kam mir beim Lesen immer wieder in den Sinn: typisch deutsch!

Warum? Weil Erfolg immer verdächtig ist. Weil Arroganz bestraft gehört. Weil wir Deutschen ein Problem mit Menschen wie der Romanfigur Gruber haben. Gutaussehende Aufsteiger, die alles haben. Geld, Frauen und Stil. Und nicht zu vergessen: einen Porsche! Solche Menschen mögen wir in Deutschland nicht. Was fällt ihnen ein? Wie kommen sie dazu, uns ihre Überlegenheit so deutlich aufzuzeigen? Und damit unsere eigene Unterlegenheit. Das wollen wir doch mal sehen. Da geht bestimmt nicht alles mit rechten Dingen zu. Abwarten, wer am Ende besser da steht.

Und natürlich geht auch bei Gruber nicht alles mit rechten Dingen zu. Besonders gesundheitlich. Ha!, denkt sich der deutsche Leser! Was nutzt einem das alles, wenn man nicht gesund ist. Und man liest mit Genuss weiter. Erfährt, wie unser Sunnyboy nach und nach alles verliert. Erst die Gesundheit, dann den Erfolg im Beruf und bei den Frauen und zum Schluss mit seinen Haaren auch noch seine Prinzipien. Ja, das geschieht ihm recht. Was musste er auch so überheblich und selbstverliebt sein? Und da er am Ende so fertig ist, dass er sich sogar für Schwule und Kinder erwärmen kann, wird er einem als Romanfigur sogar ein wenig sympathisch. Nein, so geläutert darf er nicht sterben. Wir wünschen ihm alles Gute, dass er den Krebs besiegt und es mit der Sarah doch noch etwas wird. Und genauso kommt es. Happy End mit einem wieder am Boden angekommenen Aufsteiger.

Diese Geschichte ist so typisch deutsch, dass sie sich als Drehbuch für den nächsten romantischen Till-Schweiger-Film geradezu aufdrängt. Was das Buch aber für mich trotzdem lesenswert und wertvoll macht, ist der Schreibstil der Autorin. Locker und auf den Punkt formuliert. Und mit einem erkennbaren literarischen Anspruch. Hier beherrscht jemand sein Handwerk. Wenn beim nächsten mal weniger in die Klischee-Kiste gegriffen wird, darf man auf Doris Knecht weiterhin gespannt sein.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 26, 2013 3:08 PM MEST


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